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So grausam: Das Extra Krimi Riesen-Paket August 2017 - 1200 Seiten Spannung: Alfred Bekker's Krimi Stunde, #5

So grausam: Das Extra Krimi Riesen-Paket August 2017 - 1200 Seiten Spannung: Alfred Bekker's Krimi Stunde, #5

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So grausam: Das Extra Krimi Riesen-Paket August 2017 - 1200 Seiten Spannung: Alfred Bekker's Krimi Stunde, #5

Länge:
1,397 Seiten
19 Stunden
Freigegeben:
Aug 19, 2019
ISBN:
9781386309055
Format:
Buch

Beschreibung

So grausam: Das Extra Krimi Riesen-Paket August 2017

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 1200 Taschenbuchseiten.

 

Dieses Buch enthält folgende Krimis:

 

Cedric Balmore: Sieben auf der Todesliste

Alfred Bekker: Zweisam in Sonsbeck

Alfred Bekker: Hinter dem Mond

Horst Bieber: Nachtarbeiter

Horst Bieber: Nicht jeder Sieg stimmt froh

Horst Bieber: Familienbande

Alfred Bekker: Mörderspiel

 

Pete Hackett: "Lauf um dein Leben, Agent Burke!"

Pete Hackett: Ein tödlicher Deal

Pete Hackett: Die Alternative ist der Tod

Alfred Bekker: Das Phantom von Tanger

Alfred Bekker: Killerjagd

 

Alfred Bekker: Killer ohne Reue

Alfred Bekker: Ein Sarg für den Prediger

Alfred Bekker: Die schlesische Zeitmaschine

Pete Hackett: Die Tote und der Stadtverordnete

 

 

Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden, Sidney Gardner, Jonas Herlin, Adrian Leschek, John Devlin, Brian Carisi, Robert Gruber und Janet Farell.

Freigegeben:
Aug 19, 2019
ISBN:
9781386309055
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


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Buchvorschau

So grausam - Alfred Bekker

So grausam: Das Extra Krimi Riesen-Paket August 2017

Der Umfang dieses Buchs entspricht 1200 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende  Krimis:

Cedric Balmore: Sieben auf der Todesliste

Alfred Bekker: Zweisam in Sonsbeck

Alfred Bekker: Hinter dem Mond

Horst Bieber: Nachtarbeiter

Horst Bieber: Nicht jeder Sieg stimmt froh

Horst Bieber: Familienbande

Alfred Bekker: Mörderspiel

Pete Hackett: „Lauf um dein Leben, Agent Burke!"

Pete Hackett: Ein tödlicher Deal

Pete Hackett: Die Alternative ist der Tod

Alfred Bekker: Das Phantom von Tanger

Alfred Bekker: Killerjagd

Alfred Bekker: Killer ohne Reue

Alfred Bekker: Ein Sarg für den Prediger

Alfred Bekker: Die schlesische Zeitmaschine

Pete Hackett: Die Tote und der Stadtverordnete

––––––––

Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden, Sidney Gardner, Jonas Herlin, Adrian Leschek, John Devlin, Brian Carisi, Robert Gruber und Janet Farell.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch

© by Authors

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Sieben auf der Todesliste

Ein Roberto Tardelli Thriller #19

von Cedric Balmore

Der Umfang dieses Buchs entspricht 111 Taschenbuchseiten.

Dirk Allyson führt ein Doppelleben – als kleiner, biederer Angestellter und als Bote für Don Guilio Mazotti, dem einflussreichsten Mafiaboss der Ostküste. Als er von Ralph Erskine, Mazottis rechter Hand, den Auftrag erhält, ein Kilo Heroin auszuliefern, wird er vor der Übergabe erschossen. Eine Falle? Polizei und FBI stehen vor einem Rätsel. COUNTER CRIME, eine geheime Dienststelle des Justizministeriums, wird eingeschaltet und schickt ihren besten Agenten in die Ermittlungen: Roberto Tardelli – der Mafia-Jäger. Dieser sucht die Freundin des Ermordeten auf und kann gerade noch ihre Entführung verhindern. Kurz darauf wird ein weiterer Mazotti-Mann ermordet – sind hier Mafia-Gegner am Werk oder ist der Täter in den eigenen Reihen der „Ehrenwerten Gesellschaft" zu finden ...?

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Die Hauptpersonen des Romans:

Ralph Erskine — Er hat es satt, die zweite Geige zu spielen und mischt die Karten für einen tödlichen Einsatz.

Gay Emerson — Als die junge Frau merkt, auf was sie sich eingelassen hat, versucht sie den Spieß umzudrehen.

Guilio Mazotti — Er gehört zu den Verlierern, nachdem er ein Leben lang gewonnen hat.

Dirk Allyson — Er arbeitet für die Mafia, und das wird ihm eines Tages zum Verhängnis.

Roberto Tardelli — Seinem Spürsinn ist es zu verdanken, dass ein Mafiaboss und seine Mitarbeiter hinter Gittern landen.

1

Dirk Allyson war bester Laune. Zwar hatte er seinen Auftrag noch nicht erledigt, aber es gab keinen Grund, an dessen erfolgreichem Abschluss zu zweifeln.

Danach, um neunzehn Uhr, würde er Mona treffen, mit ihr essen gehen und anschließend in ihrem kleinen Apartment die sinnlichen Freuden genießen, die sie in so reichem Maße und so leidenschaftlich zu geben verstand.

Dirk Allyson, ein Nassrasierer, pfiff vergnügt vor sich hin, während er in seinem Badezimmer vor dem Spiegel stand und den letzten, schaumbedeckten Bartstreifen entfernte. Er hatte bei seinem Boss einen Stein im Brett und baute auf eine baldige Beförderung. Genau genommen war er darauf gar nicht scharf. Die Botengänge waren nach seinem Geschmack. Er war der Typ, der niemals auffiel und der für ein Risiko, das er selbst als recht gering einstufte, gut bezahlt wurde.

Zugegeben, er saß gleichsam auf dem Pulverfass, er transportierte Millionenwerte, aber die ließen ihn kalt. Er wusste um seine begrenzten Fähigkeiten und hätte es sich niemals einfallen lassen, seine Auftraggeber zu betrügen.

Die wussten natürlich, was sie an ihm hatten. Er ging einer geregelten Arbeit nach, hatte nicht mehr Schulden, als ein Mann in seiner Position guten Gewissens verkraften konnte, und war in allen Dingen, die seine Umgebung zu registrieren vermochte, von beruhigender Normalität.

Was die Leute nicht wussten, und wovon nicht einmal die blonde Mona eine Ahnung hatte, war der Umstand, dass er als Laufbote des Todes fungierte.

Seine kleine Nebenbeschäftigung war sein eigentlicher Hauptjob, der Inhalt seines Lebens und die Grundlage für ein paar geschickt über das ganze Land verteilte Bankkonten, die ein kräftiges Wachstum zeigten.

Dirk Allyson spülte Pinsel und Rasierapparat aus, rieb sich das Kinn mit einem scharfen, herb duftenden Aftershave-Lotion ein, zwinkerte sich im Spiegel zu und runzelte irritiert die Augenbrauen, als im Wohnzimmer das Telefon klingelte.

Er stellte die Flasche aus der Hand und bewegte sich in einer starken Duftwolke zu dem knallroten Apparat, den er sich vor einer Woche hatte installieren lassen, weil er es leid gewesen war, das fade Grau des alten Telefons zu betrachten. Hin und wieder gab er einem plötzlichen Hang zum Luxus nach, aber das hielt sich im Rahmen und wich nicht von den Normen ab, die man von einem Angestellten seiner Kategorie erwartete.

„Ja?", fragte er.

„Hier spricht E., tönte es ihm entgegen. „Bist du allein?

„Ja", erwiderte Allyson beruhigt, als er Erskines Stimme erkannte. Er hatte schon befürchtet, dass Mona aus irgendeinem Grund absagen würde.

„Wir müssen das Ding stoppen. Umleiten, um genau zu sein", sagte der Anrufer.

„Geht in Ordnung", sagte Allyson und setzte sich. Seine gute Laune hatte einen Dämpfer erhalten. Er hasste alles, was von der gewohnten Routine abwich.

„Höre mir jetzt genau zu, bitte, sagte der Anrufer. „Keine Notizen, versteht sich! Du prägst dir ein, was ich dir sage und wiederholst es, damit Missverständnisse ausgeschlossen bleiben. Kapiert?

„Ja."

Allysons Mund war trocken geworden. Er konnte Ralph Erskine nicht ausstehen.

Erskine, die rechte Hand des Bosses, war hart, arrogant und intellektuell, das genaue Gegenteil des Bosses, der zwar nicht weniger hart war, aber konziliant im Ton und ausgestattet mit guten, beinahe väterlich anmutenden Manieren, die einem das Gefühl gaben, für den richtigen Mann zu arbeiten.

„Du packst einen mittelgroßen Koffer mit allem, was du für eine kurze Reise brauchst. Hemden, Kleidung zum Wechseln, Wäsche. Die Ware legst du dazwischen. Mit dem Koffer gehst du zur Central Station, Deck 34, und tust so, als würdest du den L 811 nach Baltimore nehmen. Du besteigst den First-Class-Saloon-Wagen und deponierst den Koffer über dem Platz 44 im dritten Abteil vom Zugende aus gesehen. Du hinterlegst den Koffer allerdings nur dann, wenn auf dem Platz 43 ein dunkelhaariger Mann im Glencheckanzug sitzt. Der Dunkelhaarige wird eine Ausgabe des 'New Yorker' lesen. Wiederhole!"

Allyson spulte ab, was er behalten hatte und fragte: „Wann fährt der Zug?"

