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Der König, der sich weigerte zu sterben: Anunnaki, Gilgamesch und die Suche nach Unsterblichkeit
Der König, der sich weigerte zu sterben: Anunnaki, Gilgamesch und die Suche nach Unsterblichkeit
Der König, der sich weigerte zu sterben: Anunnaki, Gilgamesch und die Suche nach Unsterblichkeit
eBook454 Seiten6 Stunden

Der König, der sich weigerte zu sterben: Anunnaki, Gilgamesch und die Suche nach Unsterblichkeit

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Über dieses E-Book

Die wahre Geschichte Gilgameschs – seine Auseinandersetzung mit den Anunnaki!

Das Britische Museum in London. Bei einer Gilgamesch-Ausstellung begegnet Astra einem gutaussehenden Fremden, der Geheimnisse über sie kennt, die eigentlich niemand kennen kann. Er offenbart sich ihr als Verkörperung Gilgameschs, des Königs von Uruk im alten Sumer. Mit ihrer Hilfe will er endlich das ewige Leben erlangen, das Ischtar ihm so lange verwehrt hat – denn Astra ist Ischtars Nachfahrin. Heilige Sex-Rituale versetzen die beiden in das alte Sumer, wo Gilgamesch seine Suche nach Unsterblichkeit wieder aufnehmen kann ...

Zecharia Sitchin erweckt in diesem Roman, der randvoll ist mit historischem Wissen, die Schlüsselelemente seiner Sachbücher zum Leben und stellt das Gilgamesch-Epos in den Kontext seiner revolutionären Entdeckungen. Sein letztes Werk, im Nachlass entdeckt, ist so kenntnisreich in Bezug auf die sumerische Kultur wie enthüllend, was die wahren Beweggründe der außerirdischen Anunnaki betrifft, die unsere Zivilisation und sogar die Spezies Mensch begründeten.

Im Anhang ergänzt durch neue Fakten über den Sumerer-König!

Zecharia Sitchin (1920-2010) wurde im heutigen Aserbaidschan geboren und wuchs in Palästina auf. Nach einem Studium an der London School of Economics and Political Science war er viele Jahre lang einer der führenden Journalisten Israels. Seine Forschungen und Übersetzungen der sumerischen Tontafeln, in zahlreichen Bestsellern dokumentiert, brachten atemberaubende neue Erkenntnisse über die Geschichte der Menschheit und des Planeten Erde.

Der größte Anunnaki-Forscher mit seinem letzten Werk. Erstmals auf Deutsch.

Hier stellt Sitchin das Gilgmesch-Epos in den Kontext seiner bedeutenden Forschungen über die Anunnaki, die unsere DNA manipulierten, im Anhang ergänzt durch neue Fakten über den berühmten Sumerer-König.
SpracheDeutsch
HerausgeberAMRA Verlag
Erscheinungsdatum10. Aug. 2017
ISBN9783954472086
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    Buchvorschau

    Der König, der sich weigerte zu sterben - Zecharia Sitchin

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    www.AmraVerlag.de

    Amerikanische Originalausgabe:

    The King Who Refused To Die. The Anunnaki

    And The Search For Immortality

    2017 erstmals Deutsch im AMRA Verlag

    Auf der Reitbahn 8, D-63452 Hanau

    Telefon: + 49 (0) 61 81 – 18 93 92

    Kontakt: Info@AmraVerlag.de

    ISBN Printausgabe 978-3-95447-207-9

    ISBN eBook 978-3-95447-208-6

    Copyright © 2013 by the Estate of Zecharia Sitchin.

    Printed and published by Arrangement with Inner Traditions International Limited, Rochester, Vermont 05767, USA.

    Dieses Werk wurde vermittelt durch die Literarische Agentur Thomas Schlück GmbH, D-30827 Garbsen.

    Der Einband entstand nach einer Idee von Murat Karaçay und verwendet Motive von Shutterstock: Sonne © Igor Zh., Goldenes Gesicht © Photo travel VlaD, Blauer Hintergrund © Stephanie Zieber.

    Alle Rechte der Verbreitung vorbehalten, auch durch Funk, Fernsehen und sonstige Kommunikationsmittel, fotomechanische, digitale oder vertonte Wiedergabe sowie des auszugsweisen Nachdrucks. Im Text enthaltene externe Links konnten vom Verlag nur bis zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung eingesehen werden. Auf spätere Veränderungen hat der Verlag keinerlei Einfluss. Eine Haftung des Verlags ist daher ausgeschlossen.

    Inhalt

    Kapitel 1

    Kapitel 2

    Kapitel 3

    Kapitel 4

    Kapitel 5

    Kapitel 6

    Kapitel 7

    Kapitel 8

    Kapitel 9

    Kapitel 10

    Kapitel 11

    Kapitel 12

    Kapitel 13

    Kapitel 14

    Kapitel 15

    Kapitel 16

    Der König, der sich weigerte zu sterben:

    GILGAMESCH

    Kapitel 1

    »Zur Sonderausstellung, Ma‘am?«

    Die Frage erstaunte Astra. Sie war schon oft in dem Museum gewesen, aber noch nie so spät abends. Diesmal blieb sie an den Eisentoren stehen, von Ehrfurcht erfüllt beim Anblick der Säulenfassade, die von den Scheinwerfern am Boden in Bernstein getaucht wurden.

