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Hannigan: Thriller

Hannigan: Thriller

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Hannigan: Thriller

Länge:
489 Seiten
6 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
30. Sept. 2017
ISBN:
9783864025518
Format:
Buch

Beschreibung

Es sind düstere Zeiten. Das Syndikat Gaia's Dawn schlägt zu, und wie Schachfiguren fallen nicht nur die strategischen Basen des Geheimbunds der Generäle, sondern auch das Hauptquartier der Free Allied Forces.
Während Admiral Henderson mit den Überlebenden verzweifelt zu einem Gegenschlag rüstet, ist Eileen Hannigan mit ihrem Team unterwegs, um einer Spur der verschollenen Gwendolyn Stylez nachzugehen. Was als Such- und Rettungsmission beginnt, entpuppt sich jedoch bald als Kampf ums nackte Überleben. Denn Hannigan läuft in eine Falle und muss den Verlust weiterer Team-Mitglieder hinnehmen, ehe sie auf die wahren Pläne Gaia's Dawn stößt.
Nur Hannigan und ihre kleine Gruppe können die totale Auslöschung der Menschheit verhindern!

Der vierte Teil um die fahnenflüchtige Exagentin Eileen Hannigan.

Packend. Schockierend. Hannigan!
Herausgeber:
Freigegeben:
30. Sept. 2017
ISBN:
9783864025518
Format:
Buch

Über den Autor


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Hannigan - Martin Kay

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Eiskalt

I want to know who the men in the shadows are

I want to hear somebody asking them why

They can be counted on to tell us who our enemies are

But they’re never the ones to fight and to die.

Jackson Browne – Lives in the Balance

Schanghai, China

Hafendocks

28. September, 03:12 Uhr

Die drei Wachleute hatten keine Chance. Zuerst erwischte es Greg Fitzsimmons. Ein Ploppen gefolgt von einem Schmatzlaut erfüllte die Luft, dann brach der Mann zusammen. Clint Cheung war der Nächste. Er machte einen Schritt vorwärts, geriet ins Taumeln, stolperte über den Körper seines Kollegen und blieb reglos auf ihm liegen. Der dritte Wächter, von dem seine Kollegen nur den Vornamen Han erfahren hatten, als er heute kurz vor Mitternacht frisch zum Überwachungsteam gestoßen war, kam immerhin dazu, seine Pistole aus dem Holster zu ziehen. Nur den Bruchteil einer Sekunde darauf begann er unter einem unsichtbaren Kugelhagel unkontrolliert zu zucken, ließ die Waffe fallen, torkelte rückwärts und prallte gegen den Zugang, den er bewachen sollte.

Aus den Schatten lösten sich zunächst zwei Gestalten, die mit grazilen Bewegungen über das Dach huschten, sich über die Wächter beugten und sich vergewisserten, dass diese tot waren. Dann sicherten sie den Eingang zum Treppenhaus mit schallgedämpften, halb automatischen Waffen und warteten auf ihre drei Nachzügler, die nicht minder anmutig über das Flachdach glitten und ihren Körper so lange aus dem Schein der Mondsichel hielten, bis sie den Aufgang erreichten.

Fünf Frauen, alle in eng anliegendem, lackschwarzem Catsuit und Stiefel gekleidet, bewaffnet mit MP7-Maschinenpistole und Glock-17-Pistole als Seitenwaffe. Eine der Frauen trug ihr strohblondes Haar zu einem lockeren, fast offenen Pferdeschwanz gebunden. Sie strich sich eine Seitensträhne aus dem Gesicht hinter das Ohr und aktivierte wie beiläufig die Sendeeinheit in ihrem Gehörgang.

»Ravenclaw an King’s Cross. Sind in Stellung.«

»Verstanden«, kam die Antwort prompt. »Bereithalten.«

03:14 Uhr

Die Sicht über die nächtlichen Docks Schanghais war für den Mann im Nadelstreifenanzug immer wieder ein berauschender Anblick, auch nach Jahrzehnten noch. Der Hafen war hell erleuchtet. Fluchtlicht, Arbeitsleuchten, selbst an den Kais festgemachte Schiffe strahlten von innen und erweckten den Anschein, als würde auf jedem Dampfer eine Party gefeiert werden. Hinter dem Hafen erhob sich die Skyline der chinesischen Großstadt mit unzähligen Wolkenkratzern und dem eindrucksvollen, futuristischen Fernsehturm.

Zigarre paffend, die Hände tief in die Hosentaschen vergraben, ließ der Mann vor dem Fenster seine Blicke über die Piers schweifen. Das Licht der Stadt wurde vom diesigen Himmel reflektiert und vermittelte eine gespenstische Atmosphäre. Vorn an der Anlegestelle, direkt gegenüber dem Bürogebäude, lag die Qing Ming Dao vor Anker, eines der kleineren Touristenschiffe, die vornehmlich für Hafenrundfahrten im Einsatz waren. An Deck bewegten sich zahlreiche Leute. Direkt dahinter auf dem Flussarm, der auf das Ostchinesische Meer hinausführte, kreuzte ein schnittiges Kreuzfahrtschiff an einem Frachter der Rickmers Line vorbei.

Für einen Moment verhüllte Zigarrenrauch die Sicht, als der Mann den Atem genau vor dem Fenster ausstieß. Schließlich wandte er sich ab und setzte sich in den gewaltigen Ledersessel an seinem Schreibtisch. An Nachtruhe war nicht zu denken. Männer seiner Art kamen mit zwei, höchstens drei Stunden Schlaf am Tag aus. Das Leben ruhte nicht. Die Geschichte ruhte nicht.

