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Über und unter den Wolken: Beobachtungen

Über und unter den Wolken: Beobachtungen


Über und unter den Wolken: Beobachtungen

Länge:
271 Seiten
3 Stunden
Freigegeben:
Jan 11, 2011
ISBN:
9783837250503
Format:
Buch

Beschreibung

Nach 33-jährigem Dienst als Flugbegleiter blickt Harry W Frahm zurück und erzählt vergnüglich über das Verhalten der Passagiere an Bord und das Personal, das allen Wünschen gerecht werden muss. Mit viel Humor schildert er auch Begebenheiten bei Besichtigungstouren während des Zwischenstopps an Land sowie seine Ausbildung und die Anfänge im Berufsleben. Ein sehr unterhaltsames Buch, das aus der Sicht des Autors den Flugbetrieb beleuchtet und damit für alle Leser völlig neue Eindrücke aus ungewohntem Blickwinkel gestattet.
Freigegeben:
Jan 11, 2011
ISBN:
9783837250503
Format:
Buch

Über den Autor


Buchvorschau

Über und unter den Wolken - Harry W Frahm

Welt

Vorwort

Dieses Buch ist für mehrere Jahre in Arbeit gewesen und ist in unchronologischer Reihenfolge geschrieben. Es wurde so gelassen, weil es auch keine Biographie sein soll, sondern als unterhaltsame Lektüre gedacht war. Auch wenn die geschilderten Begebenheiten tatsächlich der Wahrheit entsprechen, sind die Namen aus rechtmäßigen Gründen geändert worden. Die Namen der Purser beschreiben Harry Frahm.

Das sind Herbert Frank, Harold Finley und sogar Manuel Rodrigues aus Puerto Rico.

Afrika

1. Kapitel – Sahara

Auf der Route nach Johannesburg, Süd-Afrika, in einer Flughöhe von neuntausend Metern, Kurs 135 Grad, (Süd-Südost), zieht der Pan Am DC-6 Clipper seine Bahn und markiert das azurblaue Firmament mit einem schnurgeraden Kondensstreifen. Man schreibt das Jahr 1959, also zu einer Zeit, als das Reisen per Luft noch nicht eine alltägliche Angelegenheit war und die Flieger in ihrer schicken Uniform nach wie vor von den Kindern vergöttert wurden. Auch das Überfliegen des Äquators war eine fundamentale Episode. Für diejenigen Passagiere, die zum ersten Mal dieses Ereignis erleben, gibt es eine schöne Urkunde, die per Post zugeschickt wird. Damit ist dann der kühne Tausendsassa in den Klub des „Jupiter Rex" aufgenommen und kann den Beweis erbringen. Der dann einen Ehrenplatz, natürlich eingerahmt, an irgendeinem Ort im Büro erhält.

Die Kapitäne lassen sich auch immer wieder etwas Neues einfallen, um es interessanter zu gestalten, wenn der Augenblick der Überquerung stattfindet. Kapitän Singer hat in seiner Ansage dann immer die Passagiere aufgefordert, nach der roten Linie Ausschau zu halten, die den Äquator kennzeichnet. Wenn dann der große Augenblick gekommen ist, wird die Maschine ganz kurz nach vorn gedrückt und wieder aufgefangen.

„So, das wär’s dann, wir haben es wieder einmal geschafft, meine Damen und Herren!" klingt es aus den Lautsprechern.

„Haben Sie den roten Streifen gesehen?"

„Der war gerade wieder vor uns und wir sind darunter hinweg geflogen, haben Sie es bemerkt?"

„Oder haben Sie etwa nach unten geschaut?"

„Nein, nein, die Linie ist nicht aufgezeichnet wie auf dem Globus. Jedenfalls gratuliere ich Ihnen und heiße Sie willkommen auf der südlichen Hälfte unseres Planeten."

Soweit die Ansage des Kapitäns. 

Auf derselben Strecke sind auch noch die Victoria Wasserfälle eine große Attraktion. Kapitän Robert Singer, kurz Bob genannt, meistens aber „Tenor", wenn er nicht gerade zugegen ist – in Amerika, wird man üblicherweise ja nur mit dem Vornamen angesprochen, besonders aber unter Kollegen – erkundigte sich beim Purser, Herbert Frank, wie es mit den Passagieren aussieht. Sind alle wach, oder schlafen viele? Herbert meinte, die meisten sind munter und vergnügt.

