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Peter Schlemihls wundersame Geschichte

Peter Schlemihls wundersame Geschichte

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Peter Schlemihls wundersame Geschichte

Bewertungen:
3/5 (98 Bewertungen)
Länge:
84 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 24, 2017
ISBN:
9783744827126
Format:
Buch

Beschreibung

Und Dich, mein lieber Chamisso, hab ich zum Bewahrer mei­ner wundersamen Geschichte erkoren, auf daß sie vielleicht, wenn ich von der Erde verschwunden bin, manchen ihrer Be­wohner zur nützlichen Lehre gereichen könne. Du aber, mein Freund, willst Du unter den Menschen leben, so lerne verehren zuvörderst den Schatten, sodann das Geld. Willst Du nur Dir und Deinem bessern Selbst leben, o so brauchst Du keinen Rat.

Adelbert von Chamisso,
"Peter Schlemihls wundersame Geschichte" (1813)
Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 24, 2017
ISBN:
9783744827126
Format:
Buch

Über den Autor

Adelbert von Chamisso wurde geboren am 30. Januar 1781 auf Schloss Boncourt bei Ante, Châlons-en-Champagne, Frankreich und verstarb am 21. August 1838 in Berlin. Er war ein in Preußen lebender Dichter und Naturforscher französischer Herkunft.


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Peter Schlemihls wundersame Geschichte - Adelbert von Chamisso

Kapitel

1. Kapitel

Nach einer glücklichen, jedoch für mich sehr beschwerlichen Seefahrt, erreichten wir endlich den Hafen. Sobald ich mit dem Boote ans Land kam, belud ich mich selbst mit meiner kleinen Habseligkeit, und durch das wimmelnde Volk mich drängend, ging ich in das nächste, geringste Haus hinein, vor welchem ich ein Schild hängen sah. Ich begehrte ein Zimmer, der Hausknecht maß mich mit einem Blick und führte mich unters Dach. Ich ließ mir frisches Wasser geben, und genau beschreiben, wo ich den Herrn Thomas John aufzusuchen habe: – »Vor dem Nordertor, das erste Landhaus zur rechten Hand, ein großes, neues Haus, von rot und weißem Marmor mit vielen Säulen.« Gut. – Es war noch früh an der Zeit, ich schnürte sogleich mein Bündel auf, nahm meinen neu gewandten schwarzen Rock heraus, zog mich reinlich an in meine besten Kleider, steckte das Empfehlungsschreiben zu mir, und setzte mich alsbald auf den Weg zu dem Manne, der mir bei meinen bescheidenen Hoffnungen förderlich sein sollte.

Nachdem ich die lange Norderstraße hinaufgestiegen, und das Tor erreicht, sah ich bald die Säulen durch das Grüne schimmern – »also hier«, dacht ich. Ich wischte den Staub von meinen Füßen mit meinem Schnupftuch ab, setzte mein Halstuch in Ordnung, und zog in Gottes Namen die Klingel. Die Tür sprang auf. Auf dem Flur hatt ich ein Verhör zu bestehn, der Portier ließ mich aber anmelden, und ich hatte die Ehre, in den Park gerufen zu werden, wo Herr John – mit einer kleinen Gesellschaft sich erging. Ich erkannte gleich den Mann am Glanze seiner wohlbeleibten Selbstzufriedenheit. Er empfing mich sehr gut, – wie ein Reicher einen armen Teufel, wandte sich sogar gegen mich, ohne sich jedoch von der übrigen Gesellschaft abzuwenden, und nahm mir den dargehaltenen Brief aus der Hand. – »So, so! von meinem Bruder, ich habe lange nichts von ihm gehört. Er ist doch gesund? – Dort«, fuhr er gegen die Gesellschaft fort, ohne die Antwort zu erwarten, und wies mit dem Brief auf einen Hügel, »dort laß ich das neue Gebäude aufführen.« Er brach das Siegel auf und das Gespräch nicht ab, das sich auf den Reichtum lenkte. »Wer nicht Herr ist wenigstens einer Million«, warf er hinein, »der ist, man verzeihe mir das Wort, ein Schuft!« – »O wie wahr!« rief ich aus mit vollem überströmenden Gefühl. Das mußte ihm gefallen, er lächelte mich an und sagte: »Bleiben Sie hier, lieber Freund, nachher hab ich vielleicht Zeit, Ihnen zu sagen, was ich hiezu denke«, er deutete auf den Brief, den er sodann einsteckte, und wandte sich wieder zu der Gesellschaft. – Er bot einer jungen Dame den Arm, andere Herren bemühten sich um andere Schönen, es fand sich, was sich paßte, und man wallte dem rosenumblühten Hügel zu.