Er war einer der Menschen, die Geschichte schrieben.

Vor ihm lagen eine Handvoll Aktenstapel mit Manifesten, Konnossementen und Schiffsraumbuchungen – das meiste davon bestand nur aus Tarndokumenten für die Ly Shipping Line, in deren Gebäude sich die hiesige Abteilung des Verbunds der Generäle niedergelassen hatte und wirkte. Wer für die Ly Shipping arbeitete, ging einem ehrenwerten, nicht schlecht bezahlten Job nach, doch die wahre und wichtige Arbeit fand in einer anderen Welt tief unter den Docks statt. Dort existierte eine hochmoderne Basis, zu der fast einhundert Mitglieder der geheimen Organisation Zutritt besaßen.

Der General drückte die Zigarre in einem Ascher aus und zündete sich unmittelbar darauf eine neue an. Nachdem er zwei Züge genommen hatte, verharrte sein feister Finger über der Notruftaste der Gegensprechanlage, die die Basis unter den Docks in höchste Alarmbereitschaft versetzen würde. Die Entwicklungen der letzten Minuten waren ausgesprochen beunruhigend gewesen. Zuerst war der Kontakt zur Basis in Barcelona abgebrochen. Danach war die Verbindung nach Buenos Aires tot. Der Satelliten-Uplink war nicht mehr zu erreichen.

Der General atmete tief durch und drückte statt des Notrufs eine andere Sendetaste. »Mrs Stylez?«

Statt zu antworten, öffnete sich die Tür zu dem Büro und auf der Schwelle stand seine persönliche Assistentin Gwyneth Stylez in ihrem typischen Outfit, das für eine Stylez eher atypisch war. Statt eines Businesskostüms zog diese Mrs Stylez es vor, enge Hosen, Stiefel und ein schulterfreies Topp zu tragen. Sie wirkte in dem Aufzug eher wie Black Canary denn wie eine Sekretärin. Ihre eigentlich blonden Haare waren leicht rötlich gefärbt, für ein natürliches Rotblond dann doch wieder zu knallig. Sie war nicht immer so gewesen. Erst nachdem Gwendolyn Stylez aus Atlanta abtrünnig geworden war und sich mit der Hazarderin Eileen Hannigan verbündet hatte, ging in Gwyneth ein Wandel vor. Sie trainierte aktiv im waffenlosen Kampf mit den Feldagenten und nahm regelmäßig Unterricht im Gebrauch von Schusswaffen.

Der General hatte es gebilligt. Sicher war es nicht verkehrt, neben einer hochintelligenten Assistentin auch eine fähige Leibwächterin an seiner Seite zu haben.

»Sir?«

»Verbinden Sie mich mit Sydney.«

Mrs Stylez tippte auf dem Tablet-PC, den sie in ihrer Armbeuge trug. »Keine direkte Kommunikation möglich, Sir.«

»Wie Barcelona und Argentinien?«

Die Assistentin hob die Schultern und presste die in grellem Lila geschminkten Lippen aufeinander. »Ich setze unsere Techniker darauf an.«

»Beeilen Sie sich. Ich habe ein ungutes Gefühl.«

03:16 Uhr

Drei Schatten sprangen über die Reling der Barkasse, die am Pier festgemacht hatte, und liefen geduckt und gedeckt von zwei Scharfschützen zur gegenüberliegenden Seite. Im selben Augenblick zogen die uniformierten Wächter vor dem Lieferanteneingang der Ly Shipping Line ihre Pistolen, doch sie kamen nicht mehr dazu, die Waffen hochzureißen. Präzisionsschüsse zerfetzten ihren Kopf und hinterließen zwei breiige Flecken aus Schädelsplittern und Gehirnmasse auf der Wand und dem Glas der Eingangstür. Die drei herannahenden Schatten traten ins Licht des Eingangs und entpuppten sich als Frauen in enger, schwarzer Kampfmontur, ähnlich bewaffnet wie ihre Komplizinnen auf dem Dach. Eine der drei, mit hüftlangem, dunkelbraunem Haar, das mit blonden Strähnen durchsetzt war, tippte an den Kommunikationssender in ihrem Ohr.

»Slytherin an King’s Cross. In Stellung.«

»Verstanden, Slytherin. Auf mein Zeichen bereithalten.«

Die Anführerin der Gruppe bestätigte und gab dann ihren beiden Scharfschützinnen das Zeichen zum Aufschließen.

03:18 Uhr

Mrs Stylez kehrte, ohne anzuklopfen, in sein Büro zurück. Sie schüttelte den Kopf, als er aufsah.

»Nicht noch mehr schlechte Neuigkeiten.«

»Unser Satellit ist ausgefallen. Wir mussten CIA- und NSA-Kanäle anzapfen, um eine sichere Verbindung aufzubauen. Aber wir haben Kontakt.« Stylez wischte über den Touchscreen des Tablets und nickte mit dem Kinn in Richtung des Generals.

Die Freisprechanlage auf seinem Schreibtisch summte und kurz darauf meldete sich eine weibliche Stimme, die der Gwyneths ähnlich klang. Geraldine, die Assistentin seines Bruders in Sydney.

»Ja?«

»Mrs Stylez, hier ist Schanghai. Stellen Sie mich unverzüglich durch.«

Ohne zu antworten, schien die andere Stylez ihn direkt zu vermitteln. Es knackte kurz, dann ertönte eine tiefe, sonore Stimme, die wiederum der des Generals ähnlich war.

