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Der letzte Zentaur: Novelle
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eBook49 Seiten37 Minuten

Der letzte Zentaur: Novelle

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Über dieses E-Book

Neue Deutsche Rechtschreibung
Paul Johann Ludwig von Heyse (15.03.1830–02.04.1914) war ein deutscher Schriftsteller, Dramatiker und Übersetzer. Neben vielen Gedichten schuf er rund 180 Novellen, acht Romane und 68 Dramen. Heyse ist bekannt für die "Breite seiner Produktion". Der einflussreiche Münchner "Dichterfürst" unterhielt zahlreiche – nicht nur literarische – Freundschaften und war auch als Gastgeber über die Grenzen seiner Münchner Heimat hinaus berühmt.
1890 glaubte Theodor Fontane, dass Heyse seiner Ära den Namen "geben würde und ein Heysesches Zeitalter" dem Goethes folgen würde. Als erster deutscher Belletristikautor erhielt Heyse 1910 den Nobelpreis für Literatur.
Null Papier Verlag
SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum31. Mai 2019
ISBN9783962811341
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    Buchvorschau

    Der letzte Zentaur - Paul Heyse

    Paul Heyse

    Der letzte Zentaur

    Novelle

    Paul Heyse

    Der letzte Zentaur

    Novelle

    Veröffentlicht im Null Papier Verlag, 2019

    1. Auflage, ISBN 978-3-962811-34-1

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    null-papier.de/katalog

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    Der letzte Zentaur

    (1904)

    Vom Turm der Frau­en­kir­che schlug es Mit­ter­nacht.

    Ich kam aus ei­ner Ge­sell­schaft, in der man sich ver­ge­bens be­müht hat­te, eine sehr lah­me und tro­ckene Un­ter­hal­tung mit gu­tem Wein in Fluss zu brin­gen. Der Kopf war mir im­mer hei­ßer ge­wor­den und das Herz im­mer küh­ler. End­lich hat­te ich mich weg­ge­stoh­len in den som­mer­war­men Mond­schein hin­aus und schlen­der­te ziel­los durch die to­ten­stil­le, taghel­le Stadt, um den Un­mut über die ver­lo­re­nen Stun­den ver­damp­fen zu las­sen. Als ich an der ehr­wür­di­gen Ma­ri­en­kir­che vor­bei durch das Frau­en­gäss­chen in die Kau­fin­ger­gas­se trat, blieb ich plötz­lich ste­hen.

    Mir ge­gen­über lag, sei­ne drei Stock­wer­ke mit den dunklen Fens­tern ge­gen Mit­ter­nacht er­he­bend, ein wohl­be­kann­tes Haus mit vor­sprin­gen­der Ecke und ei­nem blau­en La­tern­chen über dem Ein­gang, in dem ich vor mehr als ei­nem Jahr­zehnt man­che un­ver­ge­ss­li­che Nacht bei schlech­te­rem Ge­tränk als heu­te, aber un­ter feu­ri­ge­ren Ge­sprä­chen zu­ge­bracht hat­te. Ich las die In­schrift über der zier­lich ge­schnitz­ten, von zwei Ka­rya­ti­den ge­stütz­ten Hol­zum­rah­mung des Tor­wegs: »Wein­hand­lung von Au­gust Schi­mon«.

    Ja­wohl, sag­te ich vor mich hin, die Zei­ten wan­deln sich und wir mit ih­nen! Das ist noch der­sel­be Name, der da­mals in je­der Wo­che uns­re Lo­sung war. Aber der ihn trug, der be­hä­bi­ge Mann mit dem schwar­zen Kraus­haar und den ver­schmitz­ten klei­nen Au­gen, – wo ist er hin­ge­kom­men? Sein Glücks­stern hat­te nur über die­sem Hau­se leuch­ten wol­len. Als er es ver­ließ, um in ei­nem pracht­vol­len Ho­tel den Wirt zu ma­chen, war es mit ihm rück­wärts ge­gan­gen, bis zu ei­nem trau­ri­gen Ende. Sei­ne Gut­mü­tig­keit soll ihn in un­glück­li­che Spe­ku­la­tio­nen an­de­rer ver­wi­ckelt ha­ben, viel­leicht auch ein fan­tas­ti­scher Zug zum Gro­ßen und Ge­wag­ten, den er mit ei­ni­gen sei­ner Gäs­te ge­mein hat­te. Er war eben ein Idea­list un­ter den Gast­wir­ten, und sein An­den­ken ist mir teu­er ge­blie­ben, trotz sei­ner Wei­ne, auf die Freund Ema­nu­el da­mals nach der Me­lo­die des Dies irae¹ die schö­ne Stro­phe dich­te­te:

    Sed post Schi­mo­nen­se vi­num

    Ma­lum ve­nit ma­tu­ti­num,

    Luc­tum quod vo­cant fe­li­num!

    Heut­zu­ta­ge, da die Er­ben das Ge­schäft fort­set­zen, sol­len die Wei­ne sich be­deu­tend ge­bes­sert ha­ben und der al­ten Fir­ma Ehre ma­chen. Aber kön­nen die bes­ten neu­en Wei­ne für die gute alte Ge­sell­schaft ent­schä­di­gen, die nun nicht mehr von ih­nen trinkt und den trü­ben Le­the­trank oder selbst den Nek­tar der Uns­terb­lich­keit gern hin­gä­be um ein paar Fla­schen je­nes dun­kel­ro­ten Un­gar­wei­nes, den wir mit To­des­ver­ach­tung und »fest­lich ho­her See­le« so manch­mal hier »dem Mor­gen zu­ge­bracht«? Wie gern ließ’ ich al­les mor­gend­li­che Nach­weh über mich er­ge­hen, könnt’ ich noch ein­mal dich, teu­rer Ge­nel­li, hin­ter dem Ti­sche in dem nied­ri­gen leicht an­ge­rauch­ten Wein­stüb­chen sit­zen se­hen,

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