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Die Agentin - Sammelband #4: Fünf Thriller in einem Band
Die Agentin - Sammelband #4: Fünf Thriller in einem Band
Die Agentin - Sammelband #4: Fünf Thriller in einem Band
eBook735 Seiten8 Stunden

Die Agentin - Sammelband #4: Fünf Thriller in einem Band

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Über dieses E-Book

Die Agentin – Sammelband 4: Fünf Thriller in einem Band

Heiße Fälle im Kalten Krieg

Der Umfang dieses Buchs entspricht 597 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende fünf Thriller:

A. F. Morland: Mörderträume sind Schäume

A. F. Morland: Höllenfahrt zum Nulltarif

A. F. Morland: Trouble im Studio A

A. F. Morland: Beim Abschuss riss der Film

A. F. Morland: In Panik geraten

Natalia besitzt den Körper einer Venus, die Geschmeidigkeit eines Panthers und Augen wie funkelnde Diamanten. Sie fesselt die Blicke der Männer und hasst Flecken auf weißen Westen. Ihre Rolle als Callgirl ist nur eine der vielen, die sie spielt, um ihre wahre Identität zu verschleiern. Denn in Wirklichkeit ist Natalia eine der erfolgreichsten Agentinnen, die diesen Job auf unserer Erde ausüben.

SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum7. Juli 2019
ISBN9781386739678
Die Agentin - Sammelband #4: Fünf Thriller in einem Band
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Autor

A. F. Morland

A. F. Morland schrieb zahlreiche Romane und ist der Erfinder der Serie Tony Ballard.

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    Buchvorschau

    Die Agentin - Sammelband #4 - A. F. Morland

    Die Agentin – Sammelband 4: Fünf Thriller in einem Band

    Heiße Fälle im Kalten Krieg

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 597 Taschenbuchseiten.

    Dieses Buch enthält folgende fünf  Thriller:

    A. F. Morland: Mörderträume sind Schäume

    A. F. Morland: Höllenfahrt zum Nulltarif

    A. F. Morland: Trouble im Studio A

    A. F. Morland: Beim Abschuss riss der Film

    A. F. Morland: In Panik geraten

    Natalia besitzt den Körper einer Venus, die Geschmeidigkeit eines Panthers und Augen wie funkelnde Diamanten. Sie fesselt die Blicke der Männer und hasst Flecken auf weißen Westen. Ihre Rolle als Callgirl ist nur eine der vielen, die sie spielt, um ihre wahre Identität zu verschleiern. Denn in Wirklichkeit ist Natalia eine der erfolgreichsten Agentinnen, die diesen Job auf unserer Erde ausüben.

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

    © by Author

    © dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Mörderträume sind Schäume

    Die Agentin – Heiße Fälle im Kalten Krieg

    Band 16

    von A. F. MORLAND

    ARROW ist der Code-Name eines gefährlichen internationalen Agentenringes, der aus Geheimagenten besteht, die ein gerissenes Doppelspiel treiben, um sich zu bereichern. Die ARROW-Gruppe plant irgendeinen großen Coup. Auch zwei CIA-Leute sollen diesem Agenten-Pol angehören. Natalia Ustinov - Top-Agentin einer geheimen Regierungsorganisation unter der Leitung von Charles Newton - soll die kriminellen Agenten entlarven. Bei der Suche erhält sie unerwartet Unterstützung des holländischen Geheimdienstlers Cees Henne, der mit einem Mordauftrag in die USA kam. Beide suchen nach demselben Mann: Natalia Ustinov will ihn vor Gericht stellen – Henne will ihn liquidieren.

    1

    Es war ein Oktobertag ohne Sonne. Ein deprimierender Grauschleier lag über der endlosen Weite des John F. Kennedy International Airport. Ein Mädchen drängelte sich durch das Menschengewühl. Das blonde Haar umrahmte ihr Gesicht wie schimmerndes Gold. Dazu der übermütige, volle Mund, sinnlich hellrot geschminkt, der leicht geöffnete Mund und die weißen Zähne, die in seinem Schatten sichtbar wurden, die schmale, fast klassische Nase, deren Flügel plötzlich unter den hoch angesetzten Backenknochen zu beben begannen ... Jelina Dobrawa hieß das Täubchen aus Moskau, das jeder für den Prototyp der waschechten Amerikanerin hielt. Die Sowjets hatten ihre Wahl mit großer Sorgfalt getroffen, und dieser Entscheidung verdankte Jelina jenen Auftrag, den sie gerade auszuführen im Begriff war.

    Mikrofotos sollte sie in der Wartehalle des Flugplatzes von einem russischen Meisterspion übernehmen und auf dem schnellsten Wege nach Kuba bringen, wo sie von einem anderen russischen Agenten in Empfang genommen werden sollten, der sie dann den Leuten des Kreml bringen würde. Alle Schachzüge waren bereits festgesetzt. Sie mussten nur noch ausgeführt werden.

    Am Flugschalter wies die hübsche Russin ihren falschen Pass und das Ticket für Kuba vor. Ein Sicherheitsbeamter bat sie höflich, einen Blick in ihre Reisetasche werfen zu dürfen. Sie gewährte es ihm lächelnd. Unmutig wurde sie erst, als sie von einer Beamtin aufgefordert wurde, mitzukommen, um sich einer Leibesvisitation unterziehen zu lassen.

    »Warum denn gerade ich?«, fragte Jelina Dobrawa in einwandfreiem Amerikanisch. »Sehe ich etwa so aus, als ob ich Kanonen in meinem Büstenhalter tragen würde?«

    »Wir sind leider angehalten, Stichproben zu machen«, erklärte die Beamtin. »Es geschieht letzten Endes in Ihrem eigenen Interesse. Niemandem sind diese Leibesvisitationen angenehm, aber sie müssen nun mal sein. Die Überhandnahme des internationalen Terrorismus auf den Flughäfen der ganzen Welt zwingt uns zu solchen Maßnahmen.«

    Jelina seufzte. Ihr beachtenswerter Busen hob und senkte sich mit dem Geräusch. »Na schön. Dann zeige ich Ihnen eben, was ich drunter trage.«

    »Vielen Dank für Ihr Verständnis«, sagte die Beamtin.

    Jelina ging mit ihr. Die beiden Frauen betraten einen schmucklosen Raum. Kaum hatte die Beamtin die Tür hinter sich geschlossen, erlebte Jelina Dobrawa die größte Überraschung ihres Lebens. Eine gegenüberliegende Tür hatte sich geöffnet.

    Und dann sah sich Jelina ihrem haargenauen Ebenbild gegenüber. Ein heiserer Wutschrei entrang sich ihrer Kehle, denn sie hatte begriffen, dass sie in eine Falle getappt war.

