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Unsichtbare Mission Sammelband #5 : Fünf Thriller in einem Band: Agent Mike Borran, #5

Unsichtbare Mission Sammelband #5 : Fünf Thriller in einem Band: Agent Mike Borran, #5

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Unsichtbare Mission Sammelband #5 : Fünf Thriller in einem Band: Agent Mike Borran, #5

Länge:
674 Seiten
7 Stunden
Freigegeben:
3. Aug. 2017
ISBN:
9781386432432
Format:
Buch

Beschreibung

Unsichtbare Mission – Sammelband 5

Fünf Thriller in einem Band

Der Umfang dieses Buchs entspricht 542 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende fünf Thriller:

A. F. Morland: Bares Geld für Borrans Leiche – Teil 1

A. F. Morland: Lächelnd in den Tod gelockt – Teil 2

A. F. Morland: Giftgas, Gangster und Granaten

A. F. Morland: Die Teufelsdroge

A. F. Morland: Ihr Vater gab den Mordbefehl

Die Vierte Macht, Mafia und der CIA – alle sind auf der Jagd nach der grünen Göttin. Seit Professor Brian Pleasence im Auftrag des CIA in Aserbaidschan nach der äußerst wertvollen alten Statue sucht, ist Alpha ihm auf den Versen. Bevor der Wissenschaftler der Agency einen Hinweis auf den Verbleib der Statue geben kann, wird er von Killern von Doc Alpha, einem größenwahnsinnigen Multimilliardär, kaltblütig hingerichtet, ohne jedoch sein Geheimnis preisgegeben zu haben. Mike Borran, Top-Agent des CIA, begibt sich in den Nahen Osten, um die kostbare Statue vor der Vierten Macht und der Cosa Nostra zu finden. Dabei gerät er zwischen die Fronten und mehr als einmal in Lebensgefahr ...

Freigegeben:
3. Aug. 2017
ISBN:
9781386432432
Format:
Buch

Über den Autor

A. F. Morland schrieb zahlreiche Romane und ist der Erfinder der Serie Tony Ballard.


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Dieses Buch enthält folgende fünf  Thriller:

A. F. Morland: Bares Geld für Borrans Leiche – Teil 1

A. F. Morland: Lächelnd in den Tod gelockt – Teil 2

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Die Vierte Macht, Mafia und der CIA – alle sind auf der Jagd nach der grünen Göttin. Seit Professor Brian Pleasence im Auftrag des CIA in Aserbaidschan nach der äußerst wertvollen alten Statue sucht, ist Alpha ihm auf den Versen. Bevor der Wissenschaftler der Agency einen Hinweis auf den Verbleib der Statue geben kann, wird er von Killern von Doc Alpha, einem größenwahnsinnigen Multimilliardär, kaltblütig hingerichtet, ohne jedoch sein Geheimnis preisgegeben zu haben. Mike Borran, Top-Agent des CIA, begibt sich in den Nahen Osten, um die kostbare Statue vor der Vierten Macht und der Cosa Nostra zu finden. Dabei gerät er zwischen die Fronten und mehr als einmal in Lebensgefahr ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Bares Geld für Borrans Leiche

Unsichtbare Mission - Band 21

Teil 1

von A. F. Morland

Die Vierte Macht, Mafia und der CIA – alle sind auf der Jagd nach der grünen Göttin. Seit Professor Brian Pleasence im Auftrag des CIA in Aserbaidschan nach der äußerst wertvollen alten Statue sucht, ist Alpha ihm auf den Versen. Bevor der Wissenschaftler der Agency einen Hinweis auf den Verbleib der Statue geben kann, wird er von Killern von Doc Alpha, einem größenwahnsinnigen Multimilliardär, kaltblütig hingerichtet, ohne jedoch sein Geheimnis preisgegeben zu haben. Mike Borran, Top-Agent des CIA, begibt sich in den Nahen Osten, um die kostbare Statue vor der Vierten Macht und der Cosa Nostra zu finden. Dabei gerät er zwischen die Fronten und mehr als einmal in Lebensgefahr ...

Prolog

Sie hatten ihm den Schädel kahlgeschoren und ihm eine Blechkappe aufgesetzt. Seine Arme und die Beine wurden von Eisenklammern festgehalten. Er konnte sich nicht bewegen und wusste, dass sie nicht blufften.

Sie würden ihn, Professor Brian Pleasence, töten, wenn er nicht redete. Obwohl ihm das klar war, war er entschlossen, den Mund nicht aufzumachen. Lieber wollte er sterben, als preiszugeben, was er wusste.

Ihre Geduld würde bald zu Ende sein, das merkte er.

Und er saß auf ihrem elektrischen Stuhl ...

1

Joe Cushing blickte dem Professor ernst in die Augen. „Hören Sie mal, Pleasence, seien Sie doch nicht so verrückt. Was haben Sie davon, wenn Sie bis zuletzt schweigen?"

„Genugtuung, erwiderte Brian Pleasence, dem dicke Schweißperlen auf der Stirn standen. „Eine große innere Befriedigung, euch Verbrechern mein Wissen vorenthalten zu haben.

„Wir erreichen unser Ziel auch ohne sie, das müsste Ihnen eigentlich klar sein. Es dauert dann eben nur ein bisschen länger."

„Ich helfe euch nicht!", knirschte Pleasence auf dem elektrischen Stuhl.

Sie hatten ihn geschlagen und gefoltert. Zweimal wäre er ihnen beinahe unter den Händen weggestorben, aber er hatte die Zähne zusammengebissen und durchgehalten, denn er gönnte ihnen keinen Triumph.

Sie können nichts machen!, sagte er sich immer wieder. Das Schlimmste, was dir passieren kann, ist, dass sie dich töten.

Und damit hatte er sich bereits abgefunden. Ja, er würde sterben. Aber ohne geredet zu haben. Mit seiner Hilfe sollte die gottverdammte Alpha-Brut ihr Ziel nicht erreichen. Wenn ihm dieser Sieg über seine Gegner und über sich selbst gelang, wollte er zufrieden sterben.

Cushing, der Verhörspezialist der Vierten Macht, ein hagerer Mann mit knochigem Gesicht, tiefliegenden Augen und eingesunkenen Wangen, presste grimmig die schmalen Lippen zusammen. Ein kaltes Feuer loderte in seinem Blick.

„Sie sind ein Dummkopf, Pleasence, behauptete er und schüttelte den Kopf. „Was Sie alles schon auf sich genommen haben ... Ich kann Sie nicht verstehen. Hängen Sie denn nicht an Ihrem Leben?

„Doch. Aber ich bin nicht bereit, dafür meine Prinzipien zu verraten!", erwiderte Brian Pleasence.