„Sieben Uhr vierzig. Du wirst die Plattform um sieben Uhr zwanzig betreten. Sobald du den Koffer losgeworden bist, steigst du aus und besorgst dir eine Zeitung. Niemand wird dich beachten. Du verlässt die Plattform um sieben Uhr dreißig."

Allyson wiederholte das Ganze.

„Okay, sagte Erskine. „Dir bleibt nicht viel Zeit. Ich erwarte, dass du die gewohnte Effizienz zeigst.

Es klickte in der Leitung. Der Anrufer hatte aufgelegt.

Allyson fluchte. Er tippte Monas Privatnummer herunter. Das Freizeichen tutete so lange, dass er schon glaubte, sie sei nicht zu Hause, aber gerade als er auflegen wollte, meldete sie sich atemlos.

„Mann, sagte er und verbarg seine Erleichterung hinter einem mürrischen Ton, „wo hast du bloß gesteckt?

„Im Badezimmer. Ich habe mir das Haar gewaschen. Was gibt’s?", fragte sie.

Er war beruhigt. Es gab Momente, wo er glaubte, Mona hätte noch andere Männer und betrüge ihn, aber wirkliche Beweise für sein Misstrauen hatte er noch nicht gefunden.

„Ich habe noch eine Kleinigkeit zu erledigen, sagte er. „Es wird etwas später werden.

„Wir gehen nicht essen?", fragte sie enttäuscht.

„Aber klar. Ich hole dich gegen acht ab. Einverstanden?"

„Ich warte auf dich. Ich freue mich."

Er grinste. „Bis später", sagte er und legte auf.

Dann packte er den Koffer, ein gutes Stück aus Schweinsleder, dessen Kauf einem seiner Luxusimpulse zu verdanken war. Er stopfte ziemlich wahllos hinein, was ihm gerade in die Hände kam. Das in gelbes Ölpapier gewickelte Paket legte er in die Mitte. Er schloss den Koffer und fragte sich verdrossen, ob, wann und wie er den Koffer zurückbekommen würde, und wem er die Rechnung präsentieren sollte. Dann verdrängte er die Überlegung, ohne zu einem Ergebnis gekommen zu sein, und machte sich auf den Weg, weil er nicht riskieren konnte, sich zu verspäten.

Er betrat mit dem Koffer zur genannten Zeit das Deck 34. Auf dem Bahnsteig herrschte kaum Betrieb. Die Zugfenster waren beleuchtet. Dirk Allyson blickte auf seine Armbanduhr, verglich sie mit der des Bahnsteigs und bewegte sich gemessenen Schrittes auf den Wagen zu, den Ralph Erskine ihm genannt hatte.

Noch ehe er ihn erreichte, knallte es.

Der Knall war nicht besonders laut, wie in Watte verpackt, und er erreichte Dirk Allyson erst, als er abrupt stoppte. Ihm war zumute, als sei er gegen eine unsichtbare Faust gelaufen.

Er verspürte keinen Schmerz, nur eine jähe, erschreckende Schwäche. Sie hatte ihren Ursprung in seiner Brust und verteilte sich rasch auf das gesamte Nervensystem.

Der Koffer entfiel seiner Hand.

Die Ware, dachte er. Die Ware ...

Er wandte den Kopf. Seine Blicke suchten einen Halt, aber die Konturen der Dinge, die ihn umgaben, verzerrten sich, sie lösten sich in Wellenlinien auf.

Dirk Allyson registrierte einen seltsamen Geschmack in seinem Mund.

Blut, dachte er. Das ist Blut.

In der nächsten Sekunde begriff er, dass es aus war.

Er brach mit einem dumpfen Stöhnen in die Knie, dann kippte er mit dem Oberkörper vornüber. Er schlug mit der Stirn hart auf den Betonboden und dachte noch einmal an Mona, dann war alles vorbei.

Dirk Allyson, sechsunddreißig Jahre alt, war tot.

2

Roberto setzte sich neben dem Mann auf die Bank, der die Enten fütterte.

Eine junge Frau, die eine Schwesternkappe trug, rief mit schriller Stimme nach einem Kind, das Andrew hieß, und von der fünften Avenue dröhnte eine Fehlzündung herüber.

Der Entenfütterer wandte den markant geschnittenen Kopf und blickte Roberto an. „Wo haben Sie diese Krawatte erstanden?, fragte er interessiert. „Sie gefällt mir. Ich mag kleine, dezente Muster. Eine vortreffliche Farbkombination.

„Ich habe sie mir schenken lassen", sagte Roberto.

Colonel Myer fischte ein paar Krumen aus der Tüte, die er am Parkeingang von einem Händler erstanden hatte, und warf sie den Enten zu. Es war ein sonniger Vormittag. Jetzt war auch gelegentlich Musik zu hören. Sie kam aus der Gegend des Plaza. Ein Blasorchester. Es war nicht auszumachen, ob es sich um eine offizielle Veranstaltung handelte, um eine Parade vielleicht, oder um eine Werbeaktion.

„Mir schenkt nie jemand etwas", stellte Colonel Myer fest.

„Das ist ein Irrtum, spottete Roberto und schaute sich die Kämpfe an, die die Enten um das Futter austrugen. „Ich schenke Ihnen mein Vertrauen. Es gibt nicht sehr viele in dieser oder in einer anderen Stadt, die sich dieses Entgegenkommens rühmen können.

„Fühlen Sie sich durch Ihre Arbeit für COUNTER CRIME frustriert?", fragte der Colonel.

„Ich kann nicht finden, dass sie mein Leben insgesamt heller und freundlicher gestaltet hat."

Colonel Myer warf eine weitere Handvoll Brosamen in die sich balgende Entenschar. „Überall Kampf, knurrte er. „An sonnigen Tagen wie diesem frage ich mich, was das alles soll.

„Sicherlich haben Sie mich hergebeten, um mich mit ein paar sophistischen Auslassungen über die Bedeutung von Kampf und Gewalt in unserem Leben erbauen zu können", flachste Roberto.

„Haben Sie gelesen, was Dirk Allyson zugestoßen ist?", fragte der Colonel.

„Ich höre den Namen zum ersten Mal."

„Der Mord stand in allen Zeitungen, wenn auch nicht auf den ersten Seiten."

„Die Zeitungen sind voll von Mordgeschichten. Man müsste das Speichervermögen eines Computers haben, um sich alle Namen und Ereignisse merken zu können."

„Dirk Allyson, 36, kaufmännischer Angestellter in einem Büromaschinenverleih, sagte Colonel Myer nachdenklich. „Ein Mann, der bei seinen Kollegen beliebt war, auch wenn er dort niemals eine dominierende Rolle zu spielen vermochte. Eigentlich ein Niemand. Letztes Einkommen dreizehntausend im Jahr. Kleine Mietwohnung in Queens. Eine Freundin namens Mona Animas.

„Tatmotiv?"

„Ein Kilogramm reines Heroin."

„Für wen hat Allyson gearbeitet?"

„Das weiß man nicht. Er war nicht vorbestraft, ein Mann mit reiner Weste, wie es schien ... bis zu der Stunde jedenfalls, wo sein Leben von einem Projektil des Kalibers 7.65 ausgelöscht wurde. Der Mord geschah auf dem Deck 34 der Central Station, lange vor der Abfahrt des dort schon wartenden L 811, exakt um sieben Uhr zwanzig. Es gibt Leute, die den Knall gehört haben, aber keinen, der den Täter sah. Dass es sich um einen Mordanschlag handelte, wurde den wenigen, die auf dem Bahnsteig standen, eigentlich erst in dem Moment bewusst, als sie Allyson neben seinem Koffer zu Boden gehen sahen."

„Wohin fuhr der Zug?"

„Nach Baltimore, erwiderte Colonel Myer. „Es gibt ein paar bohrende Fragen, die sich mit dem Verbrechen verbinden, nicht nur Fragen nach Täter und Motiv, sondern auch solche, die sich auf einige recht spektakuläre Details des Geschehens beziehen.

„Müssen Sie das Zeug unbedingt krümelweise unters Volk bringen?", fragte Roberto und ließ offen, ob er sich auf Colonel Myers Methode des Entenfütterns bezog, oder auf dessen dosierte Informationspolitik.

Colonel Myer leerte den Inhalt der Tüte unter die Entenschar, knüllte das Papier zusammen, schaute sich nach einem Abfallkorb um und steckte, als er keinen sah, die Tüte in die Tasche seines olivgrünen, stark verknitterten Trenchcoats.

„Warum wurde Allyson getötet?, fragte Myer. „Es ist doch wohl anzunehmen, dass es wegen des Rauschgiftes geschah ... aber warum hat man es ihm nicht abgenommen, weshalb hat man nicht versucht, ihm den Koffer zu rauben?

„Ich gehe davon aus, dass die Polizei sich dieselben Fragen stellte, meinte Roberto. „Zu welchem Ergebnis sind die Ermittlungsbeamten gelangt?

„Zu keinem, das befriedigen könnte. Fest scheint nur zu stehen, dass Allyson seine Büroarbeit als Tarnung benutzte, und dass er in Wahrheit ein Mitglied der Mafia war, ein Rauschgifttransporteur. Selbst die sehr intensiv geführten Recherchen von Polizei und FBI vermochten nicht aufzuhellen, für wen Allyson arbeitete - und seit wann."

„Welche Erkenntnisse konnte das Mädchen Mona zu dem Geschehen beisteuern?"

„So gut wie keine. Wie ich den Unterlagen entnehme, wurde sie vom gewaltsamen Tod ihres Freundes ebenso überrascht wie von der Tatsache, dass er Rauschgift transportierte."

„Sie gilt als glaubhaft?"

„Die Beamten sind der Meinung, dass sie die Wahrheit sagt. In den Berichten wird sie übereinstimmend als gefallsüchtig und kokett geschildert, aber auch als fantasiearm und naiv. Sie ist nicht der Typ, der sich etwas einfallen lässt, um die Polizei zu bluffen."