    2

    Jelina Dobrawas Spiegelbild hieß Natalia Ustinov, eine fuchsschlaue Agentin, deren maskenbildnerische Tricks für großartige Erfolge garantierten. Sie ging mit demselben Hüftschwung, den auch die Dobrawa hatte, auf die entlarvte Russin zu. »Ihr erster Auftrag, nicht wahr?«, fragte Natalia die sowjetische Agentin. Jelina hob wütend den Blick. In ihren Augen funkelte der blanke Hass, den sie aller westlichen Dekadenz gegenüber empfand. Die Ustinov zuckte schmunzelnd die Achseln. »Tja, so kann es kommen. Hier endet für Sie der Traum vom aufregenden Agentenleben. Womit wieder einmal bewiesen wäre, dass viele Träume nur Schäume sind.«

    »Ich wünschte, Sie würden an diesen Schäumen ersticken!«, fauchte Jelina gereizt. Zwei Männer hatten den Raum betreten. Der eine sah gut aus, war groß und blond und kräftig. Der andere war das alles nicht. Sie hießen Ole Eriksson und Jerry Armstrong und mischten des Öfteren da mit, wo Natalia allein nicht ganz zurechtkam.

    Jerry, ein dicklicher Kahlkopf mit lustigen Augen, schüttelte grinsend den Kopf, während er den blonden Hünen ansah und sagte: »Diese Russen. Immer unfreundlich, was?«

    »Nehmt sie mit!«, verlangte Natalia.

    Eriksson und Armstrong nahmen die echte Jelina Dobrawa in ihre Mitte. Die russische Agentin durchbohrte ihre amerikanische Kollegin mit einem zornigen Blick. »Halten Sie sich stets vor Augen, dass auch Sie nicht immer nur Glück haben werden.«

    »Gehen wir«, sagte Ole Eriksson. Und als Jelina keine Anstalten machte, mit ihm zu marschieren, packte er mit seiner kräftigen Pfote unsanft zu. Das Mädchen verzog das Gesicht schmerzlich und wankte zwischen den beiden Männern aus dem Raum.

    »Viel Glück!«, sagte die Beamtin zu Natalia.

    »Was kann jetzt noch schiefgehen?«

    »Oh, noch eine ganze Menge.«

    »Daran wollen wir lieber nicht denken«, sagte die Ustinov und trat als Jelina Dobrawa aus dem Raum für Leibesvisitationen. Die Reisetasche der Russin nahm sie mit.

    Wenige Augenblicke später betrat die falsche Jelina den Wartesaal. Reisende aus aller Herren Ländern saßen auf den Kunststoffsesseln. Natalia setzte sich ebenfalls. Nun hieß es warten. Die Agentin schaute sich unauffällig um. Sie suchte ein bekanntes Gesicht, aber die Männer, die in diesem kribbeligen Fall mitmischten, hatten sich gut getarnt, waren nicht zu entdecken. Aber sie waren da, dessen konnte Natalia Ustinov sicher sein. Flüge wurden aufgerufen.

    Langsam wurde die rassige Agentin unruhig.

    War der Personentausch bemerkt worden? Sie konnte es sich nicht gut vorstellen. Es hatte wie am Schnürchen geklappt: die echte Jelina hinein, die falsche Jelina heraus. Es war so flott passiert wie beim Zauberer auf der Varietébühne, der ein Stoffkaninchen in den Zylinder tut und ein echtes Kaninchen herausholt. Aber warum geschah nichts? Natalia fühlte sich beobachtet. Nicht von den eigenen Leuten, sondern von fremden Augen. Wieder ließ sie ihren Blick langsam durch die Halle schweifen. Wo war der Mann, mit dem sie Kontakt bekommen sollte? Warum hielt er sich so lange im Hintergrund? Witterte er die Falle? War sie denn zu wittern? Eigentlich nicht. Wenn die Sache also schieflief, dann war sie verraten worden.

    Verrat!

    Pausenlos stolpern die Agenten in aller Welt über dieses Wort. Gäbe es den Verrat nicht, hätte Natalia Ustinov nicht an Jelinas Stelle treten können. Auch diese Aktion der Gegenseite war verraten worden.

    Verflixt, wo war der Mann? Natalia dachte an ihren Chef Charles Newton. Er leitete hinter der Maske des biederen Bürgers eine schlagkräftige Agenten-Armee, und die Pole-Position in seinem Team hatte Natalia Ustinov inne. Sie war sein Paradepferd, nicht nur was das Aussehen anbelangte, sondern in gleichem Maße auch die Erfolge.

    Doch nun kam sich Natalia vor wie ein Fisch ohne Wasser. Newton hatte gesagt: »Hier haben Sie alles Bildmaterial, das ich auftreiben konnte. Unsere Leute haben es mit ihren Robotkameras geschossen. Jelina Dobrawa von vorn, von hinten, von oben, von unten. Sie haben zwei Stunden Zeit. Dann müssen Sie aussehen wie dieses Mädchen. Sie werden an ihrer Stelle auf dem Kennedy Airport eingesetzt, übernehmen von diesem russischen Meisterspion - dessen Gesicht wir nicht kennen - die für Kuba bestimmten Mikroaufnahmen ...«

    Herrje, alles hört sich so einfach an, wenn man es über den Schreibtisch redet. Doch nun? Plötzlich schienen sich die ersten Komplikationen anzubahnen.

    Warten!, dachte Natalia Ustinov, während sie ihre langen, schlanken Beine übereinanderlegte. Warten ist das Schlimmste an diesen Jobs. Es tötet den Nerv. Es macht einen mürbe.

    Wieder wurde ein Flug aufgerufen. Es war nicht der nach Kuba. Eine Gruppe von Personen erhob sich und trug ihr Handgepäck aus dem Saal.

    In diesem Augenblick geschah es.

    Er musste sich von hinten an sie herangepirscht haben. Nun sagte er in der ortsüblichen Landessprache: »Verzeihung, Miss, Sie haben Ihre Zigaretten verloren.«

    Natalia wandte den Kopf. Der Mann hätte alle Chancen beim Film gehabt. Er sah blendend aus, war groß, schwarzhaarig, hatte den gewissen Frauen-Bezwinger-Blick, markante Züge, eine schlanke Nase und ein energisches Kinn.

    Das war der Russe, auf den sie so ungeduldig gewartet hatte. Natalia erhob sich schnell. Ein sympathisch wirkender Bursche war das. Er überragte sie um einen Kopf, war elegant gekleidet. Instinktiv wurde Natalia bewusst, dass es diesem Mann unter anderen Umständen spielend gelungen wäre, sie zu täuschen und um den Finger zu wickeln. Er hatte das gewisse Etwas, das die Mädchen bei einem Mann suchen. Komisch, dachte sie, es fällt mir beinahe schwer, ihm jetzt weh zu tun, obwohl er im feindlichen Lager steht.

    Immer noch hielt er ihr die Zigarettenpackung hin. Sein Lächeln war bestechend. Irgendwie sah er trotz seiner vierzig Jahre noch aus wie ein kleiner Junge aus der Nachbarschaft, den alle mochten, selbst dann, wenn er mal das Pech hatte, eine Fensterscheibe eingeschlagen zu haben.

    Die Zigarettenpackung.

    Natalia hatte nicht gewusst, wie ihr die wichtigen Mikroaufnahmen zugespielt werden sollten. Nun war alles klar. Die Filme befanden sich in dieser Packung. Die UdSSR wäre um eine große Erfahrung reicher geworden, wenn sie sie Aufnahmen erhalten hätte.

    Doch nun würde es Essig sein mit dieser Erfahrung.

    Und obendrein würde die UdSSR in wenigen Augenblicken gleich um zwei Agenten ärmer sein. Jelina Dobrawa war bereits kassiert. Und dieser fesche Typ da sollte ihr stehenden Fußes ins Gefängnis folgen.

