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Mutausbrüche: Das christliche Abendland in Zeiten des Umbruchs

Mutausbrüche: Das christliche Abendland in Zeiten des Umbruchs

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Mutausbrüche: Das christliche Abendland in Zeiten des Umbruchs

Länge:
179 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 26, 2017
ISBN:
9783897107427
Format:
Buch

Beschreibung

Wie oft wurde schon der Untergang des christlichen Abendlandes beschworen? Im Moment sind es Muslime und Flüchtlinge, die uns angeblich bedrohen. Richtig ist: Ihre Gegenwart fordert das Abendland heraus, sich seiner christlichen Wurzeln und Tugenden wieder bewusster zu werden. Und von dieser Perspektive aus ergeben sich durchaus Wegweisungen für die Zukunft.

Das christliche Abendland steht vor einem Umbruch. Das ist kein Anlass für Angst, denn die Angst ist keine christliche Eigenschaft und sie nützt nur den Hetzern und Rattenfängern. Vielmehr ist es Zeit für Mutausbrüche.
Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 26, 2017
ISBN:
9783897107427
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Mutausbrüche - Christian Kuster

Traum

Hinführende Überlegungen

Perspektivenwechsel

Wenn eine Million Geflüchtete im Jahre 2015 die Bundesrepublik Deutschland unter oft widrigsten Umständen aufsuchen und wenn sich eine Mehrzahl von ihnen zum islamischen Glauben bekennt, wenn Selbstmordattentäter des IS in London, Paris, Brüssel und anderswo Bomben zünden und Hunderte Menschen mit in den Tod reißen, wenn unzählige Christen, Jesiden, renitente Sunniten und Schiiten im Vorderen Orient um ihre Heimat und um ihr nacktes Leben fürchten müssen, dann ist die Frage natürlich berechtigt: Wie geht es weiter mit unserem Kontinent? Welche Zukunft hat Europa? Werden wir von den flüchtenden Asylbewerbern überrannt? Wird die Scharia in Europa eingeführt? Wie wird ein konstruktives Zusammenleben mit den islamischen Neuankömmlingen möglich sein? Wird der europäische Kontinent seine christliche Prägung allmählich verlieren?

In diesem Dschungel von Fragen und Meinungen ist es sehr schwierig, allgemein gültige Antworten auf all die begründeten und auch nicht begründeten Ängste zu finden. Es geht u.a. vor allem darum, sich auf einen Perspektivenwechsel einzulassen.

Angst kann Menschenleben vor Gefahren schützen, kann den Menschen aber auch ganz schön einengen und benebeln und die Wirklichkeit verzerren. Vielleicht ist gerade jetzt Entzerrung und Aufwachen in der Wirklichkeit gefragt? Und die Wirklichkeit ist immer viel größer als das, was wir sehen und wahrnehmen. Martin Luther sagte einmal: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen."² Ohne die drohenden Herausforderungen und Gefahren zu verharmlosen, könnte vielleicht diese hoffnungsvolle Einstellung ein Schritt hin zum angesprochenen Paradigmenwechsel sein?

Europa braucht jetzt neben (sicherheitspolitischer) Umsicht vor allem ganz viel Hoffnung. Es kann gar nicht anders sein, als sich zuversichtlich seiner eigenen Wurzel zu vergewissern und rigoros nach vorn zu schauen, auch dann, wenn sich der Himmel über dem Abendland im Rauch der islamistisch gezündeten Bomben zu verdunkeln droht.

Es lohnt, sich auf diesen (Denk-)Prozess und Perspektivenwechsel einzulassen, alles andere wäre regressiv und brächte uns nicht wirklich weiter, es zementierte starr gewordene Meinungen, die uns am Leben hinderten und der Jugend die Zukunft im alt und müde gewordenen Europa gehörig verbauten.

Ihr, die ihr kommt

Ihr, die ihr kommt aus anderen Welten

zu Fuß, gekarrt, geschunden übers Meer

euch gilt das Lebensglück so selten

die Flucht, die Angst belasten euch so schwer

Schutz sucht ihr hier im Abendlande

befreit von Krieg, von Hunger und vom Tod

hier unter uns und nicht am Rande

steht auf, packt an und wendet eure Not

Ihr seid die Zukunft alter Erde

mit euch beginnt, gelingt die neue Zeit

still hallt der Ruf von Gott: Es werde

es sei viel Mut und Hoffnung weit und breit

Christian Kuster, im April 2016

2http://www.bk-luebeck.eu/zitate-luther.html (28.12.2015)

