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4 Arztromane - Diagnose schwer verliebt

4 Arztromane - Diagnose schwer verliebt

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4 Arztromane - Diagnose schwer verliebt

Länge:
617 Seiten
8 Stunden
Freigegeben:
May 29, 2019
ISBN:
9781386023203
Format:
Buch

Beschreibung

4 Arztromane – Diagnose schwer verliebt

Ergreifende Romane um Liebe, Romantik und das Schicksal – Sammelband.

Dieses Buch enthält die Romane:


 

Glenn Stirling: Ich geb dir neuen Lebensmut

Glenn Stirling: Man kann nicht vor der Liebe fliehen

Glenn Stirling: Ich hab kein Glück in der Liebe

Glenn Stirling: Maria


 

Maria Lorenzo ist eine wunderschöne Frau und begnadete Sängerin; mit ihrer Stimme verzaubert sie ihre Zuhörer – so auch Dr. Rolf Heitland. Der lebensfrohe Toxikologe hat sein Herz an in die junge Sopranistin verloren, und nach einem Konzert versucht er sie zu überreden, im Klinikum rechts der Isar bei einem Weihnachtskonzert zu singen. Auch Maria verliebt sich auf den ersten Blick in den attraktiven Wissenschaftler, aber obwohl sie sich sehr zu ihm hingezogen fühlt, erscheint sie nicht zum vereinbarten Rendezvous. Denn sie weiß, was nur wenige Eingeweihte wissen: Sie hat nicht mehr lange zu leben – ein schwerer angeborener Herzfehler, der, wie es heißt, inoperabel ist, lässt ihr nicht mehr viel Zeit, ein Liebesglück zu erleben …

Freigegeben:
May 29, 2019
ISBN:
9781386023203
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

4 Arztromane - Diagnose schwer verliebt - Glenn Stirling

4 Arztromane – Diagnose schwer verliebt

Ergreifende Romane um Liebe, Romantik und das Schicksal – Sammelband.

Dieses Buch enthält die Romane:

Glenn Stirling: Ich geb dir neuen Lebensmut

Glenn Stirling: Man kann nicht vor der Liebe fliehen

Glenn Stirling: Ich hab kein Glück in der Liebe

Glenn Stirling: Maria

Maria Lorenzo ist eine wunderschöne Frau und begnadete Sängerin; mit ihrer Stimme verzaubert sie ihre Zuhörer – so auch Dr. Rolf Heitland. Der lebensfrohe Toxikologe hat sein Herz an in die junge Sopranistin verloren, und nach einem Konzert versucht er sie zu überreden, im Klinikum rechts der Isar bei einem Weihnachtskonzert zu singen. Auch Maria verliebt sich auf den ersten Blick in den attraktiven Wissenschaftler, aber obwohl sie sich sehr zu ihm hingezogen fühlt, erscheint sie nicht zum vereinbarten Rendezvous. Denn sie weiß, was nur wenige Eingeweihte wissen: Sie hat nicht mehr lange zu leben – ein schwerer angeborener Herzfehler, der, wie es heißt, inoperabel ist, lässt ihr nicht mehr viel Zeit, ein Liebesglück zu erleben ...

Ich geb dir neuen Lebensmut

Arztroman von Glenn Stirling

Der Umfang dieses Buchs entspricht 113 Taschenbuchseiten.

Endlich Urlaub! Schwester Monika freut sich schon lange darauf, mit ihrem Freund Gerd nach Spanien zu fahren. Doch am letzten Arbeitstag unterbreitet ihr Chef Professor Mertens ein unglaubliches Angebot. Sie soll in Italien einen herzkranken Freund des Professors pflegen mit einem Honorar, was weit über dem liegt, was sie jetzt bekommt. Monika ist überrascht und zugleich verunsichert, denn sie muss sich schnell entscheiden. Was soll sie tun? Was wird ihr Freund dazu sagen? Wird er es verstehen?

Monika trifft eine Entscheidung ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

1

Schwester Monika kämmte sich gerade, als ihre Kollegin, Schwester Rita, die Garderobe betrat. Schwester Rita trug noch die grüne Kleidung der Intensivstation. Mit einem erleichterten Seufzer zog sie sich die Haube vom brünetten Haar und schälte sich aus dem viel zu großen grünen Kittel. „Mein Gott, bin ich froh, dass wieder mal Schluss ist! Und dich beneide ich!", rief sie Monika zu.

„Ich beneide mich ja selbst, erwiderte Monika lachend. „Drei Wochen an nichts denken! Urlaub, Sonne, Meer!

„Und ich muss morgen wieder hierher. Ich würde etwas darum geben, in einer anderen Station arbeiten zu können."

„Dann hast du keinen Schichtdienst mehr wie jetzt. Die Bezahlung ist auch schlechter", meinte Monika.

„Ach, reden wir nicht mehr davon!, stöhnte Rita. Sie trat ans Fenster und blickte hinunter in den Hof. „Aah! rief sie über die Schulter zurück. „Dein Gerd ist schon da, nur mein Herr Gemahl lässt wieder mal auf sich warten. Aber vielleicht ist ihm etwas dazwischengekommen."

„Man sollte sich eben nicht mit Ärzten einlassen", meinte Monika lachend.

Rita wandte sich um und lehnte sich mit dem Rücken gegen das Fenster.

„Deiner will ja erst mal ein richtiger Arzt werden. Noch ist er Medizinalassistent. Es dauert noch eine lange Zeit, bis er mal richtig verdient. Auch Helmut ist noch nicht so weit. Ohne mein Einkommen könnten wir gar nicht existieren. Und dann diese Hobbys! Die Bücher! Was das alles kostet!"

„Aber wenn er mal fertig ist, verdient er einen Haufen Geld", meinte Monika.

„Ich weiß nicht!, erwiderte Rita resigniert. „Es kann sein, dass er hier an der Klinik bleibt. Er sagt immer, es könnten ja nicht alle Ärzte frei praktizieren. Es müsste auch an den Krankenhäusern erfahrene Leute geben. Sie lächelte matt, machte eine wegwerfende Handbewegung und sagte dann: „Reden wir auch davon nicht mehr! Denken wir an deinen Urlaub! Es steht also alles fest. Morgen früh geht’s los! Hat es denn mit dem Wagen geklappt?"

„Er hat einen gebrauchten gekauft. Dreitausend Mark! Soll noch ganz prima sein! Was ich gesehen habe, wirkt er tadellos. Gerd versteht ja etwas davon. Er muss es wissen."

