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Heimatroman Sammelband 3 Romane Heimat und Berge Januar 2018
Heimatroman Sammelband 3 Romane Heimat und Berge Januar 2018
Heimatroman Sammelband 3 Romane Heimat und Berge Januar 2018
eBook380 Seiten3 Stunden

Heimatroman Sammelband 3 Romane Heimat und Berge Januar 2018

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Heimatroman Sammelband 3 Romane Heimat und Berge Januar 2018

Dieses Buch enthält die folgenden Romane:

A.F.Morland: Der Tag nach dem Orkan

A.F.Morland: Die Motorradmesse

A.F.Morland: Barbaras Flucht in den Pfarrkeller

Als Valentin Klefitsch nach Jahren in sein Heimatdorf Grüntal zurückgekehrt, hat er einen Plan. Niemand ahnt jedoch, dass er unlautere Absichten hat - am wenigstens die reiche Witwe Irma Brack, die im Dorf als kalt und hartherzig gilt und nur auf ihren Vorteil bedacht ist. Selbst ihre Nichte Barbara behandelt sie schlecht und will sie gegen ihren Willen mit einem älteren Mann verheiraten. Für Pfarrer Kreutzer, Kaplan Hofer und ihre patente Haushälterin Heide Maus, die sich nicht nur um das geistige Wohl ihrer Gemeinde-Schäfchen kümmern, keine leichte Aufgabe.

COVER: STEVE MAYER

SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum27. Nov. 2019
ISBN9781386229926
Heimatroman Sammelband 3 Romane Heimat und Berge Januar 2018
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Autor

A. F. Morland

A. F. Morland schrieb zahlreiche Romane und ist der Erfinder der Serie Tony Ballard.

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    Buchvorschau

    Heimatroman Sammelband 3 Romane Heimat und Berge Januar 2018 - A. F. Morland

    Heimatroman Sammelband 3 Romane Heimat und Berge Januar 2018

    Dieses Buch enthält die folgenden Romane:

    A.F.Morland: Der Tag nach dem Orkan

    A.F.Morland: Die Motorradmesse

    A.F.Morland: Barbaras Flucht in den Pfarrkeller

    ALS VALENTIN KLEFITSCH nach Jahren in sein Heimatdorf Grüntal zurückgekehrt, hat er einen Plan. Niemand ahnt jedoch, dass er unlautere Absichten hat - am wenigstens die reiche Witwe Irma Brack, die im Dorf als kalt und hartherzig gilt und nur auf ihren Vorteil bedacht ist. Selbst ihre Nichte Barbara behandelt sie schlecht und will sie gegen ihren Willen mit einem älteren Mann verheiraten. Für Pfarrer Kreutzer, Kaplan Hofer und ihre patente Haushälterin Heide Maus, die sich nicht nur um das geistige Wohl ihrer Gemeinde-Schäfchen kümmern, keine leichte Aufgabe.

    COVER: STEVE MAYER

    Der Tag nach dem Orkan

    von A. F. Morland

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 91 Taschenbuchseiten.

    Bei einem orkanartigen Sturm, der mit aller Macht über Grüntal hinwegfegte, verliert Familie Brückel ihr Zuhause. Bürgermeister Wurzer könnte helfen, wenn Ferdinand Brückel ihn zuvor nicht in aller Öffentlichkeit beleidigt hätte. Obwohl Pfarrer Kreutzer versucht zu vermitteln, bleiben die Fronten verhärtet, sodass Ferdinand Brückel mit Frau und Kindern im Martinsheim unterkommen muss. Als sorgte der Streit nicht für genug Unruhe in dem sonst so beschaulichen Dorf, wird zu allem Übel auch noch der kleine Florian direkt vor des Bürgermeisters Nase entführt. Aber wer von den Grüntalern würde einen Säugling stehlen ...?

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

    © by Author

    © dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Die Hauptpersonen:

    Das Ehepaar Ferdinand und Clara Brückel wird von einer Naturkatastrophe heimgesucht.

    Petra, ihre Tochter, leidet sehr unter dem derzeitigen Zustand.

    Julius, ihr Bruder, nimmt alles etwas gelassener.

    Renate Wallner, eine verwirrte junge Frau, stürzt eine Mutter in Höllenqualen.

    Dazu die Bewohner des Pfarrhauses in Grüntal

    1

    »Das war heute wieder mal eine richtig schön zu Herzen gehende Predigt, Herr Pfarrer«, sagte Polizeihauptmeister Alfred Schweiger beim Verlassen der Kirche.