    Der leichte Niesel verlieh dem Anblick etwas Verschwommenes, einen Hauch des Mysteriösen – als läge hinter den massiven Säulen, golden wie das bernsteinfarbene Licht, ein Geheimnis verborgen. Astra fragte sich ganz fasziniert, ob dieses schaurige Aussehen sich der Tatsache verdankte, dass so viele Artefakte des Museums aus alten Grabstätten stammten.

    »Zur Sonderausstellung, Ma’am?«, wiederholte der Pförtner seine Frage und trat aus dem Pförtnerhäuschen in den Niesel hinaus.

    »Äh, ja«, antwortete Astra.

    »Sie müssen mir noch Ihre Einladung zeigen«, sagte er und verstellte ihr den Weg.

    »Ach ja, die Einladung«, murmelte Astra.

    Der Pförtner sah zu, wie sie in ihrer großen Handtasche herumkramte. Unter dem khakifarbenen Regenhut konnte er ein quadratisches Kinn und einen kleinen Mund mit vollen Lippen erkennen. Den khakifarbenen Regenmantel hatte sie fest um ihre Hüften geschlungen, so dass deutlich ihr wohlgeformter Körper zu sehen war.

    »Hier ist sie«, sagte Astra, als sie die weiße Karte, die man ihr zugeschickt hatte, aus dem Umschlag zog.

    »Gehen Sie nur«, sagte der Pförtner, ohne einen Blick auf die Karte zu werfen. »Sie sind spät dran. Wenn Sie sich nicht beeilen, sind der Wein und die Häppchen schon weg.«

    Astra hielt die Einladung noch in der Hand, als sie über den Vorplatz ging, so tief in Gedanken versunken, dass sie nicht mehr daran dachte, sie zurück zu stecken. Inzwischen kannte sie die Wörter auf der Einladung auswendig. »Die Kuratoren des Britischen Museums ersuchen Sie höflich, uns bei der Eröffnung der Gilgamesch-Sonderausstellung mit Ihrer Anwesenheit zu beehren«, stand dort neben dem Datum und der Uhrzeit. Aber selbst jetzt, da sie die zwölf breiten Stufen hinaufging, die zum Haupteingang des Museums führten, hatte sie keine Ahnung, warum sie eigentlich eingeladen worden war oder wer da ihren Namen und ihre Anschrift kannte.

    Sie dachte immer noch, wie eigenartig das alles war, als einer der Wachmänner sie anhielt, um ihre Handtasche zu durchstöbern, und erst da fiel ihr ein, die Einladung wieder zu verstauen. Zufrieden damit, dass sie weder Pistolen noch Sprengstoff bei sich hatte, wies er ihr den Weg zum Westflügel. Sie überprüfte den Sitz von Hut und Mantel, und schon im nächsten Moment tauchte sie in die Menge ein.

    Aus diesem Anlass war das Café des Museums in einen Empfangsbereich umgewandelt worden, in dem gratis Getränke und kleine dreieckige Sandwiches serviert wurden. Der Weg zum Empfang führte durch korridorartige Galerien, die von griechischen Statuen gesäumt wurden, und eine Treppenflucht hinauf, von der aus die Menge bereits in die Ausstellungsräume flutete. Als Astra versuchte, sich einen Weg zur Bar zu bahnen, blieb sie mitten im Getümmel stecken. Von allen Seiten wurde sie gestoßen und geschoben, aber schließlich gelang es ihr, sich näher an die Wand zu lavieren, wo das Gedränge nicht ganz so schlimm war.

    Von diesem Aussichtspunkt aus blickte sie sich um. Die offizielle Öffnungszeit war schon lange vorbei, und die alltägliche Besuchermenge war einer Menschenansammlung ganz anderer Art gewichen. Obwohl nur ein paar Männer eine schwarze Krawatte trugen und noch weniger Frauen lange Kleider, wirkte das Publikum elegant, kultiviert. Als sie flüchtige Gespräche aufschnappte, fühlte Astra sich vollkommen fehl am Platz. Bildete sie sich das nur ein, oder starrten sie sie wirklich an, weil sie in ihr altes Flugbegleiterinnenkostüm gekleidet war, von dem sie die Abzeichen entfernt hatte und das jetzt etwas zu eng saß? Wussten sie, dass sie eigentlich gar nicht hierher gehörte, dass ihre Anwesenheit hier ein Irrtum war oder, schlimmer noch, ein schlechter Scherz?

    Ihr Blick begegnete dem eines hochgewachsenen, schlanken jungen Mannes, etwas oberhalb auf der Treppe. Er hob sein Glas und lächelte Astra an, begann durch die Menge auf sie zuzugehen, ohne sie aus den Augen zu lassen.