„Prinzipien, sagte Cushing verächtlich. „Ruhm, Ehre, Vaterland ... Gott weiß, was es noch alles für Worte gibt, für die die Menschen schon ihr Leben hingegeben haben. Er tippte sich an die Stirn. „Für Worte, die nichts weiter als über Stimmbänder streichende Luft sind. Für Luft wollen Sie sterben, Pleasence? Für nichts?"

„So können Sie nur reden, weil Sie kein Ehrgefühl besitzen!, entgegnete der Professor. „Sie haben Ihre Seele dem Teufel verkauft. Dem Teufel, dessen Name Doc Alpha ist. Sie und Ihre verbrecherischen Komplizen überwuchern die Welt wie ein tödliches Krebsgeschwür. Ich will nicht daran schuld sein, dass ihr noch größer werdet.

„Für wen tun Sie das? Für wen opfern Sie sich auf, Sie Narr?"

„Für die Menschen, denen Prinzipien, Ruhm, Ehre, Vaterland noch etwas bedeuten!"

„Jeder sollte sich selbst der Nächste sein. Sie kriegen keinen Dank, wenn Sie sich für andere einsetzen."

„Ich tu’s trotzdem, sagte Pleasence trotzig. „Wenn Ihr kleiner Verbrechergeist das auch nicht begreifen kann ... Cushing schlug mit dem Handrücken zu. Pleasence verstummte. Er hatte den süßlichen Geschmack von Blut im Mund.

Verächtlich zog er die Mundwinkel nach unten. „Es gehört wohl sehr viel Mut dazu, einen Wehrlosen zu schlagen."

„Sie haben es herausgeforderte, knurrte Cushing hart. „Ich mag es nicht, wenn Sie mich einen Verbrecher nennen.

„Sie hören die Wahrheit nicht gern. Keiner von euch."

„Wir sind Agenten."

„So bezeichnet ihr euch. Ihr vertretet keinen Staat. Ihr steht in Doc Alphas Diensten, und dieser Mann ist eine Gefahr für die ganze Welt. Er ist wahnsinnig, muss wahnsinnig sein, sonst würde er nicht die Weltherrschaft anstreben. Mit seinem verbrecherischen Tun hat er Kriege entfesselt, Regierungen gestürzt, Katastrophen ausgelöst, und sein Ziel ist das totale Chaos auf dieser Erde ..."

„Sie haben ja keine Ahnung!, herrschte Cushing den Wissenschaftler an. „Doc Alpha weiß, was er will!

„Ihm ist das dreckigste Mittel recht, um Erfolg zu erzielen, stieß Pleasence heiser hervor. „Und Männer wie Sie unterstützen seine verrückten, verkommenen Pläne.

Joe Cushing schnitt dem Professor das Wort mit einer unwilligen Handbewegung ab. „Wir sind nicht mehr beim Thema."

„Oh doch! Doc Alpha gehört dazu."

„Pleasence, sagte Cushing mit einem drohenden Unterton. Er blickte auf seine Uhr. „Meine Geduld reicht nur noch für fünf Minuten.

Der Wissenschaftler — er war Historiker und Geologe — schüttelte wild den Kopf. „Ich werde meine Einstellung auch in fünf Minuten nicht ändern, seien Sie dessen versichert. Sie können den Hebel gleich umlegen. Das erspart Ihnen und mir die Zeit. Ich habe keine Angst vor dem Tod. Ich habe mich damit abgefunden, dass ich sterben muss."

Cushing ging in dem fensterlosen Raum mit den nackten Betonwänden auf und ab. Er war mit Brian Pleasence jetzt allein, und er würde es auch sein, der den Wissenschaftler ins Jenseits beförderte.

Vielleicht wusste es Pleasence nicht, aber er hätte auch sterben müssen, wenn er sein Wissen preisgegeben hätte. Sein Leben war so oder so keinen Pfifferling mehr wert.

Joe Cushing blieb stehen und wandte sich dem Wissenschaftler zu. „Spekulieren Sie mit der Möglichkeit, ich würde es nicht fertigbringen, Sie zu töten?"

„Nein. Ich weiß, dass Sie ein gewissenloser Killer sind."

„Ich führe nur meine Befehle aus."

„Nein, Sie tun viel mehr als das. Bestimmt hat Ihnen niemand befohlen, diesen elektrischen Stuhl zu bauen. Das war Ihre Idee."

Cushing grinste. „Ein wenig Eigeninitiative sieht Doc Alpha gern."

„Wie viele Menschen haben auf diesem Stuhl schon ihr Leben verloren?"

„Einige. Sie haben den Tod alle verdient."

„Sind Sie sicher?"

„Sie waren Feinde der Vierten Macht. Wie Sie, Pleasence. Ich brauche keine Gewissensbisse zu haben. Wenn Sie so wollen, töte ich, um nicht selbst getötet zu werden. Aus reinem Selbsterhaltungstrieb."

„Diese Einstellung kann in meinem Fall nicht stimmen."

„Doch."

„Befürchten Sie im Ernst, ich würde Ihnen etwas antun? Ich bin der friedliebendste Mensch, den es gibt."

„Wenn ich Sie nicht liquidieren würde, würde mir das meine Organisation als Schwäche auslegen, und Schwächlingen ist im Verband der Vierten Macht kein langes Leben beschieden. Folglich zwingt mich mein Selbsterhaltungstrieb, auch Sie auf diesem Stuhl zu rösten. Es sei denn, Sie entschließen sich doch noch, mir zu verraten, was ich wissen will."

„Machen Sie Schluss, Sie verschwenden nur Ihre Zeit!"

„Noch eine Minute, sagte Joe Cushing emotionslos. „Dann jage ich zehntausend Volt durch Ihren Körper. Das ruft nicht nur ein harmloses Kribbeln hervor, mein Lieber.

„Ich werde mit dem stolzen Bewusstsein von dieser Welt scheiden, Ihnen bis zuletzt getrotzt zu haben."

„Und was können Sie sich in der Hölle dafür kaufen?"

„Sie denken immer nur an materiellen Profit. Es gibt auch andere Werte."

„Noch dreißig Sekunden, Pleasence." Dem Wissenschaftler rann der Schweiß nun über das Gesicht. Er hatte furchtbare Angst. Er zitterte. Aber er schwieg weiter.

„Fünfzehn Sekunden!, sagte Joe Cushing mit erhobener Stimme. „Sie haben eine Frau, Pleasence. Denken Sie nicht an sie? Sie wird einsam sein ohne Sie.

„Sie wird mich verstehen. Sie hat mich immer verstanden."

„Zehn Sekunden."

