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Löhndorff Gesamtausgabe #4: Ägyptische Nächte

Löhndorff Gesamtausgabe #4: Ägyptische Nächte

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Löhndorff Gesamtausgabe #4: Ägyptische Nächte

Länge:
236 Seiten
3 Stunden
Freigegeben:
Dec 22, 2017
ISBN:
9781386375487
Format:
Buch

Beschreibung

Ägyptische Nächte

Roman von Ernst F. Löhndorff

Der Umfang dieses Buchs entspricht 219 Taschenbuchseiten.

Die Erzählung berichtet sehr lebhaft und in bildhafter Sprache von den Erlebnissen eines Abenteurers, dessen Reise, irgendwann Anfang des 20. Jahrhunderts, durch den Orient führt. Aus Deutschland stammend, nennt er sich Ernesto, einen Herumtreiber, der den Nil entlang durch Ägypten reist, um zu seiner reinen Lust und Freude in den Tag hineinzuleben und das Land, das er so liebt, zu erkunden. Er kleidet sich traditionell, jedoch mit einem grünen Turban, was eigentlich nur Abkömmlingen der Scherifen und Kalifen vorbehalten ist oder einem Mekkapilger. Sehr überzeugend schlüpft er in die Rolle eines Hadschi, und wird fortan von der einheimischen Bevölkerung mit ehrfurchtsvollem Respekt behandelt. So trifft er eines Tages die reiche Amerikanerin Harriet, Tochter eines Archäologen, die ihn einlädt, bei ihr in Cairo zu bleiben und die Schönheiten des Landes zu zeigen ...

Die Darstellungen in diesem Buch gründen auf wirkliche Erlebnisse des Verfassers.

Freigegeben:
Dec 22, 2017
ISBN:
9781386375487
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Löhndorff Gesamtausgabe #4

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Löhndorff Gesamtausgabe #4 - Ernst F. Löhndorff

Ägyptische Nächte

Roman von Ernst F. Löhndorff

Der Umfang dieses Buchs entspricht 219 Taschenbuchseiten.

Die Erzählung berichtet sehr lebhaft und in bildhafter Sprache von den Erlebnissen eines Abenteurers, dessen Reise, irgendwann Anfang des 20. Jahrhunderts, durch den Orient führt. Aus Deutschland stammend, nennt er sich Ernesto, einen Herumtreiber, der den Nil entlang durch Ägypten reist, um zu seiner reinen Lust und Freude in den Tag hineinzuleben und das Land, das er so liebt, zu erkunden. Er kleidet sich traditionell, jedoch mit einem grünen Turban, was eigentlich nur Abkömmlingen der Scherifen und Kalifen vorbehalten ist oder einem Mekkapilger. Sehr überzeugend schlüpft er in die Rolle eines Hadschi, und wird fortan von der einheimischen Bevölkerung mit ehrfurchtsvollem Respekt behandelt. So trifft er eines Tages die reiche Amerikanerin Harriet, Tochter eines Archäologen, die ihn einlädt, bei ihr in Cairo zu bleiben und die Schönheiten des Landes zu zeigen ...

Die Darstellungen in diesem Buch gründen auf wirkliche Erlebnisse des Verfassers.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover nach Motiven von Pixabay mit Steve Mayer,2017

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

GEWIDMET MEINEM GUTEN Freund Muhamed ben Allah, el Maghrebi, in seinem Garten in Blidah Algerien

1

Warmes, feuchtes, pressendes Halbdunkel. Der gestirnte Himmel ist Filigran eines überirdischen Meisters. Ägyptens Sand schimmert in blau-goldener Nacht. Spiegelnd fließt das stille, kaum gekräuselte Kanalband, begleitet von den unsichtbaren Düften Allarabiens, des Roten Meeres salzig heißer Ruch, des Sinai schicksalsschwere, eisenbittere Ausströmung. Israels Leid, Tragik und werdende Hoffnung. Und auch die namenlosen Abenteuer kahler Inseln, steiniger Buchten und mit schwarzer, weinender Menschenlast gefüllter Dhaus, die auf blutroten Sonnenuntergängen segeln. Die Tränenspuren des Bab el Mandeb, die stummen, unvergänglichen Echos von des Pharaos ertrinkenden Streitern bei Suez und das Summen der Mekkakarawanen. Dazu der Abglanz mosaischer Wundertaten; Indiens und Chinas ferne Geduld und andere kaum fassbare Dinge aus Vergangenheit und Gegenwart heißer, farbenschillernder Länder und Leidenschaften. Die den Europäer locken mit ihren unzähligen alten, neuen, sich ihm nie ganz enträtselnden saisischen Schleiern, Geheimnissen und Tatsachen, verquickt und ineinander verschmolzen mit fantastischen Tieren, Dschinnen, nüchterner Realität und Märchenschönheit. Schwebend auf den herrlich poetischen Suren des Alkorans eines einstigen Kaufmannslehrlings aus dem Stamme der Koraischiten - ihren zwiefachen Kreislauf irdischen und jenseitigen Daseins bis in ungeschehene Ewigkeit abspulend. An denen man weder zweifelt noch deutelt, sondern alles gläubig hinnimmt. Denn es ist Allahs Wille, ist Fatum, Schicksal!

