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Löhndorff Gesamtausgabe #2: Glück in Manila

Löhndorff Gesamtausgabe #2: Glück in Manila

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Löhndorff Gesamtausgabe #2: Glück in Manila

Länge:
237 Seiten
3 Stunden
Freigegeben:
Dec 10, 2019
ISBN:
9781386792895
Format:
Buch

Beschreibung

Ich lebte schon seit Wochen und reichlich desillusioniert in Manila und hatte keine Pläne, wie es weitergehen sollte. Dann traf ich die schöne Daisy, die wiederum eine Gruppe von reichen und ziemlich verrückten Zeitgenossen kannte, die es sich in den Kopf gesetzt hatten, nach Gold zu suchen. Im Dschungel, weit abseits jeglicher Zivilisation! Und ich war verrückt genug, mich auf dieses riskante Abenteuer einzulassen.

Eine Frau allein unter mehreren Männern – jeder vernünftige Freund hätte mir inständig geraten, das lieber bleiben zu lassen. Zusammen mit der Gier nach Gold konnte so eine Expedition nur dramatisch enden. Ich glaubte aber, dass alles schon gutgehen würde. Aber da sollte ich mich gewaltig täuschen …

Ein autobiografischer Roman von Ernst F. Löhndorff. Der Abenteurer und Weltenbummler schildert mit wortgewaltigen Bildern seine eigenen Erlebnisse auf den Philippinen. Authentisch und auch sehr persönlich zieht er die Leser in den Bann einer spannenden und dramatischen Geschichte.

Freigegeben:
Dec 10, 2019
ISBN:
9781386792895
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Löhndorff Gesamtausgabe #2

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Löhndorff Gesamtausgabe #2 - Ernst F. Löhndorff

ERNST F. LÖHNDORFF

GLÜCK IN MANILA

Roman

IMPRESSUM

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Nach Motiven von Pixabay mit Steve Mayer, 2017

Redaktion und Korrektorat: Alfred Wallon

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Klappentext:

ICH LEBTE SCHON SEIT Wochen und reichlich desillusioniert in Manila und hatte keine Pläne, wie es weitergehen sollte. Dann traf ich die schöne Daisy, die wiederum eine Gruppe von reichen und ziemlich verrückten Zeitgenossen kannte, die es sich in den Kopf gesetzt hatten, nach Gold zu suchen. Im Dschungel, weit abseits jeglicher Zivilisation! Und ich war verrückt genug, mich auf dieses riskante Abenteuer einzulassen.

Eine Frau allein unter mehreren Männern – jeder vernünftige Freund hätte mir inständig geraten, das lieber bleiben zu lassen. Zusammen mit der Gier nach Gold konnte so eine Expedition nur dramatisch enden. Ich glaubte aber, dass alles schon gutgehen würde. Aber da sollte ich mich gewaltig täuschen ...

Ein autobiografischer Roman von Ernst F. Löhndorff. Der Abenteurer und Weltenbummler schildert mit wortgewaltigen Bildern seine eigenen Erlebnisse auf den Philippinen. Authentisch und auch sehr persönlich zieht er die Leser in den Bann einer spannenden und dramatischen Geschichte.

Anita von Santa Ana

„He, pass doch auf , du elefantenlatschiger Unhold! Merkst du nicht, dass du andauernd einer zarten, schönen Frau auf ihren Füßchen herumtrampelst? Goddamn!"

„Ich tat’s doch wahrhaftig nicht mit Absicht, Honigkind!"

„Bin nicht dein Honigkind! Vierzig US-Dollar kosten solche Tanzschuhe, und du bildest dir wohl noch ein, dass wir armen Mädchen sie im Zehn-Cent-Laden beim guten Onkel Woolworth kaufen? Scher dich zum Teufel! möcht’ ich am liebsten sagen; aber dieser dämliche Hausmanager schaut schon seit fünf Minuten zu uns herüber, und ich muss fein züchtig tun, denn ich brauche meinen verdammten Job!"

Plötzlich lächelt sie verführerisch. „Bist ein reizender Junge, und tanzen kannst du wie der Leibhaftige, ehe er zur Welt kam!"

Der misstrauische Manager, der keinen Ärger duldet, wird zum Glück abgelenkt und sieht woanders hin.

Sie fordert mich auf: „Wir wollen an deinen Tisch gehen, langes Elend! Daisy muss sich von ihren Strapazen mit dir erholen! Come on!"

