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Gleichnisse: Was uns die Geschichten von Jesus über das Leben mit Gott erzählen

Gleichnisse: Was uns die Geschichten von Jesus über das Leben mit Gott erzählen

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Gleichnisse: Was uns die Geschichten von Jesus über das Leben mit Gott erzählen

Länge:
331 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 27, 2017
ISBN:
9783961222483
Format:
Buch

Beschreibung

Jesus war ein meisterhafter Geschichtenerzähler, und die Gleichnisse, die er erzählt hat, waren genial einfache Alltagsgeschichten, die aber tief gehende geistliche Lektionen vermittelten. Und wenn wir wissen wollen, wie wir als Christen leben sollen und wie das Leben im Reich Gottes aussieht, ist es wichtig, dass wir diese Gleichnisse auch verstehen.

Der bekannte Theologe John MacArthur bringt den Menschen schon seit vielen Jahrzehnten das Wort Gottes nah. In diesem Buch hilft er dem Leser, 12 bekannte Gleichnisse Jesu neu zu verstehen. Er erklärt, in welchem Kontext sie entstanden, an wen sie gerichtet waren, welche Bezüge zum Alten Testament oder zu anderen Texten des Neuen Testaments sie beinhalten - und auch, was sie mit unserem Leben heute zu tun haben. Lassen Sie sich ein auf die bekanntesten und einflussreichsten Kurzgeschichten, die jemals erzählt wurden.
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 27, 2017
ISBN:
9783961222483
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Gleichnisse - John MacArthur

INHALT

Einführung. Warum lehrte Jesus in Gleichnissen und

wie legen wir sie richtig aus?

1. Ein bedeutsamer Tag in Galiläa

2. Was Jesus darüber sagt, wie Menschen das Wort

Gottes aufnehmen

3. Was Jesus über den Preis der Nachfolge sagt

4. Was Jesus über Gerechtigkeit und Gnade sagt

5. Was Jesus über Nächstenliebe sagt

6. Was Jesus über die Rechtfertigung durch den Glauben sagt

7. Was Jesus über Treue sagt

8. Was Jesus über die Klugheit der Schlangen sagt

9. Was Jesus über Himmel und Hölle sagt

10. Was Jesus über ausdauerndes Beten sagt

Anhang. In Geschichten verpackte Wahrheit –

Der objektive Sinn einer Erzählung

Danksagung

Anmerkungen

EINFÜHRUNG

WARUM LEHRTE JESUS IN

GLEICHNISSEN UND WIE LEGEN

WIR SIE RICHTIG AUS?

Die Gleichnisse von Jesus waren genial einfache Bilder, die wichtige geistliche Lektionen veranschaulichten. Wenn er lehrte, griff er immer wieder auf solche alltäglichen Geschichten zurück. Bei einigen von ihnen handelte es sich um nicht mehr als flüchtige Bemerkungen über gewöhnliche Vorfälle, Gegenstände oder Personen. Die kürzeste seiner knappen Geschichten füllt noch nicht einmal einen Bibelvers. Sie steht in Matthäus 13,33: „Das Himmelreich gleicht einem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter einen halben Zentner Mehl mengte, bis es ganz durchsäuert war." Im griechischen Originaltext besteht dieses Gleichnis aus gerade mal neunzehn Wörtern. Es ist eine völlig alltägliche Schilderung eines völlig alltäglichen Sachverhalts, erzählt in so wenigen Worten wie möglich. Aber sie enthält eine tiefgründige Lektion über die Geheimnisse von Gottes Reich. Wie jedes seiner Gleichnisse fesselte auch dieses seine Zuhörer und hielt zweitausend Jahre lang das Interesse der Theologiestudenten wach.

Jesus war ein meisterhafter Geschichtenerzähler. Es gibt keine noch so vertraute Binsenweisheit und keine noch so komplexe Lehrmeinung, der er durch eine einfache Geschichte nicht neue Tiefe und neue Aspekte abgewonnen hätte. Diese Erzählungen beweisen auf einzigartige Weise die schlichte, tiefgründige Kraft seiner Botschaft und seiner Lehrmethode.

