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Sagen und Legenden aus Thüringen: Stadtsagen Thüringen

Sagen und Legenden aus Thüringen: Stadtsagen Thüringen

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Sagen und Legenden aus Thüringen: Stadtsagen Thüringen

Länge:
134 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
1. Okt. 2015
ISBN:
9783942057165
Format:
Buch

Beschreibung

Der Fund eines Homo erectus aus Bilzingsleben bei Weimar zeugt von einer Besiedlung der Gegend 350 000 v. Chr. Der Name "Thoringi" taucht erstmals im Jahre 380 bei dem römischen Geschichtsschreiber auf Flavius Vegetius Renatus auf. Die Missionierung Thüringens erfolgte auf Betreiben des späteren Bischofs von Mainz, Bonifatius. Er errichtete 742 in Erfurt ein Bistum. Im Jahre 1067 gründet Graf Ludwig der Springer nahe bei Eisenach die berühmte Wartburg. Im 12. Jahrhundert wurden die Städte Mühlhausen, Nordhausen und Saalfeld zu Reichstädten erhoben. 1247 starb mit Heinrich Raspe der letzte des mächtigen Geschlechts der Ludowinger, nachdem er nur ein Jahr zuvor zu, allerdings recht umstrittenen, zu Königswürden kam. 1554, nach dem Tode Johann Friedrichs es Großmütigen, wurde Thüringen auf Grund der Erbteilung in zahlreiche Einzelstaaten aufgeteilt, wobei nach Sachsen- Gotha, das im 17. Jahrhundert eine Vorherrschaft hatte, Sachsen- Weimar- Eisenach im 18. Jahrhundert diese Stellung übernahm. Am 12. Juni 1815 wurde in Jena die erste Urburschenschaft gegründet. Im 19. Jahrhundert erlebte Thüringen durch die Industrialisierung einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung.
Herausgeber:
Freigegeben:
1. Okt. 2015
ISBN:
9783942057165
Format:
Buch

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Sagen und Legenden aus Thüringen - Christine Giersberg

Thüringen

Der Sängerwettstreit auf der Wartburg (Eisenach)

Hoch über Eisenach thront die imposante Wartburg. Sie war im Jahre 1067 von Ludwig dem Springer, dem Ahnvater des mächtigen Geschlechts der Ludowinger, gegründet worden sei, wie die Sage uns erzählt. Erstmals erwähnt wurde sie 1080. Ab 1130 gewinnt das Thüringer Grafengeschlechts immer mehr an Macht und Einfluss. Der Palas der Burg, das Hauptgebäude, wurde vermutlich um 1155 erstellt und gilt als der besterhaltene Profanbau nördlich der Alpen. 1247 stirbt Heinrich Raspe, der letzte Landgraf von Thüringen, auf der Burg.

Martin Luther, geächtet vom Kaiser und vom Papst mit einem Banne belegt, hielt sich 1521 auf der Wartburg verborgen. Dort, in der heutigen „Lutherstube" übersetzt er in nur 10 Wochen die Bibel aus dem Griechischen ins Deutsche. Von dem großen deutschen Dichter Johann Wolfgang von Goethe, der die Wartburg 1777 besuchte, stammen unter anderem etliche Zeichnungen, die einen Blick auf heute nicht mehr existierende Gebäude erlauben. Am 18. Oktober 1817 fand das legendäre Wartburgfest der Burschenschaften statt. 500 Studenten versammelten sich auf der Burg. Sie feierten das 300. Reformationsfest und den 4. Jahrestag der erfolgreichen Leipziger Völkerschlacht gegen Napoleon. Es war dies die erste bürgerlich-demokratische Versammlung in Deutschland, und stand unter dem Wahlspruch „Ehre-Freiheit und Vaterland. 1922 wurde die Wartburg-Stiftung gegründet, nachdem Erbgroßherzog Carl Alexander im 19. Jahrhundert die Wiederherstellung der Burg veranlasst hatte. Am 4. Dezember 1999 nahm die UNESCO die Wartburg in die Liste des Welterbes der Menschheit auf.