Und sie steuert mich geschickt durch das Gewühl tanzender Paare und vollbesetzter Tische nach meiner Ecke. Aufseufzend lässt sie sich in einen Stuhl fallen und greift verächtlich nach der Coca Cola-Flasche. Saugt durch den Strohhalm den Inhalt aus. „Richtigen Stoff hast du wohl keinen, schöner Knabe?"

„Wenn du eine flache Hüftflasche voll Schnaps meinst, Darling: weil Amerika und naturgemäß diese schönen Philippinen-Inseln hier aus heuchlerischen Gründen wieder mal trocken sind, so könnte ich ja was bestellen."

„Na, dann tu’s doch schon, langer Bengel!"

Eben tritt einer der fünf Manager – es ist derselbe, der uns kurz vorher beäugt hat – an unseren Tisch. Der sympathische, zierliche Filipino im tadellosen Tropenfrack verbeugt sich.

„Alles okay? Gefällt es Ihnen bei uns, Mister? Daisy ist ja auch eine unserer besten ‚Hostessen‘, und ich ..."

„Halt die Klappe, Felipe. Daisy hat grausamen Durst und könnte den ganzen Hudson nebst East River und eurem lausigen kleinen Pasigfluss hier austrinken."

„Soll ich den Muchacho nach mehr Coca Cola, Eiskrem oder Eistee schicken?"

„Go to hell and to blazes mit deinem sanften Geschmuddel. Wir sind Weiber und Männer hier und verlangen was Kräftiges!"

„Alkoholische Drinks sind laut Gesetz unzulässig und leider streng verboten!"

„Vorhin war ich in den Toilettenräumen, und da war der Fußboden mit leeren Hüftpullen voll. Dann kam irgendein ganz böser Scheich, schenkte dir heimlich die ersten Kunstseidenstrümpfe und führte dich auf sonderbare, vergnügliche Abwege, fern von Pa und Ma!"

Aus vollem Halse lachend, stößt sie die Worte hervor: „Du scheinst ja ein ganz durchtriebener Himmelslotse zu sein! Hör zu: meine Eltern sind tatsächlich gute Leute. Und ich wurde nach etlichen Erlebnissen auf einmal Tanzgirl! Hast du was dagegen, Schatz und Honigknabe?"

„Nichts, o Kleopatra. Doch sag, du bist nämlich wirklich ’ne hübsche Puppe und hast alles, was eine solche braucht, warum bist du nicht nach Hollywood getürmt?"

„Da war ich, alter Quasselkopp! Da war ich! Und wenn uns jemand für jede schöne Frau, die dort vergeblich beim Film ankommen will, nur zehn Cents schenkte, so brauchten wir beide unser Lebtag nicht mehr zu schuften und könnten herrlich und in Freuden leben."

„Erzähl mal, wie’s war, Sweetheart!"

Ich nehme einen herzhaften Schluck Gordons Dry Gin aus der Kaffeetasse.

„Erzähl mal!, äfft sie mich nach und stößt kampflustig das runde, weiche Kinn vor. „Du dämlicher Fünfcentscheich, was glaubst du eigentlich, was Hollywood ist? Eine Erdbeertorte mit Schlagsahne? Nee? Eine Jauchegrube, auf der künstliche Lilien und Rosen und Vergissmeinnicht gedeihen? Mann, wenn du als Frau in dem Saftladen was werden möchtest, falls sie dich wirklich zu den verschiedenen Proben und Tests zulassen, dann musst du erst mal, unverblümt und ehrlich gesprochen, mit ’ner ganzen Horde fetter und magerer Scheichs, von denen aber das Ja und Amen abhängt, ins Bettchen gehen. Und denkst du dann, jetzt hast du sie, dann bist du schief gewickelt, denn du hast sie noch lange nicht, aber sie haben dich!

Felipe gleitet wieder an unseren Tisch, lächelt entwaffnend und wendet sich an Daisy: „Es warten verschiedene Caballeros und Gentlemen auf dich, die mit dir tanzen wollen. Vergiss nicht, dass du auf Fixum und Prozente bei uns angestellt bist!"

Ich greife in die Tasche und halte ihm ein paar volle Tickethefte hin. „Das genügt wohl?"