    Der grauhaarige Paul Kreutzer lächelte freundlich. »Ich weiß Ihr Lob zu schätzen und hoffe, dass die Worte nicht nur die Herzen, sondern auch den Verstand meiner Schäfchen erreicht haben.«

    »Ganz bestimmt, Herr Pfarrer«, versicherte der Polizeihauptmeister dem Priester. »Ganz bestimmt.«

    Es war ein wunderschöner Sonntagvormittag. Die Sonne lachte vom postkartenblauen Himmel. Nicht das kleinste Wölkchen war zu sehen.

    Die Kirchenbesucher bildeten vor dem Gotteshaus Grüppchen. Die Mitglieder des Pfarrgemeinderates hatten sich zu einem Schwätzchen zusammengefunden. Jürgen Hofer, der junge Kaplan, gesellte sich soeben zu ihnen. Der Kirchenplatz bot ein friedliches Bild. Pfarrer Kreutzer liebte solche Sonntage. Es machte ihn zufrieden, wenn die Menschen, deren Seelenhirte er war, sich vertrugen.

    Sogar die Roten Schwestern - in ganz Grüntal wegen ihrer bissigen Art unbeliebt - hatten heute ausnahmsweise mal nichts zu meckern.

    Doch plötzlich wurden Stimmen laut. Paul Kreutzer hob den Kopf, und zwischen seinen Augenbrauen entstand eine tiefe Unmutsfalte.

    Wer störte hier die sonntägliche Idylle?

    »Sei still, Ferdinand!«, bat Clara Brückel ihren Mann.

    »Ist doch wahr!«, stieß Ferdinand Brückel angriffslustig hervor.

    »Lass uns heimgehen«, flehte Clara Brückel und griff nach dem Arm ihres Mannes.

    Er befreite sich mit einem ärgerlichen Ruck. »Lass mich los.«

    Clara Brückel sah ihn verzweifelt an. »Was ist denn bloß in dich gefahren?«

    »Nichts. Ich sage lediglich die Wahrheit: Unser lieber Herr Bürgermeister ist ein ziemlich übler Geschäftemacher, der kräftig in die eigene Tasche wirtschaftet. Jedermann weiß das, doch niemand wagt es öffentlich auszusprechen.«

    Max Wurzer, Bürgermeister, Bauunternehmer und Vorsitzender des Grüntaler Sportvereins, maß Brückel verdrossen. »Du bist wohl nicht bei Trost! Wie kommst du dazu, mich hier vor allen Leuten anzugreifen?«

    Ferdinand Brückel grinste herausfordernd. »Ist dir unangenehm, was?«

    Max Wurzers Augen funkelten böse. »Hüte deine Zunge, Brückel!«

    Ferdinand Brückel reckte sein Kinn trotzig vor. »Ich habe keine Angst vor dir, Wurzer!«

    »Hör doch auf, Ferdinand!«, jammerte Clara Brückel und griff wieder nach dem Arm ihres Mannes, doch er schüttelte sie abermals ab.

    »Ich lass mich doch von dem nicht einschüchtern!«, rief er feindselig. »Der denkt, er kann sich in Grüntal alles erlauben, aber so ist es nicht. Es gibt Leute, die haben Augen im Kopf. Leute, die sich nicht für dumm verkaufen lassen, verstehst du, Wurzer?«

    Der Bürgermeister maß Brückel abschätzig. »Du solltest nicht betrunken in die Kirche gehen.«

    »Ich bin so nüchtern wie du.«

    »Dann tut dir das Ozonloch oder sonst irgendwas nicht gut«, schnarrte Wurzer.

    »Bei der nächsten Wahl bekommst du meine Stimme nicht mehr.«

    Der Bürgermeister machte eine wegwerfende Bewegung. »Das kann ich verschmerzen.«

    »Und meine Frau wird dich auch nicht mehr wählen. Das sind schon zwei Stimmen weniger. Und vielleicht kann ich noch ein paar Leute mehr davon überzeugen, dass du nicht der richtige Mann für Grüntal bist.«

    »Kein Bürgermeister hat so viel für die Gemeinde getan wie ich!«, behauptete Max Wurzer zornig.