„Eine weite Strecke! Musste es gleich Spanien sein?"

„Wenn schon, denn schon! Die Sonne soll scheinen! Wir wollen kein Risiko eingehen mit dem bisschen Urlaub, was wir haben."

„Na ja, ihr müsst es ... Rita wurde durch das Öffnen der Tür unterbrochen. Eine junge Lernschwester steckte den Kopf herein und rief: „Schwester Monika, der Chef möchte Sie dringend sprechen!

„Jetzt noch?, rief Monika entrüstet. „Ich habe Feierabend, und unten wartet mein Freund.

Die Lernschwester zuckte nur die Schultern und ging.

„Was wird er nur wollen?", wandte sich Monika an Ria.

„Ich bin keine Hellseherin. Geh einfach hin und frag ihn! Dann weißt du es. Sie strahlte Monika an, drückte ihr die Hand und sagte: „Macht es gut, ihr beiden! Ich wünsche euch alles das, was ihr haben wollt. Sonne, Meer und eine recht gute Fahrt. Kommt gesund wieder!

„Ich werde mich anstrengen", meinte Monika lachend und ahnte nicht, dass diese Fahrt nach Spanien niemals stattfinden sollte.

Kurz darauf hatte Schwester Monika die Desinfektionsschleuse der Intensivstation verlassen, überquerte den großen Flur im Treppenhaus und strebte mit raschem Schritt auf das Büro von Professor Mertens zu. Er war der Chefarzt der kardiologischen Abteilung dieser Universitätsklinik. Ein Mann, dessen Name Weltgeltung besaß.

Als Monika vor der Glastür einen Augenblick stehenblieb, sah sie ihr eigenes Spiegelbild. Sie hätte mit sich zufrieden sein können. Sie war schlank und gut gewachsen, hatte ein hübsches Gesicht, das von blondem Haar umrahmt wurde. Sie trug die Haare jetzt kürzer, und das stand ihr gut. Eitelkeit lag ihr nicht besonders. Amüsiert streckte sie ihrem Spiegelbild die Zunge raus, lachte und drückte die Klinke nieder. Wenig später stand sie vor dem Schreibtisch der ältlichen Sekretärin von Professor Mertens. Sie musterte Monika nur kurz, nickte, murmelte einen flüchtigen Gruß, dann deutete sie zur hinteren Tür, dem Allerheiligsten des Chefs.

Professor Mertens saß hinter seinem Schreibtisch und setzte gerade die Lesebrille ab, als Monika eintrat. Er war ein großer, schlanker Mann um die sechzig. In seinem Blick lag etwas Jugendliches, Strahlendes, das Monika immer wieder bewunderte.

„Wir haben uns heute ja schon gesehen. Nehmen Sie einen Augenblick Platz, Schwester Monika. Ich habe da etwas mit Ihnen zu besprechen."

Was will er mit mir besprechen?, dachte Monika. Sie spürte eine quälende Unruhe, so, als stünde ihr eine Entscheidung bevor, die sie nicht meistern konnte.

„Setzen Sie sich doch!, wiederholte der Professor und deutete auf den Stuhl dem Schreibtisch gegenüber. Monika gehorchte und blickte gespannt und doch etwas bang auf ihren Chef. „Ich habe gehört, dass Sie morgen in Urlaub gehen.

Monika nickte nur und ahnte das Schlimmste. War jemand auf der Intensivstation ausgefallen? Ob der Professor sie bitten wollte, dessen Platz zu übernehmen? Nein, dachte sie entschlossen. Das lehne ich ab. Diese Fahrt mit Gerd lasse ich mir nicht nehmen.

„Sie haben doch damals, begann der Professor, „auf der Intensivstation in Zimmer 7 b einen Patienten betreut, der mit einem schweren Herzmuskelschaden und einer Herzmuskelentzündung dort gelegen hat, später dann auf Station gebracht wurde und nach der Zeit auf der Intensivstation lange Zeit in äußerster Lebensgefahr schwebte. Ich meine Herrn Kern, weiß aber nicht, ob Sie sich noch an ihn erinnern.

Monika entsann sich tatsächlich nicht, denn zu viele Patienten lernte sie in der Intensivstation kennen. Manche, eigentlich zu viele, verließen die Intensivstation nicht, um auf Station gebracht zu werden, sondern gingen in ein anderes Reich, aus dem es keine Wiederkehr gab. Trotzdem war Monika bis heute nicht abgestumpft worden, obgleich sie dem Tod viel öfter ins Angesicht sehen musste als irgendeine ihrer anderen Kolleginnen auf den Stationen.

„Wenn ich mich recht erinnere, meinte der Professor, „hat dieser Patient euch Schwestern und auch den Ärzten auf der Intensivstation bei seinem Weggang Sekt und Kaviar spendiert.

Da kam die Erinnerung sofort bei Monika.

„Ach ja, sagte sie. „Es war ein älterer Herr.

Der Professor räusperte sich, lächelte dann und erwiderte: „Ja, von Ihrem Standpunkt aus ein älterer Herr, richtig. Er ist genau so alt wie ich. Wir hatten zusammen die Schule besucht. Er allerdings nicht mit dem gleichen Erfolg wie ich. Er verließ unser Institut seinerzeit schon vorzeitig, da er nun absolut von Schularbeiten nichts hielt, die Lehrer hingegen darauf größten Wert legten. Vielleicht ist das der Grund, warum später aus ihm etwas geworden ist. Er ist der Besitzer eines Riesenunternehmens, besitzt Stahlhütten und Maschinenfabriken. Ein Mann also, der, wie man so schön sagt, seinen Weg gemacht hat. Die Quittung für diesen erfolgreichen Weg hat er auch bekommen. Nun werden Sie sich sicher auch erinnern, wie schlecht es um ihn gestanden hat. Dieser, mein Schulfreund und Millionär, wird jetzt aus unserer Klinik entlassen werden. Entlassen bedeutet aber bei ihm nicht, dass man ihm einfach auf Wiedersehen sagt, sondern er bedarf weiterhin der Pflege. Sein Leben muss eine absolute Wendung nehmen. Seine Lebensweise vollkommen neu aufgebaut werden. Er hat früher aus dem Vollen genommen. Er war das, was man einen Lebemann nennt, der einerseits wie ein Pferd geschuftet, andererseits sich alles gegönnt hatte."

