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Eltern auf Kurs: Wie das Leben mit Kindern gelingt.
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eBook514 Seiten6 Stunden

Eltern auf Kurs: Wie das Leben mit Kindern gelingt.

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Über dieses E-Book

Eltern zu sein ist eine echte Herausforderung - ob man nun Kleinkinder hat oder mit Teenagern unter einem Dach lebt. Nicky und Sila Lee haben selbst vier Kinder großgezogen und durch ihre langjährige Seminararbeit mit tausenden von Eltern gesprochen. In diesem umfassenden Ratgeber vereinen sie frische Erkenntnisse mit seit langem bewährten Prinzipien und Werten. Das macht dieses Buch zu einem wertvollen Begleiter in der Erziehung von Kindern.

Dabei geht es unter anderem um die Grundlagen eines gesunden Familienlebens und darum, wie die Bedürfnisse unserer Kinder erfüllt werden, wie Werte vermittelt und gute Entscheidungen fürs Leben getroffen werden können. "Eltern auf Kurs" ist ein umfassendes Nachschlagewerk, auf das Mütter und Väter immer wieder gern zurückgreifen werden.
SpracheDeutsch
HerausgeberGerth Medien
Erscheinungsdatum7. Mai 2015
ISBN9783961221110
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    Buchvorschau

    Eltern auf Kurs - Nicky Lee

    Inhalt

    Inhalt

    Vorwort

    Danksagung

    Einleitung

    Teil 1: Wie Familien funktionieren

    Kapitel 1

    Die Rolle der Familie

    Kapitel 2

    Grundlagen für ein gesundes Familienleben

    Kapitel 3

    Besondere Familienzeiten einrichten

    Kapitel 4

    Geschwisterbeziehungen fördern

    Teil 2: Die Bedürfnisse unserer Kinder erfüllen

    Kapitel 5

    Die fünf Sprachen der Liebe

    Kapitel 6

    Bestätigende Worte

    Kapitel 7

    Ungeteilte Aufmerksamkeit

    Kapitel 8

    Körperliche Nähe, Geschenke und Hilfsbereitschaft

    Teil 3: Grenzen setzen

    Kapitel 9

    Die Grundlage der Disziplin

    Kapitel 10

    Grenzen setzen bei Vorschulkindern (0 bis 5 Jahre)

    Kapitel 11

    Grenzen setzen bei 6- bis 10-Jährigen

    Kapitel 12

    Allmähliches Loslassen bei 11- bis 13-Jährigen

    Kapitel 13

    Teenager – Begleiten ohne Entfremdung

    Teil 4: Gute Entscheidungen fürs Leben treffen

    Kapitel 14

    Mit Wut umgehen (mit unserer und ihrer)

    Kapitel 15

    Stress, Depressionen und Essstörungen

    Kapitel 16

    Sex und Sexualität

    Kapitel 17

    Alkohol und andere Drogen

    Kapitel 18

    Geld, Fernsehen und Internet

    Teil 5: Unsere Überzeugungen und Werte vermitteln

    Kapitel 19

    Eine Familienidentität schaffen

    Kapitel 20

    Die großen Lebensfragen behandeln

    Kapitel 21

    Das geistliche Leben eines Kindes fördern

    Epilog

    Anhang

    Vorwort

    von Nicky Gumbel

    Ich habe Nicky und Sila Lee jahrelang gedrängt, dieses Buch zu schreiben. Möchten Sie wissen, warum?

    Nun, zunächst einmal sind sie selbst ganz wunderbare Eltern. Ihre vier Kinder strahlen so viel Freundlichkeit und Humor aus, dass jeder gerne in ihrer Nähe ist.

    Zweitens haben Nicky und Sila vierzehn Jahre lang den „Elternkurs" für Eltern von Kindern von 0 bis 10 Jahren und den gleichnamigen Kurs für Eltern von Teenagern von 11 bis 18 Jahren in der Holy Trinity Brompton Church durchgeführt und dabei sehr viel hilfreiches Material erarbeitet. Sie haben ihre eigenen Erfahrungen sorgfältig ausgewertet und so aufbereitet, dass alle Eltern, unabhängig von ihrer Situation und ihrem Hintergrund, davon profitieren können.

    Drittens kann ich nur sagen: Die Welt braucht dieses Buch! Nicht nur bei uns in Großbritannien, sondern weltweit ist die Familie einem enormen Druck ausgesetzt, und deshalb sehnen sich viele Eltern nach ganz konkreter Unterstützung.

    Ich hoffe und bete, dass zahlreiche Menschen durch die Lektüre dieses Buches ermutigt werden, so wie es bei meiner Frau und mir der Fall gewesen ist.

    Nicky ist seit über dreißig Jahren mein bester Freund. Wir sind zusammen zur Schule und zur Uni gegangen, und es kam immer wieder vor, dass er mir ein wenig auf die Sprünge geholfen hat. Als er im Jahr 1974 Christ wurde, hat er mich zwei Tage später ebenfalls zu Christus geführt. Nicky und Sila heirateten 1976, Pippa und ich anderthalb Jahre später. Unsere Kinder sind ungefähr im gleichen Alter, und obwohl Nicky, Sila, Pippa und ich zusammenarbeiten und ganz nah beieinander wohnen, sind wir darüber hinaus auch noch häufig zusammen in Urlaub gefahren.