    Die Zigarettenpackung.

    Natalia sah sie an und sagte: »Oh, wie ungeschickt von mir.« Sie griff nach der Packung. Der Russe ließ sie los. »Vielen Dank.« Natalia lächelte.

    »Keine Ursache«, sagte der Fremde.

    Natalia ließ die Top-Secret-Packung verschwinden und hatte einen Lidschlag später wie durch Zauberei eine winzige Pistole in der Hand. Sie flüsterte: »Ich weiß, das kleine Ding sieht aus, dass man darüber lachen möchte, Gospodin. Aber ich würde die Pistole an Ihrer Stelle lieber nicht als Scherzartikel ansehen. Auf diese Distanz kann ein Schuss tödliche Folgen haben!«

    Der Russe starrte die rassige Frau ungläubig an. Die freundliche Miene war wie weggewischt. Ein gehetzter Ausdruck erschien in seinen Augen. So großes Pech hatte er zum ersten Mal. Er konnte nicht begreifen, dass ihm die schwerste Niederlage seiner beispiellosen Laufbahn eine Frau zufügte. Einen ganz kleinen Moment war er fassungslos. Dann schaltete sich die Automatik des Selbsterhaltungstriebes bei ihm ein. Wie ein in die Enge getriebener Wolf blickte er sich schnell um. Zwei Männer fielen ihm auf. Sie kamen von zwei Seiten. Ohne Gepäck. Mit verschlossenen Mienen. Das waren keine Touristen. Das waren Agenten. Der Russe ließ nichts anbrennen. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel fiel er über die Ustinov her. Mochte der Himmel wissen, warum sie auf seinen Angriff nicht mit jener Kälte und Überlegenheit reagierte, die man von ihr gewohnt war. Ein schmerzhafter Schlag traf ihre Hand. Gleichzeitig bekam sie einen derben Stoß vor die Brust. Die Pistole fiel zu Boden. Natalia stolperte zurück. Eine Inderin im lila Sari erblickte die Waffe und stieß einen hysterischen Schrei aus.

    Das war der Anfang vom Chaos.

    Alle Leute sprangen von ihren Sitzen auf. Jeder dachte sogleich an einen blutigen Terroranschlag. Gebrüll brandete auf. Die Leute gebärdeten sich wie verrückt. Sie stürmten auseinander, als hätte jemand ein scharfgemachtes Handgranatenbündel in ihre Mitte geworfen. Sie stießen sich gegenseitig nieder, trampelten über die Fallenden hinweg. Ihre Gesichter waren von Panik verzerrt.

    Was ein kühles, klar abgezirkeltes Spiel hätte werden sollen, wurde plötzlich zur Apokalypse. Der Russe heizte den Schrecken der Menschen noch mehr auf, indem er seine Nagan - eine sowjetische Armeepistole - aus dem Schulterhalfter riss. Er gab einen Schuss auf einen Mann ab, der sich ihm mutig in den Weg geworfen hatte. Der Mann fiel. Der Russe sprang über ihn hinweg und stürmte auf den Ausgang zu. Natalia hätte sich ohrfeigen können. Sie hob ihre Pistole auf und lief mit wutentbranntem Blick hinter dem Fliehenden her.

    Von allen Seiten kamen nun Männer gelaufen.

    Sie hatten ihre Masken fallen gelassen, zeigten, wer sie wirklich waren. Viele Hunde waren es. Und es heißt doch: Viele Hunde sind des Russen Tod. Natalia Ustinov beteiligte sich an dieser Hetzjagd. Der Kreml-Mann ballerte wie verrückt um sich. Die Agenten, die ihn wollten, schwärmten aus. Ihre Kugeln verfehlten ihn. Noch gab es in der Kette der amerikanischen Geheimdienstler keinen Verletzten.

    »Nicht töten!«, schrie Natalia ihren Nebenmännern aufgewühlt zu. »Weitersagen! Nicht töten! Wir brauchen ihn lebend!«

    Sie zielten auf die Beine des Russen. Eine Kugel traf.

    Der Ostagent stieß einen röhrenden Schrei aus. Er wurde herumgerissen und zu Boden geworfen. Dabei verlor er die Nagan. Mühsam kämpfte er sich wieder hoch. Mit beiden Händen umklammerte er sein verletztes Bein. Humpelnd rannte er weiter.

    »Bleiben Sie stehen!«, schrie die Ustinov.

    Gospodin hinkte über die Betonpiste. Kugeln umschwirrten ihn. Er versuchte Haken zu schlagen, schaffte es jedoch kaum. Verbissen lief er weiter.

    Natalia bekam plötzlich eine Gänsehaut. Sie begriff schon viel früher, was passieren musste, ehe es noch geschah. Aufgeregt wollte sie es verhindern. Der Russe war nur noch mit einer Kugel zu retten, so paradox das auch klingen mag. Die Agentin blieb stehen, visierte den Mann an. Auf diese Entfernung war mit ihrer kleinen Pistole nicht mehr allzu viel los. Die Streuung der Waffe war einfach zu groß. Wenn sie Gospodin traf, war das ein Glücksschuss, aber sie musste es versuchen, sonst war der Mann unweigerlich verloren.

    Sie hielt die Luft an. Ihre Lunge brannte vom Laufen. Sie konzentrierte sich vollends auf diesen einen Schuss und drückte ab. Das Projektil ging daneben. Aus!, dachte Natalia. Jetzt ist er verloren. In diesem Moment erreichte der Russe die Landebahn. Wie erstarrt standen die Verfolger da und schauten zu, was nun geschah. Der humpelnde Mann erreichte die Mitte des Landepiste. Von rechts kam ein Jumbojet mit brüllenden den Düsen. Wie ein mächtiger Flugsaurier aus längst vergangenen Zeiten setzte das fliegende Monstrum zur Landung an.

    Schon war die Maschine über dem Russen. Er riss verstört die Arme hoch, als er die Gefahr erkannte. Dann erwischte ihn das Fahrwerk des silbernen Riesen und zermalmte ihn in derselben Sekunde ...

    3

    Der dicke Charles Newton hatte einen seiner besten Tage. Er sparte nicht mit Lob. Es war ihm und seiner Crew wieder mal gelungen, einen ganz großen Vogel abzuschießen. Das stimmte den Dicken, der aussah wie Buddha, beinahe übermütig. Sie saßen sich in Newtons Büro gegenüber. Von hier oben hatte man einen herrlichen Blick auf Manhattan. Natalia schaute jedoch nicht zum Fenster hinaus. Erstens kannte sie das Panorama seit Langem, und zweitens lag ihr der tote Russe immer noch schwer im Magen. Er war ein schöner Mensch gewesen. Und er war ein wichtiger Mann gewesen, der ihnen lebend wesentlich mehr genützt hätte als tot. Newton hatte Natalia zwar gelobt, sie selbst aber konnte sich den Vorwurf nicht ersparen, dass sie sich von dem »Iwan« nicht hätte überrumpeln lassen dürfen. Alles wäre anders gekommen, wenn sie mehr auf der Hut gewesen wäre. Doch Newton sah die Sache nicht so schwarz wie seine beste Agentin.