Als der Professor einmal eine Pause machte, schwieg Schwester Monika. In ihr war das beklemmende Gefühl, dass Professor Mertens dies alles nur erklärte, um sie für etwas zu gewinnen. Bevor sie den Gedanken zu Ende spann, fuhr Mertens fort: „Wir haben lange hin und her überlegt, ob ein Sanatoriumsaufenthalt für ihn nicht besser wäre als das, was er nun tun will. Wir sind aber zu der Überzeugung gelangt, dass aufgrund seines eigenwilligen Charakters der Aufenthalt in einem seiner Ferienhäuser in absoluter Ruhe, aber auch bei einer ausgezeichneten Pflege besser sein könnte als eine Kur im Sanatorium. Selbstverständlich bedarf er der ärztlichen Überwachung, aber das Wichtigste ist, dass ständig jemand bei ihm ist, der erstens einmal die notwendigen Maßnahmen ergreifen kann, die bei einem Rückfall notwendig sind, der aber andererseits auch die Lebensweise des Patienten überwacht. Ich habe im Gespräch mit der Frau von Herrn Kern und mit ihm selbst Sie als Pflegerin vorgeschlagen. Es fällt mir nicht leicht, so einen Vorschlag zu machen, zumal ich Sie als eine meiner besten Schwestern schätze, und in der Intensivstation sind Sie im Grunde unersetzlich."

Der Professor unterbrach sich und sah Monika lächelnd an, dann sagte er: „Trotzdem möchte ich diesen Dienst meinem Freund Kern erweisen. Es ist schon eine alte gute Freundschaft, für die man etwas Besonderes tut. Andererseits müssten Sie natürlich einverstanden sein. Das Angebot, das er Ihnen macht, ist so generös, dass Sie sich die Zeit nehmen sollten, darüber nachzudenken. Und jetzt nicht nervös auf die Uhr schauen, weil Sie vielleicht von jemand erwartet werden, der Sie abholen möchte. Schwester Monika, fuhr er eindringlich fort und sah sie ganz fest an. „Was ich Ihnen hier biete, ist die Chance Ihres Lebens. Es kann sein, dass Sie als hervorragende und sehr geschätzte Schwester der Intensivstation von Zeit zu Zeit hundert Mark und noch einmal hundert Mark mehr verdienen. Sie könnten möglicherweise sogar bevorzugte Stellungen innerhalb des Hauses erhalten. Aber das, was Sie bei Herrn Kern verdienen können und was Sie durch seinen Einfluss nach der Zeit bei ihm werden können, könnte ich Ihnen nicht einmal dann bieten, wenn ich Ihnen die Position der Oberin im Hause anzubieten hätte. Was Ihnen Max Kern im Monat zahlt, verdient in diesem Haus noch nicht einmal ein Oberarzt. Ich habe aber über die Einzelheiten mit Max Kern gesprochen. Er zahlt Ihnen einen Jahresvertrag. Sollte Ihre Arbeit aus irgendeinem Grunde vor Ablauf des Jahres enden, würden Sie das volle Gehalt ein Jahr lang weiterbekommen. Max Kern verpflichtet sich zu mehr. Die sozialen Leistungen sind einfach überwältigend. Was er von Ihnen verlangt, ist folgendes: Sie wohnen in seiner Nähe, Sie sind ständig für ihn verfügbar, Sie bestimmen, was er isst, was er trinkt, welche Medikamente er zu welcher Zeit nehmen muss, sofern sie ihm ein Arzt verschrieben hat. Sie überwachen die Einnahme, Sie entscheiden, ob ein Arzt geholt wird oder nicht, wann Herr Kern Ruhestunden haben soll, wann er sich bewegen muss und so weiter. Für dieses alles gibt es einen Fahrplan, den ich mit meinem italienischen Arzt durchgesprochen habe. Mit diesem italienischen Arzt, einem sehr tüchtigen Kardiologen, werden Sie dann auch alles Weitere besprechen können. Dottore Caspari wird die Einzelheiten mit Ihnen erörtern. Er spricht gut Deutsch, und es wird keine Probleme geben. Der Professor lächelte, blickte Monika abwartend an und fragte dann, als sie immer noch schwieg: „Sagen Sie gar nichts?"

„Herr Professor, ich hab’ Urlaub ... ab jetzt. Mein Freund wartet auf mich. Er ist unten, und wir wollten morgen früh beizeiten nach Spanien fahren. Können wir über all das nicht in drei Wochen sprechen, wenn ich wieder da bin?"

Einen Augenblick lang sah es aus, als würde Professor Mertens zornig. Doch dann hatte er sich wieder in der Gewalt, lächelte ein wenig enttäuscht und meinte: „Ich weiß nicht, ob ich mich nicht richtig ausgedrückt habe. Diese Chance, die ich Ihnen da biete, muss Sie doch beeindrucken. Ich weiß zufällig, wer Ihr Freund ist. Schließlich war dieser junge Medizinalassistent eine Zeitlang auch bei mir, und Sie sind sich doch hoffentlich darüber im Klaren, dass Sie diesem jungen Mann ein riesiges Opfer bringen, wenn Sie dieses Angebot hier einfach vom Tisch fegen. Ich habe mir da ein paar Zahlen notiert. Vielleicht sagt Ihnen das mehr. Sehen Sie einmal! Er schob ihr einen Zettel über den Tisch und deutete auf die oberste Zahl. „Dies ist Ihr Monatseinkommen. Sie leben gleichzeitig bei völlig freier Station, haben keinerlei Unkosten. Ihnen stehen die Fahrzeuge von Herrn Kern zur Verfügung, und statt morgen nach Spanien zu fahren, werden Sie übermorgen nach Sanremo fahren. Denn dort besitzt Herr Kern eine fantastisch eingerichtete Villa. Sie liegt oben am Hang, hoch über der Stadt mit einem herrlichen Blick auf das Mittelmeer, auf die Bucht von Sanremo und auf die Fülle pulsierenden Lebens in der Stadt, die sich zu Ihren Füßen befindet.

Monika starrte wie von Sinnen auf diese Zahl, diese gewaltige Zahl. Was sie dort sah als Monatsverdienst, dafür musste sie als Schwester der Intensivstation mehr als vier Monate schuften.

„Die Erholungszeit, die Herr Kern notwendig hat, wird mindestens ein Jahr betragen. Das heißt mit anderen Worten, er kümmert sich nicht mehr um seine Betriebe, hat die Leitung derselben einem Gremium übertragen, zu dem auch seine Söhne gehören, während er selbst erst einmal richtig auf die Beine kommen muss. Gelingt ihm das, wird er auch später die Unterstützung nötig haben, und so wird sich dieser Jahresvertrag automatisch verlängern. Das bedeutet, Sie werden sehr gut dastehen, Schwester Monika. Dies wird letztendlich auch für Ihren Freund angenehme Auswirkungen haben."