    »Hallöchen«, sagte er, als er bei ihr war. »Ich habe gesehen, dass Sie hier wie auf einer trostlosen Insel mitten in einem Meer von Menschen gestrandet sind, keinen Drink in der Hand, und da bin ich zu ihrer Rettung herbeigeeilt … Sind Sie allein hier?«

    »Allein und verblüfft«, entgegnete Astra. »Nicht nur, dass ich keinen Drink habe, ich weiß nicht einmal, wie ich hierhergekommen bin.«

    »Sie wissen nicht, wie Sie hierhergekommen sind?«, wiederholte er jovial. »Natürlich bewusstlos geschlagen und in einem magischen Teppich eingerollt, wie sonst?«

    Sie lachte. »Nein, ich meine, ich habe keine Ahnung, warum oder von wem ich eingeladen wurde. Wissen Sie es?« Sie blickte ihn geradewegs an.

    »Wen kümmert’s?«, antwortete er. »Solange Sie nur hier sind und ich Sie kennen lernen darf. Ich bin der Ritter, der mit fliegenden Fahnen zu Ihrer Rettung naht, Henry mit Namen. Und wie lautet Ihr Name, Mylady?«

    »Astra.«

    »Wie wunderschön, wie himmlisch … Soll ich Ihnen einen Drink holen, bezaubernde Lady?« Er beugte sich beim Sprechen vor, so dass sein Gesicht sich ihrem näherte.

    Sie ruckte mit dem Kopf zurück, um zu verhindern, dass sein Mund ihren berührte.

    »Nun … äh, ja, Henry, ich hätte gern einen Drink, am besten gleich.«

    »Rühren Sie sich nicht von der Stelle«, bat er sie. »Ich bin im Nu wieder da!«

    Er machte kehrt und schob sich durch die Menge in Richtung der Treppe, die zum Café führte. Sofort bahnte sich Astra in entgegengesetzter Richtung einen Weg.

    Die geladenen Gäste stauten sich bereits durch die griechische Galerie zurück bis in den Ausstellungsbereich, der sich an den Eingang anschloss. Um den Druck herauszunehmen und das Risiko zu verringern, dass Statuen beschädigt wurden, entfernten Bedienstete die Seilabsperrungen, die den Zutritt zur assyrischen Abteilung verhinderten. Augenblicklich wogte eine Menschenmenge in den neu geöffneten Bereich, und auch Astra zog es dorthin.

    Der Eingang zu diesem Bereich der Ausstellung wurde von lebensgroßen Wächterstatuen aus Stein flankiert, deren göttlicher Status sich durch den gehörnten Kopfschmuck offenbarte, den ihre Häupter krönten. Sie waren am Eingang aufgestellt worden, um die modernen Besucher zu begrüßen, so wie sie im alten Assyrien schon ihre Huldiger begrüßt hatten.

    Als Astra mitten im Gedränge diesen Bereich des Museums betrat, in dem sie schon oft gewesen war, wich ihr Unbehagen. Die meisten Menschen, die mit ihr hineingeschoben wurden, wandten sich nach links, verführt vom Anblick zweier riesiger Skulpturen mythologischer Wesen – Stieren mit Adlerschwingen und dem menschenähnlichen Kopf einer Schutzgottheit –, die einst den Thron eines assyrischen Königs beschützt hatten.

    Astra wandte sich nach rechts, zu einer Reihe assyrischer Stelen aus dem ersten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung – Steinsäulen, die den König zeigten, beschützt von den himmlischen Emblemen der großen Götter Assyriens. Diese fünf Symbole wiederholten sich auf jeder Stele, und eine Plakette an der Wand der Abteilung bot dem Besucher eine Erklärung.

    Astra las sich die Worte laut vor: »›Der gehörnte Kopfschmuck repräsentierte Anu, den Gott des Himmels. Die geflügelte Scheibe war das himmlische Emblem seines Sohnes, des Gottes Assur, der das Oberhaupt des assyrischen Götterhimmels war. Der Halbmond war das Emblem von Sin, dem Mondgott. Der gezackte Blitz war das Symbol Adads. Der Stern mit den acht Zacken stand für Ischtar, die Göttin der Liebe und des Krieges, die von den Römern Venus genannt wurde.‹«

    Als sie die Erklärung gelesen hatte, ging Astra von einer Stele zur anderen und musterte die Embleme auf jeder. Vor der Stele des Königs Assurbanipal, dessen Hand zu den Emblemen des Himmels erhoben war und dessen Zeigefinger auf das Symbol Ischars deutete, blieb sie stehen. Ohne auf die Leute ringsum zu achten, streckte Astra die Hand nach dem Symbol aus, und ihr Herzschlag beschleunigte sich, als ihre Finger über die uralte Gravur strichen. Sie richtete ihren Blick auf den Mund des Königs, berührte die Steinlippen und wisperte: »Uralte Lippen, bringt wieder eure unsterbliche Botschaft hervor!«

    Sie schloss die Augen und konnte trotz des Lärms um sie herum deutlich die geflüsterten Worte vernehmen: »Schau, Astra, schau auf deinen Schicksalsstern …«

    Ihre Hand zuckte zurück, und sie öffnete die Augen. Jäh drehte sie sich um. Henry stand direkt hinter ihr, einen Drink für sie in der Hand. Er lächelte.

