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Ermordet und kalt abserviert: Acht Krimis

Ermordet und kalt abserviert: Acht Krimis

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Ermordet und kalt abserviert: Acht Krimis

Länge:
955 Seiten
10 Stunden
Freigegeben:
Nov 25, 2018
ISBN:
9781386975632
Format:
Buch

Beschreibung

Kriminalromane der Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Spannende Romane in einem Buch: Ideal als Urlaubslektüre.


 

Dieses Ebook beinhaltet folgende Krimis:

Die Todesdroge (von A.F. Morland)

Drei Leichen im Keller (von Pete Hackett)

Der Freitagsmörder von (Pete Hackett)

Das Erbe des Snipers von (Pete Hackett)

Im Visier der Killerin von (Alfred Bekker)

Der Brooklyn-Killer von (Alfred Bekker)

Der infrarote Tod von (Alfred Bekker)

Wer hat Tommy entführt? (A.F.Morland)


 

Freigegeben:
Nov 25, 2018
ISBN:
9781386975632
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


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Ermordet und kalt abserviert - Alfred Bekker

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Ermordet und kalt abserviert: Acht Krimis

Sechs harte Krimis von

Alfred Bekker, A. F. Morland & Pete Hackett

EIN CASSIOPEIAPRESS E-Book

© by Authors

© 2015 der Digitalausgabe by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.alfredbekker.de 

postmaster@alfredbekker.de

Cover: Steve Mayer

Der Umfang dieses E-Book entspricht 700 Taschenbuchseiten.

KRIMINALROMANE DER Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Spannende Romane in einem Buch: Ideal als Urlaubslektüre.

Dieses Ebook beinhaltet folgende Krimis:

Die Todesdroge (von A.F. Morland)

Drei Leichen im Keller (von Pete Hackett)

Der Freitagsmörder von (Pete Hackett)

Das Erbe des Snipers von (Pete Hackett)

Im Visier der Killerin von (Alfred Bekker)

Der Brooklyn-Killer von (Alfred Bekker)

Der infrarote Tod von (Alfred Bekker)

Wer hat Tommy entführt? (A.F.Morland)

Die Todesdroge

A. F. Morland

DER UMFANG DIESES BUCHS entspricht 108 Taschenbuchseiten.

CIA-AGENT MIKE BORRAN muss tatenlos zusehen wie sein Kollege Malcolm Quiller entführt wird. Trotz intensiver Suche bleibt dieser verschwunden. Unterdessen wird Quiller von einem gewissenlosen Arzt ein Serum gespritzt, das ihn willen- und gefühllos werden lässt mit dem Ziel, ihn zu einem skrupellosen Handlanger von Doc Alpha zu machen. Erster Auftrag des kriminellen Multimilliardärs, der die Weltherrschaft anstrebt, ist der Mord an einer Staatsanwältin, die sich zur Aufgabe gemacht hat, Alpha-Agenten hinter Gitter zu bringen. Da sie mit Malcolm Quiller befreundet ist, öffnet sie ihrem Killer arglos die Tür ...

Copyright

EIN CASSIOPEIAPRESS Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Prolog

MALCOLM QUILLER DREHTE sich nervös um. Er blickte durch die Heckscheibe. „Sie sind immer noch hinter uns, Mike!"

„Nur die Ruhe, erwiderte Mike Borran. „Nicht die Nerven wegschmeißen, Quiller. Wir schlagen in Schuylerville noch einen Haken, und dann gucken die drei Alpha-Typen in die Röhre.

So stellte er es sich vor. Aber so spielte es sich nicht ab. Der Haken gelang ihm zwar hervorragend, aber die Alpha-Jäger waren keine Dummköpfe. Vor allem ihr Fahrer hatte einiges auf dem Kasten. Er blieb dran, ließ sich nicht abhängen. Jeden raffinierten Trick hatte er bereits gekannt. Er war ein Fuchs. Ein Vollprofi.

Und am Weir Creek passierte es dann: Da trieben die Alpha-Agenten die beiden CIA-Agenten Mike Borran und Malcolm Quiller in die Enge.

Jetzt wurde die Sache haarig ...

1

SIE SAßEN IN EINEM frisierten weißen Buick: Kirkie Cross, Raf Minelli und Abe Tenneray. Kerle ohne Gewissen. Verbrecherische Agenten, die ihre Seele gewissermaßen dem Teufel verschrieben hatten, der in diesem Fall Doc Alpha hieß.

Doc Alpha - ein größenwahnsinniger Multimilliardär, der die Weltherrschaft anstrebte. Jedes Mittel war ihm recht, um dieses Ziel zu erreichen. Er zettelte Kriege an, sorgte für Seuchen und Hungersnöte, wollte den ganzen Globus in ein furchtbares Chaos stürzen, und aus den Ruinen sollte dann seine brutale Herrschaft erstehen.

Männer, die nicht für Doc Alpha waren, waren automatisch gegen ihn, und wer gegen ihn war, der hatte in der Regel kein langes Leben. Feinde schaffte sich die Alpha-Organisation im Handumdrehen vom Hals, und einer ihrer erbittertsten Feinde war Mike Borran.

Er schlug der Vierten Macht Wunde um Wunde. Er stach in jedes Alpha-Wespennest und räucherte es aus. Viele Alpha-Pläne hatte er schon zunichte gemacht. Deshalb stand sein Name ganz oben auf Doc Alphas Liste. Der Führer der Vierten Macht hätte Mike lieber heute als morgen tot gesehen. Doch bis jetzt war es noch keinem Alpha-Agenten gelungen, Mike für immer auszuschalten.

Es wurde aber immer wieder aufs Neue versucht.

So wie in diesem Augenblick.

Diesmal hießen die Jäger Cross, Minelli und Tenneray, und sie waren nicht ungefährlich.

Die CIA-Agenten saßen in einem fuchsiaroten Chevrolet, den Mike Borran, die „Wunderwaffe" der Agency, steuerte.

Wunderwaffe deshalb, denn Mike besaß als einziger Mensch die Fähigkeit, sich einmal in vierundzwanzig Stunden für zwei Stunden unsichtbar zu machen. Ein Strahlenunfall in den Kensington Labors von Los Angeles, in denen Mike als Forscher tätig gewesen war, hatte die Molekularstruktur seines Körpers verändert.

Diese außergewöhnliche Fähigkeit war mit ein Grund, weshalb Mike Borran den Gegnern immer wieder ein Schnippchen zu schlagen vermochte. Hinzu kamen Mut, Ehrgeiz, Intelligenz, Einsatzfreudigkeit, Kampfgeist, hohe Moral ... und eine Menge Dinge mehr.

Kirkie Cross knüppelte den Buick hinter dem Chevy her. Raf Minelli saß im Fond des Wagens. Er hatte eine israelische UZI-Maschinenpistole auf seinen Schenkeln liegen, und er war mit dieser Waffe in der Hand ein kleiner Zauberer. Niemand erzielte damit bessere Schussleistungen als er.

Abe Tenneray, ein Bursche mit jettschwarzem Haar, ein Schönling, der bei den Mädchen von siebzehn bis siebzig gut ankam, leckte sich aufgeregt die Lippen: „Jaaa!, dehnte er. „Großartig, wie du das machst, Kirkie! Wir kriegen sie! Borran schafft es nicht, uns abzuschütteln!

Cross war das genaue Gegenteil von Tenneray — er war grundsolide hässlich.

In seinem Gesicht passte nichts zusammen. Die Augen waren zu klein, das Kinn zu groß und sprang zu weit nach vorn, die Nase war mehrfach eingeschlagen, und seine Beißerchen hätten einem Krokodil alle Ehre gemacht.

Er grinste breit: „Diesmal hat es Borran mit keinem Trottel zu tun. Die Tricks, die er anwendet, um mich loszuwerden, hat mein Großvater schon in der Pfeife geraucht."

„Weir Creek! Endstation!", rief Raf Minelli übermütig. Er sah aus wie Adriano Celentano, hatte aber einen wesentlich mieseren Charakter als dieser.

Mike Borran raste soeben in eine Sackgasse.

„Ihr wisst, wie wir mit den beiden verfahren!", sagte Abe Tenneray.

Cross nickte. „Borran machen wir fertig. Malcolm Quiller reißen wir uns unter den Nagel."

„Weil wir mit dem noch Großes vorhaben!", ergänzte Minelli.

Der CIA-Chevrolet schoss die Sackgasse bis zu ihrem Ende entlang.

Cross lachte. „Möchte wissen, wo Borran jetzt noch hin will."

„Und wie eilig er’s noch hat, kicherte Raf „Celentano Minelli.

Der fuchsiarote Chevy bog urplötzlich rechts ab. Er stieß in die Einfahrt eines Parkhauses hinein.

