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Die Völkerwanderung: Band 2, Teil 1

Die Völkerwanderung: Band 2, Teil 1

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Die Völkerwanderung: Band 2, Teil 1

Länge:
88 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 21, 2017
ISBN:
9783744849180
Format:
Buch

Beschreibung

Die Völkerwanderung von Hermann Lingg ist ein Nachdruck der Originalfassung in 3 Bänden (1866-1868).


Die Völkerwanderung: Band 2, Teil 1 umfasst:

Erster Gesang. Die Vandalen.

Zweiter Gesang. König Geiserich.

Dritter Gesang. Die Gottesgeißel.
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 21, 2017
ISBN:
9783744849180
Format:
Buch

Über den Autor

Hermann Lingg (1820-1905) gehörte dem Dichterkreis um König Max II. an und war ein berühmter bayerischer Epiker und Lyriker.


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Die Völkerwanderung - Hermann Lingg

Die Völkerwanderung: Band 2, Teil 1

Die Völkerwanderung: Band 2, Teil 1

Erster Gesang. Die Vandalen.

Zweiter Gesang. König Geiserich.

Dritter Gesang. Die Gottesgeißel.

Impressum

Die Völkerwanderung: Band 2, Teil 1

Autor: Hermann Lingg

Nachdruck der Originalfassung (1866-1868, erschienen im Verlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung, Stuttgart)

Erster Gesang. Die Vandalen.

Aëtius, edler Abkunft, hochgepriesen, 

Patricier, Sieger in so mancher Schlacht, 

Der Jahr für Jahr mit Reiten, Bogenschießen 

Bei Hunnen und bei Gothen zugebracht, 

Aëtius war vom Land der Nordlandsriesen 

Nach Rom zurückgekehrt, und seine Macht, 

Sein Ansehn ward durch wunderbare Sagen 

Von jenem fernen Land noch mehr getragen.

Er brauche, hieß es, nur ein Wort zu sagen, 

So stünd' sogleich ein Hunnenheer bereit, 

Im Augenblicke für ihn loszuschlagen, 

Denn jene Wilden gingen in den Streit 

Zwar wie die Löwen, doch befall' ein Zagen 

Die Kühnsten selbst, wenn Unterwürfigkeit 

Ein Blick nur von Aëtius gebiete; 

So scheu' des Geistes Uebermacht der Scythe.

Ein Wink, und wie dem Lenker seine Pferde 

Gehorchten tausend Stämme seinem Halt; 

Auch war Aëtius mächtiger Geberde, 

Von schönem Antlitz, ragender Gestalt. 

Ein Mann der That und Großer dieser Erde 

Besaß er auch zugleich die Allgewalt 

Der vom Gewicht der That getragnen Rede 

Im Schmeicheln wie beim Ruf zu Kampf und Fehde.

Obgleich er einst mit einem der Verschwörer 

Im Feld gestanden gegen Reich und Thron, 

So galt doch bald bei Heer und Volk kein höh'rer, 

Kein theurer Held als er, und halb mit Hohn 

Begann er zu Placidia: »Den Empörer 

Sieh hier, Tod wäre sein verdienter Lohn; 

Sieh reuig ihn zu deinen Füßen knieen, 

O sprich es aus, du habest mir verziehen!«

Placidia auf den Thron gestützt, im Glanze 

Der höchsten Würde, fühlte nie wie jetzt 

Die Dornen unter dem verdächt'gen Kranze 

Der Schmeichelei und zögerte verletzt: 

»Biegt endlich, biegt sich diese stolze Lanze? – 

Und welche Bürgschaft,« fragte sie zuletzt, 

»Wenn wir verzeihen, bietest du der Krone?« 

Aëtius sprach hierauf mit stolzem Tone:

»Es wird dein Heil sein! Keiner von mir lernte 

Die Rom bedrohende Gefahr wie ich; 

Die lange Frist, die mich von Haus entfernte, 

Ward meine Lehrerin, und lehrte mich 

Den Stahl zu schärfen, eh' es kommt zur Ernte.« – 

»Verziehn sei Jedem, der nur einmal wich,« 

Entgegnete Placidia, »doch die Treue, 

Die niemals wankt, steht höher als die Reue.«

»Wird eine solche Treue noch gefunden?« 

Erhob Aëtius sich und sah umher. 