»Keine holografische Übertragung? Hast du auch Einwahlprobleme?«

Der General nahm einen Zug und stieß einen Rauchkringel aus. »Das ist wohl untertrieben. Wir benutzen die alten Frequenzen und Relaisstationen. Unser eigenes Netzwerk ist anscheinend offline. Keine Verbindung nach Barcelona oder Buenos Aires.«

Durch den Lautsprecher drang ein Geräusch, das dem General verriet, dass auch auf der anderen Seite jemand Zigarrenqualm ausblies. »Es ist nicht nur die Verbindung. Hast du es denn nicht gespürt?«

Der General schluckte. Ja, er hatte es gespürt. Wie jedes Mal, wenn einer seiner Brüder starb. Der Tod der Generäle in Spanien und Argentinien verursachte ein unerträgliches Ziehen in den Frontallappen seines Gehirns, weit mehr als ein simpler Kopfschmerz, intensiver als eine Migräne.

»Wir reden hier von einem Angriff«, sagte die Stimme aus dem Lautsprecher.

Er registrierte aus den Augenwinkeln, wie Mrs Stylez zusammenzuckte. Natürlich war das ein Angriff. Aber durch wen? Wer konnte so koordiniert gegen sie vorgehen? Im Grunde blieben nur zwei Möglichkeiten. Zum einen die Free Allied Forces, denen sich Eileen Hannigan angeschlossen hatte. Doch nach den jüngsten Ereignissen in Costa Rica sollte Hannigan zumindest für den Augenblick auf ihrer Seite stehen. Blieb nur noch eine.

»G-Dawn.« Er biss auf seine Zigarre und sog den Rauch durch die zusammengepressten Zähne ein.

03:19 Uhr

Fünf Taucherinnen näherten sich dem Pier unterhalb der Wasseroberfläche und stießen hinab in die Tiefe. Ihre Helmstrahler stanzten grelle Löcher in die Dunkelheit des Hafenbeckens, trafen auf Säulen und schließlich Fels. Ein Lichtkegel schweifte über eine Metallplatte unterhalb des Felssockels, auf dem der Hafen Schanghais errichtet worden war. Die Hand einer Taucherin deutete auf das Ziel und alle fünf schwammen in die gleiche Richtung.

Nur Sekunden darauf trat ein Schweißbrenner in Aktion und schnitt ein Loch in die Metallplatte. Flinke Hände griffen zu den Funktionsgürteln der Taucherinnen, zogen den Plastiksprengstoff ab und hefteten ihn an die Platte, stopften kleine C4-Stangen in das ausgefräste Loch. Danach zogen sich die Taucherinnen in eine sichere Distanz zurück.

»Gryffindor an King’s Cross«, meldete die Anführerin über Helmfunk an die Kommandobasis. »Wir sind bereit.«

»King’s Cross hat verstanden. An alle. Zugriff auf mein Zeichen in zehn … neun … acht …«

03:20 Uhr

»Ja«, sagte die Stimme aus der Gegensprechanlage. »Es kann sich nur um diesen verfluchten Narw…« Der General aus Sydney brach mitten im Wort ab. Im selben Moment war die Verbindung unterbrochen und nur einen Lidschlag darauf bohrte sich ein heftiges Stechen ins Gehirn des Generals, das ihm augenblicklich verriet, dass sein Gesprächspartner nicht mehr unter den Lebenden weilte. Panik keimte in ihm auf, als jäh ein Beben die Grundmauern des Gebäudes erschütterte.

»Mein Gott! Was geschieht da?«

»Wir werden angegriffen, Mrs Stylez«, sagte der General und hieb die Notfalltaste, wohl wissend, dass es längst zu spät für wirksame Verteidigungsmaßnahmen war. Tief unter ihnen war ein Generator explodiert und sekundäre Detonationen rüttelten an den Gemäuern. Hinter Mrs Stylez stürmten in Nanofasersuits gekleidete Frauen das an das Vorzimmer angrenzende Großraumbüro. Schüsse fielen. Die Mitarbeiter der Nachtschicht von Ly Shipping waren zu überrascht für Gegenwehr oder Flucht. Ihre Körper zuckten im Stakkato der automatischen Waffen, sackten in sich zusammen oder brachen über den Schreibtischen nieder.

Dann schoss ein giftgrüner Kreis durch das Büro und zerschnitt alles, was in seinem Weg war: Glas, Wände, Stahlträger, Mobiliar. Er fegte durch das Vorzimmer und erfasste Gwyneth Stylez in dem Moment, in dem sie sich auf dem Absatz umdrehte, um nach der drohenden Gefahr Ausschau zu halten. Das grelle Grün fraß sich durch ihren Körper wie ein glühender Faden durch Butter und verdampfte die Assistentin innerhalb eines Sekundenbruchteils zu Asche.

Der Lichtring schoss an dem General vorbei durchs Fenster, vaporisierte es ebenfalls und verpuffte dann wie ein Nebelschleier. Mit weit aufgerissenen Augen starrte der General zu der Stelle, an der gerade noch Mrs Stylez gestanden hatte. G-Dawn hatte wieder eine neue Waffe!

Weitere Kreise aus grünem Flackern und Pulsieren jagten durch die Einrichtung und fraßen sich durch die Räumlichkeiten. Kurz bevor einer der Lichtringe den General selbst erfasste und in ein Häufchen Asche verwandelte, jagten die Schmerzimpulse weiterer sterbender Brüder durch sein gemartertes Hirn.