    Ich habe Nicky und Sila in den letzten dreißig Jahren als Eltern erlebt, und mir ist deutlich bewusst geworden, dass sie etwas sehr Wertvolles weiterzugeben haben. Ihre Ehe und ihr Familienleben waren für uns ein Vorbild, und wir sind ihnen bis heute dankbar für ihren Rat und ihre Unterstützung bei der Erziehung unserer Kinder.

    Nur wenige Faktoren wirken sich so positiv auf das Leben eines Menschen aus wie eine liebevolle, konsequente Erziehung. Gleichzeitig kann die Vernachlässigung von Kindern katastrophale Folgen haben, und zwar nicht nur für die betroffenen Personen, sondern auch für die Gesellschaft als Ganzes. In unserer heutigen Zeit sind sich beinahe sämtliche Stimmen darin einig, dass Kinder ein starkes elterliches Vorbild brauchen. Allerdings haben viele Eltern das Gefühl, dass sie diesem hohen Anspruch nicht gerecht werden. Sie sind frustriert angesichts ihrer Unfähigkeit, mit dem Verhalten und den Einstellungen ihrer Kinder richtig umzugehen.

    Wie kommen wir aus diesem Dilemma heraus? Sind manche Leute einfach von Natur aus gute Eltern und andere nicht? Oder kann man es lernen, ein guter Vater bzw. eine gute Mutter zu sein?

    Nicky und Sila Lee zeigen in diesem Buch, wie wir uns Schritt für Schritt die notwendigen Fertigkeiten aneignen können, die für ein harmonisches und erfüllendes Zusammenleben in der Familie erforderlich sind. Sie möchten Eltern dazu anspornen, intensiv und kreativ darüber nachzudenken, wie sie ihren Zielen ein Stück näher kommen können.

    Ich bin davon überzeugt, dass die folgenden Seiten zahlreiche konstruktive Anregungen enthalten. Viele Eltern werden entdecken, dass sie mithilfe dieser Lektüre genau die Probleme vermeiden oder lösen können, mit denen sie gerade konfrontiert sind. Und diejenigen, die sich nicht so schwertun, werden feststellen, dass sich ihre gute Erziehung sogar noch ein wenig verbessern lässt.

    Nicky Gumbel

    Danksagung

    Das Schreiben dieses Buches hat viel mehr Zeit in Anspruch genommen, als wir geplant hatten, und ohne die Ermutigung und Unterstützung durch eine ganze Reihe von Personen hätten wir es nie zu Ende gebracht. Deshalb möchten wir uns bei all denen bedanken, die während dieses langen Prozesses an unserer Seite waren und uns immer wieder angespornt haben, nicht aufzugeben. Ein besonderer Dank gilt Nicky und Pippa Gumbel, die uns davon überzeugt haben, dass wir anderen Eltern etwas zu geben hätten. Die langjährige Freundschaft zwischen unseren Familien war für uns und unsere Kinder eine enorme Unterstützung, und wir hatten jede Menge Spaß zusammen – zum Beispiel, als wir damals am Flughafen von Chicago wegen starken Schneefalls sechs Stunden lang mit sieben Kindern und einem Rugbyball festsaßen.

    Unermüdlich wurden wir auch von unseren beiden Lektorinnen unterstützt: zunächst von Jo Glen, die später die Leitung einer Schule übernommen hat, und im Anschluss daran von Ali Briston, die das Projekt mit uns fertiggestellt hat. Danke für eure Kompetenz, eure Begeisterung und eure Kreativität, aber ganz besonders auch für all den Spaß, den wir zusammen bei dieser Arbeit hatten!

    Wir danken Charlie Mackesy, der unsere Familie gut kennt, weil er mehrere Jahre bei uns gewohnt hat. Sein wunderbarer Humor und sein künstlerisches Talent, die in den Illustrationen zum Ausdruck kommen, sind einfach faszinierend.

    Zahlreiche andere Personen haben auf unterschiedliche Weise zu diesem Buch beigetragen: Unser herzlicher Dank gilt allen Kindern (egal, ob sie noch Kinder oder mittlerweile schon Erwachsene sind), die uns von ihren persönlichen Erfahrungen berichtet haben. (In einigen Fällen haben wir ihre Namen geändert, um sie davor zu bewahren, womöglich irgendwann in der Zukunft in Verlegenheit zu geraten.) Und wir danken allen Eltern, die uns ihre persönliche Geschichte mit den Höhen und Tiefen der Kindererziehung erzählt haben – eure Offenheit wird viele Leser und Leserinnen motivieren.

    Wir bedanken uns bei allen, die das Manuskript im Vorfeld gelesen und wichtige Veränderungen und Ergänzungen vorgeschlagen haben. Insbesondere möchten wir John und Diana Collins dafür danken, dass sie so unglaublich viel Zeit investiert haben, um dieses Buch Korrektur zu lesen. Eure Erfahrung und eure Weisheit waren äußerst hilfreich.

    Katherine Boulter und Linda Van Tinteren schulden wir ebenfalls großen Dank, weil sie im Zuge dieser zahllosen Änderungen und Ergänzungen das Manuskript immer wieder geduldig von Neuem abgetippt haben – dieser Prozess hat tatsächlich so lange gedauert, dass sie inzwischen selbst verheiratet sind und Kinder haben!

