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Sagen und Legenden aus Heidelberg: Stadtsagen

Sagen und Legenden aus Heidelberg: Stadtsagen

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Sagen und Legenden aus Heidelberg: Stadtsagen

Länge:
75 Seiten
44 Minuten
Herausgeber:
Freigegeben:
1. Okt. 2015
ISBN:
9783942057448
Format:
Buch

Beschreibung

Gehen Sie auf eine sagenhafte Reise durch die Geschichte Heidelbergs. Christine Giersberg hat die schönsten Sagen und Legenden Heidelbergs zusammengetragen. Sprecher Uve Teschner erzählt diese gekonnt und nimmt den Leser mit auf eine Reise durch das sagenhafte Heidelberg am Neckar. Anhand von vielen wissenswerten Anekdoten vermittelt dieses Buxh zudem zahlreiche geschichtlichen Daten und Fakten der Stadt am Neckar.
Herausgeber:
Freigegeben:
1. Okt. 2015
ISBN:
9783942057448
Format:
Buch

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Sagen und Legenden aus Heidelberg - Christine Giersberg

Heidelberg

Die Seherin Jetta und die Wölfin

Eine Sage erzählt uns, dass vor langen, langen Zeiten auf dem Jettenhügel, auf dem heute das Heidelberger Schloss steht, eine weise alte Frau, eine Seherin mit Namen Jetta, lebte. Die Greisin verbrachte ihre Tage hier in einer alten Kapelle, weit abseits vom Leben und Treiben der Menschen, das ihr oft sinn- und nutzlos erschien.

Darum bekam sie auch kaum jemand zu Gesicht. Jetta wollte ihren Mitmenschen nicht in ihre von Mühsal und Sorgen gezeichneten Antlitze schauen; ihre Augen sollten rein bleiben. Sie wollte sich nur an den Schönheiten ihrer eigenen Gedanken und an der Natur ergötzen. Gleichwohl verwehrte sie den vielen, Rat suchenden, die zu ihr kamen, denn Jetta war weithin berühmt für ihre Weissagungen, nie ihre Hilfe. So mussten diese nur an den hölzernen Laden klopfen, der stets das Fenster der kleinen Hütte verschloss und ihre Bitten vortragen. Daraufhin öffnete sich der Laden ein wenig, wie von Geisterhand, und aus dem Dunkel der Hütte erklangen in leise gesungenen Reimen die Weissagungen der alten Frau.

Eines Tages kam ein junger Edler des Weges geritten. Vor Jettas einsamer Behausung brachte er sein Pferd zum Stehen und rief mit verhaltener Stimme, denn angesichts der friedlichen Natur und fast heiligen Ruhe hier oben, schien ihm lautes Rufen unangemessen: „Jetta, Jetta, ich sorge mich um mein Land. Ich bitte dich, mir seine Zukunft vorauszusagen." Zuerst war nur Stille. Außer dem leisen Wispern der Bäume war nichts zu hören. Doch dann öffnete sich mit einem leisen Knarzen der hölzerne Fensterladen und stumm lauschte der junge Mann Jettas Singsang, der aus dem dämmrigen Inneren der kleinen Hütte erklang:

„Meinem Hügel ist´s bestimmt,

vom Schicksal ist´s beschieden,

Ein groß Geschlecht als Sitz ihn nimmt,

In Kriegszeit wie im Frieden.

Die prächtig Burg, aus Stein erbaut

bewacht das Volk im Tale,

das Feld und Wiesen dort bebaut,

und sorgt für Trank und Mahle.

Nun sehe ich auch Schatten ziehen,

die euch zu Boden zwingen.

Doch Mut und Glauben allezeit

Wird wieder Frieden bringen."

Danach schloss sich die hölzerne Lade wieder, noch während der junge Mann sich höflich bedankte. Tief in Gedanken versunken ritt er von dannen.

Obwohl die weise Jetta jedermanns Zukunft und die ihres Landes sehen konnte, mangelte es ihr wohl an der Vorsehung ihres eigenen Schicksals. Denn in der Frühe eines Tages, die Sonne schickte ihre ersten zaghaften Strahlen auf die vom Morgentau glitzernden Wiesen und nebelfeuchten Wälder, machte sich Jetta auf zu einer einsamen Wanderung durch die blühende, erwachende Natur. Die letzten Wochen waren anstrengend für sie gewesen, gar zu viele Menschen hatten sie um Rat ersucht und Jetta fühlte sich müde und ausgelaugt und sehnte sich nach Ruhe.

Langsam aber stetig ging sie ihres Weges, ohne darauf zu achten wohin. Um sie herum zwitscherten und jubilierten die Vögel, sprangen die Eichhörnchen in mutigen Sprüngen von Wipfel zu Wipfel. Manchmal blieb Jetta stehen, strich mit sanfter Hand über die borkige Rinde eines alten Baumes, bückte sich, um das emsige Treiben eines Ameisenvolkes zu beobachten oder sie bog die Zweige einer blühenden Hecke zu sich herunter und erfreute sich an der Vollkommenheit der Blüten.

Mittlerweile war die Sonne höher gestiegen und ihre Strahlen tropften wie flüssiges Gold zwischen den dichten Bäumen auf den weichen Waldboden. Jetta ließ sich auf einer stillen Lichtung auf einem bemoosten Baumstumpf nieder und nach einer Weile sank ihr der Kopf auf die Brust und sie fiel in einen sanften Schlummer. Als sie frisch und erholt nach einiger Zeit wieder erwachte, sah sie dass der Tag schon weit fortgeschritten war und bald die Dämmerung hereinbrechen würde.

Da hörte sie in der Ferne ein sanftes Plätschern und Murmeln. Langsam ging sie dem Geplätscher nach und fand sich inmitten eines lieblichen Tales wieder, auf dessen Grund etliche Quellen sprudelten. „Oh, wie wunderbar."

Jettas altes, zerfurchtes Gesicht überzog ein Lächeln. „Nun spüre ich erst wie durstig ich bin. Doch dieses köstliche Wasser wird mich laben, bevor ich mich wieder auf den Heimweg mache." Schwerfällig kniete sie sich nieder, um mit zittrigen Händen etwas Wasser aus einer der

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