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Die Legende von Myriam: Seelenbruder

Die Legende von Myriam: Seelenbruder

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Die Legende von Myriam: Seelenbruder

Länge:
288 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 25, 2017
ISBN:
9783744865241
Format:
Buch

Beschreibung

Myriam ist ein junges Mädchen mit nicht alltäglichen Fähigkeiten und Ansichten. Durch ihre Einsicht in die großen Zusammenhänge des Lebens hält sie sich selbst aber für nichts Besonderes. Nach ihrer Erkenntnis schlummern solche Fähigkeiten in allen Menschen. Dies sieht sie auch bestätigt, als während ihres Besuches in ihrem Heimatdorf ein kleines Mädchen, rein durch ihren Willen, eine Freundin vor dem Ertrinken rettet.
Dort versucht Myriam mehr über ihre leibliche Mutter in Erfahrung zu bringen, als sie die Nachricht erhält, dass ihre Freundin, die Fee Cylah'dinai, plötzlich verschwunden ist. Zusammen mit Wiroja, der 'Hüterin des Waldes' und Gainor einem Mondwolf macht sich Myriam auf die Suche. Es ist zwar ein Leichtes die kleine Fee zu finden, aber sie zurückzubringen, erweist sich als weitaus schwieriger. Erneut bitten Myriam und Wiroja die Elementarhüter und Pflanzenwesen um Hilfe.
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 25, 2017
ISBN:
9783744865241
Format:
Buch

Über den Autor

Der Autor wurde 1963 in Bingen am Rhein geboren. Schon in seiner Kindheit war er viel in der Natur unterwegs. Fasziniert von der Artenvielfallt und unbändigen Lebenskraft die sie verströmte. Er absolvierte eine Lehre als Elektriker bevor er in die Lagerlogistik wechselte. In dieser Zeit befasste er sich mit Religionen, Mythologie, Esoterik und Naturheilkunde. Dadurch kam er zu der Erkenntnis, das Gedanken die Welt erschaffen und verändern. Unsere Gedanken über Etwas oder Jemanden, bestimmen unsere Wahrnehmung. Diese wiederum bestimmt unsere Entscheidungen und Handlungen. Daher ist die Welt wie wir sie kennen, das Ergebnis unserer Gedanken. Die meisten Gedanken und Einstellungen stammen aber nicht von uns selbst, sondern sind anerzogen und vom Umfeld übernommen. Würden wir anders erzogen, würden wir auch die Welt anders wahrnehmen. 2012 entschloss er sich dazu, diese Ansicht in eine Geschichte einzuflechten um sie weiterzugeben. 'Die Legende von Myriam' wurde geboren. Die Geschichte von dem Mädchen, das allen vorgefertigten Meinungen und Dogmen beraubt, die Welt neu entdeckt. Obwohl der erste Teil schon Ende 2013 fertiggestellt wurde, dauerte es bis April 2017, bis der erste Band als gedrucktes Buch vorlag. Heute lebt der Autor mit seiner Familie in einer Kleinstadt am Rande des Hunsrück, wo er täglich in der Natur unterwegs ist.


Buchvorschau

Die Legende von Myriam - Rainer Kertmann

'Hieb'

1 Vorgeschichte (aus Buch 1)

In der Zeit, in der Myriam ohne jegliche Erinnerung an ihre eigene Vergangenheit auskommen musste, lernt sie viele Lebewesen kennen. Zum Beispiel Wiroja, die 'Hüterin des Waldes'. Die junge Frau findet Myriam und nimmt sie bei sich auf. Beide zusammen machen Bekanntschaft mit Seraphora, der 'Hüterin des Wassers' und Lodanis, der 'Hüterin des Feuers'. Diese beiden sind Elementarhüter.

Dies bedeutet, dass sie Teil ihres Elements sind, ebenso wie es ein Teil von ihnen ist. Am wichtigsten war aber Myriams Begegnung mit der Mondwölfin Feria. Zu dieser besitzt sie eine geistige Verbindung, was darauf hindeutet, dass sie Seelengeschwister sind. Durch das Ritual, das diese Annahme bestätigen soll, erhält Myriam ihre Erinnerungen zurück und auch einige von Ferias Wolfsfähigkeiten.

