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Tiroler Heimat 81 (2017): Zeitschrift für Regional- und Kulturgeschichte Nord-, Ost- und Südtirols
Tiroler Heimat 81 (2017): Zeitschrift für Regional- und Kulturgeschichte Nord-, Ost- und Südtirols
Tiroler Heimat 81 (2017): Zeitschrift für Regional- und Kulturgeschichte Nord-, Ost- und Südtirols
eBook696 Seiten8 Stunden

Tiroler Heimat 81 (2017): Zeitschrift für Regional- und Kulturgeschichte Nord-, Ost- und Südtirols

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Über dieses E-Book

Die "Tiroler Heimat" ist die traditionsreichste wissenschaftliche Zeitschrift, die sich der Geschichte und Kultur der historischen Region Tirol widmet. Die Zeitschrift wurde 1920 vom Historiker und Volkskundler Hermann Wopfner begründet, um nach der kurz zuvor erfolgten Grenzziehung, die Tirol teilte, die kulturhistorische Verbindung zwischen den Landesteilen aufrechtzuerhalten. Als Jahrbuch für Geschichte und Volkskunde sollte die "Tiroler Heimat" Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern grenzüberschreitend die Möglichkeit bieten, ihre historischen und ethnologischen Studien zur Tiroler Landesgeschichte vorzustellen.
Der Themenschwerpunkt hat sich seither ausgedehnt und umfasst im weitesten Sinne Beiträge zu Geschichte und Kultur Nord-, Ost- und Südtirols. Methodische und inhaltliche Vielfalt sowie ein hoher wissenschaftlicher Standard, der Landes- und Regionalgeschichte in einen überregionalen, europäischen Rahmen einbettet, kennzeichnen die Arbeitsweise.
Jeder Band enthält zudem einen ausführlichen Besprechungsteil, in dem aktuelle Publikationen mit Tirolbezug rezensiert werden.
Der diesjährige Band der Tiroler Heimat bietet einen Schwerpunkt auf akteurszentrierte und biographische Beiträge. Zwei Aufsätze zu Fragen der Religion und Konfessionalisierung fügen sich thematisch in das Luther-Jubiläumsjahr.
SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum5. Dez. 2017
ISBN9783703009327
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    Buchvorschau

    Tiroler Heimat 81 (2017) - Universitätsverlag Wagner

    SCHOBER

    Jenseits der üblichen Kanäle:

    Kommunikation zwischen Schwaben und Tirol

    PATRIZIA HARTICH

    Der ausgehende Briefverkehr der Reichsstadt Esslingen im späten Mittelalter liegt durch die Missivenbücher1 im Umfang von 44 Bänden noch heute vor. Diese enthalten die nur durch kleine Lücken unterbrochene Überlieferung der vom Bürgermeister und dem Rat der Stadt Esslingen ausgehenden Korrespondenz der Jahre 1434 bis 1598. An ihrer Entstehung waren fast ausschließlich der Esslinger Stadtschreiber und sein Unterschreiber beteiligt, sodass sich in den meisten Bänden nur zwei Hände finden. Anhand ihrer Eintragungspraxis lassen sich kanzleiinterne Verwaltungsvorgänge und die Bewerkstelligung der städtischen Kommunikation nachvollziehen, zum Beispiel belegen aufgefundene Originalbriefe, dass vereinzelt Briefe keinen Eintrag in den Büchern erhalten hatten,2 gleichzeitig zeugen die Kürzungen, die am Formular der Briefeinträge vorgenommen wurden, von Bemühungen um zeitsparendes Arbeiten im Verwaltungsalltag.3

    Zudem geben die Bücher mit den Inhalten der zahlreichen verzeichneten Brieftexte Aufschluss über die verschiedensten Ereignisse und stellen damit unter anderem eine ergiebige Quelle für die Sozial- und Kulturgeschichte sowie für prosopographische Studien dar. Neben der Erfassung der Inhalte bietet der Umfang der Esslinger Missivenbücher zudem die Möglichkeit, die Verteilung von Korrespondenzpartnern der Stadt über einen längeren Zeitraum festzustellen. Es bestätigt sich hier die naheliegende Vermutung, dass die Kommunikation mit geografisch nahe gelegenen Korrespondenzpartnern häufiger ist als mit weiter entfernten. Häufiger Nachrichtenaustausch konnte jedoch auch mit entfernteren Adressaten stattfinden, wenn diese in irgendeiner Weise, kirchlich oder weltlich, für die Stadt zuständig waren.4

