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Vom Hängen und Würgen: Dresdens schaurige Geheimnisse

Vom Hängen und Würgen: Dresdens schaurige Geheimnisse

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Vom Hängen und Würgen: Dresdens schaurige Geheimnisse

Länge:
212 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 15, 2017
ISBN:
9783946906032
Format:
Buch

Beschreibung

Im Mittelalter ging es nicht immer human zu. Doch nur die wenigsten wissen, welche Grausamkeiten sich einst in der Gegend abgespielt haben, in der sie heute leben.
Der Dresdner Autor und Experimentelle Archäologe Mario Sempf ändert das. Er zieht das staubige Tuch des Vergessens von den alten Akten. Seit vielen Jahren schon erforscht er die mittelalterliche Gerichtsbarkeit in Dresden und Umgebung.
Welche Rolle spielten die Henker und Scharfrichter im Leben der Residenzstadt? Wo befanden sich die Richtplätze und welch schreckliche Urteile wurden dort vollstreckt?
Lebendig und eindrücklich erzählt der Autor von zahlreichen wahren Begebenheiten und schauderhaften Anekdoten aus dem finsteren Bestrafungsalltag der Stadt in früheren Jahrhunderten.
Er stützt sich auf eigene Experimente und Feldversuche, auf kürzlich wiederentdeckte Akten und Gerichtsprotokolle, auf Notizen in Chroniken, die lange übersehen wurden, sowie neue Erkenntnisse, die bei Ausgrabungen und Archivforschungen zutage gekommen sind. So wirft er ein anderes Licht auf das Rechts- und Strafverständnis jener Zeit und eröffnet dem Leser einen Blick auf die Stadt, wie sie zuvor kaum jemand kannte.
Eine Gänsehaut-Lektüre mit Anspruch.

„Es geht ans Eingemachte, und das ist erkennbar wörtlich zu nehmen." (Dr. Mark Benecke)
Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 15, 2017
ISBN:
9783946906032
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Vom Hängen und Würgen - Mario Sempf

Vorwort zum Buch von Dr. Mark Benecke

Zänkerinnen und Verleumdern, Säufern und Nachtschwärmern – ihnen allen drohten in und um Dresden gesalzene Strafen. Dass die Region auch heute noch strenger bewacht ist als der Rest Deutschlands, ist eine moderne Schleife. Denn Strafen waren früher allerorten vor allem eins: drastisch. Im Folgenden werden Sie daher von Dresdens schwarzem Tag – allerdings nicht dem vom Februar 1945, sondern einem im Oktober 1417 – hören, von der mildesten aller Todesstrafen (dem Enthaupten, das allerdings des Öfteren nicht so recht gelang) sowie vom Hängen, Verbrennen, Sieden, Hand-Abschlagen und Rädern.

Wer diese Tötungstechniken schon kennt, wird eine Sammlung anekdotenhafter und – aus der Sicht eines im Erzählen Geübten – locker aneinandergereihter Geschichten und Nacherzählungen finden, deren Besonderheit der örtliche Bezug ist. Mario Sempf erlebt das Geschehene bewegt mit: »Wenn angstschlotternde Frauen mit schrecklichen Platzwunden und Knochenbrüchen immer noch versuchten, den wutschnaubenden Teufel in dem Erdloch zu zerfleischen [gemeint ist der Ehemann, M.B.], kochte die Stimmung des gewaltversessenen Pöbels hoch. Und erst dann, wenn die kleine Kampfarena nach Schweiß und Blut roch, wollte Zufriedenheit einkehren. Blieb der Mann bei diesem Zweikampf dennoch Sieger, so stand ihm das Recht zu, die nun für schuldig erklärte Frau lebendig zu begraben.« Uff!

Der Text ist aber nicht nur belebt, sondern auch umfangreich. Hexenprozesse in Dresden, das Bahrrecht, der Kniegalgen und Menschen mit unehrlichen Berufen geistern durch die wahren Geschichten. Entfernt sich der Textbogen zu weit von Dresden, so liefert das Buch immerhin Andeutungen, darunter die von der »berühmten Henkersfamilie Sanson«, deren eines Mitglied »vor lauter Aufregung stolperte und von der hohen Holztribüne hinab in die gierige Menschenmenge stürzte«. So war es wirklich, aber ich will, da es sich in Kurzform vielleicht doch allzu unglaublich anhört, das Ganze ein wenig unterfüttern.