    »Neue Waffen«, sagte der Dicke. Er wies mit der pummeligen Nase auf die Zigarettenpackung, die ihm Natalia überbracht hatte. Die Agentin sah nun wieder so aus, wie ihre Freunde sie kannten: blauschwarzes schulterlanges Haar, modisch gekleidet, mit tief dunklen Kohleaugen, die im Moment von einer Miniatur-Depression umwölkt waren. Keines Menschen Tod war Natalia gleichgültig. Ob es nun einen Freund oder einen Mann aus dem gegnerischen Lager traf.

    Die Zigarettenpackung war längst von Newtons Spezialisten auseinandergenommen worden. Die Mikroaufnahmen waren bereits sichergestellt.

    »Neue Waffen«, sagte Newton noch einmal. »Revolutionierende Erfindungen hätten in dieser Zigarettenschachtel die Reise nach Moskau antreten sollen. Wir haben das verhindert. Darauf können wir mit Recht stolz sein, Nat.«

    Sie nickte müde.

    »Sie machen keinen sehr glücklichen Eindruck«, sagte der Dicke »Fühlen Sie sich nicht wohl, Mädchen?«

    »Vielleicht habe ich einen Urlaub nötig«, antwortete Natalia seufzend. »In letzter Zeit war ein bisschen viel zu tun, wie Sie wissen.«

    Newton nickte mit schmalen Lippen. »Die Gegenseite hält uns ganz schön in Atem, das ist wahr.«

    »Wie sieht’s mit ein paar Tagen Ferien für mich aus, Mr. Newton?«

    Der Dicke hob die fleischigen Schultern. »Ich bin untröstlich, Nat. Ich kann Sie gerade jetzt nicht entbehren.«

    »Der Fall ist doch gelaufen«, sagte sie und wies auf die Zigarettenschachtel.

    »Dieser Fall ja. Aber das ist leider nicht der einzige, der uns Kummer macht. Glauben Sie mir, ich bin der letzte, der Ihnen einen Urlaub missgönnt, Nat. Niemand weiß besser als ich über Ihre zahlreichen Einsätze in der jüngsten Vergangenheit Bescheid ...«

    »Ich bin keine Maschine.«

    »Natürlich nicht. Sie müssen mal rasten. Das sehe ich ein. Sie brauchen Zeit, um sich mal wieder zu erholen, um zu neuen Kräften zu kommen. Ich weiß das alles. Aber tun Sie mir’s nicht an, Nat. Ich bitte Sie händeringend darum. Bestehen Sie jetzt nicht auf Ihren Urlaub. Ich verspreche Ihnen, Sie so bald wie möglich zu entlasten. Im Augenblick ist das jedoch nicht möglich.«

    »Na schön. Ich bin überredet«, sagte Natalia gequält. »Aber eines darf ich doch wohl sagen, Mr. Newton: Sie sind ein ganz durchtriebener Gauner.«

    »Natalia!«

    »Sie wissen genau, wann Sie mir auf die Mitleidstour kommen müssen. Und wenn Sie mich dann auch noch >händeringend< um etwas bitten, steht für Sie von vornherein fest, dass ich Ihre Bitte nicht abschlagen kann.«

    Der Dicke schmunzelte. In seinen Augen blitzte es schlau. »Sie sind ein Goldkind, Nat. Ich wüsste nicht, was ich ohne Sie machen würde.«

    »Sie hätten ein anderes Mädchen, dem Sie Honig um den Mund schmieren würden, dessen bin ich ganz sicher.«

    »Ist es wirklich so leicht, mich zu durchschauen?«, fragte Newton amüsiert.

    »Für mich schon. Ich lese in Ihnen wie in einem offenen Buch. Für mich gibt es in Ihnen keine Geheimnisse. Lassen Sie uns übers Geschäft sprechen.«

    »Wenn Sie möchten, lade ich Sie zum Essen ein, Nat.«

    »Übernehmen Sie Ihre schwindsüchtige Börse lieber nicht, Mr. Newton. Ich komme ein andermal auf Ihr ehrendes Angebot zurück. Im Augenblick möchte ich nur hören, womit Sie mich schon wieder zu überfordern gedenken. Anschließend möchte ich nach Hause fahren und mich ein wenig hinlegen. Vielleicht kriege ich auf diese Weise auf Raten ein paar Tage Ferien zusammen.«

    Newtons Miene wurde dienstlich. Er holte eine Mappe und legte sie auf seinen Schreibtisch. Zunächst knetete er seine dicken Wiener-Würstchen-Finger. Und dazu gab es folgende Einleitung: »Aus allen Teilen der Welt - so hört man, wenn man die richtigen Ohren am Kopf hat - haben sich Agenten zu einem internationalen Ring zusammengeschlossen ...«

    »ARROW«, sagte Natalia Ustinov wie aus der Pistole geschossen.

    Der Dicke schenkte ihr einen anerkennenden Blick und nickte. »Ich sehe, ich brauche mich mit keinen langen Vorreden aufzuhalten. Nur so viel: ARROW ist eine äußerst gefährliche Gruppe, denn der Ring besteht aus lauter Profis. Es sind Agenten, die ein cleveres Doppelspiel spielen. Keine Regierung sieht so etwas gern. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass sich auch ein oder zwei Amerikaner in diesem Agenten-Pol befinden. Ihre Aufgabe besteht nun darin, diese Doppelagenten zu entlarven. Wenn Sie eine Fleißaufgabe tun wollen, dann sprengen Sie ARROW.«

    Natalia schnippte mit zwei Fingern. »Einfach so.«

    Newton ging darauf nicht ein. Er sagte: »ARROW bereitet irgendetwas Großes vor. Diese Leute haben es sich zum Ziel gesetzt, sehr schnell sehr reich zu werden, und wenn mich nicht alles täuscht, sind sie gerade dabei, ihren größten Schlag in dieser Richtung vorzubereiten. Dagegen waren die Dinge, die ARROW bis heute inszenierte, kleine Fische.«

    »Okay«, sagte Natalia. »Ich werde also versuchen, die heile ARROW-Welt aus den Angeln zu heben. Und wo soll ich damit beginnen?«

    »Ich habe versucht, Ihnen die Sache so leicht wie möglich zu machen, Nat«, antwortete der Dicke.

    »Wie rücksichtsvoll von Ihnen.«

    »Sie werden mal wieder die Rolle des Luxus-Callgirls spielen.«

    Natalia verdrehte die Augen. »Lieber Himmel, soll ich schon wieder mit jemanden turteln, den ich nicht mag?«

    Newton schmunzelte. »Diese Rolle ist Ihnen doch auf den Leib geschrieben, Nat.«

    »Das sagen Sie, Verehrtester.« Die schwarzhaarige Frau wies auf ihre linke Brust. »Wie’s da drinnen aussieht, können Sie ja nicht wissen.«

    »Der Mann, um den es geht, ist haargenau Ihr Typ, Nat.«

    »Na, Sie müssen es ja wissen.«

    Newton ging zum nächsten Punkt der Tagesordnung über. »Ihre Kollegen waren mit Richtmikrophonen hinter ihm her. Sie haben ihm an den unmöglichsten Stellen Wanzen untergejubelt, er wurde von ihren Robotkameras fotografiert, aber diese Ausbeute sämtlicher Aktivitäten war eher dürftig. Wir wissen heute über diesen Mann so wenig, dass es beinahe schon peinlich ist.«

    »Wie ist sein Name?«, fragte Natalia.

