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Angst um Melanie
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eBook150 Seiten1 Stunde

Angst um Melanie

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Über dieses E-Book

Obwohl sie schon zwei eigene Kinder haben, entschließen sich Roswitha und Raimund, noch ein Adoptionskind in ihre Familie aufzunehmen. Schon wenige Wochen nach Abgabe des Adoptionsantrags wird ihnen Melanie, ein nur sechs Monate altes Mädchen, vermittelt. Ihr Glück scheint vollkommen, bis sich Melanies leibliche Mutter meldet und das Kind wieder zurückhaben möchte.
SpracheDeutsch
HerausgeberBooks on Demand
Erscheinungsdatum29. Nov. 2017
ISBN9783746037509
Angst um Melanie
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Autor

Raimund Eich

Raimund Eich lebt im Saarland. Neben Büchern über seine Heimatstadt Neunkirchen, Tatsachenromanen, Ratgebern sowie heiteren und besinnlichen Gedichten und Geschichten hat er einige Werke mit gesellschaftlich relevanten und spirituellen Themen veröffentlicht, in die er naturwissenschaftliche und technische Aspekte in sehr anschaulicher Form mit einfließen lässt. Daraus resultieren einzigartige Bücher, spannend, dramatisch, informativ und unterhaltsam zugleich.

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    Buchvorschau

    Angst um Melanie - Raimund Eich

    hat.

    Kapitel 1: Der Anruf

    Es war etwa Viertel nach neun, als mich Rosi im Büro anrief.

    „Du, Frau Holzmann vom Jugendamt hat sich eben bei mir gemeldet, sagte sie. „Sie haben ein Kind für uns.

    „Was, jetzt schon? So schnell, Rosi? Ich war ganz erstaunt. „So rasch hätte ich eigentlich noch nicht damit gerechnet. Wir haben doch erst vor ein paar Wochen den Antrag beim Jugendamt abgegeben.

    „Na ja, knapp zwei Monate ist das schon her, Raimund. Ich war aber genau so überrascht wie du, pflichtete sie mir bei. „Du weißt ja, ich hatte ohnehin nicht damit gerechnet, dass sich das Jugendamt in diesem Jahr schon bei uns melden wird.

    „Was ist es denn? fragte ich. „Ich meine, ein Junge oder ein Mädchen?

    „Das weiß ich noch nicht. Sie hat nur gesagt, dass das Kind etwa ein halbes Jahr alt sei und gefragt, ob wir es aufnehmen wollen."

    „Ja, ... ab wann denn?" fragte ich zurück.

    „... gleich." Rosis Stimme klang auf einmal merkwürdig leise.

    „Was heißt das, gleich?"

    „Na, sofort eben. Ich meine, heute noch. Um es ganz genau zu sagen, noch heute Vormittag." Rosi ahnte wohl schon, wie ich darauf reagieren würde.

    „Die haben vielleicht Nerven, stöhnte ich. „Man kann sich doch nicht von einer Minute auf die andere entscheiden, ob man so ein Kind bei sich aufnimmt. Die müssen uns doch wenigstens über die näheren Umstände informieren und uns schon etwas Zeit zum Nachdenken lassen, wenigstens ein paar Tage, meine ich.

    „Es geht aber nur unter der Bedingung, dass wir uns sofort entscheiden, hat mir Frau Holzmann erklärt. Sie haben das Kind aus einer Wohnung herausholen müssen. Falls wir es nicht aufnehmen, müssen noch heute andere Pflegeeltern gefunden werden, erwiderte Rosi. „Ich habe mit Frau Holzmann um zehn Uhr einen Termin im Jugendamt vereinbart. Kannst du dazukommen?

    „So ein Mist, das geht leider nicht. Ausgerechnet um diese Zeit habe ich einen Außentermin und heute Nachmittag noch einen."

    „Ja, aber was soll ich Frau Holzmann denn sagen? Sie erwartet doch eine Entscheidung von uns. Man merkte Rosi an, wie enttäuscht sie war, dass ich nicht mitkommen konnte. „Kannst du es nicht doch einrichten, es ist doch so wichtig für uns, Raimund?

