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WASSON und der Soma: Heiliger Pilz, Berauschender Trank, Göttliche Vision - Die Entdeckungen des Ethnomykologen R. Gordon Wasson

WASSON und der Soma: Heiliger Pilz, Berauschender Trank, Göttliche Vision - Die Entdeckungen des Ethnomykologen R. Gordon Wasson

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WASSON und der Soma: Heiliger Pilz, Berauschender Trank, Göttliche Vision - Die Entdeckungen des Ethnomykologen R. Gordon Wasson

Länge:
196 Seiten
2 Stunden
Freigegeben:
Mar 13, 2017
ISBN:
9783037885307
Format:
Buch

Beschreibung

Vor etwa 3500 Jahren kam ein Volk, das sich als 'Aryas' bezeichnete und zur indoeuropäischen Sprachfamilie gehört, und nahm das Tal des Indus in Besitz. Mit einem Kulttrank verehrten sie einen ihrer Haupt-Götter, den mondgestaltigen Soma. Dieser Trank wurde nach diesem Gott Soma benannt und war das Extrakt einer besonderen Pflanze. Generationen von Forschern versuchten das Geheimnis dieser Pflanze anhand des Rig Veda, einer uralten Sammlung von Zauberhymnen, zu ergründen. Erst 1968, nachdem er eine Indien-Expedition durchgeführt hatte, gelang es Wasson, die sagenumwobene Götterpflanze zu identifizieren: es handelt sich um den im Schamanenkult zahlreicher Völker verwendeten Fliegenpilz.
Das Buch enthält die zwei Hauptkapitel (erstmals ins Deutsche übersetzt) aus Wassons klassischem Werk "Soma - der göttliche Pilz der Unsterblichkeit" sowie eine Zusammenfassung des gesamten Buchinhaltes. Die Fliegenpilzexperten W. Bauer und E. Klapp berichten in ihren Texten über Hintergründe von Wassons meisterhafter Entschlüsselung der geheim gehaltenen Rauschpflanze, sowie über die revolutionäre Bedeutung Wassons für das Verständnis vom Ursprung von Mythen, Religionen und Ritualen.

Eine nette Besprechung des Buches finden Sie auf der Webseite des Fliegenpilzmuseums: nielshallerberg.de
Freigegeben:
Mar 13, 2017
ISBN:
9783037885307
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

WASSON und der Soma - Wolfgang Bauer

1995

I.

Einführung: R.G. Wasson und der Gott in uns

Wolfgang Bauer

Griff nach dem Ei der Hexen

1973 erschien im Hamburger Merlin Verlag ein von mir in der Reihe „Merlins Bibliothek der geheimen Wissenschaften und magischen Künste herausgegebenes Buch des Schweizer Märchen- und Mythenforschers Sergius Golowin mit dem Titel „Die Magie der verbotenen Märchen – Von Hexendrogen und Feenkräutern¹.

Das farbige Cover zeigt einen Ausschnitt eines von dem Künstler Pit Morell gemalten Bildes. Man sieht einen langhaarigen jungen Mann, einen Hippie, hinter dem eine junge Frau ekstatisch tanzt. Was der Betrachter nicht sieht: Auf der Originalradierung blickt der junge Mann begehrend auf einen Fliegenpilz. Der Designer des Umschlags fand den Pilz bei einem Buch, das von Drogen und Kräutern handelt, entbehrlich. Und das, obwohl der Künstler seine Kindheit im märchenhaften Reinhardswald verbracht und, wie er mir damals erzählte, sich einiges bei der Gestaltung der Szene gedacht hatte. Denn Golowin schreibt in seinem Buch auch über den Fliegenpilz, das wunderbare Ei der Hexen und Druiden, das sich im Zuge seiner Vervollkommnung in einen Zwerg mit roter Kappe verwandelt: in ein winziges, koboldartiges Männlein, das mit der Fähigkeit begabt ist, seine menschlichen Verehrer und Freunde mit Siebenmeilenstiefeln in Gedankenschnelle in unvorstellbare Märchenabenteuer zu entführen.

