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Nietzsche für Manager: Mit Mut zum Erfolg

Nietzsche für Manager: Mit Mut zum Erfolg

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Nietzsche für Manager: Mit Mut zum Erfolg

Länge:
280 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
15. Sept. 2008
ISBN:
9783593404585
Format:
Buch

Beschreibung

Mut ist eine der wichtigsten Kernkompetenzen von Führungskräften, besonders in Zeiten sich verändernder Märkte und neuer globaler Herausforderungen. Doch gerade diese Eigenschaft fehlt vielen Managern von heute. Dieses Buch macht ihnen Mut!
Herausgeber:
Freigegeben:
15. Sept. 2008
ISBN:
9783593404585
Format:
Buch

Über den Autor


Buchvorschau

Nietzsche für Manager - Andreas Drosdek

www.campus.de

Drosdek, Andreas

Nietzsche für Manager

Mit Mut zum Erfolg

Impressum

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Copyright © 2008. Campus Verlag GmbH

Besuchen Sie uns im Internet: www.campus.de

E-Book ISBN: 978-3-593-40458-5

Vorbemerkung: Wer ist ein Manager?

»Nietzsche für Manager«: Wer ein Buch so nennt, wendet sich an eine bestimmte Zielgruppe. Als Leser fragen Sie sich vielleicht: Bin damit auch ich gemeint? Wer ist eigentlich ein Manager? (Im Buch sind selbstverständlich immer beide Geschlechter angesprochen. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird aber nur eine Form verwendet.)

Friedrich Nietzsche war immer für Überraschungen gut, und wer seine Werke sorgfältig liest, wird darin für den Leser vielleicht eine überraschende, aber für Nietzsche typische Antwort auf diese Frage finden – eine Antwort, die im Trend des 21. Jahrhunderts liegt und Nietzsche zum zeitgemäßen Ratgeber für Manager macht.

Nietzsche war kein Freund der leisen Töne. Er hat sich nicht gescheut, auch die großen Fragen anzugehen. Viele seiner Erkenntnisse können Topmanagern dabei helfen , ihre Arbeit noch besser zu machen und sich stetig weiterzuentwickeln.

Der Begriff »Manager« bezog sich im deutschsprachigen Raum früher exklusiv auf die Leitung von Unternehmen und anderen Organisationen. Mittlerweile erfährt er aber auch hierzulande eine Ausweitung. So hat sich beispielsweise der Begriff des »Mittelmanagements« eingebürgert. Gemeint ist damit die Ebene, die zunehmend zum Rückgrat der alltäglichen Managementarbeit in vielen Unternehmen wird.

Mit wachsender Komplexität der Aufgaben gibt es immer mehr Menschen, die im wörtlichen Sinne etwas verantwortlich »managen«. Dazu zählen auch der Filialleiter der Bank oder der Filialleiter einer Einzelhandelskette. In den Unternehmen kann sich schon die Leitung überschaubarer Teams als echte Managementherausforderung erweisen. Komplexes Projektmanagement wird häufig auch Mitarbeitern anvertraut, die offiziell keine Führungsposition innehaben.

Darüber hinaus wird von vielen Mitarbeitern erwartet, dass sie für die eigene Karriere und ihren unmittelbaren Arbeitsbereich Managementverantwortung tragen. Das ist ein fester Bestandteil des modernen Personalmanagements. Im Bereich des Wissensmanagements gibt es die Vorstellung, dass jeder Bürger und jeder Unternehmensmitarbeiter zum »Wissensunternehmer« in eigener Sache werden muss, wenn er in Zukunft seine beruflichen Chancen wahren will.

Immer mehr gesellschaftliche Aufgaben mutieren zu echten Managementherausforderungen. In der Politik gilt das zum Beispiel nicht nur auf Bundesebene, sondern betrifft zunehmend die Kommunalpolitik. Auch Beamte oder Kulturverantwortliche sehen sich mit komplexeren Herausforderungen konfrontiert, wenn sie einen wirklich produktiven Beitrag leisten wollen.