Sie schüttelte den Kopf.

„Wenn ich dort wohnen soll, in Sanremo ... mein Gott, Herr Professor ... ich hab’ mein Leben lang davon geträumt, einmal dahin zu fahren!"

„Jetzt können Sie sogar dort arbeiten. Und Sie werden sich bestimmt nicht dabei umbringen müssen. Es wird ein Urlaub mit etwas Arbeit sein, der hoch bezahlt wird. Begreifen Sie das denn nicht?", fügte der Professor etwas unwirsch hinzu.

„Natürlich begreife ich es, Herr Professor. Aber ..." Sie dachte an Gerd. Der würde nie zustimmen. Dem bedeutete Geld sowieso nicht viel. Vielleicht war dies der Grund, dass sie ihr Gehalt immer voll und ganz zuschießen musste und dennoch nie etwas übrigblieb. Nein, sagte sie sich, mit Geld kann Gerd nicht umgehen.

„Ich warte ... warte auf Ihre Zusage. Vergessen Sie diesen Urlaub, den Sie geplant haben! Vor Ihnen liegt die Chance Ihres Lebens."

Sie seufzte, stützte dann den Kopf in ihre Hände, als würde er ihr zu schwer. Aber sie brachte es zu keiner Entscheidung. Im Gegenteil, die Gedanken schwirrten ihr wie die Bienen durch den Kopf. Sie konnte überhaupt nicht mehr klar denken, schaute dann hilflos den Chefarzt an und starrte in seine blauen Augen.

„Was soll ich denn machen?", seufzte sie.

„Sagen Sie ja und verschieben Sie diese Reise. Natürlich bekommen Sie auch Urlaub bei Max Kern, aber nicht vor einem halben Jahr. Das ist der Zeitpunkt, wo wir glauben, dass kurzzeitig von jemand anderem die Pflege übernommen werden kann. Bedingung ist, dass Sie diesen Dienst sofort antreten, praktisch morgen früh. Im Augenblick ist ständig ein Arzt bei ihm. Auch der Italiener, jener Dottore Caspari, wird die erste Zeit noch den Dienst mit Ihnen teilen. Aber das darf kein Dauerzustand sein, und wir hoffen, dass der Augenblick in einem halben Jahr erreicht ist, da eine Betreuung loser gehandhabt werden könnte."

„Aber warum kommen Sie ausgerechnet auf mich, Herr Chefarzt?"

Der Professor lächelte nachsichtig.

„Soll ich Ihnen erst ein Denkmal setzen, das Sie bewundern können, um zu begreifen, was ich von Ihnen halte? Oder genügt es Ihnen, wenn ich Ihnen sage, dass ich niemand wüsste, niemand in der ganzen großen kardiologischen Abteilung, der für diese Aufgabe geeigneter wäre als Sie. Sie haben hervorragende medizinische Kenntnisse und konnten wieder und wieder auf der Intensivstation Ihre Fähigkeiten beweisen. Mehr möchte ich nicht mehr sagen. Vor lauter Lob könnten Sie mir noch übermütig werden. Also Schwester, was soll ich Max Kern sagen?"

„Kann ich denn nicht ... kann ich denn nicht erst einmal mit meinem Freund sprechen?"

„Ist er in der Nähe?"

Sie nickte.

„Er wartet unten."

„Dann holen Sie ihn herauf! Soll ich es ihm sagen?"

„O nein! Bitte lassen Sie mich es ihm selbst erklären!"

„Nun gut! Ich bin noch eine Stunde lang hier. Ich hoffe, es gelingt Ihnen in dieser Zeit. Aber in einer Stunde muss ich weg, und ich werde dann auch mit Max Kern sprechen. Bis dahin müssten Sie sich entschieden haben. Können Sie das?"

Sie schluckte verzweifelt.

„Ich will er versuchen", erwiderte sie mit erstickter Stimme.

2

„Ich glaub, du spinnst !", meinte Gerd und blickte auf Monika herab.

Sie sah fassungslos zu ihm auf. Er war größer als sie, breitschultrig und besaß ein schmales Gesicht mit einer hohen Stirn. Seine dunklen Augen waren vorwurfsvoll auf Monika gerichtet. Eine Locke seines brünetten Haares hing ihm in die Stirn. Seit kurzem trug er einen Bart, der ihm aber nach Monikas Meinung nicht besonders stand. Im Augenblick strich er sich mit dem Zeigefinger darüber und sagte dann, ohne auf Monikas Erwiderung zu warten: „Wie kannst du nur auf so einen Blödsinn eingehen? Was interessiert uns dieser Kerl? Pflegerin! Wenn ich das schon höre!"

„Aber es ist doch ausgezeichnet bezahlt! Der Chef würde es mir doch sonst nicht empfehlen. Der schickt mich doch nicht einfach irgendwohin."

„Das denkst du! Du hast mir doch soeben erzählt, dass sie Schulfreunde sind, und du begreifst nicht, was das wirklich ist. Ein Dienstmädchen bist du! Pflegerin! Ein Millionär, der es sich leisten kann, eine Krankenschwester als Dienstmädchen zu halten! Fantastischer Einfall!"

„Das kannst du doch nicht sagen, Gerd. Denk doch bloß daran, was er bezahlt! Und nicht nur das! Ich will ihn sowieso erst mal kennenlernen. Ob ich für ihn arbeite, weiß ich noch gar nicht. Aber man muss es doch wenigstens überlegen können. Du kannst es doch nicht grundsätzlich ablehnen."

Er schüttelte verwundert den Kopf.

„Nicht ablehnen? Natürlich müssen wir das ablehnen! Ich habe diesen Wagen doch nicht gekauft, damit er in der Garage steht. Wir wollen morgen damit in Urlaub fahren. Urlaub, den wir seit Wochen, seit Monaten planen! Jede freie Minute reden wir von nichts anderem als von diesem Urlaub. Und jetzt willst du ihn einfach nicht antreten. Willst diesen Kerl pflegen, den du gar nicht kennst, nur weil er gut bezahlt. Wer weiß, wie lange er gut bezahlt. Was machst du, wenn er stirbt?"

„Das Geld kriege ich ein Jahr lang, sagt der Chef."