    »Haben Sie gerade mit mir gesprochen?«, wollte sie wissen.

    »Die süßen Worte sind noch nicht meinen Lippen entfleucht«, antwortete er. »Aber ich wollte gerade sagen, warum erstarrte Lippen streicheln, wenn es lebende gibt, die sich gern auf Ihre schmiegen würden?«

    »Jemand hat zu mir gesprochen«, sagte Astra. »Es mag seltsam klingen, aber ich habe schon einmal gehört, wie dieses Monument zu mir gesprochen hat.«

    »Wie hochinteressant«, entgegnete Henry. »Reden Sie weiter.« Er reichte ihr das Glas.

    »Diese Embleme sprechen etwas in mir an«, fuhr Astra fort, während sie sich wieder umwandte und sie ansah. »Ich komme so oft wie möglich nach der Arbeit hierher, um sie mir anzuschauen … Sie scheinen ein Geheimnis zu bergen, eine verborgene Botschaft.«

    »Und dann flüstert der Stein Ihnen die Botschaft zu, meinen Sie?«

    »Ich bin nicht verrückt, ich habe gesprochene Worte gehört – jetzt und auch früher schon mal«, antwortete Astra und hob ihr Glas, um dem Monument zuzuprosten.

    Sie wandte sich ab. Henry stand jetzt ein paar Meter von ihr entfernt, mitgerissen von der wogenden Menge.

    »Sie müssen mir von Ihrem Kult erzählen«, rief er ihr zu und hob sein Glas.

    Astra ignorierte seine Worte und ließ zu, dass die Menge sie noch mehr voneinander entfernte. Alle schienen sich jetzt in diesem Teil des Museums aufzuhalten. Ein Mann, der auf eine kleine Bühne zwischen den uralten geflügelten Stieren gestiegen war, versuchte die Menge zum Schweigen zu bringen, und nachdem er sie mehrmals zur Ordnung gerufen hatte, begann er seine Rede.

    »Meine Damen und Herren«, sagte er mit fester Stimme, »mein Name ist James Higgins, ich bin der Kurator des Museums für westasiatische Antiquitäten. Es ist mir eine Freude, Sie im Namen der Kalfaktoren des Britischen Museums zu dieser Eröffnung der Speziellen Gilgamesch-Ausstellung willkommen zu heißen.«

    Er machte eine Kunstpause und fuhr dann fort: »Die Gilgamesch-Sonderausstellung findet statt, um so etwas wie eine Hundertjahrfeier abzuhalten. Unter den größten archäologischen Entdeckungen in Mesopotamien im neunzehnten Jahrhundert war die umfangreiche Bibliothek der beschrifteten Tontafeln von Assurbanipal, des Königs von Assyrien, in Ninive. Die Tafeln, zumeist beschädigt und zerbrochen, wurden ins Britische Museum gebracht. Hier im Keller eben dieses Gebäudes war es die Aufgabe von George Smith, die Zehntausende Stücke beschrifteten Tons, die in Holzkisten eintrafen, zu sortieren, zusammenzufügen und zu kategorisieren. Eines Tages fiel sein Blick auf ein Fragment, das die Geschichte einer großen Flut zu erzählen schien, und er erkannte, dass er auf die mesopotamische Version der biblischen Geschichte von der Sintflut gestoßen war!

    In begreiflicher Aufregung schickten die Kalfaktoren des Museums George Smith zu der archäologischen Ausgrabungsstätte in Mesopotamien, um nach weiteren Fragmenten zu suchen. Das Glück war ihm hold, denn er fand genug, um 1876 den ursprünglichen Text rekonstruieren und unter dem Titel Chaldäischer Bericht über die Große Flut veröffentlichen zu können.«

    Zustimmendes Raunen erhob sich in der Menge, und der Kurator fuhr fort: »Aber wie schon Smith selbst gefolgert hatte und wie zusätzliche Funde inzwischen unwiderlegbar erbracht haben, handelte die Erzählung, die in der Bibliothek von Assurbanipal entdeckt worden war, nur teilweise von der Großen Flut. Es war eine lange Erzählung, niedergeschrieben auf zwölf Tafeln. Ihr ursprünglicher Titel, der Eröffnungszeile entnommen, lautete Er, der alles gesehen hat. Wir bezeichnen sie heute als das Gilgamesch-Epos, weil sie die Geschichte eines Königs dieses Namens erzählt, der rastlos und abenteuerlustig war und Menschen wie Götter gleichermaßen herausforderte. Er behauptete, zum Teil göttlicher Abstammung zu sein, und erhob deshalb Anspruch auf die Unsterblichkeit. Auf der Suche nach einem Entrinnen vor dem Schicksal aller Sterblicher war er zum magischen Landeplatz der Götter gegangen und dann zu dem geheimen Reich namens Land der Lebenden. Dort fand er einen Ahnen aus alter Zeit, der immer noch lebte. Letzterer erwies sich als Held der Sintflut, als derjenige, der in der Bibel Noah genannt wird. Er war es, der Gilgamesch die Geschichte von der unvorstellbaren Katastrophe der Großen Flut erzählte.