    Zwei abschließende Dankesworte möchten wir noch aussprechen, und zwar zunächst an unsere eigenen Eltern, die uns eine Kindheit voller Spaß, Liebe und Geborgenheit geschenkt haben. Ihr wart uns ein gutes Vorbild, als wir selbst Eltern wurden. Und schließlich danken wir unseren eigenen Kindern: Kirsty, Benj, Barny und Josh – ohne euch hätten wir dieses Buch ganz sicher nicht schreiben können. Wir sind so dankbar, dass ihr so wunderbare Erwachsene geworden seid (trotz all der Fehler, die wir in eurer Erziehung gemacht haben, und all der schlaflosen Nächte, die ihr uns als Babys und später als Teenager bereitet habt!). Zusätzlich möchten wir zwei weitere Personen erwähnen und ihnen danken: Rick und Tamsin, die durch ihre Heirat mit Kirsty und Benj nun ebenfalls zu unserer Familie gehören. Wir haben in euch einen neuen Sohn und eine neue Tochter bekommen, ohne dass wir uns die Mühe machen mussten, euch großzuziehen. Und wir freuen uns sehr darüber, dass eure Eltern in dieser Hinsicht so gute Arbeit geleistet haben!

    Nicky und Sila Lee

    Einleitung

    Bevor ich heiratete, hatte ich sechs Theorien zur Kindererziehung. Jetzt habe ich sechs Kinder und keine Theorien.

    John Wilmot, Earl of Rochester

    Falten sind erblich. Eltern bekommen sie von ihren Kindern.

    Doris Day, Schauspielerin

    Wir treten einen völlig neuen Job an, ohne auch nur im Entferntesten darauf vorbereitet zu sein. Man muss keine Ausbildung absolvieren, um Mutter oder Vater sein zu können, und die wenigsten von uns bekommen vorher eine genaue Einweisung. Wie hoch der Lohn für diese Tätigkeit ist, möchten Sie wissen? Zurzeit erhält man in Deutschland ca. 180 € Kindergeld pro Monat.¹

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    Spätestens in dem Moment, wenn wir mit einem neugeborenen Baby aus der Klinik nach Hause kommen, dämmert es den meisten von uns: Sich um dieses Kind zu kümmern, ist die wichtigste Aufgabe der Welt. Nur haben wir leider absolut keine Ahnung, wie wir sie bewältigen sollen.

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    Kinder bringen eine enorme Verantwortung mit sich. Uns wurde die bedeutungsvolle Aufgabe anvertraut, das Leben echter Menschen zu prägen – samt ihrem unglaublichen Potenzial, sich sowohl positiv als auch negativ zu entwickeln. Manchmal ist das sehr unbequem: Unsere Kinder stören unseren Schlaf, sie durchkreuzen unsere Pläne, und sie rufen manches schlummernde, unbewältigte Gefühl in uns wach. Doch während wir versuchen, ihnen Dinge beizubringen, bringen sie uns etwas bei. Sie lehren uns nämlich, was es heißt, unsere eigenen Wünsche zurückzustellen. Die völlige Abhängigkeit eines Babys, seine Unfähigkeit, sich irgendwie erkenntlich zu zeigen oder Danke zu sagen – all das führt dazu, dass wir weniger ichbezogen sind. Wir werden gezwungen, uns zu ändern, erwachsen zu werden, die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen, Geduld zu entwickeln, mit unseren Unsicherheiten klarzukommen und ganzheitlicher zu werden. Kurz gesagt: Wir lernen, jemanden zu lieben.

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    Mutter oder Vater zu sein, ist eine höhere Berufung als die Suche nach dem eigenen Glück. Es kostet uns eine Menge: Müdigkeit, Sorgen und in manchen Fällen sogar den furchtbaren Schmerz, ein Kind hergeben zu müssen. Aber es beinhaltet auch eine unglaubliche Erfüllung: Wir spüren eine tiefe Liebe für unsere Kinder und empfinden es als großes Vorrecht, dass wir dazu beitragen dürfen, ihr Leben zu gestalten.

    Im Grunde kann uns nichts und niemand darauf vorbereiten, wie sehr die Ankunft unseres ersten Kindes unser Leben erschüttern wird. Es mag Ausnahmen geben, doch wir selbst haben definitiv nicht zu dieser Minderheit gehört.

    Nicky

    Unsere Tochter Kirsty kam sechs Tage vor Ostern zur Welt. Als ich nach Hause fuhr, war der Himmel tiefblau, die Kirschbäume blühten in voller Pracht, und die Welt erschien mir schöner als je zuvor. Auf der Straße war kaum Verkehr, aber ich fuhr trotzdem vorsichtiger als sonst, denn ich spürte plötzlich eine enorme Verantwortung. Zum ersten Mal in meinem Leben war jemand voll und ganz von mir abhängig und ich wollte meine Tochter auf keinen Fall enttäuschen.

    Es ist schwierig für frischgebackene Eltern, die komplexen Gefühle zu beschreiben, die sie nach der Geburt ihres ersten Kindes (oder der folgenden) befallen. In mir stieg eine überwältigende Freude auf, die sich mit Stolz, Erleichterung und sogar einem gewissen Erstaunen mischte: Auf einmal gab es dieses echte, atmende, lebendige kleine Wesen, bei dessen Erschaffung wir tatsächlich eine Rolle gespielt hatten.