Diese Entwicklungen betonen nur die Bedeutung von Nietzsche für moderne Managementaufgaben. Als überzeugter Individualist hat er die entscheidende Herausforderung auf dem Weg zu persönlicher Größe konsequent auf die individuelle Ebene heruntergebrochen. Das bedeutet: Jeder ist im Grunde für seine eigene Entwicklung verantwortlich. Jeder muss sein eigenes Leben managen. Diese Leitgedanken fußen bei Nietzsche auf zwei Überlegungen. Zum einen kann nur derjenige, der erfolgreiches Selbstmanagement betreibt, sich zu wahrer Größe entwickeln, weil Talente allein nicht ausreichen. Sie müssen auch gezielt entwickelt werden. Zum anderen wird derjenige, der sich mit Mut und Einsatz persönlich weiterentwickelt, automatisch mehr berufliche Herausforderungen erleben. Nietzsche war davon überzeugt, dass echte Größe sich nicht verstecken lässt, sie wird zwangsläufig irgendwann anerkannt werden. Auf unsere Zeit übertragen bedeutet das: Angesichts globaler Herausforderungen können es sich Unternehmen kaum noch leisten, echte Managementtalente und -leistungen langfristig zu ignorieren.

In der humanistischen Psychologie ging es um die Frage »Haben oder Sein?«. Der Psychologe Erich Fromm betonte schon damals, dass es wichtiger ist, was wir als Menschen sind, als was wir als Menschen besitzen. Abraham Maslow verwies darauf, dass die Selbstverwirklichung zu den höchsten menschlichen Zielen zählt. Viele ihrer Prinzipien haben sich mittlerweile auch im Management durchgesetzt. In einer von Wissen und Kreativität angetriebenen Ökonomie musste das menschliche Potenzial ernst genommen werden. Nietzsche geht noch weiter, für ihn geht es um das »Werden«.

Wer also bereits offiziell »Manager« ist, egal auf welcher Führungsebene, der sollte sich nicht nur fragen, wie er sich bei seiner Aufgabe bewähren kann. Er wird außerdem danach streben, sich durch entsprechendes persönliches Wachstum für noch höhere Verantwortungen zu empfehlen. Selbst Topmanager werden noch viel Entwicklungspotenzial erkennen, wenn sie sich selbst ehrlich unter die Lupe nehmen.

Wer bisher noch keine offiziellen Managementaufgaben erfüllt, sollte sein Augenmerk darauf richten, wie er sich durch persönliches Selbstmanagement so weiterentwickeln kann, dass er dieses berufliche Ziel erreicht. Natürlich strebt nicht jeder nach Führungsverantwortung. Es gibt auch die Möglichkeit, komplexere Aufgaben und Projekte zu managen. Das wird jeden angehenden Manager interessieren, der sich ein abwechslungsreiches Berufsleben mit Anerkennung und Erfolg wünscht.

Nietzsche hat auf allen Ebenen etwas beizutragen. In diesem Sinne ist ein »Nietzsche für Manager« in wesentlichen Aspekten auch ein »Nietzsche für uns alle«.

Zu diesem Buch

Als vielbeschäftigter Manager fragen Sie sich wahrscheinlich, was Nietzsches Überlegungen wirklich für Ihren Managementalltag bewirken können. Falls Sie sich auf das Abenteuer einlassen, diesem Thema etwas von Ihrer Zeit einzuräumen, kann ich Ihnen eines versprechen: Sie werden zu neuen Erkenntnissen gelangen, die Ihre Arbeit als Manager an wichtiger Stelle entscheidend positiv beeinflussen können.

Ganz gleich, ob Sie erst am Anfang Ihrer Karriere stehen oder schon lange Jahre erfolgreich im Management tätig waren, ist eines sehr wahrscheinlich: Sie hatten nie die Gelegenheit, Ihre Überzeugungen, die Sie tagtäglich bei Ihren Entscheidungen und Aktionen leiten, wirklich kritisch zu überprüfen.

Am Beginn der Managerausbildung steht natürlich die Frage, was Management eigentlich ist. Planen, Kontrollieren, Motivieren – so oder ähnlich lauten die üblichen Antworten. Was dabei ungeklärt bleibt, ist die Frage, auf welcher Weltanschauung die moderne Managementlehre eigentlich beruht und ob diese Grundlage ausreicht, um die Herausforderungen der Zukunft erfolgreich zu meistern.

