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Die Klinik am See 6 – Arztroman: Dr. Reichel im Zwiespalt

Die Klinik am See 6 – Arztroman: Dr. Reichel im Zwiespalt

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Die Klinik am See 6 – Arztroman: Dr. Reichel im Zwiespalt

Länge:
125 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 15, 2017
ISBN:
9783740920746
Format:
Buch

Beschreibung

Besonders beliebt bei den Leserinnen von Arztromanen ist der Themenbereich Frauenklinik. Gerade hier zeigt sich, wie wichtig eine sensible medizinische und vor allem auch seelische Betreuung für die Patientinnen ist, worauf die Leserinnen dieses Genres großen Wert legen. Die große Arztserie Klinik am See setzt eben dieses Leserinteresse überzeugend um.

Mit finster zusammengezogenen Augenbrauen blickte Dr. Thomas Reichel aus dem Fenster der geschmackvoll eingerichteten großen Wohnstube der in der ersten Etage des modernen Appartementhauses gelegenen Wohnung. Von hier hatte man einen herrlichen Blick über den Starnberger See, über dem sich an diesem Samstagnachmittag ein mit weißen Schäfchenwolken bedeckter Himmel wölbte.
Thomas Reichel, der wohlbestallte Anästhesist und Internist in der Frauenklinik am See bei Auefelden, hatte jedoch keinen Blick für diese Naturschönheiten. Hinter seiner hohen Stirn beschäftigte er sich in diesen Minuten mit anderen, profaneren Dingen. In seinen Zügen arbeitete es. Seine Augen zeigten einen Ausdruck aus einer Mischung von Enttäuschung und verhaltenem Zorn. Spätestens in diesen Minuten wurde ihm bewußt, daß er vergeblich hierhergekommen war. Langsam drehte er sich um und sah die auf der Couch sitzende dunkelhaarige Frau an, mit der er nun drei Jahre verheiratet war.
Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 15, 2017
ISBN:
9783740920746
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Die Klinik am See 6 – Arztroman - Britta Winckler

Die Klinik am See

– 6–

Dr. Reichel im Zwiespalt

Private Sorgen überschatteten seine Arbeit

Britta Winckler

Mit finster zusammengezogenen Augenbrauen blickte Dr. Thomas Reichel aus dem Fenster der geschmackvoll eingerichteten großen Wohnstube der in der ersten Etage des modernen Appartementhauses gelegenen Wohnung. Von hier hatte man einen herrlichen Blick über den Starnberger See, über dem sich an diesem Samstagnachmittag ein mit weißen Schäfchenwolken bedeckter Himmel wölbte.

Thomas Reichel, der wohlbestallte Anästhesist und Internist in der Frauenklinik am See bei Auefelden, hatte jedoch keinen Blick für diese Naturschönheiten. Hinter seiner hohen Stirn beschäftigte er sich in diesen Minuten mit anderen, profaneren Dingen. In seinen Zügen arbeitete es. Seine Augen zeigten einen Ausdruck aus einer Mischung von Enttäuschung und verhaltenem Zorn. Spätestens in diesen Minuten wurde ihm bewußt, daß er vergeblich hierhergekommen war. Langsam drehte er sich um und sah die auf der Couch sitzende dunkelhaarige Frau an, mit der er nun drei Jahre verheiratet war.

»Du bleibst also bei deinem Entschluß, Hanne«, stieß er fast heftig hervor. Das war weniger eine Frage als eine Feststellung.

»Ja, Thomas«, kam die Antwort, »und ich habe dir auch die Gründe erklärt. Ich liebe nun einmal meinen Beruf als Reiseleiterin, der mich die Welt kennenlernen läßt, und fühle mich mit meinen dreißig Jahren noch zu jung, um in einer Provinz…«

»Geschenkt, Hanne«, fiel Dr. Reichel seiner Frau hart ins Wort. »Ich weiß, was du sagen willst.«

»Dann ist es ja gut«, gab Hanne Reichel etwas schnippisch zurück. Nervös knetete sie ihre Finger. »Ich hätte allerdings etwas mehr Verständnis von dir erwartet.«

»Verständnis? Wofür?« konterte Thomas Reichel. »Etwa dafür, daß du mich, mit dem du seit drei Jahren verheiratet bist, zwei Drittel des Jahres allein läßt? Das ist ja lachhaft.«

Hanne wollte aufbrausen, besann sich aber im letzten Moment. »Begreife doch bitte!« kam es verhalten über ihre Lippen. »Ich bin zum einen noch zwei Jahre gebunden, und zum anderen möchte ich wirklich noch ein wenig von der Welt sehen.«

Thomas Reichel ließ einen erbosten Knurrlaut hören, versagte sich jedoch eine Entgegnung.