Er überfliegt die Hefte, schiebt sie dann der Frau hin und verbeugt sich vor mir. „Die Dame ist bis drei Uhr früh Ihre Partnerin. Ob sie tanzt oder nicht, die Tickets sind bezahlt. Aber sie darf sich vor Ablauf der Zeit nicht entfernen!"

„Hau ab, old Felipe, wir sind anständige Leute!", ruft sie dem sich Entfernenden nach und fährt dann in ihrer Erzählung fort: „Ja, und so ab und zu oder sehr häufig – denn alles ist ausgekochte Reklame und gehört zu Hollywood! – liest man in der Illustrierten, dass irgend so ein Regisseurbonze die ganze Welt bereist, per Flugzeug, Schiff, Auto, Hundeschlitten und Kamel. Alles nur auf der verzweifelten Suche nach irgendeinem bestimmten Baby von zwanzig Jahren für einen bestimmten Millionendollar-Großfilm. Und plötzlich, als er schon seufzend die Suche aufgeben und nach Hollywood heimkehren will, um dort unter zehntausend Weibern aller Typen seine Wahl zu treffen, da, hast du Worte, findet er sie! Entweder ging sie in einem kleinen europäischen Städtlein gerade mit dem Einkaufsnetz auf den Fischmarkt, um drei Bücklinge zu kaufen, oder sie saß am offenen Fenster in Muttis Küche und fütterte sanfte Tauben und freche Spatzen, oder sie sang silberhell das Gloria in der kleinen Dorfkirche.

Und da findet er sie, und jetzt hat er seine neue Hauptdarstellerin! Sie kriegt einen Bombenkontrakt – heißt es in der Presse, und er nimmt sie mit ins gesegnete, gelobte Hollywood, die größte Kunstfabrik aller Zeiten. Vorher aber legt er ihr einen teuren Pelzmantel um die zarten Schultern und steckt ihr ’ne Handvoll Orchideen an den knospenden Busen. Und in Hollywood wird sie gedrillt und exerziert als Schminksoldatin, und Papa Regisseur verlangt natürlich seinen Tribut, und dann öffnet sich eine märchenhafte Karriere vor ihr – oder auch nicht. Kapiert?"

„Weiter, o Theodosia!"

„Unsinn, Daisy heiß ich! Na, und da sich’s erweist, dass sie als Star nicht viel taugt, kann sie immer noch Starlet werden, wenn sie Grips hat, und wenn nicht, dann Statistin, und wenn sie smart ist, so heiratet sie einen ehrlichen Scheich, der mit dem ganzen Hollywoodzimt nichts zu tun hat. Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute! Sag mal, Daisykind, hast du gefilmt?"

„Keine Spur! Ich wollte natürlich, und hätte meine Seele und alles, was dazu gehört, verkauft. Aber ich bekam keine Chance bei diesem lausigen Affenpack. Also wurde ich Nummerngirl, weißt du, so ein etwas knapp bekleidetes Baby, das in den Varietépausen dem Volk die nächsten Nummern ansagt. Später Garderobiere, und du würdest Wellblechbaracken staunen, was man da so erlebt, o du meine Güte! Und dann hätte ich fast einen Gangster geheiratet. Maxie war wirklich ein Kavalier! Aber er kriegte eine Revolverkugel ab, und ich fuhr schleunigst nach Frisco und nahm Engagement nach Honolulu, als Revuegirl.

Und du kannst dir vorstellen, wie erstaunt meiner Mutti Töchterlein war, als sich’s herausstellte, dass man gar nichts von mir als Revuegirl wollte, sondern die ganze Geschichte bestand aus einem Haus. Einem hübschen Haus oben auf dem Berg bei Punchbowl Hill, mit einem Dutzend Mädels und ’ner sehr netten, eleganten Madam. Du begreifst wohl, was das für eine Bude war? Da machte ich Krach, und sie bekam es, als Überredung nichts nützte, mit der Angst und gab mir eine Abfindung, unter der Bedingung, dass ich Honolulu mit dem nächsten Schiff verließe. Und der Dampfer ging nach Manila, und da dies sozusagen amerikanischer Boden ist, blieb ich hier und nahm die Stellung im Santa Ana an.