„Ach, hör doch mit deinem Chef auf!, schrie er. „Die sind Freunde, die beiden! Du musst dich um dich selbst kümmern. Ich werde einmal mit deinem Chef reden.

„Nein, bitte, tu das nicht! Ich habe eine gute Stellung bei ihm gehabt bis jetzt. Und ich könnte sie weiter haben, wenn ich nicht auf dieses Angebot eingehe."

„Und du wirst nicht eingehen, beharrte er. „Wir beide wollten zusammen in Urlaub fahren, und dabei bleibt es!

„Du bestimmst nicht, was ich tue, widersprach sie in plötzlich erwachtem Trotz. „Ich weiß allein, was ich zu tun habe. Und wenn ich mit dir in den Urlaub fahre, dann tu ich es freiwillig und nicht, weil du es bestimmst, fügte sie heftig hinzu.

Er wurde hochrot im Gesicht, und sie sah ihm an, wie sehr der Zorn in beherrschte. Mein Gott, dachte sie, so weit ist es nun gekommen. Statt, dass wir beide glücklich sind und in den Urlaub fahren, streiten wir uns jetzt, und aus der ganzen Urlaubsreise wird auch nichts. Wozu haben wir uns nur so darauf gefreut?

„Entweder fährst du mit oder es ist aus mit uns", sagte er entschieden, richtete sich auf, und sein Gesicht nahm einen Ausdruck an, den sie an ihm kannte. Es war das Zeichen seiner Dickköpfigkeit, wenn er nicht mehr nachzugeben bereit war. Der Trotz stand ihm im Blick geschrieben, er presste die Lippen zusammen und verschränkte die Arme vor der Brust.

In ihr stieg der Zorn der Empörung auf. Sie konnte es für den Tod nicht ausstehen, wenn jemand versuchte, sie zu beherrschen, sie zu etwas zwingen zu wollen. Man konnte sie überreden, man konnte sie überzeugen, aber sie wollte sich nicht zwingen lassen.

„Ich komme entweder freiwillig mit oder gar nicht!, erwiderte sie. „Und ich lasse mich auch nicht von dir erpressen.

Er sagte gar nichts, zog nur die Augenbrauen hoch, als zeige er sich überrascht. Seine Art, wie er darauf reagierte, reizte sie noch mehr. Sie hätte das, was sie nun sagte, gar nicht sagen wollen und doch tat sie es: „Wenn es eben aus ist, dann ist es eben aus!, rief sie ihm zu. „Wenn unsere Freundschaft schon bei der geringsten Probe zerbricht, dann taugt sie nicht viel. Jedenfalls ist das meine Meinung, und jetzt gehe ich zum Professor hinauf und sage ihm, dass ich diese Arbeit übernehme.

„Dann habe ich das Auto für uns umsonst gekauft", erklärte Gerd.

„Ach hör doch mit diesem Auto auf! Ich hänge meine Zukunft nicht an ein Auto. Ich habe dir gesagt, was ich verdienen könnte, und ich habe dir auch die sonstigen Bedingungen genannt."

„Dreitausend Mark! Gespart - alles für diese Urlaubsreise! Und jetzt ...!", rief er klagend.

Auf einmal kam er ihr jämmerlich vor. Ein Auto, gespartes Geld, waren das seine Ideale? Er redet doch sonst nicht so viel vom Geld, sondern gab es nur aus.

„Es ist auch mein Geld, und meinen Anteil kannst du behalten, wenn dir daran so liegt."

„Ich frage dich zum letzten Mal!, rief er ihr zu, als sie schon gehen wollte. „Entweder du fährst morgen früh mit, oder es ist definitiv aus zwischen uns. Einmal für immer! Du kennst mich und weißt, dass ich tue, was ich verspreche!

„Schon wieder diese Erpressung! Woran denkst du eigentlich? An dich? Ich muss auch einmal an meine Zukunft denken. Das ist mein Beruf. Ich habe von meinem Gehalt Monat für Monat dazugegeben, damit du mit deinem kümmerlichen Gehalt überhaupt auskommen kannst, und ich habe es dir gern gegeben, weil es für deine Zukunft, für deinen Beruf war. Aber ich habe auch einen Beruf, und hier wird mir eben eine Chance geboten, die ich wahrnehmen möchte."

„Dir wird Geld geboten! Keine berufliche Verbesserung! Geld für einen Dienstmädchenjob!", sagte er barsch.

„Das ist nicht wahr. Der einzige Unterschied ist der, dass ich nicht vierundzwanzig Patienten zu betreuen habe, sondern nur einen."

„Einen, der das Geld hat, sich eine Pflegerin zu kaufen!"

„Und wenn schon!, entgegnete sie. „Für mich ist es eine Chance. Ich kann dieses Geld gebrauchen, und du könntest es auch gebrauchen. Wenn du nicht wie ein kleiner Junge hier trotzig herumtoben würdest, dann wüsstest du, dass wir dieses Geld nötig haben, wenn wir verwirklichen wollen, was wir uns vorgenommen haben.

„Begrab diesen Wunsch nach einer Heirat und einer gemeinsamen Wohnung! Ich für meinen Teil, erklärte er zornig, „verzichte darauf! Er drehte sich um und ging mit raschen Schritten über den Hof.

Sie blickte ihm fassungslos nach, streckte die Hände nach vorn, als wollte sie ihn festhalten, öffnete den Mund, als müsste sie ihm etwas nachrufen. Aber weder hielt sie ihn fest, noch kam ein Ton über ihre Lippen. Und er ging hin und drehte sich nicht um. Da drüben, als er den Querbau erreicht hatte, schloss sich die Tür hinter ihm. Noch einmal sah sie seine Gestalt durch das Glas hindurch, dann war er verschwunden.

„O mein Gott!, stammelte sie. „Warum musste das so kommen? Sie wischte sich entmutigt über die Stirn, atmete hörbar ein und starrte völlig verwirrt auf das Pflaster zu ihren Füßen.

3

Als sie ihn sah, erinnerte er sie sofort an einen riesigen Bär, der von einem Schuss niedergestreckt worden war und nur noch wie ein Schatten seiner selbst wirkte. Er hockte in einem schweren Ohrensessel, hatte die Arme schlaff über der Lehne hängen. Nur noch wenig von seinem durch die schwere Krankheit gezeichneten Gesicht erinnerte an seine ungeheure Energie und die Kraft, mit der er in der Wirtschaft ein Imperium aufgebaut hatte. Das einzige, was sie erkannte, war der ungeheure Lebenswille in seinen Augen. Er wirkte viel älter als Professor Mertens, was vermutlich auch durch seine Kahlköpfigkeit unterstrichen wurde.