Ich schlich hinterher, ohne jemandem beschwerlich zu fallen, denn keine Seele bekümmerte sich weiter um mich. Die Gesellschaft war sehr aufgeräumt, es ward getändelt und gescherzt, man sprach zuweilen von leichtsinnigen Dingen wichtig, von wichtigen öfters leichtsinnig, und gemächlich erging besonders der Witz über abwesende Freunde und deren Verhältnisse. Ich war da zu fremd, um von alle dem vieles zu verstehen, zu bekümmert und in mich gekehrt, um den Sinn auf solche Rätsel zu haben.

Wir hatten den Rosenhain erreicht. Die schöne Fanny, wie es schien, die Herrin des Tages, wollte aus Eigensinn einen blühenden Zweig selbst brechen, sie verletzte sich an einem Dorn, und wie von den dunkeln Rosen, floß Purpur auf ihre zarte Hand. Dieses Ereignis brachte die ganze Gesellschaft in Bewegung. Es wurde Englisch Pflaster gesucht. Ein stiller, dünner, hagrer, länglichter, ältlicher Mann, der neben mitging, und den ich noch nicht bemerkt hatte, steckte sogleich die Hand in die knapp anliegende Schoßtasche seines altfränkischen, grautaffentnen Rockes, brachte eine kleine Brieftasche daraus hervor, öffnete sie, und reichte der Dame mit devoter Verbeugung das Verlangte. Sie empfing es ohne Aufmerksamkeit für den Geber und ohne Dank, die Wunde ward verbunden, und man ging weiter den Hügel hinan, von dessen Rücken man die weite Aussicht über das grüne Labyrinth des Parkes nach dem unermeßlichen Ozean genießen wollte.

Der Anblick war wirklich groß und herrlich. Ein lichter Punkt erschien am Horizont zwischen der dunklen Flut und der Bläue des Himmels. »Ein Fernrohr her!« rief John, und noch bevor das auf den Ruf erscheinende Dienervolk in Bewegung kam, hatte der graue Mann, bescheiden sich verneigend, die Hand schon in die Rocktasche gesteckt, daraus einen schönen Dollond hervorgezogen, und es dem Herrn John eingehändigt. Dieser, es sogleich an das Aug bringend, benachrichtigte die Gesellschaft, es sei das Schiff, das gestern ausgelaufen, und das widrige Winde im Angesicht des Hafens zurücke hielten. Das Fernrohr ging von Hand zu Hand, und nicht wieder in die des Eigentümers; ich aber sah verwundert den Mann an, und wußte nicht, wie die große Maschine aus der winzigen Tasche herausgekommen war; es schien aber niemandem aufgefallen zu sein, und man bekümmerte sich nicht mehr um den grauen Mann, als um mich selber.

Erfrischungen wurden gereicht, das seltenste Obst aller Zonen in den kostbarsten Gefäßen. Herr John machte die Honneurs mit leichtem Anstand und richtete da zum zweiten Mal ein Wort an mich: »Essen Sie nur; das haben Sie auf der See nicht gehabt.« Ich verbeugte mich, aber er sah es nicht, er sprach schon mit jemand anderem.

Man hätte sich gern auf den Rasen, am Abhange des Hügels, der ausgespannten Landschaft gegenüber gelagert, hätte man die Feuchtigkeit der Erde nicht gescheut. Es wäre göttlich, meinte wer aus der Gesellschaft, wenn man türkische Teppiche hätte, sie hier auszubreiten. Der Wunsch war nicht so bald ausgesprochen, als schon der Mann im grauen Rock die Hand in der Tasche hatte, und mit bescheidener, ja demütiger Geberde einen reichen, golddurchwirkten türkischen Teppich daraus zu ziehen bemüht war. Bediente nahmen ihn in Empfang, als müsse es so sein, und entfalteten ihn am begehrten Orte. Die Gesellschaft nahm ohne Umstände Platz darauf; ich wiederum sah betroffen den Mann, die Tasche, den Teppich an, der über zwanzig Schritte in der Länge und zehn in der Breite maß, und