Also nichts wie runter, durch die Waschküche zum Tiefflug, meinte der Skipper. Schaltete sein Mikrofon auf Ansage und sprach mit einer besänftigenden Stimmlage zu den Passagieren:

„Meine Damen und Herren, keine Ursache zur Beunruhigung. Wir befinden uns über den Victoria Wasserfällen und bringen die Maschine näher heran, um ihnen einen besseren Anblick zu verschaffen. Sie können gerne auf ihren Sitzen verbleiben, da wir einmal links und einmal rechts an dem Schauspiel vorbeifliegen werden."

Erwähnt hatte er allerdings nicht, dass er auch am Ende durch das Sprühwasser fliegen wird, ein toller Effekt.

Mit der Flugüberwachung und den eingeteilten Flughöhen wurde es über Afrika zu jener Zeit nicht so genau genommen.

Außerdem waren Flugzeuge eine Seltenheit in dieser Gegend. Überhaupt waren die Lüfte nicht so gefüllt mit Flugkörpern wie heutzutage.

Es war eben alles anders. Mit anderen Worten, die gute alte Zeit! –

Früher muss es überall besser gewesen sein. Die Eltern haben schon davon berichtet, gar nicht zu reden von den Großeltern. Folgerichtig müssten die Urgroßeltern dann im Paradies gelebt haben. Die Geschichtsbücher berichten es aber ganz anders. Irgendjemand flunkert, ganz offensichtlich.

Im Flugwesen allerdings trifft es zu, es war wirklich viel besser in jeder Hinsicht. Sogar die Fluglinien haben sich nicht gegenseitig bekämpft und die Tarife fortwährend gesenkt, um die Konkurrenz zu unterbieten. Es war alles zivilisiert und geregelt.

Boden und Flugpersonal war zufriedener, es gab einen gewissen Stolz, die Uniform einer Fluggesellschaft zu tragen, egal welche. Es war eben etwas Besonderes.

Die Besatzung, in New York stationiert, also IDL, für Idlewild, jetzt JFK, John F. Kennedy, ist auf diesem Flug für 21 Tage unterwegs. Jeder hat einen Spitznamen, selbstverständlich.

Tenor, für den Kapitän, wurde schon erwähnt. Der Erste Offizier, Jack Roberts, wird der Schlimmste genannt. Das kommt aus dem Englischen: First Officer = Worst Officer, also der schlimmste Offizier. Dann der Flugingenieur, ganz einfach, der Klempner. Die beiden Letztgenannten erhielten ihren Spitznamen eigentlich ohne Inspiration. Schon viel besser geht es weiter, denn der Purser, Herbert Frank, bekam wegen seiner deutschen Herkunft den Namen Kraut. Nicht sehr freundlich, aber dafür passend, nach amerikanischem Ermessen.

Für den Durchschnittsamerikaner essen die Bürger in Germany Sauerkraut, trinken Bier, tragen Lederhosen, lieben Blasmusik und jodeln viel. Es hat den Anschein, dass amerikanische Touristen nur zwei Plätze in Deutschland besucht haben, nämlich Bayern und das Münchener Hofbräuhaus!

Eine Stewardess aus Dänemark, Toril Jansen, nennt man Blau, nicht den Zustand, sondern die Farbe. Das kommt von Dänisch Blue, dem Käse. Dann ist da noch Stewardess Manuela Gonzales, die aus Puerto Rico stammt, sie hat eigentlich viele Namen bekommen. Der am häufigsten Gebrauchte ist aber Olé.

Auf der Strecke nach Johannesburg sind eine Anzahl Resttage für die Besatzung vorgesehen. In Lissabon, Portugal, zwei Tage. In Accra, Ghana, vier Tage und am Bestimmungsort sind es auch vier Tage. Das soll nicht bedeuten, die Firma meint es so gut mit dem fliegenden Personal. Der Grund liegt darin, dass die Flüge nur zweimal in der Woche operieren. Außerdem müssen die Piloten auch dann und wann schlafen, laut Gewerkschaftskontrakt.