„Jemand könnte ihr eine Legende geliefert haben."

„Es ist nicht zu erkennen, weshalb das geschehen sein sollte. Rauschgiftboten pflegen nicht über ihren Job zu sprechen - schon gar nicht ihren Puppen gegenüber. Insofern ist glaubhaft, dass Mona nichts von den Aktivitäten ihres Liebhabers wusste."

„Was ist mit den spektakulären Punkten, auf die Sie keine Antwort wissen?"

„Es gibt einige davon. Beginnen wir mit dem auffälligsten. Allyson hat Mona am Tatabend gegen sechs angerufen und sich für um acht mit ihr verabredet. Er wollte sie abholen und mit ihr essen gehen. Warum eilte er stattdessen zum Bahnhof, um den Zug nach Baltimore zu erreichen? „Vielleicht wollte er gar nicht verreisen. Vielleicht hatte er den Auftrag, den Koffer an einen Mittelsmann zu übergeben, meinte Roberto.

„Kann schon sein, aber da der Koffer gefüllt war mit Wäsche, Socken, Klamotten und all dem Zeug, mit dem man auf eine Reise geht, ist anzunehmen, dass er wohl doch beabsichtigte, die Stadt mit dem Zug zu verlassen. Eines freilich spricht dagegen", schloss der Colonel.

„Nämlich?"

„Der Koffer enthielt keine Toilettenartikel. Würden Sie ohne Rasierapparat und Zahnbürste verreisen?"

„Sie kennen die Antwort, knurrte Roberto, den es irritierte, wenn nach Selbstverständlichkeiten gefragt wurde. „Hatte er eine Fahrkarte bei sich?

„Nein, aber das hat nichts zu besagen. Die hätte er beim Zugschaffner lösen können. Allyson war kein prominenter Mann, auch wenn die Tatsache, dass in seinem Koffer ein Kilogramm unverdünntes Heroin gefunden wurde, vermuten lässt, dass zwischen dem Bild, das er der Öffentlichkeit bot, und dem, was er in Wahrheit verkörperte, kein Zusammenhang bestand. Heroin in diesen Mengen wird nicht von fliegenden Händlern vertrieben, sondern nur von Leuten, die der Mafia dienen. Vieles spricht dafür, dass Allyson ein Opfer rivalisierender Familien geworden ist. Deshalb ist Allyson für uns als Einstieg so interessant. Unsere Gegner sind nur schwer zu schlagen, wenn man an die Bosse herangeht ... aber wir können sie kriegen, indem wir einen Fall wie diesen aufrollen. Ich bin überzeugt davon, dass Sie die gewohnte, gute Arbeit leisten werden."

„Wie und wo soll ich beginnen?"

„Ich überlasse es Ihnen, den richtigen Weg zu beschreiten, meinte der Colonel. „Sie wissen wirklich nicht, wo die Krawatte gekauft wurde?

„Ich kann Ihnen den Hersteller verraten, sagte Roberto und nannte einen bekannten französischen Couturier. Colonel Myer nickte dankbar. „Ein guter Tipp, sagte er. „Vielleicht erwische ich mit einigem Glück das gleiche Design. Es würde Sie doch nicht stören, wenn Sie es an mir entdeckten?"

„Ich könnte damit leben", meinte Roberto lächelnd.

3

Als sie die Tür öffnete und ihn aus großen, runden Augen musterte, glaubte Roberto zu wissen, dass es reine Zeitverschwendung sein würde, sich mit Mona Animas zu unterhalten. Aber nun war er schon einmal hier und konnte ebenso gut versuchen, aus der Situation das Beste zu machen.

Mona Animas sah wahrhaftig nicht übel aus. Ihre Figur konnte sich sehen lassen, aber man brauchte nur das puppenhafte Gesicht zu betrachten, um zu erkennen, wie es um die intellektuellen Fähigkeiten der jungen Dame bestellt war.

Mona Animas war ein reizvolles Dummchen, mehr nicht, aber vielleicht erinnerte sie sich dennoch an das eine oder das andere aus Dirk Allysons Leben, was für die Lösung des Falls von Bedeutung sein konnte.

Die Kunst in der Konversation mit Leuten vom Schlage der Mona Animas bestand darin, eine Goldader zu entdecken, von deren Vorhandensein die Besitzerin selbst nichts wusste.

Roberto wies sich aus.

Es geschah nicht sehr häufig, dass er dies tat, denn die Dienststelle des Justizministeriums, die ihn beschäftigte, legte Wert auf Geheimhaltung und trat nur selten so offiziell in Erscheinung wie jetzt und hier.

Das Wohnzimmer, in das Mona Animas ihren Besucher führte, entsprach genau dem, was Roberto erwartet hatte. Es war rundherum plüschig, mit Kissen überladen, und durch einen himmelblauen Nippesgeschmack verdorben.

„Ein Mann vom Justizministerium, sagte Mona Animas, nachdem sie und Roberto Platz genommen hatten. „Ist das so was wie FBI?

„Haben Sie mit Leuten vom FBI gesprochen?"

„Natürlich, die sind doch zuständig für Rauschgiftaffären, Mona Animas nickte, sichtlich stolz darauf, mit ihrem Wissen prahlen zu können. „Das waren sehr gebildete Herren. Richtige Gentlemen. Und ich dachte immer, das seien raue James-Bond-Typen! Sie kicherte, ohne erkennen zu lassen, warum.

„Wahrscheinlich richte ich jetzt eine Menge Fragen an Sie, die so oder ähnlich schon einmal gestellt wurden, meinte Roberto, „aber das macht Ihnen hoffentlich nichts aus. Wir suchen den Mörder. Vor allem möchten wir wissen, wie das Heroin in Dirks Besitz gelangen konnte. Vor der Polizei haben Sie klargestellt, dass Sie von keinerlei Verbindungen Ihres Verlobten mit Rauschgifthändlern wussten, ja, dass sie ihn sogar für den Inbegriff eines loyalen, gesetzestreuen Bürgers hielten ...

„Irgendwie glaube ich heute noch, dass er das war, erklärte Mona Animas. „Vermutlich hat er gar nicht gewusst, was das Paket enthielt. Oder er hat es nicht wissen wollen. Ich nehme an, dass er einem Freund einen Gefallen tat und dabei blindlings ins Verderben rannte.

„Wer waren seine Freunde?"

„Er hatte keinen, an dem er wirklich hing oder mit dem er sich regelmäßig traf, aber es gab im ,Silverjoint‘ ein paar Typen, die er gut kannte und mit denen er gern herumflachste", meinte Mona Animas.

„Beim ,Silverjoint‘ handelt es sich um eine Kneipe, nehme ich an?"

„Um ein Pub. Es ist im englischen Stil aufgemacht und sah vor zwei Jahren wirklich gut aus, aber inzwischen wirkt es ziemlich heruntergekommen. Kein Wunder, bei diesen Gästen!", fügte sie naserümpfend hinzu.

„Es war Dirks Stammkneipe?"

„Genau. Ich war zwei- oder dreimal mit ihm dort, ich glaube, es hat ihm gefallen, sich dort mit mir sehen zu lassen. Er war stolz auf mich, wissen Sie."

„Mit gutem Grund, nehme ich an. War er großzügig im Umgang mit Geld?"

„Eher geizig, würde ich sagen, maulte Mona Animas. „Geschenke kriegte ich grundsätzlich nur an Geburtstagen und Weihnachten - aber mehr als einen Fünfziger hat er dafür niemals springen lassen. Roberto nickte. Er tat interessiert, aber in Wahrheit ödete ihn das Gespräch an. Verplemperte Zeit! Dirk Allyson hatte sicherlich gewusst, was von den geistigen Qualitäten seiner Geliebten zu halten war, er war nicht so töricht gewesen, ihr Dinge anzuvertrauen, die ihn leicht Kopf und Kragen hätten kosten können. Dass er dennoch auf so tragische Weise ums Leben gekommen war, hatte gewiss nichts mit Mona Animas zu tun.

„Sie mokieren sich über die Gäste des ,Silverjoint‘, sagte Roberto. „Sind die so mies?

„Wie man’s nimmt. Von einem weiß ich, das er ein richtiger Gangster ist. Ein Mafioso!"

„Tatsächlich?"

„Dirk hat es mir anvertraut."

„Wann war das?"

„Schätzungsweise vor drei oder vier Monaten. Dirk war an diesem Abend im Pub ziemlich aufgekratzt. Das war er immer, wenn er beim Würfeln gewann. Diese blöden Spiele! Es ging stets nur um einige Biere oder Gin, aber die Kerle taten, als riskierten sie ihr ganzes Glück."

„Wie hieß der Gangster? Erinnern Sie sich?"

„Sie nannten ihn Brody. Ich weiß nicht, ob das der Vor-, der Zu- oder ein Spitzname war. Brody. Ja, so hieß er."

„Bestanden zwischen Dirk und Brody irgendwelche Beziehungen?", fragte Roberto.

„Sie wissen, wie Männer in Kneipen sind. Die prosten sich zu, klopfen sich gegenseitig auf die Schultern und mimen Verbrüderung. So ernst ist das allerdings nicht zu nehmen. Auf der Straße erkennen sie sich dann kaum wieder. Natürlich kamen Brody und Dirk gut miteinander aus. In der Kneipe, wohlgemerkt. Das war nichts Besonderes. Das hat nichts zu besagen. Überhaupt nichts. Dirk war kein Held, glaube ich. Er lehnte sich gern an Stärkere an. Es war kein Wunder, dass er sich bemühte, mit Brody auszukommen, aber das bedeutet nicht, dass sie befreundet waren."

„Hat Dirk seinerzeit etwas darüber verlauten lassen, für wen Brody arbeitet?"

„Kann sein, dass er’s gesagt hat, aber ich erinnere mich nicht daran."