Golowin wusste, worüber er schrieb. Ihn hatte eine teeähnliche Abkochung, die aus magischen Kräutern und Fliegenpilzen bestand und die ihm Zigeuner an einem Lagerfeuer in der Camargue einmal zubereiteten, für Stunden in eine Sintflut von Farben und Gesichtern gerissen, die ihm wie ein Eintauchen in den „Tanz der Ewigkeiten vorkam. „Nacht, Sterne, Feuer, Schatten, die Gesichter der Zigeuner, alles schmolz zu einer titanischen Einheit, zu einem Gesicht, das alles, Himmel und Tiefen, auszufüllen schien, das irgendwie alles ausdrückte, was ich je in meinem Leben als ein Bildnis des Guten, aber auch des Schrecklichen wahrgenommen hatte.² Er erinnerte sich an eine Stimme, die ihm, während er rauschtrunken am Feuer lag, erklärte, dass alles, was ist, das Bild der unendlichen Weisheit Gottes sei. Gott, der Schöpfer von allem, schaffe die Welt als seinen Spiegel. Alles was da ist, sei dazu da, den Gedanken Gottes ein Kleid zu geben.

Von Sergius Golowin erhielt ich viele weiterführende Hinweise und las mich alsbald mit Begeisterung in R. Gordon Wassons 1968 bei Harcourt Brace Jovanovich, Inc. erschienenes Werk „SOMA: Divine Mushroom of Immortality" ein. Das Buch hätte ich am liebsten als Ganzes sofort auf Deutsch herausgebracht, ich fand aber dafür keinen Verlag. Nachdem ich ein Glas eines (von Sergius’ Sippe sorgfältig zubereiteten) Fliegenpilztrunks konsumiert, eine eindrückliche Erfahrung einer seltsamen Himmelfahrt hatte³ und deshalb auch die Wirkungen des Soma auf die Psyche abschätzen konnte, beschloss ich, ein eigenes Fliegenpilzbuch unter Mitarbeit von Sergius zusammenzustellen. Darin sollten wenigstens die Schlüssel-Kapitel aus Wassons Soma-Buch enthalten sein. An diesem Projekt sehr interessiert war Dieter Hagenbach, der damalige Geschäftsführer des Basler Sphinx-Verlags. Ich schrieb R. Gordon Wasson von meinen Plänen und bekam sofort einen positiven Bescheid, in dem er uns den Abdruck einer ins Deutsche übersetzten Fassung der Texte erlaubte.

Ein Jahr später lernte er in Basel bei seinem Freund Albert Hofmann, der das Vorwort zu dem Buch schreiben wollte, Sergius Golowin und Dieter Hagenbach persönlich kennen.

In der Zwischenzeit häuften sich in meiner Praxis in Dreieich in einem Zimmer Fliegenpilzartefakte und Materialien bis zur Decke. 1991 kam es durch Vermittlung des Botanikers und Künstlers Herman de Vries zur ersten Fliegenpilzausstellung im Karl Ernst Osthaus-Museum in Hagen. Hier wie auch bei allen weiteren Ausstellungen⁴ gab es eine Vitrine, die den Forschungen von Wasson gewidmet war und die bei den Besuchern stets starkes Interesse, Erstaunen und lange Diskussionen auslöste.

Edzard Klapps und mein Versuch, 1991 die Soma-Kapitel in das Begleitbuch zur Ausstellung („Der Fliegenpilz – Ein kulturhistorisches Museum) zu integrieren, scheiterten an dem Widerstand des Kölner Kunstbuch-Verlegers, ein noch dickeres Buch produzieren zu müssen. Als im Jahr 2000 im Schweizer AT-Verlag ein neuer Fliegenpilzreader („Der Fliegenpilz – Traumkult, Märchenzauber, Mythenrausch) mit einem opulenten, farbigen Bildteil erschien (der Sphinx-Verlag existierte nicht mehr), gab es auch hier keinen Platz für die Soma-Kapitel. Der Reader enthielt zum 100. Geburtstag von Wasson aber eine ausführliche Würdigung zu Leben, Werk und Wirkung des Begründers der Ethnomykologie⁵.

Eine Frage der Praxis?

