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Liberalisierung psychoaktiver Substanzen: Warum ein Umdenken dringend erforderlich ist

Liberalisierung psychoaktiver Substanzen: Warum ein Umdenken dringend erforderlich ist

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Liberalisierung psychoaktiver Substanzen: Warum ein Umdenken dringend erforderlich ist

Länge:
222 Seiten
4 Stunden
Freigegeben:
7. Sept. 2017
ISBN:
9783037885451
Format:
Buch

Beschreibung

Schadet Rausch der Gesellschaft? Warum unterbinden die Regierungen der meisten Länder den Gebrauch psychoaktiver Substanzen? Wie kam es zu den Verboten, und wie hat man sie begründet? Trotz punktueller Fortschritte ist die Drogenpolitik restriktiv geblieben, und man debattiert emotional und wenig sachlich über das Thema. Selbst denjenigen, die unter der Repression leiden, fehlt oft das Hintergrundwissen, um eine abweichende Position schlüssig vertreten zu können. Nur mit überprüfbaren Fakten und Kenntnisse der Zusammenhänge kann man politisch überzeugen.
Das Buch stellt die relevanten Argumente für oder gegen die Prohibition bereit - mit einem interdisziplinären Ansatz, der dem Streben des Menschen nach persönlichem Glück zentrale Bedeutung zumisst. Wer offiziellen Darstellungen kritisch gegenübersteht und sich selbst ein Bild machen möchte, findet hier in prägnanter Form die gesuchten Informationen.
Freigegeben:
7. Sept. 2017
ISBN:
9783037885451
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Liberalisierung psychoaktiver Substanzen - Frank Sembowksi

Quincey

Einleitung

Dem politisch interessierten Menschen zeigt sich ein ausgesprochen düsteres Bild, was Ausmaß und Verbreitung des Drogenproblems in unserer Gesellschaft anbelangt. Aus den Beiträgen der Boulevard-Medien und den offiziellen Verlautbarungen muss er folgern, dass der Konsum von Drogen ein generelles, weitverbreitetes Übel ist, nur mit Mühe im Zaum gehalten werden kann und die meisten Personen mit geradezu mathematischer Gewissheit in Krankheit, Abhängigkeit, Verelendung und Tod führt. Er begegnet Crystal Meth-Konsumenteni, die Ende 20 so aussehen wie ihre eigenen Großeltern; er hört davon, wie immer mehr jugendliche Cannabiskonsumenten ihre besten Jahre vertun, weil sie lieber kiffen, statt ihren Schulabschluss zu machen; registriert drogengepushte Raver, wie sie in Klubs während eines Tanzmarathons kollabieren und vom Notarzt behandelt werden müssen; liest von Patienten, die in einer MDMA-gestützten Psychotherapie sterben; wird mit Heroinsüchtigen konfrontiert, die Job, Familie und Wohnung verloren haben; und zu guter Letzt tritt er voll Grauen und Abscheu dem stummen, anklagenden Heer der Drogentoten gegenüber – Zeugen einer orientierungslosen, verkommenen und degenerierten Gesellschaft. Dann jedoch erfährt er davon, dass der sogenannte Krieg gegen die Drogen gescheitert sei, und wundert sich über die Länder und Staaten, die den Schritt zur Entkriminalisierung oder Liberalisierung einzelner psychoaktiver Substanzen längst vollzogen haben, ohne dass die prophezeiten Horrorszenarien nachfolgend eingetreten wären. – Wem darf man nun Glauben schenken?

Sind eine Lockerung der Gesetze und eine fortschreitende Liberalisierung begrüßenswert? Sollte es nicht die Pflicht des Staates sein, die Bürgerinnen und Bürger vor Rauschgiften zu schützen? Würde die Liberalisierung psychoaktiver Substanzen nicht zu einer unüberschaubaren Zahl an Süchtigen in allen Teilen der Bevölkerung führen? Müssten wir nicht befürchten, dass in logischer Konsequenz des massenhaft ansteigenden Konsums das Gesundheitssystem zusammenbräche? Litte unter dem sich epidemieartig ausbreitenden Missbrauch nicht die Produktivität und Leistungsfähigkeit der Wirtschaft? – Welche Gründe sprechen also für die Freigabe psychoaktiver Substanzen?

