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Aus dem Diwan: Zwölfteilige deutsche Ausgabe

Aus dem Diwan: Zwölfteilige deutsche Ausgabe

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Aus dem Diwan: Zwölfteilige deutsche Ausgabe

Länge:
137 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
15. Sept. 2017
ISBN:
9788027214419
Format:
Buch

Beschreibung

Aus dem Diwan ist eine Sammlung von Gedichten aus Dschamis Jugend, Erwachsenenzeit und Alter.

Nur ad-Din Abdur Rahman Dschami (1414-1492) war ein persischer Mystiker und Dichter. Er gehörte der Naqschbandi-Tariqa an, die zu jener Zeit im Gebiet des heutigen Afghanistan und Zentralasien eine politisch und kulturell wichtige Rolle spielte, und gilt als der letzte klassische Dichter des klassischen Persien. Der Nachwelt hinterlässt Dschami insgesamt 81 Werke über verschiedenste Themen, darunter Gedichtsammlungen, Geschichten, Erläuterungen zu Werken anderer bekannter Sufis, philosophische und philologische Traktate und sogar ein Buch über Rätsel, die in der damaligen persischsprachigen Welt sehr beliebt waren. Dschamis bescheidenes Grab in Herat wird bis heute von gläubigen Muslimen aus aller Welt besucht.
Herausgeber:
Freigegeben:
15. Sept. 2017
ISBN:
9788027214419
Format:
Buch


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Aus dem Diwan - Nur ad-Din Abdur Rahman Dschami

12

Teil 1

Inhaltsverzeichnis

Der Sänger hob mit Saitenklang

So schön zum Frühtrunk an den Sang:

Steh auf! dein Lebensaugenblick

Sei angelegt zu ew'gem Glück!

Was schliessest du beim Fest dein Ohr

Vor Becherklang und Liederchor!

Nie übersieh den Weinrubin,

Denn sichtlich fliesst die Zeit dahin.

Geniess den Tag! Wer wissen mag,

Ob er erlebt noch einen Tag.

Wo ich nur seine Spur mag sehn,

Wend' ich vom Freunde nicht mein Flehn.

Dschami, zur Kaaba zieh nicht aus!

Er ist bei dir in jedem Haus.

Kann es meine Sehnsucht stillen, dass ich ihn vom weiten

Seh vorübergehn, und das auch nur von Zeit zu Zeiten!

Der Glanz von deinem Angesicht liess es mich ganz in Wonne

Vergessen, dass es einen Mond einst gab und eine Sonne.

Ueber alle Grenzen tritt die Thränenflut, und weit davon

Ist sie nicht mehr, zu zertrümmern dies Gebild von feuchtem Thon.

Schönheit nur will Leila zeigen, wenn sie Locken kräuselnd ziert;

Was bekümmert sie's, welch Armer drüber den Verstand verliert!

Der Messiaslipp'ge weiss wohl, wo mein Uebel ist zu heben,

Doch sein Kanon ist, mit Herzenskranken sich nicht abzugeben.

Fern von dir, bin ich nah dem Sterben; fürchte das Gericht!

Wenn du näher nicht willst kommen, geh nur ferner nicht!

Augentrost der Herzbetrübten, komm gezogen!

Deine Brauenbogen sind zwei Regenbogen.

Dein feiner Haarwuchs und dein Wuchs so haarfein,

Der Unterschied von beiden wird kein Haar seyn.

Von dem Himmelsfalben fällt der Mond zu Füssen deinem Thier,

Wenn du auf dem Sattel paradierst so mit Schick und Zier.

Glücksalb' in mein Auge will ich von des Heiles Salbestift;

Lest mir Staub von Seinem Weg, und einen Dorn von Seiner Trift!

Ausser mich komm' ich vor Freude, wenn du kommst und siehest, wie

Es mir geht. O glaubest du nicht dieses mir, so komm und sieh!

Du, dessen Liebe tausend Noth bringt über mein bekümmert Haupt,

Sieh, deines Kummers Ueberfall hat Schlaf und Essen mir geraubt.