Wassons These – die er in seinem Buch „SOMA: Divine Mushroom of Immortality ausführlich begründete –, dass der im Rig-Veda besungene, göttliche Somasaft aus gepresstem Fliegenpilzsaft bestanden habe, brachte ihm zunächst viel Zustimmung. Der französische Anthropologe Claude Levi Strauss bezeichnete 1970 in einer Rezension Wassons Darlegungen als revolutionär. Seine Ableitungen seien überaus plausibel. Auch der Ethnobotaniker Richard Evans Schultes und der Schweizer Biochemiker Albert Hofmann akzeptierten die von Wasson gefundene Lösung in ihrem 1980 erschienen Buch „Plants of the Gods als richtig. Der amerikanische Ethnopharmakologe Jonathan Ott pries Wasson aufgrund seiner Entdeckung als Darwin des 20. Jahrhunderts und verglich ihn mit Gregor Mendel.

Zweifel und Kritik, die von prominenten Vedisten (Sanskritologen) gegen seine Thesen vorgetragen wurden, darunter eine 1971 erschienene 32 Seiten starke Attacke des Indologen Professor Brough⁶, die Brough persönlich am 8. August 1971 bei Wasson in seinem Haus in Danbury abgab, beantwortete Wasson 1972 mit einer 57 Seiten starken Entgegnung, in der er alle Register zog⁷. Bis zum Ende seines Lebens nahm er in Aufsätzen und in weiteren Büchern zu Fragen und Zweifeln immer wieder Stellung. Neu entdeckte Funde unterstützten seine Sicht und gaben seinen Thesen zusätzliches Gewicht⁸.

Nach seinem Tod machte Wassons Schüler und Freund, Jonathan Ott, die Sache seines „verehrten Lehrers zu seiner eigenen. In einem Artikel „The Post – Wasson History of the Soma Plant⁹ diskutierte er noch einmal ausführlich, ob andere in Indien heimische Pflanzen als der Fliegenpilz in die Beschreibungen passen, die im Rig-Veda gegeben werden. Für Ott kommen nach sorgfältiger Abwägung aller Argumente weder Zubereitungen aus dem Samen der Steppenraute (Peganum harmala), noch mit Psylocybin-Pilzen wie dem Psilocybe cubensis, noch mit Haschisch (Cannabis sativa), noch durch Auflösungen von Mutterkornpilzen, noch ein Getränk aus Meerträubelblättern (Ephedra vulgaris) in Frage. Ott stellt fest: „Wir können der Schlussfolgerung nicht entkommen, dass Wassons ursprüngliche Theorie den Test durch die Zeit bestanden hat und dass sie besser begründet bleibt als jede andere Alternative, die bisher vorgeschlagen wurde."

Cover des Begleitbuchs zur Fliegenpilzausstellung in Hagen, 1991

Cover eines Fliegenpilzreaders des AT-Verlags aus dem Jahr 2000

Die Mehrzahl von Wassons Kritikern hatte, das darf man nicht vergessen, weder Fliegenpilze noch andere psychoaktive Pflanzenzubereitungen probiert. Kompetenter würdigte ein Praktiker wie der amerikanische Bewusstseinsforscher Clark Heinrich 1992 in einem Artikel die Befunde Wassons¹⁰:

Der erste Anblick eines wild wachsenden Amanita muscaria könnte etwas beunruhigend sein. Mit seinem Fuß und Stiel von reinstem Weiß und seiner vollendet geformten, feuerrot leuchtenden, mit weißen Flecken übersäten Kappe ist dieser Pilz kein verborgenes Mauerblümchen. Er ist eine stattliche Erscheinung, eine schnell auftauchende und anwachsende Kraft, die scheinbar aus dem Nichts kommt, selbsterzeugt, aber vom Unwetter ausgebrütet, die schwarze Erde aufbrechend und seine Kraft und seinen Glanz der Welt offenbarend. „Hier bin ich", sagt er.

Cover von Strange Fruit – Alchemy, Religion and Magical Foods – A Speculative History, Bloomsbury Publishing, London 1994

In den vergangenen 15 Jahren habe ich diesen schönsten aller Pilze erforscht und gelegentlich damit experimentiert. Die Forschungsarbeit erbrachte eine Reihe von ganz unerwarteten Folgerungen. Das Experimentieren führte mich, nach dem Trial-and- error-Prinzip, zu einem über-stofflichen [super-essential] Feld reinen Lichts und reiner Glückseligkeit, die Gott selbst zu sein schien. Es führte ebenfalls bei einer anderen Gelegenheit in ein Koma der schrecklichsten und äußersten Finsternis, in das ich wiederholt im Verlauf eines Nachmittags versank. Diese frühen Experimente über die Grenzen des Bewusstseins hinaus waren lebensverändernde Ereignisse.