„Verdammt noch mal, tun Sie’s doch endlich!"

„Fünf Sekunden."

„Sie kosten’s bis zum Schluss aus, Sie Teufel!"

„Vier, drei, zwei ...Cushing schritt durch den Raum. Bei „zwei legte er die Hand auf den schwarzen Hebel, der an der Wand befestigt war. „Eins, null, fuhr er fort, und dann kippte er den Hebel ohne Zögern nach unten.

Den Rest besorgte der Strom.

2

Täbris. Hauptstadt der Provinz Aserbaidschan. 420 000 Einwohner. Eine Stadt, die in der islamischen Periode gegründet wurde und vielen Zerstörungen ausgesetzt war.

Hierher, in den Nordwesten des Iran, hatte sich Professor Brian Pleasence mit seiner Frau Jessica im Auftrag des CIA begeben.

Damit er seiner Arbeit ungestört nachgehen konnte, waren ihm Papiere ausgehändigt worden, die ihn als australischen Staatsbürger auswiesen. Seine Forschungsarbeit sollte er möglichst unauffällig erledigen, und das war ihm auch eine Zeit lang gelungen. Aber dann hatte die Vierte Macht davon Wind bekommen. Von diesem Augenblick an konnte er keinen Schritt mehr tun, ohne einen Schatten auf den Fersen zu haben.

Als die Alpha-Organisation bemerkte, dass Brian Pleasence mit seiner Arbeit Erfolg hatte, schnappte sie ihn sich.

Die Vierte Macht wollte zu Ende bringen, was Pleasence begonnen hatte. Es ging dabei um Dollarmillionen. Doc Alpha besaß zwar etliche Milliarden, doch da bekanntlich Geld die Welt regiert, konnte er davon niemals genug kriegen.

Die Sache hätte wie am Schnürchen geklappt, wenn Brian Pleasence nicht so stur gewesen wäre.

Sein Tod verzögerte den erfolgreichen Abschluss der Alpha-Organisation. Daran, dass sie ihr Ziel schließlich doch erreichen würden, zweifelten die Alpha-Agenten jedoch nicht. Es würde nur ein bisschen länger dauern.

Jessica Pleasence betrat ein kleines Lokal in der Nähe der Blauen Moschee. An den Tischen saßen fast nur Männer, die sie mit finsteren Blicken musterten, als wäre sie in ein Reich eingedrungen, in dem sie nichts zu suchen hatte.

Es war schwül, und der große Deckenventilator, der sich unermüdlich drehte, vermochte kaum etwas gegen die drückende Hitze auszurichten.

Der dicke Wirt sah sie unfreundlich an. Schweiß glänzte auf seiner olivfarbenen Haut. Ein schwarzer Bart bedeckte seine Oberlippe.

„Ich möchte zu Mr. Donald Hershey", sagte die Frau auf persisch. Sie war schlank, ein wenig zu schlank vielleicht. Aber sie verstand sich vorteilhaft zu kleiden, deshalb wirkte sie äußerst attraktiv. Ihr blondes Haar war kurz geschnitten, Sorgen schimmerten in ihren grünen Augen.

Der Wirt wies auf eine Tür, die mit Ornamenten reich verziert war.

„Danke", sagte Jessica Pleasence und ging auf die Tür zu.

In dem Raum, den sie gleich betrat, standen nur vier Tische und je vier Stühle. Durch das Fenster fiel Sonnenlicht. Nur ein einziger Mann befand sich in diesem Hinterzimmer: Donald Hershey. Klein, schwammig, mit dicker Nickelbrille. Niemand hätte in ihm einen CIA-Agenten vermutet. Er sah so ganz anders aus als die Agenten, die man im Film gezeigt bekam.

Er hatte eine Kanne vor sich stehen, in der sich lauwarmer grüner Tee befand.

„Ah, Mrs. Pleasence, sagte er und lächelte, als er die Eintretende erblickte. Er erhob sich, um zu zeigen, dass er wusste, was sich einer Frau gegenüber für einen Mann gehörte. „Trinken Sie Tee mit mir? Es ist das Beste gegen die Hitze. Nichts löscht den Durst besser als grüner Tee. Jessica Pleasence nickte und reichte dem CIA-Agenten die Hand.

Hershey hatte gleich zwei Tassen bringen lassen und goss nun für die Frau ein, die sich ihm gegenübersetzte.

„Ich kann Hitze nicht besonders gut vertragen, sagte Hershey. „Sie macht mich fertig. Der Kreislauf. Aber obwohl das allgemein bekannt ist, zieht man mich von hier nicht ab. Ich könnte zu Hause oder in Europa viel bessere Arbeit leisten, doch niemand kümmert sich darum.

„Warum wenden Sie sich nicht an Ihren Vorgesetzten?", fragte Jessica.

Hershey winkte ab. „Das wäre zwecklos. Ich weiß, was er mir antworten würde. ,Hershey‘, würde er sagen, ,wir haben zu wenig Leute, das wissen Sie doch. Also beißen Sie die Zähne zusammen und machen Sie mir keine Schwierigkeiten. Ich verspreche Ihnen, Sie abzulösen, wenn Washington mir einen guten Mann zur Verfügung stellt.‘ Und das wird nie sein. Der Agent seufzte. „Aber wir sind nicht hier, damit ich Sie anjammere, meinte er.

Jessica Pleasence nahm einen Schluck vom grünen Tee. Er schmeckte ausgezeichnet und löschte tatsächlich hervorragend den Durst.

„Sie wollten mich sehen", sagte Hershey.

Jessica nickte, senkte den Blick und schob ihre Tasse auf dem Tisch hin und her. „Ja, Mr. Hershey."

„Was haben Sie auf dem Herzen?", fragte Donald Hershey in väterlichem Ton.

„Ich mache mir Sorgen um meinen Mann, sagte die Frau. „Seit drei Tagen habe ich nichts mehr von ihm gehört.

„Kommt es nicht öfter mal vor, dass er längere Zeit nichts von sich hören lässt?"

„Doch, aber diesmal habe ich ein ungutes Gefühl ... Er wollte sich im Gebiet zwischen Täbris und Sufian umsehen. Nur einen Tag wollte er wegbleiben ..."

„Vielleicht ist er auf etwas Interessantes gestoßen."

„Das ist natürlich möglich."

„Wissen Sie über seine Arbeitsfortschritte Bescheid?"

„Nein, sagte Jessica Pleasence. „Er sagt immer, ich solle mich damit nicht belasten, sondern unseren Aufenthalt in diesem Land als Urlaub ansehen. Ich würde an seiner Arbeit gern in irgendeiner Form teilhaben, doch er tut stets sehr geheimnisvoll. Als würde er mir nicht trauen.