    »Burt O’Shaugnessy. Gebürtiger Ire.«

    »Rothaarig?«

    »Blond. Uns ist bekannt, dass er eine ganze Menge über ARROW weiß, aber es ist uns bis zur Stunde noch nicht gelungen, dieses Wissen aus ihm herauszukitzeln. Er ist ein cleverer Bursche. Es ist nicht einmal sicher, ob er bei Ihnen plaudern wird, aber das wird sich ja demnächst herausstellen. Es ist ein Experiment, auf das ich nicht verzichten möchte. Verstehen Sie?«

    »Und wann soll dieses Experiment steigen?«, fragte Natalia.

    Newton schob ihr die Mappe zu. Sie klappte den Deckel zur Seite. Ein Hochglanzfoto rutschte ihr entgegen. Es zeigte das Gesicht eines Mannes Mitte dreißig. Newton hatte recht. O’Shaugnessy war Natalias Typ. Der Anblick dieses Gesichtes brachte in der Agentin eine ganz bestimmte Saite zum Schwingen. Sie hoffte, dass es ein angenehmer Auftrag werden würde. Die Vorzeichen schienen ihr jedenfalls positiv zu sein.

    »Ich ließ ihm bereits ihre Telefonnummer zuspielen«, sagte Newton, während Natalia sich mit wachem Interesse die Aufzeichnungen ansah, die die Männer des Dicken über O’Shaugnessy zusammengetragen hatten. Die Ausbeute war wirklich dürftig. »Er wird sich bald bei Ihnen melden«, fügte der Dicke hinzu.

    4

    Überall auf der Welt gibt es politische Fanatiker. Mortimer Caine war so einer. Obendrein war er nicht ganz richtig im Kopf. Zweimal hatten sie ihn schon in die Klapsmühle gesteckt. Einmal, weil er wirre Parolen mit einer Lacksprühpistole auf die Auslagen von Warenhäusern gespritzt hatte. Dann hatte er einem finnischen Handelsdelegierten mit seinem Taschenmesser den Bauch aufschlitzen wollen. Es war ihm zum Glück nicht gelungen. Seither bastelte Caine nächtelang an aufrührerischen Reden, die er irgendwann mal im Fernsehen halten wollte. Er stellte sich das so vor: Hinfahren zur ABC-Feensehanstalt, eine Handgranate abziehen und verlangen, vor eine Fernsehkamera gesetzt zu werden, um dann seine heiße Brandrede zu halten, die ganz Amerika wachrütteln sollte.

    Der Junge war ein Ausbund an Hässlichkeit. Vielleicht wäre es mit seinem Komplex nicht so schlimm gekommen, wenn sich ein Mädchen gefunden hätte, das bei ihm ein verstopftes Ventil freigeputzt hätte. Aber die Girls, die Mortimer Caine kannte, machten alle einen großen Bogen um ihn.

    Seit ein paar Tagen rotierte Caine besonders heftig.

    Prinzipiell hasste er alles, was sich jenseits des großen Teichs befand. Er war noch niemals da gewesen. Es war einfach eine Antipathie, von der ihn kein Psychiater bislang zu befreien vermochte.

    Als der Junge nun las, dass ein bekannter holländischer Wissenschaftler nach New York gekommen war, um sich dort mit einigen Kollegen zu treffen, glaubte Mortimer Caine sofort, seine große Stunde wäre angebrochen. Ein Gewehr besaß er. Munition war auch vorhanden. Wozu also noch zaudern? Der Holländer musste weg! Aus welchem Grund? Teufel noch mal, Mortimer Caine brauchte keinen Grund. Der Mann war Holländer. Das war Grund genug.

    Wo der Wissenschaftler wohnte, war unschwer zu erfahren. Den Rest erachtete Caine als ein Kinderspiel. Und schon einen Tag später würde er mit Namen und Foto in allen Zeitungen erscheinen. Berühmt würde er sein. Ganz Amerika würde ihn kennen.

    5

    Der Tag neigte sich seinem Ende zu. Jener holländische Wissenschaftler nutzte die letzten Stunden seines New York-Aufenthalts, um eine Sightseeingtour zu machen. Da er kein unbedeutender Mann war, hatte ihm sein Land einen Mann an die Seite gestellt, der ein bisschen auf den wertvollen Kopf achtgeben sollte. Cees Henne hieß der Agent. Ein schmaler, drahtiger Bursche mit klugen Augen, denen kaum etwas entging. Henne hatte sandfarbenes Haar, eine kleine, wulstige Narbe über dem linken Auge und Ohren mit fleischigen Läppchen, mit denen er spielte, wenn er ein Problem wälzte.

    Eigentlich spielte Henne zum ersten Mal die eher langweilige Rolle des Leibwächters. Zumeist wurde Cees Henne zu anderen Aufgaben herangezogen: Er war einer der kaltschnäuzigsten Menschenjäger, über die sein Chef verfügte. Abtrünnige, Verräter, gefährliche feindliche Agenten waren bei Cees besonders gut aufgehoben. Trotzdem widerstrebten ihm diese Jobs. Er war kein Killer im eigentlichen Sinn. Er tötete auf Befehl - wie im Krieg. Im Grunde genommen gibt es für die Agenten ja niemals einen Frieden. Irgendwo gärt es immer. Irgendwo gibt es immer Gegensätze, die hart aufeinanderprallen, wo um des Friedens willen betrogen, gekämpft und gemordet wird ...

    Um zu dokumentieren, dass Amerika an der Sicherheit jenes holländischen Wissenschaftlers ebenfalls sehr gelegen war, hatte auch die CIA einen Agenten zum Schutz dieses Mannes abkommandiert: Brian Zabatuk - ein wendiger Bursche mit türkischen Urgroßeltern im Ahnenkalender. Seit vier Tagen wichen Zabatuk und Henne nicht von der Seite des Mannes, für dessen Sicherheit sie verantwortlich waren. Vier Tage lang hatten sie eine ruhige Kugel geschoben, aber das sollte zu ihrem Leidwesen nicht so bleiben.

    Central Park, Chinatown, Chrysler Building, Batteri Park, Freiheitsstatur, Greenwich Village - nichts war auf dieser umfassenden Sightseeingtour ausgelassen worden. Mit einem Wust von Eindrücken kehrte der Wissenschaftler mit seinen beiden Schutzengeln zu seinem Hotel zurück. Brian Zabatuk seufzte. Einen Tag noch, dachte er, dann ist das auch geschafft. Und was kommt danach auf dich zu? Einsatz in Panama? Davon war vor ein paar Tagen die Rede gewesen. Wenn sich noch kein anderer für diesen Job in der Bananenrepublik gefunden hat, wirst vermutlich du in diesen sauren Apfel beißen müssen.

    Sie betraten das Hotel.