Das vorliegende Buch wäre kaum nötig, wenn in der Gesellschaft hierüber Einigkeit bestünde. Wo die einen den Zerfall der Sitten und den Zusammenbruch der abendländischen Kultur prophezeien, fordern die anderen die Freiheit, in allen Belangen, die primär das Individuum betreffen, über die Art der Lebensgestaltung selbst bestimmen zu dürfen. Die Meinungen klaffen weit auseinander, der Umgang mit dem Thema ist oft von Emotionalität und kaum zu überbietender Ignoranz gekennzeichnet. Dabei fällt auf, dass sich die meisten mit der Sache nur unzureichend beschäftigt haben und von Hypothesen ausgehen, die aus wissenschaftlicher Sicht mittlerweile als längst überholt gelten müssen. Man könnte meinen, dass Expertenwissen auf dem Gebiet der psychoaktiven Substanzen in manchen Kreisen nachgerade verpönt ist: Vorzugsweise wird die Debatte ideologisch geführt.

Es ist zwar kaum verwunderlich, dass sich mehrheitlich die konservativen politischen Kräfte dagegen wehren, den Handlungsbedarf anzuerkennen und auf die Missstände zu reagieren, trotzdem müssen die Ausdauer und die Hartnäckigkeit erstaunen, mit der die Befürworter der Gesetze einer repressiven Drogenpolitik ihre Position verteidigen. So bringt die amtierende Drogenbeauftragte der deutschen Bundesregierung, die durch ihre Arbeit Einfluss auf die Gesundheit vieler Menschen nimmt, ein Maß an Unkenntnis zum Ausdruck, wie man es für eine Ressortleiterin nicht für möglich gehalten hätte. Dreizehn Jahre nach ihrer Einführung hat sie den landesweiten Maßnahmen zur Entkriminalisierung aller Substanzen und zur Resozialisierung der Süchtigen in Portugal noch immer keine Beachtung geschenkt.⁴ Obwohl sie alkoholische Getränke bewusst und kontrolliert genießt⁵, glaubt sie, die Gefährlichkeit anderer Substanzen am Legalitätsstatus ablesen zu können.⁶ Cannabis hält sie nicht für zu unserem Kulturkreis gehörend und erkennt darin (im Gegensatz zum weitverbreiteten Alkohol) eine Bedrohung, vor der sie die Gesellschaft schützen zu müssen meint.⁷ Dieses Stimmungsbild kann man als durchaus typisch bezeichnen, und so ist die Drogenbeauftragte in den führenden Kreisen der Politik mit ihrer Unwissenheit keineswegs allein. Die ehemalige englische Innenministerin Jacqui Smith (um nur ein weiteres Beispiel zu nennen) äußerte sich kürzlich ähnlich unbedarft, als sie feststellte, dass man illegale Substanzen nicht mit legalen vergleichen dürfe – eben weil letztere nicht legal seien.⁸

Zusammengenommen hat das etwa dieselbe Stringenz, als würde man die Kartoffel als Nahrungsmittel verbieten, da sie zum einen unserer Kultur ursprünglich fremd war und zum anderen, im Unterschied zum Weizen, in der Erde reift. Solche die Grundfesten der Logik und Wissenschaftlichkeit erschütternden Standpunkte tragen zur Aufklärung wenig bei, fördern die Unsicherheit unter Jung und Alt und geben ehrlich gemeinten Anstrengungen aufseiten der Regierung, schädigenden Gebrauch einzudämmen und den Umgang mit Rauschmitteln vorausschauend zu gestalten, der Lächerlichkeit preis.

Die genannten Wissenslücken in Bezug auf Rauschmittel mögen einem vergleichsweise unbedeutend erscheinen, aber die aus ihnen abgeleiteten politischen Fehlurteile haben schlimme humanitäre Missstände zur Folge. Sie erschweren die Lebensumstände all derjenigen, die auf den Einsatz illegalisierter Substanzen in Therapie, Medizin und Forschung hoffen. Durch die Gesetze und das vorherrschende Meinungsbild werden die Konsumenten pathologisiert und stigmatisiert, obwohl sie mit psychoaktiven Substanzen verantwortungsbewusst umgehen können und in der Regel ein unauffälliges Leben führen. Die unverhältnismäßig hohen Strafen in Deutschland und in vielen anderen Ländern kriminalisieren ganze Bevölkerungsgruppen und grenzen sie zugleich ideologisch aus der Gesellschaft aus. Und aufgrund der ungebrochen starken Nachfrage (ausgehend vor allem von den westlichen Industrienationen) floriert ein Schwarzmarkt, der in den Drogenkriegen dieser Welt jährlich Tausenden von Menschen das Leben kostet.