Hershey lächelte. „Das dürfen Sie nicht sagen, Mrs. Pleasence. Niemandem traut Ihr Mann mehr als Ihnen, davon bin ich überzeugt. Er will nur alle Schwierigkeiten von Ihnen fernhalten."

„Sind denn Schwierigkeiten zu erwarten?"

Hershey hob die Schultern. „Wer weiß es? Ich schlage vor, Sie begeben sich wieder nach Hause, und ich werde mich ein wenig umhören. Sobald ich etwas über Ihren Mann in Erfahrung bringe, lasse ich es Sie umgehend wissen. Sollte Ihr Mann sich inzwischen bei Ihnen melden, wissen Sie ja, wo Sie eine Nachricht für mich hinterlassen können."

So verblieben die beiden.

„Vielen Dank für den Tee", sagte Jessica Pleasence, nachdem sie ihre Tasse geleert hatte.

„Kommen Sie gut nach Hause, sagte Hershey und nickte wohlwollend. „Und machen Sie sich keine Sorgen um Ihren Mann. Er wird bald wieder auftauchen.

Damit hatte Donald Hershey sehr recht. Brian Pleasence tauchte wieder auf, und zwar als Leiche.

Man fand ihn außerhalb der Stadt im Straßengraben. Der Strom hatte ihn übel zugerichtet, und wenn er seine Papiere nicht bei sich gehabt hätte, wäre es schwierig gewesen, ihn zu identifizieren.

Die Nachricht vom Leichenfund sickerte in diverse Kanäle. Auf einem dieser Wege erreichte sie auch Donald Hershey, dem danach die unangenehme Aufgabe zukam, die Frau des ermordeten Wissenschaftlers zu verständigen.

Es war vierundzwanzig Stunden nach ihrem Zusammentreffen in jenem Lokal bei der Blauen Moschee.

Hershey rief die Frau nicht an. Das war ihm zu unpersönlich. Sie hatte ein Recht darauf, es von ihm direkt zu erfahren.

Die Pleasences hatten am Stadtrand von Täbris ein Haus mit gepflegtem Garten gemietet. Als Donald Hershey eintraf, lag Jessica, nur mit einem Bikini bekleidet, im Schatten eines bunt bedruckten Sonnenschirms.

Sie schien zu schlafen. Der Wagen, mit dem Hershey gekommen war, schien sie nicht geweckt zu haben.

Der schwammige Agent trat an den Liegestuhl und räusperte sich. Jessica Pleasence zuckte erschrocken zusammen und setzte sich abrupt auf.

„Tut mir leid, wenn ich Sie erschreckt habe, Mrs. Pleasence", sagte er verlegen.

„Mr. Hershey, erwiderte sie verwirrt. „Ich muss wohl eingenickt sein. Setzen Sie sich. Sie wies auf einen Gartensessel. „Sie haben vierundzwanzig Stunden nichts von sich hören lassen."

Er zuckte mit den Schultern.

„Haben Sie endlich etwas über meinen Mann in Erfahrung gebracht, Mr. Hershey?"

Er schluckte und sah betreten zu Boden. Sein Hemd war durchgeschwitzt, und er fühlte sich miserabel. Es war immer schlimm, solche Nachrichten zu überbringen. Die Angelegenheit ging ihm mächtig gegen den Strich, aber es musste sein. Irgendwann musste Jessica Pleasence erfahren, dass sie keinen Mann mehr hatte, dass sie Witwe geworden war.

„Ihr Mann, Mrs. Pleasence ...", begann er schleppend.

„Wo steckt Brian?"

„Mrs. Pleasence, Sie müssen jetzt sehr stark sein."

Jessicas Augen weiteten sich vor Entsetzen. „Nein ...!"

Donald Hershey sagte nichts, nickte nur — und die Frau verstand. Sie wusste, dass ihr Mann nicht mehr lebte. „Brian ..., flüsterte sie. Ihre Wangen verloren die Farbe. Jessica wurde leichenblass, ihre Lippen bebten, und ihre Augen schwammen in Tränen. Ihr Blick suchte den des CIA-Agenten. „Wieso, Mr. Hershey? Was ist meinem Mann zugestoßen?

In der Kehle des Agenten steckte ein dicker Kloß, der ihm das Reden schwermachte. „Der Professor wurde ... ermordet", sagte er gedehnt.

Jessica schaute ihn fassungslos an. „Ermordet?, fragte sie ungläubig. „Aber warum denn? Von wem denn? Mein Mann hat doch niemandem etwas getan! Er ... er hatte doch keine Feinde.

„Ich habe keine Ahnung, wer es getan hat, Mrs. Pleasence. Es tut mir furchtbar leid, Ihnen eine so schreckliche Nachricht überbringen zu müssen."

„Wo wurde er ermordet?", wollte Jessica wissen. Dicke Tränen rannen ihr über die Wangen.

„Er verlor nicht da sein Leben, wo man ihn gefunden hat", sagte der CIA-Agent.

„Ich bitte Sie, sagen Sie mir alles. Ich will alles wissen, Mr. Hershey!", verlangte Jessica.

„Ich weiß nicht, ob das gut für Ihre Nerven ist, Mrs. Pleasence."

„Ich will alles wissen!", wiederholte die erschütterte Frau laut, und Donald Hershey fügte sich. Er war in der Wahl seiner Worte sehr vorsichtig. Dennoch sah er, wie der Frau das Herz brach, und er hasste in diesem Augenblick seinen Job, der ihm vorwiegend unangenehme Aufgaben bescherte.

„Was hatte er im Auftrag des CIA hier zu tun?", wollte Jessica wissen.

Eine Weile hatte sie stumm dagesessen. Reglos wie eine Statue. Und der Schmerz hatte tiefe Falten in ihr Gesicht gegraben.

Nun stellte sie mit belegter Stimme diese Frage.

„Sie wissen es wirklich nicht?", fragte der Agent zurück.

„Würde ich sonst fragen?"

„Nun, wenn er mit Ihnen nicht darüber gesprochen hat, sollte ich besser auch nicht ..."

Jessica legte ihm ihre Hand auf den Arm. Die Hand war eiskalt, er spürte es durch den Hemdsärmel. Sie sah ihn mit tränenverhangenem Blick an und sagte leise und drängend: „Bitte, Mr. Hershey. Der schwammige Agent wand sich wie ein getretener Wurm. „Es wäre besser, Sie würden nicht in mich dringen, Mrs. Pleasence. Ich möchte nicht, dass Sie ein ähnliches Schicksal wie Ihren Mann ereilt.

„Wissen Sie wirklich nicht, wer ihn ermordet hat?"