    So begann unsere Reise als Eltern, und während in den folgenden Jahren unsere vier Kinder aufgewachsen sind, haben wir mehr Aufregungen, Herausforderungen, Schmerzen, Freude und Begeisterung erlebt, als wir uns je hätten vorstellen können.

    Kinder zu haben, ist wie Wildwasser-Rafting. Wir werden vorangetrieben, manchmal gerät unser Schlauchboot außer Kontrolle, doch wir haben keine Möglichkeit, anzuhalten und auszusteigen. Es gibt Zeiten, in denen uns die gewaltige Strömung Angst macht und wir damit rechnen, jeden Moment zu kentern. Wir fühlen uns den Herausforderungen nicht gewachsen und halten erschrocken die Luft an, wenn nach einer Flussbiegung plötzlich ein Wasserfall sichtbar wird. Und gelegentlich kommt es tatsächlich zum Schlimmsten: Wir gehen über Bord und müssen an Land schwimmen, bevor wir erneut durchstarten können. Manchmal genießen wir alle zusammen die Fahrt. Wir gleiten nur ganz gemächlich vorwärts, weil die Umgebung gleich bleibt, bis das Tempo dann plötzlich wieder anzieht. Im Gegensatz zum echten Wildwasser-Rafting haben wir jedoch keinen Experten an Bord, sondern sitzen selbst am Steuer und müssen die richtigen Kommandos geben, um unsere Familie sicher über jede einzelne Strecke des Flusses zu bringen. Und die Besatzung unseres Schlauchboots kann aus dankbaren Passagieren oder auch aus einer aufmüpfigen Crew bestehen.

    Während wir dieses Buch schrieben, haben wir über die Höhen und Tiefen des Elternseins nachgedacht und uns an die schwierigen und die besonders lohnenden Augenblicke erinnert.

    Der schwierigste Aspekt der Elternschaft

    Sila

    Die größte Herausforderung bestand für mich darin, mit meinen Schwächen konfrontiert zu werden: Ich habe immer wieder zu hart geurteilt und vorschnelle Schlüsse gezogen. Ich war ungeduldig und habe in Stresssituationen zu heftig reagiert. Anstatt aufmerksam zuzuhören, wenn eines unserer Kinder traurig oder wütend war, habe ich sie herumkommandiert. Kurz gesagt: Die Erziehung unserer Kinder hat mir einen Spiegel vorgehalten, der mir gezeigt hat, wie sehr ich an mir selbst arbeiten muss!

    Nicky

    Für mich bestand die größte Herausforderung des Vaterseins darin, regelmäßig Zeit für unsere Kinder zu finden. Ich bedaure all die Tage, an denen ich es zuließ, dass die Arbeit mir die Möglichkeit nahm, wenigstens eine Stunde mit meinen Kindern zu verbringen. Ich hätte bei ihnen am Tisch sitzen, mit ihnen spielen oder ihnen eine Geschichte vorlesen sollen.

    Der erfüllendste Aspekt der Elternschaft

    Sila

    Der erfüllendste Aspekt des Mutterseins war für mich, zu sehen, wie jedes unserer Kinder zu einer einzigartigen Persönlichkeit mit einem einzigartigen Charakter und seinen besonderen Gaben und Interessen herangewachsen ist, während sich alle vier gleichzeitig sehr stark mit unserer Familie identifiziert haben. Außerdem fand ich es sehr schön, dass zwischen den Geschwistern enge Beziehungen entstanden sind, auch wenn das natürlich nicht immer der Fall gewesen ist!

    Trotz aller Anstrengungen, die die Erziehung von Kindern mit sich bringt, habe ich es genossen, dass es in einer Familie nie langweilig wird. Zwar waren unsere gemeinsamen Mahlzeiten oft chaotisch, und ich war ständig damit beschäftigt, den Kindern grundlegende Tischmanieren beizubringen. Doch diese Zeiten haben dazu beigetragen, unsere Beziehungen untereinander zu festigen. Die Ferien – einschließlich der Grillfeste am Strand im Regen, die wir jedes Jahr erlebt haben – erforderten viel Energie und Kreativität, aber die Mühe hat sich immer gelohnt!

    Nicky

    Wenn ich die Müdigkeit, die Sorgen und das ständige Sich-Hinterfragen – Aspekte, die zum Elternsein dazugehören – einmal beiseitelasse, so muss ich sagen, dass ich das Vatersein als tiefe Erfüllung empfunden habe. Allerdings habe ich oft gedacht, die nächste Phase würde bestimmt schwieriger und problematischer werden: wenn sie erst einmal in die Schule gehen, auf eigene Faust etwas unternehmen und schließlich Teenager werden würden.

    Ich habe dann jedoch genau das Gegenteil erlebt: Wir fanden es herrlich, Teenager im Haus zu haben, deren Freunde oft in ganzen Horden aufgetaucht sind. Und ich habe festgestellt, dass meine Beziehung zu jedem meiner Kinder immer tiefer geworden ist, je älter sie wurden. Es hat mir Freude gemacht, ihnen bei der Bewältigung der verschiedenen Phasen in ihrem Leben zu helfen. Ich konnte verschiedene Optionen mit ihnen diskutieren und sie ermutigen, wenn sie unter Druck standen oder begriffen, dass sie einen Fehler gemacht hatten.