Alles, was Sie im Studium oder direkt im Unternehmen als Wissenschaft gelernt und praktisch erfahren haben, fußt letzten Endes auf einer bestimmten Philosophie. Die Wissenschaft selbst ist das Produkt von Philosophie. Es waren vor allem die strikten Regeln der wissenschaftlichen Methoden, welche die großen wissenschaftlichen Fortschritte des letzten Jahrhunderts überhaupt erst möglich gemacht haben. Diese Methoden wurden nach eingehender philosophischer Diskussion aufgestellt.

Ähnliches gilt auch für unsere Zukunft. Wir werden neue Herausforderungen nur dann zielsicher meistern können, wenn wir klare, effektive Prinzipien für unser Handeln haben. Unter veränderten Umständen können aber selbst diese Prinzipien wiederum überholt sein. Eine zunehmend globalisierte Welt erfordert neue Handlungsstrategien, die ihrerseits auf neuen Regeln und Prinzipien gegründet sind.

Kurz vor seinem Tod hat der Managementpionier Peter F. Drucker seine Überzeugung zum Ausdruck gebracht, dass uns soziologisch, politisch und wirtschaftlich die größten Veränderungen der Menschheitsgeschichte bevorstehen. Selbst ein oberflächlicher Blick auf die Weltnachrichten bestätigt diese These. Die globalen Gleichgewichte zwischen den Kontinenten, Nationen und Unternehmen scheinen sich in ständigem Fluss zu befinden. Innerhalb unserer Nationen wird das, was gestern noch als undenkbar galt, plötzlich Wirklichkeit. Und alles läuft darauf hinaus, dass die besten Strategien der Zukunft heute noch nicht bekannt sind. Ihre Qualität wird von der Qualität der Führungskräfte in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft abhängen, die dazu aufgerufen sind, sie zu formulieren.

Peter F. Drucker gilt vielen als einflussreichster Vertreter der Managementlehre des letzten Jahrhunderts. Als er seine ersten Managementtheorien entwickelte, war er als Professor für Philosophie und Politik in den USA tätig. Er hat unter anderem das berühmte Konzept »Management by Objectives« (Führen durch Zielvereinbarung) entwickelt, das aus den Philosophien von Hegel und Nietzsche erwachsen sein soll. Drucker war ein philosophisch hochgebildeter Mensch mit großem intellektuellem Engagement. So lernte er beispielsweise Spanisch, nur um eine einzelne Abhandlung des Spaniers Balthasar Gracian besser verstehen zu können (wie zuvor auch der Philosoph Arthur Schopenhauer, der ebenfalls von Gracian fasziniert war). Druckers einflussreiche Managementthesen basierten zu einem wesentlichen Teil auf seinen umfassenden und teilweise auch sehr detaillierten Philosophiekenntnissen.

Managementmoden gibt es viele, und auch die Zahl der Managementgurus ist unverändert hoch. Beide bezirzen eine Zeit lang ihr Publikum, bevor das Kartenhaus häufig irgendwann zusammenbricht und es sich in der Managementpraxis erweist, dass die neuesten Ideen wieder einmal ins Leere laufen. Die Männer und Frauen jedoch, die einen nachhaltigen, langfristig positiven Einfluss auf das Managementdenken hatten, gründeten ihre Einsichten fast ausschließlich auf tiefere Erkenntnisse. Sie waren in der westlichen Geistesgeschichte verwurzelt, kannten die Lehren der wichtigsten Philosophen und entwickelten im ersten Schritt philosophische Werturteile, bevor sie ihre Managementtheorien entwarfen.