„Ich habe eine vage Vermutung. Jessica wartete gespannt darauf, dass er weiterredete. Als er es nicht tat, sagte sie: „Ja?

„Haben Sie schon mal von der Vierten Macht gehört, Mrs. Pleasence?"

Sie nickte.

„Ich fürchte, Ihr Mann fiel dieser verbrecherischen Organisation zum Opfer", sagte Hershey.

„Aus welchem Grund?, fragte Jessica. „Ihr Mann befand sich auf der Suche nach der grünen Göttin.

„Nach welcher grünen Göttin?", fragte Jessica überrascht.

„Es handelt sich hierbei um eine wertvolle alte Statue."

„Er suchte sie im Auftrag des CIA?"

„So ist es."

„Was will der CIA denn damit? Hershey schüttelte den Kopf. „Das ... das möchte ich Ihnen nicht sagen, Mrs. Pleasence. Allem Anschein nach hat Ihr Mann die grüne Göttin gefunden — oder er stand kurz davor, sie zu entdecken. Da sie ein Vermögen wert ist, möchte der raffgierige Doc Alpha sie in seinen Besitz bringen. Alles Geld, das seiner Organisation zufließt, steckt er sofort wieder in verbrecherische Aktionen. Deshalb ist es immens wichtig, dass die Statue der Vierten Macht nicht in die Hände fällt.

„Ich verstehe, sagte die blonde Frau. „Die Alpha-Organisation hat sich Brian geholt, um mit seiner Hilfe die grüne Göttin zu finden.

„Ihr Mann muss eine Zusammenarbeit mit der Vierten Macht bis zuletzt abgelehnt haben, sagte Hershey. „Daraufhin brachte man ihn um.

„Und die grüne Göttin?"

„Wenn einer wusste, wo sie zu finden ist, war das Ihr Mann. Da er nicht mehr lebt, könnte es passieren, dass die Vierte Macht sich nun an Sie hält."

„An mich?, fragte Jessica erstaunt. „Aber ich weiß doch nichts.

„Das glaube ich Ihnen. Aber wird es Ihnen die Alpha-Organisation auch glauben? Mrs. Pleasence, es mag taktlos erscheinen, wenn ich Sie im Augenblick Ihres größten Schmerzes mit Fragen bombardiere, aber ich muss einiges wissen. Jessica nickte ernst. „Fragen Sie.

„Ihr Mann hat Ihnen gegenüber wirklich nie die grüne Göttin erwähnt?"

„Niemals."

„Sie wohnen seit fast zwei Monaten hier. Ist Ihnen in dieser Zeit irgendetwas sonderbar vorgekommen? Sind Ihnen Leute aufgefallen, die sich für Sie und Ihren Mann interessierten? Hatten Sie das Gefühl, beobachtet zu werden?"

„Ich kann auf alle Ihre Fragen nur mit einem Nein antworten, Mr. Hershey."

„Trotzdem müssen wir davon ausgehen, dass Ihr Mann auf Schritt und Tritt beschattet wurde."

„Das fiel mir nicht auf, und Brian auch nicht."

„Je mehr Sie wissen, desto größer wird die Gefahr für Sie, Mrs. Pleasence."

„Und für Sie", sagte Jessica.

„Wie meinen Sie das?"

„Ich könnte mein Wissen preisgeben, wenn die Vierte Macht mich hart anfasst, das wäre dem CIA bestimmt nicht recht."

Donald Hershey erwiderte nichts darauf. Er fuhr sich mit dem Finger in den Hemdkragen. „Hätten Sie etwas dagegen, wenn sich unsere Leute in diesem Haus umsehen, Mrs. Pleasence? Vielleicht existieren doch Aufzeichnungen, die uns weiterhelfen."

„Meinetwegen können Ihre Kollegen das Haus durchsuchen, erwiderte Jessica. „Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass sie etwas finden werden.

„Wir müssen alles versuchen", meinte Hershey entschuldigend.

Jessica wischte sich die Tränen von den Wangen. Eine erschreckende Leere befand sich plötzlich in ihr. Hatte ihr Leben noch einen Sinn? Sie war mit Brian sehr glücklich gewesen. Er hatte sie auf allen seinen Reisen mitgenommen. Nie war er ohne sie weggefahren. Sie hatte sich stets an seiner Seite befunden. Wenn man mit einem Menschen so viel zusammen ist, gewöhnt man sich so sehr an ihn, dass er zu einem Bestandteil der eigenen Person wird. Jetzt, wo Brian nicht mehr lebte, fehlte Jessica etwas von ihr selbst.

„Ich möchte ihn sehen", sagte sie zu Hershey.

Er biss sich auf die Lippe. „Ich ... ich muss Sie warnen, Mrs. Pleasence. Er ... er ist kein schöner Anblick. Es wäre besser, Sie würden ihn anders in Erinnerung behalten."

Ihr Gesicht nahm eine ungewöhnliche Härte an. „Ich will meinen Mann unbedingt sehen!", sagte sie eisig.

Der CIA-Agent nickte. „Na schön, wie Sie wollen. Aber ich habe Sie gewarnt."

3

Das Hotel in Las Vegas gehörte der Mafia. Im Nightclub traten die großen Stars des internationalen Showbusiness auf, im Spielclub konnte man ein Vermögen gewinnen — oder verlieren. Es fehlte nichts, was es aus Glas und Beton nicht gab. In bestimmten Zimmern liefen Pornofilme. In anderen Zimmern konnten die Gäste selbst solche Filme drehen.

Für Geld konnte man hier alles kriegen.

Mike Borran wäre in diese Mafia Hochburg nie hineingekommen, wenn er sich nicht unsichtbar gemacht hätte, denn je höher man hinaufkam, desto schärfer wurden die Etagen bewacht.

Schwer bewaffnete Mafiosi waren gestaffelt postiert. Hindernisse, über die niemand drüber kam.

An diesem Tag waren sie besonders aufmerksam. Selbst das Husten eines Flohs hätte sie misstrauisch gemacht, deshalb musste Mike Borran mit äußerster Vorsicht ans Werk gehen.

Er war zwar unsichtbar, aber nicht unverwundbar, und er wollte nicht riskieren, dass die Mafiosi beim ersten Alarm gleich wie verrückt drauflosballerten, ob sie nun jemanden sahen oder nicht.

Wer lässt sich schon gern mit Blei spicken.

Soeben hatte der Unsichtbare vom CIA eine weitere Hürde hinter sich gebracht. Nun befand er sich im vorletzten Stockwerk des Gebäudes.

Sein Ziel war die letzte Etage, denn da tagte eine Mafia-Crew, die mit einer Menge bekannter Namen gespickt war.