Oberflächlicher Umgang mit den Gleichnissen

Obwohl seine Gleichnisse so bekannt und beliebt sind, werden sowohl die Art und Weise, wie Jesus sie einsetzte, als auch die Botschaft, die er mit ihnen vermitteln wollte, selbst von Theologiestudenten und Literaturexperten häufig falsch verstanden.

Viele nehmen zum Beispiel an, dass Jesus nur aus einem Grund Gleichnisse erzählte: um es seinen Zuhörern so einfach und angenehm wie möglich zu machen, seine Lehren zu verstehen. Schließlich waren die Gleichnisse mit bekannten Elementen gespickt – vertrauten Alltagssituationen, Vergleichen aus dem Leben der Bauern und Hirten, Haushaltsgegenständen und ganz gewöhnlichen Menschen. Dadurch konnte seine ländliche Zuhörerschaft das Gesagte besser nachvollziehen und begreifen. Es war ohne Frage eine brillante Lehrmethode, um schlichten Gemütern ewige Weisheiten zu offenbaren. Die Gleichnisse Jesu zeigen zweifellos, dass ganz einfache Geschichten und Bilder effektive Werkzeuge sein können, um selbst die großartigsten Wahrheiten zu vermitteln.

Manche meinen, die Tatsache, dass Jesus Gleichnisse verwendet hat, würde beweisen, dass das Erzählen von Geschichten eine bessere Methode sei, geistliche Wahrheiten zu verdeutlichen. Besser, als die eigenen Zuhörer durch Predigten oder Vorträge zu belehren. Sie sagen: „Geschichten haben größere Durchschlagskraft als Predigten. Wollen Sie ein Thema ansprechen oder eine Botschaft vermitteln? Machen Sie es wie Jesus – erzählen Sie eine Geschichte!"¹

Manche gehen noch einen Schritt weiter und behaupten, Pastoren und Bibellehrer sollten ihren Zuhörern am besten ausschließlich Geschichten erzählen, statt sie zu ermahnen oder zu belehren. Sie verweisen auf Markus 4,33–34, wo das öffentliche Lehren von Jesus während der späteren Zeit seines Dienstes in Galiläa folgendermaßen beschrieben wird: „Und durch viele solche Gleichnisse sagte er ihnen das Wort so, wie sie es zu hören vermochten. Und ohne Gleichnisse redete er nicht zu ihnen; aber wenn sie allein waren, legte er seinen Jüngern alles aus." Darum, so sagen sie, sollte das Erzählen von Geschichten die Methode sein, auf die alle Pastoren am häufigsten zurückgreifen – wenn nicht sogar die einzige Predigtmethode, die sie jemals anwenden.

In der Tat ist genau dies die Predigtweise, die heute in vielen evangelikalen und Megagemeinden vorherrscht. In manchen gibt es gar keine Kanzel mehr – diese wurde durch eine Bühne und eine Leinwand ersetzt. Die wichtigsten Mitarbeiter der Gemeinden sind Teil der Theatergruppe oder des Filmteams. Mit schlichten Worten die Wahrheit zu lehren ist nicht mehr zeitgemäß. Stattdessen ist es heute Mode, Geschichten zu erzählen oder vorzuspielen – und zwar so, dass die Zuhörer sich in ihnen wiederfinden können. Geschichten gelten als ansprechender, aussagekräftiger und eleganter als nackte Tatsachen oder unmissverständliche Wahrheitsansprüche.

Dieses Predigtverständnis hat sich während der vergangenen dreißig oder vierzig Jahre immer mehr durchgesetzt, ebenso wie andere pragmatische Gemeindewachstumsstrategien (ein Trend, mit dem ich mich an anderer Stelle kritisch auseinandergesetzt habe²). Ein christlicher Verlag bewirbt ein einflussreiches Buch, das sich mit der Ende des 20. Jahrhunderts erfolgten Revolution in den Bereichen Predigtstil und Dienstverständnis beschäftigt, mit den Worten: „Der Verkündigungsdienst steckt in einer Krise. Warum? Weil der traditionelle, gedanklich-begriffliche Ansatz nicht mehr funktioniert … denn es gelingt ihm nicht, das Interesse der Zuhörer zu wecken.³ In dem Buch selbst ist zu lesen: „Die alte themen- und konzeptbasierte Predigtmethode ist schwer angeschlagen, wenn nicht sogar unheilbar krank.