    So wurden vor einem Jahrhundert die biblischen Geschichten der Genesis mit den Überlieferungen des alten Assyrien und Babylon verbunden. In jenem letzten Jahrhundert haben wir außerdem erfahren, dass all diese Schriften aus einer noch früheren gemeinsamen Quelle stammen, den ursprünglichen Aufzeichnungen der Sumerer – jenes mysteriösen Volkes, das im Süden von Mesopotamien die erste bekannte Zivilisation gründete.

    Diese alten assyrischen und babylonischen Erzählungen haben nicht nur bestätigt, dass Gilgamesch eine historische Gestalt war, andere epische Erzählungen sowie eine regelrechte Königsliste, die uns überliefert wurde, bestätigen das ebenfalls. Gilgamesch war der fünfte Herrscher der sumerischen Stadt Uruk, des biblischen Erech. Er herrschte vor fast fünftausend Jahren. Sein Vater war ein Hohepriester. Seine Mutter war eine Göttin namens Ninsun, was Gilgamesch zu zwei Dritteln göttlich machte. Bis der Spaten des Archäologen die Stadt freilegte – ihre Straßen, Häuser, Anlegestellen und Tempel, darunter Ninsuns Schreine –, war Erech nur der Name eines unbekannten, anscheinend nebulösen mythischen Ortes, der in der Bibel erwähnt wird. Aber wenn die Bibel mit Erech und all den anderen in ihr erwähnten Städten Recht hat und wenn sie Recht hat mit den verschiedenen assyrischen und babylonischen Herrschern, von denen sie spricht, könnte es dann nicht sein, dass auch die anderen Schilderungen – einer Sintflut und eines Noah, eines Turms zu Babel und eines Garten Eden – den Tatsachen entsprechen und es sich dabei um eine Niederschrift aus grauer Vorzeit handelt?«

    Der Kurator hielt inne. »Offenbar habe ich mich hinreißen lassen«, sagte er mit einer entschuldigenden Geste. »Lassen Sie mich hier also schließen. Welche Folgen die Entdeckungen des letzten Jahrhunderts und jene jüngeren Datums auch haben mögen, es steht außer Zweifel, dass mit der Veröffentlichung des Chaldäischen Berichts von der Großen Flut ein Wendepunkt in unserem Wissen und Verständnis erreicht worden ist. Zur Erinnerung daran, dass dieses Ereignis sich jetzt zum hundertsten Mal jährt, hält das Museum diese Sonderausstellung ab. Sie führt Funde und Artefakte zusammen, die mittlerweile in mehreren Museen in verschiedenen Ländern lagern, aber den Kern bilden die Tafeln, die George Smith zusammenfügte und die schon sehr lange nicht mehr öffentlich ausgestellt worden sind.«

    Auf ein Zeichen des Kurators hin entfernten einige Bedienstete die Seile, die die Menge von dem abgetrennten Bereich trennten. »Ich lade Sie hiermit ein, die Gilgamesch-Ausstellung zu eröffnen«, verkündete er mit erhobener Stimme und in begeistertem Tonfall, in der Hoffnung, sich über den Lärm der Menge hinweg Gehör zu verschaffen. Doch niemand wollte seine letzten Worte so recht abwarten, denn kaum waren die Seile entfernt, da flutete die Menge auch schon ganz von selbst nach vorne.

    Astra, die sich im Hintergrund gehalten hatte, als der Kurator zu sprechen begann, musste jetzt warten, bis sie an der Reihe war, den Sonderausstellungsbereich zu betreten. In der Mitte befanden sich, geschützt durch eine Abdeckung aus Plexiglas, die Originalfragmente, die George Smith zusammengesetzt hatte. Unter einer weiteren Plexiglashaube waren Rollsiegel ausgestellt, die in Zusammenhang mit dem Gilgamesch-Epos standen. Dabei handelte es sich um kleine, zylinderfömig zugeschnittene Halbedelsteine, in die in umgekehrter Reihenfolge Szenen aus dem Epos geschnitzt waren, so dass man die Darstellungen in feuchten Lehm drücken konnte, indem man das Siegel darüber rollte. Die Siegel gingen zurück auf das erste und zweite Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung und stammten nicht nur aus Mesopotamien, sondern aus der gesamten Alten Welt. Die am häufigsten auf den Siegeln abgebildete Szene zeigte, wie Gilgamesch die Löwen bezwang. Andere Siegel zeigten ihn in seinem Königsgewand, aber es gab auch Darstellungen seines Gefährten Enkidu, der meistens mit den Wildtieren gezeigt wurde, zwischen denen er aufgewachsen war.