»Thomas, noch zwei Jahre«, verlegte sich Hanne aufs Bitten. »Dann aber – das verspreche ich dir – werde ich immer bei dir bleiben und dir eine liebende Ehefrau sein.«

Thomas Reichel trat dicht vor seine Frau hin. »Noch zwei Jahre zu den schon verflossenen?« stieß er fragend hervor. »Weißt du, was du da von mir verlangst?« Wild schüttelte er den Kopf. »Nein, das mache ich nicht mit. Das halte ich nicht aus. Die vergangenen drei Jahre habe ich ja fast wie ein Mönch gelebt. Aber ich bin eben ein Mann, der seine Frau aus Liebe geheiratet hat und von ihr auch etwas haben will.«

»Nun übertreibst du aber, Thomas«, gab Hanne zurück. »Von wegen – wie ein Mönch!« In ihren Augen blitzte es unwillig auf. »Habe ich dir nicht immer, wenn ich zwischen den Reisen wieder im Lande war, bewiesen, daß ich dich liebe? Hast du nicht bekommen, was eine liebende Frau ihrem Mann überhaupt geben kann?«

»Bewiesen, bewiesen«, stieß Dr. Reichel erbost hervor. »Ja, wir haben uns geliebt, wie das bei Ehepaaren nun einmal üblich ist. Alle Vierteljahre einmal. Aber verdammt, Hanne…«, er ballte die Hände zu Fäusten, »… ich will mehr. Eine ganz normale und harmonische Ehe möchte ich führen, ein Familienleben mit Kindern. Ist das denn wirklich so schwer zu verstehen?«

»Nein«, murmelte die Reiseleiterin. »Du sollst mir aber auch glauben, daß ich dich nach wie vor liebe und…«

»Ich glaube es nicht«, unterbrach Dr. Reichel seine Frau. »Wäre es so, dann würdest du die Reiseleiterin an den Nagel hängen und zu Hause bleiben. Du liebst statt meiner viel mehr diese sogenannte große Welt, in die du deine mehr oder minder betuchten Reiseteilnehmer führst – Europa, Afrika und Amerika. Da bleibt nicht viel Liebe für den eigenen Ehemann übrig. So ist es doch. Denk doch einmal nach, und du wirst feststellen müssen, daß unsere Ehe kühl, ja, fast kalt geworden ist.«

»Nein, das ist nicht wahr, Thomas…«, fuhr die junge Frau auf.

»Doch«, beharrte der Arzt auf seinem Standpunkt. »Nur von deiner Seite aus.« Zwingend blickte er seine Frau an. »Aber noch ist es nicht zu spät«, fügte er hinzu. »Du brauchst nur deinen Job aufgeben.«

»Nein, das kann und will ich nicht«, entgegnete Hanne Reichel in leicht aggressivem Ton. »Die Gründe kennst du.«

»Ist das dein letztes Wort?«

»Ja…«

Dr. Thomas Reichel versteifte sich. Seine Züge wurden kantig. »Tja, dann…, dann wird wohl eine…, eine Trennung ziemlich unvermeidlich sein«, brach es leise und stockend über seine Lippen. Er fühlte sich plötzlich elend. Er war gekommen, um Hanne zu bitten, nun endlich immer bei ihm zu bleiben und nicht andauernd in der Welt herumzureisen. Ein, zwei Kinder wollte er haben, und diese Kinder sollten eine Mutter haben, die sich täglich um sie kümmerte. Hanne aber dachte anders. Deutlich genug hatte sie es ihm in der verflossenen Stunde gesagt. So etwas wie Trotz meldete sich plötzlich bei ihm. Nein, betteln wollte er nicht. Das hatte er nicht nötig. Es tat weh, eine vor drei Jahren so gut begonnene Ehe in die Brüche gehen zu sehen.

»Waas? Trennung? Scheidung?« fragte Hanne Reichel in die sekundenschnellen Überlegungen ihres Mannes hinein. »Das…, das ist doch nicht dein Ernst.« Über ihren Körper lief ein Zittern. Die Vorstellung, Thomas für immer zu verlieren, brachte sie doch etwas aus der Fassung. Nicht im entferntesten hätte sie an eine solche Konsequenz gedacht. Nein, sagte sie sich in Gedanken, das macht er nicht, dazu hängt er doch zu sehr an mir, auch wenn ich durch meinen Beruf bisher wenig Zeit für ihn hatte.