Schlecht ist sie nicht, aber ich will ja auch nicht ewig hierbleiben. Sieh, man findet doch zum Beispiel Gold auf diesen Inseln! Die Zeitungen sind ja voll davon! Also will ich, wenn’s gut geht, mit einem Sack voll Gold, in Banknoten eingewechselt, eines Tages nach Hause in Gottes eigenes Land fahren, heiraten und Kinder kriegen. Das ‚Santa Ana‘ ist wirklich nicht übel. Man bleibt selbständig. Ein bisschen langweilig zwar, denn, wie du gesehen hast, sind außer mir noch vier weiße, waschechte USA-Girls hier. Die anderen sind lauter Filipinos und ein paar Japanerinnen und Chinesinnen dabei – das geht gerade noch, denn mit schwarzen Mädchen zum Beispiel würden wir nicht in einem Haus arbeiten. Für die farbigen Soldaten gibt es eigene Lokale."

„Und die Filipinos und Japaner und Chinesen, sind das vielleicht keine Farbigen?", frage ich schadenfroh.

„Gewiss – ich wurde schon öfters angepöbelt, aber nicht ernstlich. Von Weißen! Weil ich hier arbeite. Und dabei kommt die halbe weiße US-Army und Marine zu uns! Ich hab’ mich auch erkundigt, und es ist okay, dass wir hier arbeiten, sonst würden es die Behörden ja nicht dulden. Wir Weißen tanzen allerdings nur mit Weißen. Und daran hat’s im ‚Santa Ana‘ keinen Mangel."

„Mir soll’s auch egal sein!"

„Wieso? Honeyboy, hast du mich nicht ein bisschen gern?"

„Klar!"

„Ein bisschen? Ganz viel? Mächtig? Toll?"

„Nur ein bisschen!"

„Grobian!"

„Liebling, erzähle weiter. Ich höre dir so gern zu."

„Bin schon fertig. Nun, und ja, das Tanzen kostet Schühchen. Und was man sonst dabei alles erlebt! Du fändest keine Worte. Und wenn man am liebsten solch einem zweibeinigen Affenpinscher ein paar runterhauen oder ihm mit allen zehn Nägeln ins Gesicht fahren möchte, so muss man sanft und lieb säuseln: ‚Aber nein, Mister, es tat gar nicht weh, als Sie mir aufs Zehlein trampelten! Sie tanzen einfach wundervoll!‘„ Sie seufzt: „Zum Auswachsen ist das!"

„Beruhige dich, Honigmäulchen, und trinke lieber noch ein Schlückchen!" Ich fülle von neuem ihre Tasse.

Einen guten Zug hat sie! Dieses hübsche, unschuldig blickende Mädel hat Haare auf den Zähnen und kennt die Höhen und Tiefen des Daseins. Und obwohl sie flucht wie ein Matrose, ist sie mir sympathisch.

„Höre, du bildest dir doch nicht etwa ein, weil ich dir mein armes Herz ausgeschüttet habe, dass ich für dich so ’ne Art Mädchen für alles werde?"

„Ich schätze, dass dergleichen äußerst nett wäre, nämlich so ein schönes Kind für alles zu haben. Natürlich nur fürs rein Seelische!"

„Erzähl das deiner Großmutter, du durchtriebener Seelenjüngling. Sag, was machst du in Manila? Kaufmann bist du nicht, Seemann auch nicht und Pflanzer ebenso wenig."

„Vielleicht von allem etwas oder nichts. Weißt du, ich drifte so in der Welt herum, mache Augen und Ohren auf, betrachte mir die Leute und schreibe alles in mein Gehirn. Vielleicht kann man’s mal gebrauchen."

„Spieler?"

„Nein!"

„Gangster bist du auch nicht, denn für so was hat unsereins Instinkt. – Ach, mein Maxie damals hat mir Brillanten versprochen!", sagt sie seufzend.

„Von mir bekommst du höchstens Silber!"

„Kann ich mir denken, Geizkragen, widerlicher! Sag, bist du ein Zeitungsschreiber?"

„Auch nicht!"

Sie jubelt: „Jetzt weiß ich’s! Du bist einer von den modernen Goldgräbern oder Goldspekulanten, von denen die Inseln hier wimmeln."

„Etwa solche, von denen ich gestern in der Manila-Zeitung eine Anzeige las: ‚Eilt! Eilt! Eilt! Kauft Aktien der Sabagoldgrube, solange sie noch billig sind, und beschreitet damit den Pfad der Millionäre. Ehrliche Interessenten, die finanzielle Einlagen machen können, wollen sich bitte bei Mohnkohn und Smithson, Box 17, Manila, Generalpostmasters care, melden?"