Staub auf deinem Wege ward ich; stolze Zeder, tritt einher!

Eh du kommest eines Tags und meinen Staub nicht findest mehr.

Um Gott, Wildfänger, rathet, wie fang' ichs an,

Zum Fange jenem Wildfang von Reh zu nahn!

Wie lange noch verlangst du nach den lautern Silberwangen?

Schon hundertmal verbrannte sich dein vorlautes Verlangen.

Hundert Palmen eitler Lust gewurzelt hatten in der Brust;

Deiner Liebe Windesbraus riss alle mit den Wurzeln aus.

Im Herzen an die Stelle von all dem Freudenrausch

Trat nun dein Gram und Kummer zum allerschönsten Tausch.

Von der Ros' erzählt der Wind, die Rose von des Liebsten Hemde;

Dem, der nicht von reinem Saum ist, sei der Duft des Liebsten fremde.

O sag nicht immer: Dschami, wann hörst du auf zu singen!

Es ist nach dir die Sehnsucht, aus der die Tön' entspringen.

Dein Sklav von Herzen bin ich zwar, doch einer, der die Flucht gern sucht;

Verkaufest du mich hundertmal, zurück zu dir nehm' ich die Flucht.

Mich einen Augenblick nur dir entziehn, nicht möglich ist es mir;

Was soll ichs auch versuchen mehr? ich hab' es hundertmal versucht.

Der böse Geist von aussen lagert, die böse Lust von innen;

Den beiden list'gen Wegelagrern wie soll mein Pfad entrinnen!

Heil dem alten Wirte, dessen Allhuld mir den Segen brachte,

Dass er mir durch ein paar Gläser hell den Zweck des Lebens machte.

at der Abweg ab vom graden Pfad geführt,

Gott sei Dank, dass er zum Ziele grad geführt!

Steht es mir zu, dass die Zunge mit Geprattel ich beschmitze,

Mit Unwürd'ger Lob und Tadel stumpfe meines Kieles Spitze!

Scherben sind gemeine Seelen, Perlenstränge sind Gesänge;

Welche Thorheit, dass ich diese noch zum Schmuck an jene hänge!

Federkauend liess ich aus der Hand ein Kapital von Tagen;

Der Verdruss um das Verlorne macht mich an den Fingern nagen.

Ob es Wortgebietes Räume seyen an Breit' und Länge,

Doch, auf Reime sinnend, stündlich o wie komm' ich in die Enge!

Worte sind ein Wind; und also, Silbenschritt und Wortfuss nur

Nach der Spanne messend, jag' ich Tag und Nacht auf Windes Spur!

Früh vor Tags zum Logos sprach ich: der zum Trotze meiner Neider

In des Wortes Werkstatt du geworden bist mein Werkbescheider!

Das Talent des Wortewägens müht mich ab; verstatte du,

Dass mein Haupt ich in den Schoss des Schweigens niederthu und ruh'! -

Dschami's Herz, gab er zur Antwort, ist Geheimnissweltschatzkammer;

Denke nicht, dass ich von meinem Schatz nie aufthun soll die Klammer!

Gestern hat sich jene Zeder mich zu grüssen aufgerichtet;

Höflich fragend, that sie alles, wozu sie das Herz verpflichtet.

Statt der Antwort wollt' ich selber eben ihr die Seele geben,

Als sie mit der Hand am Busen sittig grüsste im Entschweben.

Nicht ein Augenblickchen hat sie mir vorm Auge still gestanden

Doch die Süssigkeit des Grusses bleibt im Herzen mir vorhanden

Wie der Staub an ihres Weges Rande war ich ganz verachtet,

Doch den Staub zu ehren hat sie ihrer Gnade werth erachtet.

Meine Seele gieng, mein Herz gieng mit der wandelnden Zipresse,

Als sie so an mir vorüberschritt, wie ich es nie vergesse.

Gottes Lohn dem Eifer meines Glückes, das ein Zuckerlachen

Auf den Mund ihr streut', um mir den bittern Gaumen süss zu machen.