Myriam und Wiroja werden von Myriams Vater um Hilfe für eine verletzte, junge Frau gebeten. Doch wie sich herausstellt, handelt es sich dabei um eine Fee. Myriam kann diese durch eine Traumreise aus dem Koma holen, sodass Cyntia, die eigentlich Cylah’ dinai heißt, alle ihre Verletzungen selbst heilen kann. Vor Wirojas Hütte im Wald werden die Freundinnen und Feria von einem Bären angegriffen. Im Kampf wird Feria so schwer verletzt, dass sie im Sterben liegt. Nur durch das Eingreifen von Gainor, einem ebenfalls riesigen Wolf, kann der Bär bezwungen werden. Um Feria zu retten, gibt Myriam so viel von ihrer eigenen Lebensenergie, dass sie körperlich um Jahre altert. Als Myriam Cyntia auch von ihrer Energie geben möchte, da die Fee ebenfalls im Sterben liegt, geraten Feria und Myriam in Streit. Darauf bricht Feria jeden geistigen Kontakt zu Myriam ab und verschwindet wortlos im Wald.

2 Von neuen und alten Wunden

Myriam hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Sie wusste nicht, wie lange es her war, dass ihr Arm schwer geworden war und sie ihn heruntergenommen hatte. Wusste nicht, wann ihre zittrigen Beine nachgegeben hatten und sie sich ins Gras gekniet hatte. Noch immer starrte sie auf den Punkt am Waldrand, an dem ihre Seelenschwester Feria verschwunden war. Myriam hatte in sich hinein gelauscht, aber nur Leere vorgefunden. Selbst als sie ihre Erinnerungen verloren hatte, hatte sie sich nicht so allein gefühlt. Nur langsam kehrten ihre Gedanken in die Gegenwart zurück. Dass Erste was sie registrierte, war das Leuchten auf der Lichtung. Es ging von dem Mondwolf aus, der dort lag und sie beobachtete.

Einen Herzschlag lang wollte Freude in Myriam aufkommen, aber dann belehrte sie ihre Erinnerung eines Besseren. Nein, es war nicht Feria, es war Gainor. Er war in dieser Nacht aufgetaucht und hatte sie alle gerettet. So wie die Dinge lagen, war er ihr Seelenbruder. Wieder wollte der Schmerz über Ferias Verlust Myriam überrollen, aber sie kämpfte ihn diesmal nieder.

Eine Hand berührte sie vorsichtig an der Schulter.

„Myriam? Myriam, Cyntia geht es immer schlechter", erinnerte Wiroja sie an die kleine Fee.

Myriam nickte.

„Ich komme sofort, ich möchte nur kurz mit Gainor reden.

Nimm ihre Hand, deine Energie wird ihr helfen."

„Meine Energie?", fragte Wiroja irritiert.

„Ich erkläre es dir später", versprach Myriam und stand auf. Langsam ging sie zu Gainor, der sich bereits erhoben hatte.

Myriam hatte ihre wölfische Seite noch nicht abgelegt, wodurch ihre Augen in Farbe und Form denen eines Wolfes glichen. Außerdem konnte sie sich so in der Wolfssprache leichter unterhalten. Als sie vor ihm stand, fiel es ihr schwer zu sprechen. Obwohl er noch wuchtiger als Feria war, erinnerte doch vieles an ihre Seelenschwester.

„Gainor, wir müssen miteinander reden", begann Myriam.

„Doch ich bin müde und muss noch etwas Dringendes erledigen. Daher möchte ich dich bitten, bis morgen zu bleiben."

„Nur bis morgen?", entgegnete er mit einem fragenden Blick.

Myriam sah ihn verständnislos an. Wahrscheinlich sollte sie verstehen, was er damit sagen wollte, tat es aber nicht.

„Wirst du bleiben?", war das Einzige, was ihr einfiel.

„Ja!", antwortete er nur, und legte sich wieder hin, als gäbe es jetzt nichts weiter zu besprechen.

„Danke!", sagte Myriam kurz, während ein leichtes Lächeln über ihr Gesicht glitt.

Als sie sich umdrehte, spürte sie eine bleierne Müdigkeit.