Zahllose neu erschienene Bücher zum Thema kommen zu demselben oder einem ähnlichen Urteil. Der Ausweg? Man sagt uns immer und immer wieder, dass Pastoren sich heute als Geschichtenerzähler verstehen müssen, nicht als Vermittler von Lehrmeinungen. Hier ein typisches Beispiel:

Im Gegensatz zu dem, was einige uns glauben machen wollen, ist die Bibel in viel stärkerem Maße ein Geschichtenbuch als ein Lehrbuch. Wir haben keine Schöpfungslehre – wir haben Schöpfungsgeschichten. Wir haben keine Auferstehungslehre, wir haben wunderbare Geschichten über das Ostergeschehen. Sowohl im Alten als auch im Neuen Testament gibt es verhältnismäßig wenig, das nicht in irgendeiner Form auf Erzählungen oder Geschichten beruht.

Behauptungen wie diese sind meines Erachtens gefährlich und irreführend. Es ist dumm und kurzsichtig, Geschichten und Lehre gegeneinander auszuspielen, als handle es sich um Alternativen, zwischen denen man sich entscheiden muss, oder gar um Gegensätze, die einander ausschließen.* Die Vorstellung, dass durch eine einfache Erzählung nicht auch eine „Schöpfungslehre oder eine „Auferstehungslehre vermittelt werden kann, ist natürlich falsch. Ebenso offensichtlich falsch ist es zu behaupten, dass wir abgesehen von den Berichten über das Ostergeschehen „in der Bibel keine Auferstehungslehre" finden. Lesen Sie zum Beispiel 1. Korinther 15 – ein langes Kapitel, in dem es einzig und allein um eine systematische, didaktische und scharfsinnige Verteidigung der Auferstehungslehre geht und das voller Ermahnungen, Beweisführungen, logischer Schlussfolgerungen und objektiver Lehraussagen steckt.

Die Behauptung, das Erzählen von Geschichten sei grundsätzlich besser und hilfreicher, als theologische Fakten und Zusammenhänge zu verkünden, ist eine angestaubte postmoderne Phrase. Geschichten und theologische Tatsachen gegeneinander auszuspielen (als ob es möglich wäre, Geschichten zu erzählen, ohne dabei auf die theologischen Zusammenhänge hinzuweisen) ist schlichter Unsinn und nichts als eine rhetorische Finte. Diese Art von intellektuellem Geschwafel ist ein typisches Mittel sprachlicher Demontage. Das wahre Ziel dieser Methode besteht meiner Auffassung nach darin, Verwirrung zu stiften, Zweifel zu säen und Glaubenssätze über Bord zu werfen.

Aber der falsche Umgang vieler moderner Kommentatoren mit den Gleichnissen Jesu nimmt manchmal noch eklatantere Ausmaße an: Eine noch radikalere Sicht, die heutzutage rasant an Popularität gewinnt, geht davon aus, dass Geschichten ihrem Wesen nach keine feststehende oder objektive Bedeutung haben und völlig der Interpretation durch den Zuhörer unterworfen sind. Wenn man so denkt, würde die Tatsache, dass Jesus Gleichnisse benutzt hat, bedeuten, dass er bewusst darauf verzichtet hat, geistliche Wahrheiten und Glaubenssätze zu verkünden. Stattdessen wollte er seine Zuhörer bloß mit lockeren Gesprächen und geheimnisvollen Geschichten fesseln. Ein Kommentator formuliert es folgendermaßen: „Eine Erzählung spricht von ihrem Wesen her die Fantasie ihres Zuhörers an und wird so seiner Deutung unterworfen – unabhängig davon, welche Absicht der Erzähler ursprünglich verfolgt hat. Erzählungen sind prinzipiell mehrdeutig und besitzen darum eine große Bandbreite an Interpretationsmöglichkeiten."