„Haben Sie mit den Beamten des FBI oder der Polizei über Brody gesprochen?"

„Nein. Warum hätte ich das tun sollen? Die haben mich nicht danach gefragt, und ich persönlich glaube nicht, dass Brody in den Fall verwickelt ist. Wenn man ihn verdächtigen wollte, könnte man ebenso gut jedem anderen aus dem ,Silverjoint‘ etwas anzuhängen versuchen."

„Wo ist das ,Silverjoint‘?"

„In Queens. Arch Street. Die Nummer kann ich Ihnen nicht sagen, aber der Laden ist nicht zu verfehlen, schon gar nicht nach Einbruch der Dunkelheit. Die Leuchtreklame ist über ein paar Meilen hinweg zu sehen."

Roberto bedankte sich, stand auf und wurde von Mona Animas in die Diele begleitet. „Da ist noch etwas, meinte sie und legte einen Finger an die Lippen. „Es fällt mir gerade ein. Streng genommen verfolgt es mich schon seit Tagen. Ich habe keine Ahnung, ob es von Belang ist und ob ich wegen dieser Geschichte die Polizei verständigen soll.

Roberto war stehen geblieben. Er blickte dem Mädchen in die porzellanblauen Augen. In seinem Inneren schlug eine Glocke an. Zeigte sich jetzt die dicke Goldader, auf deren Existenz er gewartet hatte?

„Es ist etwa sechs Wochen her, erinnerte sich Mona Animas. „Vielleicht auch acht. Genau weiß ich’s nicht mehr. Dirk hatte mich an einem arbeitsfreien Sonnabend zum Friseur gebracht. Nachdem wir uns verabschiedet hatten, fiel mir ein, dass ich vergessen hatte, ihn nach dem Treffpunkt für den Abend zu fragen. Ich lief Dirk also hinterher und stoppte, als ich sah, wie er einen Mann begrüßte. Die Begegnung war zufällig, aber sie war so ... so eigenartig, dass sie mich verunsicherte und dass ich nicht den Mut fand, hinzuzutreten.

„Warum?"

„Der Mann, der mit Dirk sprach, passte nicht in unsere Kreise. Er sah blendend aus und war tipptopp in Schale, Kaschmir und so ... und er war, ehe die beiden sich begrüßten, gerade aus einem dieser überlangen Spezial-Cadillacs geklettert, wie sie gern von betuchten Leuten gefahren werden. Das war’s, was mich irritierte. Dirk kannte meines Wissens keine Millionäre. Er hatte auch nicht die berufliche oder gesellschaftliche Position, um von denen zur Kenntnis genommen zu werden. Und jetzt, ganz plötzlich, redete er mit einem solchen Typ."

„Können Sie ihn beschreiben?"

„Gewiss. Ich würde ihn sofort wiedererkennen, wenn er mir über den Weg liefe. Er ist etwas über mittelgroß, schlank und dunkelhaarig. Auch die Augen waren dunkel. Er hat ein scharf geschnittenes Profil. Alles an ihm wirkte ziemlich scharf, würde ich sagen. Er ist ein Mann wie ein Messer, nein, wie ein Dolch. Das Gefühl, das ich bei seinem Anblick hatte, war beklemmend. Ich ertappte mich dabei, dass ich nach einigem Zögern kehrt machte und zurückging, einfach so, ohne nochmals mit Dirk gesprochen zu haben. Seltsamerweise fand ich auch später, weder an jenem Abend, noch zu einem anderen Termin, den Mut, Dirk zu fragen, wer damals sein Gesprächspartner gewesen ist."

„Wie alt war der Bursche?"

„Etwas über dreißig, würde ich sagen. Ja, Mitte der Dreißig. Das dürfte hinkommen."

„Wurde der Cadillac von einem Chauffeur gesteuert oder fuhr der Mann ihn selbst?"

„Er fuhr den Schlitten selbst. Ein langes Boot. Bronzemetallic mit schwarzem Dach. New Yorker Zulassung, daran erinnere ich mich noch."

„Aus der Art, wie zwei Menschen miteinander umgehen, lässt sich viel über die gesellschaftliche Stellung des Einzelnen ablesen, meinte Roberto. „Wie benahm Dirk sich diesem Mann gegenüber?

„Devot. Ein anderes Wort fällt mir nicht ein. Dirks Unterwürfigkeit erschreckte mich. Sie war mitschuldig daran, dass ich mich aus dem Staube machte. Ich konnte einfach nicht mit ansehen, wie Dirk diesem Kerl gegenüber kleine Brötchen buk."

„Ich glaube, Sie haben mir sehr geholfen, Miss Animas, sagte Roberto und meinte, was er sagte. „Ich danke Ihnen.

4

Sie speisten in einem Nobelrestaurant an der 52sten Straße und machten nach außen hin den gelassenen, selbstsicheren Eindruck von Leuten, die es sich leisten können, exklusiven Tafelfreuden zu huldigen, und die imstande sind zu beurteilen, was die Küche ihnen auftafelt.

Die Aufmerksamkeit, mit der sie bedient wurden, hatte gute Gründe. Der Ältere von beiden, ein grauhaariger, aber recht drahtig und vital wirkender Mittsechziger, war kein anderer als Don Guilio Mazotti, von dem es hieß, dass er der einflussreichste Mafiaboss der Ostküste sei. Ihm gegenüber saß seine rechte Hand, Ralph Erskine, vierunddreißig.

Erskine war ein Managertyp, geschmeidig und dynamisch, ausgestattet mit einem gut geschnittenen Kopf und wachen, dunklen Augen, einer leisen, eindringlichen Stimme und einer etwas nervös wirkenden Art, die darauf beruhte, dass er stets voller Ideen steckte und den Ehrgeiz hatte, sie zu verwirklichen.

Einige dieser Ideen hatten der Mafia schon zu erheblichen Gewinnen verholfen. Erskine galt als Spezialist im Aufspüren von Marktlücken. Das traditionelle Geschäft mit der Prostitution, dem Rauschgift und der Erpressung überließ er anderen. Eingefahrene Gleise waren nicht nach seinem Geschmack. Er suchte den Reiz des Neuen.

Obwohl es so schien, als seien die beiden Männer ohne Begleitung gekommen, wurden sie tatsächlich von insgesamt vier Bodyguards beschützt. Zwei der Männer saßen unweit von Erskine und Mazotti, während die anderen beiden direkt am Eingang Platz genommen hatten.

Das Bedienungspersonal kannte sowohl die illustren Gäste als auch ihre Begleitung. Dergleichen war in dieser Umgebung üblich, niemand verlor darüber ein Wort.

„Sie sollten sich meine Vorstellungen von einer Spezialtruppe noch einmal durch den Kopf gehen lassen, Sir, sagte Erskine, der es sich zur selbstverständlichen Angewohnheit gemacht hatte, seinen Boss mit dem Respekt zu behandeln, der früher einem Feudalherrscher entgegengebracht wurde. „Hätten wir sie schon, wäre die Panne mit Allyson nicht passiert.

„Das war keine Panne, grollte Mazotti, „das war ein Anschlag auf mich. Allyson war unser Mann. Mein Mann. Sein Tod lässt eine Rechnung offen. Ich will, dass du sie für mich begleichst.

„Meine Leute sind schon unterwegs. Sie sammeln Informationen, aber bis jetzt liegt völlig im Dunkeln, was sich hinter dem Anschlag verbergen könnte", meinte Erskine.

Sie waren beim Mokka angelangt. Erskine gab etwas Sahne in die nachtschwarze Flüssigkeit und beobachtete interessiert, wie sich die Zutat wolkig ausbreitete. „Hinterher ist es immer schwierig, die Zusammenhänge zu rekonstruieren, meinte er. „Es wäre besser und richtiger, die Situation, das heißt, die Männer, die Situationen schaffen oder in solche geraten können, genau zu kennen. Was wir brauchen, ist eine Datenbank. Eine exakte Überwachung unserer Mitarbeiter. Ich weiß selbst, dass sie sich nicht lückenlos durchführen lässt, schon aus Personal- und Kostengründen. Wenn aber die Leute, die für uns arbeiten, und auch diejenigen, die gegen uns sind, wissen, dass wir mit einer Art Geheimpolizei alles registrieren, beobachten und kontrollieren, wird allein der Abschreckungseffekt viele davor bewahren, uns ein Bein stellen zu wollen. Natürlich kann das Ganze nur dann funktionieren, wenn die anderen Organisationen mitspielen. Die Truppe, an die ich denke, muss überregional arbeiten, sie muss objektiv und neutral als Dachorganisation der gesamten ,Ehrenwerten Gesellschaft‘ dienen.

„Schlag’ dir das aus dem Kopf. Es geht nicht."

„Es ginge, wenn Sie Ihren ganzen Einfluss geltend machen würden, um die Spezialtruppe Wirklichkeit werden zu lassen", erwiderte Erskine.

Mazotti seufzte. Er war Erskine in vielerlei Hinsicht ähnlich, sogar im Äußeren. Wer die beiden nicht kannte, hätte sie für Vater und Sohn halten können. Auch Mazotti besaß ein scharf geschnittenes Profil, und seine dunklen Augen waren so wach und glänzend wie die des Jüngeren.

„Ich will dir sagen, warum ich nicht mitspiele. Mein Erfolg beruht darauf, dass ich stets nur Vorschläge akzeptierte und Pläne in die Tat umzusetzen versuchte, die mir praktikabel erschienen. Was dir da vorschwebt, mag intellektuell seine Berechtigung haben, aber für die Praxis taugt es nichts. Ich will dir die Gründe nennen. Eine Datenbank, wie sie dir vorschwebt, könnte leicht für uns zum Bumerang werden. Stell’ dir nur einmal vor, was geschehen würde, wenn das FBI oder die Bullen die Unterlagen eines Tages zu Gesicht bekämen. Das wäre für die zuständigen District Attorneys ein gefundenes Fressen ..."