„Verdammt!", sagte Cross, der von dem Parkhaus nichts gewusst hatte.

Tenneray winkte ab. „Lass nur, Kirkie. Borran liegt trotzdem bereits in den letzten Zuckungen."

Der Chevrolet verschwand aus ihrem Blickfeld. Cross kitzelte die Touren des Buick hoch. Der weiße Wagen fegte durch die schmale Straße wie ein Torpedo durch das Abschussrohr.

„Vorsichtig!", rief Kirkie Cross und trat kräftig auf die Bremse. Die Pneus quietschten. Das Auto rutschte über den Asphalt. Cross ließ es im engen Bogen auf die Einfahrt zuschlittern und stoppte millimetergenau vor dem Schlagbaum.

„Sag bloß, das hast du gewollt", stöhnte Minelli, der mit zusammengepressten Zähnen auf den Aufprall gewartet hatte.

„Ich mach’ mit dieser Karre noch ganz andere Dinge, lachte Cross. „Willst du mal dabei sein, wenn ich mich absichtlich mit 180 Sachen überschlage?

„Vielen Dank, nein. Ich muss nicht von allem haben."

Cross zupfte die Parkkarte aus dem Automaten, der Schlagbaum wippte hoch, und der Buick preschte sogleich die Auffahrt hinauf.

„Augen offen halten, Freunde!", riet Abe Tenneray seinen Komplizen, während er seine Maschinenpistole aus dem Fußraum angelte. Es war auch eine UZI, und auch Cross stand so ein automatisches Feuerzeug zur Verfügung.

Der Buick schraubte sich im Parkhaus hoch.

Die Alpha-Agenten kontrollierten jedes Parkdeck. Die Etagen waren nicht nummeriert, sondern mit Buchstaben versehen: A, B, C, D, E, F, G ... Hier entdeckten die Männer der Vierten Macht das CIA-Fahrzeug.

Ein gemeinsames, triumphierendes Grinsen huschte über Tennerays Gesicht. „Jetzt haben wir die Brüder. Los, Freunde, spicken wir Borran mit Blei. Er hat sich das redlich verdient."

2

SIE ERREICHTEN „G und sprangen aus dem Chevrolet. Mike Borran zog seinen Smith & Wesson-Revolver. Er warf seinem Kollegen über das rote Wagendach einen raschen Blick zu. „Alles okay, Malcolm?

Quiller rümpfte die große gebogene Nase, sein Markenzeichen. Er war ein bulliger Kerl mit breiten Schultern und weißblondem Haar. Sein Hals war ein bisschen zu kurz geraten, aber das störte nicht. Wer ist schon perfekt?

„Wir sitzen ganz schön in der Tinte, Mike."

„Wir kommen da schon wieder raus", erwiderte Mike Borran optimistisch.

Der Alpha-Wagen schrillte die Auffahrtsschnecke hoch. Mike und Quiller gingen hinter einem Oldsmobile in Deckung. Sekunden später tauchte der weiße Buick auf.

Cross, Minelli und Tenneray hatten es sehr eilig, aus dem Wagen zu kommen. Quiller gab den ersten Schuss ab und er öffnete damit einen höllischen Feuerzauber, denn die Alpha-Agenten gaben jede Kugel, die in ihre Richtung flog, mehrfach zurück.

Ohrenbetäubend laut hämmerten die UZIs.

Die Alpha-Jäger schwärmten aus.

Mike Borran sah Kirkie Cross davonrennen und schoss sich auf ihn ein. Cross warf sich fluchend auf den Bauch und robbte in Sicherheit. Wenig später flitzte er hinter einem Kastenwagen hoch und ließ seine MPi Feuer und Blei speien.

Seine Kugeln zwangen Mike Borran in Deckung. Die Geschosse zertrümmerten die Heckscheibe des Oldsmobile, sie schrammten über das Wagendach und trommelten gegen die Betonwand.

Mike zog sich zurück.

Kugeln von Kirkie Cross und Raf Minelli rissen Löcher in den Oldsmobile-Tank. Mike hörte das Plätschern des auslaufenden Treibstoffs.

„Wir müssen weg von hier!", raunte er seinem Kollegen zu.

„Okay. Wohin?"

„Das ist egal. Nur schnell weg. Ein Funke genügt, und wir werden zu Grillwürstchen!"

Mike wies auf das Benzin, das träge über den Boden floss. Als Quiller die rasch größer werdende Pfütze sah, stieß er erschrocken hervor: „Großer Gott!"

„Sag’ ich ja", brummte Mike.

Sie setzten sich schießend vom Oldsmobile ab. Mit ihren Kugeln trieben sie die Alpha-Leute ein Stück zurück. Mikes Blick fiel auf eine Blechtür.

„Da hinein!", rief er Quiller hastig zu.

Sie setzten ihren Rückzug fort. Mike erreichte die Tür als Erster. Er öffnete sie, ließ Quiller an sich vorbei, folgte ihm, warf die Tür zu. Malcolm Quiller stöhnte. Mike dachte, er wäre verletzt und drehte sich hastig zu ihm um, und nun sah er auch, was los war. Sie hatten sich selbst ins Aus manövriert. Sie saßen in der Falle. Sie befanden sich in einem schmalen Raum, der nicht einmal ein Fenster hatte, nur Lüftungsschlitze, durch die das Tageslicht fiel. Ein Raum, in dem Werkzeug aufbewahrt wurde.

„Das war’s dann wohl!", sagte Malcolm Quiller enttäuscht. Er ließ seinen Revolver sinken.

Mike schüttelte hartnäckig den Kopf. „Nein, Malcolm, wir geben noch nicht auf. Noch sind wir nicht geschlagen."

„Wir können aus diesem Raum nicht mehr raus, Mike!, sagte Quiller eindringlich. „Der einzige Weg hinaus führt durch diese Tür, und vor der stehen drei Alpha-Killer

„Die können da nicht ewig stehen bleiben, sagte Mike. „Immerhin haben sie mit ihren UZIs ganz schön Rabatz gemacht. Das hat man bis weithin gehört. Es wird sich jemand finden, der die Polizei verständigt. Die Zeit ist auf unserer Seite. Wir brauchen nur dafür zu sorgen, dass die Alpha-Leute nicht hereinkommen.

Sie wollten nicht hinein. Jedenfalls nicht sofort. Sie klopften an, und zwar mit Kugeln. Raf Minellis Geschosse bohrten Löcher in die Blechtür. Mike Borran warf sich augenblicklich zu Boden.

Seine Kopfhaut zog sich schmerzhaft zusammen, als er Quiller aufschreien hörte. Sein Kollege wurde herumgewirbelt, der Revolver entglitt seinen Fingern, knallte gegen die Wand und fiel auf den Boden.

Und Malcolm Quiller fiel wie ein gefällter Baum um.

Abe Tenneray hastete zu Minelli. Er drückte den Lauf von Minellis Maschinenpistole nach unten. „Das war nicht klug, Raf."

„Wieso nicht? Borran befindet sich dort drinnen. Ich muss ihm nicht unbedingt in die Augen sehen, wenn ich ihn umlege. Hauptsache er ist tot."

„Und Quiller? Denkst du an ihn nicht? Minelli machte eine wegwerfende Handbewegung. „Muss es denn unbedingt Quiller sein? Wenn er draufgeht, spannen wir eben einen anderen CIA-Agenten vor unseren Karren. Es gibt sie zum Schweinefüttern.

Kirkie Cross gesellte sich zu seinem Komplizen. Er hatte den Schrei hinter der Tür vernommen. „Mindestens einen scheint es erwischt zu haben", sagte er.

„Hoffentlich Borran", brummte Minelli.

„Was nun?, fragte Cross. „Lange können wir nicht hierbleiben. Die Bullen werden bald kommen.

Abe Tenneray richtete sich vorsichtig auf.

Er lauschte. Nichts war zu hören. Kein Lebenszeichen hinter der zerschossenen Tür.

„Vielleicht hat es beide erwischt, meinte Cross. „Der eine konnte noch schreien, der andere nicht mehr.

„Was wirklich los ist, erfahren wir nur, wenn wir nachsehen, bemerkte Raf Minelli. „Aber das ist nicht ganz ungefährlich. Es wäre theoretisch auch möglich, dass sich beide bester Gesundheit erfreuen und sich bloß tot stellen. Der Schrei dient dazu, um die Sache echter aussehen zu lassen.

„Kommt, entschied Abe Tenneray. Sie schlichen auf die durchlöcherte Tür zu. Mit Handzeichen bedeutete Tenneray seinen Komplizen, sich beiderseits der Tür zu postieren. Dann rief er: „Borran!

Stille.

„Quiller!"

Keine Antwort.