Derselbe Autor zitiert andere Ausleger, die Gleichnisse unterschiedlich deuten, und erklärt: „Gleichnisse können auf jede beliebige Art interpretiert werden, so wie die Ausleger und Zuhörer es wünschen – völlig unabhängig davon, was Jesus tatsächlich durch sie beabsichtigt hat … Wir wissen einfach nicht, wie Jesus Gleichnisse verwendete, und haben nicht die geringste Chance, jemals herauszufinden, was er wirklich beabsichtigt hat."

Es ist mir, ehrlich gesagt, ein Rätsel, warum jemand mit einer solchen Einstellung ein Buch über die Gleichnisse schreibt. Wenn man der Meinung ist, dass ein Gleichnis keine objektive theologische Wahrheit vermittelt, dann wird es für den Zuhörer oder Leser natürlich ein Rätsel bleiben. Das Problem ist in diesem Fall nicht, dass das Gleichnis keine tatsächliche Lehre vermittelt. Das Problem ist, dass der Betreffende sich von vornherein gegen das verschließt, was das Gleichnis verdeutlichen soll. Letztlich ist diese Herangehensweise nur ein weiterer Ausdruck der postmodernen Haltung, die Autorität und Unfehlbarkeit der Bibel zu leugnen.

Warum Gleichnisse?

Die oben angeführten Sichtweisen sind falsch und gefährlich, weil sie nur einen Teil der Wahrheit berücksichtigen. Nehmen Sie zum Beispiel die übliche Vorstellung, der einzige Grund, warum Jesus Gleichnisse verwendet habe, bestehe darin, unangenehme Wahrheiten so klar, vertraut und verständlich wie möglich zu vermitteln. Als Jesus selbst erklärte, warum er Gleichnisse gebrauchte, führte er praktisch den entgegengesetzten Grund an:

Und die Jünger traten zu ihm und sprachen: Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen? Er antwortete und sprach zu ihnen: Euch ist’s gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu verstehen, diesen aber ist’s nicht gegeben. Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat. Darum rede ich zu ihnen in Gleichnissen. Denn mit sehenden Augen sehen sie nicht und mit hörenden Ohren hören sie nicht; und sie verstehen es nicht. Und an ihnen wird die Weissagung Jesajas erfüllt, die da sagt (Jesaja 6,9–10): „Mit den Ohren werdet ihr hören und werdet es nicht verstehen; und mit sehenden Augen werdet ihr sehen und werdet es nicht erkennen. Denn das Herz dieses Volkes ist verstockt: Ihre Ohren hören schwer und ihre Augen sind geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren, und ich ihnen helfe." Matthäus 13,10–15

Während die Gleichnisse die Wahrheit für diejenigen, die dafür offen sind, verdeutlicht und illustriert, haben sie genau die entgegengesetzte Wirkung auf diejenigen, die Jesus ablehnen. Die Symbolsprache verbirgt die Wahrheit vor allen, die nicht das aufrichtige Verlangen haben, herauszufinden, was Jesus wirklich sagen möchte. Aus diesem Grund hat Jesus diese Lehrmethode gewählt. Auf diese Weise vollzieht sich das göttliche Urteil gegen diejenigen, die seiner Lehre mit Verachtung, Unglauben oder Gleichgültigkeit begegnen.

Im 1. Kapitel werden wir genauer auf diesen Gedanken eingehen und die Umstände untersuchen, die Jesus dazu veranlassten, in Gleichnissen zu sprechen.

Ich möchte damit nicht sagen, dass der Sinn der Gleichnisse einzig und allein darin bestand zu verdeutlichen, wie streng Gott Unglauben bestraft. Sie waren auch ein Ausdruck seiner Barmherzigkeit. Beachten Sie, wie Jesus (indem er die Weissagung Jesajas zitierte) die Ungläubigen unter seinen Nachfolgern beschrieb. Sie hatten selbst ihre Augen und Ohren verschlossen, „damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren, und ich ihnen helfe (Vers 15). Ihr Unglaube war hartnäckig, bewusst und aufgrund ihrer eigenen Entscheidung unwiderruflich. Je länger sie Jesus zuhörten, desto mehr Wahrheiten erfuhren sie, über die sie Rechenschaft würden ablegen müssen. Je länger sie ihre Herzen vor der Wahrheit verschlossen, desto strenger würde das Urteil ausfallen, denn „wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern (Lukas 12,48). Indem Jesus die geistlichen Lektionen in Alltagsgeschichten und Bilder kleidete, bewahrte er Menschen, die aus eigener Entscheidung weit von Gott entfernt waren, davor, immer mehr Schuld auf sich zu häufen.