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Rezensionen

Was die anderen über Peter Schlemihls wundersame Geschichte denken

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Leser-Rezensionen

  • (4/5)
    This story seems like a whimsical take on Faust, but instead of selling his soul to the devil, Schlemihl barters away his shadow. That puts him in quite a pickle, since it turns out that truly respectable people have shadows. I really liked this story, though it suffers towards the end when Chamisso writes about being able to walk around the world in mere minutes to conduct scientific research.
  • (2/5)
    I have no idea why Italo Calvino liked this book so much. Perhaps there was not too much to read at the time and he was desperate for anything. I am not a fan of Peter Wortsman either any longer as I feel he takes too many liberties in his translations. These writers would not speak as Wortsman has them speak. Plus, they would not as well be creeps and sexual deviants such as he has a tendency to become in his own writings composed around the urinal.
  • (3/5)
    Our hero, Peter Schlemihl, is a poor young man, in town to get an introduction to a local aristocrat. But at their meeting, he encounters a strange man in grey - a man with capacious pockets, bringing forth everything the nobles want, while they seem to barely notice him...In a twist on Faust, the grey man offers Peter limitless gold...in exchange for his shadow.It all seemed a bit silly after this. Having thought "big deal! he won't miss a shadow!" it turns out to be a vital possession. Without it, he is cut off from society; his girlfriend's parents- initially so thrilled at a wealthy match- make her break their engagement, and he only darews venture out under dark. And then the Devil returns to offer to return the shadow...in exchange for his soul.All a bit silly; the ending, where Peter (like the author) embarks on a life of travel and botanizing, seems somewhat unconnected.
  • (1/5)
    In dieser eher kurze Erzählung berichtet Adalbert Chamisso als Mittelsmann ganz unglaubliche Erlebnisse des Protagonisten Peter Schlehmil. Er will von diesen Abenteuern durch Aufzeichnungen des betroffenen selbst erfahren haben, die ein älterer Herr bei ihm abgegeben haben soll. Später stellt sich heraus, dass der beschriebene ältere Herr wohl sehr wahrscheinlich Peter Schlehmil selbst gewesen sein wird. Die eigentliche Geschichte beginnt, wenn Schlehmil von Board eines Schiffes geht um mit einem Empfehlungsschreiben eine neue Anstellung zu bekommen. Bei seinem angestrebten Arbeitgeber in spe begegnet er einem in grau gekleideten Mann, der ansonsten genauso unscheinbar wie seine Kleidung ist. In dessen Gegenwart geschehen ganz unglaubliche Dinge, die Schlehmils Interesse wecken. Kurz darauf bietet der graue Mann Schlehmil Fortunatos Glücks Säckerl im Tausch gegen seinen Schatten worauf Schlehmil einwilligt. Doch wird er diesen Tausch noch bereuen. Die Volksweisheit ‚Man merkt erst was man hat, wenn es weg ist’ trifft hier voll und ganz zu. Sobald die Menschen um ihn herum – das schließt simple Passanten ein – merken, dass er keinen Schatten besitzt, schneiden sie ihn – im besten Fall – oder jagen ihn mit Schimpf und Schande aus der Stadt mit faulem Gemüse etc., das volle Programm eben. Nur ein treuer Diener hält zu ihm und hilft ihm nach allen Kräften diesen Makel geheim zu halten. Als quasi Superreicher kann er sich einige exzentrische Handlungen erlauben, doch nimmt sein schönes Leben ein jähes Ende, als der Vater seiner angebeteten zukünftigen Braut erfährt, dass er keinen Schatten hat. Nicht zuletzt wegen eines Verrats aus nächster Nähe wird dies für ihn zum Fiasko. In seiner Verzweiflung versucht er seinen Schatten zurück zu erlangen, doch der Preis schein ihm zu hoch. Der graue Mann, den er zuvor so verzweifelt gesucht hat, will ihm nun nicht mehr von der Seite weichen. Verzweifelte Zeiten verlangen verzweifelte Maßnahmen und ab diesem Punkt wird die Geschichte einfach noch viel unglaublicher als sie schon zu Beginn war.Die wundersame Geschichte des Peter Schlehmils beinhaltet etliche Referenzen zu bekannten Märchen und aktuellen literarischen Werken, die vielleicht ein wenig zum schmunzeln anregen. Sprachlich ist dieses Werk ganz seiner Zeit verhaftet und liest sich für den modernen Leser vielleicht nicht so flüssig wie man es gewohnt ist, dennoch ist der Text eingängiger als so mancher zeitgenössischer Text. Vor allem der späte Peter Schlehmil spiegelt geradezu den Autor selbst wieder, nicht nur optisch, sondern auch seiner Berufung nach.Für den der Realität verhafteten Leser mag der Text ein wenig enervierend sein, jedoch lohnt es sich trotzdem eine Portion Offenheit und Fantasie zu investieren um dieser Erzählung auf Augenhöhe zu begegnen und dennoch ein gewisses Lesevergnügen darauszuziehen.
  • (5/5)
    Magníficas las ilustraciones de Agustín Comotto.
  • (3/5)
    While seeking patronage with a local squire after a long journey, Peter Schlemihl encounters a mysterious man in grey who appears to be able to fulfil everyone's wishes. About to leave the squire's party, Peter is approached by the stranger and offered the purse of Fortunatus with its inexhaustible supply of gold in exchange for his shadow. In his folly Peter agrees, but he soon finds cause to regret his impetuous decision.A classic of 19th-century German Romanticism, this morality tale was written for the children of the author's patron, and it shows – the tone is very much that of a fairy tale intended for the moral instruction of children, very popular at the time it was written. Not that there's anything wrong with it, but the story's characters remain one dimensional and there is virtually no character progression, though it is interesting to note that the narrator of the story, Peter Schlemihl himself, addresses himself directly to the author, as if in corroboration of the veracity of the events. Towards the end the plot takes a rather unexpected direction when I was hoping for some sort of resolution to Peter's dilemma, and although the ending feels unsatisfactory to me, there is a message to be found.