Der im Buch nur angerissene gestürzte Henker war Gabriel Sanson. Bei seinem Sturz vom Schafott im Jahr 1792, mitten in einer laufenden Hinrichtung, war er keine 25 Jahre alt. Folge: Sein Bruder Henri, der den in der Familie tatsächlich weitergereichten Job nun vom gemeinsamen Vater übernahm, richtete im Jahr danach, im Oktober 1793, Marie Antoinette. Das war die wegen ihrer Verschwendungssucht viel gehasste Königin von Frankreich und Navarra, mithin die Ehefrau König Ludwig XVI. Wer diese Geschichte schon märchenhaft findet, der wird sich auch nicht darüber wundern, dass das Leben genau dieser Marie Antoinette mittlerweile als Musical auf der Bühne ist – geschrieben von Michael Kunze, der nicht nur einer der Texter von Udo Jürgens (R. I. P.) ist, sondern auch der fantastische Librettist des Musicals »Tanz der Vampire« sowie Autor des hervorragenden Buches »Straße ins Feuer. Vom Leben und Sterben in der Zeit des Hexenwahns«. Das Buch fußt auf Kunzes juristischer Doktorarbeit und schildert in lebendiger Form die Geschichte einschließlich der Hinrichtung der Familie Pappenheimer – samt Folter und öffentlichem Blick darauf.

Et voilà: Die heute nur noch aus Redewendungen bekannten Pappenheimer gab es wirklich. Genauso wirklich war der Foto-Fund von Joan Gage, die im Jahr 2012 das wunderbare Bild der Enkelin des Henkers Sanson fand, mit dem handschriftlichen Vermerk: »Louise Sanson. Descendante de Sanson qui décapita Louis XVI, Roi de France«. Geschossen wurde das Foto in Lüttich im Fotostudio Sanson auf dem Boulevard d’Avroy. Manchmal holt uns die Vergangenheit eben schneller ein, als wir es wahrhaben möchten …

Angesichts solch weiter Bögen und Schwünge ist es verständlich, dass Mario Sempf regional bleibt und in Ruhe die angebliche Hexe Heidine Wiedemann aus Glashütte zu ihrer Verbrennung am »Rabenstein« nahe dem »Wilsdruffer Tor« begleitet. Dort vernimmt er »markerschütterndes Geschrei« und wittert den »Gestank von verbranntem Holz und verkohltem Fleisch«. Es geht ans Eingemachte, und das ist erkennbar wörtlich zu nehmen. Lassen Sie sich daher von Mario Sempf – statt in Archive und Bibliotheken – hinaus zu Köpfungen, Nagelungen und einigen verdammt zähen Hinrichtungen mit dem Schwert führen, bei denen auch schon mal die Ehefrau des Henkers glaubt, einspringen zu müssen (und es mit tragikomischen, jedenfalls unerwartet tödlichen Folgen auch tut), weil ihr schluffiger Gatte auf einmal weiche Knie bekommt.

Zum Glück geht es übrigens nicht immer tödlich aus. Hin und wieder gab es beispielsweise Begnadigungsakte nach »dreimaligem zum Tode Erschrecken«. Und wer das Buch aufmerksam liest, wird sogar den Stein finden, auf dem zwischen Seershausen und Ohof bis heute mitten im Wald geschrieben steht: »Hinrichtungsstätte des ehemaligen Amtes Meinersen, letzte Hinrichtung am 27. Februar 1829«.

In diesem Sinne: Viel Freude mit der regionalgeschichtlichen Anekdoten- und Berichtsammlung, die der Autor Mario Sempf schwungvoll für Sie, liebe und gewiss unbescholtene Leser(-innen), zusammengetragen hat.