„Gewiss verdienen diese Boys Geld!"

„Mohnkohn und Genossen sicher. Die anderen wohl wenig oder nichts!"

Sie legt ihre Hand auf die meine, beugt sich näher: „Du ..."

Plötzlich ausbrechender Lärm verschluckt ihre Worte. Am Nachbartisch sind sich zwei angetrunkene Kriegsschiffmatrosen über ein Filipinomädchen, das sanft lächelnd zwischen beiden sitzt, in die Haare geraten und packen einander an den Kehlen. Cocapullen, Gläser, Aschenteller und ein Stuhl schwirren durch die Luft. Dann fangen die beiden an zu boxen. Alles drängt sich näher und lacht, klatscht Beifall und will zusehen. Jäh bricht die Musik ab. draußen in der warmen Nacht trillert ein Pfiff.

„Eilt euch, Boys, gleich kommt die Polizei!", warnt jemand, und der Blonde gibt dem Rothaarigen einen gewaltigen Uppercut ans Kinn. Der fällt hinten über, reißt einen Tisch um, bleibt röchelnd liegen.

„Bravo!, ertönt es lobend von allen Seiten. Einer beugt sich über den Gefallenen und zählt laut: „One, two, three ... nine, ten! Er ist k.o. Und was er noch verkünden will, geht im Lärm unter, denn die Militärpolizei ist drei Mann stark erschienen, und alles schreit durcheinander, alles beteuert seine Unschuld!

Die smart uniformierten Hüter der Ordnung kümmern sich nur um die beiden Kampfhähne. Starke Hände packen diese am Kragen und schleifen sie, von ohrenbetäubenden Pfiffen des männlichen Publikums und dem Gekreisch der Mädels begleitet, ins Freie.

Schnarrend, blökend fällt die Musik in einen überspannten Foxtrott, und dicht schiebt Daisy ihr Gesicht vor das meine: „Wenn du Gold graben gehst, so nimm mich mit, big boy!"

„Du würdest natürlich mitbuddeln? Feine Rolle für dich! Das möchte ich eigentlich mal erleben!"

„Kochen könnte ich für dich und die Boys. Meine Mutti war auch eine Zeitlang Köchin in einem Minencamp."

„Kochen? Eine Büchse braune Bohnen, ein paar Pfannkuchen aus Mehl und Wasser, sonntags ein Ei und eine Scheibe Speck, dann Kaffee und Tee. Da bliebe dir so viel freie Zeit, dass du vor Langeweile auf Abwege kämst. Und stellst du dir’s vielleicht amüsant vor, in einem Zelt zu schlafen bei diesem Klima, das tagaus tagein das ganze Jahr über Wolkenbrüche und Landregen bringt? Außerdem hab’ ich dir schon gesagt, dass ich kein Goldgräber bin."

„Möchtest du tanzen?", lenkt sie unvermittelt vom Thema ab.

„Mit meinen Frachtkähnen auf deinen mit Rhinestones und Strass dekorierten Schühchen? Nee!"

„So trink noch eins. Bald ist’s drei Uhr, und dann darfst du mich heim begleiten. Ich wohne romantisch. In Intramuros. Süß, sage ich dir, in einem ganz alten spanischen Haus, noch von damals her, weißt du, als sie Manila erbauten!"

Rasch gebe ich ihr einen Kuss, und laut lachend sagt sie: „Natürlich nur bis zur Haustür, du ausgekochter Halunke, weiter nicht. Weißt du, wir sind ja nicht in Hollywood, und ich suche keine Chance."

„Aber ich suche eine!"

„Das könnte dir wohl so passen, du Gauner! Aber damit ist es nichts!"

„Willst Nonne werden, schätze ich. In Manila gibt’s viele Klöster, Darling."

„Nonne nicht, aber Goldgräberköchin. Mit Beteiligung an der Ausbeute."

„Und für mich mit Beteiligung an der Kombüsenleitung?"

„Das käme drauf an, wenn der Boss recht nett wäre!"

„Schlag dir das aus dem Sinn, Honigkind."

„Dann hör doch endlich auf zu quasseln, und bestell noch eine Kaffeekanne voll. Das Labsal in der Pralinenschachtel will

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