Eine Konferenz auf hoher Ebene — nicht nur, was die Stockwerke anlangte — wurde hier abgehalten. Eingeladen hatte dazu Don Claudio Alonso, und alle waren erschienen, denn keiner wollte Don Claudio beleidigen.

Was hinter schalldichten, verschlossenen Türen besprochen wurde, wollte er erfahren. Die Sache hatte mit Dingen zu tun, die die Interessen des CIA tangierten, soviel war durchgesickert. Den Rest sollte Mike in Erfahrung bringen. Eine heikle Aufgabe, die Mut und Fingerspitzengefühl erforderte. Es gab nicht nur bis an die Zähne bewaffnete Wachen, sondern auch Stolperdrähte, Lichtschranken, die die Gänge und Räume in den Stockwerken überwachten.

Ein falscher Tritt — und hier war der Teufel los.

Mike blickte auf seine Uhr. Die Zeit drängte.

Er war nicht unbegrenzt unsichtbar. Diese Phase hielt immer nur für zwei Stunden an. Erneut unsichtbar machen konnte er sich dann erst vierundzwanzig Stunden später wieder. Diese Zeit brauchte er, um zu regenerieren.

Der CIA-Agent schraubte den Deckel des Luftschachts ab. Er nahm an, dass er den letzten Stock am unbemerktesten durch den Schacht der Klimaanlage erreichen könnte.

Er setzte den Deckel hinter sich wieder auf.

Ein beschwerlicher Weg lag vor ihm. Auch zeitraubend war er.

Er hatte nicht vor, bis zum Ende der geheimen Konferenz in der Klimaanlage zu bleiben. Es genügte ihm, da sein Abhörgerät zu deponieren. Der leistungsstarke Sender würde ihm dann jedes Wort übermitteln, das hinter den verschlossenen Türen gesprochen wurde, und er würde zwei, drei Kilometer weit von hier entfernt sein.

Mike schob sich durch den engen Blechkanal.

Einer, der an Klaustrophobie — an Platzangst — litt, wäre hier drinnen wahnsinnig geworden. Mike Borran machte es nichts aus. Meter um Meter legte er zurück. Staub kitzelte ihn in der Nase. Jetzt bloß nicht niesen, dachte er und drückte die Nasenlöcher mit Daumen und Zeigefinger zu.

Viel zu rasch vergingen die Minuten.

Mike erreichte ein Lüftungsgitter und sah zwei vierschrötige Kerle. Der eine trug einen großkalibrigen Revolver in der Gürtelholster. Der andere hielt eine schussstarke Mini-MPi in seinen Händen.

„Sobald ich hier abgelöst werde, gehe ich zu Sally", sagte der eine soeben grinsend.

„Lässt du dich von ihr wieder massieren?", fragte der mit der MPi lachend.

„Klar. Ich bin doch ganz verspannt."

„Alter Lustmolch. Die Art von Verspannung kenne ich."

Mike kroch weiter, ohne dass die Wachen ihn hörten. Schweiß glänzte auf seinem Gesicht. Er stieg in einer senkrechten Röhre hoch und gelangte schließlich in die oberste Etage.

Hier befand sich das Rattennest, dem er einen Besuch abstatten musste, und Ratten mit großen Namen saßen um einen Tisch, um zu beraten, welche Verbrechen als nächstes ausgeführt werden sollten.

Stimmen drangen an Mike Borrans Ohr. Die Mafiosi riefen aufgeregt durcheinander. Noch konnte Mike nicht verstehen, was sie sagten.

„Ruhe! Ruhe, amici!", brüllte nun Don Claudio, und das Geschrei verstummte. Der Mafiaboss fuhr mit normaler Stimme fort, und das konnte Mike nicht mehr verstehen.

Er musste näher an den Konferenzraum heran.

Dass die Mafioso so klug waren, auch im Schacht der Klimaanlage eine Sicherung einzubauen, hoffte er nicht.

Aber es gab eine solche Sicherung. Es handelte sich um hochempfindliche Körperwärmesensoren. Als Mike in ihre Nähe kam, sprachen sie auf ihn an, und dann passierte das, was hätte ausbleiben sollen.

Alarm!

Eine Sirene fing an zu heulen. So laut, dass es Mike in den Ohren schmerzte. Und dann brach die Hölle los.

4

Donald Hershey hatte befürchtet, dass Jessica Pleasence zusammenklappen würde, wenn sie ihren Mann sah. Es war nötig, dass sich ein Arzt um die Frau kümmerte, und sobald es Jessica wieder etwas besser ging, brachte der CIA-Agent sie nach Hause. Er dachte, er müsse eine Weile bei ihr bleiben, doch sie schickte ihn fort, wollte niemanden sehen, wollte allein sein. Er respektierte ihren Wunsch und verließ das Haus.

Zuvor aber sagte er noch: „Wenn Sie meinen, Hilfe zu brauchen, wenn Ihnen Agenten der Vierten Macht auffallen, rufen Sie unverzüglich an, Mrs. Pleasence. Wir sind immer für Sie da."

Er setzte sich in sein Fahrzeug und wischte sich die Schweißtropfen von der Stirn. Die Frau tat ihm leid, und er hatte auch Mitleid mit Brian Pleasence. Manchmal glaubte er, nicht hart genug für seinen Beruf zu sein, und hin und wieder fragte er sich, wie ein Mann wie er beim amerikanischen Geheimdienst hatte landen können. Er war doch eigentlich der typische Anti-Spion. Vielleicht hatte ihn der CIA aber gerade deshalb in seine Dienste genommen. Weil niemand ihn für einen Agenten hielt. Etwas Unauffälligeres als ihn gab es wohl nicht.

Das war seine Meinung.

Die Vierte Macht dachte über ihn jedoch anders. Für sie verkörperte Donald Hershey trotz seiner Unscheinbarkeit den CIA, einen mächtigen, gefährlichen Apparat, der der Alpha-Organisation Schwierigkeiten bereitete, wo immer er konnte.

Und Schwierigkeiten konnte die Vierte Macht nicht brauchen, deshalb sorgte sie stets rechtzeitig dafür, dass sie schon im Keim erstickt wurden.

Joe Cushing war der Ansicht, Donald Hershey könnte ihm und seiner Organisation in absehbarer Zeit eine Menge Ärger machen. Hershey war ein Agent mit Herz. Er hätte sein Leben für Jessica Pleasence gegeben. Wenn die Vierte Macht sich der Witwe also ungestört widmen wollte, musste er zuerst dafür sorgen, dass Hershey nicht mehr querschießen konnte.