„Kommt mit erhobenen Händen heraus!, forderte Tenneray die CIA-Agenten auf. „Und ohne Waffen!

Die Reaktion blieb aus.

„Ihr wisst, dass ihr keine Chance habt!, rief Tenneray. „Wenn ihr euch ergebt, lassen wir euch euer Leben. Wenn ihr auf stur schaltet, legen wir euch eiskalt um. Habt ihr verstanden?

Ja? Nein? Es war nicht zu eruieren, den hinter der Tür reagierte weiterhin niemand auf Tennerays Worte.

„Vielleicht sind sie wirklich alle beide hinüber", sagte Kirkie Cross.

„Borran! Quiller!, rief Abe Tenneray. „Ich zähle bis drei! Wenn ihr dann nicht herauskommt, holen wir euch!

Nichts passierte. Kein Geräusch war zu vernehmen. Cross biss sich gespannt auf die Unterlippe. Die UZI lag schussbereit in seiner Hand. Sollten Borran und Quiller wider erwarten die Tür öffnen, so würde er, Cross, sofort Mike Borran unter Beschuss nehmen, und es würde ihm ein teuflisches Vergnügen bereiten, den verhassten Gegner im Kugelhagel zusammenbrechen zu sehen.

„Eins!", rief Abe Tenneray, der die Angelegenheit lieber schon hinter sich gehabt hätte. Rasch zuschlagen und gleich wieder verschwinden, das war sein Stil, sein Erfolgsrezept. Dadurch war er noch nie in Schwierigkeiten geraten. Er wusste den Tatort stets rechtzeitig zu verlassen.

„Zwei!", rief er. Seine Stimme wurde lauter.

Raf Minelli musterte Tenneray. Er hätte schon längst drei gesagt. Wozu diese Verzögerung? Wozu Rücksicht nehmen auf Quiller? Wenn beide Agenten starben, war das auch eine gute Lösung. Niemand würde ihnen deswegen Vorhaltungen machen.

Sie konnten sich später statt Quiller einen anderen CIA-Mann holen.

Mike Borrans Freund Johnnie McIntire zum Beispiel. Oder Ben Copley. Die Auswahl war groß.

„Drei!", rief Tenneray endlich.

Doch hinter der Tür reagierte weiterhin niemand.

„Na schön", knurrte Abe Tenneray. „Wenn sie’s nicht anders haben wollen ...

3

MIKE BORRAN SCHLUCKTE trocken. War Quiller tot? Der Kollege lag wie tot auf dem Boden. Mit dem Gesicht nach unten, Arme und Beine ausgestreckt. Wie ein großes X. Reglos. Wo hatte die Kugel Malcolm Quiller getroffen? Oder war er gleich mehrfach verletzt worden?

Mike kroch auf allen vieren zu ihm. Er drehte den Mann behutsam auf den Rücken. Quillers Gesicht war leichenblass, die Lippen fahl, die Augen geschlossen. Mike tastete nach Quillers Halsschlagader. Er spürte nichts. War er zu aufgeregt dazu? Er beugte sich über den Kollegen und legte sein Ohr auf dessen Brust.

Das Herz schlug noch.

Dem Himmel sei Dank, dachte Mike Borran.

Aufgeregt untersuchte er den Bewusstlosen, und er stellte erleichtert fest, dass Malcolm Quiller lediglich eine Schramme abgekriegt hatte, einen Streifschuss an der linken Schläfe. Aber die Kugel hatte ihn immerhin so hart erwischt, dass er die Besinnung verlor.

Draußen forderte einer der Alpha Agenten sie auf, rauszukommen.

Mike reagierte nicht darauf. Er bemühte sich, Quiller wachzukriegen. Er schüttelte ihn und schlug ihn auf die Wangen, doch Malcolm Quiller blieb bewusstlos.

„Mist!", stieß Mike Borran leise hervor.

Draußen fing der Alpha-Agent zu zählen an. Mike dachte nicht daran, sich zu ergeben. Diese Kerle würde ihn mit Sicherheit nicht ungeschoren lassen, das hatten sie nur so gesagt. Das war kein Versprechen, an das sie sich zu halten gedachten.

Als Tenneray bei zwei anlangte, schaltete Mike Borran für einen Moment ab. Er konzentrierte sich auf den Strahlenunfall von einst, und als der Alpha-Jäger draußen „drei" sagte, setzte in Mikes Kopf ein kurzer, bohrender Kopfschmerz ein. Das untrügliche Zeichen dafür, dass er nun nicht mehr zu sehen war.

Nach zwei Stunden würde Mike noch mal so einen Schmerz spüren und wieder sichtbar werden.

„Na schön, hörte der Unsichtbare den Alpha-Mann sagen. „Wenn sie’s nicht anders haben wollen ...

Mike zog sich zurück. Die Tür wurde aufgerammt, und drei UZIs wiesen in den Raum. Hinter den Waffen standen die Agenten der Vierten Macht. Ihre Mienen drückten grausame Entschlossenheit aus. Sie waren bereit zu töten.

Mike Borran kannte ihre Namen nicht, aber er prägte sich ihre Gesichter ein. Wenn er Glück hatte, war ihre Beschreibung im CIA-Computer gespeichert. Die Daten über die Vierte Macht und deren Mitglieder wurden laufend auf den neuesten Stand gebracht.

Abe Tennerays Augen weiteten sich verwundert. „Verdammt, ich sehe nur Quiller!"

„Ich auch, sagte Kirkie Cross. „Leider.

„Wo ist Borran?, fragte Tenneray wütend. „Er hat sich doch mit Quiller in diesen Raum begeben.

„Das konnte niemand von uns genau sehen, bemerkte Raf Minelli. „Wir haben es angenommen. Vielleicht hat Borran vor der Tür die Kurve gekratzt. Er kann unter einen Wagen gekrochen sein.

Kirkie Cross kreiselte augenblicklich herum. Er und seine UZI suchten Mike Borran, während sich Minelli zu Malcolm Quiller begab.

„Ist er tot?", fragte Tenneray.

„Nein. Nur ohnmächtig. Streifschuss an der linken Schläfe."

„Los, wir nehmen ihn mit!", entschied Abe Tenneray.

„Und Borran?"

„Um den können wir uns jetzt nicht kümmern. Wir werden versuchen, ihn ein andermal zu kriegen."

Sie packten Malcolm Quiller und schleiften ihn aus dem Raum. Mike hätte keine Mühe gehabt, die drei Alpha Agenten abzuschießen, aber er war kein Mörder. Er tötete nur in Notwehr, wenn es sich nicht vermeiden ließ. Es widerstrebte ihm, sich mit diesen verbrecherischen Agenten auf dieselbe Stufe zu stellen.

Kirkie Cross sicherte mit seiner Maschinenpistole den Abtransport des CIA-Agenten. Tenneray und Minelli verfrachteten den Bewusstlosen im Fond des Buick.

„Borran ist wahrscheinlich längst über alle Berge", sagte Minelli.

„Das will ich nicht so recht glauben, erwiderte Tenneray. „Borran lässt keinen Kollegen im Stich. Es wäre eher sein Stil, wenn er versuchen würde, uns Quiller noch im Parkhaus wieder abzujagen.

Minelli grinste. „Das soll er mal versuchen. Dann kriegt er die Bleiladung in den Bauch, die er schon lange verdient."

Mike hatte einen Plan. Sobald die Alpha-Agenten mit Quiller abfuhren, wollte er ihnen folgen. Er würde sie gewissermaßen an der langen Leine traben lassen und sehen, wohin sie Quiller brachten und was sie mit ihm vorhatten.

Doch Kirkie Cross machte diesen Plan auf eine verdammt einfache Weise zunichte. Bevor er sich hinter das Buicksteuer setzte, trat er an die Blechtür. Ordnungsliebend wie er war schloss er die Tür und knallte den Riegel vor — und der Unsichtbare saß fest.

Mike hörte den weißen Buick abfahren. Er warf sich wütend gegen die Tür. Sie blieb zu. Da richtete er seine Waffe auf sie und zertrümmerte den Riegel mit mehreren Kugeln.

Jetzt war er frei.

Aber wertvolle Zeit war vergangen. Mike eilte zum Chevrolet, sprang hinein und raste los. Von G nach F, von F nach E, von E nach D — und so weiter. Den Drehwurm konnte man dabei kriegen. Endlich langte Mike Borran unten an. Er schob eine Münze in den Zahlschlitz. Der Schlagbaum hob sich, und ein Wagen, an dessen Volant niemand zu sitzen schien, verließ das Parkhaus.

Mike flitzte aus der Sackgasse. Hinter ihm bog nur wenige Augenblicke später ein Patrol Car der City Police ein. Mit heulender Sirene und Rotlicht.