    Ich überlegte kurz. „Es geht wirklich nicht, sagte ich dann. „Ich kann es leider nicht mehr ändern. Aber hör mir jetzt bitte mal zu. Wir beide haben uns doch oft genug über dieses Thema unterhalten. Du wirst die Sache wohl alleine in die Hand nehmen müssen. Lass dich zuerst vom Jugendamt genau über die näheren Umstände informieren. Lass dir das Kind zeigen und, ... falls du es für richtig halten solltest ..., dann sag dem Jugendamt meinetwegen zu und nimm das Kind mit nach Hause", beendete ich mein Gestammel. Ich spürte, wie mir auf einmal die Hände zitterten. Es kam mir so hässlich vor, in diesem Stil über die Annahme eines Kindes wie über den Erwerb einer Ware zu reden, aber etwas Gescheiteres fiel mir einfach nicht ein. Der Druck, der plötzlich auf mir lastete, war einfach zu groß.

    „Wenn du meinst ..., dann machen wir es so", hörte ich Rosi schließlich sagen.

    Ich spürte die Erleichterung in ihrer Stimme. Offenbar hatte sie der Gedanke, ich könnte vielleicht nein sagen, beunruhigt. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sie sich in ihrem Inneren schon für dieses unbekannte Kind entschieden hatte. Das machte mir einerseits zwar Angst, andererseits erging es mir aber genau so. Zu groß war diese Chance, die sich uns so schnell und unerwartet bot. Ein Kind unter einem Jahr war eigentlich der Idealfall, mit dem wir kaum zu hoffen gewagt hätten. Nein! Eine derartige Gelegenheit durften wir uns eigentlich nicht entgehen lassen. Es gelang mir nur mühsam, meine Gedanken zu ordnen. „Du, ich muss jetzt leider gleich weg. Wenn ich wieder zurückkomme, rufe ich dich sofort zu Hause an, sagte ich. „Du brauchst keine Angst zu haben. Wie du dich auch immer entscheiden wirst, das geht von meiner Seite aus in Ordnung. Verlass dich einfach auf deine Gefühle, mein Schatz, ich vertraue dir.

    „Na ja, Raimund. Mir ist aber dabei schon ganz schön flau im Magen. Das ist eine sehr große Verantwortung, die du mir da überlässt. Aber jammern hilft uns jetzt auch nicht weiter. Ich gehe dann auch gleich los ins Jugendamt." Dann legte sie den Hörer auf.

    Als ich nachmittags ins Büro zurückkam, rief ich sofort zu Hause an. Mama war am Apparat. „Ist Rosi da?" fragte ich.

    „Nein! Sie ist in die Stadt gegangen, um ein paar Sachen für das Kind zu kaufen. Ihr habt ja gar nichts für so ein kleines Kind zu Hause. Ein Mädchen ist es, sagte sie und nahm mir die Frage aus dem Mund. Sie lachte kurz und schob ein: „Ihr seid vielleicht verrückt! hinterher.

    Wie recht sie doch hat, dachte ich mir im gleichen Moment. Die Situation kam mir irgendwie unwirklich vor. Ich war auch nicht in der Lage, mich jetzt mit ihr weiter zu unterhalten.