    »Ja, vor allem dann, wenn’s um deinen Vorteil ging!«

    Wurzer schüttelte unwillig den Kopf. »Ich habe keine Lust, mich mit dir hier auf dem Kirchenplatz zu streiten. Du kennst meine Amtsstunden ...«

    »Ist die Friedhofsmauer zu renovieren - wer kriegt den Auftrag? Die Firma M. und M. Wurzer. Sind Umbauten am Sportplatz erforderlich - wer macht sie? Die Firma Wurzer. Hat die Gemeinde ein lukratives Bauvorhaben zu vergeben - wer bekommt es? Das Bauunternehmen Wurzer.«

    Wurzer starrte Brückel durchdringend an. »Was ist dagegen einzuwenden? «

    »Vielleicht wären andere Firmen preiswerter, aber holt die Gemeinde von denen ein Angebot ein? Nein.«

    »Es ist nicht immer ratsam, das billigste Angebot zu wählen«, erklärte Max Wurzer in belehrendem Ton. »Außerdem arbeiten Leute aus Grüntal bei mir. Wenn die Gemeinde also der Firma Wurzer den Auftrag zukommen lässt, sichert sie damit die Arbeitsplätze dieser Menschen. Aber das begreifst du ja nicht, weil dein Horizont nämlich nicht so weit reicht.«

    »Das nimmst du zurück.«

    »Ich denke nicht daran!«, sagte Wurzer schneidend.

    Clara Brückel rang die Hände. Es war ihr schrecklich peinlich, dass ihr Mann sich so sehr gehenließ.

    »Ich lasse mich von dir nicht beleidigen!«, rief Ferdinand Brückel gereizt.

    »Wer hat hier wen zuerst beleidigt?«

    »Profitgeier!«, schrie Brückel.

    »Du bist bei mir untendurch!«, schrie der Bürgermeister zurück.

    »Lass dir ja nicht einfallen, mich noch mal um einen Gefallen zu bitten.«

    Brückel lachte blechern. »Ich? Dich? Eher beiße ich mir die Zunge ab!«

    »Heiliger Strohsack!«, entfuhr es Pfarrer Kreutzer. Wenn er jetzt nicht eingriff, gingen Wurzer und Brückel am Ende noch mit den Fäusten aufeinander los.

    Er drängte sich durch die Menschen, die einen neugierigen Ring um Wurzer und Brückel gebildet hatten. »Darf ich bitte durch? Lassen Sie mich durch? Danke. Bitte lassen Sie mich zu den beiden Kampfhähnen. Danke ...« Er durchbrach den Kreis und wetterte: »Ja, sagt einmal, schämt ihr euch nicht? Ihr kommt vom Gottesdienst und fallt wie wilde Hunde übereinander her. Ich dulde so etwas vor meiner Kirche nicht!«

    »Tut mir leid, Hochwürden«, meinte Max Wurzer. »Ich hab nicht angefangen.«

    Ferdinand Brückel senkte den Kopf. »Entschuldigung, Herr Pfarrer. Ich hätte mich vor der Kirche nicht so gehenlassen dürfen, aber ...«

    Paul Kreutzer hob die Hand. »Kein Wort mehr, es reicht. Denk an den Sonntagsfrieden.«

    »Ich bin ja schon still«, brummte Brückel. »Nichts für ungut, Herr Pfarrer. Es wird nicht wieder vorkommen.«

    Endlich ließ er sich von seiner Frau vom Platz dirigieren.

    Auch um den Bürgermeister kümmerte sich dessen Frau. »Komm, Max«, sagte sie. »Lass uns nach Hause gehen.«

    Wurzer hob die Schultern. »Tut mir leid, Hochwürden«, wiederholte er. »Aber ...«

    »Ja, ja. Schon gut«, unterbrach Paul Kreutzer das Gemeindeoberhaupt. »Was habe ich vorhin in der Kirche gesagt? Gehet hin in Frieden. Ich hatte gehofft, ihr würdet euch daran halten.«

    »Ich wünsche Ihnen einen geruhsamen Sonntag«, sagte der Bürgermeister verlegen und machte sich mit seiner Frau auf den Heimweg.

    2

    Max Wurzer holte den Obstler aus dem Hängeschrank, stellte ein Schnapsglas auf den Küchentisch und füllte es randvoll. »So ein Mistkerl, so ein mistiger!«, machte er seinem Unmut Luft. »Was fällt dem ein, mich in aller Öffentlichkeit so anzugreifen?«

    »Ach, nimm das doch nicht so ernst«, versuchte Marianne Wurzer ihren Mann versöhnlich zu stimmen.