Zu spät, dachte Mike Borran. Außer einer Bestandsaufnahme des Schadens gibt es für euch im Parkhaus nichts mehr zu tun. Schade. Wäre schön gewesen, wenn ihr ein paar Minuten früher dran gewesen wärt. Schön für Malcolm Quiller.

Mike sah den weißen Buick nicht mehr.

Das beunruhigte ihn.

An der nächsten Kreuzung musste er sich für eine von drei Straßen entscheiden. Welche Richtung hatten die Alpha-Agenten eingeschlagen?

Mike fuhr geradeaus weiter, und das war falsch. Er musste einsehen, dass es die Agenten der Vierten Macht geschafft hatten. Es war ihm nicht möglich, ihnen Quiller wieder abzujagen, und er hatte keinen blassen Schimmer, wohin sie ihn nun brachten.

Wütend fuhr er an den Fahrbahnrand und stieg aus. Niemand war in der Nähe, der sich darüber wunderte, dass sich die Autotür von selbst öffnete und auch wieder schloss.

An der nächsten Ecke stand eine Telefonbox. Auf die eilte der Unsichtbare zu. Ihre Tür schwang wie von Geisterhand bewegt auf. Mike fütterte den Automaten reichlich mit Geld, denn er wollte kein Ortsgespräch führen, sondern mit Washington telefonieren.

Genauer: mit Langley.

Noch genauer: Mit General Benson, seinem unmittelbaren Vorgesetzten.

Sobald die Verbindung zustande kam, nannte Mike Borran den Code, der ihn als CIA-Agenten auswies. Sekunden später hatte er Benson an der Strippe. „Es ist was passiert, Sir", fiel der Unsichtbare gleich mit der Tür ins Haus. Er hatte keinen Nerv für lange Vorreden.

„Was?", wollte Benson wissen. Er war ein harter Mann, der einiges vertragen konnte. Den warf nicht so schnell etwas um.

Mike berichtete im Telegrammstil. Als er erwähnte, dass sich die Alpha-Agenten Malcolm Quiller geschnappt hatten, stieß der General scharf hervor: „Und das konnten Sie nicht verhindern?"

Mike ärgerte sich. „Sie können mir glauben, dass ich mir Quiller wiedergeholt hätte, wenn es mir möglich gewesen wäre, Sir, erwiderte er schneidend. „Aber die Kerle haben mich eingesperrt, ohne es zu wissen. Als ich die Verfolgung aufnahm, war ihr Vorsprung bereits zu groß.

„Was haben die mit Quiller vor?"

„Keine Ahnung, Sir."

„Die Sache gefällt mir nicht, Mike."

„Mir auch nicht, Sir."

„Können Sie die Männer beschreiben?"

„Ich habe sie mit meinen Augen fotografiert", sagte Mike Borran und lieferte dem General drei Beschreibungen, mit denen sich sehr viel anfangen ließ.

„Ich lasse damit sofort den Computer füttern", sagte Benson.

„Darum wollte ich Sie bitten, Sir."

„Ich rufe Sie an, sobald ein Ergebnis vorliegt. Bleiben Sie in der Nähe des Telefons."

„Okay, Sir", sagte Mike und hängte ein. Ein Betrunkener torkelte die Straße entlang. Er brauchte für seine Serpentinen die gesamte Gehsteigbreite und blieb an der vermeintlich leeren Telefonzelle hängen.

„Hoppla ... hicks, sagte er. „Die müssen doch auch ihre Telefonzellen immer ausgerechnet dorthin stellen, wo ich gehe.

Er bekam die letzten Worte des Unsichtbaren noch mit. Da er in der Glasbox niemanden sehen konnte, blinzelte er verwirrt.

„Nanu", sagte er schwerfällig. Er kicherte. „Junge, jetzt geht’s mit dir bergab. Andere sehen kleine grüne Männchen oder weiße Mäuse. Du hörst in ’ner leeren Telefonzelle jemanden telefonieren ... 'Okay, Sir', äffte er nach, was er vernommen hatte.

Verwundert sah er das Telefonkabel, das vom Apparat weghing und sich im Nichts verlor, denn kleinere Gegenstände wurden auch unsichtbar, wenn Mike Borran sie anfasste, und dazu gehörte der Telefonhörer.

Der Betrunkene wischte sich benommen über die Augen. Er sah, wie sich das Kabel bewegte, und gleich darauf hing der Hörer am Haken.

Der verstörte Mann schüttelte den Kopf und wich von der Telefonzelle zurück. „Da geht’s nicht mit rechten Dingen zu!, keuchte er furchtsam. „In dieser Zelle steckt der Teufel!

Er wirbelte auf den Hacken herum und suchte bestürzt das Weite. Mike sah den armen Mann, den er so sehr erschreckt hatte, in einer Kneipe verschwinden, und er war sicher, dass der Betrunkene sich jetzt gleich noch einen über die Lampe gießen würde.

4

MALCOLM QUILLER ÄCHZTE leise.

„Er kommt zu sich", sagte jemand.

Quiller schlug die Augen auf. Er hatte Mühe, sie offen zu halten, und er nahm seine Umgebung nur verschwommen wahr. Seine Zunge lag wie ein dicker alter Boxhandschuh im Mund. In seiner Schläfe pochte ein brennender Schmerz. Er wollte danach greifen, doch etwas hinderte ihn daran, den Arm zu bewegen. Es dauerte eine Weile, bis er begriff, dass man ihn gefesselt hatte.

Die gewohnte Sehschärfe stellte sich wieder ein. Quiller erkannte, dass er sich in einem schmucklosen Raum befand. Kahle Wände. Ein Bett, ein Nachttisch, ein Stuhl — und auf den war er gebunden.

Zwei Männer traten in sein Blickfeld: Kirkie Cross und Abe Tenneray. „Wie geht es Ihnen?", fragte Tenneray.

Quiller erkannte die beiden wieder. Das waren die Kerle, die sie gejagt hatten. Ihr dritter Komplize fehlte, er befand sich nicht im Raum.

„Wo bin ich?", wollte Quiller wissen.

Tenneray grinste ihn an „Bei guten Freunden."

„Sie wollen mich wohl zum Lachen reizen."

„Ist das Köpfchen wieder in Ordnung?", erkundigte sich Kirkie Cross so, als würde er mit einem kleinen Jungen reden.

„Was wollt ihr von mir?", fragte Quiller.

„Wir möchten, dass Sie unsere Gastfreundschaft eine Weile in Anspruch nehmen", antwortete Tenneray.

„Und wozu?"

Tenneray zuckte mit den Schultern. „Damit wir uns näher kennenlernen."

„Ich lege darauf keinen Wert!", sagte Quiller eisig.

„Es wird Ihnen an nichts fehlen, versprach ihm Tenneray. „Wir werden dafür sorgen, dass Ihnen nichts abgeht. Hegen und pflegen werden wir Sie. Ja geradezu verwöhnt werden Sie von uns werden.

„Ich warte auf die Pointe", sagte Quiller ungerührt.

„Sogar eine ärztliche Betreuung werden wir Ihnen angedeihen lassen, bemerkte Tenneray, ohne auf Quillers Worte einzugehen. „Ich bin sicher, dass wir eines Tages noch sehr gute Freunde werden.

„In dem Punkt irren Sie sich gewaltig", erwiderte Quiller furchtlos.

„Sind Sie sicher?"

„Ich wollte, ich wüsste alles so genau wie das."

„Wir haben viel Zeit. Wir werden uns aneinander gewöhnen", sagte Tenneray.

Malcolm Quiller kniff die Augen zusammen. „Was habt ihr mit mir vor? Wie lange wollt ihr mich hier festhalten?"

„So lange, wie es nötig ist."

„Und was bezweckt ihr damit?"

„Sie werden für uns arbeiten."

Obwohl seine Lage verdammt mies war, lachte Quiller laut auf. „Sie sind verrückt. Das erleben Sie nie!"

Tenneray wiegte den Kopf. „Man soll nie nie sagen, Quiller."

„Ich will meine Karten offen auf den Tisch legen, sagte Malcolm Quiller. „Bei der ersten Gelegenheit, die sich mir bietet, haue ich ab.

„Geben Sie sich keiner falschen Illusion hin, entgegnete Tenneray. „Von hier kommen Sie erst weg, wenn wir damit einverstanden sind.

„Was für eine Art von Arbeit sollte ich für euch erledigen?", wollte Quiller wissen.

„Das teilen wir Ihnen noch rechtzeitig genug mit", antwortete Abe Tenneray.

„Sowie ich hier rauskomme, lasse ich euch alle hochgehen!, versprach Malcolm Quiller giftig. „Ich kann euch nicht riechen. Ihr stinkt. Ihr könnt euch mit der teuersten Seife waschen und in Eau de Cologne baden, ihr werdet trotzdem immer stinken!