Es gibt zwei Gründe, warum diese Arbeitsteilung – die einen denken, die anderen lenken – heute so nicht mehr funktionieren kann. Zum einen werden die Erkenntnisse der besten Managementdenker schneller als jemals zuvor zum globalen Allgemeingut. Egal wo ein einflussreicher Managementdenker mit einer wichtigen neuen Methode aufwartet, steht diese innerhalb kürzester Zeit deutschen, amerikanischen, chinesischen oder russischen Managern zur Verfügung. Zum anderen führt die zunehmende Beschleunigung der Wirtschaftsprozesse dazu, dass Sie als Manager gar nicht mehr den Luxus genießen, auf solche Ideen warten zu können. Sie sind praktisch täglich aufgefordert, selbst mit progressiven Strategien neue Herausforderungen anzugehen. Sie sind also – zeitlich bedingt – oft auf sich selbst angewiesen. Deshalb kann es für Sie nur von Nutzen sein, sich mit eben jenen Denkwerkzeugen zu rüsten, die Ihnen einen kontinuierlichen Wettbewerbsvorteil versprechen.

Zusätzlich kommt für Sie als Manager auch noch ein sehr persönlicher Aspekt hinzu. Unternehmen bleibt im globalen Wettbewerb oft gar keine andere Wahl, als die Mitarbeiter und Manager als eine Ressource unter vielen einzustufen. Es liegt an Ihnen, sich als echter Leistungsträger für Ihr Unternehmen zu profilieren und gleichzeitig Ihre Attraktivität für potenzielle globale Arbeitgeber aufrechtzuerhalten. Auf die Personalabteilung Ihres Unternehmens können Sie sich nicht mehr verlassen. Sie wird gerne bereit sein, partnerschaftlich mit Ihnen zu kooperieren. Die Initiative für Ihre eigene Zukunftssicherung muss aber auf jeden Fall von Ihnen selbst ausgehen.

Wir wollen in diesem Buch gemeinsam untersuchen, wie die Philosophie Ihnen in diesem Sinne bei Ihren Managementaufgaben und Ihrer persönlichen Karriereplanung zum Erfolg verhelfen kann. Da Ihre zeitlichen Ressourcen begrenzt sind, ist es ratsam, sich an den für Ihre Ziele wichtigen Philosophien zu orientieren.

Friedrich Nietzsche wurde zu Lebzeiten kaum anerkannt, er wurde später auf fatale Weise verkannt und für Ideologien ausgenutzt, die seinem fast radikalen Individualismus Hohn sprachen, und er wird heute noch nicht als das erkannt, was er im Grunde wirklich ist: ein Denker, der entscheidende Impulse für ein erfolgreiches Leben in unserem neuen Jahrhundert zu bieten hat.

Lassen Sie uns diese Impulse gemeinsam ergründen. Ich bin überzeugt davon, dass sich dieser Ausflug in die Gedankenwelt eines der kreativsten Philosophen der Neuzeit für Sie als moderner Manager lohnen wird.

Teil 1 Friedrich Nietzsche und das moderne Management

Nietzsche – der zeitgemäße Philosoph für Manager

Ich bin kein Mensch. Ich bin Dynamit.

Friedrich Nietzsche

Nietzsche ist der größte Pechvogel der Philosophiegeschichte. Er wurde von Analphabeten nicht nur in ihr Deutsch übersetzt, sondern auch noch in ihre Wirklichkeit.

Ludwig Marcuse

»Mögest du in interessanten Zeiten leben.« Schon heute bietet die Wirtschaftswelt des 21. Jahrhunderts fast täglich die Gelegenheit, diesen alten chinesischen Fluch als reale Herausforderung zu erleben. Schon die alten Chinesen wussten, dass ein bequemes Leben zumindest für die Gutsituierten nur unter stabilen, sich nicht verändernden Bedingungen gewährleistet ist. Wenn stattdessen »interessante« Zeiten herrschen, dann ist alles im Fluss und niemand hat mehr eine feste Zukunftsgarantie. Die historisch einzigartige Kombination aus Globalisierung, Individualisierung und Virtualisierung hat die Spielregeln der Märkte nachhaltig verändert und damit uns allen solche »interessanten« Zeiten beschert.

Das wirtschaftliche Umfeld wird zunehmend schnelllebiger, unberechenbarer und risikoreicher. Ohne eine echte Überlegenheit des Unternehmens, seiner Produkte und Dienstleistungen, des Managements oder der Mitarbeiter gibt es auch keinen Wettbewerbsvorteil. Das war natürlich schon immer so. Dieser Umstand wird aber angesichts der globalen Konkurrenz brisanter.

