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Vier Stückchen Brot: Eine Hymne an das Leben.

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Vier Stückchen Brot: Eine Hymne an das Leben.

Länge:
108 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
23. Sept. 2013
ISBN:
9783863347222
Format:
Buch

Beschreibung

Gemeinsam mit ihrer Mutter Esther und ihrer Schwester Irene wird die 16-jährige Magda Hollander 1944 ins KZ Auschwitz-Birkenau deportiert. Drei von 437.403 ungarischen Juden - eine unglaubliche Zahl, dokumentiert in deutscher Gründlichkeit. Ihre Mutter und ihre Schwester werden dort ermordet. Aber Magda erlebt in dieser Dunkelheit des Grauens ein Licht der Mitmenschlichkeit: Eine alte Frau nimmt ihre Hand, legt vier kleine Stücke Brot hinein und sagt: "Nimm. Du bist jung. Du musst leben. Du musst das bezeugen, das alles hier. Damit es nie wieder geschieht, nirgendwo."

Magda Hollander wird den Holocaust überleben. Lange kann sie nicht über ihre schrecklichen Erlebnisse sprechen. Erst viele Jahre später bricht sie ihr Schweigen. Sie denkt darüber nach, wie sie der jüngeren Generation ihre Erfahrungen nahebringen kann. So ist dieses kleine, leise, tief anrührende Buch entstanden - eine Hymne an das Leben, ein Zeichen wider das Vergessen. In Frankreich wurde die Originalausgabe als "Spirituelles Buch des Jahres" ausgezeichnet.

"In Auschwitz­Birkenau winkte mir eine Sterbende zu. Sie öffnete ihre Hand. Darin lagen vier Stückchen verschimmeltes Brot. 'Nimm', hauchte sie. 'Du bist jung. Du musst leben. Du musst
das bezeugen, das alles hier. Damit es nie wieder geschieht, nirgendwo.' Ich habe diese vier Stückchen Brot genommen. Ich habe sie gegessen, vor ihren Augen. Ich las in ihren Augen, dass sie gütig war - und dass sie sich aufgegeben hatte. Ich war sehr jung. Es war fast zu viel für mich, was sie mir gegeben - und damit aufgetragen - hatte.

Lange Zeit hatte ich dieses Erlebnis vergessen. 1978 behauptete Darquier de Pellepoix: 'In Auschwitz wurden nur Läuse vergast.' Die Empörung über diese perverse Behauptung legte meine Erinnerung an jenes Erlebnis frei. Ich sah wieder das Gesicht dieser Frau. Ich konnte nicht länger schweigen. Als ich abtransportiert wurde, war ich sechzehn Jahre alt. Ich war unter den ungarischen Juden eine der ganz wenigen Zurückgekehrten.
Herausgeber:
Freigegeben:
23. Sept. 2013
ISBN:
9783863347222
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Vier Stückchen Brot - Magda Hollander-Lafon

Vorwort

Dieses Buch ist kein Zeitzeugenbericht über den Holocaust, sondern eine Meditation.

Es ist eine Meditation nicht über den Tod, sondern über das Leben und wie man von dem einen zu dem anderen gelangen kann.

Magda Hollander-Lafon stürzte mit sechzehn Jahren in tiefste Finsternis. Als Jüdin wurde sie 1944 zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester aus Ungarn in das Vernichtungs-KZ Auschwitz-Birkenau deportiert; ihre gesamte Familie wurde ermordet.¹ Die folgenden Seiten sind dieser Todeserfahrung abgerungen, gehen aber darüber hinaus. Sie geben Zeugnis von einem langen Weg beglückenden neuen Erlebens. Da waren die vier Stückchen verschimmeltes Brot, die der Heranwachsenden im KZ von einer sterbenden Kameradin zum Geschenk gemacht wurden; dann die Tropfen Wasser für den verdurstenden Körper, der sich schon der Erde anheimgeben wollte; der Zug der Wolken am Himmel über Auschwitz, auf den die Flammen des Krematoriums kurz den Blick freigaben; und die „Dame mit dem Lächeln", die sie nach ihrer Befreiung aus dem Todesreich bei sich aufnahm.