Kirkie Cross fand, dass Quiller frech war. Er schlug ihn mit dem Handrücken ins Gesicht. Der Schlag brannte auf Quillers Wange. Er riss ihm den Kopf zur Seite.

„Aber, aber, Kirkie, rügte Tenneray grinsend seinen Komplizen. „So behandelt man doch keinen Freund.

„Es gefiel mir nicht, was er sagte, gab Cross grimmig zurück. Er starrte Quiller durchdringend an. „Hüte deine Zunge, Kamerad, denn wenn du mich reizt, schneide ich sie dir ab.

„Das tut er nicht wirklich, schaltete sich Tenneray ein. „Weil es nämlich nicht nötig sein wird. Sie haben der CIA heute ,Ade!‘ und der Vierten Macht ,Hallo‘ gesagt, Quiller.

Der CIA-Agent biss die Zähne zusammen. Wenn er jetzt nicht auf den Stuhl gebunden gewesen wäre, wäre er aufgesprungen und hätte sich auf die beiden Gegner gestürzt.

Sie hatten ihn gekidnappt, aber sie hatten ihn deswegen noch lange nicht in ihr Lager hinübergeholt. Es gab nichts, womit sie ihn veranlassen konnten, für die Vierte Macht auch nur einen Finger zu rühren.

Er hasste und verachtete diese Organisation und alle ihr schurkischen Mitglieder, denen nichts heilig war. Niemals würde er mit ihnen gemeinsame Sache machen. Selbst wenn sie ihm drohten, ihn umzubringen, würde er von diesen Leuten keine Befehle entgegennehmen.

„Eure Rechnung geht nicht auf", behauptete Malcolm Quiller.

„Denken Sie?"

„Mir kann nichts Schlimmeres passieren, als dass ihr mich umlegt. Damit rechne ich. Das ist das Risiko, das jeder CIA-Agent bewusst auf sich nimmt, sobald er in die Dienste der Agency tritt. Der Geheimdienst lässt keinen darüber im Unklaren. Jeder von uns weiß, dass der Job gefährlich ist."

Abe Tenneray trat einen Schritt näher. Es funkelte böse in seinen Augen. „Sie halten sich wohl für einen verdammt harten Burschen, wie?"

„Ich denke, ich bin hart genug, um euch zu trotzen", sagte Quiller von oben herab.

Tenneray grinste. „Es stimmt nicht, dass wir bloß dieses eine Druckmittel gegen Sie in der Hand haben, Quiller. Für wie dumm halten Sie uns? Uns ist natürlich klar, dass Sie nötigenfalls zu sterben bereit sind. Aber wir werden Ihnen keinen Heldentod ermöglichen. Die Freude machen wir Ihnen nicht. Sie werden Ihr Leben behalten, und Sie werden für Alpha arbeiten."

Quiller bleckte die Zähne. „Verraten Sie mir, wie Sie dieses Kunststück fertigbringen?"

„Mein lieber Quiller, wir haben die Möglichkeit, einen Mann zu vernichten, ohne dass er stirbt."

„Sie machen mich neugierig", knurrte Malcolm Quiller.

Tenneray schmunzelte. „Bald wird es nicht mehr nötig sein, Sie zu fesseln. Sie werden dann von uns auch nicht mehr eingeschlossen. Sobald wir erkennen, dass Sie auf unserer Seite stehen, können Sie sich in diesem Haus und auf dem gesamten Grundstück frei bewegen."

Quiller rief sich noch einmal die Schießerei im Parkhaus ins Gedächtnis, und plötzlich fuhr ihm ein Eissplitter ins Herz. „Befindet sich Mike Borran auch in diesem Haus?"

„Nein", antwortete Kirkie Cross knapp. Malcolm Quiller verstand die Antwort falsch. Er vermutete, dass Mike Borran weniger Glück als er gehabt hatte. Die Alpha-Agenten hatten die Tür durchsiebt. Er, Quiller, hatte nur einen Streifschuss abgekriegt. Und Mike Borran? Hatten ihn die Kugeln voll erwischt?

„Ist ... Borran tot?", fragte Quiller stockend.

„Noch nicht, erwiderte Tenneray. „Aber er wird es bald sein.

„Der gottverdammte Hurensohn ist uns entwischt, knurrte Kirkie Cross. „Aber er hat keinen Grund, sich darüber zu freuen. Irgendwann kriegen wir ihn wieder vor unsere MPis, und dann geht’s ihm an den Kragen.

Quiller freute sich für Mike, dass er es geschafft hatte, und in ihm brannte mit einem Mal ein kleines Hoffnungsflämmchen. Mike Borran würde alles daransetzen, um ihm aus der Klemme zu helfen. Mike war ein guter Mann. Der Beste, der für die CIA arbeitete. Früher oder später würde er hier aufkreuzen und reinen Tisch machen.

Tenneray schnippte mit dem Finger. „Geh und hol Dr. Cranston, sagte er zu Cross. „Ich leiste meinem Freund inzwischen Gesellschaft.

„Sie können ruhig auch gehen, sagte Quiller. „Ich vermisse Sie bestimmt nicht.

Der hässliche Cross verzog sein Gesicht zu einem breiten Grinsen. „Nein, wie vorlaut der Typ sein kann. Schlag ihm doch aufs Maul, Abe."

„Nein, das tu’ ich nicht. Wir kriegen ihn auch so klein. Tenneray zeigte mit Daumen und Zeigefinger drei Zentimeter. „So klein wirst du bald sein, Malcolm Quiller. Mit Hut!

„Ich wette dagegen", sagte der CIA Agent.

„Die Wette gilt."

„Ihr schafft mich nicht", zischte Quiller trotzig.

„Du wirst nicht leben und nicht tot sein, kündigte Abe Tenneray dem Gefangenen an. „Wir befinden uns im Besitz von Psychopharmaka, die jeden Widerstand brechen. Eigens für harte Burschen wie dich in den Alpha-Labors entwickelt. Glaub mir, Quiller, du kannst jetzt noch so große Töne spucken, in Kürze erkennst du dich selbst nicht wieder.

Die Tür öffnete sich, und Kirkie Cross trat mit Dr. Hoss Cranston ein. Der Mann sah widerlich aus. Er lächelte schmalzig und hatte öliges schwarzes Haar, das an seinem runden Kopf klebte. Er trug eine Bereitschaftstasche in seiner Rechten und eine Hornbrille auf der Nase, die er jetzt mit dem Zeigefinger hochschob.

„Aha, sagte Malcolm Quiller verächtlich. „Das ist also Dr. Jekyll.

„Der aus dir Mr. Hyde machen wird, sagte Tenneray. „Dich wird bald kein Gewissen mehr plagen. Du wirst zwischen Gut und Böse nicht mehr unterscheiden können, wirst alles für richtig halten, was wir dir sagen.

Quiller versuchte sich seine Unruhe nicht anmerken zu lassen. Er hatte Angst. Er wusste, dass Tenneray nicht bluffte. Was dieser Mann sagte, war garantiert die Wahrheit. Bestimmt war er, Quiller, nicht der Erste, an dem sie ihre Teufelsdroge ausprobierten. Sie hatten Erfahrungswerte. Sie wussten, dass jedermanns Widerstand zusammenbrechen würde, wenn sie ihm ihr Mistzeug in die Ader jagten.

„Doc Cranston, sagte Tenneray mit einem süffisanten Lächeln. „Ihr neuer Patient möchte Ihre Bekanntschaft machen.

Hoss Cranston spielte das Theater mit. „Freut mich, Sie kennenzulernen, Mr. Quiller", sagte er höflich. Er stellte seine Bereitschaftstasche ab.

„Haben Sie auch mal den hippokratischen Eid abgelegt, Cranston?", fragte Quiller.

„Aber sicher. Jeder Arzt muss das tun", erwiderte Doc Cranston und öffnete die Bereitschaftstasche.

„Kommen Sie sich nicht verdammt schäbig vor, wenn Sie für die Vierte Macht arbeiten?", fragte Quiller.

„Warum sollte ich?, gab der Arzt zurück. „Alpha zahlt gut, und niemand kann von mir verlangen, dass ich meinen Beruf nicht ausübe.

„Sie haben sich zum Handlanger von Verbrechern gemacht!"

„So sehen Sie das. Ich seh’s anders."

„Kann man das?"

„Aber ja."

„Wie denn?"

„Ich stelle der Vierten Macht meine ärztlichen Kenntnisse zur Verfügung und helfe jenen Menschen, die Hilfe brauchen."

„Zählen Sie mich dazu?"