Dr. Mark Benecke Dresden, Januar 2017

Kriminalbiologe

Vorwort zum Buch von Dr. Marita Genesis

Gewalt ist eine stetige Begleiterin der menschlichen Geschichte. Unterschiedlichste Formen von Gewalt durchziehen weite Räume des alltä glichen Lebens. Zudem fasziniert Gewalt; Umberto Eco bezeichnete sie gar als »Quelle der Lust« . Das ist heute so – und war auch in historischen Zeiten nicht anders. Tagebücher von Scharfrichtern erleben Neuauflagen, zahlreiche Stadtchroniken warten neuerdings mit feiner Darstellung ihrer Gerichtsakten auf und Aspekte historischer Strafrechtspraxis wie Folter und Vollstreckung diverser Todesstrafen gelangen mehr und mehr in den Fokus auch populärwissenschaftlich angelegter Bücher. Die rechtshistorischen Aufzeichnungen eines fernen Mittelalters, die fast ausschließlich auf dem Gewohnheitsrecht basieren, und die Rechtsgrundsätze einer näheren Neuzeit mit ihren humanistischen Prägungen und aufklärerischen Ideen lassen die Entwicklung eines zum Teil sehr gewaltvollen Strafrechts aus schriftlicher Sicht erkennbar nachvollziehen. Bildhafte Darstellungen aus allen Zeiten vermögen dieser Entwicklung die nötige visuelle Abrundung zu verleihen. Erst seit wenigen Jahren hat sich eine weitere Quellengattung zur Dokumentation rechtsgeschichtlicher Prozesse etabliert: die Richtstättenarchäologie. Sie befasst sich mit der Untersuchung der Richtplätze sowie mit der archäologischen Freilegung, Bergung und anthropologischen Dokumentation der Skelette. Diese noch verhältnismäßig junge Disziplin im Bereich der Rechtsarchäologie ermöglicht es, durch die Erfassung der materiellen Überreste historischen Strafrechts Rechtsnormen und historische Rechtsvergangenheit an Orten und Regionen zu rekonstruieren und zu interpretieren. Lediglich zwei Plätze der Strafgerichtsbarkeit wurden bisher europaweit vollständig ausgegraben (Alkersleben/Thüringen, Genesis 2014; Emmenbrücke-Luzern/Schweiz, Manser et al 1992). Der Forschungszweig steht mit seinen archäologischen sowie anthropologischen und historischen Ergebnissen damit noch am Anfang.

Was leistet die Richtstättenarchäologie?