Alexandria.

Teheran.

Aus!, dachte er und zerstob in einer grünen Lichtkaskade.

Schanghai war gefallen.

Tokio, Japan

28. September, 04:25 Uhr

Nur drei Minuten nach dem letzten heftigen Ziehen im Hirn des Generals tobte das Chaos auch bei ihm in der Basis in der japanischen Hauptstadt. Die Zeitverschiebung sorgte für eine Stunde Differenz zwischen Tokio und Schanghai, nichtsdestotrotz war der Angreifer auch hier auf Nippon und startete seine Attacke.

»Ich weiß nicht, wie lange wir uns noch halten können!« Die Stimme, die vom Panoramabildschirm her auf ihn eindrang, klang trotz des Chaos, das um seinen Bruder herum tobte, seelenruhig. Mumbai stand ebenfalls unter dem Feuer feindlicher Kräfte.

Mit der gleichen stoischen Gelassenheit begegnete der General Tokios dem Blick des anderen Glatzkopfs auf dem riesigen Display, die Hände tief in die Taschen seiner Armani-Anzughose vergraben, im linken Mundwinkel das Markenzeichen der Generäle – eine glimmende Havanna, an der er in unregelmäßigen Abständen paffte. Im Hintergrund registrierte der General explodierende Schaltanlagen. Mitarbeiter der Basis in Mumbai liefen heillos durcheinander. Schüsse peitschten. Und immer wieder blitzten grüne Lichtkreise durch den Aufnahmebereich.

Der kahlköpfige Mann auf dem Monitor, der ebenso wie der Beobachter auf dieser Seite des Schirmes eine Zigarre rauchte, sah kurz zurück, um sich vom Ausmaß der Zerstörung ein Bild zu machen. »Es ist hoffnungslos«, sagte er. »Ich habe sämtliche Daten an den Zentralrechner überspielt, aber bei der Präzision, die die Angreifer an den Tag legen, wird es nur eine Frage von Stunden sein, ehe sie auch bei dir aufkreuzen.«

Der General nickte. »Sie sind bereits hier.«

»Wer ist denn überhaupt noch übrig?«

»Rom. Sankt Petersburg. Johannesburg.«

»Sind die Brüder verständigt?«

Der Mann holte die Hände aus den Hosentaschen und verschränkte die Arme vor der Brust. »Ich habe nur Rom direkt erreicht. Die beiden anderen sind gewarnt worden. Ich hoffe, sie haben die Nachricht erhalten.«

Er sog an der Zigarre und blies den Rauch durch die Nasenlöcher aus. »Wenn wir beide fallen und wir Russland und Südafrika nicht retten können, dann ist Rom unser letztes Mittel, unser Vermächtnis zu bewahren.«

»Ich weiß, Bruder.«

Nur eine Sekunde darauf blendete grünes Licht die Kameraobjektive. Statisches Rauschen und Schnee erfüllte das Monitorbild und die Lautsprecher. Der General atmete tief durch. Nur noch vier Stützpunkte, von denen seiner bereits angegriffen wurde. Die Verteidigungsstrategie des Verbunds fußte auf Geheimhaltung. Nur wenige auserwählte direkte Mitarbeiter kannten die Standorte und hatten Zugang zu ihnen. Dementsprechend wurde auch das Wachpersonal klein gehalten. Ironie des Schicksals: Die Generäle befahlen die mächtigsten Armeen dieser Welt und hatten nur eine Handvoll Wachen, um sich selbst vor Angriffen von außen zu schützen.

Der General schaltete den Bildschirm ab und wandte sich zu seiner Assistentin Ginger Stylez um, die in ihrem knappen, schwarz-weiß karierten Minikleid und Stilettos mit einem Tablet-PC bewaffnet auf seine Anweisungen wartete.

»Der äußere Perimeter ist durchbrochen. Sie haben alle drei Zugänge entdeckt und die Wächter ausgeschaltet.«

»Kamerabilder?«

Mrs Stylez schüttelte den Kopf. »Die Liveübertragungen wurden gekappt oder die Kameras zerstört.«

»Es ist nicht notwendig, sie zu sehen. Wir wissen, wer uns angreift.«

»Aber warum jetzt? Gaia’s Dawn verfügt seit Jahren über das Potenzial, uns zu schaden. Es ergibt keinen Sinn, warum sie den Waffenstillstand jetzt brechen.«

Ein Rauchkringel löste sich von den Lippen des Generals. Er sah seine Assistentin an. »Oh doch. Den ergibt es. Wir wissen aus Costa Rica, dass Gretchen Stylez vom Feind umgedreht wurde. Da der Gegner mittlerweile ein profundes Wissen über unsere Anlagen beweist, müssen wir davon ausgehen, dass er dieses von ihr hat.«

»Ist Gwendolyn Stylez nicht auch in die Hände G-Dawns gefallen?«

Der General hob die Schultern.

»Was tun wir jetzt?«, fragte seine Assistentin mit einer Spur Angst in der Stimme.

Er drückte die Zigarre in einem Ascher auf seinem Schreibtisch aus. Seit über tausend Jahren leiteten sie die Geschickte der Welt. Und nun wurden sie mit einem Wisch vom Antlitz des Planeten gefegt. Sie hatten Gaia’s Dawn unterschätzt. Viel Hoffnung blieb nicht, und wenn es nach dem Willen des Vaters der Generäle ging, lag ihre letzte Chance in Eileen Hannigan.