    Inzwischen sind sie erwachsen, und da sie immer wieder zu uns kommen, wächst die Beziehung zu jedem Einzelnen von ihnen auch weiterhin.

    Die Sicht unserer Kinder

    Jede Familie ist einzigartig und hat ihre ganz eigene Dynamik. Wir möchten Ihnen ein wenig von unserer Familie erzählen, um Ihnen den Hintergrund, vor dem wir dieses Buch geschrieben haben, vor Augen zu malen:

    Nach Kirsty bekamen wir drei Jungs: Benj, Barny und Josh. Der Altersunterschied zwischen Kirsty und Josh beträgt sieben Jahre. Zuerst haben wir in Japan gelebt, dann im Nordosten Englands (dort kamen Benj und Barny zur Welt) und schließlich, in den letzten vierundzwanzig Jahren, im Zentrum von London. Wir haben dort eine Wohnung ohne Garten, die so wenig Platz bietet, dass wir häufig das Gefühl hatten, einander auf die Füße zu treten. Da unsere ganze Verwandtschaft in abgelegenen Gegenden Schottlands wohnt, konnten die Kinder während der Ferien jedoch auch das Landleben kennenlernen.

    Bei uns sind die Männer in der Überzahl und alle drei Jungs waren von Anfang an begeisterte Sportler. In unserem Haus war immer etwas los – es war ganz normal, dass alle möglichen Leute unangemeldet bei uns hereinschneiten. Eine zentrale Rolle spielten die gemeinsamen Mahlzeiten, bei denen es sehr geräuschvoll zuging, weil jeder versuchte, sich irgendwie Gehör zu verschaffen.

    Wir würden nie behaupten, als Eltern alles richtig gemacht zu haben. Ganz sicher nicht! Es gibt Dinge, die wir heute völlig anders anpacken würden, wenn wir das Rad der Zeit zurückdrehen könnten. Wir haben unsere Kinder gebeten – sie sind heute zwischen zwanzig und dreißig Jahre alt, und Kirsty und Benj sind bereits verheiratet –, uns von einigen Begebenheiten zu erzählen, bei denen uns Fehler unterlaufen sind.

    Kirsty

    Ich bin mit drei sportbegeisterten Brüdern aufgewachsen, und so wurde beim Abendessen oft über das letzte Rugby-Spiel geredet, an dem einer der drei beteiligt gewesen war. Alles „Mädchenhafte" schien irgendwie zu kurz zu kommen, weil meine Brüder es natürlich langweilig gefunden hätten, über Kleider, Shoppen oder Make-up zu reden. Zwar war ich selbst gar nicht so übermäßig an diesen Dingen interessiert, aber ich wollte zumindest die Möglichkeit haben, mich mit solchen Themen zu beschäftigen. Und ich fand, dass Mama, als die einzige andere weibliche Person in unserer Familie, mich darin nicht genügend unterstützte. Das war einer der Gründe, warum ich so gern am Wochenende bei einer Freundin war, die nur eine Schwester hatte, denn dort sprachen wir über Sachen, die mich interessierten. Als ich älter wurde, schien meine Mutter zu merken, was mir fehlte, und daraufhin konnte ich bei ihr immer wieder mein Herz ausschütten.

    Benj

    Ich kann mich an eine Begebenheit im Urlaub erinnern, bei der Papa mir gegenüber ausgerastet ist. Und ausnahmsweise war es völlig ungerechtfertigt. Wir warteten im Auto auf Papa, um zum Surfen zu fahren, und Josh nervte uns unablässig. Barny und ich hatten uns die ganze Zeit beherrscht, aber als Papa ins Auto gestiegen war und Josh uns noch weiterärgerte, verlor ich die Geduld und boxte ihn. Daraufhin explodierte Papa, rief zornig: „Benjamin – steig aus! Du kommst nicht mit zum Strand!", und zerrte mich aus dem Auto.

    So wütend hatte ich ihn vorher noch nie erlebt, denn normalerweise hatte er sich immer unter Kontrolle, wenn er zu Recht mit uns schimpfte. Später gab Josh zu, was er getan hatte, und mein Vater hat sich bei mir entschuldigt.

    Barny

    Einmal hat Mama mich buchstäblich die Treppe hinuntergestoßen – natürlich nicht mit Absicht. Ich weiß nicht mehr, was ich getan hatte, aber wahrscheinlich hatte ich sie heftig provoziert. Es machte mir nämlich großen Spaß, sie zu nerven. Jedenfalls kam sie auf mich zu und ich flüchtete in mein Zimmer. Sie folgte mir – inzwischen war sie wirklich auf hundertachtzig! Mama ist ganz schön stark, und ich hielt mich an der Zimmertür fest, während sie versuchte, mich nach draußen zu ziehen.

    Plötzlich ließ ich die Türklinke los, und da meine Mutter weiterhin mit aller Kraft an mir zog, flog ich die Treppe hinunter. Eigentlich war dies meine Rettung, denn obwohl mir nichts passiert war, erschrak Mama so sehr, dass ihre Wut augenblicklich verrauchte. Und dann entschuldigten wir uns beieinander.