    Er, der alles gesehen hat,

    der durch das Land zog;

    Der alle Dinge erlebte,

    sie alle bedachte …

    Geheime Dinge hat er gesehen,

    was dem Menschen verborgen ist,

    fand er heraus;

    Er brachte selbst Kunde

    aus der Zeit vor der Sintflut.

    Auch in die Ferne reiste er

    mühselig und unter Schwierigkeiten.

    Er kehrte wieder, und in eine Steinsäule

    meißelte er die Geschichte all seiner Mühen.

    Astra stand noch nach vorn gebeugt da, um auch den Rest des Textes zu lesen, als sie spürte, wie jemand sie an der Schulter berührte. Sie drehte sich um. Es war Henry.

    »Erinnern Sie sich noch an mich?«, meinte er. »Den Ritter ohne Rüstung? Ich fürchte, ich habe etwas Unbedachtes gesagt, als wir uns zuletzt sahen. Es tut mir leid.«

    »Machen Sie sich keine Gedanken«, erwiderte Astra. »Ich bin wirklich nur wegen der Ausstellung hier.«

    »Gilgamesch ist also interessanter, obwohl er schon lange tot ist – trotz all seines Suchens nach der Unsterblichkeit«, konterte Henry. »Wussten Sie, dass er nachts durch die Straßen von Erech zog und nach Hochzeitsfeiern suchte, um sich jung zu halten? Er forderte den Bräutigam zu einem Wettringen heraus, das er immer gewann. Dann forderte er als Preis das Recht, als Erster mit der jungfräulichen Braut zu schlafen.«

    »Wirklich?«, fragte Astra. »Und was, wenn es in der Nacht mehr als eine Hochzeit gab?« Sie lachte leise auf.

    »Hier heißt es«, sagte Henry und zeigte auf den Text auf der ersten Tafel, »dass Enkidu, eine Art künstlicher Mensch, der von dem Gott Enki erschaffen wurde, sechs Tage und sieben Nächte lang ohne Pause Liebe mit einer Dirne machte. Gilgamesch, der von ähnlicher Manneskraft war, überlebte das alljährliche Ritual der Heiligen Hochzeit mit der Göttin Inanna, bei dem er in einer einzigen Nacht fünfzig Mal bereit sein musste … Ist Ihre Frage damit beantwortet?«

    Astra sah sich Henry nun etwas genauer an. Er war jünger als sie, dreißig vielleicht. Er hatte Sommersprossen und hellbraunes Haar und war alles andere als gutaussehend. Aber sein Lächeln hatte etwas Verwegenes an sich, war frisch und einladend …

    »Sie scheinen viel zu wissen«, sagte sie. »Sind Sie Lehrer oder so?«

    »Ja, tatsächlich. Dozent für Assyriologie. Und Sie?«

    »Jemand, der seine besten Zeiten bereits hinter sich hat«, erwiderte Astra schulterzuckend. »Ich war eine verdammt gute Stewardess. Aber seit ich reifer und molliger geworden bin, leite ich das Besprechungszimmer des Flugbegleitpersonals.«

    »Ich würde sie eher als kurvenreich bezeichnen.« Henry legte den Kopf schräg, als wollte er sie aus einem neuen Blickwinkel betrachten. »Um genau zu sein, nicht viel anders als Inanna, besser bekannt als Ischtar. Sie stellte gern ihre nackte Schönheit zur Schau, weshalb sie auf den meisten Abbildungen unbekleidet oder in einem durchsichtigen Gewand gezeigt wird.«

    Er nahm Astra bei der Hand und zog sie von den ausgestellten Tafeln weg zu der Vitrine mit den Rollsiegeln.

    »Hier«, er wies auf eine Gruppe von Siegeln, »können Sie einige dieser Abbildungen sehen.«

    »Warum hat sie das getan?«

    »Sie war die Göttin der Liebe. Ich schätze, sie musste ihrem Ruf gerecht werden … Die sechste Tafel des Gilgamesch-Epos erzählt, wie Inanna Gilgamesch in ihr Bett einlud, nachdem sie ihn nackt gesehen hatte. Wird sich die Geschichte wiederholen, Astra?« Er sah ihr in die Augen und umschloss ihre Hand etwas fester.