    „Sag Rosi bitte, dass ich versuche, so bald wie möglich nach Hause zu kommen, sagte ich noch und hängte ein. Als ich nachmittags endlich nach Hause fahren konnte, fiel es mir nicht leicht, mich auf den Verkehr zu konzentrieren. Ich fuhr daher viel langsamer als sonst. Ich brauchte einfach etwas Zeit, um mich auf die neue Situation einzustellen. Tausend Gedanken schwirrten mir durch den Kopf. Der Mut schien mich auch verlassen zu haben. Warum zum Teufel tust du dir das eigentlich an, fragte ich mich selbst. Du hast doch alles, um mit deinem Leben glücklich und zufrieden zu sein. Eine attraktive Frau, die dich liebt, zwei liebe Kinder, sogar ein Pärchen, einen sicheren und interessanten Job, keine finanziellen Sorgen, Haus und Grund ... Warum gibst du dich damit nicht einfach zufrieden? Andere würden dich darum beneiden. Und wieder tauchte die Kernfrage in meinem Kopf auf, die wir uns wohl schon hundert Mal gestellt hatten, bevor wir den Adoptionsantrag beim Jugendamt stellten. Warum eigentlich ein fremdes Kind annehmen? Es gibt hierfür mehr als nur einen Grund. Wir beide lieben nun mal kleine Kinder, vielleicht deshalb, weil man ihnen seine Zuneigung und Liebe offen zeigen kann und sie diese auch uneingeschränkt erwidern. Beim Umgang mit Erwachsenen macht man leider oft andere Erfahrungen. Viele Menschen strahlen unserer Meinung nach mehr Kälte als Wärme aus. Darum bemühen wir uns, unseren Kindern wenigstens innerhalb unserer Familie so etwas wie eine „heile Welt zu bieten. Wir wissen natürlich, dass wir damit an der Realität letztlich nicht viel ändern können. Aber wenigstens noch ein Kind hätten wir schon gerne in „unser Nest" aufgenommen und ihm neben unserer Liebe auch Chancen im Leben gegeben, die es sonst vielleicht nie bekommen würde. Gerade Rosi ist hierfür ein gutes Beispiel. Als kleines Kind wurde sie ihrer allein stehenden Mutter weggenommen, von ihren Geschwistern getrennt und musste über zwei Jahre im Waisenhaus verbringen. Zum Glück wurde sie dann von einem kinderlosen Ehepaar aufgenommen und adoptiert. Und dann war da auch noch die Sache mit Roland. Wegen einer Glutenunverträglichkeit kann er normales Brot oder Back- und Teigwaren nicht essen. Als kleines Kind hatten wir deshalb sehr große Sorgen und Ängste um ihn, bis seine Krankheit im Alter von etwa eineinhalb Jahren endlich von den Ärzten diagnostiziert wurde. Bis dahin wuchs er kaum, hatte dünne Arme und Beine und einen dicken Bauch. Er war kreidebleich und knickte beim Laufen oft ein, weil er einfach keine Kraft in den Gelenken hatte. Man hätte ihn von den Symptomen und dem Aussehen her durchaus mit unterernährten Kindern aus der Dritten Welt vergleichen können. Zum Glück hat er sich dann dank einer Spezialdiät, die er strikt einhalten muss, völlig normal entwickelt. Wir hatten bis dahin allerdings so viel mitgemacht, dass wir einfach nicht mehr den Mut zu einem dritten eigenen Kind hatten, obwohl wir uns beide eigentlich noch eines gewünscht hätten. So war dann allmählich in uns der Entschluss gereift, statt dessen ein Kind anzunehmen, das mit unseren beiden eigenen Kindern zusammen aufwachsen sollte. Rebecca mit ihren sieben und Roland mit seinen fünf Jahren sollten also ihr heiß ersehntes Brüderchen oder Schwesterchen bekommen. Nun war es viel schneller als erwartet da.

    Kapitel 2: Meine neue Tochter

    Rosi stand mit dem Kinderwagen auf dem Bürgersteig und unterhielt sich mit einer Nachbarin, als ich zu Hause ankam. Dort im Kinderwagen liegt sie also, deine neue Tochter, dachte ich, als ich den Motor abstellte und ausstieg. Ich hoffte, dass Rosi die Unterhaltung beenden und sich verabschieden würde, damit ich mich mit dem neuen Familienmitglied wenigstens ungestört bekannt machen konnte. Aber sie war zu sehr ins Gespräch vertieft und machte keine Anstalten, sich von der Nachbarin zu verabschieden. So ging ich schließlich auf die beiden zu. Ich war irgendwie verlegen und wusste eigentlich gar nicht so recht, wie ich mich verhalten sollte.

    „Hallo, guten Tag, sagte ich und auf den Kinderwagen deutend: „Das ist sie wohl, die Kleine?

    „Ja! erwiderte Rosi. Ihre Augen strahlten dabei. „Das ist sie. Und fügte hinzu: „Sie heißt Melanie." Ich spürte die neugierigen Blicke der Nachbarin, als ich mich über den Kinderwagen beugte. Das Kind blickte mich mit seltsam ernsten Augen an. Sie schien mir zwar etwas blass zu sein, aber ihr fehlte ansonsten offensichtlich nichts. Nur, dass sie so still und reglos dalag, kam mir etwas ungewöhnlich vor.

    „Aha, Melanie also!" Diese geistreiche Bemerkung war das Einzige, was mir schließlich über die Lippen kam. Ich verglich sie in Gedanken mit Rebecca und Roland, als die beiden im gleichen Alter waren. Im Gegensatz zu ihnen hatte unsere neue Tochter kaum

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