    Zabatuk zupfte seinen holländischen Kollegen am Ärmel. »Hör mal, kannst du auf den Burschen ein paar Minuten allein aufpassen?«

    Henne grinste. Mit spaßig akzentgefärbtem Amerikanisch erwiderte er: »Ich nehme nicht an, dass ihm der Portier ins Gesicht springen und ihm die Augen auskratzen wird.«

    »Ich muss mal schnell ...«

    »Pipi?«

    »Telefonieren. Da gibt es drüben auf Staten Island eine nette Kollegin namens Natalia Ustinov. Ich war vor zwei Monaten in einer heiklen Mission mit ihr in Teheran. Eine Wucht, diese Frau. Ist fast schade, dass ich schon eine Freundin habe.«

    »Weshalb rufst du sie an?«

    »Hast du nicht gelesen, was auf dem Kennedy Airport gestern gelaufen ist?«

    »Die Sache mit dem russischen Spion?«, fragte Cees Henne.

    »Daran war die Ustinov maßgeblich beteiligt.« Zabatuk grinste. »Ich möchte sie anrufen und beglückwünschen.«

    Der holländische Wissenschaftler hatte inzwischen seinen Schlüssel in Empfang genommen. Nun begab er sich zu den Fahrstühlen. Cees Henne eilte dem Mann nach. Die Lifttür schloss sich. Henne und sein Schützling verschwanden. Zabatuk suchte eine der Telefonzellen auf. Natalias Rufnummer war leicht zu merken: Richmond 2000. Der CIA Mann drehte die Scheibe. Er hörte das Freizeichen, und dann vernahm er Natalias rauchige, angenehme Stimme. Er verzog sein Gesicht zu einem breiten Grinsen.

    »Hallo, Süße. Hier spricht dein zweites Ich ...«

    6

    Mortimer Caine lag auf dem Dach des gegenüberliegenden Hauses auf der Lauer. Von einem Bekannten hatte er sich noch schnell ein paar Waffen besorgt. Bis an die Zähne war er nun gerüstet. Vom Totschläger bis zum Derringer trug er alles bei sich. Ein wandelndes Waffenarsenal war er. Man musste diesen Wirrkopf in der Tat sehr ernst nehmen. Aber kein Mensch scherte sich um ihn. Er lag auf dem dreckigen Dach, war drauf und dran, einen sinnlosen Mord zu begehen, und niemand wusste davon. Ein dämliches Kichern schüttelte den Jungen.

    Drüben betrat im 19. Stock jener Wissenschaftler seine Suite, den Caine über den Haufen schießen wollte. Noch ein Mann trat ein. Mortimer Caine kicherte wieder. Er trug einen schwarzen Hut mit breiter Krempe auf dem Kopf. Nun schob er den Hut weit zurück in den Nacken, die Krempe wischte er mit einer nervösen Handbewegung nach oben, weil sie störend war. Ein angenehmes Prickeln durchlief ihn. Er war aufgeregt.

    Es war das Jagdfieber. Er konnte den Moment schon nicht mehr erwarten, wo das Gewehr losging.

    Rrrums!

    Und drüben würde dieser verdammte Holländer blutüberströmt zusammenbrechen.

    Caine fiel es schwer, sich auf den Schuss zu konzentrieren. Es ist ein Unterschied, ob man auf Büchsen und Flaschen oder auf einen Menschen schießt. Wenn man auf einen Menschen anlegt, dann kribbelt das ganz gewaltig, dachte Caine. Und dann nahm er den ahnungslosen Wissenschaftler aufs Korn ...

    7

    Fünf Minuten alberte Zabatuk mit Natalia. Sie waren sich einig, mal zu dritt oder zu viert auszugehen. Natalia machte zwei konkrete Vorschläge, und Brian Zabatuk stimmte beiden prinzipiell zu. Sie vereinbarten, bald wieder telefonischen Kontakt aufzunehmen. Dann hängte Zabatuk ein und verließ die Telefonzelle. Es lag immer noch ein kleines Lächeln um seine Lippen, als er in der 19. Etage aus dem Lift stieg. Er klopfte dreimal. Es war ein vereinbartes Zeichen. Cees Henne öffnete ihm die Tür. »Na, hat sich diese Superfrau von dir beglückwünschen lassen?«

    »Sie hat sich ehrlich über meinen Anruf gefreut.«

    »War wohl ein bisschen mehr los zwischen euch beiden als bloß kollegiale Freundschaft, als ihr in Teheran zu tun hattet, wie?«

    »Dazu reichte leider die Zeit nicht«, gab Zabatuk schmunzelnd zurück. Cees Henne wandte sich in diesem Moment um. Plötzlich hatte er das Gefühl, weiße Haare zu kriegen. Auf dem Dach des gegenüberliegenden Hauses hatte sich etwas bewegt, und es war bestimmt keine Katze gewesen. So große Katzen gab es nicht einmal im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Für Henne konnte das nur eines heißen: Gefahr für den Wissenschaftler, dessen wertvolles Leben er zu schützen hatte. Mit einem heiseren Schrei flog er auf den Mann zu. Seine Arme schnellten vorwärts. Seine Hände packten die Schultern des zarten Mannes. »Runter!«, schrie er, und gleichzeitig riss er den Verdatterten mit sich zu Boden. Kaum lagen Henne und der holländische Wissenschaftler auf dem Boden, da krachte drüben der Schuss. Die Kugel zerschmetterte die Fensterscheibe. Glaskaskaden prasselten auf Henne und den Mann, den er mit seinem Leib deckte.

    Zabatuks dunkle Haut wurde grau. »Verdammt!«, entfuhr es ihm.

    Cees kam auf die Beine. Drüben lief jemand mit weiten Sätzen über das Dach. Henne fragte den zitternden Wissenschaftler auf Holländisch: »Sind Sie in Ordnung?«

    »Ja«, gab der grauhaarige Mann gepresst zurück. »Es ist mir nichts passiert.«

    Henne half dem Wissenschaftler hoch. Dann schob er einen Sessel hastig vor sich her. Die gepolsterte Lehne stieß gegen die Zimmerecke. Henne wies auf das Möbelstück. »Setzen Sie sich bitte! An dieser Stelle kann Sie keine Kugel von drüben erreichen. Wir werden versuchen, uns den Schützen zu kaufen. Rühren Sie sich in der Zwischenzeit nicht vom Fleck!«

    Der Wissenschaftler sank in den Sessel.

    Zabatuk stand bereits auf dem Korridor.

    »Was sagst du dazu?«, fragte Henne keuchend.

    »Nun wird dieser Job doch noch heiß«, gab der CIA-Mann zurück. Er wartete voller Ungeduld auf den Fahrstuhl. Sein fiebernder Blick hing nervös an der Etagenanzeige. 5. Stock. - 6. Stock. - 7. Stock. - 8. Stock. Endlich war der Lift da. Die Agenten sprangen in die Kabine. Abwärts ging es mit ihnen. Sie stürmten durch die Hotelhalle. Es war keine Zeit zu verlieren. Atemlos erreichten sie die Straße.

    »Bestimmt kommt der nicht zur Vordertür herausspaziert«, sagte Cees Henne.

    »Besser, wir trennen uns«, schlug Brian Zabatuk vor.

    »Okay«, zischelte Henne. »Ich laufe in diese Richtung.«

    »Pass auf dich auf!«

    »Du auch!«, rief Henne und war schon unterwegs. Er erreichte mit flatternden Lungen eine schmale Straße. Diesiges Licht herrschte hier. Mülltonnen standen umher, so vollgestopft mit Abfällen, dass kein Deckel mehr darauf passte. Ratten nahmen quiekend Reißaus, als Henne durch den Durchlass, in dem kein Kleinwagen Platz gehabt hätte, stürmte.