    Mit Adressaten in Tirol, wo für die Stadt Esslingen keine weltliche oder geistliche Zuständigkeit vorlag, kommunizierte Esslingen nur zu seltenen Gelegenheiten, sodass hier die Kommunikation als außergewöhnlich angesehen werden kann. Die nähere Betrachtung der Korrespondenz Esslingens mit Tiroler Adressaten im Hinblick auf Inhalte und Anlässe soll daher Gegenstand der folgenden Analyse sein. Im Zentrum steht dabei die Frage, was die Auslöser für diese außergewöhnliche Kommunikation waren, welche Gründe es für Briefkorrespondenz über diese Distanz gibt. Hinzu kommt die Frage nach der Bewerkstelligung des Briefverkehrs: Obwohl durch Tirol verschiedene wichtige Verkehrswege in Richtung Süden führten,5 ist der regelmäßige Einsatz von Esslinger Boten an einzelne Orte bei der Entfernung und beim vergleichsweise seltenen Austausch kaum vorstellbar. Anhand der Briefinhalte soll versucht werden, die zeitgenössische Organisation des Briefverkehrs bei der Kommunikation über größere Distanz zu untersuchen.

    Der Begriff der Kommunikation im Mittelalter kann, wie die große Zahl von Publikationen der letzten Jahrzehnte gezeigt hat, die verschiedensten Arten von Interaktion zwischen Menschen bezeichnen.6 Der Terminus communicatio umschließt für sich genommen schon mehrere Bedeutungen, beispielsweise hinsichtlich sozialer oder politischer Gemeinschaft oder auch wirtschaftlicher Teilhabe.7 Entsprechend kann der Kommunikationsakt als solcher die Verwendung verschiedener Medien oder die unterschiedlichsten Arten kommunikativer Handlungen, wie beispielsweise mündliche und schriftliche oder verbale und nonverbale Kommunikation, umfassen.8

    Für die folgende Abhandlung soll aufgrund des differenzierten Forschungsbegriffs eine klärende Definition vorangestellt werden. Kommunikation meint im Folgenden in erster Linie schriftliche Kommunikation, also den Briefverkehr, der im Wechsel zwischen der Stadt Esslingen und ihren Korrespondenzpartnern stattfand.9 Die mündliche Kommunikation soll einbezogen werden, wenn sie ergänzend zum Briefverkehr angewendet wurde und dies aus den Briefen ersichtlich ist.

    Bereits 1989 wurden die Verbindungen zwischen Schwaben und Tirol im Rahmen einer Ausstellung thematisiert, woraufhin 1991 entsprechende Forschungsbeiträge schriftlich in Form von zwei Bänden vorgelegt wurden.10 Zu Recht hatte der Ausstellungsleiter Wolfram Baer damals angemerkt, dass bei der Größe des Raumes und der Fülle des Materials Schwerpunkte gesetzt werden mussten.11 Der Schwerpunkt, der auch hier gesetzt werden soll, liegt auf der Korrespondenz zwischen der Reichsstadt Esslingen und den in den Missivenbüchern festgehaltenen Empfängern in Tirol im Zeitraum von 1434 bis 1517, was den ersten 16 Bänden der Bücher entspricht.

    Insgesamt finden sich in diesem Zeitraum 26 Einträge von Brieftexten an Tiroler Adressaten, die acht verschiedene Fälle betreffen. Für das Spätmittelalter meint die Bezeichnung noch den Bereich des historischen Tirols, also Nord-, Süd-, Osttirol und das Trentino, tatsächlich befanden sich die Adressaten allerdings nur im heutigen Südtirol, nämlich in Feldthurns, Glurns, Bruneck und Bozen.12 Die Analyse der Korrespondenz Esslingens mit diesen Städten erfolgt im Folgenden entsprechend entlang der genannten Städte. Die Reihenfolge, in der sie behandelt werden sollen, richtet sich nach dem Umfang der überlieferten Korrespondenz.