Er musterte Monika mit durchdringendem forschendem Blick. Aber er bewegte sich kaum dabei und sprach kein Wort. Offensichtlich war er kurz vorher noch im Bett gewesen, denn sie sah, dass er einen Pyjama trug und darüber einen Morgenrock.

Hinter dem Ohrensessel stand seine Frau. Schwer vorstellbar für Monika, dass sie seine Frau war. Aber der Professor hatte sie als seine Frau bezeichnet. Sie hätte gut und gerne seine Tochter sein können. Monika schätzte, dass sie mindestens fünfundzwanzig Jahre jünger war als Max Kern. Und sie nahm sich auch die Zeit und ließ es sich etwas kosten, sich zu pflegen. Ihr dunkelblondes Haar floss wie Gold über ihre Schultern, und ihr Gesicht strahlte mit einem makellosen Make Up Jugendlichkeit und Frische aus. Sie war schlank. Die Proportionen wirkten betont, fast ein wenig aufreizend, wie es Monika schien. Ihr Äußeres bestand aus einer Mischung von Eleganz und bewusster Auffälligkeit. Zu einer schwarzen Bluse trug sie einen weißen Hosenanzug, der verhüllte und doch wieder auf alles hinwies, was diesen Körper der höchstens fünfunddreißigjährigen Frau ausmachte.

Monika konnte sich an Max Kern erinnern. Jetzt, wo sie ihn sah, fielen ihr alle Einzelheiten seinerzeit in der Intensivstation wieder ein. Da war es ihm wirklich sehr schlecht gegangen, und sein Leben hatte wahrhaftig am dünnen Faden gehangen.

Nun, da sie vor dem Ehepaar Kern stand, überfielen sie mannigfaltige Gefühle. Einesteils empfand sie eine starke Sympathie für den Patienten, aber zugleich auch eine deutliche Abneigung der Frau gegenüber.

„Sie sind also mein guter Engel für die nächste Zeit", sagte Max Kern mit einer Stimme, die noch etwas von der Kraft ahnen ließ, die einmal diesen Mann beherrscht hatte.

Monika lächelte sanft und erwiderte: „Ich werde mich jedenfalls bemühen."

Kein Wort mehr, wie sie noch zum Professor gesagt hatte, dass sie sich Max Kern erst einmal ansehen und dann entscheiden wolle, ob sie diese Arbeit annehmen wollte oder nicht. Nun zeigte sie sich fest entschlossen dazu.

„Es genügt, wenn Sie Ihre Arbeit verrichten, ein Engel brauchen Sie dabei nicht zu sein", sagte die Frau über die Lehne des Ohrensessels hinweg, und sie lächelte dabei. Aber die Schärfe in ihrer Stimme ließ Monika nicht eine Sekunde daran zweifeln, dass sie es so heiter nicht meinte, wie es sich anhören sollte.

„Etwas anderes habe ich auch nicht vor", entgegnete Monika, und es klang eigentlich wie eine Abwehr, wie eine Beteuerung. Als sie diese Frau ansah, empfand sie ihre eigene Unterlegenheit und spürte auch, mit welcher Selbstverständlichkeit diese Frau solche ätzenden Bemerkungen anwandte.

„Nun ja, ich glaube schon, Max, dass sie geeignet ist, sagte diese Frau jetzt und blickte dabei auf ihren Mann herab. „Dein Freund hat recht. Sie sieht ganz brauchbar aus.

In diesem Augenblick hätte Monika am liebsten auf dem Absatz kehrtgemacht und wäre gegangen. Und hätte Frau Kern nur noch einen Satz gesagt, wäre das auch bei Monika der Fall gewesen. Aber in diesem Augenblick hob Max Kern den Kopf und sagte mit einem Blick auf Monika: „So darfst du das nicht sagen, liebe Lucie! Nicht sie kann froh sein, dass ich sie brauchen kann, sondern ich empfinde es als großes Entgegenkommen von meinem Freund, dass er diese tüchtige Kraft freigibt und dass Schwester Monika mir helfen will."

Die Welle der Sympathie, die Monika dem schwergezeichneten Manne entgegenbrachte, wuchs noch an, während zugleich ihre Abneigung der Frau gegenüber eine weitere Steigerung erfuhr.

„Ich besitze ein Haus am Gardasee, erklärte Max Kern und sah Monika lächelnd an. Irgendwie kam er ihr wie ein Vater vor und der Blick, mit dem er sie musterte, erschien ihr gütig und warm. „Wir werden auf der ersten Etappe dorthin fahren und ein paar Tage dort bleiben, damit ich mich allmählich an das andere Klima gewöhnen kann. Von da fahren wir dann nach Sanremo weiter. Wissen Sie, es muss alles etwas langsam gehen. Früher bin ich im Jet geflogen, von einem Kontinent zum anderen, und nun müssen wir eine Reise nach Sanremo in zwei oder möglichst drei Etappen packen. Und so ist alles, was ich tue und lasse. Ich muss mich umstellen, muss es gemächlich machen. Jedenfalls wollen das meine Ärzte. Und noch bin ich schwach genug, dass ich gehorche. Er drohte ihr schelmisch mit dem Finger und fügte hinzu: „Sie müssen gut aufpassen, dass ich nicht eines Tages wieder ausbreche und doch wieder tue, was ich will!"

Monika wusste nicht recht, was sie darauf sagen sollte, nickte nur und lächelte zurück. Aber dann streifte ihr Blick das Gesicht von Kerns Frau und las darin den maßlosen Stolz und die Selbstüberschätzung, die Lucie Kern anhafteten.

Etwas später lernte sie dann im Hause der Kerns Dottore Caspari kennen. Er war ein Mann von etwa fünfunddreißig Jahren, dunkelhaarig, schlank und mittelgroß. Ein Quirl, der auf Monika den Eindruck machte, als könnte er keine Minute irgendwo ruhig sitzenbleiben. Ständig befand er sich in Bewegung, und wenn er wirklich saß, dann rutschte er unruhig auf dem Stuhl herum und begleitete seine lebhaften Reden mit heftigen Handbewegungen.

Der Professor hatte Caspari als guten Herzspezialisten empfohlen, und sicherlich stimmte diese Bewertung. Aber Monika gingen die schnelle Sprechweise und diese permanente Unruhe des Arztes regelrecht auf die Nerven. Andererseits war dieser Dottore Caspari fröhlich und hatte etwas Jungenhaftes an sich. Monika konnte ihm einfach nicht böse sein, musste lachen, wenn er erzählte und mit seinen Worten den Patienten sichtlich aufheiterte. Max Kern schien für Dottore Caspari etwas übrig zu haben und empfand es als wohltuend, was Monika auf die Nerven ging.