Aufklärung tut wahrlich not – nicht zuletzt in der Gruppe derjenigen, die meinen, in den Lebensstil anderer Leute eingreifen zu müssen. Wenn sich die Amtsinhaber und Vertreter des Volkes der Beurteilbarkeit durch Wissenschaft und ein kritisch-rationales Vorgehen entziehen, warum sollten ihnen dann Jugendliche und Heranwachsende, aber auch zunehmend mehr und mehr ältere Menschen Gehör schenken, die es aus eigener Erfahrung doch längst besser wissen?

Im Folgenden soll der Frage nachgegangen werden, was es mit der ablehnenden Haltung auf sich hat und ob es wirklich unabdingbar notwendig ist, den körperlichen und geistigen Gestaltungsspielraum der gesamten Bevölkerung einzuschränken und ihr ein Leben in Abstinenz und Verzicht anzuempfehlen. Als Ergänzung zur vorhandenen Fachliteratur möchte die Untersuchung möglichst alle relevanten politischen und sozialen Aspekte der Liberalisierung psychoaktiver Substanzen ansprechen und auf diesem Wege einen Beitrag zur Versachlichung der Diskussion und politischen Willensbildung leisten. Die Beschränkung auf nur wenige Teilaspekte würde der Vielschichtigkeit des Sachverhalts nicht gerecht werden und zu Fehlschlüssen verleiten, wie sie in der öffentlichen Debatte gang und gäbe sind.

Humanitäre Gesichtspunkte und das Persönlichkeitsrecht erhalten einen besonderen Stellenwert, wobei weder die Unwägbarkeiten und Gefahren noch der Nutzen und die Chancen der Einnahme psychoaktiver Substanzen vernachlässigt werden. Medizinische und pharmakologische Details beschränken sich im Wesentlichen auf Cannabis und Alkohol – also eine illegale und eine legale Substanz –, um an diesen exemplarisch die Schwierigkeit aufzuzeigen, Empfehlungen für den verantwortungsvollen Gebrauch auszusprechen. Dass es absolute Sicherheit nicht gibt, ist nicht nur eine Binsenweisheit, es trifft im besonderen Maße auch auf den Gebrauch und die Wirkungsweise psychoaktiver Substanzen zu. Man kann niemandem die Entscheidung abnehmen, ob er oder sie in einer konkreten Situation, in einem bestimmten Lebensabschnitt oder auch als Ausdruck der Individualität und Identität eines ganzen Lebens psychoaktive Substanzen verwenden möchte oder nicht. In der Stärkung der Eigenverantwortlichkeit und in der Wahrung der Freiheit drückt sich die Grundhaltung der vorliegenden Informationsschrift aus. Sie ist mit der Absicht verfasst worden, den politisch Verantwortlichen, den unmittelbar Betroffenen und allen an der Thematik Interessierten in möglichst knapper Form zitierfähiges und stichhaltiges Material an die Hand zu geben, dessen Kenntnis erforderlich ist, um sich an der Diskussion beteiligen und die persönliche Einstellung zu illegalisierten Substanzen überdenken zu können.

iStellvertreter, Berufs-, Rollen- und Funktionsbezeichnungen umfassen im Folgenden alle Geschlechter.