Dumpf pocht des modernen Steamers Maschinenherz. Patschen nackte Fußsohlen der Festmacher über tauberieselte, rostige Eisendecks. Diese Männer, die den Namen „Festmacher" führen, sind ein halbes Dutzend ägyptische Angestellte der Suezkanalgesellschaft, deren jedes durchlaufende Schiff bedarf. Die meisten Dampfer können auf dem verhältnismäßig schmalen Wasserweg nicht einander passieren, weshalb der eine immer kurze Minuten am Ufer provisorisch anlegen muss. Diese Arbeit besorgen die Festmacher, die in ihrem kleinen, farbenbunten Boot rasch ans Ufer pullen und die mitgeschleppte Manilatrosse über die dort stehenden Pfähle werfen. Langsam rauscht dann der andere Dampfer vorbei. Wer die internationale Postflagge führt, oder Kriegsschiffe, hat das Vorrecht und braucht fast nie anzulegen.

Eben glitt wieder ein hell erleuchteter Koloss der British Indialine vorbei. Sein Scheinwerfer, der uns seit einer guten halben Stunde immer greller in die Augen stach, erlischt plötzlich, als er uns hinter sich ließ.

Ruhige Gewissheit und Zuversicht sind in mir. Meine Zeit für das ägyptische Land ist gekommen! Denn wer fremde Länder sehen und die hohen Fahrtkosten nicht erschwingen will oder kann, muss es wie ich machen. Und braucht deshalb noch lange kein Taugenichts oder Arbeitsscheuer zu sein, weil er bisweilen kein Geld hat. Soll als Matrose, Trimmer oder Steward fahren und gegebenen Augenblicks die Gelegenheit beim Schopf packen und, wie der seemännische Ausdruck lautet, „aussteigen".

Das ist nicht jedermanns Sache und denen, die überhaupt kein Ziel im Leben haben, kaum zu empfehlen. Aber ich hatte und habe eines und werde es immer verfolgen.

Und wieder einmal ist es fast wieder so weit. Minuten nur noch. Kapitän, Lotse und erster Offizier sind auf der Kommandobrücke und trinken Kaffee. Auf der Back vorne lehnen ein paar müde Heizer, die, eben aus dem Waschraum gekommen, noch eine „Simon Arzt rauchen, ehe sie zur Koje gehn. Mittschiffs an der Treppenleiter, neben ihrem wieder an Deck gehievten grün bemalten Fahrzeug, kauern die Festmacher. Zigaretten glühen in schattigen Gesichtern oder unter schmutzig weißen Turbanen und dunkelrotem Tarbusch. Glühen bei jedem Zug lebhaft auf, verglimmen dann beinahe wieder. Kehltönig murmeln ihre Stimmen. Sie warten auf das Ende dieser Kanalfahrt. In Port Tewfik, an der schönen Promenade zum Roten Meer, gehen sie dann gleich auf einen entgegenkommenden Dampfer, und wenn sie Glück haben, dann ist’s ein Passagierkasten. Da werden sie von ihren „echt ägyptischen, in Neapel hergestellten Mosaikbroschen, gläsernen Korallenketten, Muschelarmbändern, in der Tschechei fabrizierten Skarabäen und pornographischen Photos, die ebenso gut aus Paris wie aus Düsseldorf stammen können - vielleicht mehr verkaufen als auf unserm Frachter. Der den eisernen Bauch voll Schienen und Spielzeug für Indien hat, und dessen Mannschaft arm wie Kirchenmäuse ist.