Eine Momentaufnahme

Die Angst im Volk ist groß, und Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) sorgt dafür, dass es auch so bleibt: Die „Flüchtlinge"³ bringen angeblich Krankheiten und Sprengstoff ins Land, sie sind fahnenflüchtig, faul und nützen den Staat aus, sie nehmen den Europäern die Arbeitsplätze weg, sie vergewaltigen oder belästigen weiße junge Frauen, weil sie mit einem anderen Frauenbild zu uns kommen, sie machen Müll, sie zerstören ihre Lager, sie sind undankbar für das Essen, das man ihnen gibt, sie randalieren in Sammelunterkünften, sie überrennen uns mit ihrem Brutalo-Islam, sie bilden eine uferlose Steuerlast für die arbeitenden Bürger, sie werden den Einheimischen gegenüber in Wohnungs- und Bildungsangelegenheiten bevorzugt, die Flüchtlinge haben noch nichts einbezahlt und nehmen schon Sozialhilfe in Anspruch …, heißt es mancherorts. Manches trifft vielleicht den einen oder anderen Einzelfall, aber man kann damit auch Angst verbreiten und die Stimmung im Lande aufheizen. Die Alternative für Deutschland „profitiert" von der Flüchtlingsdebatte und greift das wachsende Unbehagen im Volk auf, gibt ihm eine Stimme und wächst allmählich zu einer unübersehbaren politischen Größe in Deutschland heran.

Mit Schwarz-Weiß-Argumenten steigt der Unmut gegen Angela Merkel, die diese Völkerwanderung unterstützt und bislang vergebens auf gute europäische Unterstützung in der Flüchtlingsaufnahmeverteilung wartet. Das Misstrauen in die Regierung, die handlungsunfähig und ohnmächtig den Einwanderungsstrom nicht mehr unter Kontrolle zu haben scheint, wächst. Doch Angst war schon immer ein schlechter Ratgeber, und wozu sie führen kann, zeigen unzählige Beispiele von grausamen Verfolgungen „Andersartiger in der Geschichte der Menschheit auf allen Kontinenten dieser Erde. Auf die Frage nach der Angst der Deutschen vor den muslimischen Flüchtenden antwortete Angela Merkel: „Wenn ich was vermisse, dann ist es nicht, dass ich irgendjemandem vorwerfe, dass er sich zu seinem muslimischen Glauben bekennt, sondern dann haben wir doch auch den Mut zu sagen, dass wir Christen sind, haben wir doch den Mut zu sagen, dass wir da in einen Dialog eintreten, haben wir dann aber doch bitte schön auch die Tradition, mal wieder in einen Gottesdienst zu gehen oder ein bisschen bibelfest zu sein und vielleicht auch ein Bild in der Kirche noch erklären zu können. Und wenn Sie mal Aufsätze in Deutschland schreiben lassen, was Pfingsten bedeutet, da würde ich mal sagen, ist es mit der Kenntnis über das christliche Abendland nicht so weit her. Und sich dann anschließend zu beklagen, dass Muslime sich im Koran besser auskennen, das finde ich irgendwie komisch. Und vielleicht kann uns diese Debatte auch mal wieder dazu führen, dass wir uns mit unseren eigenen Wurzeln befassen und ein bisschen mehr Kenntnis darüber haben …⁴ Angela Merkel hat erfasst, was der deutsche Philosoph und Kulturwissenschaftler Peter Sloterdijk folgendermaßen ausspricht: „Wir leben im ersten heidnischen Jahrhundert nach Christus.⁵Was wir jetzt – in Zeiten des Umbruchs – mehr denn je brauchen, ist ein gut begründeter Standpunkt. Der griechische Philosoph Archimedes behauptete: „Gebt mir einen festen Punkt, und ich hebe die Welt aus den Angeln.⁶ Dieser archimedische Punkt könnte eben der auf dem Hügel Golgatha gründende christliche Glaube sein. Wer weiß, woher er kommt und wer er ist, weiß auch, wohin er geht, so ein Mensch kann sich auch zu den – oft so abstrusen – Ereignissen der Welt äußern, er hebt förmlich die Welt aus den Angeln. Nur wer „ich sagen kann, kann auch „du sagen, nur wer weiß, wer er wirklich ist, hat Bestand. „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht (Jes 7,9), hat es der Prophet Jesaja schon um das Jahr 740 v. Chr. gesagt. Damals war Israel von den Assyrern, Moabitern, Syrern und Ägyptern bedroht. Wenn jedoch dieser Halt des Glaubens und des damit einhergehenden Ethos fehlt, dann fällt es schwer, Stellung zu beziehen, dann werden Menschen anfällig für beliebige Meinungen, dann sind sie (politisch) manipulierbar und können sich nur schwer ein einigermaßen objektives Urteil bilden. Im weisheitlichen Psalm 1 heißt es: „Wohl dem Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, nicht auf dem Weg der Sünder geht, nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern Freude hat an der Weisung des Herrn, darüber nachsinnt bei Tag und bei Nacht. Er ist wie ein Baum, der an Wasserbächen gepflanzt ist, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen Blätter nicht welken. Alles, was er tut, wird ihm gut gelingen.