    Josh

    Ich finde, meine Eltern hätten ein bisschen strenger mit mir sein sollen – beim vierten Kind waren sie wohl einfach zu nachsichtig. Sie waren ziemlich locker, was meine Prüfungen betraf, und sagten mir nicht, dass ich mehr lernen sollte. Wahrscheinlich lag es daran, dass Kirsty irgendwann eine große Prüfungsangst entwickelt hatte und sie das Gleiche nicht noch einmal erleben wollten. Doch sie hätten mich wirklich dazu anhalten sollen, härter zu arbeiten. Ich hätte mich wahrscheinlich geärgert, aber es wäre besser für mich gewesen. Damals war ich nämlich noch nicht reif genug, um selber den Durchblick zu haben.

    Glücklicherweise können Kinder einiges verkraften! Wir hoffen, dass Sie beim Lesen dieses Buches die Zuversicht gewinnen, dass die Liebe eine Menge elterlicher Fehler zudeckt. Unser Ziel war immer, jedes Kind als eigenständige Persönlichkeit zu lieben und ihm zu vermitteln, dass es ein wertvoller und unverzichtbarer Teil unserer Familie ist. Solange wir uns mit unserer Familie identifizieren, können feste Beziehungen wachsen, die auch den unvermeidlichen Turbulenzen standhalten werden. Allerdings kann Ihr Weg natürlich ganz anders verlaufen als unserer.

    Was wir mit diesem Buch bezwecken

    Mutter oder Vater zu sein, war noch nie eine leichte Sache. Und seit wir selbst Eltern sind, haben wir beobachtet, wie unsere Kultur immer komplexer, anspruchsvoller und – für manche – sogar beängstigender geworden ist. Unsere Kinder wachsen in einer aufregenden, inspirierenden und teilweise verwirrenden Zeit auf. Auf dem Markt finden sich zahllose Bücher, die eine schwindelerregende Reihe von Ansätzen zum Thema Kindererziehung vorschlagen. Aber trotz aller neuen Technologien, der Globalisierung und des Internets gibt es auf diesem Gebiet einige Wahrheiten, die für alle Zeiten gültig sind. In diesem Buch möchten wir Ihnen einige grundlegende Erkenntnisse und lang erprobte Werte vermitteln, die leicht in Ihr Familienleben integriert werden können, auch wenn Ihre Familie vielleicht ganz anders ist als unsere. Unsere Erfahrungen aus den Elternkursen und unsere Gespräche mit Tausenden von Eltern und vielen Spezialisten lassen sich so zusammenfassen: Egal, in welcher Situation Sie sich befinden, es gibt bestimmte Dinge, die Sie tun können, um Ihr Familienleben zu verbessern. Die Ratschläge in diesem Buch beruhen zum Teil auf unseren eigenen Erfahrungen und zum Teil auf wertvollen, praktischen Tipps, die wir von anderen erhalten haben.

    Wir selbst haben keine so schmerzhaften Krisen durchgemacht wie manche Eltern, die mit der Krankheit oder dem Tod eines Kindes, der Ablehnung durch ein Adoptivkind, Verhaltensstörungen oder der Drogenabhängigkeit ihres Kindes konfrontiert werden. Solche außergewöhnlichen Herausforderungen sind nicht Thema dieses Buches; wir haben jedoch am Schluss einige andere Bücher und Organisationen aufgelistet, die auf diesen Gebieten hilfreich sein könnten. Was alleinerziehende Mütter oder Väter betrifft, so ist uns klar, dass die Aufgabe hier doppelt so schwer sein kann, und wir hoffen, dass unsere Vorschläge für Sie eine Hilfe und Ermutigung sind.

    Das Familienleben funktioniert selten (oder nie) so reibungslos, wie wir es uns wünschen. Wir wollen das Beste für unsere Kinder und schmieden lauter hübsche kleine Pläne, aber häufig weigern sich unsere Kinder einfach, mit uns zu kooperieren. Unsere Vorstellungen bezüglich ihrer Hausaufgaben, der Schlafenszeit oder einer möglichen beruflichen Karriere lassen sie völlig kalt. Und an manchen Tagen bringen sie uns an den Rand der Verzweiflung: Ihr aufmüpfiges Verhalten, ihr ständiges Argumentieren, die kontinuierliche Unordnung um sie herum, ihre unvernünftigen Forderungen, ihr merkwürdiger Geschmack hinsichtlich Kleidung und ihre nie endenden Bedürfnisse können uns völlig auslaugen. Mitunter denken wir sehnsüchtig an die Zeit zurück, als wir noch keine Kinder hatten, und fragen uns, womit wir uns damals eigentlich beschäftigt haben.

    „Wer ist bloß auf die absurde Idee gekommen, Kinder großziehen zu wollen?", überlegen wir erschöpft. Unsere guten Vorsätze lösen sich in Luft auf, und wir merken irgendwann, dass wir genauso unvernünftig werden wie unsere Kinder.

    Gelegentlich erfordert es unsere ganze Energie, um nur so einigermaßen über die Runden zu kommen. An solchen Tagen sind wir frustriert, weil wir meinen, dass wir andere und uns selbst enttäuschen. Aber wir brauchen trotzdem Ideale, nach denen wir uns ausstrecken können, ohne uns jedes Mal selbst zu verurteilen, wenn wir versagt haben.

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    Für uns ist der christliche Glaube ein Faktor, der jeden Bereich unseres Lebens entscheidend beeinflusst hat – nicht zuletzt auch die Art und Weise, wie wir versucht haben, unsere Kinder zu erziehen. Doch Sie brauchen unseren Glauben nicht zu teilen, um von diesem Buch zu profitieren.