„Selbstverständlich. Sie haben meine Hilfe dringend nötig, mein Lieber. Sie wissen es nur nicht. Sie haben einen schlimmen Schock erlitten und sind nun psychisch völlig durcheinander, aber seien Sie unbesorgt, ich kriege Sie schon wieder hin. Mir stehen ausgezeichnete Mittel zur Verfügung, die ich Ihnen selbstverständlich kostenlos verabreiche."

„Wie edel, spottete Quiller. „Ich krieg’ dafür nicht mal eine Rechnung von Ihnen präsentiert.

„Es würde sich mit meiner Moral nicht vereinbaren lassen, zweimal zu kassieren, meinte Doc Cranston trocken. Er füllte vor Malcolm Quillers Augen eine Spritze. „Ärmel hoch, verlangte er.

Kirkie Cross war es ein Herzensbedürfnis, dies zu tun. Er riss Quillers rechten Ärmel nach oben, Hoss Cranston reinigte mit einem Tupfer, den er mit Wundbenzin getränkt hatte, die Einstichstelle, und dann jagte er dem CIA-Agenten die Kanüle in den Arm.

Quiller zuckte leicht zusammen.

„Der Teufel soll euch alle holen!", knirschte er, während er spürte, wie ihm warm wurde. Sein Mund trocknete aus. Schweißperlen traten auf seine Stirn. Eine heiße Woge überrollte ihn. Vor seinen Augen verschwammen die verhassten Gesichter. Sie verschwanden in einem blutroten Nebel. Angst krallte sich in Quillers Herz und er hatte das Gefühl zu sterben. Sein Kopf sank auf die Brust. Er wurde wieder ohnmächtig.

„Haben Sie ihm auch nicht zu viel gespritzt?, fragte Abe Tenneray. „Der Mann wird noch gebraucht.

„Keine Sorge. Am Anfang reagieren sie immer so heftig. Mit der Zeit wird er das Serum besser vertragen."

Tenneray lachte. „Und schließlich wird er ein vollwertiges Alpha-Mitglied sein. Ohne Gewissen. Ein gefährliches Tier, das wir nach Belieben loshetzen können.

5

DER ANRUF AUS WASHINGTON erreichte Mike Borran um zwanzig Uhr in seinem Hotelzimmer. Es war aber nicht General Benson am Apparat, sondern Mikes Freund Johnnie McIntire.

„Irgendwas Neues?, erkundigte sich der rothaarige, sommersprossige Hüne irischer Abstammung. „Versuchten die Alpha-Leute mit dir Kontakt aufzunehmen, Mike?

„Nein. Nichts, erwiderte Mike Borran. „Ich wollte, ich wäre dabei gewesen, als es zu der Schießerei kam.

„Du hättest das Kraut auch nicht fett gemacht, gab Mike mürrisch zurück. „Es nagt in dir, wie?

„Kannst du laut sagen. Ich wollte, ich könnte das Ganze noch mal ablaufen lassen."

„Was würdest du dann anders machen?"

„Ich hatte meine Kanone in der Hand. Vielleicht hätte ich auf die verdammten Kerle schießen sollen."

„Als Unsichtbarer? Gewissermaßen aus dem Hinterhalt? So etwas kriegst du nicht fertig, Mike."

„Und weil ich’s nicht kann, sitzt Malcolm Quiller nun in der Tinte — und ich weiß nicht einmal, wo."

„Du findest es raus, Mike, sagte McIntire zuversichtlich. „Du stellst Quiller für uns wieder auf die Beine.

„Das bin ich ihm schuldig."

„Unsinn, Mike. Schuldig bist du ihm gar nichts. Ihr habt euch beide in derselben Lage befunden. Quiller stand leider deine einmalige Fähigkeit nicht zur Verfügung, das war sein Pech. General Benson hat mir aufgetragen, dich anzurufen. Hör zu, Junge, du kommst gleich wieder ins Spiel. Unser Computer warf drei Namen zu deinen Beschreibungen aufs Papier. Ihr hattet es im Parkhaus mit Kirkie Cross, Raf Minelli und Abe Tenneray zu tun."

„Wer ist wer?", wollte Mike Borran wissen.

„Der Schönling ist Tenneray. Der Hässliche ist Cross. Dreimal darfst du raten, wie der heißt, der Celentano so ähnlich sieht."

„Minelli."

„Schon gewonnen", sagte Johnnie McIntire.

„Na schön, jetzt haben wir also die Namen. Ist das alles?"

„Momentchen, Momentchen. Ich bin in der Lage, noch etwas nachzuliefern. Nicht mehr viel, aber der Mensch muss sich auch über Kleinigkeiten freuen können. Hast du was zum Schreiben bei der Hand?"

„Ja", sagte Mike und zückte seinen Kugelschreiber. Neben dem Telefon lag eine Zeitung. Ihr Rand war bestens geeignet für Notizen.

„Dann notier mal schön, sagte McIntire. „Die Bar nennt sich ,Valentino‘. Clasons Point. 2534 Lafayette Avenue. Das Mädchen, das da arbeitet, heißt Dolly Dallas.

„Künstlername?"

„Möglich."

„Was will ich von der Kleinen?"

„Soviel uns bekannt ist, hat sie ein sehr großes Herz, und einer ihrer Freunde ist Abe Tenneray."

„Ah, jetzt ist der Groschen gefallen."

„Such sie auf, mach ihr schöne Augen. Wenn du’s geschickt anstellst, verrät sie dir vielleicht, wo du Tenneray findest. Wenn du ihn hast, hast du wahrscheinlich auch Raf Minelli bald, und von dem zu Kirkie Cross kann es nur noch ein Katzensprung sein."

„Wie du mir das servierst, steht mir der reinste Spaziergang bevor."

„Würde ich sagen, erwiderte McIntire. „Solltest du auf unerwarteten Widerstand stoßen und Hilfe brauchen, weißt du, wo du mich erreichst.

„Ich werde mich nicht scheuen, dich anzurufen, wenn ich allein nicht mehr klarkomme."

„Wir verstehen uns."

„Wie immer."

„Hals- und Beinbruch, Mike."

„Bein würde reichen", erwiderte Mike Borran und legte auf.

6

ER HATTE WIRRE, WAHNSINNIGE Träume. Er flog durch die Unendlichkeit, befand sich in einer violetten Welt, hatte Todesangst und klapperte vor Kälte mit den Zähnen. Kalter Hass brannte in seinem Herzen. Er sah Gesichter von Menschen, die ihm etwas bedeuteten: Vater, Mutter, Bruder, er sah Kollegen, Freunde. Auch Mike Borran sah er. Doch er empfand nichts mehr für all die Leute. Es hätte ihm nichts ausgemacht, sie umzubringen.

Darüber erschrak er so sehr, dass er verzweifelt aufschluchzte.

Davon wurde er wach.

Verstört blickte er sich um.

Er befand sich immer noch in diesem nüchternen Raum. Es war dunkel, er war allein. Sein Hemd war durchgeschwitzt, er hatte Durst, war hungrig. Sein Gleichgewichtssinn war gestört. Der Raum schien zu wackeln und zu schwanken.

Quiller befürchtete, mit dem Stuhl, auf dem er saß, umzufallen.

Er bemerkte, dass er Tränen in den Augen hatte, konnte sich nicht erinnern, wann er zum letzten Mal geweint hatte. Die Arbeit beim amerikanischen Geheimdienst hatte ihn hart gemacht. Er hatte gedacht, er wäre keiner Tränen mehr fähig.

Es musste die Droge gewirkt haben, dass er wieder weinen konnte. Das Teufelsserum, das ihm Doc Cranston gespritzt hatte.

Sie kriegen dich weich, sagte er sich. Sie machen dein Herz hart und gefühllos. Eine Kostprobe hat dir der Alptraum soeben geboten. Sie kriegen dich dorthin, wo sie dich haben wollen.

Sie degradieren dich zum willenlosen Befehlsempfänger, dachte Quiller verzweifelt. Du kannst nicht dagegen ankämpfen. Doc Cranston wird dich so lange mit diesem Satanszeug vollspritzen, bis du deine Identität verlierst und nicht mehr weißt, wer du bist und wohin du gehörst.

Du musst fort von hier!

Er fühlte sich schwach. Die Droge kreiste immer noch in seiner Blutbahn. Aber sein Wille, sich nicht unterkriegen zu lassen, war noch stärker als sie. Mit wie vielen Injektionen würde man seine Widerstandskraft atomisieren können? Wie nachhaltig wirkte dieses Mittel?

Quiller wollte kein unzurechnungsfähiger, psychisch kranker CIA-Agent werden, auf den sich seine Kollegen nicht mehr verlassen konnten.

Genau das wollten die Alpha-Leute aber aus ihm machen.