Frau Kern hatte sich verabschiedet und war verschwunden. Monika empfand es nicht als besonderen Verlust. Später stellte sich auch heraus, dass Frau Kern ihren Mann nicht auf der Reise begleiten würde, sondern erst in einigen Tagen nach Sanremo fliegen wollte.

„Wir haben ein kleines Reiseflugzeug, sagte Max Kern. „Mir ist das Fliegen ja jetzt verboten worden. Aber Lucie möchte nicht mit dem Wagen fahren. Es ist ihr zu anstrengend. Nun, soll sie! Ich komme auch allein da hinunter, zumal Sie, Dottore, und Sie, Schwester Monika, mich ja begleiten. Und außerdem ist ja noch Rolf da. Der wird uns fahren.

Monika konnte sich nicht vorstellen, wer Rolf war und hielt ihn für den Chauffeur von Herrn Kern. Dass dieser Rolf in ihrem Leben noch mal eine wichtige Rolle spielen sollte, ahnte sie in dieser Sekunde nicht.

Vom See her wehte ein sanfter Wind. Die Blätter der großen Pyramidenpappeln fächelten. Überall in den Zweigen zwitscherten die Vögel. Der Duft blühenden Flieders wehte Monika in die Nase. Sie saß in einem Schaukelstuhl, hatte die Beine übereinandergeschlagen und las in einem Buch ... nein, sie las nicht. Sie versuchte zu lesen. Aber immer wieder glitt ihr Blick über die Spitzen der Zypressen hinweg, vorbei an den blühenden Kastanien hinaus auf den See, der in einem tiefen Grün herauf leuchtete aus der Bucht von San Felice del Benaco. Sie sah drüben den steilen Felsen von Manerba, der aussah wie ein gewaltiger und überdimensionaler Bremskeil.

Blau in blau wölbte sich der Himmel über dem Gardasee. Monika hörte neben den Vogelstimmen das Lachen von Kindern irgendwo unten am See. Dann sah sie ein Schlauchboot, das knallgelb aus dem Grün heraus leuchtete. Kinder lachten und lärmten. Doch das Boot entfernte sich, die Kinderstimmen wurden leiser, und zurückblieb um Monika herum der Park mit seinen vielfältigen Geräuschen der Natur, dem Fächeln der Blätter, dem Zwitschern der Vögel, dem Rascheln des Grases. Ein Stück von ihr entfernt lag Leo, ein riesiger Bernhardinerhund, den sie aber als einen phlegmatischen Faulpelz kennengelernt hatte, der die meiste Zeit damit verbrachte, den Kopf auf die Vorderpfoten zu legen und zu schlafen.

Auch Max Kern schlief. Er ruhte auf einer Liege, gegen die Sonne durch einen Baldachin geschützt, neben sich auf einem Tischchen die Thermoskanne mit gekühltem Tee.

Drei Tage war Monika schon hier am Gardasee, und am liebsten wäre sie die ganze Zeit hiergeblieben. Aber Max Kern wollte noch weiter nach Sanremo. Dabei tat ihm die milde Luft hier wohl. Sein Zustand hatte sich fast von Tag zu Tag mehr und mehr gebessert. Dottore Caspari brauchte nicht mehr in greifbarer Nähe zu bleiben und hatte diese Möglichkeit auch heute schon ausgenutzt, um jemandem einen Besuch abzustatten, den er in Salo kannte. So waren Max Kern und Monika allein im großen Park und in dem wunderschön eingerichteten Bungalow, der Max Kern gehörte.

Entgegen Max Kerns Angabe hatte sie nicht jener Rolf, sondern ein Chauffeur aus Max Kerns Firma namens Schuster aus Deutschland hierhergefahren. Er war dann mit dem Wagen wieder zurückgekehrt, so dass ihnen hier nur ein kleiner Fiat zur Verfügung stand, den Dottore Caspari irgendwo gemietet hatte. Aber morgen, so war von Max Kern prophezeit worden, sollte jener Rolf kommen, um sie nach Sanremo zu fahren.

Monika verschwendete an diesen vermeintlichen Chauffeur weiter keine Gedanken und widmete sich wieder ihrem Buch. Doch schon nach kurzer Zeit musste sie an Gerd denken. Schon mehrmals in den letzten Tagen hatte sie über jenes unerfreuliche Gespräch mit Gerd im Hof der Universitätsklinik nachgedacht.

Wieder und wieder waren ihr die eigenen, aber auch Gerds Worte eingefallen, und sie fragte sich, ob dieses Gespräch nicht ganz anders ausgegangen wäre, hätte sie selbst sich nicht ganz so trotzig verhalten. Doch kurz nach dieser Überlegung musste sie sich eingestehen, dass sie den Ausgang der Unterhaltung im Grunde gar nicht so bedauerte. Sicherlich wäre sie gerne mit Gerd in den Urlaub gefahren. Und ganz bestimmt empfand sie hier oft genug Langeweile, obgleich gerade in den ersten beiden Tagen die Pflege von Max Kern eine Menge Zeit in Anspruch genommen hatte. Doch heute schon, am dritten Tag, benötigte er sie längst nicht mehr so sehr, und sie hatte Zeit zum Nachdenken gehabt. Dieses Grübeln aber machte sie in ihrer Meinung immer unsicherer. Sie begann sich öfter die Frage zu stellen als jemals zuvor, ob sie Gerd eigentlich geliebt hatte, oder womöglich noch liebte. Bei nüchterner Betrachtung konnte sie diese Frage nicht mehr mit Ja beantworten. Es war eine Freundschaft, sagte sie sich, und im Grunde nicht mehr. Eigentlich noch nicht einmal das. Wir kannten uns schon lange, wir hatten uns aneinander gewöhnt, aber geliebt ... Dann, so überlegte sie weiter, müsste ich Sehnsucht nach ihm haben. Aber sie sehnte sich nicht nach ihm. Im Grunde tat ihr die Ruhe gut nach der Hektik und der Plackerei in der Intensivstation. Sie empfand es als wohltuend, einmal die Beine ausstrecken und sich mit geschlossenen Augen zurücklehnen zu können, einfach dem Zwitschern der Vögel, dem Rauschen der Blätter lauschen zu können.