Aber noch war keine Zeit ihr nachzugeben. Cyntia brauchte ihre Hilfe. Myriam straffte sich und schüttelte die Mattigkeit ab. Wiroja hatte sich hinter Cyntia gesetzt und deren Oberkörper gegen ihren gelehnt. Ihre gekreuzten Arme lagen über Cyntias Brust und hielten beide Hände.

Als Myriam auf die Fee herabsah, erschrak sie.

Cyntia hatte die Größe einer jungen, zierlichen Frau, aber jetzt wirkte sie klein und zerbrechlich. Ihre ansonsten braunen Haare, mit dem roten Schimmer, hingen blass um das eingefallene Gesicht. Die Augenlider, hinter denen die strahlend grünen Augen ruhten, sahen aus wie gebleichtes Leder.

„Lass sie uns ins Bett bringen", forderte Myriam Wiroja auf. Zusammen hoben sie die Fee an und trugen sie hinein.

Als diese in dem großen Bett lag, wirkte sie noch kleiner als sie war.

„Und jetzt?", fragte Wiroja.

„Jetzt werde ich ihr etwas von dem zurückgeben, was sie mir gegeben hat", antwortete Myriam.

„Bist du dir sicher?"

„Ja, ich bin es ihr schuldig, auch wenn Feria dies anders sieht."

Wiroja ahnte was vorgefallen war, unterließ es aber eine diesbezügliche Frage zu stellen. Myriam stellte sich neben das Bett und legte ihre linke Hand bei Cyntia zwischen Bauchnabel und Brustbein. Ihre Konzentration richtete sie, bei sich selbst, auf den gleichen Punkt. Dabei half es ihr sich vorzustellen, dass dort eine Blüte lag, die sich öffnete und die Energie freigab. Sie folgte darin mehr einem inneren Gefühl als wirklichem Wissen. Dass Myriam sich darauf verlassen konnte, spürte sie schon kurze Zeit später.

Wärme begann sich bei ihr von dort in Richtung des linken Armes auszubreiten, bis ihre Handfläche zu kribbeln und zu leuchten begann. Es hatte den Anschein, als würde das Licht direkt von Cyntias Körper aufgesogen. Myriams Vermutung bestätigte sich. Dort lag ein Punkt, der in der Lage war Energien aufzunehmen und zu verteilen.

Das Sonnengeflecht hörte Myriam in ihren Gedanken.

Schon bald nahm das Gesicht der Fee wieder eine rosa Farbe an. Auch die Atmung war kräftiger. Das laute Knurren ihres Magens warnte Myriam davor, noch mehr Energie abzugeben. Sofort konzentrierte sie sich darauf, die Blüte zu schließen, worauf der Energiefluss verebbte.

Zufrieden nickend zog Myriam ihre Hand zurück.

Wiroja stand hinter Myriam und betrachtete diese besorgt.

„Du solltest etwas essen."

„Es geht schon."

Doch Myriams erster Schritt strafte sie Lügen. Sie knickte ein und begann zu zittern. Sofort wurde sie von der Freundin gestützt, bis sie im Wohnraum am Tisch saß.

Wiroja begann sogleich damit das Feuer anzufachen und etwas zu Essen zuzubereiten. Sie holte auch ein großes Stück Fleisch aus der Vorratskammer, schnitt es klein und gab es in den Topf. Da das Fleisch länger brauchte bis es gar war, setzte sie sich zu Myriam, die sich leicht erholt hatte.

„Wer ist er?", fragte Wiroja plötzlich.

„Wer ist wer?", entgegnete Myriam, die Mühe hatte sich zu konzentrieren.

„Der Mondwolf! Ich dachte, Feria wäre die letzte ihrer Art."

Myriam zuckte zusammen, als der Name fiel. Wiroja schalt sich selbst einen Narren, da sie nicht daran gedacht hatte.

„Entschuldige bitte."

„Du musst dich nicht entschuldigen", entgegnete Myriam.

„Auch ich muss mich erst daran gewöhnen, dass Feria nicht mehr hier ist. Was deine Frage angeht; sie war es auch, bis zu dieser Nacht. Aber bitte lass uns später darüber reden. Ich bin froh, wenn ich noch genügend Kraft habe, um etwas zu essen."