Er spannte die Muskeln, versuchte die Fesseln zu sprengen. Es gelang ihm nicht. Die Stricke aus widerstandsfähigem Nylon saßen zu straff. Je mehr er sich anstrengte, desto tiefer und schmerzhafter schnitten sie in sein Fleisch, und umso matter wurde er.

Das Alpha-Serum höhlte ihn aus. Er fühlte sich krank.

Verzweifelt schüttelte er den Kopf. „Ich will nicht!, keuchte er. „Ich will das nicht!

Er warf sich zornig hin und her. Der Stuhl wackelte. Und dann fiel Quiller um. Hart landete er auf dem Boden. Er schlug mit dem Kopf auf, und ein dumpfer Schmerz quälte ihn.

Mühsam versuchte er vorwärtszukriechen. Zentimeter um Zentimeter schob er sich auf die Tür zu. Fingerdick glänzte der Schweiß auf seinem Gesicht, das von der großen Anstrengung verzerrt war.

Als er die Tür erreicht hatte, blieb er einige Minuten liegen, um wieder zu Kräften zu kommen. Dann mühte er sich ab, aufzustehen, doch damit hatte er kein Glück.

Er musste resignieren.

Schritte drangen an sein Ohr. Die Tür wurde aufgeschlossen, Licht flammte auf, und Kirkie Cross versetzte ihm einen schmerzhaften Tritt. Quiller hatte das Gefühl, sein Brustbein würde entzweibrechen, und eine Woge des Hasses stürzte über ihn hinweg, wie er es noch nie erlebt hatte. Daran musste die Alpha-Droge schuld sein. Sie ließ ihn ungemein stark hassen. Wenn er die Möglichkeit gehabt hätte, hätte er Cross in diesem Moment mit bloßen Händen erwürgt. Entsetzt registrierte er, dass er nicht die geringste Hemmung gehabt hätte, diesen Mann zu ermorden.

Cross grinste ihn herausfordernd an. „Dein Gesicht solltest du jetzt sehen, Quiller. Du würdest mich jetzt wohl am liebsten zerfleischen, wie?"

Kirkie Cross packte den CIA-Agenten und stellte ihn mitsamt dem Stuhl auf.

„Hattest du vor, ’nen kleinen Ausflug zu machen?", höhnte Cross.

„Geh zur Hölle!"

„Halt die Klappe, sonst schlage ich dir die Zähne ein, erwiderte Cross. Er hatte einen Blechnapf mitgebracht, in dem sich Rindfleisch mit Teigwaren und Soße befanden. „Essen gibt’s.

„Ich will nichts", knurrte Quiller, obwohl er hungrig war.

„Du musst essen."

„Friss den Dreck selbst."

„Würde ich gern tun, geht aber nicht. Doc Cranston hat mir aufgetragen, darauf zu achten, dass du alles verputzt. Mach’s Maul auf!"

Quiller gehorchte nicht.

Cross schlug ihm den Löffel auf die Lippen, und wieder überwältigte Malcolm Quiller dieses unbändige Hassgefühl. Die Droge wirkte bereits. Er versuchte aufzuspringen, doch Cross rammte ihm die Faust gegen die Rippen und hieb ihm die Luft aus der Lunge.

„Du wirst artig essen, sonst setzt es eine Tracht Prügel!, sagte Cross. „Ein Löffel für mich, ein Löffel für Abe Tenneray, ein Löffel für Raf Minelli, ein Löffel für Doc Alpha — und im Nu bist du fertig.

Cross zwang ihm jeden Bissen hinein. In Quillers Brust hatte nur noch ein Gefühl Platz: Hass! Hass! Hass! „Ich bring’ dich um!, knurrte er wie ein tollwütiges Tier. „Ich schwör’s dir, ich bring’ dich um!

7

AN DER WAND HINGEN Kandelaber aus der Zeit Rodolfo Valentinos. Die ganze Bar war nostalgisch aufgeputzt. Nur die Girls waren nicht von gestern. Mike Borran enterte einen Storchenbeinhocker und winkte dem Keeper.

„Was darf’s sein, Sir?"

„Kräuterbier, sagte Mike. Er bekam das Gewünschte umgehend. „Netter Laden.

„Sind Sie zum ersten Mal hier?"

„Ja", sagte Mike.

„Sie werden von nun an öfter kommen", sagte der Barkeeper überzeugt.

„Was macht Sie so sicher?", fragte der Agent.

„Bei uns fühlt sich jeder auf Anhieb wohl. Das Lokal hat Atmosphäre, man kriegt hier alles, was das Herz begehrt ..."

„Alles?", fragte Mike zwinkernd.

„Nun ja, was eben im Rahmen der Gesetze möglich ist", schränkte der Keeper ein.

„Ich würde Wert auf eine kurvige Gesellschaft legen", sagte Mike schmunzelnd und modellierte in der Luft mit seinen Händen etwas, das wie eine Coca-Cola-Flasche aussah.

„Ich verstehe, erwiderte der Keeper. „Dachten Sie dabei an etwas Bestimmtes? Welche Haarfarbe soll’s denn sein?

„Dolly Dallas", sagte Mike.

Der Mann hinter dem Tresen schaute ihn erstaunt an. „Sagten Sie nicht, Sie wären noch nie im 'Valentino' gewesen?"

„Richtig."

„Aber Sie wissen von Dolly Dallas."

„Ihr Bekanntheitsgrad reicht über die Grenzen dieses Lokals hinaus, sagte Mike Borran. „Heißt sie wirklich so?

„Nein, aber ihr anderer Name ist ein Zungenbrecher, deshalb verwendet ihn niemand. Ihre Ahnen müssen in Belutschistan oder sonst wo gehaust haben."

„Was tut sie im 'Valentino'?"

„Sie singt, und das nicht einmal schlecht."

„Werde ich sie heute Abend hören?"

„Sie tritt erst um 23 Uhr auf. Sehen können Sie sie aber jetzt schon. Sie sitzt dort drüben. Mit Lou Crippins. Er ist mit ihr verlobt, aber das hat nichts zu sagen. Dolly ist mit gut einem Dutzend Jungens verlobt."

„Weiß einer vom anderen?"

Der Keeper zuckte mit den Schultern. „Genaues bestimmt nicht. Aber jeder kann sich ausrechnen, dass er bei diesem Temperamentbündel nicht der Einzige ist. Sehen Sie sich vor Lou Crippins vor. Er war mal ein großes Football-Ass. Der beste Läufer seiner Mannschaft. Seit er ausgeschieden ist, sind seine Freunde ständig im Sinken begriffen."

Mike warf einen Blick auf den großen, breitschultrigen Mann. „Warum ist er ausgestiegen? Er ist doch noch in den besten Jahren, noch keinesfalls zu alt für den Sport."

„Alkohol. Weiber ... Als er in die Krise schlitterte, haben sie ihn gefeuert. Ein Profi muss hart zu sich selbst sein, und das war er nicht. Da sie ihn hinausgeworfen haben, trinkt er noch mehr. Es ist ein Teufelskreis. Lou vermasselt sich dadurch sein Comeback. Er weiß das, und weil er es weiß, schielt er noch tiefer ins Glas. Er war früher ein netter Junge. Heute ist er unleidlich geworden. Er macht seine Mitmenschen für seinen Abstieg verantwortlich und ist ständig auf Streit aus. Wenn ich Ihnen einen guten Rat geben darf, warten Sie lieber, bis er nach Hause gegangen ist, nehmen Sie Dolly Dallas erst dann aufs Korn."

„Ich fürchte, so viel Zeit habe ich nicht."

„Ich habe Sie gewarnt", sagte der Keeper und hob die Hände, als wollte er hinzufügen: Wenn dich Lou Crippins jetzt ungespitzt in den Boden rammt, kann ich nichts dafür, dann bist du daran selbst schuld.

Mike sah zu Dolly hinüber. Sie war ein Prachtmädchen mit Idealmaßen, soweit das zu erkennen war. Ihr langes braunes Haar floss in weichen Wellen auf ihre nackten, wohlgerundeten Schultern. Sie hatte einen sinnlichen Mund, große blaue, kindliche Augen, üppige Brüste und eine Wespentaille. Das Dekolletee war so tief, dass man den Nabel als Brosche bezeichnen konnte.

Eines konnte Mike Borran jetzt schon über sie sagen: Geizig war sie nicht. Er trank sein Kräuterbier und musterte über den Rand des Glases den Ex-Footballstar.

Lou Crippins war ein schwerer Brocken. Auf dem Spielfeld musste er ein unbezahlbarer Durchreißer gewesen sein. Ein Bulldozzer, den niemand aufhalten konnte.

Crippins hatte ein Baggerschaufelkinn und Fäuste, die die Größe eines Handkoffers aufwiesen. Sein Blick verriet — erstens: dass er bereits einige Bourbons geschluckt hatte, zweitens: dass mit ihm nicht gut Kirschen essen war.