Tau glitzert, Motten und Nachtschmetterlinge summen und surren, fließen als unaufhörlicher, geisterhaft opalisierender Strom, von unzähligen glasklaren oder braun bestäubten Flügeln getragen, quer durch die helle Nacht auf dem breiten, blendenden, sie zauberhaft anziehenden Lichtstrahl. Rennen ihre armen dicken Köpfe am Scheinwerfer ein. Aus den dürftigen Uferbüschen weht ohne Unterlass das schrille und doch so betörend süße Zikadenzirpen und vertont das unfreiwillige Sterben der fliegenden Insekten.

In Shorts und Polohemd, Sandalen an den nackten Füßen, mein Bündelchen auf dem Rücken, warte ich schon fünf lange, scheinbar endlose Minuten auf meinen Freund Hein. Da kommt er eben! Noch ein Händedruck des sympathischen Hamburger Janmaaten und sein leises lachendes „Maak good, oller Döskopp!", und schon turne ich behutsam über die klebrige Reling, fasse das bereit hängende nasse Tau und rutsche langsam nach unten. Eilendes, gurgelndes Wasser greift nach mir, gleichzeitig warm und kühl. Mit beiden, bis ans Kinn gezogenen Füßen stoße ich mich kräftig ab und lasse dann los. Tauche schräg hinab, so tief ich kann.

Fühle in wasservollen Ohren das Rauschen, Trommeln und donnernde Mahlen der im Viertelkrafttakt sich drehenden Propeller, höre sie Gott sei dank hoch über mir wegstreichen, als der Sog mich loslässt. Wassertretend strebe ich mit letztem Atem an die Oberfläche. Nie ist die Strömung des Suezkanals stark. Zwei Dutzend langsamer Schwimmstöße bringen mich in den violetten durchsichtigen Schatten der Schrägböschung. Ich klettere auf den festen Boden. Der dunkle Schiffsrumpf mit den erleuchteten Aufbauten schwebt weiter und wird rasch kleiner. Vorne, aus dem Flimmern der schwülen Nacht, bohrt sich die künstliche Scheinwerfersonne eines aufkommenden Dampfers heran. Nun schaue ich stromauf. Da liegen vor mir ausgebreitet in der sanft gewölbten Schale der Wüste die unregelmäßigen Lichtergeschmeide von Ismailia, wie Perlen und Diamanten, Rubine, Smaragde und hellblaue Aquamarine am Sandbusen des einen Bittersees. Da ragen Häuserkonturen, Baracken, schwarze und weiße Wassertanks, Ölbehälter und Zeltreihen. Eine stationäre Lokomotive klopft wie ein müdes Herz. Rundum stehen Palmen, und überall gleißt und funkelt der am Tage so prosaische Sand, den das Wunder der Nacht in die Schatzhöhle eines Ala ud Din verwandelt. Aus dem Häuserklumpen wimmert und schluchzt eine Flöte, und verhalten grollen Tomtoms.

Es glitzert der Kanal, der sich hier zum flachen See verbreitert, aus dem die das Fahrwasser bezeichnenden Bojen mit ihren spitzen Höckern ragen. Kleingeröll, verkrüppelte staubige Büsche, weggeworfene Blechdosen, Flaschen und gebleichte Knochen schillern, und feenhaft ist das Aufleuchten, Flirren, Zucken und enge Kreisen zahlloser Sterne, die so vieles sahen und sehen werden. Sie sind wie Arabesken und gewundene Schriftzeichen in hellem Silber, leuchtendem Grün, Rosa und mattem Gold auf blauer Seide. Für mich, den Wanderer, sind es Fatumsprüche, die sich dort oben verworren und geheimnisvoll, wie von Dschinnen und Afritshand gemalt, abzeichnen und die mein Schicksal, auf diesem Boden hier und anderswo, im Voraus wissen und bewahren, bis es Zeit sei.

Allah ist groß, und da ich diese Sternenbuchstaben nicht lesen kann und es auch nicht will, so ist es gut und weise, sich darein zu ergeben, was die Zukunft mir bringt und welche Blüten am Lebensbaum für mich duften mögen. Nur nicht hasten und eilen, sondern die Zeit herankommen lassen, dann trägt sie dich wie einen guten Schwimmer durch plätschernde lustige Wellen, brüllende Stürme und auch durch die beklemmenden Flauten des Daseins. Und schenkt dir neben Ungemach auch viel, viel Schönes, Frieden und Zuversicht.

2

LANDSTREICHERPHILOSOPHIE

Motto: Wer einmal Nilwasser trankt muss immer wiederkehren.