    Ganz gleich, wo Sie sich gerade auf Ihrer Reise als Eltern befinden – ob Sie darauf warten, dass Ihr Baby geboren wird, ob Sie die Höhen und Tiefen im Umgang mit Kleinkindern erleben oder ob Sie schon Teenager im Haus haben – und welchen Herausforderungen Sie im Augenblick gegenüberstehen: Wir hoffen, dass Sie in diesem Buch einige hilfreiche Vorschläge und praktische Tipps finden werden, die Sie auf Ihre persönliche Situation anwenden können. Unser größtes Anliegen ist jedoch, dass Sie sich nicht schon von vornherein völlig unzulänglich und überfordert fühlen, sondern sich vielmehr ermutigen und inspirieren lassen. Wir wünschen uns, dass Sie eine ganz neue Vision für Ihre Familie bekommen.

    Teil 1 Wie Familien funktionieren

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    Kapitel 1

    Die Rolle der Familie

    Familie ist: Musik hören und Mama,

    Papa, Bart und Fergus tanzen.

    Fergus (3)

    Die Familie ist ein Ort, an dem ich mich vollkommen sicher fühle und meine Schwächen zeigen kann, weil ich weiß, dass man mich trotzdem liebt.

    Kirsty (28)

    Ich soll das Wort Familie definieren?

    Das kann ich nicht, weil sie nie für mich da gewesen ist.

    Rupak (22)

    Die Familie ist der Grundbaustein der Gesellschaft und die Wurzel der Kultur. Sie stellt die erste Quelle dar, aus der ein Kind bedingungslose Liebe und Annahme schöpft, und ermöglicht ihm eine lebenslange Verbundenheit mit anderen. Die Familie ist der erste Ort, an dem Sozialisation stattfindet und ein Kind lernt, andere zu respektieren. Hier lernt es, Zuneigung zu zeigen, sich zu beherrschen und seine Spielsachen vom Boden aufzuheben.

    Prof. Marianne E. Neifert, Kinderärztin

    Jeder braucht eine Familie. Unsere Familie ist unser Zuhause; sie ist die Gemeinschaft, zu der wir immer gehören werden und an die wir uns wenden können, wenn wir Trost, Rat oder Hilfe nötig haben. Hier brauchen wir uns nicht zu verstellen, sondern können so sein, wie wir wirklich sind. Wir werden angenommen und geliebt, darum können wir zur Ruhe kommen und uns innerlich weiterentwickeln. Gleichzeitig gibt es aber auch viel zu lachen, weil keiner sich selbst zu wichtig nimmt. In der Familie lernen wir, sowohl auf unsere eigenen Bedürfnisse als auch auf die der anderen zu achten. Das wäre zumindest der Idealfall, oder nicht?

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    Nicky

    An einem Freitagabend fuhren wir aus London heraus, als gerade der Feierabendverkehr tobte. Wir hatten unsere vier Kinder im Alter von vier bis elf Jahren dabei. Es war ein hektischer Tag gewesen, sodass ich an der roten Ampel noch rasch meine Post öffnete. Auf einem Umschlag stand „vertraulich. Benj schaute mir über die Schulter und wollte wissen, was „vertraulich bedeutet. Ich überlegte, wie ich es ihm so erklären könnte, dass es für ihn verständlich wäre. Das Beste, was mir einfiel, war: „nur für dich".

    Ungefähr eine halbe Stunde später bestellten wir in einem McDonald’s-Restaurant etwas zu essen. Sila fragte die Kinder nacheinander nach ihren Wünschen, bis sie schließlich bei Josh, unserem Vierjährigen, angelangt war. Er antwortete entschieden: „Einen Big Mac und vertrauliche Pommes frites, bitte." In Anbetracht von drei Geschwistern und der ständigen Notwendigkeit, Dinge zu teilen, war dieses neue Wort eine nützliche Erweiterung seines Wortschatzes!

    Eine Familie gründen

    Das Familienleben musste im Lauf der Jahrhunderte den unterschiedlichsten Belastungen standhalten. Heutzutage leidet die Familie in den westlichen Ländern vor allem durch gestiegene soziale und wirtschaftliche Erwartungen, zerbrochene Beziehungen und den allgemeinen Zeitdruck. Für viele Kinder sind Fernsehen und Internet praktisch zu Ersatz-Eltern geworden, die zwar verlockend sind, im Allgemeinen aber nur unzureichende Vorbilder liefern.

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    Viele Eltern sind auf die eine oder andere Weise gestresst, manche sogar bis zur Schmerzgrenze. Und es ist ganz normal, dass wir von ständiger Sorge und dem Gefühl des Versagens geplagt werden. Rob Parsons, der Vorsitzende von Care for the Family, begann einmal eine Ansprache vor 200 Eltern mit den Worten: „Sie sind höchstwahrscheinlich viel bessere Eltern, als Sie selber meinen." Die Erleichterung, die sich daraufhin im Raum ausbreitete, war fast mit Händen zu greifen.