Diese Überlegungen führten Joe Cushing und zwei weitere Alpha-Agenten zu jenem Haus, das Professor Pleasence für sich und seine Frau gemietet hatte. Als Hershey sich in seinen Wagen setzte, brummte Cushing zum Fahrer: „Da ist der Fettsack. Bleib ihm auf den Fersen. Lass dich nicht von ihm abhängen, Kevin."

Kevin Mills grinste. „Derjenige, der mich abschüttelt, muss erst geboren werden."

„Nimm den Mund nicht voll, sondern fahr los!", sagte Cushing. Er hatte sich nach Pleasences Tod mit Doc Alpha in Verbindung gesetzt, und der Führer der Vierten Macht war nicht sonderlich erbaut darüber gewesen, dass der Wissenschaftler bis zuletzt geschwiegen hatte.

„Haben Sie auch wirklich alles versucht, Cushing?", hatte Doc Alpha am anderen Ende des Drahtes gefragt.

„Ich hab’ bestimmt nichts ausgelassen. Sie kennen meine Register. Ich habe sie alle gezogen. Es hat nichts genützt. Brian Pleasence hatte sich damit abgefunden, zu sterben. Ihm war einfach nicht beizukommen."

„Wir müssen die grüne Göttin haben!"

„Keine Sorge, wir kriegen sie", hatte Joe Cushing zuversichtlich gesagt, aber er würde sich mächtig ranhalten müssen, um diese Zusage auch halten zu können.

Erst mal muss Hershey weg, dann würden sie weitersehen.

Mills fuhr hinter dem CIA-Agenten her. Cushing saß neben ihm. Im Fond des Wagens befand sich Gary Duffy, ein Schönling mit schwarzem Haar, der großartig mit seiner Kanone umzugehen verstand. Er hätte als Kunstschütze arbeiten können, aber bei der Vierten Macht verdiente er mehr. Dass er für die Alpha-Organisation Menschen tötete, störte ihn nicht. Da, wo zum Beispiel bei Donald Hershey ein Herz in der Brust war, befand sich bei ihm ein Stein.

Der CIA-Agent fuhr Richtung Zentrum.

Sein Wagen rollte über die Khiaban Qareh Aqadj. Linker Hand war ein großer Park mit üppigen Pflanzen.

Obwohl es Täbris schon lange gab, war es keine alte Stadt, denn sie wurde immer wieder zerstört und neu aufgebaut. Was die Kriege nicht kaputt machten, vernichteten zahlreiche Erdbeben, und heute machte Täbris eher einen provinziellen, denn einen großstädtischen Eindruck.

Kurz vor dem Basar bemerkte Donald Hershey, dass er verfolgt wurde. Er zerbiss einen ärgerlichen Fluch zwischen den Zähnen und versuchte, dann anzubringen, was man ihm in den Trainingscamps des CIA beigebracht hatte.

Er spielte sämtliche Tricks aus, die er kannte, hatte damit jedoch keinen Erfolg. Der Verfolgerwagen blieb hinter ihm.

„Mist!", zischte der schwammige CIA-Agent.

Er stieß durch Täbris durch und fuhr aus der Stadt. Vollgas. Der Motor dröhnte. Das Fahrzeug jagte über die breite Asphaltpiste. Obwohl der andere Wagen kleiner und mit drei Personen besetzt war, holte er auf.

„Ihr Motor muss frisiert sein!", sagte sich Hershey.

Im Höllentempo ging es Richtung Süden.

Das Alpha-Fahrzeug holte mehr und mehr auf. Hersheys Herz schien hoch oben im Hals zu schlagen. Schaudernd dachte er an Brian Pleasences Leichnam. Der Wissenschaftler war mit Strom getötet worden. Die Teufel der Vierten Macht hatten ihn auf einem elektrischen Stuhl hingerichtet, darauf ließen die Strommale schließen.

Donald Hershey hatte keine Lust, ebenso zu enden.

Er zog seinen Revolver aus der Schulterhalfter. An und für sich war er kein Freund von Waffen, aber wenn man ihn zwang, sich seiner Haut zu wehren, dann machte er vom Schießeisen auch Gebrauch.

Meter um Meter schob sich der Alpha-Wagen heran.

Joe Cushing kurbelte das Fenster auf seiner Seite nach unten. Er steckte den Kopf hinaus. Der Wind fauchte ihm in das knöcherne Gesicht und zerzauste sein Haar.

Hershey rechnete damit, dass das Fahrzeug der Vierten Macht mit seinem Auto auf gleiche Höhe ziehen würde, und dann würden die Hunde wahrscheinlich herüberschießen. Aber er würde ihnen keine Kugel schuldig bleiben!

Doch Hershey hatte mit seiner Vermutung nicht recht.

Joe Cushing brachte die Geduld nicht auf zu warten, bis beide Fahrzeuge auf gleicher Höhe waren. Er zielte mit seiner Kanone auf den rechten Hinterreifen des voranfahrenden Fahrzeugs und drückte dreimal kurz hintereinander ab.

Die dritte Kugel saß. Das Projektil hämmerte in den Pneu, der sofort zusammensackte. Die Felge schnitt in die Karkasse, spaltete den Gummi, der in großen Stücken davonflog.

Hersheys Wagen spielte verrückt.

Kevin Mills nahm den Fuß vom Gas. Die Raserei hatte ein Ende. Mit dem zerschossenen Reifen kam Hershey nicht mehr weit. Joe Cushing grinste zufrieden.

„Jetzt haben wir ihn gleich!", bemerkte er und lud hastig seinen Revolver nach.

Gary Duffy hatte sein Schießeisen ebenfalls schon aus der Halfter geangelt und entsichert. In wenigen Augenblicken würde die Treibjagd auf den CIA-Agenten beginnen, und es gab nur einen Ausgang dieser Jagd: Donald Hershey würde tot sein.

5

Wut hämmerte in Mike Borrans Schläfen. Das schrille Sirenengeheul war für ihn wie ein schmerzender Stachel im Fleisch. Die ganze Mühe, die er sich gemacht hatte, war umsonst gewesen. Er war nicht nahe genug an das Rattennest herangekommen, und wenn er jetzt Pech hatte, erwischten ihn die Mafiosi auch noch beim Kragen.

Hastig kroch er zurück.

Das Hotel glich einem Bienenstock, unter dem man Feuer gemacht hat.

Schritte. Rufe. Befehle ...

„In der Klimaanlage!", brüllte jemand.

„Verdammt, den blas’ ich um!", brüllte ein anderer.

Die Lüftungsgitter wurden abgenommen. Männer mit Waffen erschienen. Mike regte sich nicht.

„Seht ihr was?", hörte er einen Gangster fragen.