Diese Lehrmethode besaß zweifellos noch mehr Vorteile. Die Gleichnisse weckten (wie alle guten Veranschaulichungen) das Interesse und steigerten die Aufmerksamkeit derjenigen Zuhörer, die sich nicht unbedingt absichtlich vor der Wahrheit verschlossen, denen es jedoch schwerfiel, biblische Lehren zu begreifen, wenn sie ihnen in dogmatischer Sprache vermittelt wurden, oder denen diese nüchterne Art einfach nicht zusagte. Ohne Frage rüttelten die Gleichnisse viele Menschen auf, weil sie die Zuhörer durch ihre Einfachheit ansprachen und in ihnen den Wunsch weckten, ihre verborgene Bedeutung zu entdecken.

Bei anderen (zu denen sicher auch solche gehörten, die skeptisch, gleichgültig oder ablehnend reagierten, als sie zum ersten Mal mit der Wahrheit konfrontiert wurden) trug die Bildersprache der Gleichnisse dazu bei, das Gehörte wie ein Samenkorn im Gedächtnis zu behalten, bis es durch Glauben und Verständnis Wurzeln schlug.

Richard Trench, ein anglikanischer Bischof, der im 19. Jahrhundert lebte, verfasste eines der meistgelesenen Werke über die Gleichnisse Jesu. Er weist darin darauf hin, dass Geschichten dabei halfen, das Gehörte im Gedächtnis zu behalten:

Wenn unser Herr nur nackte geistliche Wahrheiten ausgesprochen hätte, hätten seine Hörer sicherlich viele seiner Worte vergessen, weil sie entweder kein Interesse an ihnen hatten oder weil sie sie nicht verstanden. Sie hätten keine Spuren in ihrem Verstand und ihrem Herzen hinterlassen. Aber da sie ihnen auf diese Weise präsentiert wurden – in Form eines lebendigen Bildes, eines kurzen und vielleicht paradox wirkenden Ausspruchs oder einer knappen, aber interessanten Geschichte –, erregten sie die Aufmerksamkeit und Neugier der Zuhörer. Und selbst wenn sie die Wahrheit nicht immer sofort erfassten, verankerten sich die Worte mithilfe der benutzten Bilder in ihrem Gedächtnis und ließen sich zu einem späteren Zeitpunkt wieder abrufen.

Jesus hatte also auch barmherzige Gründe dafür, angesichts des verbreiteten Unglaubens, der Gleichgültigkeit und des Widerstandes, auf die sein Dienst stieß, die Wahrheit in Gleichnisse zu verpacken (siehe Matthäus 13,58 und Matthäus 17,17).

Wenn sie erklärt wurden, erhellten die Gleichnisse entscheidende Wahrheiten. Und Jesus erklärte den Jüngern seine Gleichnisse bereitwillig.

Für diejenigen jedoch, die hartnäckig die Ohren vor dem Gehörten verschlossen, blieben die nicht erklärten Gleichnisse Rätsel, die keinen klaren Sinn ergaben. Da ihre Herzen ohnehin schon abgestumpft waren, erschienen ihnen die Lehren Jesu durch die Gleichnisse noch verwirrender. Das harte Urteil, das Jesus über ihren Unglauben fällte, zeigte und bestätigte sich also durch die Lehrmethode, die er benutzte.

Zusammenfassend lässt sich somit sagen, dass die Gleichnisse Jesu einen doppelten Zweck verfolgten: Sie verbargen die Wahrheit vor selbstgerechten oder selbstzufriedenen Menschen, die sich für zu klug hielten, um von ihm zu lernen. Gleichzeitig offenbarten sie die Wahrheit Menschen mit kindlichem Glauben – solchen, die nach Gerechtigkeit hungerten und dürsteten. Jesus dankte seinem Vater für beides: „Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart. Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen" (Matthäus 11,25–26).