Wiroja saß mit sorgenvoller Miene am Tisch und betrachtete ihre Freundin. Myriam war eigentlich ein zwölfjähriges Mädchen, mit langen, schwarzen Haaren und grünen Augen. Jetzt saß ihr eine etwa zwanzigjährige Frau gegenüber. Früher war Myriam etwas kleiner als Wiroja gewesen, nun musste Wiroja zu ihr aufschauen.

Wiroja stellte eine Schüssel mit viel Fleisch vor der Freundin auf den Tisch.

„Du weißt doch, dass ich kein Fleisch esse!", beschwerte sich Myriam sofort.

„Ich rate dir, es zu essen. So geschwächt wie du bist, wird nur Gemüse nicht ausreichen. Es sei denn, du willst Gainor noch einige Wochen warten lassen?"

„Ich bekomme es nicht runter", entgegnete Myriam trotzig.

„Ich denke, das solltest du deinem Körper überlassen. Er weiß besser als du, was er braucht."

Myriam suchte zuerst das Gemüse zwischen den Fleischstücken heraus. Erst danach versuchte sie widerwillig ein kleines Stück. Angewidert schob sie es im Mund hin und her, immer darauf bedacht, es nicht zu zerbeißen. Zart wie es war, zerfiel es aber von selbst.

Irgendwann fanden auch die ersten Bröckchen den Weg in ihren Magen. Myriam wollte sie wieder herauswürgen, aber Wirojas strafender Blick hielt sie davon ab. Kaum war die erste Schüssel geleert, stellte Wiroja eine zweite Portion vor Myriam auf den Tisch, was ihr einen fragenden Blick einbrachte.

„Du glaubst doch nicht, eine Schüssel würde reichen? Wenn du schon nicht auf dich achtest, muss ich es ja übernehmen."

Myriam zuckte mit den Schultern und nahm erneut den Löffel zur Hand. Schneller als gedacht war auch diese Schale geleert.

„Bist du nun zufrieden?"

„Fürs Erste", antwortete Wiroja lächelnd.

„Du solltest jetzt ins Bett gehen", forderte Wiroja Myriam auf.

„Aber es ist dein Haus und dein …"

„Genau, und deshalb habe ich hier das Sagen!", unterbrach Wiroja sie kurzerhand.

Myriam lächelte müde. Schwerfällig erhob sie sich und torkelte in Richtung Schlafraum. Wiroja schaute ihr nach, bevor sie sich kopfschüttelnd erhob um Myriam zu stützen.

Schnell ließen Myriams Kräfte wieder nach und ihre Bewegungen wurden mechanisch.

„Lass nur, ich mach das", erklärte Wiroja, bekam aber schon keine Antwort mehr.

Sie hatte auch nicht wirklich damit gerechnet. Während sie Myriam entkleidete, schien diese im Stehen zu schlafen.

Vorsichtig legte Wiroja sie neben Cyntia und deckte sie zu. Sie stand noch einen Augenblick am Bett und betrachtete die beiden Frauen.

Wo führt uns dieser Weg hin? Was hast du noch alles für Myriam geplant 'Große Mutter'? dachte Wiroja.

Frei in euren Entscheidungen, habt ihr diesen Weg gewählt, bevor ihr in euren materiellen Körper geschlüpft seid. Ihr ward überzeugt von eurer Kraft, diesen Weg gemeinsam gehen zu können, erklang es leise in ihrem Kopf.

Myriam fiel in einen tiefen Schlaf. In ihrem Traum lief sie durch einen dunklen Wald und rief immer wieder vergebens nach Feria.

Wiroja ließ die Tür einen Spalt weit offen, als sie in den Wohnraum zurückging. Mit einer Decke rollte sie sich vor dem Kamin ein. Es war auch für sie selbst eine anstrengende Nacht gewesen. Kaum hatte sie die Augen geschlossen, schlief sie.

Als Wiroja erwachte, war es heller Tag. Sofort lief sie in die Schlafkammer um nach den beiden Frauen zu sehen.