Thomas Reichel nickte. »Es sei denn…«, sagte er, sprach aber nicht weiter.

Hanne wußte, was er mit diesem Wort andeuten wollte. Doch in diesem Augenblick meldete sich in ihr Trotz. Nein, erpressen lassen wollte sie sich nicht. Auch nicht von ihrem eigenen Mann. »Das wirst du nicht tun, Thomas«, flüsterte sie. »Das kannst du mir nicht antun. Überschlaf erst alles und komm zur Ruhe! Wir reden morgen nach dem Frühstück weiter«, fuhr sie ablenkend fort. »Ich brauche erst morgen nachmittag ins Büro, um die neue Reise zusammenzustellen…«

»Wann?« fiel Thomas Reichel seiner Frau hart ins Wort.

»Was wann?« Hanne verstand nicht sofort. Doch eine Sekunde später begriff sie. »Ach so«, kam es verhalten über ihre Lippen. »Du meinst den Beginn der nächsten Reise. Übermorgen«, setzte sie leise hinzu und wagte nicht, ihrem Mann in die Augen zu sehen.

»Wohin?« fragte der.

»Diesmal nach Kenia«, erwiderte Hanne. »Für vier Wochen.«

»Wie schön für dich«, stieß Thomas sarkastisch hervor.

Hanne zuckte zusammen. Dieser Ton tat ihr weh. Sie atmete tief durch. »Sprechen wir morgen weiter«, wiederholte sie und zwang sich zu einem Lächeln. Lebhafter werdend, fuhr sie fort: »Weißt du was? Wir fahren heute nach München, gehen ganz groß aus und werden dann eine wunderbare Nacht verleben. Morgen siehst du alles wieder mit anderen Augen.« Sich ihrer Ausstrahlung und deren Wirkung auf Thomas bewußt, schmiegte sie sich an ihn und versuchte ihm tief und lockend in die Augen zu sehen.

»Tut mir leid, Hanne, aber daraus wird nichts, kann nichts werden!« Sanft schob Dr. Reiches seine Frau von sich. »Ich muß zurück in die Klinik, denn ich habe Abenddienst.«

Hanne warf den Kopf in den Nacken. »Sieh an«, zischte sie, »du wirfst mir vor, daß ich wenig Zeit für dich habe. Wie sieht es denn bei dir aus? Deine Zeit wird ja auch zum größten Teil von der Klinik beschlagnahmt.«

»Das ist doch wohl etwas anderes«, versuchte sich Dr. Reichel zu rechtfertigen. »Ich bin Arzt, der für Kranke und Leidende dazusein hat. Arzt zu sein ist nicht allein ein Beruf, sondern eine Berufung, die dem Wohl der Menschen dient«, belehrte er seine Frau. »Das hast du gewußt, als du mich geheiratet hast.«

Hanne ignorierte diese letzte Bemerkung. Ihre Augen funkelten. »Meinst du damit etwa, daß meine Arbeit überflüssig oder vielleicht gar nur ein notwendiges Übel ist, das nur dem Vergnügen dient?« warf sie die Frage auf. Sie war jetzt ein wenig zornig.

Thomas Reichel zuckte mit den Schultern. »Zumindest ist sie nicht so wichtig wie die eines Arztes«, antwortete er.

In diesem Augenblick rastete bei Hanne etwas aus. »Dann fahr doch zu deinen Kranken«, fuhr sie auf. »Ich wollte dir heute eine liebende Frau sein. Aber wenn du deine Kranken mir vorziehst – bitte, ich halte dich nicht auf. Zum Betteln um deine Gunst eigne ich mich nicht.«

»Das trifft für mich auch zu.« Dr. Reichel straffte sich, neigte sich kurz zu der ein wenig kleineren Hanne hinunter, hauchte ihr einen Kuß auf die Stirn und ging.

Mit großen Augen starrte Hanne auf die Tür, die sich Sekunden darauf hinter ihrem Mann schloß. In ihrem Innern meldete sich ein Sturm von Empfindungen. Etwas drängte sie, Thomas nachzulaufen und ihm zuzurufen, nicht so von ihr zu gehen, aber sie brachte keinen Laut über die Lippen. Wie zu einer Salzsäule erstarrt stand

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