Bei Flugbegleitern unterschieden sich die Bedingungen sehr von denen der Piloten. Sie betrachteten sich oftmals als Stiefkinder, wenn es sich um Privilegien handelte, zum Beispiel Restperioden oder Arbeitsbedingungen. Am deutlichsten tritt es zutage, wenn ein neuer Kontrakt mit der Gewerkschaft für Flugbegleiter verhandelt wird. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass man Schimpansen für diesen Job trainieren könnte. Die stellen keine großen Ansprüche. Ein paar Bananen als Kosten für die Firma und alles ist geritzt. Es würde auch in die Wirklichkeit umgesetzt werden, wenn es ginge. Aber hier kommt das große ABER ins Spiel. Die FAA verlangt von den Fluggesellschaften gewisse Sicherheitsmaßnamen, die von den Affen nicht so leicht gemeistert werden. Was tun in einem Notfall, wenn Menschen in Gefahr schweben? Und meistens schwebt man ja in der Realität dauernd mit einem gewissen Risiko durch die Atmosphäre, wenn man sich an Bord eines Flugapparates begibt.

Ein Herzinfarkt eines Reisenden würde für die Tierchen ein Riesenproblem heraufbeschwören, oder:

Feuerbekämpfung,

Notlandung, auf dem Land oder im Wasser,

Behandlung von Verletzungen,

Kindergeburt,

Angst und Diabetes Anfälle,

Verbrennungen,

Luftkrankheit,

Hyperventilation,

Totale Erste Hilfe,

Essen und Trinken servieren (leicht),

Landekarten austeilen (auch leicht für Affen),

Informationsbüro,

hauptsächlich aber, Diplomat sein,

um einige kleine unzureichende, nebensächliche Beschäftigungen zu nennen. Wenn dann aber eine Übereinstimmung erreicht wurde, ein neuer Kontrakt unterschrieben ist, kommt ein Brief ins Haus geflattert. Man gratuliert zu der neu gefundenen Freundschaft zwischen Arbeitgeber und -nehmer. Auch wird daran erinnert, wie gut die Zukunft der Gesellschaft von jetzt an sein wird. Sei es auch nicht vergessen, wie wichtig die Funktion der Purser und Stewardessen für den Erfolg der Fluggesellschaft doch eigentlich ist. „Ihr seid diejenigen, so heißt es dann, „die die meiste Zeit mit den Konsumenten verbringen. Das Rückgrat des Konzerns. Und so geht das Loblied weiter, bis zur Zeit eines neuen Kontraktes, der in der Regel drei bis vier Jahre Gültigkeit hat. Dann geht es wieder so, als ob man eventuell doch das Training für Orang-Utans oder Schimpansen erwägen sollte.

Aber trotzdem klappt es oft, Piloten und Flugbegleiter im selben Hotel unterzubringen. So ist es auch in Lissabon, im Hotel Embaixador, First Class. Das Restaurant im Penthaus, welches auch zur gleichen Zeit als Nachtklub fungiert. Es wird gerne von den Besatzungsmitgliedern besucht.

Das Geld gibt sich leicht aus. Man bekommt ein Taschengeld in der Währung des Landes bei der Anmeldung, wenn die Zimmer zugewiesen werden. Interessant zu erwähnen: Der Kapitän ist der Einzige, der ein Einzelzimmer bekommt, alle anderen Besatzungsmitglieder müssen sich ein Zimmer teilen. Das gibt es schon lange nicht mehr! In diesem Fall, hatte der Schlimmste, der Erste Offizier, auch seine Behausung für sich allein. Es geht eben peinlich genau nach dem Rang, wie beim Militär. Dafür teilten sich, der Klempner und Kraut eine Bleibe und die beiden Mädchen, Olé sowie Blue, desgleichen. Zum Abendessen trifft man sich, wenn nicht anders vereinbart, zwischen sechs und sieben Uhr, in der Hotelbar. Ein ungeschriebenes Gesetz. Ansonsten ist es der Kapitän, der automatisch das beste Zimmer bekommt und zu einer Party einlädt. Von den Meisten bevorzugt! Man bringt sein eigenes Getränk und ein Glas mit, außerdem braucht man sich nicht besonders anziehen, bei den meisten Amerikanern sowieso verhasst. Es ist ökonomischer und man kann sich etwas zu Essen mitbringen oder aufs Zimmer bestellen. Da es ja meistens sehr lustig zugeht, achtet niemand auf die Zeit und dann ist es auf einmal zu spät, um noch irgendetwas zu unternehmen. Was unterhält man sich? Die Piloten erzählen vom Fliegen, es passiert ja auch weiter nichts für die „monkies in the nosecone." Unterhaltsamer ist es schon, mit den Passagieren zu sein. Die Geschichten der Flugbegleiter sind auf jeden Fall viel interessanter. Ein Grund für Kraut, Purser zu sein. Er hatte eigentlich die Absicht, Pilot zu werden, als er nach Amerika auswanderte. Es wurde nichts daraus, die Kosten waren astronomisch, privaten Flugunterricht zu nehmen. Ein weiterer Grund lag in der Anzahl der erforderlichen Minimalflugstunden, die sich dauernd erhöhten, aber notwendig waren, um überhaupt daran zu denken, ein Antragsformular einzusenden.