    Es liegt nahe, dass wir uns mit anderen Eltern vergleichen. Wir betrachten andere Familien mit kritischem Blick und versuchen gleichzeitig verzweifelt, ein perfektes Bild unserer eigenen Familie zu präsentieren. Doch Vergleiche sind weder für uns noch für unsere Kinder hilfreich, weil jede Familie nun einmal einzigartig ist. Manche Kinder sind folgsam und leichter zu führen als andere, die einen starken Willen haben oder etwas komplizierter sind. Zwar können wir uns durchaus von anderen Leuten Tipps geben lassen, aber wir werden unsere Kinder trotzdem nicht genauso erziehen wie sie. Wir müssen den Mut haben, uns für unseren eigenen Ansatz zu entscheiden.

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    Eine Freundin von uns fand sich, nachdem ihr Mann sie verlassen hatte, als alleinerziehende Mutter von drei Kindern wieder. Sie sagte uns: „Als Alleinerziehende muss ich meinen Kindern besonders nachdrücklich vermitteln, dass wir eine richtige Familie sind. Zum Beispiel achte ich darauf, was wir an den Wochenenden unternehmen. Wir können zwar mit Familien zusammen sein, bei denen es Mutter und Vater gibt, denn dann sehen meine Kinder, wie solche Familien funktionieren. Aber ich muss ihnen unbedingt begreiflich machen, dass wir ebenfalls eine echte Familie sind."

    Es lohnt sich, eine langfristige Perspektive einzunehmen, wenn wir unsere Ziele festlegen, sonst werden wir von den momentanen Herausforderungen nur allzu leicht überrollt: Wir versuchen, ein Baby dazu zu bringen, eine Nacht durchzuschlafen; wir müssen eines unserer Kinder wiederholt ermahnen, weil es seinen Bruder oder seine Schwester schlägt; oder wir streiten uns mit einem Teenager, der sich an allen verfügbaren Körperteilen Piercings machen lassen will. Dabei können wir schnell unsere eigentliche Vision aus dem Auge verlieren: den Wunsch, dass unsere Kinder zu Erwachsenen mit einem gesunden Selbstvertrauen heranreifen, die ihr Potenzial verwirklichen und tragfähige Beziehungen zu uns und anderen Menschen aufbauen.

    Bevor Sie weiterlesen, nehmen Sie sich doch bitte eine oder zwei Minuten Zeit, um Bilanz zu ziehen: Wo stehen Sie zurzeit, und wie schätzen Sie die Art und Weise ein, wie Sie Ihr Kind bzw. Ihre Kinder erziehen? (In diesem Buch sprechen wir der Einfachheit halber von „Kindern", obwohl uns durchaus bewusst ist, dass Sie vielleicht ein einzelnes Kind oder aber ein oder mehrere Stiefkinder haben.)

    Ganz gleich, zu welchen Schlüssen Sie kommen – wir hoffen, dass die folgenden Seiten Ihnen Mut machen werden und dass Sie herausfinden, welche Veränderungen Sie ganz leicht umsetzen können, um Ihr Familienleben zu stärken. Sie können nämlich selbst entscheiden, was Sie aus Ihrer Familie machen wollen. Vermutlich wollen Sie nicht alles genauso anpacken, wie Sie es in Ihrer eigenen Kindheit erlebt haben, doch glücklicherweise zwingt uns niemand, das Vergangene zu wiederholen. In einem heftigen Streit warf ein Teenager seinem Vater vor: „Du hast mir noch nie gesagt, dass du mich lieb hast. Daraufhin antwortete der Vater: „Mir hat das auch keiner gesagt. In dieser Sackgasse brauchen wir jedoch nicht stecken zu bleiben!

    Unser Familienleben

    Sehen Sie sich die unten stehenden Aussagen an: Welche sind für Sie wichtig und wie sehr treffen sie tatsächlich auf Ihr aktuelles Familienleben zu? Versuchen Sie, ehrlich zu sein!

    • Wir gestalten mindestens einmal pro Woche eine besondere Familienzeit.

    • Ich verbringe jede Woche mit jedem meiner Kinder eine gewisse Zeit, in der wir etwas tun, was ihm Spaß macht.

    • Wir setzen uns mehrmals pro Woche gemeinsam als Familie zum Essen an den Tisch (ohne Fernsehen).

    • Ich sage meinen Kindern regelmäßig, dass ich sie liebe, und ich gebe ihnen mehr Lob als Kritik.

    • Ich weiß, wodurch sich meine Kinder geliebt fühlen.

    • Ich begrenze die Zeit, die meine Kinder vor dem Fernseher, am Computer, mit Spielekonsolen oder ihrem Handy verbringen.

    • Meine Kinder wissen, dass sie mit mir reden können und dass ich mich für ihre Anliegen interessiere.

    • Ich kenne die Freunde meiner Kinder, und ich weiß, welches ihre Lieblingsfächer in der Schule sind und was sie am liebsten essen.

    • Meine Kinder haben keine Scheu, mir zu sagen, ob und wann sie sich über mich geärgert haben.

    • Ich habe mich unter Kontrolle, wenn ich meinen Kindern Grenzen setze.

    • Ich kann mit meinem Partner über wichtige Erziehungsfragen sprechen und wir arbeiten an einem gemeinsamen Konzept.

    • Meine Kinder kennen meine Werte und Überzeugungen, soweit es ihr jeweiliges Alter zulässt.

    • Ich bete regelmäßig für meine Kinder und versuche, ihnen geistliche Werte zu vermitteln.

    • Ich habe Freunde oder Verwandte, an die ich mich wenden kann, wenn ich mich in meiner Rolle

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