    Der Holländer blickte hoch. Die Häuser standen so dicht beisammen, dass nur ein dünner Himmelstreifen zu sehen war. Henne zog seine Pistole. Nach ungefähr zwanzig Metern gab er links einen schlauchähnlichen Durchlass. Cees Henne hörte die stampfenden Schritte des Fliehenden, konnte den Jungen jedoch nicht sehen. Der Spurt des holländischen Agenten war vorbildlich.

    Wieder knickte eine enge. Gasse nach rechts weg. Und nun sah Henne den verhinderten Killer. Der Bursche mit dem schwarzen Hut rannte, als wäre der Teufel hinter seiner Seele her. Henne war jedoch der bessere Sprinter. Er holte auf. Im genau richtigen Moment federte er in Combat-Stellung und schrie: »Halt! Stehen bleiben - oder ich schieße!«

    Ruckartig hielt Mortimer Caine an. Er fuhr herum. Seine Hände waren um das Gewehr gekrallt. Sein Gesicht war knallrot. Die hässlichen Züge des Jungen glänzten, als wären sie mit einer Speckschwarte eingerieben worden. Das war Schweiß.

    »Lass die Waffe fallen!«, knurrte Henne. Er war immer noch geduckt. Vorschriftsmäßig war seine Haltung. So bot er seinem Gegner das kleinste Ziel.

    Caine schluchzte auf. Seine Finger spreizten sich, als wäre die Flinte plötzlich unerträglich heiß geworden. Das Gewehr fiel zu Boden. Henne richtete sich ganz langsam auf. Seine Augen waren schmal. Misstrauisch näherte er sich dem geistesgestörten Jungen.

    »Ich musste es tun!«, krächzte Caine. Seine Wangen zuckten nervös. »Sie dürfen mich dafür nicht bestrafen! Ich musste es tun! Dieser Mann ist ein Feind unseres Landes!«

    Henne begriff sofort, was mit diesem Burschen los war. Der war nicht ganz dicht. Verflucht, dachte er, da muss man nicht nur auf die gerissenen Schurken achtgeben, die den Wissenschaftler möglicherweise entführen möchten, um schnell zu viel Geld zu kommen, da gibt es auch noch solche Hohlköpfe, die nicht richtig ticken und bei der Sache ebenfalls gefährlich mitmischen.

    Caine hob zitternd die Arme. Die Krempe seines Hutes wackelte. Schweiß rann in breiten Bahnen über sein Gesicht. Der Junge nahm mit beiden Händen den Hut ab, wohl um den darunter befindlichen Dampf abzulassen.

    Doch das war ein Irrtum.

    Caine dachte noch nicht daran, sich zu ergeben. In seinem Leben hatte Cees Henne noch niemals einen solch tödlichen Fehler gemacht. Er war zu sorglos auf den Jungen zugegangen. Er hatte gedacht, mit seiner Kanone genügend Eindruck auf den Burschen zu machen. Aber Caines Furcht war gespielt.

    Blitzschnell fasste der Junge in den Hut. In derselben Sekunde hatte er einen verchromten Derringer in der Faust. Die Schrecksekunde war ein mörderisches Plus für Mortimer Caine. Der Junge stieß die Waffe mit verkanteten Zügen in Hennes Richtung.

    Eine winzige Sorglosigkeit sollte Cees Henne nun das Leben kosten. Als er reagierte, krümmte sich Caines Finger bereits. Der Schuss rollte donnernd durch das schmale Gässchen. Unwillkürlich presste Henne die Augen zusammen. Mit angespannten Muskeln erwartete er den Einschlag der Kugel.

    Aber das Projektil schien ihn verfehlt zu haben.

    Da wurde ein langgezogener Schrei laut. Hennes Augen weiteten sich. Er sah Caine zurücktaumeln. Der Derringer war ihm aus der Hand geflogen. Sein Handgelenk war zerschossen. Blut tropfte auf die grauen Pflastersteine.

    Henne wandte sich um. Da stand Brian Zabatuk. Seine Pistole rauchte noch. Für den Holländer stand fest, dass der CIA-Mann ihm das Leben gerettet hatte.

    Mit zugeschnürter Kehle sagte Cees Henne: »Das werde ich dir nie vergessen, Brian.«

    »Hättest du nicht dasselbe für mich getan?«, fragte Zabatuk achselzuckend.

    »Doch.«

    »Dann berede es nicht.«

    Gemeinsam kassierten sie den verletzten Jungen. Caine kämpfte zähneknirschend gegen die heftigen Schmerzen an. Er schaute die beiden Agenten an und fragte mit wimmernder Stimme: »Komme ich jetzt in die Zeitung? Werde ich fotografiert? Werden mein Name und mein Bild in allen Zeitungen erscheinen?«

    8

    Natalia Ustinov legte eine Langspielplatte auf und nahm sich dann einen milden Drink, der ihrer Seele guttat, aber ihre Psyche nicht belastete. Mit dem Glas in der Hand begab sie sich zur geschlossenen gläsernen Terrassentür ihres Penthouse. Die Sonne führte einen verzweifelten Kampf gegen eine Horde von Wolken. Natalias Wohnung war erfüllt von zuckenden Cha-Cha-Klängen. Die Agentin tanzte mit kleinen Schritten zum Sofa.

    Warten!, dachte sie. Wieder einmal musst du beweisen, wie viel Geduld du aufzubringen imstande bist.

    Sie wartete auf O’Shaugnessy, den Mann, den sie in Newtons Auftrag über ARROW aushorchen sollte. Sie nippte am Drink. Vor ihr lagen drei Tageszeitungen. Im Informationswust ging ein Bericht beinahe völlig unter: MORDANSCHLAG AUF HOLLÄNDISCHEN WISSENSCHAFTLER.

    Natalia schmunzelte. Hier bot sich eine gute Gelegenheit, sich bei Brian Zabatuk mit einem kleinen Kompliment zu revanchieren. Die Agentin stellte den Telefonapparat auf ihre Schenkel und wählte Zabatuks Nummer. Er hob nach dem achten Klingelzeichen ab.

    »Applaus für die gute Leistung, mein Lieber«, sagte sie aufgekratzt.

    »Natalia!«, rief Zabatuk erfreut aus. Er hatte sie sofort an der Stimme erkannt.

    »Du hast dir gestern gute Zensuren eingehandelt, wie ich in der Zeitung lese«, sagte Natalia.

    »Warum kommst du nicht her und begießt den Erfolg mit mir?«, fragte Zabatuk lächelnd.

    »Deine kleine Freundin würde mich in Stücke reißen.«

    »Ach wo. Sie ist ja hier.«

    »Tut mir furchtbar leid, Brian, aber ich kann im Moment nicht aus dem Haus.«

    »Hast du Ziegenpeter?«

    »Das zum Glück nicht.« Natalia lachte.

    »Was hält dich dann in deiner Bude fest?«

    »Ein Mann«, erwiderte Natalia wahrheitsgetreu. Sie dachte an O’Shaugnessy, der doch endlich mal anrufen oder gleich hierherkommen musste.