Viele Menschen im christlichen Abendland können diesem Glaubensimpuls nicht folgen, sie haben den genannten Punkt, der die entrückte Welt wieder zu ordnen vermag, aus den Augen verloren, sie leben in anderen, säkularen Welten. Johannes Röser (geb. 1956), Chefredakteur der katholischen Wochenzeitung „Christ in der Gegenwart", beklagt, dass das Christentum in Europa geistig erlahmt sei und dass sich der Abbruch des Christlichen auf allen Ebenen rasant fortsetze. Deshalb sei es auch schwierig, einen ernsthaften Dialog mit (eingewanderten) Muslimen zu führen, die an ihrer Tradition festhielten. Kein Einziger von ihnen komme nach Röser aus einem bislang ernsthaft demokratisch-rechtsstaatlichen Land. Das brauche eben fundierte Inkulturation, die mit einem Sprachkurs, einem bezahlbaren Wohnraum und finanzieller Unterstützung allein nicht getan sei.

Die Welt erscheint in einem Zustand permanenter Unruhe und gleicht einem immerwährenden Krisenmodus. Noch vor zwei Jahrzehnten wähnte sich der Westen im großen Wachstumswahn und gefiel sich im – vom Islamwissenschaftler Michael Lüders (geb. 1959) beschriebenen – Gedanken der New Economy: „Wachstum und Wohlstand durch technische Innovation … Die neue Unübersichtlichkeit hat ihre Wurzeln in der Multipolarität, der Vielzahl an gegebenen oder entstehenden Machtzentren."⁸ Lüders meint damit u.a. Nationen, Staatenbündnisse, globale Unternehmen wie Google oder Amazon, Geheimdienste, politische Akteure, globale Kriminalitäts- oder Terrornetzwerke, Nichtregierungsorganisationen … Sie ringen um Macht- und Einfluss, ihre Verbundenheit kann zur Gegnerschaft werden und umgekehrt.

Die momentane Lage in Deutschland und im Abendland, wo in nahezu allen Ländern die Rechtspopulisten im Vormarsch sind, ist ernst, sie ist durchaus kritisch, aber sie ist ganz und gar nicht hoffnungslos. Ich bin davon überzeugt, dass es Mystiker, Poeten und Künstler in allen Nationen und Religionen gibt, die den echten, fruchtbaren Dialog vorantreiben und die dafür sorgen, dass alles, was wir im Okzident an Gutem – wenn auch bruchstückhaft – beginnen, letztlich auch immer wieder gelingen wird. Es ist des Menschen Sehnsucht, frei zu leben unter dem blauen Himmel voller Sterne, wie es der türkisch-deutsche Schriftsteller Hıdır Eren Çelik (geb. 1960 in Tunceli/Türkei) poetisch festhält:

Mein ICH wird dein SEIN werden

Mein ICH wird Dein SEIN werden,

denn wir atmen die gleiche Luft der Erde,

träumen unter dem blauen Himmel voller Sterne,

haben die Sehnsucht, als Mensch in Würde zu leben.

Mein ICH wird Dein SEIN werden,

es ist unsere Sehnsucht, als Mensch frei zu leben.

Hıdır Eren Çelik

3Das Wort Flüchtling ist eher negativ besetzt. Viele Nomina mit dem Suffix „ling" haben einen sonderbaren Beigeschmack, so z.B.: Erdling, Fremdling, Sonderling, Ichling, Zögling, Schützling, Schreiberling, Schönling, Däumling, Emporkömmling, Abkömmling, Häftling, Neuling, Prüfling, Eindringling … An dieser Stelle wird sichtbar, wie sehr es unsere Sprache vermag, schon durch die Wortwahl Meinungen zu bilden und auf unbewusste Weise unser Denken zu beeinflussen. Empfehlenswert ist daher die Ausdrucksform Geflüchtete, Zufluchtsuchende oder auch Refugee(s).

4http://www.bild.de/politik/inland/angela-merkel/muessen-wir-angst-vor-dem-islam-haben-42495812.bild.html (02.02.2016)

5Christ in der Gegenwart, 2016/20, S. 215

6https://de.wikipedia.org/wiki/Archimedes (15.05.2016)

7Vgl. Christ in der Gegenwart, 2016/12, S. 128

8Lüders, Michael, Wer den Wind sät, wird Sturm ernten. Was westliche Politik im Orient anrichtet, München, 2015 (kindle edition), Pos. 2278f.

9http://www.migrapolis-deutschland.de/index.php?id=1119 (30.03.2016)

Der Europäer aus Galiläa

¹⁰

Warum sich Schüler und Kultusministerien auch heute noch mit Jesus von Nazareth beschäftigen sollten: Nur durch sein Erbe lässt sich die Geschichte unseres Kontinents verstehen. Das christliche Erbe ist daher nicht nur Sache für den Religionsunterricht.

Es ist erstaunlich, auf welche Weise sich die Öffentlichkeit in diesen Tagen mit historischen Persönlichkeiten befasst: Wir

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