Es war ihm bereits aufgefallen, dass Mike zu ihrem Tisch hinüberschaute, und er nahm so etwas wie eine Abwehrhaltung ein.

„Haben Sie schon mal den Namen Abe Tenneray gehört?", fragte Mike den Keeper.

Der Mann hinter dem Tresen dachte kurz nach. „Nein. Jedenfalls ist das keiner unserer Stammgäste. Sollte ich ihn kennen?"

„Ich will es mal so formulieren: Es zeichnet niemand aus, ihn zu kennen, meinte Mike, leerte sein Glas und legte einen Schein auf den Tresen. „Den Rest können Sie behalten, sagte er. „Kaufen Sie sich ein Eigenheim dafür." Er rutschte vom Hocker. Die Züge des Keepers strafften sich. Er rechnete damit, dass er gleich Stunk geben würde.

Mike begab sich zu Dolly Dallas und Lou Crippins. Der Ex-Footballstar war gerade dabei, das Mädchen abzuknutschen. Sie kicherte leise, und Mike sah ihre blitzweißen, regelmäßigen Zähne, die wie Zuchtperlen wirkten.

„Kann ich Sie einen Augenblick sprechen, Miss Dallas?" fragte er freundlich.

Lou Crippins reagierte darauf, als habe ihm der Agent einen Fußtritt gegeben. „Mann, sind Sie noch zu retten?, bellte er wütend. „Sehen Sie nicht, dass Sie stören?

„Ich bin gleich wieder weg, versprach Mike. „Nur ein paar Fragen ...

„Verschwinden Sie, sonst zerlege ich Sie in Ihre Bestandteile und setze Sie verkehrt wieder zusammen!"

„Nur keine Aufregung, erwiderte Mike beschwichtigend. „Das schadet Ihrer Galle, Crippins.

„Meine Galle geht Sie einen verdammten Dreck an!", herrschte Lou Crippins den Agenten an.

Dolly Dallas schien zu wissen, dass der Krieg nicht mehr zu vermeiden war. Sie rückte ein Stück von Crippins ab und verfolgte gespannt das weitere Geschehen. Crippins rasselte gehörig mit dem Säbel. Aber es waren keine leeren Drohungen, die er ausstieß, und wenn man vom Äußeren her einen Vergleich zwischen Mike Borran und dem Ex-Footballspieler zog, musste man den Agenten auf Platz zwei reihen. Mike war zwar nicht gerade klein und schmächtig, aber Crippins war größer, stärker und bulliger.

Vom Optischen her konnte es nur einen Sieger geben, und der musste Lou Crippins heißen.

Dolly Dallas schien das jetzt schon ein wenig zu bedauern, denn sie hatte an Mike Borran Gefallen gefunden. Er sah besser aus als Crippins, und wenn er sich Mühe gegeben hätte, hätte er wohl auch einer ihrer vielen Verlobten werden können.

Mike rührte sich nicht von der Stelle. „Haben Sie Tomaten auf den Ohren?, fragte Crippins bissig. „Haben Sie nicht gehört, was ich sagte? Ziehen Sie Leine!

„Gleich", erwiderte Mike.

„Sie wollen also nicht hören! Okay, dann musst du eben fühlen!", blaffte Lou Crippins und sprang auf.

Dolly Dallas hielt den Atem an. Insgeheim drückte sie für Mike Borran die Daumen, obwohl ihr klar war, dass das nicht nützte. Er gibt keine Wunder.

Crippins schlug zu. Er stieß den Schlag aus der Schulter vor und wollte die Angelegenheit gleich damit erledigen. Mike war zwar nicht in der Lage, genauso viel Rohkraft in die Waagschale zu werfen, dafür war er aber wesentlich schneller als sein Gegner. Damit foppte er Crippins. Blitzschnell pendelte er den Faustschlag aus, und auch dem nächsten entging er mit einem Sidestep.

Lou Crippins konnte es nicht fassen. Seine beiden Schläge waren wirkungslos verpufft. Das machte ihn zornig. Ein Schleier legte sich über seine Augen. Er sah Mike nur noch verschwommen, und er setzte ein, was er aufzubieten imstande war, um Mike Borran zu besiegen. Seine Arme drehten sich wie Windmühlenflügel. Der Agent tanzte und wippte zwischen den Fäusten hin und her. Als Crippins ihn an der Schulter erwischte, hatte er das Gefühl, der Blitz habe ihn gestreift.

Er ging zum Gegenangriff über.

Mit sicherem Auge sah er die ungedeckten Stellen des Gegners und stach wie ein Florettfechter zu.

Crippins grunzte.

Mike blockte dessen nächsten Faustschlag ab und hämmerte gegen Crippins Rippenbogen. Der Ex-Footballstar stöhnte auf, und nun zeigte ihm Mike Borran, dass es nicht genügte, groß und stark zu sein. Man konnte mit täglichem Training und einer Menge Kampferfahrung sehr viel wettmachen. Mit Handkantenschlägen und Karate-Tritten bekam Mike Borran den Bullen sehr rasch unter Kontrolle.

Er hoffte, Crippins würde das Handtuch werfen, doch der Ex-Sportler hatte die Absicht, bis zum Ende weiterzumachen. Er dachte wohl, das Steuer des talwärts rasenden Schiffs noch einmal herumreißen zu können, doch diese Chance räumte ihm Mike Borran nicht ein.

Da Crippins so unvernünftig war, bis zur bitteren Neige weitermachen zu wollen, beendete Mike Borran die Auseinandersetzung mit einem abgezirkelten Faustschlag, in den er seine ganze Kraft legte und der an Crippins Kinnspitze explodierte.

Das Wunder war perfekt.

Lou Crippins riss die Arme hoch. Es hatte den Anschein, als wollte er sich in der Luft festkrallen. Das ging natürlich nicht, und er krachte mit großer Wucht auf den Tisch, der umstürzte und auf Crippins drauf fiel. Gläser klirrten. Bourbon und Sherry versauten Crippins Anzug, aber dafür konnte Mike Borran nichts. Er hatte den Streit ja nicht angefangen.

„Donnerwetter, sagte Dolly Dallas begeistert. „Das war der Fight des Jahrhunderts. So etwas kriegt man nicht mal im Fernsehen geboten. Wie haben Sie es bloß geschafft, mit Lou fertigzuwerden, ohne selbst eine Schramme abzukriegen? Können Sie zaubern?

Mike lächelte. „Vielleicht."

Crippins lag auf dem Boden und war immer noch groggy. Der Barkeeper kam, um sich des Ex-Sportlers anzunehmen. „Ich dachte immer, Lou wäre der Größte. Aber es gibt noch einen Größeren."

„Wie heißen Sie?", fragte Dolly Dallas interessiert.

„Borran. Mike Borran."

„Den Namen muss ich mir merken", sagte das Mädchen.

„Tut mir leid, dass ich Ihren Verlobten so hart anfassen musste", sagte Mike Borran.

„Sie brauchen sich deswegen nicht zu entschuldigen, Mike. Ehrlich gesagt, es war allmählich Zeit, dass einer kam und Lou seine Grenzen zeigte. Sie wollten mit mir reden?"

„Besser nicht hier, sagte der Barkeeper. „Wenn Lou auf die Beine kommt, macht er weiter. Er ist unbelehrbar.

„Wollen wir eine andere Bar aufsuchen?", fragte Mike.

„Warum gehen wir nicht zu mir nach Hause?, fragte das sündhaft schöne Mädchen mit einem gekonnten Augenaufschlag. Ihr Blick versprach dem Agenten den Himmel auf Erden. Er wäre verrückt gewesen, dieses Angebot auszuschlagen. „Da sind wir ungestört, fuhr Dolly Dallas fort, „und die Drinks sind außerdem gratis."

„Bei solchen Argumenten kann ich unmöglich ablehnen", sagte Mike schmunzelnd.

„Denke ich auch, gab das aufregende Mädchen zurück. Sie schob ihre Hand unter Mikes Arm. „Ich bin die Trophäe, die dem Sieger zufällt.

Mike grinste. „Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich Lou noch fertiger als fertig gemacht."

Sie verließen das „Valentino" und Mike erntete von den weiblichen Gästen bewundernde und von den männlichen Gästen neidvolle Blicke.

Dolly wohnte gleich um die Ecke. Sie nahmen trotzdem Mikes Wagen.

In ihrem gemütlich eingerichteten Apartment forderte sie ihn auf, es sich bequem zu machen. Er setzte sich, und sie zog sich zurück. Als sie wieder erschien, trug sie einen hautengen zyklamfarbenen Hausanzug und mit Sicherheit nichts darunter. Mike stellte fest, dass sich das, was sie anhatte, mit

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