    Feldthurns

    Die Kommunikation mit der Stadt Feldthurns betrifft die Tiroler Korrespondenz, die über den längsten Zeitraum verfolgbar ist. Sie ist begründet durch die verwandtschaftliche Verbindung zwischen Stephan Sächerlin, einem Esslinger Bürger, und Heinrich Sächerlin, dem Pfarrer in Feldthurns. Acht Briefeinträge sind in der Korrespondenz zu den beiden Brüdern im Zeitraum zwischen 1453 und 1468 festgehalten.13

    Bei dem ersten Eintrag handelt es sich um einen Brief Esslingens an Heinrich Sächerlin. Dieser datiert auf den 2. April 1453.14 Darin bat die Stadt Heinrich, seinen Bruder Stephan, der ein Kind zu versorgen hatte, offenbar in finanzieller Hinsicht zu unterstützen. Ihre Fürsprache rührte daher, dass er lange im Dienst der Stadt gestanden und sich fromm und redlich verhalten habe. Es stellt sich heraus, dass der Feldthurner Pfarrer im Vorfeld an Erhart Sachs, einen ehemaligen Esslinger Bürgermeister, sowie an seinen Bruder Stephan geschrieben hatte. Dieses Schreiben war im Esslinger Rat verlesen worden. Am Inhalt des Esslinger Briefes zeigt sich, dass die Brüder bereits im Vorfeld miteinander in Kontakt gestanden hatten, und zudem, dass parallel zur Briefübergabe durch Stephan auch eine Kommunikation in mündlicher Form zwischen ihm und seinem Bruder erfolgen würde, im Zuge derer Stephan wegen eines Leibgedinges in Esslingen mit Heinrich sprechen würde.

    Danach findet sich in dieser Sache 14 Jahre lang kein Eintrag mehr. Im Jahr 1467 allerdings, am 28. Januar, zeigt sich der Feldthurner Pfarrer Heinrich Sächerlin wiederum als Adressat eines Esslinger Briefes.15 Offenbar wollte Sächerlin einen Zinsbrief in Höhe von 15 Gulden in Esslingen erwerben. Genaue Umstände dieses Kaufes gehen aus dem Briefeintrag nicht hervor, jedoch lässt der weitere Inhalt vermuten, dass der Pfarrer die Schulden seines Bruders begleichen und gleichzeitig für ihn in finanzieller Hinsicht sorgen wollte. In diesem Rahmen verhandelte Sächerlin mit der Stadt über den genauen Inhalt der Kaufurkunde. Ein nächster Brief, datiert auf den folgenden Tag, ist diesem Brief zuzuordnen, da er weitere Verhandlungen zum Zinsbrief und schlussendlich den Kauf durch den Pfarrer gegen die Übergabe von 300 Gulden an die Stadt darlegt. Obwohl die Einträge in den Büchern generell chronologisch aufeinander folgen, ist der zweite Eintrag einige Blätter weiter hinten im Missivenbuch zu finden.16 Gründe dafür können eine falsche Datierung durch den eintragenden Schreiber oder ein späteres Festhalten des Textes im Buch sein.

    Ein halbes Jahr später setzte sich die Korrespondenz mit Sächerlin fort. Die Stadt bat den Pfarrer in Feldthurns erneut, 14 Jahre nach der ersten Bitte, um Hilfe für seinen Bruder Stephan.r brůderlich mitzutaillen",18 wurde Stephan für seine Reise nach Feldthurns mitgegeben.

    Etwa acht Monate danach, im Februar 1468, ergaben sich neue Umstände: Der Pfarrer Heinrich Sächerlin verstarb in Feldthurns.19 Diese Nachricht war Stephan Sächerlin schriftlich von Georg von Kestlan, dem Richter und Pfleger in Feldthurns, überbracht worden. Um den hinterlassenen Besitz zu holen, reiste Stephan nach Tirol. Die Stadt Esslingen schaltete sich zu diesem Zweck wiederum für ihn und für die Durchsetzung seines Erbes ein: Sie stellte einen Brief an Georg von Kestlan aus, in dem sie ihn um Unterstützung für ihren Bürger beim Erlangen des Erbes bat.

    Der nächste Eintrag in dieser Sache datiert auf den 6. April 1468,20 als sich Esslingen an den Markgrafen von Baden wandte. Offenbar war Stephan in Feldthurns auf Schwierigkeiten gestoßen, denn der Markgraf wurde gebeten, an Erzherzog Sigmund von Österreich zu schreiben. Dieser sollte Stephan, dem wohl das Erbe verweigert wurde, einen Tiroler als ortsansässigen Berater zur Seite stellen. Einige Tage später, am 11. April, schickte Esslingen erneut eine Missive, dieses Mal direkt an Herzog Sigmund,21 mit demselben Anliegen, ihrem Bürger einen rechtlichen Beistand zur Verfügung zu stellen. Die Kosten hierfür sollte Stephan selbst übernehmen. Es ist nicht bekannt, ob der Markgraf ihre Bitte, an H