Einige würden hinzufügen „lebensbedrohende", aber mein Zustand reichte, wie bei anderen vor mir, nicht bis zum Tode. Und sicher mussten, wie ich dachte, Andere vor mir durch die ganze Geschichte hindurch ähnliche Erfahrungen gemacht haben, wenn sie diesen Pilz verzehrten. Es gibt ihn schon länger als den Menschen. Er wächst an verschiedenen Orten auf der ganzen Welt.

Gewappnet mit Erfahrungen aus erster Hand las ich Wassons „Soma" und spürte unmittelbar, dass seine Theorien der Wahrheit entsprachen. Ich las Übersetzungen des Rig-Veda und fand zu dieser bemerkenswerten Pflanze weit mehr Bezüge als die von Wasson zitierten, und zwar offene wie verdeckte. Die Verse sprachen von seiner variierenden, jedoch bestimmten Färbung; von seinen variierenden, jedoch bestimmten Formen; von seinem Lebenszyklus; von seiner tiefen und subtilen Wirkungsweise. Ich hatte keine Zweifel mehr: für mich war Soma in der Tat der Amanita muscaria.

Alles, was ich über die Wirkung von Soma las, entsprach meinen eigenen Erfahrungen mit dem Pilz: übermäßiges Schwitzen, die Drohung eines „unangenehmen Durchgangsstadiums" (Übelkeit, Erbrechen, Koma), Sehstörungen, außergewöhnliche Energie und Ausdauer, Redekraft, Hellsehergabe, Telepathie, Glücksgefühl, Leichtigkeit. Lohn für diese Katharsis war immer die Gabe des Geistes. Sogar (oder besonders) Wassons Theorie der zweiten Form des Soma traf zu.

Wie Wasson ausführte, wurde der Feuergott Agni, sowohl Gott wie Feuer, stets mit dem Soma in der Rig-Veda gleichgesetzt. Soma wurde oft Agni genannt, als wenn es in jener Zeit allgemeines Wissen gewesen wäre, dass man sich auf Soma als ‚Feuer’ beziehen konnte, und jeder andere verstand, warum. Und sie würden verstehen, warum, wenn das Feuer, auf das man sich bezog, der Pilz mit seiner feurigen, wie eine glühende Kohle rot leuchtenden Kappe war. Er trägt sogar Flecken von weißer ‚Asche’ in Form von an der Kappe hängen gebliebenen Hüllenresten an der Oberfläche. Soma als Feuer hinterlässt sogar ‚Asche’ in Form eines weißen Sporenstaubes auf allem, was unter der sporenbildenden Kappe liegt. Schließlich ist die hitzige Wirkung des Soma auf den Verwender zu nennen. Um einen so übermäßigen Schweißausbruch zu erleben, muss man wohl Feuer geschluckt haben.

Soma war der Bulle, der den Boden mit seinem Horn aufpflügte; er war der Nabel; er war der Pfeiler des Himmels; er war ‚Honig’ (getrocknete reife Kappen schmecken nach Honig); er war Feuer. Wenn er alle diese Dinge war, kann man sinnvoll annehmen, dass er auch andere Dinge war, dass er noch andere Namen hatte. Wir wollen nicht vergessen, dass Soma das zentrale und wesentliche Element der gesamten religiösen Praktiken dieser Zeit war, was ihn zu einem heißbegehrten Gott machte.

Der König im Wald

In jedem Herbst sind die Wälder bei uns voll mit den kleinen, in Purpurrot gekleideten, feuerfarbenen Fliegenpilzkobolden, die die Vorübergehenden grüßen. Im russischen Märchen gilt das unter den Wurzeln der Fichten wohnende Pilzmännlein Och als König, der als mächtiger, schamanisierender Waldgeist die Menschen, die sich ihm anvertrauen, in seinem „Feuer zu Kohle verbrennt, sie mit „Lebenswasser (Fliegenpilzsaft) besprengt und wiederbelebt und sie – über diese Initiation geläutert und mit magischem Wissen versehen – ins Leben entlässt¹¹. In der Bezeichnung Königsfliegenpilz (Amanita regalis) schwingt

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