„Wir wissen auch nicht, zumindest nicht im Detail, welche Informationen dem FBI über uns vorliegen, meinte Erskine, der nicht aufgab. „Zuweilen gelingt es uns, jemand in das Räderwerk unserer potentiellen Gegner einzuschleusen, aber viel mehr als ein paar Einzelinformationen haben wir bei diesen Gelegenheiten nie erhalten. Warum soll es umgekehrt nicht ebenso gut funktionieren? Es ist eine Frage der Organisation. Es ist eine Frage des Personals. Wenn Sie es mir überließen, diese Truppe zu schaffen, würde ich mich für deren Effizienz verbürgen.

Mazotti grinste. „Du willst also, wenn ich dich recht verstehe, dem FBI eine Konterorganisation gegenüberstellen - gewissermaßen ein MBI, ein Mafia Bureau of Investigation." Er lachte kurz.

Erskine blieb ernst. „Genau das will ich. Ich weiß, dass es gut sein würde. Ein Fall wie der von Allyson demonstriert, wie hilflos wir zuweilen sind, wenn es darum geht, einen Angriff auf die Organisation aufzuklären. Hätte ich eine Datenbank, dann wüsste ich, mit wem Allyson verkehrte, wer ihn beobachtete. Ja vielleicht wüsste ich sogar, wer ihn tötete. Im günstigsten Fall jedoch wäre dank einer solchen Einsatztruppe der Mord an Allyson vermutlich gar nicht denkbar gewesen. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, welchen Wert der Stoff hatte, den Allyson bei sich trug und der jetzt in der Asservatenkammer der Polizei lagert. Allein von diesem Geld hätten die Grundlagen der Organisation geschaffen werden können!"

„Da ist noch ein Punkt, den du übersiehst", sagte Mazotti sanft.

„Nämlich?"

„Die Macht. Wer die Datenbank leitet, wer immer der Chef einer solchen Einsatztruppe wäre, hätte mehr Macht in seinen Händen als ich oder ein anderer Don. Ich wüsste niemand zu nennen, der an den Schalthebeln sitzt, der bereit wäre, so viel Macht bei einem anderen zu tolerieren. Ich schließe mich dabei ein, mein Lieber."

„Schade, wirklich schade. Wir bemühen uns, nach den Methoden modernen Managements zu arbeiten, wir machen Gebrauch von der modernen Technik, aber wir verzichten auf ein Instrument, wie es selbst eine Drittlandregierung besitzt. Wir haben keine wirkliche Geheimpolizei."

„Wir sind bis jetzt auch ohne sie gut über die Runden gekommen. Wir haben unsere eigenen, bewährten Methoden, Gegner aufzuspüren und mit ihnen abzurechnen. Warum sollten wir uns davon distanzieren? Nein, ich sehe wahrhaftig keinen Grund, deinen ,Plan‘ ernsthaft in Erwägung zu ziehen."

„Vielleicht haben Sie recht, meinte Erskine lächelnd. „Alles in allem läuft der Laden ja wie geschmiert. Ich bin nun mal ein Perfektionist. Ich möchte erreichen, dass es keine Pannen mehr gibt, überhaupt keine. Je reibungsloser die Organisation funktioniert, umso unauffälliger lässt sie sich in das gesellschaftliche Gesamtsystem integrieren. Und darauf kommt es mir an. Das Wort Mafia ist für viele noch ein rotes Tuch, das Symbol des Schreckens. Erst wenn wir es geschafft haben, völlig unauffällig zu arbeiten, erst wenn die Leute fragen: ,Was ist eigentlich aus der guten, alten Mafia geworden? Gibt es sie überhaupt noch?‘ werde ich mit dem Erreichten zufrieden sein können. Sein Lächeln vertiefte sich. „Ich bleibe dabei. Ein MBI würde dieses Ziel fördern und sichern. Das MBI wäre ein Instrument, das alle zu disziplinieren wüsste."

„Ich kenne andere, nicht weniger effektvolle Methoden zur Disziplinierung, sagte Mazotti und blickte auf seine Uhr. „Ich denke, die beiden Jungen sind dabei, sie zu praktizieren. Ja, sie müssten bei ihr sein. Erskines Gesicht drückte Verständnislosigkeit aus. „Sie sehen mich ratlos, sagte er. „Wovon sprechen Sie?

Mazotti lachte kurz und spöttisch. „Das ist typisch für dich. Du möchtest alle Fäden in der Hand halten und fällst aus den Wolken, wenn ich mal etwas anordne, ohne dich um deinen Rat gebeten zu haben. Ich bin immer noch der Boss, mein Junge. Vergiss das nicht."

Über Erskines blasses Gesicht kroch eine leichte Röte. „Muss ich wirklich versichern, dass mein gelegentlicher Übereifer nur dem Wunsch entspricht, es Ihnen recht zu machen - und zwar in jeder Hinsicht?"

„Schon gut, winkte Mazotti ab. „Du bist okay. Ich habe Ken und Robby zu dieser Mona geschickt.

„Zu welcher Mona?"

„Mona Animas. Allysons Freundin."

„Was ist mit ihr?"

„Ich habe Ken und Robby ersucht, die junge Dame mal gründlich durch den Wolf zu drehen."

„Was versprechen Sie sich davon?"

„Frauen beobachten gut. Weil sie sich auch für Nebensächlichkeiten interessieren, verfügen sie im Allgemeinen über erstaunliche Detailkenntnisse. Der Anschlag auf Allyson kam bestimmt nicht von ungefähr. Wenn er von unseren Gegnern erledigt wurde und das Ganze als ein an meine Adresse gerichtetes Warnsignal sein soll, müssen ein paar Leute Allyson beobachtet und Einzelheiten über seinen Tagesablauf gesammelt haben. Vielleicht hat Mona die Leute gesehen - oder sogar unterstützt."

„Das glauben Sie?"

„Es geht nicht darum, was ich glaube. Ken und Robby werden sich Gewissheit verschaffen."

„Den Zeitungsberichten ist zu entnehmen, dass Mona von Allysons Tod überrascht wurde. Sie hat nicht die geringste Erklärung für das Verbrechen."

„Kann schon sein, dass sie die Wahrheit sagt, kann aber auch sein, dass sie lügt. Oder? Ken und Robby werden bald wissen, wie die junge Dame einzustufen ist."

„Das gibt ein Unglück", murmelte Erskine.

Mazotti grinste. „Wie kommst du denn darauf? Sicher, Ken und Robby sind Grobiane, die kennen im Umgang mit ihren Opfern kein Pardon, aber gerade das zahlt sich immer wieder aus. Sein Grinsen vertiefte sich. „Die guten, alten Methoden, von denen ich sprach! Sie mögen nicht in die Zeit passen, sie mögen Hass und Entsetzen gegen die Mafia verbreiten und nicht in dein Harmoniekonzept passen, aber sie haben den Vorzug, den gewünschten Effekt zu bringen. Sie machen Leute gesprächig.

„Ich hoffe, Sie behalten recht, Sir", erklärte Erskine mit eisig wirkender Miene.

„Dir passt das Ganze nicht. Okay!, meinte Mazotti und winkte den Ober heran. „Die Rechnung, bitte. Der Ober verbeugte sich und verschwand. Mazotti blickte schon wieder Erskine ins Gesicht. „Was kann denn schon passieren? Die Kleine wird ein paar Blessuren davontragen, na und? Aber wenn Ken und Robby mit ihr durch sind, werden wir alle Informationen haben, die für uns von Bedeutung sind."

„Oder auch keine", sagte Erskine.

„Ja, oder auch keine, räumte Mazotti mit gleichgültig klingender Stimme ein. „Aber selbst dann war die Aktion ein Erfolg, denn in diesem Falle wissen wir, dass Mona Animas uns nichts vorenthalten hat.

5

„Wissen Sie eigentlich, wie spät es ist?", empörte sich Mona Animas beim Anblick des männlichen Besuchers. Sie bedauerte, ihm die Tür geöffnet zu haben. Tatsächlich hatte sie geglaubt, der Mann vom Justizministerium sei noch einmal zurückgekommen. Er hatte ihr gefallen und war genau ihr Typ gewesen. Warum hatte sie nicht versucht, ihm klarzumachen, wie einsam sie sich fühlte und wie bereit sie war, sich trösten zu lassen?

Der Mann, der geklingelt hatte und mit düsterem Grinsen vor ihr stand, flößte ihr Angst ein. Er war groß und klobig, nein eher grobschlächtig, ein Kerl, dem man den Schlägertyp ansah und in dessen steingrauen Augen ein kaltes Funkeln stand, das ihr eine Gänsehaut verursachte.

„Ich muss dich sprechen, Mädchen", sagte er.

Mona Animas schlug die Tür zu. Sie versuchte es jedenfalls, aber der vorschnellende Fuß des Mannes verurteilte die Aktion zum Scheitern.

„Nicht doch, Mädchen, sagte der Mann und schob die Tür zurück. „Wir wollen doch gut miteinander auskommen, oder? Sein Lachen war hässlich und vertiefte Monas Gänsehaut. So lachte nur einer, der genau das Gegenteil von dem meinte, was seine Worte ausdrückten.

„Wer sind Sie?", fragte Mona mit bebender Stimme.

„Ich bin Ken. Einfach Ken. Genügt dir das?"

Er drückte die Tür hinter sich zu. Monas Schultern sackten herab. Warum hatte sie nicht um Hilfe geschrien, als die Tür noch offen gewesen war. In der Wohnung nebenan wohnten die Griffiths. Max Griffith war einmal Boxer gewesen. Ein netter Mann. Ein Hüne von Kerl. Wenn er merkte, dass sie bedroht wurde, würde er mit ihrem Gegner kurzen Prozess machen. Aber er wusste nicht, was gespielt wurde, und sie hatte jetzt nicht den Mut, um Hilfe zu schreien.