Beide schliefen noch tief und fest. Der Puls ging ruhig und gleichmäßig. Dies änderte sich nicht an diesem und auch nicht am nächsten Tag. Wiroja nutzte die Zeit, um ihr Heim aufzuräumen und die Vorräte an Heilkräutern und Lebensmitteln aufzufüllen. Jetzt, an den letzten Sommertagen, gab es vieles im Überfluss. Als Wiroja am ersten Tag aus der Hütte trat, lag Gainor noch auf der Lichtung. Sie versuchte, sich mit ihm in der 'Alten Sprache' zu verständigen, aber er reagierte nicht. Als sie später nach ihm sah, war er verschwunden. Ihre anfängliche Befürchtung, er hätte Myriam ganz verlassen, erwies sich als unbegründet, denn einige Stunden danach lag er wieder an der gleichen Stelle.

Am Mittag des zweiten Tages war noch immer keine Änderung eingetreten. Wiroja rief Seraphora und Lodanis, um diese um Rat zu fragen.

Die beiden Elementarhüter erschienen in körperlicher Gestalt, was beide meist taten, wenn sie sich mit Wiroja oder Myriam unterhielten.

Diese waren erschrocken über das, was Wiroja ihnen erzählte. Keine wusste einen Rat, daher blieb Wiroja nichts anderes übrig, als zu warten und sich in Geduld zu üben.

Am Morgen des dritten Tages, Wiroja hatte sich gerade einen Tee zubereitet, öffnete sich die Tür und Cyntia lächelte sie an. Die kleine Fee legte die Tür wieder an und setzte sich an den Tisch. Wiroja überbrühte noch einen Tee und stellte den Becher vor der Freundin ab. Cyntia nickte ihr dankend zu und nippte vorsichtig daran.

„Wie fühlst du dich?", begann Wiroja das Gespräch.

„Myriam - ihre Veränderung - ist es meinetwegen?", entgegnete Cyntia, ohne auf die vorherige Frage einzugehen.

„Nein, es war für Feria."

Die Fee nickte verstehend. „Was ist passiert?", fragte sie, bevor sie weiter an ihrem Tee nippte.

Wiroja sah sie über den Rand ihres Bechers an, trank noch einen Schluck und begann zu erzählen.

„Während Feria sterbend am Boden lag", begann Wiroja, „ist ein zweiter, riesiger Wolf aufgetaucht. Er stellte sich schützend über Feria und besiegte den Bären. Myriam eilte zu Feria und gab ihr so viel Energie, dass diese überlebte.

Allerdings ist Myriam selbst dabei um Jahre gealtert. Als sie dich heilen wollte, war Feria dagegen und darüber gerieten sie in Streit. Was der genaue Grund war, kann ich dir nicht sagen, da ich nur Myriams Antworten verstand.

Feria weigerte sich plötzlich, die menschliche Sprache zu benutzen. Soviel ich verstehen konnte, ging es um die Feen und ihre Rolle im 'Großen Krieg'."

Wiroja beobachtete Cyntia, die mit steinernem Gesicht in den Becher starrte.

„Da Myriam sich weigerte, dir ihre Hilfe zu verwehren, fuhr Wiroja fort, „verschwand Feria ohne ein weiteres Wort. Wir trugen dich ins Bett, wo Myriam dich heilte. Sie konnte vor Erschöpfung kaum noch etwas essen. Und seitdem schläft sie.

„Wie lange ist das her?", fragte Cyntia, ohne ihren Blick zu heben.

„Das war in der Nacht vor drei Tagen", antwortete Wiroja.

„Was ist aus dem anderen Wolf geworden?"

„Der liegt jetzt als Mondwolf auf der Lichtung."

„Jetzt - als Mondwolf?, fragte Cyntia und schaute Wiroja überrascht an, „war er denn vorher keiner?

„Soweit ich es verstanden habe, nein. Aber genaueres kann dir nur Myriam sagen", erklärte Wiroja Die kleine Fee schüttelte den Kopf und Wiroja sah Zweifel in deren Augen.

„Mach dir darüber keine Gedanken, bat Wiroja aufmunternd, die glaubte, dass Cyntia sich mit Selbstvorwürfen quälte. „Myriam hat schon immer getan, was sie für richtig hielt. Sie hat ihre Feenkräfte eingesetzt, um das zu retten, was ihr wichtig ist.