Ich möchte noch ein weiteres gängiges Missverständnis aufklären: Jesus hat nicht immer in Gleichnissen gesprochen. Der größte Teil der Bergpredigt beinhaltet genau die direkte, gradlinige Ermahnung, die heute viele moderner eingestellte Homiletiker ablehnen. Auch wenn Jesus die Bergpredigt mit einem kurzen Gleichnis beendet (der Geschichte vom klugen und vom törichten Baumeister; Matthäus 7,24–27), besteht seine Botschaft, die mit den Seligpreisungen beginnt, aus einer Aneinanderreihung konkreter Aussagen und Aufforderungen, Gebote, Diskurse, Ermahnungen und Warnungen. Diese Mischung enthält viele anschauliche Wortbilder – einen Gerichtssaal und eine Gefängnisszene (Matthäus 5,25), die Amputation von Augen oder Händen, die zum Abfall verführen (Matthäus 5,29–30), das Auge als Licht des Leibes (Matthäus 6,22), Lilien, die schöner gekleidet sind als Salomo in all seiner Herrlichkeit, den Balken im Auge (Matthäus 7,3–5) und so weiter. Aber hier haben wir es nicht mit Gleichnissen zu tun. Tatsächlich ist der Bericht von Matthäus über die Bergpredigt 107 Verse lang, aber nur die genannten vier Verse ganz am Ende erzählen ein Gleichnis.

Lukas erwähnt ein Sprichwort, das Matthäus in seiner Schilderung der Bergpredigt nicht nennt, und bezeichnet es ausdrücklich als Gleichnis: „Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?" (Lukas 6,39).¹⁰ Das ist natürlich kein Gleichnis im klassischen erzählerischen Stil. Es ist eine Feststellung, die als Frage formuliert ist. Lukas spricht zweifellos deshalb von einem Gleichnis, weil sie ein so lebendiges Bild hervorruft, das sich leicht in Form einer Erzählung wiedergeben ließe. Aber selbst wenn wir die Anzahl der Gleichnisse in der Bergpredigt auf zwei erhöhen, sind wir weiterhin mit der Tatsache konfrontiert, dass die bekannteste öffentliche Rede Jesu eben kein Beispiel für einen erzählerischen Diskurs ist. Sie ist eine klassische Predigt, die unterweist, dabei hilft, die eigene Schuld einzusehen, wieder auf den richtigen Weg zu kommen und so zu leben, wie es Gott gefällt (2. Timotheus 3,16). Sie ist keine Geschichte und keine Abfolge von Anekdoten. Die wenigen eingestreuten Bilder dienen lediglich dazu, das Gesagte zu untermalen.

Auch an anderen Stellen sehen wir, dass Jesus predigt und die Menschenmengen lehrt, ohne auch nur im Entferntesten auf einen erzählerischen Sprachstil zurückzugreifen. Einige der längsten, detailliertesten Schilderungen seiner öffentlichen Predigten finden sich in den Diskursen, die im Johannesevangelium wiedergegeben werden, und keine von ihnen enthält irgendwelche Gleichnisse. Auch bei der Schilderung von Jesu Lehrtätigkeit in den Synagogen von Nazareth und Kapernaum (Lukas 4,13–27.31–37) werden keine Gleichnisse erwähnt. Darum ist es schlicht nicht korrekt zu unterstellen, Jesus habe den erzählerischen Predigtstil häufiger benutzt als alle anderen, oder gar zu behaupten, er habe immer in Gleichnissen gesprochen.