„Hier ist niemand", sagte der Kerl, der genau in Mikes Richtung blickte. Sobald die Kerle verschwunden waren, setzte der CIA-Agent seinen Rückzug fort. Er entnahm aufgeregten Stimmen, dass die Konferenz, die vor fünfzehn Minuten erst begonnen hatte, geplatzt war. Die Mafiosi wollten kein Risiko eingehen. Don Claudio würde seine Freunde wohl an einem anderen Ort um sich versammeln, der sich dafür noch besser eignete als dieses Hotel.

Jeder verfügbare Mann schien sich einen Orden verdienen zu wollen.

Jeder Gangster wollte den Kerl schnappen, der den Alarm in der Klimaanlage ausgelöst hatte, denn damit würde er Don Claudio einen großen Gefallen erweisen, und so etwas machte sich immer bezahlt.

Mike krebste durch Röhren und Schächte.

Er erreichte die Stelle, wo er in das System eingestiegen war. Niemand sah, wie unsichtbare Hände den Deckel fortnahmen.

Mike sprang auf den weinroten Sisalläufer. Er verzichtete darauf, die Abdeckung wieder an ihren Platz zu bringen. Zwei Kerle mit schussbereiten Waffen kamen auf ihn zu.

Er presste sich an die Wand, ließ sie an sich vorbei. „He, sieh mal!", sagte der eine und wies auf das offene Rechteck.

„Verdammt, da muss der Bursche eingestiegen sein", stieß der andere aufgeregt hervor.

Mike Borran stahl sich den Gang entlang. Er bog um die Ecke. Beinahe wäre er mit einem weißblonden Hünen zusammengeprallt, der angeschnaubt kam. Im letzten Moment wich ihm Mike Borran aus. Der Mann stürmte an ihm vorbei und rief den beiden Komplizen zu: „Habt ihr was entdeckt?"

„Ja. Hier ist der Schacht der Klimaanlage offen."

„Einer von euch muss hineinkriechen!"

„Okay. Ich mach’ das."

„Wenn du ihn siehst, pumpst du ihn sofort mit Blei voll, kapiert?"

„Das versteht sich doch wohl von selbst."

Mike setzte seinen Rückzug fort. Er trug eine Mordswut in seinem Bauch. Es kam nicht oft vor, dass er eine solche Schlappe erlitt. Für gewöhnlich war seine Fähigkeit, sich unsichtbar machen zu können, ein Trumpfass, das keiner überstechen konnte.

Aber gegen Sensoren, die auf Körperwärme ansprachen, war er selbst in unsichtbarem Zustand machtlos.

Überall sah er bewaffnete Gangster. Sie stürmten treppauf, treppab. Sie kamen aus den Fahrstühlen, aus den Zimmern. Sie suchten ihn überall, während er zwischen ihnen hindurchlavierte.

Mehrmals musste er abwarten, weil der Ansturm der Ganoven zu groß war.

In den unteren Regionen bekamen die Gäste nichts von dieser Hektik mit. Aber die Posten wurden auch unten verdoppelt. Der Kerl, der den Alarm ausgelöst hatte, durfte nicht entkommen.

Die Mafiosi warfen ein Netz über das Gebäude, das verdammt engmaschig war, aber Mike Borran fand doch immer wieder eine Lücke, die groß genug war, um hindurchzuschlüpfen.

Atemlos erreichte er das Erdgeschoss. Die großen Straßenkreuzer der wertvollen Mafiaköpfe hatten den Privatparkplatz bereits verlassen. Nur Don Claudio Alonsos Wagen stand noch da.

Mike schritt durch das marmorgetäfelte Foyer. Mafiosi bewachten den Eingang. Ein bekanntes Gesicht war darunter: Gordon Garrazza. Gott, was hatte dieser Mann für ein bewegtes Leben hinter sich. Er war knapp über dreißig, hatte aber schon für den CIA gearbeitet, es hieß, er habe auch für die Vierte Macht gejobbt, und heute killte er für die Cosa Nostra, doch das konnte ihm keiner nachweisen.

Mike ging auf den Mann zu.

Noch war er unsichtbar. Aber wie lange noch?

Der CIA-Agent blickte auf eine Uhr am Eingang und stellte fest, dass er einen Zahn zulegen musste, sonst wurde er vor diesen Verbrechern wieder sichtbar. Das hätte ihm gerade noch gefehlt. Die Kerle hätten ein Zielschießen auf ihn veranstaltet.

Er erreichte den Eingang. Obwohl Gordon Garrazza ihn anschaute, konnte der Verbrecher ihn nicht sehen. Mike wischte an dem Killer vorbei. Zwanzig Schritte weit kam er noch, dann setzte der bohrende Kopfschmerz ein, der Beginn und Ende der Unsichtbarkeitsphase anzeigte.

Mike sprang hinter einen Mauervorsprung, und einen Sekundenbruchteil später konnte alle Welt ihn wieder sehen. Als er aus der Deckung hervortrat, erblickte ihn Garrazza.

„Shit!", entfuhr es Mike Borran, und dann musste er Fersengeld geben.

6

Der Wagen war unmöglich unter Kontrolle zu halten. Donald Hershey versuchte es, schaffte es aber nicht. Das Fahrzeug schwänzelte gefährlich. Es führte plötzlich ein störrisches Eigenleben. Hershey vermochte es nicht auf der Straße zu halten. Verbissen lenkte er vierzig, fünfzig Meter gegen den starken Zug nach rechts, dann setzte das Auto jedoch seinen Willen durch. Es kam von der Fahrbahn ab, schoss durch eine sandige Senke, wirbelte Staub hoch, drehte sich um die eigene Achse und überschlug sich.

Der Gurt bewahrte den CIA-Agenten vor einer argen Verletzung. Hershey löste ihn jetzt und kroch aus dem auf den Dach liegenden Wagen.

Die Räder drehten sich noch. Das Blech knisterte und knackte. Auf dem Bauch liegend schob sich Donald Hershey bis zum Wagenheck vor. Kevin Mills hatte das Alpha-Fahrzeug auf der Straße angehalten.

Joe Cushing war der Erste, der ausstieg. Gary Duffy folgte seinem Beispiel. Es hätte keinen Sinn gehabt, auf die Agenten der Vierten Macht zu schießen. Die Entfernung war noch zu groß. Hershey musste sie erst näher an sich herankommen lassen.

Sein Atem ging schwer. Das Gesicht war grau vom Staub. Da, wo ihn der Gurt abgefangen hatte, spürte er ein schmerzhaftes Brennen. Das war aber das kleinere Übel. Wäre er nicht angegurtet gewesen, dann hätte er sich bei diesem Unfall wahrscheinlich das

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