»Sie lebt uns,« sprach Placidia unumwunden, 

In Bonifacius!« »Ha nur ewig der!« – 

Rief wild Aëtius – »eh ein Jahr entschwunden, 

So überführ' ich ihn.« – »Das möchte schwer,« 

Warf ihm Placidia ein, »dem Satan fallen.« 

»Er sucht ihn,« rief Aëtius, »ihn vor allen.

Du hast ihn überhäuft mit Glück und Gnade, 

Du hast ihn über Afrika gesetzt, 

Und an dem paradiesischen Gestade 

Gebeut er wie ein Perserkönig jetzt.« 

»Ach!« rief Placidia schmerzlich aus, »wie schade, 

Daß so der Neid dich stolzen Mann verhetzt, 

Daß du vor unsrem Thron es konntest wagen, 

Den Treuesten der Treuen anzuklagen.«

»Er fällt,« rief Jener, »dieß mein Haupt zum Pfande. 

Wir wissen, jedes Schwert hat seinen Preis, 

Und Jeden ein Versucher an dem Bande, 

Womit er ewig ihn zu fesseln weiß.« 

Er sprach's und bog nach sanftem Widerstande 

Auf ihre Hand die Lippen stürmisch heiß, 

Dann schritt er weg, schwang sich vor Ehrgeiz sprühend 

Aufs Pferd und ritt hinweg voll Hoffnung glühend.

So kam er bald, versunken in Gedanken, 

In rauhes Waldgebirg, auf einmal brach 

Ein Stein vom Pfad, der donnernd durch die Ranken 

Vor ihm zum Abgrund flog. Aëtius sprach: 

»Der stürzt und bringt mich nicht einmal zum Wanken,« 

Und sah dem Felsstück in die Tiefe nach, 

Und seine Seele las mit kühnem Blicke 

Aus diesem Zeichen künftige Geschicke.

Aus einmal schien durchs Dickicht und Gerölle 

Von wo der Fels hinabgebrochen war, 

Ein Dämon aufgestiegen aus der Hölle, 

Ein Unhold aus Gehennas finstrer Schaar. 

»Ha!« rief Aëtius, »fordert schon die Zölle 

Der Abgrund und die Nacht?« »Ich, ja fürwahr, 

Ich such' dich,« sprach der Dunkle, »dich zu mahnen; 

Kennst du den Verimod noch, den Alanen?

Weißt du noch, welchen Dienst ich dir erwiesen. 

Als du bei Hunnen lebtest vielgeehrt, 

Daß ich dein Meister war im Bogenschießen? 

Das Roß der Steppe tummeln dich gelehrt? 

Du wolltest mir dafür den Sinn erschließen 

Für eure Sprache, die den Geist bewehrt, 

Und die durch bloße Worte Größ'res schaffen, 

Und mehr bezwingen kann als hundert Waffen.

Du gingst, so daß ich dich nicht wieder schaute, 

So plötzlich gingst du von den Hunnen fort; 

Doch nie vergaß ich dein und jener Laute.« 

»Und wie,« fiel ihm Aëtius ins Wort – 

»Wie kamst du hieher?« »Mich betraute 

An dich ein Volk von Carthagenas Port, 

Mich senden die Vandalen, daß du richtest, 

Und ihre Zwiste mit den Gothen schlichtest.

Denn stürmend von den südlichen Gebirgen 

Gönnt uns der Gothe nicht die Friedensruh', 

Wir tödten uns beständig, wir erwürgen, 

Ja wir vernichten uns einander, du 

Hab' Friede mit uns Allen, du nimm Bürgen, 

Und von uns Allen Ruhm und Preis dazu; 

Was du befiehlst, soll gelten, soll uns Allen, 

Dem einen

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