Der Gedanke amüsierte ihn, dennoch lachte er nicht. Sie hatten Hannigan gejagt und fast getötet. Und jetzt sollte sie auf ihrer Seite stehen und das Erbe der Generäle bewahren?

Lachhaft.

»Sir?«

Der General reagierte nicht. Er ging um den Schreibtisch, ließ sich in den Ledersessel fallen und zündete eine neue Zigarre an. »Aktivieren Sie die Selbstzerstörung der Basis, Mrs Stylez, und leiten sie die Autorisierungscodes in mein Büro um.«

Die Augen der Stylez weiteten sich. »Aber … gibt es denn gar keine andere Möglichkeit?«

Er schüttelte den Kopf. »In wenigen Minuten werden die Gaia-Engel durch diese Tür stürmen. Wir haben verloren. Unsere Daten sind zu den sicheren Servern übertragen worden. Alles, was uns jetzt noch zu tun übrig bleibt, ist, so viele von Narwicks Schlampen mit in den Tod zu reißen, wie wir können.«

Mrs Stylez blickte ihn an. Sämtliche Farbe war aus ihrem hübschen, puppenhaften Gesicht gewichen, selbst ihr Lippenstift schien verblasst zu sein. Sie nickte kurz und wandte sich um. Das Klacken ihrer hohen Absätze auf dem Boden hallte in den Ohren des Generals nach.

Es dauerte keine drei Minuten, ehe die angeforderten Codes auf sein zentrales Schreibtischpult gelegt worden waren. Zwei Minuten später häuften sich die Meldungen vom Vordringen des Gegners. Nur kurz darauf waren die ersten Schüsse und das helle Singen der abgefeuerten Lichtkreise zu hören.

Um 04:37 Uhr Ortszeit autorisierte der General Tokios die Aktivierungscodes der Selbstzerstörung. Einen Countdown stellte er nicht ein. Sobald Irisscan und Fingerabdruck bestätigt waren, zündete der Hauptcomputer der Basis die Aerosolsprengsätze unter dem Stützpunkt und ließ die Einrichtung in einer Flammenlohe verdampfen.

Büros der Grapaccino Oil Company

5. Untergeschoss

Rom, Italien

20:37 Uhr

Von den 312 offiziellen Mitarbeitern der Grapaccino Oil Company wussten etwa ein einhundert, dass sich unterhalb der Tiefgarage noch ein Kellergeschoss befand, in dem hauptsächlich die Heizungsanlage, Notstromgeneratoren, die Klimaanlage und das Archiv untergebracht waren.

Von diesen einhundert kannten lediglich ein Dutzend das zweite Untergeschoss mit der Serverfarm, die Informationen für europäische Nachrichtendienste auswertete. Die Hälfte von diesen Mitarbeitern hatte Zugang zum zweiten Untergeschoss. Es enthielt auch Büroräume, in denen knapp fünfzig Angestellte der AISI arbeiteten, der Agencia Informationi e Sicurezza Interna – des italienischen Inlandsgeheimdiensts.

Nur zehn der fünfzig Angestellten waren in die Existenz der Untergeschosse drei und vier informiert. Drei der AISI-Mitarbeiter wussten, für wen sie in Wahrheit arbeiteten, und kannten auch das fünfte Kellergeschoss, etwa fünfundzwanzig Meter unter der Erde, vom vierten durch eine zwei Meter starke Betonschicht getrennt.

Die Belüftung für Basement 5 bestand aus einem ausgeklügelten System verschiedener Rohrleitungen, die über Umwege mit jedem anderen Untergeschoss verbunden war. Es gab keinen direkten Zugang von der Oberfläche zum tiefsten Punkt unterhalb des Gebäudes der Grapaccino Oil Company, sondern nur Umluftstationen, die gereinigte Luft über mehrere Rohrkanäle nach unten weiterleiteten. So wurde gewährleistet, dass Basement 5 nur einen einzigen Zugang besaß, durch den man hineinkonnte, einen Aufzug für maximal fünf Personen, der nur eine Verbindung zur Ebene 4 besaß. Von Ebene 4 gelangte man wiederum nur über einen Aufzug nach Ebene 3. Beide Etagen wurden von Sicherheitspersonal bewacht, dem das Waffenarsenal einer Armee zur Verfügung stand. Im Gegensatz zu den anderen Außenposten der Generäle legte man in Italien mehr Wert auf große Verteidigungskraft, allein um die Sicherheit der Serverfarmen zu gewährleisten, auch wenn diese nur ein Back-up des Zentralservers spiegelten.

Basement 5 war so gut wie unangreif- und uneinnehmbar.

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass es doch jemandem gelingen sollte, die Anlage zu infiltrieren, oder falls Gefahr durch einen Unfall, Brand oder eine Katastrophe drohte, gab es neben dem Aufzug einen einzigen Fluchtweg, durch den man nur aus Basement 5 hinaus, nicht aber herein gelangte. Der Fluchttunnel musste gesprengt werden, wenn man ihn passieren wollte.

Nur zwei der in Basement 5 beschäftigten zwei Dutzend Menschen wussten von diesem Notausgang: der General und seine Assistentin Mrs Gloria Stylez.

Während sich die Assistentinnen des Verbundes durchaus der Individualität hingaben und sich selbst eine persönliche Note zulegten, glichen die Generäle ihren Brüdern wie ein Ei dem anderen. So trug auch der Herrscher über den italienischen und mittlerweile auch britischen Raum einen grauen Armani-Nadelstreifenanzug mit Weste und Krawatte, schwarze Gucci-Schuhe und in seinem Mundwinkel steckte eine glimmende Havanna.