In eben dieser Geschichts- und an Geschichten reiche Wartburg luden, der Sage nach, im Jahre 1206 der feinsinnige Landgraf Hermann I., ein Liebhaber der schönen Künste und seine Gemahlin Sophia, sechs edle Minnesänger, zu einem Sängerwettstreit ein. Diese Sänger, alle Meister der höfischen Dichtung, waren: Heinrich von Rispach, der Schreiber, seines Zeichens Ritter und Kanzler des Landgrafen, Reinhart von Zwetzen, den man auch Reimar Zweter nannte, Meister Biterolf und Heinrich von Ofterdingen. Auch die beiden allseits bekannten Minnesänger Walther von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach waren unter den geladenen Sängern.

Bei ihrem Wettstreit überboten sich die Männer mit ihren Lobeshymnen auf den Mut, die Tugend und die Weisheit von Fürsten, wobei sie vornehmlich ihren Gastgeber priesen. Als nun Heinrich von Ofterdingen wieder an die Reihe kam, stellte er sich in die Mitte des Raumes und begann zu singen: „Vom Fuße bis zum Scheitel hin, lobt nun die Welt zumal den werthen Herrn, Leopold von Österreich. Alle Fürsten sind ein Nichts gegen ihn: Er ist der Sonne gleich. Nun, dummer Tölpel, nun bringet ein höher Lob mit Singen bei!" Mit diesen Worten wandte er sich an Heinrich von Rispach, den Schreiber.

Betroffen blickten sich die anderen Sänger an, auch Landgraf Hermann warf Heinrich von Ofterdingen einen wütenden Bick zu. Und nun begann ein gar erregter, heftiger Wettstreit zwischen dem Schreiber, Heinrich von Rispach und Heinrich von Ofterdingen, an welchem sich nach und nach auch die anderen Sänger beteiligten. Der Sängerstreit zwischen den Minnesängern wurde immer erbitterter geführt, bis sie beschlossen, der Unterlegene solle durch die Hand des Henkers sterben. Als Heinrich von Ofterdingen erkannte, dass alle anderen Sänger sich gegen ihn verschworen hatten, und er seines Lebens nicht mehr sicher war, flüchtete er zu Landgräfin Sophia, warf sich ihr zu Füßen und sprach: „Ihr wisst, gnädigste Fürstin, was während des Sängerwettstreites geschehen ist. Das Urteil gegen mich ist nicht rechtens. Darum bitte ich Euch um Eure Fürsprache bei meinen Mitstreitern, dass sie mir eine Gnadenfrist von einem Jahr gewähren. Diese Zeit will ich nützen, um den großen Meister Klingsor aus dem Ungarland zu bitten, mit mir zu kommen. Denn auch ihm ist der Herzog von Österreich wohl bekannt und er vermag ein gerechtes Urteil in unserem Wettstreite zu fällen."

Die Fürstin in ihrer Güte begab sich sogleich zu den anderen fünf Sängern und unterbreitete ihnen, dass sie Heinrich von Ofterdingen diese Frist gewährte und darum nun auch von den edlen Herrn erwarte, dass sie ihn frei ziehen lassen würden. Die verbeugten sich galant und antworteten: „Fürstin, wir tun immer, was Euer Begehr ist. Mag von Ofterdingen den Meister Klingsor holen und hierher in unsere Mitte bringen."

So verließ Heinrich von Ofterdingen Eisenach und zog über Österreich, wo sein geliebter und von ihm so hoch gepriesener Fürst Leopold regierte, weiter nach Siebenbürgen, wo Meister Klingsor weilte, der ein großer Minnesänger und Magier war. Der hieß ihn gar herzlich willkommen und als Ofterdingen ihm sein Leid klagte, und was ihn hierher geführt hatte, antwortete er: „Es ist mir eine große Freude, dich bei mir begrüßen zu dürfen. Nun sei mein Gast und wir wollen uns die Zeit bis dahin mit Singen, Dichten und anderer Kurzweil vertreiben."

Heinrich genoss die Tage bei Klingsor sehr, und bis er sich versah, war das Jahr fast um. Eines Abends wandte er sich darum an Klingsor: „Meister Klingsor, glaubt Ihr nicht, dass es hohe Zeit ist, nach Eisenach zu reisen? Das Jahr ist fast um und der Weg zur Wartburg noch weit. „Habt keine Sorge, Heinrich, beruhigte ihn der Magier. „Ich habe einen leichten Wagen und schnelle Rösser. Wir werden zum rechten Tag im Thüringerlande sein."