Cyntia sah Wiroja verständnislos an. „Feen - Kräfte? Ich weiß nicht, was Myriam ist, aber eine Fee ist sie mit Sicherheit nicht!"

Empörung keimte in Wiroja auf. „Ist es denn so wichtig, ob man als Fee geboren wurde? Sie besitzt doch eure Fähigkeiten."

„Unsere Fähigkeiten?", wiederholte Cyntia mehr zu sich selbst, gefolgt von einem kurzen ironischen Lachen.

„Du verstehst nicht", kommentierte sie Wirojas wütenden Blick.

„Nein, ich begreife nicht, aber es wäre nett, wenn du mich aufklären würdest, erklärte Wiroja. „Sie hat doch nur bewirkt, was du auch getan hast. Ihr habt euch gegenseitig geheilt.

Cyntia riss die Augen auf. „Ich sie geheilt?"

„Ja hast du das denn nicht?", fragte Wiroja sichtlich überrascht.

„Nein! Ich halte mich selbst für keine schlechte Heilerin", begann Cyntia ihre Erklärung, „aber ihre Verletzungen hätten meine Fähigkeiten bei weitem überfordert. Das, was ich ihr gab, war die Menge eines Bechers in einem Fluss.

Es war so, als wenn ihr Ka, ich glaube, ihr nennt es das 'Höhere Wesen' oder Seele, sich weigerte, den Körper zu verlassen. Ich habe höchstens einen Stein angestoßen, der eine Lawine ins Rollen brachte. Mir ist nicht bekannt, dass es jemals eine Fee geschafft hat, tödliche Verletzungen zu heilen, nachdem sie selbst im Sterben gelegen hat. Wie viel ihrer eigenen Energie Myriam Feria gegeben hat, siehst du an der körperlichen Veränderung, die sich vollzog. Davon, dass sie mich auch noch heilte, brauchen wir erst gar nicht zu sprechen! „Das verstehe ich nicht, warf Wiroja ein, „du hast uns doch von einer Fee erzählt, die das gleiche getan hat."

„Das schon, fuhr Cyntia fort „aber dies hatte auch Auswirkungen auf ihre eigenen Kräfte. Ich habe es damals nicht erwähnt, weil es nicht wichtig war. Diese Fee - war über einen Monat lang nur in der Lage sich selbst zu heilen. Vielleicht verstehst du jetzt, warum ich sage, sie ist keine Fee. Sie ist viel mehr als das!

Gedankenversunken bereitete Wiroja für beide einen weiteren Becher Tee zu. Schweigend saßen sie sich gegenüber, bis Wiroja die Stille unterbrach. „Aber wenn Myriam sich selbst heilte, wieso hat es dich dann so viel von deiner eigenen Energie gekostet, dass du dem Tode nahe warst?"

Cyntia hob den Kopf und traurige Augen blickten Wiroja entgegen.

„Als - als ich ihr von meiner Energie gab, begann Cyntia zaghaft, „kam ich mit ihrem eigenen Energiefluss in Berührung. Dieser drohte mich mitzureißen. Die Gefühle waren so stark, dass ich bereit war, mich ihnen hinzugeben, um darin aufzugehen. Ich brauchte all meine Kraft um mich dagegen zu stemmen und in meinem Körper zu bleiben.

Cyntias Stimme war immer leiser geworden, so fiel es Wiroja schwer eine weitere Frage zu stellen.

„Ich wusste nicht, dass bei einer Heilung auch Gefühle eine Rolle spielen?", sagte Wiroja nach einiger Zeit leise.

„Tun sie auch für gewöhnlich nicht, aber bei ihr ist es so", erklärte Cyntia.

„Um welche Gefühle handelt es sich?"

Als Cyntia sie ansah, kullerten Tränen über ihre Wangen, während sie sprach. „Liebe, Wärme, Geborgenheit. Ich stelle mir vor, dass es einst so sein wird, wenn man das Haus der 'Großen Mutter' betritt."

Wehmut klang in Cyntias Stimme mit und Wiroja erahnte, was in dieser vorging.

„Wird vom Segen der Göttin sie begleitet", erklang ein Teil der Prophezeiung leise aus dem Wassereimer, der neben dem Kamin stand. Beide Frauen schauten überrascht dorthin, aber nichts weiter geschah.