Zunächst dokumentiert sie unterschiedliche Bauanlagen, die den Platz als Ort der Blutgerichtsbarkeit kennzeichnen. Dabei kann es sich um runde oder viereckige steinerne Fundamente handeln, die den Galgen getragen haben. Aber auch große Pfostenlöcher, in denen die aufgehenden Holzpfosten für einen zwei-, drei- oder vierschläfrigen Galgen gestanden haben, können das Hochgericht anzeigen. Weitere einzelne Pfostenlöcher dürften Räderpfähle, Brennpfähle für Scheiterhaufen oder auch Pfähle zur Ausstellung einzelner Gliedmaßen darstellen. Darüber hinaus werden Grabgruben, in denen Hingerichtete, Selbstmörder, Fremde oder eines plötzlichen bzw. »schlimmen« Todes (ohne Beichte) Verstorbene verlocht wurden, dokumentiert. Die auf Richtstätten vergrabenen Menschen galten als infam, ehrlos und aus der Gesellschaft ausgeschlossen. Diese besondere Ehrlosigkeit ist den dort Bestatteten noch heute anzusehen. Lieblos und achtlos sind sie in meist zu kleinen, unebenen Gruben regelrecht entsorgt worden. Entgegen dem christlichen Bestattungsritus, liegen sie häufig in Seiten- oder Bauchlage, die Orientierung ist in den seltensten Fällen Ost-West gerichtet. Mehrfachbestattungen dokumentieren ein gleichzeitiges oder zeitnahes Hinrichten, Knochengruben hingegen eine lange Hängedauer der Hingerichteten an Rad oder Galgen. Die Körper der Delinquenten geben noch heute ein beredtes Zeugnis ihrer Todesstrafe ab. Findet sich zum Beispiel der Schädel im Beinbereich an, ist hier schon in situ der Befund des Enthauptens erkennbar. Synchron verlaufende Bruchspuren an den Extremitäten dagegen können auf Räderungen schließen lassen. Deutlich markiert auch die Lage der Arme eine juristisch verfügte Strafvollstreckung: Sind sie unter dem Becken oder Rücken gekreuzt, lässt dies auf Fesselung für einen reibungslosen Urteilsvollzug schließen. Damit stellt die Richtstättenarchäologie eine wesentliche Komponente bei der Erfassung historischer Strafrechtsprozesse dar. Zudem ermöglicht sie, die Unterschiede lokaler Urteilsvollstreckung im Dickicht juristischer Strafverfahren aus archäologischer Sicht zu verdeutlichen. Unmittelbar mit den mittelalterlichen sowie neuzeitlichen Richtstättenbefunden ist die Berufsgruppe des Scharfrichters, in späteren Zeiten auch des Abdeckers, verbunden. Jede Erörterung der Strafvollstreckung und der Folter ist zugleich eine Darstellung des Mannes, der beides zu erledigen hatte. Die Person des Scharfrichters wird – hauptsächlich in älteren Abhandlungen – aufgrund der levis notae macula auf seine nachrichterliche Tätigkeit im Strafvollzug und seine Ausgrenzung aus der kollektiven Gemeinschaft reduziert. Seine medizinischen Kenntnisse, sein sozialer Wohlstand und seine Stellung innerhalb der städtischen Gesellschaft sind Aspekte jüngerer Literatur. Ältere Literatur berichtet über diese mit Infamie beladene Berufsgruppe mit teilweise althergebrachten Vorurteilen und überholten Attributen. Das vorliegende Werk von Mario Sempf gehört in die Reihe jener Arbeiten, die dem modernen Menschen die Welt der historischen Strafgerichtsbarkeit anhand lokaler Geschichte näherbringen. Er bedient sich dabei der Person eines Dresdner Scharfrichters, aus dessen Blickwinkel er dem Leser die verschiedenen Aspekte scharfrichterlicher Tätigkeit beschreibt. Hintergrundinformationen aus Dresdner Gerichtsprotokollen, Schilderungen miss- und gelungener Hinrichtungen in und um Dresden sowie Plaudereien aus dem historischen Dresden zu makabren Taten und Tätern vermögen dem Leser eindrucksvoll die juristische Bereitschaft zu Gewalt im sächsischen Mittelalter und der Neuzeit aufzuzeigen. Der Bezug zu den heutigen Plätzen verleiht seiner umfangreichen Recherche Lebendigkeit. Offen bleibt am Ende, ob diese Gewalt unter der Erde Dresdens überdauert hat. Als archäologische Spur, darauf wartend, dereinst von Archäologen gelesen zu werden.

Dr. Marita Genesis Potsdam, Dezember 2016

Rechtsarchäologin

Erster Teil: Mit nur einem Hieb – Scharfrichter und Henker in Dresden und Umgebung

Gestatten: Der Dresdner Scharfrichter Melchior Wahl – genannt »von Dreißigacker«

Wenn ich so zurückblicke auf das, was ich getan habe, dann erfüllt mich mein Handeln nicht immer mit Stolz. Vielen Menschen habe ich das Lebenslicht ausgeblasen, ihnen im Folterraum mit glühenden Zangen, Schrauben und Steinen unerträgliche Schmerzen zugefügt. Vor allem Frauen beim Todeskampf zusehen zu müssen, wenn sie als Hexen in den züngelnden Flammen grauenvoll umkamen, widerte mich sogar an. Doch wenn die Obrigkeit Recht und Gesetz ausrief, dann war ich der Mann für die Vollstreckung. Ich, der Scharfrichter Melchior Wahl.

Wie andere meiner Zunft, so hatte auch ich mein todbringendes Handwerk bereits in sehr jungen Jahren von meinem Vater erlernt. So war es üblich, denn das Henkerhandwerk übertrug sich stets vom Vater auf den Sohn.