Aber was hat dann jene Aussage in Markus 4,33–34 zu bedeuten: „Und durch viele solche Gleichnisse sagte er ihnen das Wort so, wie sie es zu hören vermochten. Und ohne Gleichnisse redete er nicht zu ihnen …"? Diese Beschreibung bezieht sich nur auf die Lehrmethode, die Jesus etwa während des letzten Jahres seines öffentlichen Dienstes benutzte. Sie bezieht sich auf jenen absichtlichen Wandel im Predigtstil, der sich etwa zu dem Zeitpunkt vollzog, als die Endphase des galiläischen Dienstes von Jesus anbrach. Zu Beginn des 1. Kapitels werden wir die Ereignisse untersuchen, die Jesus dazu veranlassten, sich für diese Methode zu entscheiden. Dieser Wandel war plötzlich und auffällig und eine Reaktion auf den hartnäckigen Unglauben und die bewusste Ablehnung, die er von vielen erfuhr.

Es ist daher durchaus korrekt, dass die Gleichnisse dazu beitragen, einfachen Menschen, die sie mit offenem Herzen hören, Wahrheiten zu illustrieren und zu erklären. Aber gleichzeitig verhüllen sie dieselben Wahrheiten vor ablehnenden Zuhörern, indem sie die Geheimnisse des Himmelreichs sorgfältig in vertraute Bilder und einfache Geschichten verpacken. Das ist kein Zufall. Nach seinen eigenen Worten begann Jesus primär damit, in Gleichnissen zu lehren, um die Wahrheit vor ablehnenden Zuhörern zu verbergen, und erst in zweiter Linie, um diese für einfach gestrickte Jünger zu illustrieren. Jesus sagte ausdrücklich: „Ich will in Gleichnissen reden, nur in Gleichnissen will ich von dem sprechen, was seit der Erschaffung der Welt verborgen ist" (Matthäus 13,35; Gute Nachricht). Und seine Gleichnisse dienen heute noch demselben doppelten Zweck. Wenn es den Anschein hat, als könnten die Geschichten Jesu auf verschiedene Weise ausgelegt werden und hätten daher keine eindeutig erkennbare objektive Bedeutung, liegt das also daran, dass bestimmte Voraussetzungen erforderlich sind, um sie wirklich zu verstehen: Glauben, Aufrichtigkeit, sorgfältige Exegese und ein echtes Verlangen danach zu hören, was Jesus zu sagen hat.

Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass diese Voraussetzungen vielen Ungläubigen fehlen. Die Gleichnisse „reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit, die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt" (1. Korinther 2,7–8). Kein Ungläubiger wird die Geheimnisse des Himmelreiches jemals erfassen, indem er diese Geschichten durch den Filter menschlicher Weisheit betrachtet. Die Bibel lässt daran keinen Zweifel: Was kein ungläubiges „,Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.‘ Uns aber hat es Gott offenbart durch seinen Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit" (1. Korinther 2,9–10; Hervorhebung des Autors).

Mit anderen Worten: Notwendige Voraussetzung für das Verständnis der Gleichnisse ist ein Glaube, der durch das Wirken des Heiligen Geistes in unserem Herzen entzündet und genährt wird. Diese Geschichten haben einen objektiven Sinn. Sie haben eine von Gott beabsichtigte und daher korrekte Bedeutung. Jesus selbst erläuterte einige der Gleichnisse detailliert, und die Interpretationsmethode, die er anwandte, gibt uns eine Vorlage an die Hand, die wir auf seine anderen Geschichten übertragen können. Aber wir müssen uns den Gleichnissen als Menschen nähern, die bereit sind zu hören – und nicht als Skeptiker, die sich gegen die Wahrheit verschlossen haben.