Gloria Stylez stand mit einem Tablet-PC in der Armbeuge am Rand des Konferenzzimmers in der Nähe des Eingangs. Sie trug eine blau-weiß gestreifte Bluse mit breiten, weißen Armmanschetten und einen engen grauen Rock, der knapp über ihre Knie reichte. Damit wahrte sie mehr Anstand als die meisten ihrer Schwestern. Ihre Füße steckten in Riemchenpumps und sie trug eine schwarze, blickdichte Strumpfhose. Ihr blondes Haar trug sie offen und gewellt. Als einzigen Schmuck gestattete sie sich eine Technobrille, die Daten direkt auf die Innenseite der Gläser projizierte.

»Wir sind so weit, Sir«, sagte Mrs Stylez.

Der General nickte und seufzte. Sein Blick blieb an den deutlichen Wölbungen der Brüste unter der Bluse hängen. Für einen Moment stieg das Verlangen in ihm auf, die Assistentin hier und jetzt auf dem Konferenztisch zu nehmen. Doch er wusste, dass dies nicht möglich war. Eine Lust, die nicht gestillt werden konnte, würde ihn in den Wahnsinn und Mrs Stylez in den Tod treiben. Aber was hatten sie schon zu verlieren? Ein letzter, nicht enden wollender Fick, ehe sie beide starben? Wer konnte es ihm verübeln?

Nein, sagte er sich, auch wenn er vor nicht einmal einer Minute den Todesimpuls seines in Tokio residierenden Bruders gespürt hatte. Noch wurde Rom nicht angegriffen.

Mit einem Ruck wandte er seine Augen von Stylez ab zu der Plasmaschirmwand am gegenüberliegenden Ende des Raumes. Das drei mal zwei Meter messende Display erwachte zum Leben und teilte sich in elf Einzelbilder, von denen neun schwarz blieben und nur zwei ein identisches Gesicht zeigten – das des Generals mit einer Zigarre im Mundwinkel.

Der General von Rom nahm einen tiefen Zug und blies einen Rauchkringel in die Luft. »Brüder. Wir verlieren an Boden! Die Lage ist ernst und spitzt sich extrem zu.«

Wie auf Kommando erschienen vor den Gesichtern der beiden anderen Generäle kleine graue Wolken von ausgestoßenem Tabakrauch.

»Der Angriff kam unerwartet«, sagte St. Petersburg.

»Die Entscheidung des Einen, Hannigan als unsere Heilsbringerin und Problemlöserin zu engagieren, ebenfalls«, gab Johannesburg dazu.

Der General von Rom hob beschwichtigend die Hände »Brüder! Wir müssen etwas unternehmen.«

Johannesburg nickte und beugte sich näher an die Kamera heran, sodass sein Gesicht das komplette, ihm zugesprochene Bild auf dem Plasmaschirm füllte. »Da stimme ich dir zu. Nur noch wir drei sind übrig. Unsere Daten sind sicher, aber wenn auch wir angegriffen werden und fallen, ist niemand da, der die Fäden zieht. Jemand muss Hannigan instruieren. Und wir brauchen die Stylez 2.0.«

Der General Roms schürzte die Lippen. »Die Evakuierung ist fast abgeschlossen. Sobald wir den Safepoint erreicht haben, werden wir Hannigan kontaktieren. Ich schlage vor, dass auch ihr eure Basen evakuiert.«

St. Petersburg nahm die Zigarre aus dem Mund und holte tief Luft. »Wenn es dafür nicht längst zu spät ist, mein Bruder. Wir legen das Vermächtnis unseres Verbunds in deine Hände.«

»Wir haben kaum noch Kontrolle.« Johannesburg.

»Wir nicht, aber Hannigan«, sagte Rom. »Organe und Teile des US-Militärs scheinen ihr zur Verfügung zu stehen. Es ist der Name Free Allied Forces gefallen und sie hat einen Stein im Brett beim Präsidenten der Vereinigten Staaten. Wenn wir G-Dawn zurücktreiben wollen, wenn wir sie daran hindern wollen, die Welt, wie wir sie kennen, zu vernichten, dann gelingt uns das nur mit Hannigans Hilfe und den Ressourcen, die ihr zur Verfügung stehen.«

»Mein Gott, ich hätte nie gedacht, dass es einmal so weit kommen würde«, sagte Johannesburg. »An welcher Stelle haben wir einen so gravierenden Fehler gemacht?«

»Wir haben Narwick gewähren lassen«, sagte Rom und sog an der Zigarre. »Ein Emporkömmling, den wir nie ernst genommen haben. Und jetzt vernichtet er uns.«

Ein Raunen klang aus den verborgenen Lautsprechern des Plasmaschirms, dann erloschen die Bilder auf dem Schirm und der General wandte sich ab.

Mrs Stylez sah ihn aus großen Augen an.

»Was haben Sie?«, fragte der General. Sie war bei der letzten Besprechung vor knapp zehn Stunden nicht dabei gewesen und wusste bisher nichts von den Ereignissen in Costa Rica.

»Nichts … nichts, Sir.«

Sie log. Er sah ihr an, dass sie Angst vor dem hatte, was kam.