    »Hat Gilgamesch die Einladung angenommen?«

    »Nun … Der alten Geschichte zufolge nicht. Er wies sie ab und nannte als Begründung all die Male, bei denen sie ihren menschlichen Liebhabern den Garaus gemacht hatte. Aber ich hätte mir die Chance nicht entgehen lassen!«

    »Was für ein interessantes Angebot – eine Jahrtausende zurückliegende Begegnung nachzuspielen und herauszufinden, ob sie sich anders entwickelt.« Astra entzog ihm ihre Hand. »Aber ich möchte immer noch herausfinden, warum ich überhaupt hier bin. Wissen Sie etwas darüber?«

    »Ich weiß es«, sagte eine Stimme neben ihr. Astra wandte sich dem Sprecher zu. Er war groß, breitschultrig und in den Fünfzigern, mit dichtem Haar, das an den Schläfen ergraute. Seine Augen waren blaugrau, und er musterte Astra so intensiv, dass sie ihren Blick gar nicht losreißen konnte, um seine übrigen Gesichtszüge zu studieren.

    »Sie? Wieso denn das?«, platzte sie heraus.

    »Der Grund ist recht privater Natur«, antwortete der Fremde. Er reichte ihr die Hand. »Würden Sie bitte mitkommen?« Er sah ihr immer noch fest in die Augen.

    »Moment mal«, meinte Henry. »Die junge Dame gehört zu mir!«

    »Unsinn«, sagte der Fremde. »Ich habe beobachtet, wie Sie versucht haben, sie abzuschleppen, und sich sogar über Sie lustig gemacht haben, als sie eine Verbindung zu den altertümlichen Monumenten spürte … Es dürfte Sie also kaum weiter stören, wenn ich mir Miss Kouri für eine Weile ausleihe.«

    Ohne einem von ihnen Gelegenheit zum Widerspruch zu lassen, nahm er Astra beim Arm und führte sie durch die drängelnde Menge davon.

    Als sie den Bereich der Sonderausstellung verlassen hatten, blieb Astra unvermittelt stehen und wand ihren Arm aus seinem Griff. »Sie kennen meinen Namen?«

    »Ja. Sie sind Miss Astra Kouri, oder nicht?«

    Astra spürte, wie ihr das Blut in den Kopf schoss. Ihr Herz begann zu hämmern. »Woher?«

    Der Fremde lächelte. »Es freut mich, dass Sie die Einladung annehmen konnten«, erwiderte er.

    »Wer sind Sie?«

    »Meine Freunde nennen mich Eli, aber das ist nur eine Abkürzung. Mein Familienname ist Helios. Adam Helios, so lautet mein vollständiger Name … Jetzt haben Sie Ihre Antwort, nicht?«

    Astra nickte.

    »Dann kommen Sie.« Er nahm sie erneut am Arm und führte sie zum Eingang der Assyrien-Ausstellung, wo er vor der Stele des Assurbanipal stehenblieb.

    »Sehen Sie hin, Astra. Sehen Sie Ihren Schicksalsstern an«, flüsterte er.

    »Sie!«, schrie Astra auf. »Was wollen Sie von mir?«

    Ohne seinen Blick von ihrem zu lösen, nahm er ihre Hand und ließ seine Finger über die Seite bis zu der Stelle gleiten, an der sich eine kaum erkennbare, knotige Narbe befand.

    Dann griff er nach Astras freier Hand und führte ihre Finger an seiner eigenen Handkante entlang, bis Astra eine ähnliche knotige Narbe spüren konnte.

    »Oh mein Gott!«, sagte sie.

    »Ja, auch ich hatte einen sechsten Finger, der operativ entfernt wurde, als ich ein Kind war«, erklärte er. »War es bei Ihnen nicht genauso?«

    »Das ist unglaublich«, sagte Astra. »Total verwirrend … Woher wissen Sie davon? Woher kennen Sie meinen Namen?«

    »Glauben Sie ans Schicksal, Astra?«, flüsterte er und legte seine Hände um ihre Taille. »Glauben Sie, dass uns die Sterne ein Zeichen geben, dass Steine sprechen können?«

    Astra wehrte sich gegen seine Berührung. »Um Himmels willen, wie viel wissen Sie denn noch über mich?«

    Er ließ ihre Taille los. »Mehr als Sie selbst«, meinte er. »Kommen Sie mit mir, und ich werde Ihnen alles erklären.«

    Sein Blick ruhte nun nicht mehr auf ihr, sondern auf den Symbolen des Himmels auf dem Monument.

    »Ich glaube wirklich nicht …«, setzte Astra an, doch als er erneut die Hand ausstreckte und seine knotige Narbe an ihre drückte, verstummte sie.

    »Wir sind einzigartig«, sagte er. »Wir haben das einmalige Geschenk eines sechsten Fingers erhalten … Können Sie nicht hören, wie uns das Schicksal ruft?« Nun sah er ihr wieder unverwandt in die Augen, fordernd und gebieterisch. Astra wollte etwas sagen, konnte es aber nicht.

    »Kommen Sie«, sagte er und nahm sie am Arm. Astra folgte ihm.

    »Ich wohne ganz in der Nähe«, fuhr Eli fort, als sie die Treppe erreichten, die aus dem Museum führte.

    Sie überquerten den Vorplatz und die Great Russell Street, die auf die Museum Street führte, eine schmale Straße, die von alten Gebäuden gesäumt wurde, in denen einst die Reichen gewohnt hatten, die nun aber Verlagsbüros und Buchläden beherbergten, auf den Orient und das Okkulte spezialisiert. Sie liefen schweigend, und Eli hielt Astra noch immer am Arm.