Wenn zuweilen ein Fernwehkranker im Suezkanal über Bord geht, an Land schwimmt, um eine kurze Gastrolle in Ismailia oder dem unfernen Cairo zu versuchen, bis sein erboster Konsul ihn wieder heimschickt, so ist das keine weltbewegende Sache. Wohl wird ein winziger Teil des großen Polizeiapparates alarmiert; etliche Soldaten und Beamte werden nach ihm Umschau halten. Und sehr rasch, wenn er ein Durchschnittsmensch ist, fleht er zu Allah oder Gott - beide sind eines -, ihm wieder fortzuhelfen. Es sei denn, er ist verständig und nimmt sich, den Kopf voll falscher Tatsachen gepfropft, nicht etwa vor, über die alten Pharaonen und ihre heutigen Nachfolger Bücher zu schreiben, worin nach guter alter Sitte die orientalischen Städtebewohner als faule Verkäufer erotischer Postkarten und Haschischraucher, Betrüger und Räuber - der arme Fellah als drei viertel verhungerter Sklave und ignoranter Halbidiot und ihr König als Gottweißwas dargestellt werden.

Falls besagter König wirklich einen Teil seiner Schätze, anstatt daheim, im Ausland verschwendet, so bleibt das einzig seine und seines Volkes Sache. Auch wir in Europa hatten Verschwender von Gut und Habe und Millionen dem Ehrgeiz geopferter Menschenleben. Man beschaue sich daher lieber im eigenen Glaskasten und lasse den Orient leben und handeln, wie er will. Denn so schrecklich dumm, unvorstellbar fatalistisch träge und abgründig lächerlich, wie gewisse eurer Lieblingsjugendschriftsteller ihn ausmalen, war und ist er nie und nimmer!

Min Allah – Gott behüte!, mich wird niemand in diesem Land belästigen. Denn ich glaube bescheiden zu sein und bin vorsichtig im Urteilfällen über andere, wenn ich so etwas überhaupt tue.

Im matten, grüngelben und bläulich rosigen elektrischen Lichterglanz von Ismailia, dem Sterngeflimmer und der aufkommenden riesigen Goldscheibe des Vollmondes öffne ich mein Bündlein, um die hier nötigen Kleider, gestern Abend in Port Said erworben, anzulegen.

Chromledersandalen habe ich schon an den Füßen; Shorts und Hemd lege ich erst gar nicht ab, sie trocknen am Leibe. Darüber kommt ein weiter langer, alles verhüllender Kaftan, wie ihn z. B. die „Dragomänner" tragen. Starke Baumwolle, mit Seide unterwoben, leuchtend blau in der Farbe, mit hübschen, silbernen Längsstreifen. Den malerischen blutroten Tarbusch stutze ich an den Rändern, sodass nur ein eng anliegendes Hinterkopfkäppchen übrig bleibt. Um dieses und die Stirn schlinge ich zwei Meter weißen Musselin und ein Ende Kamelhaarschnur, und der Turban ist echt.

Er sitzt viel fester als ein Tarbusch, und das ist wichtig. Es kann sein, dass ich auf dem glatten Dach eines weißen Wüstenexpresswaggons von Cairo nach Assuan und Shellal möchte, und da würde der rasante Luftzug schnell jenen schönen Tarbusch vom Kopf eines amerikanische Trampmethoden nach Ägypten verpflanzenden blinden Passagiers entführen. Und was ist ein Mohammedaner - wenn auch nur ein nachgemachter, harmloser - ohne Zierde seines Hauptes? W’Allah sei Nebi! Nichts, und eine Schande der Männer!

Kaum habe ich die kleine Metamorphose beendet, als ich, umherspähend, leise lachen muss über das, was Auge und Ohr mir jetzt zutragen.

An Bord wurde ich natürlich gleich vermisst, denn kurz nach meinem Sprung sollte ich auf Wache. Selbstverständlich hat man die Polizei angefunkt, dass ich vermutlich an Land geschwommen wäre - vielleicht hat man das sogar beobachtet! Um „am schwelenden Kameldungfeuer mit den weißbärtigen Wüstenscheiks den sinnlichen Märchenerzählern zu lauschen!, feurigen Lagmi vom Safte der Dattelpalmen zu schlürfen (arme Palmen, die nach solcher Prozedur fast immer eingehen) und in den lockenden, noch feurigeren Augen brauner, mit Amuletten silbern rasselnder, im provozierenden Bauchtanz wundersam irdischer Houris meine arme, romantische, europäische Seele gewissermaßen sündhaft zu ersäufen ..."