»Treiben wir die Evakuierung voran«, sagte der General. »Je eher wir den Safepoint erreichen, desto besser. Ich verspüre nicht die geringste Lust, mir den Weg hier heraus freischießen zu müssen.«

»Ja, selbstverständlich.« Stylez drehte sich um und verließ das Büro.

Der General kam nicht umhin, ihr auf den wohlgeformten Hintern zu starren, und fragte sich, ob er es nicht doch irgendwann riskieren sollte, sich um den Verstand zu vögeln. Dann schüttelte er den Kopf, zog einen Aluminiumkoffer aus dem Schrank hinter sich und begann zu packen.

Das Dungeon

Geheime Bunkeranlage der FAF

Collier Lake, Nebraska, USA

27. September, 13:45 Uhr MST

Der Anschlag kam unerwartet, ohne jegliche Vorwarnung oder Anzeichen von Gefahr – mitten während einer laufenden Operation.

In einem abgelegenen Bereich jenseits der Hauptkorridore der unterirdischen Basis der Free Allied Forces befand sich eine Missionszentrale von der Größe einer amerikanischen Doppelgarage. Sie wurde vornehmlich für die Koordination und Überwachung kleinerer und geheimer Einsätze genutzt. So verhinderten die FAF, dass verdeckte Operationen einer zu großen Zahl Beteiligter zugänglich wurden. Lediglich die offiziellen Missionen wurden über die turnhallengroße Kommandozentrale in der Mitte der Einrichtung geleitet.

Der Alte Mann war vorsichtig geworden, seit Hannigan ihn darauf hingewiesen hatte, es könne sich ein Maulwurf in den Reihen der FAF befinden. Auch wenn sie keine Beweise hatte, gab es Indizien, die verrieten, dass sowohl die Generäle als auch Gaia’s Dawn über zahlreiche Schritte und Pläne der unabhängigen Streifkräfte unterrichtet waren und Gegenmaßnahmen ergreifen konnten. Eine Assistentin des Verbunds war zu G-Dawn übergelaufen, eine Agentin aus den Reihen der Gaia-Engel zu den Generälen. Für Hannigan war sicher, dass auch die FAF unterwandert waren, doch bisher gab es keine konkreten Hinweise auf einen Verräter.

Admiral Ewan Henderson blies die Backen auf und sah auf die Monitore, vor denen ein halbes Dutzend Männer und Frauen saßen, die er für vertrauenswürdig und loyal hielt. Wie bei allen Angehörigen der Free Allied Forces waren auch diese Soldaten und Agenten aus den offiziellen Streitkräften und Behörden der Vereinigten Staaten rekrutiert worden – zu einer Zeit, als Regierung, Ämter und Militär noch unter der direkten Kontrolle einer Schattenregierung gestanden hatten. Doch die Macht der Generäle war in den Staaten gebrochen worden. Es existierte niemand mehr der Zigarre rauchenden Glatzköpfe auf dem nordamerikanischen Kontinent. Ihre Basen waren aufgeflogen, die Drahtzieher und ihre Assistentinnen und Bedienstete tot oder geflohen. US-Präsident Brian Matthew Wallace war über alles instruiert und hatte in seinem Kabinett gründlich aufgeräumt. Die USA waren sauber. Dennoch hielten es der Präsident und Admiral Henderson für sinnvoll, die erst kürzlich etablierten Free Allied Forces weiterhin aufrechtzuerhalten und im Hintergrund agieren zu lassen.

Für den Fall der Fälle.

»Was zum Donnerkiel ist da los?« Der Alte Mann stützte sich auf die Rückenlehne des Sessels eines weiblichen Operators und beugte sich über ihre Schulter, um zu sehen, was sich auf ihren Displays abspielte. Zahlenkolonnen wanderten über die Bildschirme, unterstützt von einer thermischen Landkartendarstellung und einer Wellenform, deren Amplitude von einem Moment zum anderen auf die Nulllinie gefallen war.

»Wir haben den Funkkontakt zu Witness verloren«, sagte Sergeant Emma Brunswick mit einer Spur Unglauben in der Stimme. Dann sprach sie in das Mikrofon ihres Headsets. »Fortune an Witness One, kommen.«

Keine Reaktion.

Sie wiederholte die Anforderung.

Eine Antwort blieb aus.

»Schalte auf Multifrequenzband«, erklärte Brunswick und ließ ihre Finger über die Tastatur vor sich auf dem Tisch fliegen. »Kodiert. Fortune an alle Witness-Einheiten, kommen.«

Sie schüttelte den Kopf.

Der Admiral sah zur Seite und begegnete dem ratlosen Blick seiner Adjutantin Chief Warrant Officer 3 Samantha Burkh.

»Sie waren doch eben noch in der Leitung«, sagte sie.

»Fortune an Witness One, kommen. Fortune an Witness Two, kommen. Hört mich jemand?«

Brunswick blickte über ihre Schulter hoch zum Admiral. »Sir, die Leitung ist tot.«

»Satellit?«, fragte Sam Burkh.

»Verbindung steht«, antwortete ein Mann mit Corporalabzeichen auf den Schultern seiner Uniform. »Das Problem liegt aber nicht an der Verbindung, sondern an … Ach du Scheiße!«

»Sie sollen nicht fluchen, Sohn!« Henderson ruckte zu dem Corporal herum. »Reden Sie mit mir, Nolan. Ich brauche Text.«

»Sir, ja, Sir. Das Problem liegt an unserer Sendeanlage.«

»Was ist damit?«

»Sie … sendet nicht mehr. Ich glaube, wir wurden sabotiert.«

Kaum dass Corporal Nolans Worte über seine Lippen kamen, begann der Basisalarm zu schrillen.