Auf den Holocaust folgte zunächst das Schweigen. Wer zurückkam, war sprachlos in seiner Fassungslosigkeit. Wer die Zurückgekehrten sah, verstummte – und verdrängte alles – in unsäglichem Erschrecken. Dann kam die Zeit, in der das Unfassbare fassbar, das Unerhörte hörbar, das Gebot der Stunde die Zeugenschaft der Davongekommenen wurde: die Massenvernichtung als präzise geplante und systematisch ins Werk gesetzte Großindustrie, die Reduzierung der Opfer binnen kürzester Zeit zur bloßen Sache, die Lagererfahrung des Todes selbst für die Überlebenden. Der spanische Schriftsteller Jorge Semprun schrieb in seinem Buchenwald-Bericht „Schreiben oder Leben: „Ich sage mit Absicht ,Erfahrung‘ … Denn der Tod ist nicht etwas, was wir nur gestreift hätten, das wir überlebt hätten wie einen Unfall, den man unversehrt überstanden hätte. Wir haben ihn erlebt … Jene Phase war nötig, damit dieses Paradox in seiner ganzen Intensität erkannt werden konnte. Vielleicht leitet Magda Hollander-Lafon mit dieser Niederschrift eine neue „Zeit danach" ein, in der die Holocaust-Erfahrung des Lebens im Tod in etwas Positives verwandelt wird, damit der Tod nicht das letzte Wort hat, damit das Verbrechen die Vernichteten nicht zweimal tötet und damit die Überlebenden nicht in der Erinnerung ihrer Entwürdigung gefangen bleiben.

Der erste Teil dieses Buches, „Die Wege der Zeit", wurde 1977 geschrieben, nachdem die Autorin einen Krankenhausaufenthalt hinter sich hatte und nichts weiter wollte als leben. Magdas Erinnerungen waren nur noch bruchstückhaft vorhanden, waren wie eingemauert in Schweigen, gefroren in Angst. Sogar ihre Muttersprache war ihr abhanden gekommen. Langsam ließ sie ihre Erinnerung wieder zu und fasste sie in die treffenden Worte. Das lange Vergrabene holte sie aus der Tiefe, um unter den liebevollen Blicken hilfreicher Menschen endlich wieder in sich den Funken des Lebens zu spüren, der nie ganz erloschen war.

Dieses Zeugnis erscheint hier in überarbeiteter Fassung zusammen mit einem früheren Text „Aus der Finsternis zur Freude", einer Meditation, die sich ihr darbot, als sie ihren inneren Frieden wiedergefunden hatte. In sie flossen dann aber auch die Erfahrungen ein, die sie bei der Weitergabe ihrer Erinnerungen an Zehntausende von Gymnasiasten und Studenten gemacht hatte. Als diplomierte Kinderpsychologin – ein Beruf, der für sie auch Berufung war – hat Magda Hollander-Lafon für diese Begegnungen einen neuen Zugang entwickelt, der Spontaneität mit Professionalität verbindet. Einige Wochen vor der Veranstaltung lässt sie an ihre jungen Zuhörer einen Fragebogen verteilen. Das ist die Methode in ihrer prophetischen Universalität, wie sie von Lehrmeistern, wie den Rabbis, von Sokrates, von Jesus in die Welt getragen wurde. Indem sie mit eigenen Fragen beginnt, braucht sie die Menschen, die aus einer ganz anderen Welt kommen, nicht gleich mit einer allzu beschwerlichen Erinnerung zu belasten. Das so geweckte Erstaunen der Zuhörer lässt dann den Raum, um etwas, das schon verblasst war, in die Gegenwart zu holen. Die Erfahrung des Holocaust wird nicht als Pflichtübung einer Schreckenserinnerung geboten, sondern als Antwort auf die durch die Fragen bewirkte Öffnung. Für den Zuhörer geht es nicht in erster Linie um Schuld und Tod, sondern um Verantwortung und Leben – sein eigenes, heute.

„Da steckt in so einer zierlichen, schlichten Frau eine feine Dame, wird sie von einer Gruppe von Gymnasiasten beschrieben. „Sie ist bald 84 Jahre alt, aber mit ihrer überschäumenden Freude am Leben und ihrer Begeisterung ist sie jünger als ich. Sie sagt, ein Blick und ein Lächeln genügen, um einen Menschen wieder ins Leben zu führen, und wenn man ihren Blick und ihr Lächeln sieht, weiß man, dass das stimmt. Bevor sie zu sprechen beginnt, lässt sie ihren Blick auf dem ganzen Saal ruhen. Und schon gehen die Lichter an. Sie will mich mit meinem Vornamen anreden, wie sie es mit jedem tut. Sie sagt uns, dass jeder von uns einzigartig ist und dass diese Einzigartigkeit unseren Reichtum ausmacht.

Der Mensch ist zum Schlimmsten fähig, leider, doch die folgenden Seiten sind ein Appell an sein Bestes. Der Glaube von Magda Hollander-Lafon ist spirituelle Freude. Diese Freude ist der Verzweiflung abgerungen, ist der Hölle entrissen, die sie verschlingen wollte, ist genährt von einem Leben der Begegnung von Seele zu Seele. Diese Frau hat die Gnade erlebt, wiedergeboren zu werden. Auf diesen Seiten lädt sie uns ein, mit ihr zu erleben, welcher Reichtum aus dieser Freude erwachsen kann – ein ganzer Horizont geöffnet für Wiedergeburt.

Anne-Sophie

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