Einige Details und Definitionen

In den folgenden Kapiteln werden wir uns mit zwölf der bemerkenswertesten Gleichnisse von Jesus beschäftigen. Es würde zahlreiche Bücher erfordern, um alle Gleichnisse mit hinreichender Gründlichkeit zu untersuchen. Es sind etwa vierzig von ihnen in die Evangelien eingeflochten. (Die genaue Anzahl hängt davon ab, nach welcher Methode man sie zählt.) Meine grundlegenden Kommentare zu allen Gleichnissen Jesu finden Sie in den entsprechenden Bänden des Werkes The MacArthur New Testament Commentary. Außerdem habe ich vor über fünfundzwanzig Jahren eine Auswahl von sieben Gleichnissen, die in direktem Zusammenhang mit der Botschaft des Evangeliums stehen, in ein Buch aufgenommen, das die evangelistische Botschaft Jesu behandelt.¹¹ Einige dieser Gleichnisse habe ich für dieses Buch hier neu und besonders gründlich untersucht. Obwohl das Gleichnis vom verlorenen Sohn eine der gehaltvollsten, einprägsamsten und wichtigsten Geschichten ist, die Jesus erzählt hat, ist sie nicht in dieses Buch eingeflossen, da ich bereits einen ganzen Band über dieses Gleichnis verfasst habe.¹² Ziel des vorliegenden Buches ist es, anhand einer repräsentativen Auswahl an Gleichnissen ihre Bedeutungstiefe darzulegen und aufzuzeigen, wie genial Jesus grundlegende Wahrheiten mithilfe alltäglicher Geschichten zu illustrieren vermochte.

Bevor wir uns mit bestimmten Gleichnissen beschäftigen, wäre es ratsam, sich ein paar Gedanken über deren literarische Gattung zu machen. Was ist ein Gleichnis und wie unterscheidet es sich von anderen bildlichen Stilmitteln – Metaphern, Vergleichen, Fabeln, Allegorien und Ähnlichem? Ein Gleichnis ist nicht einfach eine simple Allegorie. Es ist ein ausführlicher Vergleich oder eine Metapher, die eine klare geistliche Botschaft enthält. Kurze Redewendungen wie „stark wie ein Pferd oder „schnell wie der Blitz sind einfache Vergleiche – so simpel und eindeutig, dass sie keine Erklärung erfordern. Ein Gleichnis erweitert den Vergleich zu einer längeren Geschichte oder einem komplexeren Bild und seine Bedeutung (eine bestimmte geistliche Wahrheit) ist nicht notwendigerweise offensichtlich. Die meisten Gleichnisse Jesu erfordern irgendeine Art der Deutung.

Aber eine exakte Definition zu finden, die auf alle Gleichnisse Jesu zutrifft, ist schwierig, unter anderem wegen der Bandbreite an Texten, die in den Evangelien explizit als Gleichnisse bezeichnet werden. Bei einer Gelegenheit bittet Petrus Jesus zum Beispiel: „Deute uns dies Gleichnis! (Matthäus 15,15), und bezieht sich damit auf dessen Bemerkung: „Was zum Mund hineingeht, das macht den Menschen nicht unrein; sondern was aus dem Mund herauskommt, das macht den Menschen unrein (Vers 11). Hierbei handelt es sich eigentlich um zwei einfache Aussagen, die als eine Art Sprichwort formuliert werden. Die Textstelle besitzt keines der typischen Merkmale einer Geschichte oder Erzählung – keinen Plot, keine Charaktere, keine Abfolge von Ereignissen. Trotzdem wird sie in der Bibel als Gleichnis bezeichnet (nicht nur in Matthäus 15, sondern auch in Markus 7,17).

Des Weiteren zitiert Jesus an anderer Stelle ein Sprichwort: „Arzt, hilf dir selber!" (Lukas 4,23). Im griechischen Text lautet das Wort, das Jesus benutzt, um auf dieses Sprichwort zu verweisen, parabolē – dasselbe Wort, das in der Bibel normalerweise mit „Gleichnis" übersetzt wird. Offenbar ist die biblische Vorstellung davon, was ein Gleichnis ist, also weniger streng als die meisten Definitionsversuche verschiedener Kommentatoren, und darum ist es schwierig, die genaue Anzahl der biblischen Gleichnisse zu bestimmen.

Das griechische Wort parabolē wird in 31 Versen des Neuen Testaments 32-mal benutzt. In allen diesen Fällen bezieht es sich auf eine Geschichte, die Jesus erzählt hat. Das Wort hat zwei Wurzeln: para („neben") und ballō („werfen). In übertragenem Sinn bedeutet es „danebenlegen. Es deutet auf einen Vergleich zwischen zwei Dingen hin, die sich in bestimmter Weise ähneln. (Dieser Grundgedanke findet sich auch in dem mathematischen Begriff „Parabel", der eine Kurve beschreibt, deren eine

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