Das »Glanzstück« meines selten geliebten Tuns sollte eine Enthauptung mit dem Schwert werden, nach welcher ich dem Geköpften ein Stück ausgestochenen Rasen auf die Wunde legte und ihn für einige Zeit noch an der Hand herumführte. Wir haben so einen schier unglaublichen Weg »über dreißig Acker«¹ zurückgelegt, bis der Enthauptete endlich zusammenbrach. Für dieses Kunststück erhielt ich meinen Beinamen »von Dreißigacker« und wurde später sogar von Kurfürst Johann Georg I. geadelt. Ob die Geschichte wahr ist und welcher Mächte ich mich hierbei bediente, bleibt allerdings mein Geheimnis …

1 Altes sächsisches Flächenmaß

Bei der Ausübung eines Handwerks, das so viel Aufmerksamkeit erhielt und dem Ausführenden stets volle Konzentration abverlangte, gab es natürlich manchmal auch unschöne Zwischenfälle. Unter unseresgleichen gab es eben – wie überall – wahre Künstler, aber auch Angeber und sogar echte Pechvögel. Von all diesen üblen Halsabschneidern und Galgenvögeln will ich Euch gern erzählen. Vorausgesetzt, Ihr haltet das aus …

Mit nur einem Hieb

Unsere Geschichte beginnt im Jahre 1276.

In diesem Jahr wurde zum ersten Mal ein Scharfrichter als Ausübender von Hinrichtungen im Augsburger Stadtrecht erwähnt. Vorher mussten die Geschädigten, die Opfer krimineller Taten, selbst für die Vollstreckung von Urteilen sorgen. Es war somit auch die Aufgabe der Gemeinschaft, Todesurteile zu vollstrecken. Mal waren es alle Beteiligten zusammen, ein andermal der Verlierer einer Auslosung oder vielleicht sogar der Jüngste unter den Anwesenden. Da war man kreativ und schob den »schwarzen Peter« gern von sich, denn das Töten eines Menschen war eine schlimme Sünde und von Gott nicht gewollt. Erst im 13. Jahrhundert wurden die Aufgaben des Mannes, der den Tod auf professionelle Weise brachte, so umfangreich, dass es einen speziellen Berufsstand erforderte. Denn wer verscharrte die Selbstmörder? Wer konnte einen stabilen Galgen bauen? Wer konnte Folter anwenden, ohne dass der Gemarterte an den Folgen starb? Wer war in der Lage, ausgekugelte Arme wieder einzurenken oder gebrochene Finger zu richten? Wer säuberte die Kerker vom Kot? Wer trieb die Aussätzigen und das herrenlose Gesindel mit dornenbesetzten Ruten aus der Stadt?

Richtig – der Henker, der Angstmann, der Scharfrichter.

Er, der Ehrlose, lebte außerhalb der Stadt. Und ja, er wusste sehr wohl um die unheimliche Aura, die ihn umgab.

In Dresden wohnte der Scharfrichter einige Zeit nahe dem »Pirnaischen Tor« im Stadtviertel »Schwarzes Loch« (am südlichen Ausgang der Dresdner Altstadt in Richtung der Stadt Pirna). Hier lebten und arbeiteten auch die Huren, die er nebenberuflich mit beaufsichtigte. Aus einem Teil ihrer Einnahmen wurde er deshalb auch bezahlt …

Später lag seine spezielle Wirkungsstätte außerhalb des »Wilsdruffer Tores« an jener Stelle, die den Namen »Rabenstein« trug (am Ausgang der Wilischen Gasse, der heutigen Wilsdruffer Straße). Hier vorm Falkenschlag sollte für viele Generationen von Scharfrichtern der Ort des Tötens werden, des Grauens, des Gestanks und der Abgründe der Menschheit. Der Mann, der berufsmäßig den Tod brachte, wurde von den Einwohnern der Stadt streng gemieden. Er musste sich stets in auffälligen Kleidungsstücken in der Öffentlichkeit zeigen und im Wirtshaus hatte er sogar seinen eigenen Schemel.

»Unantastbarkeit« kam in besonderer Weise auch dem symbolträchtigen Handwerkszeug des gerade amtierenden Scharfrichters zu: dem Richtschwert. Dieses musste bereits auf den ersten Blick als solches zu erkennen sein. Nicht

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