„Gehen wir ins Wohnzimmer, schlug Ken vor. „Ich möchte sehen, wie du lebst, Mädchen. Es interessiert mich. Mich interessiert überhaupt sehr vieles. Deine Beziehungen zu Allyson zum Beispiel. Ein Jammer, dass er auf so tragische Weise enden musste, was? Im Halbdunkel eines dreckigen Bahnsteigs.

Ken Oyler war siebenunddreißig. Er arbeitete seit mehr als zehn Jahren für Mazottis Organisation. Trotz seines Eifers, dem Boss zu imponieren, und trotz der Skrupellosigkeit, mit der er jeden Auftrag ausführte, war es ihm niemals gelungen, über den Rang eines ,Hitman‘ hinauszuwachsen. Er war aber zufrieden. Er wusste um die Grenzen, die seine Intelligenz ihm setzte, und es genügte ihm, bei all denen Furcht und Schrecken zu verbreiten, die der Organisation schadeten oder sie bedrohten.

Mona ging voran. Sie trug einen weißen Nylonhausmantel, der ihre sanft gerundeten, biegsamen Glieder umspielte und dessen Qualitäten Dirk oft genug rühmend erwähnt hatte. Jetzt fühlte sie sich in dem Kleidungsstück denkbar unwohl. Der Gedanke, dass der Fremde versuchen könnte, sie anzufassen oder ihr Gewalt anzutun, verursachte ihr Übelkeit.

Sie setzte sich und achtete dabei sorgfältig darauf, dass der Mantel nicht auseinanderfiel. Sie saß auf der vorderen Kante des Sessels, gleichsam sprungbereit. Der Mann blieb dicht vor ihr stehen, er blickte grinsend auf sie herab.

„Wer hat’s getan?", fragte er.

„Wer hat was getan?"

„Dummchen! Wer Dirk ins Jenseits gepustet hat?"

Die Frage erleichterte Mona. Wenn dieser Kerl mit der hässlichen Visage gekommen war, um etwas über den Mord zu erfahren, konnte sie ruhigen Gewissens erklären, nichts von den Hintergründen des Verbrechens zu wissen.

„Ich habe keine Ahnung, wirklich nicht, sagte sie. „Die Polizei war hier. Agenten des FBI. Weil’s doch um Rauschgift geht. Vorhin hat mich sogar ein Mann vom Justizministerium besucht ...

„Wer?"

„Ein Mann vom Justizministerium. Tatsache ist, dass ich keinem helfen konnte. Dirk hat mir nie etwas von Rauschgiftgeschäften erzählt. Ich glaube auch nicht, dass er in sie verwickelt war. Ich bin überzeugt davon, dass er missbraucht wurde und möglicherweise gar keine Ahnung hatte, was das Päckchen in seinem Koffer enthielt."

„Nein?, höhnte Oyler. „Jetzt erzähle ich dir mal was, Honey. Es war sein Koffer. Und es waren seine Klamotten, die sich darin befanden, nicht wahr? Das habe ich jedenfalls den Zeitungen entnehmen können. Demnach wollte er verreisen. Mit einem Kilogramm Heroin. Ich wüsste gern, wer ihn daran gehindert hat, und warum. Ich interessiere mich buchstäblich für alles, was mit der Sache im Zusammenhang steht. Ich möchte erfahren, weshalb er allein verschwinden wollte, und mich fasziniert die Frage, warum man ihn tötete und darauf verzichtete, ihm das Heroin abzunehmen.

„Das weiß ich auch nicht."

„Du hast doch mit ihm gepennt, stimmt’s? Er war dein Liebhaber."

Mona errötete. „Was hat das damit zu tun?"

„Eine ganze Menge. Ein Mann wie Dirk hat dir vertraut. Er hat mal diese oder jene Bemerkung fallen gelassen. Er wollte dir doch imponieren, oder? Jeder Mann will, dass seine Puppe auf ihn stolz ist. Er war’n kleiner Mann in einer bedeutungslosen Firma. Das kann dich doch nicht beeindruckt haben! Ich wette, er wusste, dass du ihn nur dann liebst, achtest und respektierst, wenn er dir zeigen kann, was wirklich in ihm steckt. Schließlich hat er mit Millionenwerten jongliert. Versuche mir nicht weiszumachen, dass er das niemals erwähnte. Er wäre doch verrückt gewesen, wenn er auf seine Weise nicht versucht haben würde, damit anzugeben."

„Er hat niemals ein Wort über Rauschgift verloren ... höchstens abschätzig und mitleidsvoll, aber das bezog sich stets auf die Leute, die an der Nadel hängen. Er hatte für sie kein Verständnis", sagte Mona.

„Wenn man dich so anschaut, wenn man deine großen Augen betrachtet und deine Stimme hört, könnte man fast meinen, du sagst die Wahrheit, antwortete Ken Oyler. „Das Dumme ist nur, dass ich zu den großen Zweiflern gehöre. Ich bin der geborene Skeptiker, besonders was Frauen angeht. Ich falle nicht auf ihre hübschen Larven rein, falls du verstehst, was ich meine. Ich wette, es gibt ein paar Dinge, die du den Bullen vorenthalten hast.

„Warum hätte ich das tun sollen?"

„Das tun doch alle. Der Zweck der Übung liegt auf der Hand. Man möchte Ärger vermeiden."

„Ärger mit wem?"

„Zum Beispiel mit Dirks Lieferanten. Mit den Leuten, die ihn bezahlten. Oder mit denen, die ihn dazu überredeten, sich den Stoff zu schnappen und die Kurve zu kratzen."

„Ich hatte keinen Grund, mir derlei Gedanken zu machen, meinte Mona. „Ich wusste von nichts, und ich weiß von nichts. Das ist die Wahrheit.

„Siehst du, seufzte Oyler, „so läuft das immer in meinem Leben. Ich gebe den Leuten eine Chance. Ich bin bemüht, vernünftig mit ihnen zu sprechen. Und was geschieht? Sie schwindeln mir die Hucke voll. Ist es da ein Wunder, dass ich ausflippe und manchmal vergesse, dass ich als Sohn eines Methodistenpredigers zur Welt gekommen bin?

Er schlug zu, nicht sehr hart, aber so plötzlich, dass Monas Kopf herumflog. Ihre Augen weiteten sich. Sie war entsetzt. Größer noch als das Entsetzen war jedoch die Angst, die sie schüttelte.

Sie erkannte mit Entsetzen, dass es dem Mann Spaß machte, sie zu quälen. Er war der geborene Schläger.

„Das war nur der Anfang, höhnte er. „Ohrfeigen sind nichts Schönes, aber sie sind harmlos im Vergleich zu den Tricks, die sich noch in meinem Angebot befinden. Ich rate dir, sie nicht herauszufordern. Sie könnten für deine hübsche Larve von langfristiger, schädigender Wirkung sein.

Mona zitterte am ganzen Körper. Ihre Augen füllten sich mit Tränen. „Bitte schonen Sie mich!", flehte sie und schämte sich gleichzeitig ihrer so pathetisch vorgebrachten Worte.

„Aber klar, Baby. Warum nicht? Ich bin kein Unmensch. Es genügt mir, wenn du ausspuckst, was du den Bullen vorenthalten hast, sagte Oyler. „Versetz’ dich mal in meine Lage! Ich werde dafür bezahlt, dass ich Informationen beschaffe. Wenn ich mit leeren Händen zurückkehre, bekomme ich Ärger. Aus verständlichen Gründen bin ich daran interessiert, ihn zu vermeiden. Greif’ mir dabei ein wenig unter die Arme, und wir können gute Freunde werden!

„Aber ich weiß doch nichts. Ich ..." Weiter kam sie nicht.

Oyler schlug erneut zu.

Mona erlebte plötzlich etwas, das sie sich nicht zugetraut haben würde und das nicht im mindesten zu der Angst passen wollte, die sie eben noch empfunden hatte. Sie wurde wütend, mehr noch, sie wurde von einer wahren Raserei gepackt. Sie hasste den Eindringling, sie hätte ihn getötet, wenn sie in diesem Moment eine zweckdienliche Waffe in ihren Händen gehabt hätte.

Sie stand auf. Sie spuckte dem Mann ins Gesicht, dann ging sie auf ihn los, kreischend, beißend und tretend. Wie eine Furie. Oyler war so verblüfft, dass er lediglich in einem Abwehrreflex den Arm hob, aber als er Monas scharfe, kratzende Fingernägel in seinem Gesicht spürte, reagierte er so, wie es nach seinem Verständnis die Lage erforderte.

Er schlug Mona erneut ins Gesicht. Eine Szene wie diese war ganz nach seinem Geschmack. Sie lieferte ihm den Vorwand, seine Muskeln spielen zu lassen. Das war es, was er wollte und brauchte, was ihn befriedigte und seinen sadistischen Neigungen entgegen kam.

Mona stolperte zurück.

Sie versuchte, nicht zu fallen, aber dann ging sie doch zu Boden. Sie war rasch wieder auf den Beinen.

Ein neuerlicher Treffer warf sie um. Sie blieb schluchzend liegen, immer noch mehr von Hass als von Furcht erfüllt.

Sie hob den Kopf. „Hilfe!, schrie sie mit gellender Stimme. „Hilfe!

Oyler presste ihr seine große, feuchte Hand auf den Mund. Mona versuchte hineinzubeißen, aber das ging nicht, ihr Mund fand nicht den notwendigen Spielraum.

Sie hatte plötzlich Atemnot. Ihre Augen quollen aus den Höhlungen. Der Hass war verschwunden, die Angst verdrängte ihn. Der Mann lachte. Mona rang nach Luft, würgend und schluckend, aber die unerbittliche Gangsterhand stand diesem verzweifelten Bemühen im Wege.