Ausgangssituation

In mancherlei Hinsicht gleicht die Ausgangssituation derjenigen vor der sexuellen Befreiung. Den Mitgliedern unserer Gesellschaft steht es heute offen, die eigenen sexuellen Vorlieben und Neigungen auszuleben, solange dies im gegenseitigen Einverständnis der Partner und außerhalb des öffentlichen Raums geschieht. Diese Freiheit erscheint uns jetzt, nicht zuletzt aufgrund ihrer natürlichen Voraussetzungen, als eine Selbstverständlichkeit, doch musste sie in der Vergangenheit Schritt für Schritt gegen den Widerstand der moralisierenden und patriarchalischen Kräfte der Gesellschaft erkämpft werden. Es verwundert also kaum, dass andere Bereiche des persönlichen Lebens (die gleichfalls angestammte Machtgefüge berühren) weiterhin erheblichen Zwängen ausgesetzt sind. Das Herbeiführen eines veränderten Bewusstseinszustands, ausgelöst durch die Einnahme psychoaktiver Substanzen, findet nach wie vor nicht die Zustimmung in allen Teilen der Bevölkerung.

Doch woran liegt es eigentlich, dass gesetzliche Auflagen die Entfaltung der Persönlichkeit in diesem Gegenstand weltweit einzuschränken versuchen, obwohl in den seltensten Fällen mit ihm eine Belästigung anderer Personen verbunden ist oder aus ihm eine Störung für den öffentlichen Frieden resultiert? Wie mag es um eine Gesellschaft bestellt sein, die solche Restriktionen nicht nur zulässt, indem sie dasjenige, was ihr falsch und befremdlich vorkommt, unterdrückt, tabuisiert oder verdrängt, sich ihm gleichzeitig aber auf Festen und bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten und Anlässen ungezügelt hingibt?

Auf diese gesellschaftsrelevanten Fragen möchte die Untersuchung eine ehrliche und in sich stimmige Antwort geben. Und um objektiven Kriterien im Sinne der weiter unten dargelegten Anschauung zu genügen, möchte sie alle Interessierten dazu auffordern, die Beweisgründe und Schlussfolgerungen einer kritischen Prüfung zu unterziehen und sich mit der Problematik eingehend vertraut zu machen, selbst wenn sie die eigene Person vermeintlich nicht zu betreffen scheint. Denn niemand, der sich mit der Liberalisierung psychoaktiver Substanzen befasst, sollte dies zum Anlass nehmen, das eigene Verhalten zu generalisieren oder nachträglich zu rechtfertigen. Erklärte Absicht muss es sein, Balance zu halten und die persönliche Freiheit des Einzelnen gegen die Vereinnahmung durch die Gesellschaft zu verteidigen, ohne dabei die Interessen der Gemeinschaft außer Acht zu lassen.

Begriffsbestimmung, Wissenschaftlichkeit und Abgrenzung

Aus wissenschaftlicher Sicht handelt es sich bei der Liberalisierung psychotroper Substanzen um eine komplexe multidisziplinäre Fragestellung unter Einbezug so weitverzweigter Fachbereiche wie der Ethnologie und Ethnobotanik, der Pharmakologie, Biochemie und Biologie (hier besonders: die sekundären Pflanzenstoffe und die Mykologie). Von Bedeutung sind fernerhin medizinisch-therapeutische Gesichtspunkte und die unterschiedlichen Blickrichtungen, die uns die Soziologie, Psychologie, Anthropologie, Rechtswissenschaft und (als praktische Wissenschaft) die Ethik vermitteln. Um sich auf dem unsicheren und ausgedehnten Terrain leichter zurechtzufinden, sollen die zentralen Begriffe kurz erläutert werden.

Der Korrektur in der öffentlichen Wahrnehmung bedarf vor allem der Begriff Droge, weil er fast ausschließlich mit illegalisierten Substanzen in Verbindung gebracht wird und weitgehend negativ belegt ist. In der Arzneimittelkunde bezeichnet Droge völlig wertfrei die zu Heilzwecken getrockneten und haltbar gemachten Teile von Pflanzen, Tieren, Mikroorganismen oder Pilzen; dagegen wendet die Umgangssprache und die Politik das Wort recht unscharf auf die Gesamtheit der subjektiv als schädlich empfundenen, illegalisierten Substanzen an, die auf den Körper wahrnehmungsverändernd wirken – dies mit dem Resultat, dass zum Beispiel das vielerorts frei erhältliche Nikotin, obwohl es in Form von Zigaretten eines der stärksten bekannten suchtbegünstigenden Mittel ist⁹, von den meisten Menschen nicht als ein solches eingestuft wird. Aufgrund dieser negativ besetzten und wissenschaftlich wertlosen Konnotation soll der Begriff im Folgenden ausschließlich in seinem ursprünglichen Sinn verwendet und stattdessen konsequent von psychoaktiven oder psychotropen (bewusstseinsverändernden) Substanzen oder Stoffen gesprochen werden. Daneben mag allenfalls noch die Bezeichnung Rauschmittel als wertneutrale Umschreibung seine Gültigkeit behalten. Zu diesen gehören dann selbstverständlich auch legale Substanzen wie das gerade erwähnte Nikotin oder der allgegenwärtige und vielgestaltige Alkohol. Feste, einem unzweideutigen Kontext zugeordnete Wendungen und Komposita wie Drogenkrieg, Drogenpolitik oder Designerdrogen werden beibehalten – die politisch motivierte Absicht ist für jeden leicht erkennbar.