Ihr war, als hielte irgendwo in der Nähe ein Auto an, dann wurde ein Wagenschlag geschlossen, doch danach war es wieder still. Sie richtete sich auf, sah zum Haus hinauf, das weiß aus dem Grün von Büschen, Bäumen und Wiese leuchtete. Doch da war niemand.

Vielleicht der Dottore, dachte sie und lehnte sich wieder zurück. Sie schloss die Augen, ließ das Buch in den Schoß sinken und war ganz einfach glücklich und erlöst. Ab und zu öffnete sie die Augen und schielte hinüber zu Max Kern. Sein Atem ging ruhig. Sein vor Tagen noch blasses Gesicht zeigte Färbung, und in den Lippen war nicht mehr dieses krankhafte Blau, sondern sie leuchteten frisch und gesund.

Leo, der manchmal schnarchte, stieß jetzt einen grunzenden Laut aus, so dass Monika interessiert zu ihm hinblickte. Der große Bernhardinerhund hob den Kopf, schaute zurück zum Haus und grollte nun dunkel, dass es sich anhörte wie fernes Gewitter. Dann aber sprang er auf, fiepte und lief schneller, als es Monika je bei ihm gesehen hatte, zum Haus hin. Sie glaubte schon, ein Fremder sei gekommen, stand auf, sah oben am Haus einen jungen schlanken Mann, der mit langen Sprüngen dem großen Bernhardiner entgegenlief.

Um Himmels willen! Wenn Leo nun beißt! Vielleicht beißt er?, dachte Monika. Ich muss den Mann warnen.

Aber bevor sie es tun konnte, hatte der schon Leo erreicht, und zu Monikas Überraschung sprang Leo an dem Mann hoch. Der riesige Hund, der schwer genug war, um einen Menschen umzudrücken, legte dem jungen Mann die Vorderpfoten auf die Schultern und wurde von dem blonden schlanken Manne umarmt. Schließlich ließ sich Leo wieder auf die Vorderpfoten nieder, wich aber nun nicht mehr von der Seite des Mannes, der kein Fremder sein konnte. Nein, dachte Monika, einen Fremden hätte Leo bestimmt nicht so begrüßt.

Sie sah ihn an, und schon in diesem Augenblick empfand sie etwas Eigenartiges für diesen Menschen, den sie gerade jetzt zum ersten Male sah. Er war groß und blond, besaß ein zwar schmales, aber dennoch kantiges Gesicht mit festen Lippen und Augen, die Witz, Unternehmungslust und Energie versprühten. Irgendetwas an diesen Augen kam Monika sofort bekannt vor, aber sie wusste nicht, woher sie diesen Blick und diese Art der Augen zu kennen glaubte. Irgendwo, dachte sie, habe ich ihn schon einmal gesehen, aber wo? Nein, ich habe ihn nicht gesehen, überlegte sie weiter, nur diese Augen. Ich kenne diese Augen! Wer hat diese Augen? Da stand er schon vor ihr und strahlte sie an.

Monika legte den Finger an den Mund zum Zeichen, dass er nicht so laut sein sollte. Er warf einen Blick auf den schlafenden Max Kern, nickte verstehend und sagte leise: „Ich bin heute schon gekommen, einen Tag früher. Wie geht es ihm?"

„Wer sind Sie denn?", fragte Monika.

„Ich bin Rolf. Noch nie von mir gehört?"

„Nicht so laut! Sie wecken ihn ja auf! Sie sind also der Chauffeur!"

Er schien einen Augenblick lang überrascht, dann nickte er und sagte: „Ja, ja, richtig! Ich bin der Chauffeur! Und Sie sind, möchte ich wetten, Schwester Monika."

„Woher wissen Sie das?"

„Man hat mir von Ihnen erzählt. Eigentlich wollte ich ja Sie ..., er zögerte einen Augenblick, dann sagte er: „den alten Herrn hierhergefahren haben, aber leider kam mir etwas dazwischen. Nun, was fangen wir mit dem angebrochenen Nachmittag an? Oben im Haus steht eine Tischtennisplatte. Wenn Sie wollen, hol’ ich sie heraus, und wir können etwas Pingpong spielen.

„Das würde ihn stören, das macht zu viel Lärm", erwiderte Monika.

„Dann erzählen Sie mir einen Schwank aus Ihrem Leben", fuhr er fort.

Sie sah ihn verstört an.

„Sie tun so, als würden Sie mich dreißig Jahre kennen."

„Ich kenne Sie ja auch dreißig Jahre. Sie sind genau die Frau, die ich mir immer vorgestellt habe, als Frau meiner Träume."

Sie lachte.

„Spinner, sagte sie. „Wie oft haben Sie das schon gesagt!

Er kraulte sich am Kinn und bewegte nachdenklich den Kopf.

„Ich weiß nicht, so an die achthundertmal werden’s schon gewesen sein."

Sie lachte wieder, ohne ihm böse zu sein.

„Ich hatte mir immer vorgestellt, sagte sie, „dass ein Chauffeur etwas anders angezogen ist als Sie. Sie kommen im karierten Hemd und mit Jeans! Wenn ich da an Herrn Schuster denke!

„Der liebe Schuster, meinte Rolf, „ich glaube, der ist schon mit der Krawatte auf die Welt gekommen. Den kann ich mir anders gar nicht vorstellen. Aber wir leben in einer neuen Zeit, und ich gehöre dazu. Er sah sich suchend um. „Bekommt man hier etwas zu trinken? Ich habe einen mörderischen Durst. Kaffee oder so etwas?"

„Kalten Tee kann ich Ihnen anbieten."

„Das hört sich an wie kalter Kaffee! Ist im Hause etwas?"

„Alkoholische Getränke führen wir nicht. Die sind völlig im Haus gestrichen! Das einzige wären Limonaden. Kennen Sie sich so gut aus?"

„Sie haben doch gesehen, wie mich Leo begrüßt hat. So gut kenn’ ich auch das Haus. Komm, Leo, wir suchen uns etwas! Dein Freund hat Durst!"

„Aber Sie können doch nicht einfach ins Haus gehen", meinte Monika.

„Sie werden wahnsinnig staunen, liebe Schwester Monika, was ich alles kann." Und damit lief er los, und Leo folgte ihm. Mit federnden elastischen Sprüngen strebte er dem Haus zu. Monika sah den beiden nach, blickte dann auf Max Kern und gerade in dem Moment öffnete er die Augen.

„Was ... was ist denn? War da jemand da?", fragte er leise.

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