„Ich bringe dich um, du kleine Kröte, drohte Oyler. „Ich mache dich fertig, wenn du nicht spurst!

Monas Körper erschlaffte, er streckte sich.

Oyler nahm die Hand zurück. Stirnrunzelnd betrachtete er das Mädchen. Er begriff, dass sie nicht simulierte. Sie hatte das Bewusstsein verloren.

Oyler richtete sich auf, sah sich im Zimmer um und öffnete das Barfach des Wandschranks. Er entnahm ihm eine Whiskyflasche, füllte damit ein Glas und trank daraus. Er füllte es nach und kippte den Inhalt langsam und gezielt über Monas Gesicht.

Die honigfarbene Flüssigkeit sickerte über ihre Haut und lief auf den fast weißen Spannteppich.

Mona hob die Lider. Sie blickte dem Mann geradewegs ins Gesicht. „Hallo", sagte Oyler.

Er war dabei, das Glas zum dritten Mal zu füllen. Er stellte die Flasche aus der Hand, trank, und sagte beinahe friedlich: „Die Fronten sind jetzt geklärt, nicht wahr? Du weißt, woran du mit mir bist. Ich bin der Stärkere. Ich kenne kein Pardon, wenn es darum geht, einen Auftrag zu erfüllen. Du wirst also ausplaudern, was du weißt, sonst könnte es geschehen, dass du erneut in eine wenig erfreuliche Situation gerätst."

Mona stemmte sich hoch. Sie torkelte ein wenig, als sie auf den Beinen stand. Sie griff sich ins Gesicht, dann blickte sie herab auf ihren weißen Hausmantel, der ein paar Whiskyflecke abbekommen hatte.

Die gehen wieder raus, dachte sie. Mit warmen Wasser. Gleichzeitig wunderte sie sich, dass sie imstande war, in dieser Situation an so banale, nebensächliche Dinge zu denken. Aber vielleicht verdrängte sie damit nur die Erkenntnis, dass das Entsetzen, mit dem sie konfrontiert wurde, noch lange nicht beendet war.

„Für wen hat er gearbeitet?", wollte Oyler wissen und trat, mit dem Glas in der Hand, vor ein Bild hin, das aus dem ,Playboy’ stammte und stets Dirks Wohlgefallen erregt hatte. Es zeigte eine junge Farbige, die ihren makellosen Körper in sehr spektakulärer Weise zur Schau stellte.

Mona sah den Rücken ihres Feindes, seine bullige Figur, den muskulösen, kurzen Hals, und den Schädel mit seinem rostbraunen, gewellten Haar.

Der Kopf erschien ihr wie eine Zielscheibe, auf ihn konzentrierte sich ihr Hass und ihre Entschlossenheit, dem Gegner heimzuzahlen, was er ihr angetan hatte und noch immer antat.

Mona handelte wie in Trance, fast so, als folgte sie einem fremden Befehl.

Der Mann kehrte ihr immer noch den Rücken zu und musterte das Bild. Ihm schien zu gefallen, was es zeigte.

Mona bewegte sich auf dem weißen Spannteppich nahezu lautlos. Sie griff nach der Whiskyflasche. Sie handhabte sie wie eine Waffe und schlug zu.

Das Glas entfiel Oylers Hand. Im nächsten Moment ging er selbst zu Boden, abrupt und ohne erkennbare Reflexe. Er fiel hart und schwer und blieb dann liegen, ohne sich zu rühren.

Mona zitterte. Sie spürte ein Gefühl des Triumphes, aber das Hochgefühl hielt nur ein paar Sekunden an, dann machte es einem anderen Empfinden Platz, einer jähen, tiefen Furcht.

Hatte sie den Mann getötet?

Sie trat ans Telefon. Sollte sich doch die Polizei mit ihm beschäftigen! Was immer auch geschehen war sie hatte in Notwehr gehandelt.

Hatte sie das wirklich getan?

Sie hatte ihn von hinten niedergeschlagen, in einem Augenblick, wo er wehrlos gewesen war und nicht gewusst hatte, was ihn bedrohte. Na, und? Hätte sie warten sollen, bis er sich umdrehte und sie erneut peinigte?

Sie hielt den Telefonhörer in der Hand, aber ihr fehlte plötzlich der Mut, den Notruf zu wählen.

Sie hatte genug von der Polizei, genug von diesen quälenden Befragungen, genug vor allem von dem Eindruck, dass es zu viele Beamte gab, die ihr misstrauten und bis zu diesem Moment glaubten, sie könnte ihnen etwas verheimlicht haben und in Wahrheit wissen, weshalb Dirk hatte sterben müssen.

Ihr fiel der Mann vom Justizministerium ein. Er hatte ihr sein Kärtchen dagelassen, für den Fall, dass ihr noch etwas einfallen würde und sie den Wunsch haben sollte, mit ihm darüber zu sprechen.

Roberto Tardelli. Marriots Essex House. 160 Central Park South.

Mona legte den Hörer aus der Hand. Zum Teufel mit ihm. Zum Teufel mit allen Männern. Selbst ein so unscheinbarer Typ wie Dirk hatte ihr letzten Endes nur Ärger gebracht. Sie trat an Oyler heran, ohne zu wissen, wer er eigentlich war und wie er hieß, sie beugte sich über ihn und erschrak, als sie den Ausdruck in seinen Augen sah.

Es war die eisige Kälte des Todes.

Mona schluckte. Sie drehte sich um, trat erneut ans Telefon und wählte die Nummer des Marriots. Die Rezeption meldete sich. Sekunden später hatte sie Roberto an der Strippe.

„Ich brauche Sie, würgte Mona mit bebender Stimme hervor. „Ich brauche Sie ganz dringend!

„Was ist passiert?", fragte Roberto.

„Ich ... ich kann Ihnen das so nicht sagen. Nicht am Telefon", meinte sie.

„Sie sind zu Hause?"

„Ja."

„Ich bin in einer halben Stunde bei Ihnen", versicherte Roberto und legte auf.

Er hielt Wort. Als er das Haus betrat, in dem Mona Animas wohnte, hörte er streitende Stimmen. Es war nicht genau zu verstehen, worum es ging, aber offenbar waren die beiden Männer hart aneinandergeraten und durchaus bereit, auch die Fäuste zu benutzen, um ihren Argumenten Nachdruck zu verleihen.

Er klingelte an Monas Tür. Die Stimmen kamen aus der darüber liegenden Etage. Jetzt mischte sich auch eine Frau ein, mit kreischender, sich überschlagender Stimme. Roberto verstand nur einzelne Wortfetzen. Es ging um einen Hund.

Roberto wiederholte das Klingeln.

Niemand öffnete.

Auf der Treppe wurden Schritte laut. Ein Mann tauchte auf, mit hochrotem Gesicht. Er wandte sich sofort an Roberto. „Haben Sie das mitgekriegt?, fragte er. „Der spinnt doch! Mit seinem Köter gibt es immer Ärger, seitdem die hier eingezogen sind. Das sagen alle im Haus, nicht nur ich. Der pinkelt sogar ins Treppenhaus!

Roberto schwieg. Dem Mann schien aufzugehen, dass er sich nicht den richtigen Gesprächspartner ausgesucht hatte, er wechselte das Thema. „Sie wollen zu Miss Animas? Die ist weggegangen."

„Wann?"

„Lassen Sie mich nachdenken. So vor zwanzig Minuten, würde ich sagen."

„Allein?"

„Nein, da war’n Mann in ihrer Begleitung. Kein sehr freundlich wirkender Typ, wenn Sie mich fragen

„Alt oder jung?"

„Dreißig, würde ich sagen. Ein richtiger Gorilla. Aber was heißt das schon! Ich habe ’n Schwager, der sieht nicht viel anders aus und ist der sanftmütigste Mensch, den man sich nur vorstellen kann. Nichts für ungut, Mister, aber ich muss mich sputen ... meiner Frau sind die Zigaretten ausgegangen."

Er hastete weiter, die Treppe hinab, ohne Robertos Antwort abzuwarten.

Roberto klingelte erneut. Ohne Erfolg.

Im Haus war es jetzt still. Roberto bückte sich und nahm das Türschloss in Augenschein. Eine Allerweltsmarke ohne technische Raffinessen. Roberto holte das kleine Lederetui aus der Hosentasche, das er meistens bei sich trug, und dessen Inhalt ihm schon wiederholt von Nutzen gewesen war, wenn plötzliche Hindernisse seinem Informationshunger im Wege gestanden hatten.

Natürlich war er als Mitarbeiter von COUNTER CRIME dazu verpflichtet, das Gesetz zu respektieren, aber seine Dienststelle drückte schon mal ein Auge zu, wenn eine Aktion wie diese sich damit rechtfertigen ließ, einem Bedrängten zu helfen oder einem Gangster das Handwerk zu legen.

Roberto brauchte nur eine halbe Minute, um das Schloss zu überlisten. Er betrat die Diele, in der Licht brannte, drückte die Tür hinter sich zu und rief: „Hallo?"

Niemand antwortete.

Roberto öffnete die Tür zum Wohnzimmer. Auch hier brannte Licht. Roberto trat über die Schwelle.

Er sah sofort die dunklen Flecke auf dem Teppich, und den sehr viel größeren in Höhe des Sideboards.

Und noch etwas war dort zu sehen: ein paar Autoschlüssel mit einem Anhänger, der aus einem messingnen ,K‘ bestand.

Roberto bückte sich danach. Die Autoschlüssel gehörten, wie der Markenaufdruck zeigte, zu einem Chrysler. Roberto berührte den Fleck. Er war noch nass. Roberto steckte die Schlüssel ein und richtete sich auf.