„Seraphora, du kannst dich ruhig zeigen, wenn du schon lauschst", rief Wiroja und erhob sich um den Eimer zu holen.

Kaum stand dieser auf dem Tisch, erschien Seraphoras Gesicht über dem Rand. Seraphora verbeugte sich vor beiden, bevor sie sich an Wiroja wandte. „Erstens habe ich nicht gelauscht und zweitens erinnere ich mich daran, dass du mir erlaubt hast, dich hier zu besuchen. Wann immer ich möchte! Es war eher ein Akt der Höflichkeit, ich wollte euch …"

„Ich habe gelauscht!"

Ruckartig fuhren alle Köpfe herum. Myriam stand in der Tür der Schlafkammer und lächelte. Während Wiroja und Cyntia Myriam bereits in ihrem gereiften Körper gesehen hatten, war dies bei Seraphora nicht der Fall. Ihr war die Überraschung, im wahrsten Sinne des Wortes, anzusehen.

Normalerweise waren deren körperliche Konturen stabil.

Jetzt allerdings waren diese wackelig und verwaschen. Ein eindeutiges Zeichen dafür, wie der Anblick sie innerlich aufwühlte.

Myriam blickte auf die kleinen, zinnoberroten Flämmchen im Kamin. „Lodanis, du kannst ruhig auch erscheinen. Ich weiß sowieso, dass du da bist.", erklärte Myriam, während sie noch einige Holzscheite auf das Feuer legte.

Drei Augenpaare richteten sich auf den Kamin, wo ein kleines Gesicht von Lodanis erschien, das mit den Flammen größer wurde. Myriam ging um den Tisch herum und setzte sich an das andere Kopfende, so konnte sie jeden ansehen. Alle blickten Myriam entgeistert an.

Myriam lachte. „Ihr solltet eure Gesichter sehen."

Doch der überraschte Ausdruck der Freundinnen blieb.

„Was ist? Ich bin immer noch dieselbe."

„Dieselbe wie wann?", fragte Wiroja trotzig, worauf Myriams Lächeln verschwand.

„Deine Fähigkeiten erweitern sich so schnell, fuhr Wiroja fort, „und jetzt noch die körperliche Veränderung. Woher wusstest du das mit Lodanis? Hast du wieder ein neues Talent bekommen?

„Das weiß ich nicht, antwortete Myriam mit ernstem Blick. „Ich weiß nicht, welche Fähigkeiten noch in mir schlummern, aber mit Lodanis hatte es nichts zu tun, sondern nur mit Sehen und Wissen!

Wieder schaute sie in verständnislose Gesichter.

Myriam holte tief Luft, bevor sie weitersprach. „Wenn Holz heruntergebrannt ist, sind die restlichen Flämmchen blau. Diese brannten aber rot. Da Lodanis´ Flammen rot sind, wenn sie aufgewühlt ist, vermutete ich es einfach."

Wiroja nickte verstehend. „Ich werde uns etwas zu Essen zubereiten. Ich denke, ihr könnt beide etwas brauchen und ich habe auch Hunger, wechselte sie das Thema, bevor sie sich erhob. „Ich lege auch ein extra großes Stück Fleisch hinein.

„Für mich nicht", entgegnete Cyntia.

„Du wirst es brauchen um wieder zu Kräften zu kommen, genauso wie Myriam", widersprach Wiroja ihrerseits.

Cyntia lächelte. „Danke für deine Fürsorge mir gegenüber, aber ich glaube, du verwechselst hier etwas. Körperliche Nahrung ist wichtig, wenn der Körper geschwächt oder krank ist. Meiner ist gesund und unversehrt. Die Schwäche rührt daher, dass die höhere Energie aufgebraucht ist und diese lässt sich mit körperlicher Ernährung nicht viel schneller auffüllen."

Aus den Augenwinkeln heraus erkannte Wiroja, wie Myriam ihr einen bösen Blick zuwarf, weil sie sie dazu gezwungen hatte, Fleisch zu essen.

Auch Cyntia entging dies nicht, weswegen sie schnell hinzufügte: „Bei Myriam liegt der Fall etwas anders,

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