    Sie bogen in eine noch schmalere Straße ab, dann in eine Gasse. Astra glaubte, dass sie sich nun irgendwo hinter den Gebäuden befinden mussten, an denen sie vor einigen Minuten vorbeigekommen waren, aber ganz sicher war sie sich nicht. In der Gasse gab es keine Straßenlaternen. Im Dunkeln blieb Eli vor etwas stehen, das sich als Tür entpuppte. Geschickt schloss er sie auf und ließ dabei zum ersten Mal Astras Arm los. Als er die Tür aufschob, ging im Inneren ein gedämpftes, bläuliches Licht an, und eine schmale Treppe nach oben wurde sichtbar.

    »Bitte«, meinte er einladend.

    Nachdem Astra eingetreten war, verriegelte er hinter ihr die Tür. »Ich gehe voraus«, erklärte er dann und begann, die Treppe emporzusteigen.

    Auf halber Höhe zwischen den Stockwerken befanden sich Treppenabsätze, die durch ungeahnte Türen in unsichtbare Räume führten, kaum bemerkbar in dem gedämpften bläulichen Licht, dessen Quelle Astra nicht bestimmen konnte. Nachdem sie Astras Gefühl nach etwa zwei ganze Etagen hinaufgestiegen waren, öffnete Eli eine Tür und führte sie in einen mittelgroßen Raum, in dem das bläuliche Licht etwas heller strahlte. Astra konnte erkennen, dass der Raum als Wohnzimmer eingerichtet war, dessen Wände größtenteils von deckenhohen Bücherregalen eingenommen wurden. Ein überwältigender Duft erfüllte den Raum. Aus ihrer Zeit als Stewardess konnte Astra den Geruch von Marihuana, Haschisch und Ähnlichem auf Anhieb erkennen, aber was sie hier roch, war etwas anderes.

    »Machen Sie es sich bequem.« Eli wies auf einen großen, weichen Sessel. Astra legte ihre Handtasche neben sich.

    »Verdammt«, sagte sie, »ich habe meinen Regenmantel und den Hut im Museum vergessen!«

    »Keine Sorge«, erwiderte Eli. »Ihre Sachen sind dort gut aufgehoben, bis Sie sie wieder abholen. Sherry?«

    Ohne ihre Antwort abzuwarten, füllte er zwei Gläser aus einem Dekantierer, der auf einem kleinen Beistelltisch stand. Er reichte ihr ein Glas, doch als Astra es nehmen wollte, hielt er es noch einen Moment lang fest. »Sie sind wunderschön«, sagte er, als er es losließ.

    Obwohl Astras Sinne von dem süßen, betörenden Duft, der den ganzen Raum erfüllte, benebelt waren, ließ sie ihm die Bemerkung nicht einfach so durchgehen.

    »Ist das Ihr üblicher Eröffnungssatz?«

    Er hob sein Glas. »Trinken wir auf einen bezaubernden Abend. Ich habe Ihnen versprochen, dass ich Ihnen alles erzähle, und das werde ich auch. Lassen Sie mich mit der Einladung anfangen«, meinte er, während er sich ihr gegenüber in einen Sessel setzte. »Diese Erklärung ist von all dem, das mir heute Abend bevorsteht, noch das Einfachste. Wissen Sie, ich arbeite in diesem Museum. Meine Arbeit besteht darin, Antiquitäten aus dem Nahen Osten zu sortieren und zu restaurieren. Zu ersten Mal sind Sie mir vor über einem Jahr im Museum aufgefallen, und danach habe ich Sie bei Ihren folgenden Besuchen gesehen. Ich habe sie bemerkt, weil Sie mich an jemanden erinnern.« Er brach ab, um an seinem Sherry zu nippen.

    »An wen?«, wollte Astra wissen.

    »Sie werden sie bald kennenlernen«, erwiderte er. »Nach einer Weile wurde mir klar, dass Sie immer an bestimmten Tagen und zu bestimmten Uhrzeiten ins Museum kommen, und ich begann, auf Sie zu warten. Ich wurde nur selten enttäuscht. Ich beobachtete, wie Sie wieder und wieder vor bestimmten Ausstellungsstücken stehenblieben. So wie Sie es auch heute Abend getan haben – ja, ich habe Sie beobachtet … Sie berühren dann immer einige der Stelen und Wandreliefs und die Symbole des Himmels darauf. Sie lassen Ihre Finger über sie gleiten, insbesondere über eines … Ich habe Sie beobachtet, habe Ihre Hand beobachtet … Ohne, dass Sie mich bemerkten, stand ich ein paar Mal ganz dicht bei Ihnen … Und dann, eines Tages, als Sie Ihre Hand hoben, um die Symbole des Himmels zu berühren, da sah ich es!«

    »Was sahen Sie?«

    »Die Narbe, die

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