In dem Moment hörte er, wie jemand einen Schlüssel ins Schloss der Wohnungstür schob.

Mona Animas, schoss es durch Robertos Kopf, aber gleichzeitig war etwas in ihm, das ihn warnte und hinter der Lehne eines Ohrensessels in Deckung gehen ließ. Wie gut er daran getan hatte, so zu reagieren, zeigte sich nur Sekunden später. Die Wohnungstür öffnete sich. Die Schritte, die rasch und zielstrebig die Diele durchquerten, wurden fraglos von einem Mann verursacht.

Der Mann betrat das Zimmer. Roberto blieb in Deckung. Er hörte, wie der Mann an das Sideboard trat und mit seinen Füßen ein paar Scherben zur Seite stieß.

„Verdammter Mist!", fluchte der Mann.

Roberto richtete sich auf, zog die Autoschlüssel aus seiner Tasche, hielt sie hoch und fragte: „Suchen Sie möglicherweise die hier?"

Der Besucher schnellte auf den Absätzen herum, dann erstarrte er förmlich, mit weit auf gerissenen Augen und offenem Mund, offenbar unfähig, zu begreifen, wie er das Verhalten des Fragestellers einordnen sollte.

„Wer sind Sie?", würgte er schließlich hervor.

Roberto trat hinter dem Sessel hervor. „Das wollte ich gerade Sie fragen."

Der Besucher hatte sich gefangen. Er war knapp dreißig, blond und blauäugig, aber er wirkte weder so jungenhaft noch so sympathisch, wie das häufig genug bei Leuten dieser Kategorie anzutreffen ist. Das Blau seiner Augen hatte einen eisigen Charakter, das Haar war um einige Nuancen zu hell und zu stumpf, und der Schnitt des Gesichtes verriet eine lauernde, dumpfe Brutalität, die vor nichts zurückschreckte.

Er trug Jeans und einen schwarzen Lederblouson. Darunter ein knallig kariertes Sporthemd mit offenem Hemdkragen.

„Ich wüsste wirklich gern, mit wem ich es zu tun habe", sagte Roberto sanft.

„Ehe ich darauf antworte, müssen Sie mir schon verdammt genau sagen, was Sie hier treiben, erklärte der Mann. „Schließlich befinden Sie sich in der Bleibe meines Mädchens.

„Interessant, sagte Roberto. „Waren Sie schon mit der Kleinen liiert, als es Dirk Allyson noch gab?

„So klein ist sie nun wieder nicht. Eine Puppe, die genau weiß was sie will", höhnte der Mann.

„Das beantwortet meine Frage nicht."

„Es gibt Fragen, die ich nicht mag, und Fragesteller, die ich nicht ausstehen kann. Sie gehören dazu. Wer oder was sind Sie? Ein Schnüffler? Ein Bulle oder so was? Nein, so sehen Sie nicht aus. Für Bullen habe ich einen Riecher. Lassen Sie mich tippen. Sie sind Reporter, habe ich recht? Sie sind einer von denen, die ihre Nase in so ziemlich alles stecken, was sie zwar nichts angeht, aber Geld zu bringen verspricht. Oder sind sie ’n Privatdetektiv, der beweisen will, dass er klüger ist, als die Polizei? Er lachte kurz. „Ja, das ist es. Das sind Sie. Jetzt will ich Ihnen mal was flüstern. Ich kannte Dirk Allyson gar nicht. Natürlich habe ich gehört, was ihm zugestoßen ist. Eine dumme Geschichte. Aber was mich angeht, so habe ich keine Ursache, sein trauriges Ende zu beweinen. Mona ist mir in den Schoß gefallen wie eine reife Frucht. Sie braucht Trost. Den gebe ich ihr jetzt. Zufrieden?

„Nein."

„Auch gut", sagte der Mann.

„Es überrascht mich, dass Mona Ihnen so rasch einen Schlüssel für die Wohnung überlassen hat. Wo ist das Mädchen jetzt, in diesem Augenblick?"

Der Mann grinste. „Vorausgegangen, um den bestellten Tisch einzunehmen. Wir haben beschlossen, essen zu gehen. Was dagegen?"

„Nein."

„Ich danke Ihnen. Sie sind sehr großzügig. Also: Unterwegs fiel es Mona ein, dass sie die Wagenschlüssel in der Wohnung liegen gelassen hat. Ich bin nochmals zurückgekehrt, um sie zu holen. Ein Kavalier alter Schule! Er streckte die offene Hand aus und schloss mit plötzlich sehr barsch klingender Stimme: „Her mit den Dingern!

„Wofür steht das ,K‘?", fragte Roberto.

Der Mann runzelte die hellen Augenbrauen. „Woher soll ich das wissen?, fragte er unwirsch. „Vermutlich hatte sie mal einen Freund, der ihr den Anhänger geschenkt hat. Als Souvenir. So was soll’s ja geben. Oder haben Sie eine bessere Erklärung dafür?

Robertos Gesicht zeigte keine Regung. Es blieb hart und ein wenig düster.

„Wie Sie sehen können, ist hier eine Whiskyflasche zu Bruch gegangen, sagte er. „Der Teppich ist noch nass. Wäre die Flasche nur jemand zufällig aus der Hand gefallen, hätte der weiche Spannteppich den Aufschlag gemildert und ein Zerplatzen der Flasche unmöglich gemacht. Ich muss also annehmen, dass sie ganz bewusst zerschlagen wurde - möglicherweise im Zusammenhang mit einer harten, tätlichen Auseinandersetzung.

„Mann, haben Sie eine Fantasie! Sie lässt sich nur mit Ihrem beknackten Beruf entschuldigen. Leute wie Sie dichten in alles etwas hinein. Natürlich muss es mit Gewalt zusammenhängen, mit kriminellen Energien, so was verkauft sich besser, nicht wahr? Er lachte. „Das ist alles absurd, vollkommener Blödsinn! Mona ist ein Girl. Ein sehr hübsches sogar. Mädchen wie sie lösen ihre Probleme nicht mit Schlagwaffen. Umgekehrt braucht niemand eine Flasche zu zerdeppern, um ein junges Mädchen auszuschalten. Können Sie meinen Erklärungen folgen?

„Nein", sagte Roberto.

„Mann, Sie töten mir den Nerv. Wie kommen Sie denn überhaupt in Monas Bude?"

„Ich weiß noch immer nicht, wie Sie heißen."

„Ich könnte es Ihnen sagen, aber ich will nicht. Der Mann grinste. „Zufrieden?

Roberto lächelte.

Die Situation eskalierte. Er wusste genau, was ihn erwartete und sah der Konfrontation mit Gelassenheit entgegen, aber auch mit Resignation.

Er hatte gelernt, seine Fäuste zu benutzen und den Kampfplatz im Allgemeinen als Sieger zu verlassen, aber das bedeutete keineswegs, dass er sich gern prügelte. Im Gegenteil. Er hasste diese Zwischenspiele, aber er musste damit leben, dass viele seiner Gegner der Argumentationskraft ihrer Fäuste vertrauten, und zwar blindlings.

„Nein", sagte Roberto.

„Die Schlüssel!"

„Sie kriegen sie, wenn Sie mich zu Mona bringen oder mir sagen, wo sie sich aufhält."

„Jetzt reicht es mir", sagte der Mann, riss beide Fäuste hoch und marschierte geradewegs auf Roberto zu.

Der ging auf Distanz, leicht überrascht. Er hatte mit einem heimtückischen Angriff gerechnet. Der Blonde war sich seiner Sache offenbar sehr sicher. Tatsächlich bewiesen seine ersten Schläge, wie beweglich er war. In seinen Fäusten war eine Menge Dampf.

Roberto fintierte. Er wartete ab. Er ließ den Gegner kommen, hielt die Deckung geschlossen und war zunächst damit beschäftigt, keine Treffer zu kassieren.

Der Blonde begriff rasch, dass er einen Experten vor sich hatte, der Technik und Routine entwickelte. Das machte den Angreifer so wütend, dass er die Gangart verdoppelte, es stachelte seinen Ehrgeiz an.

Roberto ging mit.

Er stach die Linke heraus, genau im richtigen Moment.

Der Blonde blinzelte. Er hatte den Schlag nicht einmal kommen sehen.

Er brauchte ein paar Sekunden, um sich zu sammeln und die veränderte Situation zu überdenken.

Offenkundig hatte er seinen Gegner unterschätzt. Noch während der Blonde sich eine neue Taktik zurechtzulegen versuchte, griff Roberto an.

Der Blonde konterte.

Die Männer steigerten das Tempo. Sie schlugen aufeinander ein, als gälte es, die Schnelligkeit ihrer Reflexe zu vergleichen. Roberto schnitt dabei allerdings eindeutig besser ab.

Der Blonde war hochrot geworden. Er begann keuchend zu atmen. Roberto zog die Rechte ab.

Sein Gegner begann zu japsen.

Roberto trieb den Blonden buchstäblich vor sich her. Der stolperte, wagte einen letzten, wütenden Ausfall, und ging abrupt dann zu Boden, als ihn ein Schwinger auf den Punkt traf.

Roberto stieß die Luft aus.

Ihm war bei dem Fight warm geworden.

Er ging zum Fenster und öffnete es, dann machte er kehrt, beugte sich über den Blonden und klopfte ihn nach Waffen ab. Der Mann trug ein Klappmesser in der Gesäßtasche. Roberto nahm es an sich und steckte es ein, dann holte er dem fast Bewusstlosen die Brieftasche aus dem Blouson.

Der Führerschein in der schäbigen Plastikhülle lautete auf den Namen Robert Marsh.

Roberto prägte sich die Daten ein und schob die Hülle mitsamt Inhalt zurück in den Blouson.

Dann setzte er sich und wartete.

Marsh kam wieder zu sich, aber er hatte es nicht eilig, sich

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