Dschami, schildernd jenes Munds Rubin, den zuckerbrechenden,

Macht verstummen alle Papagein, die zuckersprechenden.

Nicht thören lass es dich, dass man dich nennt der Guten einen;

Die Schlechtigkeit in dieser Zeit macht dich als gut erscheinen.

Herzen schwach und zart mag nicht der Armut Pilgerschaft gelingen;

Schwer ist eine Ladung Glas auf stein'gem Wege fortzubringen.

Beschauliche sind Spiegel der eignen Missgestalt;

Was schaun sie drein, und schelten den Spiegel dergestalt!

Wer in den Spiegel speiet, weil er in dessen Licht

Sich hässlich sieht, der speiet sich selbst ins Angesicht.

Seinen Bart zu kämmen hält der Scheich für Lebensart;

Er verdient dass ihm die Schlemmer lachen in den Bart.

Auf, Dschami, dich der Heuchelei Gebetschnur zu entschlagen!

Mit dieser Fangschnur ist kein Wild der Sehnsucht zu erjagen.

Besudle nicht mit jeder Kost die Lipp'; am Marzipan

Vom Tisch des Niederträchtigen zerbricht man sich den Zahn.

Wirf nicht den Stein des Herzeleids auf reine Herzen nieder!

Denn leicht zu brechen ist dies Glas, und schwer zu kitten wieder.

Dschami, willst du, dein Betragen soll anmuten jedermann;

Was dir selber nicht anmutet, mute keinem andern an!

Wenn des Heiligthumes Rose meine Pilgerhand nicht brach,

Gnüge das mir, dass der Dorn der Wüste doch den Fuss mir stach.

Mag der Wüste Sand des Pilgers Leib begraben, wenn sein Glaube

Nur das Heiligthum erfliegt und nistet dort als Haremstaube.

Berühmt zu werden, war nicht Dschami's Zweck,

Als er die anmutfeuchten Lieder schrieb;

Für gute Freunde ein paar Scherze, die

Er in der Zeiten Denkbuch niederschrieb.

Nachts kam in mein verstörtes Herz Erinnrung deiner Wangen,

Wie über ein zerstörtes Haus der Mond kommt aufgegangen.

Meine Seele sei das Opfer eines Duftes, den dein Kleid

Gab dem Winde, Wind der Rose, und die Rose meinem Leid.

Der Apfel des Kinnes

An des Herzens Gram zu kranken deuchte mir Gewinn,

Bis ich der Genesung Apfel fand an jenem Kinn.

Jede Knospe lacht im Lenze, wenn die Wolke weinet;

Lache, du geschwellte Knospe, die mein Weinen meinet.

Der Geschicke böses Auge möge dich verschonen,

Böses Auge, möge nie dein Pfeil auch mich verschonen.

Wohin sich wenden mag, wer einst Wach' hielt an deinen Pfosten,

Er findet nirgends Achtung, der verlassen seinen Posten.

Der Schach von Gafnin gab den Geist in Schmerzen auf, und sprach: Nur das

Vom Leben lebt' ich, was vergieng in deiner Liebe, mein Ajas!

Mein feuchtes Auge lösch' ein Staub der Fusstapf' eines Hündchens,

Das Nachts einmal vorüberlief am Haus des Zuckermündchens!

Thrän' hat Lampe gelöscht; auch Herzensflamme? von aussen

Dämpfte sie Feuer, und liess immer im Hause die Glut.

Die Seel' hat den erschöpften Leib vor Kummerlast geräumt;

Den Gast im Haus ertrug sie nicht, und hats dem Gast geräumt.

So viele Pfeile sandtest du, die Brust ward ihnen enge,

Das Herz ist ausgezogen und hat Platz gemacht der Menge.

Weil vor dem Heer der Schönen war kein Schutz in Stadt und Gassen,

Gieng Dschami über Feld, und hat dem Heer das Feld gelassen.

Wieder neu von Reiz umgeben seh' ich dich;

Warst so schön, noch schöner eben seh' ich dich.

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