13:51 Uhr

Das Auf und Ab der Sirenen ging Admiral Henderson durch Mark und Bein. Er schob sich zwischen Brunswick und Nolan und hieb auf die Kommunikationstaste mit direkter Verbindung zum Hauptkommandoraum des Dungeons.

»Henderson hier, was ist da los?«

»Wachtposten melden Eindringlinge im Nordflügel.«

»Woher?«

»Vermutlich über die Belüftungsschächte. Das Verteidigungssystem ist in dem Bereich ausgefallen.«

»Was heißt vermutlich? Haben Sie keine Bestätigung?«

»Negativ, Sir. Der Kontakt zum Wachteam ist abgebrochen. Wir haben bereits Sicherheitsleute losgeschickt.«

»Riegeln Sie die Sektion und alle Zugänge dorthin ab«, befahl Henderson und gab ein unzufriedenes Brummen von sich.

»Sir?«

»Sie haben mich verstanden. Henderson, End…«

»Sir? Wiede…ho… etz…«

Rauschen. Die Verbindung zur Kommandozentrale war ebenso tot wie die zu den Einsatzteams.

Henderson schaute zu der fünften Person im Missionsleitstand, einem schlanken, hochgewachsenen Mann mit kahl geschorenem Schädel namens Keith Costello. Er saß ebenfalls an den Pulten und ließ seine Finger über gleich zwei Tastaturen mit einer Geschwindigkeit gleiten, die wahrscheinlich sogar Gwendolyn Stylez vor Neid hätte erblassen lassen. Gleichzeitig warf er einen Blick auf zwei vor ihm liegende Smartphonedisplays und versuchte Kontakt zu jemandem über ein Kurzstreckenfunkgerät zu bekommen. Als er sich zu Henderson umdrehte, sprach sein Blick Bände.

»Sagen Sie’s nicht.« Henderson wünschte sich, seinen Kautabak nicht im Büro gelassen zu haben. Er brauchte den Priem, um einen kühlen Kopf zu bewahren und nachdenken zu können.

»Die komplette Kommunikation des Dungeons ist offline, Admiral«, sagte Sergeant Costello trotzdem.

»Haben …?«

»Wir sind blind und taub, Sir. Kein Netz, keine Verbindung zur Außenwelt.«

»Aber, das ist doch unmöglich!«, warf Sam Burkh ein. »Die Basis ist besser gesichert als das Cheyenne Mountain Operations Center.«

»Offenbar nicht.« Henderson atmete tief durch. Sein Büro lag nur einen Korridor von der Kommandozentrale entfernt. Wenn der unbekannte Eindringling bereits bis dorthin vorgestoßen war, konnte er die gesamte Basis abriegeln und einnehmen.

»Waffen?«

»Sir?«, fragte Costello.

»Wer von Ihnen hat eine Waffe dabei?« Der Alte Mann nickte mit dem Kinn in Richtung Costellos Holster.

»Beretta M9, zwei Magazine, dreißig Schuss.«

»Dito«, sagte Sergeant Nolan und trommelte dabei nervös mit den Fingern auf den Tisch.

»Unbewaffnet.« Das war Emma Brunswick, die sich zu Henderson umdrehte und ihm einen flehentlichen Blick zuwarf.

Er wusste, dass seine Adjutantin ebenfalls unbewaffnet war, und er selbst trug nur eine Beretta Nano mit sieben Schuss im Magazin in seinem Unterschenkelholster. Keine guten Aussichten, einen Eindringling abzuwehren, von dem sie nicht einmal wussten, wer er war, in welcher Stärke er auflief und wie es um seine Feuerkraft stand.

»Leck mich fett!« Henderson machte einen Schritt in Richtung Ausgangstür, als diese bereits aufgestoßen wurde. Sie war während der laufenden Operation zwar geschlossen, aber nicht verriegelt gewesen.

Statt eines vermeintlichen Angreifers erschien das stets gerötete Gesicht von Second Lieutenant Randall LaFleur im Türspalt. »Admiral, wir werden angegriffen! Colonel Gleeson schickt mich, um Sie zu eskortieren.«

»Gleeson?«, fragte Sam Burkh. »Wo ist Hodges?«

Der Lieutenant zuckte die Schultern und öffnete die Tür ganz. Er gehörte zur Basis-Sicherheit und war in Kampfanzug mit Kevlarkörperpanzerung gekleidet, die nicht nur Brust und Rücken, sondern auch Teile des Schulterbereichs und des Nackens vor Schüssen und Explosionssplittern schützte. Dazu trug er Helm und Schutzbrille und war mit einem Colt SMG bewaffnet. Im Hintergrund erkannte Henderson Corporal Anne McPierson an ihrem sommersprossigen Gesicht und dem geflochtenen schwarzen Zopf, der unter ihrem Helm herauslugte und der Remington 870, die sie in beiden Händen hielt und stets einer Maschinenpistole vorzog. Der dritte Soldat der Wachmannschaft war Staff Sergeant Ethan McGilian, ausgerüstet mit einem M4-Karabiner und Kobra-Visier, einer M9 als Seitenwaffe, einem Kampfmesser und zwei Blend- und Rauchgranaten.

»Freut mich, euch so rausgeputzt zu sehen.« Henderson verzog die Mundwinkel. »Aber hat irgendjemand einen Lagebericht?«

LaFleur schüttelte den Kopf. »Team

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