Die Mehrzahl aller Piloten der Fluggesellschaften stammt aus den Rängen der Air Force.

Sie haben genügend Solostunden im Logbuch.

Zwei gute Nächte Schlaf und es geht weiter von Lissabon nach Accra. Ein Flug, der für die Passagiere recht langweilig ist. Für Stunden über die Sahara und über den Ozean, wo nur Wasser zu sehen ist. In ersten Fall, nur Sand. Das Leben an Bord, für die Kabinenbesatzung ist viel interessanter, sie sind fortwährend beschäftigt.

Für die Passagiere bleibt die Auswahl der Unterhaltung sehr gering, das Bordkino war noch nicht erfunden. Also was soll’s, es wird gegessen und getrunken. Nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Dann und wann ein Schäferstündchen einlegen. So kann man einen langen langweiligen Flug recht gut über die Runden bringen.

Eine Dame, die mit einem jungen Mann in Lissabon an Bord kam und in der ersten Klasse gebucht war, fiel sofort unangenehm auf. Zuviel Handgepäck, das der arme Mann ganz allein zu schleppen hatte. Die Unterbringung solcher Stücke ist nicht leicht, wenn davon zu viel existiert.

Sie meinte aber:

„Tue nicht alles allein, mein Schatz."

„Lass etwas nach für die Hilfe, dafür bezahlen wir ja schließlich!"

Gezielt war diese Bemerkung offensichtlich auf das Personal an Bord, also Purser oder/und Stewardess.

Junge, Junge, dachte Herbert, das kann ja lustig werden.

Und Olé, die es auch gehört hatte, kamen einige saftige Kosenamen in den Kopf, auf Spanisch natürlich. Die müssen wirklich gut gewesen sein, denn Manuela hatte plötzlich ein ganz verschmitztes Grinsen zur Schau zu stellen. Herbert bemerkte es sofort und machte sich einen Knoten ins Taschentuch. Nicht wirklich, aber da im Oberstübchen. Ich muss sie später fragen, was sie da eben gedacht hat.

Wie oft platzte sie mit einem Sprichwort heraus und erreichte damit großen Erfolg. Es ist sowieso sehr lehrreich, seinem Wortschatz mit solchen zu erweitern. Besonders wenn sie aus anderen Nationen oder Philosophien stammen und auch noch humorvollen Inhalt zum Ausdruck bringen. Die spanische Sprache hat unendlich viele Sprüche solcher Art und wirkt besonders komisch in der Übersetzung. Die nicht unbedingt Wort für Wort richtig sein müssen und dann auch noch mit starkem Akzent dargeboten werden. Der Lacherfolg ist garantiert. Olé hat einen ausgeprägten Humor und kam einmal damit heraus, bei einer Crewparty, sie meinte: „Wenn mir jemand zu sehr auf die Nerven geht, stelle ich mir diese Person ganz einfach nackend vor und dann muss ich grinsen. Damit entwaffne ich diesen Mensch vollkommen und ICH fühle mich besser." Die richtige Einstellung für diesen Job. Ein Flugbegleiter ist ohnehin dem reisenden Publikum ausgeliefert und liegt mit dieser Art des Denkens genau richtig.

Beobachten kann man auch Stewardessen, die leise eine Melodie vor sich hin summen.

Auch eine Disziplin, seine geistigen Fakultäten beisammen zu halten.

So hat jeder seine eigene Methode, eine unangenehme Situation zu umgehen.

Kinder sind darin große Meister. Sie sind in der Lage, böse Begebenheiten vollkommen aus dem Gedächtnis zu verdrängen.

Allerdings gibt es Erwachsene, die es ebenso meisterhaft verstehen, alles Bösartige zu vergessen.

Als Beispiel sei angeführt: MAN HAT GELD VERLIEHEN!