Am selben Abend, beim gemeinsamen Nachtmahl, gab er Heinrich von Ofterdingen einen Schlaftrunk in den Wein, legte ihn auf eine lederne Decke und sich dazu und befahl seinen Geistern, die ihm immer zu Diensten waren, sie in das beste Wirtshaus von Eisenach zu bringen. Dies war zu jenen frühen Tagen der Hellegrafenhof am St. Georgentor. Am nächsten Morgen wurde Ofterdingen von Glockengeläut geweckt, das die Menschen zur Frühmesse rief. Er rieb sich die Augen und sagte: „Ich glaube, ich träume noch. Denn wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich glauben, dass dies die Glocken von St. Georgen in Eisenach sind! Klingsor, der sich bei ihm im gleichen Zimmer befand, sagte lächelnd: „Nun, dann sieh doch zum Fester hinaus und überzeuge dich, ob du träumst oder wach bist!

Heinrich trat wirklich an das Fenster und rief verwundert: „Ich mag es nicht glauben: Ich ging zu Bette in Siebenbürgen und erwachte in Eisenach! Wie dies geschehen konnte, werde ich wohl nie erfahren. Oder?" Und er warf einen fragenden Blick zu Klingsor hin, der aber zuckte nur mit den Schultern und lächelte milde. Es dauerte nicht lange und die Kunde von der Ankunft der beiden Männer drang bis hinauf zur Wartburg.

Und siehe da, alle Sänger stiegen herab von der Burg, um die beiden Ankömmlinge zu begrüßen und sie anschließend wieder auf die Wartburg zu begleiten, wo sie von dem Fürstenpaar und dem Hofstaat auf das Prunkvollste empfangen wurden. Dabei beschloss man, dass der Sängerwettstreit, bei dem Meister Klingsor sein Urteil fällen müsste, erst in einigen Tagen stattfinden sollte.

Klingsor, der es sich derweil im Helgrevenhof noch gut gehen ließ, saß dort eines Abends mit einigen Herren im Garten des Wirtshauses. Ein Stern nach dem anderen leuchtete am immer dunkler werdenden Himmel auf und der Mond stand als dünne scharfe Sichel über der Wartburg. Meister Klingsor blickte lange unverwandt zu dem leuchtenden Gestirn hoch, dann nickte er und sprach: „Hört, werte Herren. Diese Nacht wird die Gemahlin des Königs von Ungarn eine Tochter gebären. Dieses Kind wird zu einer wunderschönen, tugendreichen Jungfrau heranwachsen und mit dem Sohne des Landgrafen vermählt werden."

Diese Botschaft wurde natürlich sofort dem Landgrafen Hermann überbracht. Der Landgraf und seine Gemahlin Sophia waren ob dieser Nachricht hoch erfreut und veranstalteten zu Ehren des Meisters ein festliches Mahl. Nach dem Essen begab sich Klingsor zum Ritterhaus, wo die Minnersänger beieinander saßen. Dort forderte er, nachdem er den Streit der Sänger mit Heinrich von Ofterdingen geschlichtet hatte, am Ende Wolfram von Eschenbach zum Sangeswettstreit heraus. Obwohl Klingsor, ein Meister dieses Faches, all sein Können aufbot, gelang es ihm nicht, Wolfram zu übertreffen, da dieser ihm stets mit Klugheit, Weisheit und List antwortete.

Als Heinrich von Ofterdigen sich einmischen wollte, gebot ihm Klingsor Einhalt: „Schweigt, Heinrich, ich werde für Euch den Sieg erringen."

Mittlerweile hatten sich auch der Landgraf und seine Gemahlin eingefunden, denn auch sie wollten sich den Sangeskrieg zwischen dem großen Meister Klingsor und dem Minnesänger Wolfram nicht entgehen lassen. Nach dem zehnten Vers aber beendete Klingsor den Streit und sprach: „Verzeiht mir, Wolfram. Ich bin müde geworden, das Alter macht mir zu schaffen. Doch damit der Wettstreit weitergehen kann, mag mich einer meiner Knechte vertreten, so Ihr damit einig seid."

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