Gerade die begehrtesten Kunden und die talentiertesten Mitarbeiter können in vielen Bereichen globale Vergleiche ziehen und sich für die aus ihrer Sicht besten Angebote entscheiden. Loyalität ist, so scheint es, eine aussterbende Eigenschaft. Der globale Markt regiert. Entsprechend geraten strategische Einheiten unter Druck, seien es Wirtschaftsräume, Staaten, einzelne Unternehmen oder Unternehmensabteilungen.

Diese neuen Erfolgsbedingungen des Wirtschaftens bedeuten auch einen erhöhten Druck auf das Management. Die Zeiten für Manager sind härter geworden. Plötzlich gibt es scheinbar überall volatile Märkte, die in ihrer neuen Komplexität strategisch kaum auch nur mittelfristig in den Griff zu bekommen sind. Die alten Methoden verlieren an Wirksamkeit. Gleichzeitig sind ständig neue Ideen gefragt, denn den Innovativen gehört die Zukunft.

Diese Auswirkungen der Globalisierung stellen aber nur die erste Stufe der neuen, wesentlich komplexeren Wirtschaftswelt dar. Längst geht insgeheim auch das Schlagwort von einem erbitterten »Kampf um Rohstoffe« um. Diese Verteilungskämpfe werden auch das Management der Zukunft vor neue Herausforderungen stellen. Ebenso ist mittlerweile von einem »War of Talents«, einem weltweiten Ringen um die besten und intelligentesten Mitarbeiter, die Rede. Trotz hoher Arbeitslosenzahlen werden wichtige Fachkräfte immer knapper.

Neu in den Markt eintretende Global Player, vor allem aus den sogenannten BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China), dominieren bereits weltweit die Öl- und Gasmärkte. Sie treten auch in anderen Wirtschaftsbereichen den westlichen Großkonzernen erfolgreich entgegen.

Das gilt vor allem für China, das mit mittlerweile weit über einer Billion Dollar im Besitz der größten Währungsreserven der Welt ist. Das Riesenreich schickt sich an, mit strategischen Fusionen, Unternehmensaufkäufen und der Expansion in westliche Hochtechnologiemärkte neue globale Realitäten im Bereich der Wirtschaft zu schaffen.

Gleichzeitig regt sich in einzelnen Ländern der Widerstand gegen die rigorosen globalen Strategien der multinationalen Konzerne. Die zunehmende Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billigregionen mit kaum existierenden Sozial- und Umweltstandards wird mancherorts auf politischer Ebene massiv kritisiert. Parallel dazu gewinnen die großen Investmentfonds immer stärker an Einfluss auf die Unternehmen und erwarten selbst bei Unternehmensgewinnen Strategien, die diesen Gewinn noch maximieren.

Der moderne Manager findet sich so in einem komplexen Spannungsfeld aus divergenten Interessen und Anforderungen wieder. Hinzu kommt, dass er für seine eigene Karriere mehr und mehr auf sich selbst gestellt ist. Es gibt kaum noch Unternehmen, welche die berufliche Zukunft ihrer Mitarbeiter und Manager bewusst gestalten. Jeder ist in dieser Hinsicht »seines eigenen Glückes Schmied« und muss zusehen, wie er seinen Karriereweg am besten und erfolgreichsten plant. Das schließt gelegentliche strategisch sinnvolle Unternehmenswechsel natürlich mit ein.

In dieser Situation ist es absolut sinnvoll, für die eigenen Denkstrategien und Zukunftsperspektiven auch ungewöhnlichere Bereiche wie die Philosophie als persönliche »Geheimwaffe« mit einzubeziehen. Nun gibt es im Bereich der Philosophie sehr viele Strömungen. Gerade bei begrenzter Zeit ist es daher wichtig, sich nach möglichst hilfreicher und praxisrelevanter philosophischer Anleitung umzusehen.

Gerade an dem Punkt kommt Friedrich Nietzsche wieder ins Spiel. Seine Philosophie bietet eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten für den Manager, der konkrete, unmittelbare Impulse für die eigene Arbeit und Zukunftsplanung sucht. Die Beschäftigung mit Nietzsche lohnt sich.