Obsolet sind auch die Bezeichnungen harte und weiche Droge. Sie finden in der öffentlichen Laiendiskussion Anwendung, haben jedoch im wissenschaftlichen Sprachgebrauch keine Berechtigung, da sie einen Dualismus der Wirkung implizieren, den es in dieser Form nicht gibt. Die Wirkung von psychoaktiven Substanzen hängt von sehr vielen sich gegenseitig beeinflussenden Faktoren ab. Hierzu gehören die persönliche Einstellung (Motivation), der Gemütszustand und die Erwartungshaltung; zusammengenommen die mentale Verfassung (auch Set) genannt. Zu den inneren Dimensionen einer Person kommen äußere wie Umgebung, Räumlichkeit, Teilnehmerkreis, Intensität der Betreuung während der Phase der Berauschung und das Ritual der Einnahme. Es hat sich durchgesetzt, diesen äußeren Rahmen als Setting zu bezeichnen. Physiologische Faktoren wiederum erstrecken sich auf den Gesundheitszustand, auf die körperliche Fitness, das Gewicht, Alter, Geschlecht und die Veranlagung (im Sinne einer genetischen Prädisposition). Ergänzt werden sie um das gesellschaftliche Lebensumfeld, die familiären Verhältnisse, den (sub)kulturellen Kontext und individuelle Glaubensvorstellungen. Nicht zuletzt bestimmen pharmakologische Größen wie die in einer Session eingenommene Dosis, die Häufigkeit der Verwendung (regelmäßig, gelegentlich, einmalig), die Darreichungsform und die Art der Einnahme (besonders: oral, intranasal, inhalativ, perkutan, subkutan und intravenös) das Erleben.

Alle diese Faktoren werden manchmal in der Formel Drug, Set and Setting zusammengefasst, wobei das insofern nicht immer hilfreich ist, als in gewissen Situationen einzelne (nicht näher genannte) Faktoren stark gewichtet sein können. Beispielsweise treten bei einigen Menschen unvorhersehbare körperliche Überreaktionen auf; auch gruppendynamische Prozesse während der Exposition spielen bisweilen eine zentrale Rolle. Immerhin macht auch obige, verkürzte Darstellung unmissverständlich deutlich, dass es eben nicht allein die Substanz ist, die das Ergebnis bestimmt. Wer dessen ungeachtet die Begriffe harte und weiche Droge in der öffentlichen Auseinandersetzung weiterhin verwendet, ersetzt Fachkenntnis durch Klischee und Wissen durch Meinung.

Im Bereich des bewussten und vorausschauenden Konsums existiert ein ungemein breites Spektrum an Funktionen und Anwendungsfällen. Sie betreffen den Genuss und die Geselligkeit, die Leistungssteigerung, die experimentelle Rauscherfahrung (Neugier und Entwicklung der Persönlichkeit), die Verwendung als Medikament oder die Einbettung in schamanistische Rituale und geistliche Praktiken. Nach antikem Vorbild werden im Rausch lange unterdrückte Triebe und impulsgesteuerte Verhaltensweisen ausgelebt und zeitweilig die standesgebundene, weltliche Ordnung aufgehoben (Dionysos-Festspiele). Nicht vergessen sollte man die Bedeutung psychotroper Substanzen als Ausdruck und Symbol des Erwachsenwerdens, als Werkzeug des Protests und als Terminus der Zugehörigkeit zu einer Gruppe

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