Denn siehe!, von den Häusern her nahen Gestalten. Khaki gekleidete Männer, mit funkelnden Waffen in den Händen und rotem Tarbusch auf den Köpfen. Polizei!

Gewiss wollen sie gemütlich nachsehen, ob der gemeldete Ausreißer sich hier irgendwo herumtreibt.

Um ihm gegebenenfalls gutmütig bedauernd auf die Schulter zu klopfen, ihn dann in ein kleines verflohtes Kämmerchen zu sperren - gastfreundlich versorgt mit Zigaretten, Datteln, Brot, Reis und kaltem Kebab und dazu süßem Pfefferminztee oder Kaffee nebst einer verlausten Decke gegen die Nachtkühle. Damit er am anderen Morgen per Eisenbahn nach Port Said geschickt werde, wo der Konsulatsagent der Ungläubigen ihn schimpfend auf den nächsten Dampfer steckt, der dann entweder nach Hause oder erst mal ans Ende der Welt geht, und auf dem er sich durch Kohlentrimmen von seinen Tausendundeine-Nacht-Träumen kurieren kann.

Insch’Allah, wenn Gott es will! Aber bei mir will er nicht. Al-lá hu akbar, Gott ist groß, und ich bleibe in Ägypten!

Sie staunen nicht sehr, als sie, anstelle des erwarteten, verlegen grinsenden Matrosen, einen großen, ganz stilecht aussehenden Mohammedaner finden. Er hat zwar helle Augen, aber das ist gar nicht so selten im Orient.

Ihr violett schwarzer sudanesischer Tschausch probiert, zwar mehr gewohnheitsmäßig als verachtend: „Helloh boy, nice evening for a walk in the desert, he? und ist samt seinen Kollegen kaum verblüfft, als meine kehltönige Antwort böse schnarrt: „Lahnet bi Scheytan! hol euch der Teufel!, was stört ihr mich in meiner Andacht? Ich bin auf dem Wege über Cairo nach Mekka. Aschad-hu en la illah il Allah, aschad-hu enna Muhamedum Rasul Allah!

„Allah Keber, Gott ist sehr mächtig! Ein Frommer. Schukr Allah, dass wir nicht weiter zu suchen brauchen. Jener Schiffskapitän der Ungläubigen soll seine fortgelaufenen Matrosen selber suchen!", sagt er, befriedigt gähnend.

„W’Allah Thaib, sehr wohl!, murmelt der zweite und der dritte: „Kodeh tschefah midéhed! Gott gibt uns Erleichterung! und im Weitergehen intonieren sie fast gleichzeitig: „Deine Nacht sei süß!, ’es salaam aleychum!"

„Aleychum!" und schaue ihnen fröhlich nach, wie sie dem schmalen, palmenbesetzten Süßwasserkanal zustreben. Der von dem großen, weißen, menschenwimmelnden Cairo und der ewigen lebenspendenden Schlagader des Landes, dem Nil, herfließt.

El Cahira! Diese Stadt, die ich einmal nur kurz, von Port Said kommend, vier Wochen lang berührte, bis ich am Roten Meer wieder an Bord ging. Ich will sie wiedersehen, denn ich habe damals Nilwasser getrunken! Auch jene schöne, zwar staubige Allee mächtiger Lebbekbäume, die ein prachtliebender schwer verschuldeter Khedive, bald nach Eröffnung des Suezkanals, der schönsten Frau der damaligen Welt - Eugenie Montijo de Teba, Kaiserin der Franzosen - eigens errichten ließ. Damit ihr zarter Teint vor der Sonnenglut bewahrt bliebe, als sie vierspännig zu den Pyramiden kutschierte. Ja, ich will die drei großen Kolosse wiedersehen und auch den merkwürdigen Sphinx, dessen von Flugsand und Glutwind zerfressener, dem Zerbröckeln naher Rätselkopf schon mehrmals mittels modernem Portlandzement „Made in England" restauriert wurde.

Ich liebe diese mächtigen Steindenkmäler der Pharaonen bei Gizeh, obwohl mir die sich mehr in die Landschaft schmiegende Stufenpyramide bei Sakkara weit besser gefällt, weil ihr Anblick in dieser Welt wirklich schön und erhaben wirkt. Ich bin aber nicht zu sehr der Romantik verfallen und weiß recht gut, dass diese gigantischen Bauten nur durch

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