Nietzsche, der Visionär

Als Nietzsche gegen Ende des 19. Jahrhunderts seine Hauptwerke zu Papier brachte, nahm er darin Entwicklungen vorweg, die eigentlich erst heute voll zum Tragen kommen. Nietzsche war ein scharfsinniger Menschenkenner und er konnte bereits aus den Ansätzen seiner Zeit ablesen, dass die Machtbestrebungen der unterschiedlichen Nationen und Denkrichtungen in der Zukunft unweigerlich eine globale Dimension annehmen würden.

Die Zeit für kleine Politik ist vorbei. Schon das nächste Jahrhundert bringt den Kampf um die Erdherrschaft.

Zwar hat er sich im Zeitverlauf etwas verschätzt, aber auch das im Grunde nur um einige Jahrzehnte. Angesichts der zwei im 20. Jahrhundert ausgefochtenen Weltkriege könnte man Nietzsche entsprechend interpretieren. Sein Kommentar bezieht sich aber nicht gezielt auf solche destruktiven militärischen Auseinandersetzungen. Diese Aussage ist Ausdruck seiner Verachtung für die provinzielle Kleinstaaterei, die Europa damals dominierte. Nietzsche selbst glaubte stattdessen, dass bald die Zeit für »den Zwang zur großen Politik« kommen werde, und sah eine westeuropäische Einigung als einen ersten Schritt in die richtige Richtung.

Nietzsche war aber durchaus nicht davon überzeugt, dass sich die zukünftigen globalen Auseinandersetzungen rein politisch abspielen würden. Er erkannte bereits die Bedeutung der Wirtschaft für die kommenden Entwicklungen.

Der Fürst denkt, aber der Krämer – lenkt!

Nietzsche wusste, welche Rolle wirtschaftliche Faktoren beim »Kampf um die Erdherrschaft« spielen würden. Interessant ist auch, dass er hier nicht von der Weltherrschaft spricht. Es geht ihm nicht um grandiose Ideologien, sondern nur um bestimmte Verteilungskämpfe. Die Erde, unser aller Planet, hat ihre begrenzten Ressourcen, und am Ende werden alle sich an einem ganz konkreten, von den eigenen menschlichen Bedürfnissen getriebenen Verteilungskampf beteiligen. Nietzsche interessiert sich letztendlich für die entscheidenden Fragen: Wer wird wie viel von den Energiequellen, Rohstoffen oder auch von so grundlegenden Dingen wie reinem Wasser und Nahrungsmitteln in ausreichender Menge abbekommen – und wer wird leer ausgehen?

Es gibt zahlreiche Beispiele dafür, dass das Ringen um die Erde im Sinne der konkreten Kontrolle über ihre Ressourcen an Brisanz gewinnt. Bereits 2006 hat das Magazin Der Spiegel dem Thema sowohl eine Sondersendung von Spiegel TV (27. März 2006) sowie ein Sonderheft gewidmet (Spiegel spezial vom 18. Juli 2006). Im Netz wurde die Sendung mit folgenden Worten angekündigt: »Der Aufstieg und Niedergang von Nationen: ein Spiel mit manchmal verdeckten Karten – und unter überraschenden, ungewohnten Vorzeichen. So ist es auch jetzt, da das Zeitalter eines neuen Kalten Kriegs begonnen hat.«

Gemeint ist damit das Zeitalter dramatischer Verteilungskämpfe um die immer knapper werdenden Ressourcen, die gleichzeitig in immer größeren Mengen benötigt werden – das Zeitalter, in dem die internationale Politik zunehmend von Fragen der Energiesicherheit bestimmt wird und in dem die Karten für potenzielle Gewinner und Verlierer gerade neu gemischt werden. Dazu Spiegel Online: »Die Jagd nach Ressourcen schafft neue strategische Bündnisse – und brandgefährliche Konflikte.«

Und weiter: »Weltweit steigt der Bedarf an Rohstoffen: Öl und Gas, aber auch Kupfer, Gold, Uran oder Nickel sind knapp und teuer geworden. In der westlichen Welt wachsen die Versorgungsängste, es drohen Verteilungskämpfe mit den aufstrebenden Schwellenländern.«

Auch wenn diese Verteilungskämpfe um

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