    »Oh«, sagte Zabatuk witzelnd, »dann will ich deinem Glück selbstverständlich nicht im Wege stehen. Ruf mich an, wenn du mal Zeit hast.«

    »Mache ich ganz bestimmt«, erwiderte sie und legte auf. Es schellte an der Tür. Natalia stellte das Telefon an seinen Platz zurück und erhob sich. Bevor sie sich zur Tür begab, brachte sie das noch halbvolle Glas in die Küche. Dann warf sie einen prüfenden Blick in den Wandspiegel, stellte zufrieden fest, dass ihr Aussehen mal wieder die Note eins verdiente und schritt mit schwingenden Hüften in die Diele.

    Ein Mann stand draußen. »Miss Natalia Ustinov?«, fragte er mit einem jungenhaften Lächeln.

    »Die bin ich.«

    »Mein Name ist Burt O’Shaugnessy.«

    »Kommen Sie herein!«

    9

    Lis Casell besaß am Stadtrand von Amsterdam ein kleines Haus, ganz nahe an einem unentwegt rauschenden Birkenhain. Ein gleichfalls rauschendes Bächlein zog dicht am Haus vorbei. Hier fühlte sich Lis wohl und geborgen. Hier war für sie die Welt in Ordnung. Abseits vom Großstadttrubel, fern von aller Hektik, umgeben von einer angenehmen, erquickenden Ruhe.

    Lis war Journalistin. Sie arbeitete bei einer großen Amsterdamer Tageszeitung und betreute da - weil sie von Kindheit an eine große Tierliebhaberin war - die regelmäßig erscheinende Rubrik »Tierecke«. Selbst in ihrem Haus beherbergte sie zwei Papageien, einen Hund, vier Katzen, Goldfische und Meerschweinchen.

    Sie war ein ausnehmend attraktiver Typ. Am schönsten waren ihre Augen. Sie lagen weit auseinander und waren von tiefem Braun, mit einem höllischen Grün am Rand der Iris gesprenkelt. Es waren warme, strahlende, intelligente Augen, und sie verrieten eine Leidenschaft, die jeder Mann liebend gern für sich in Anspruch genommen hätte.

    Lis Casell war mit Cees Henne befreundet.

    Vor einer Stunde hatte sie ihn vom Flugplatz abgeholt. Sein Auftrag war zu Ende. Er hatte seinem Chef einen knappen Bericht per Telefon übermittelt und dem Vorgesetzten versprochen, den schriftlichen Bericht innerhalb von vierundzwanzig Stunden nachzureichen.

    Doch im Moment dachte er nicht an diesen tristen Bericht. Der ganze Papierkram konnte ihm gestohlen bleiben. Er genoss die angenehme Nähe seiner Freundin. Lis Casells üppiger Körper zeichnete sich unter dem leichten Hauskleid ab. Ein warmer, sinnlicher Duft strömte von ihr aus.

    Sie mixte gerade die Drinks.

    Henne äugte zur Schlafzimmertür. Sie war nicht geschlossen. Er konnte ein Stück vom Bett sehen, das mit einem Kuhfell zugedeckt war, und in ihm erwachte mit einem Mal der innige Wunsch, Lis auf diesem Fell zu lieben.

    Sie strich mit einer flinken Handbewegung eine widerspenstige braune Haarlocke aus dem puppenhaften Gesicht. Dann brachte sie die Drinks. Bei jedem Schritt wippten ihre beachtlichen Brüste leicht. Sie trug keinen BH, hatte keinen nötig.

    »Hier«, sagte sie mit ihrer angenehmen Stimme. »Auf das Wiedersehen, Cees!«

    Er nahm sein Glas entgegen. Lis stand vor ihm. Da er saß, schaute sie auf ihn herab. Ihre Blicke tauchten ineinander.

    Wie herrlich war es doch, zu leben. Wie viele Annehmlichkeiten hatte dieses Leben zu bieten. Unwillkürlich dachte Henne an diesen verrückten Jungen, der ihm beinahe zum Verhängnis geworden wäre. Wie hatte ihm so etwas überhaupt passieren können? Ausgerechnet ihm, der seit Jahren mit der Gefahr lebte, bei dem es solche Pannen noch niemals gegeben hatte.

    Cees Henne trank und stellte das Glas dann beiseite. Er streckte beide Hände nach Lis aus. Sie glitt förmlich in seine Arme. Ein inniges Lächeln umspielte ihre vollen Lippen. Ein vielversprechendes Lächeln.

    Zwei Wochen hatten Sie sich nicht gesehen. Zuerst war Lis verhindert gewesen - da hatte es eine Hundeausstellung in Brüssel gegeben, über die sie berichten musste -, und dann hatte Cees nach New York abreisen müssen. Zwei Wochen - keine allzu lange Trennung, und doch waren Lis diese vierzehn Tage wie eine kleine Ewigkeit vorgekommen.

    Ein wohliger Schauer durchrieselte Lis, als seine Hände nun ihre vollen Brüste berührten.

    Diese Berührungen brachten sie stets fast um den Verstand. Er wusste, wie er sie anfassen musste. Kein Mann konnte das besser als Cees. Sie legte mit geschlossenen Augen den Kopf zurück. Das lange braune Haar floss auf ihren Nacken. Sie atmete schneller, während sie ihm ihren fiebernden Leib entgegenbog.

    Cees zog sie an sich.

    Seine Finger glitten in ihr Hauskleid, spielten mit den erigierten Warzen. Lis zitterte am ganzen Körper. Ihre Nasenflügel blähten sich. Geräuschvoll sog sie die Luft ein.

    Sie beugte sich mit geschlossenen Augen über ihn. Er küsste ihren Nacken, das rief in ihr ein angenehmes Prickeln hervor. Sie konnte von seinen Liebkosungen nicht genug bekommen. Schneller, immer schneller ging ihr Atem. Und ihr Busen hob und senkte sich erregt.

    Seine Lippen tasteten über ihre zarten Wangen. Lis drehte den Kopf. Dadurch kam ihm ihr geöffneter Mund willig entgegen. Leidenschaftlich stieß er seine Zunge zwischen ihre Zähne, und sie antwortete darauf mit einer schnellen Kreiselbewegung ihrer flatternden Zungenspitze.

    Voll inniger Begierde schlang Lis ihre Arme um seinen Nacken. Sie presste sich fest an ihn, damit er das Beben in ihrem Innern spüren konnte.

    Behutsam ließ er seine Fingerkuppen an ihrer Wirbelsäule abwärts gleiten.

    Lis grub ihre Zähne in die Oberlippe. Cees’ Hände legten sich drängend auf ihr sanft geschwungenes Gesäß. Er begann zärtlich dieses weiche, warme, sanft nachgebende Fleisch zu kneten. Lis war wie von Sinnen. Sie wand sich wie ein Aal unter seinen Händen. Er richtete sich auf. Sie öffnete ganz kurz die Augen. In ihrem Blick lag ein tiefes Einverständnis, als er sie hochhob und nach nebenan trug.

    Sanft ließ er sie auf das Kuhfell gleiten.

    Dann begann er sie mit geübten Händen zu entkleiden. Immer wieder bedeckte er ihren nach und nach mehr entblößten Körper mit

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