Herbert hat sich ein einziges schönes langes Wort zur Angewohnheit gemacht wenn er richtig wütend ist und das oft von den anderen Besatzungsmitgliedern gehört wird, zwar nicht verstanden, aber wer kümmert sich darum? Es lautet folgendermaßen:

„Himmelherrgottsakramentkruzifixleckstmichamarschnochmal!"

Oft gefragt, was es bedeute, ist seine Antwort ist immer die gleiche:

„Nicht übersetzbar."

Warum soll er sich auch mit Kollegen erzürnen, die sehr religiös eingestellt sind und Anstoß daran nehmen könnten.

Er hatte es so oft von seinem Vater gehört, schon als kleiner Junge. Eine Gewohnheit, die an den Inhalt nicht mehr denkt. Es hilft aber sehr die Nerven wieder zu beruhigen. Er fand es jedenfalls besser, als oft „Himmel Arsch und Wolkenbruch" zu verwenden. Sehr gefährlich ist es, Flüche in einer anderen Sprache zu benutzen. Obwohl man sich ja schließlich erkundigt, was es bedeutet, neigt  man dazu, sehr anstößige Äußerungen an den Mann zu bringen.

Kraftausdrücke verlieren in einer fremden Sprache an Vitalität. Aber für denjenigen, der in dieser Sprache aufgewachsen ist und die feinsten Unterschiede sofort feststellt, kann die Wirkung brutale Folgen haben. Kein Wunder, die Menschheit hat sich schon immer bekriegt. Oftmals wegen der Tatsache des Nichtverstandenseins. Da hat nur der Turmbau die Schuld dran. Nicht in Pisa, nein, der in Babel.

Die Dame mit dem jungen Mann in der ersten Klasse hat sich beruhigt, nachdem alle Mitbringsel verstaut waren. Es dauerte aber nicht lange und sie verlangte sofort nach dem Start ein Getränk.

„Ich habe Durst! sagte sie so laut, dass es jeder hören konnte. Der junge Mann neben ihr reagierte auch sofort und betätigte den Rufknopf. Kraut sagte nur, um die Ecke herumschauend: „Bin sofort da, sobald wir unsere Reiseflughöhe erreicht haben.

„Unerhört", bemerkte die Durstige.

„Es könnte sich doch um eine Notlage handeln", fuhr sie fort. Hatte sie doch schon vergessen, mit welcher Lautstärke sie die trockene Zunge angekündigt hatte.

„Warum fliegen wir denn über Wasser?" ging es weiter.

„Ich dachte, die Sahara ist eine Sandwüste!"

Der junge Mann neben ihr verzog sein Gesicht, sicherlich vor Schmerzen, antwortete aber mit ruhiger Stimme: „Wir müssen erst ein Stück über Wasser fliegen, bis wir nach Afrika gelangen."

Also Geographie war nicht ihre Stärke, kann man wohl mit Sicherheit behaupten.

Olé wunderte sich schon beim ersten Anblick der Beiden, in welchem Verhältnis sie wohl zueinander stehen. Mutter und Sohn, war ihr erster Gedanke. Schaute auch sofort nach auf der Passagierliste und entdeckte verschiedene Namen. Aber Mutter konnte ja wieder geheiratet haben. Nein, nein, lamentierte sie mit sich selbst, das sind Oma und Enkel.

Oder? – Aber nein, caramba, (schließlich denkt sie ja in Spanisch) es kann doch wohl nicht wahr sein, sie Oma und er Gigolo? – Muss ich unbedingt herausfinden, am besten frage ich Kraut. Und so geschah es.

„Was meinst du, Herbert, sind die Beiden in der ersten Klasse?" – Weiter kam sie nicht, denn Herbert unterbrach sie und platzte heraus:

„Klarer Fall, habe ich sofort gesehen. Großmutter mit Liebesdiener. Er muss springen, wenn sie mit den Fingern schnippt oder sonstige Bewegungen macht. Ich glaube, er muss in der Lage sein, ihre Gedanken zu lesen, sonst bekommt er nichts."

„Es ist ja wohl klar, die Alte hat den Zaster und er muss parieren und ihre Wünsche erfüllen", erklärte Herbert.

Manuela erkundigte sich: „Meinst du, die schlafen zusammen?"

„Wach auf, Mädchen! Wo lebst du? Meinst du etwa, die alte Sauftante rückt was ab, wenn ER nicht auf ihre Knochen hüpft."

Manuela sagte: „Herbert, du hast eine schmutzige Phantasie, du musstt dich täuschen, ich kann es nicht glauben und deine

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