    Er kippte den Schnaps mit einem zornigen Ruck in seine Kehle. »Du hast doch gehört, was er mir alles vorgeworfen hat. Das soll ich nicht ernst nehmen?«

    »Im Großen und Ganzen ist Ferdinand Brückel doch ein ganz patenter Kerl.«

    Wurzer füllte sein Glas wieder. »Wie der mich hingestellt hat.«

    »Vielleicht ist ihm irgendetwas über die Leber gelaufen«, meinte seine Frau.

    Der vierzigjährige Bauunternehmer schüttelte heftig den Kopf. »Das interessiert mich nicht. Er hat seinen Groll nicht an mir auszulassen.«

    Marianne Wurzer stellte das Wasser für die Semmelknödel auf den Herd. »Du bist ihm halt gerade über den Weg gelaufen.«

    »Ich bin nicht irgendwer.« Wieder leerte Max Wurzer sein Schnapsglas mit einem aggressiven Ruck. »Ich bin der Bürgermeister dieses Ortes.« Er füllte das Glas zum dritten Mal.

    »Gerade der richtige Blitzableiter für ihn«, sagte seine Frau. »Vergiss den Ärger, Max. Denke nicht mehr daran. Und trink nicht so viel. Das tut dir nicht gut. Du hast einen leeren Magen.«

    »Für mich ist Brückel gestorben.« Der Bürgermeister kippte den Obstler.

    »Sei doch nicht so hart.«

    »Nein, er ist für mich gestorben«, polterte Wurzer. »Keinen Finger rühre ich mehr für den. Das hat man davon, wenn man gut zu den Leuten ist. Sie wissen es nicht zu würdigen.« Er schlug mit der Faust auf den Tisch. »Ich habe den Brückels unser Haus beim Bahnhof verpachtet. Für ganz wenig Geld, du weißt es, weil sie’s nicht so dick haben. Und wie dankt man es mir?« Er zog die Augenbrauen böse zusammen. »Man soll zu keinem Menschen gut sein. Du siehst ja, es zahlt sich nicht aus.«

    Er wollte sein Glas ein weiteres Mal füllen, doch seine Frau nahm ihm die Flasche weg und stellte sie in den Hängeschrank. »Das reicht«, sagte sie energisch. »Du hast genug. Ich möchte nicht, dass du blau bist, wenn ich das Mittagessen fertig habe.«

    3

    »Petra! Julius!«, sagte Clara Brückel zu ihrer siebzehnjährigen Tochter und ihrem zwölfjährigen Sohn. »Ich möchte mit eurem Vater unter vier Augen sprechen.«

    Die Kinder verließen das Wohnzimmer, spürten, dass dicke Luft war.

    »Jetzt wäscht Mutti Paps den Kopf«, vermutete Julius grinsend.

    »Das geht uns nichts an«, gab Petra kühl zurück. Sie war ein hübsches blondes Mädchen mit großen blauen Augen. Die jungen Männer von Grüntal zeigten großes Interesse an ihr, und sie ging auch mal mit dem einen, mal mit dem andern aus, aber einen festen Freund hatte sie noch nicht.

    »Ich finde, Vati hat recht. Man darf sich im Leben nicht alles gefallen lassen.«

    »Was weißt denn du schon vom Leben?«, spottete Petra.

    »Spiel dich nicht auf.«

    »Ich bin immerhin fünf Jahre älter als du«, sagte Petra.

    »Na und? Älter sein ist kein Verdienst.«

    Das übliche Hickhack begann zwischen den beiden.

    Indessen sagte Clara Brückel im Wohnzimmer vorwurfsvoll zu ihrem Mann: »Ich habe mich für dich geniert, Ferdinand.«

    »Wieso denn?«, gab Brückel uneinsichtig zurück.

    »Vor allen Leuten ... Nach der Kirche ... Im Beisein des Herrn Pfarrers ...«

    »Stimmt vielleicht nicht, was ich gesagt habe?«, fragte Brückel rau. »Unser Bürgermeister ist ein ganz großes Schlitzohr.«

    »Wir wohnen in seinem Haus.«

    »Wir zahlen Pacht dafür«, sagte Ferdinand Brückel.

    »Aber nicht sehr viel«, wandte Clara Brückel ein.

    »Keine Sorge, er schenkt uns schon nichts.«

    »Wenn wir nicht hier wohnen würden, könnte Max Wurzer dieses Haus niederreißen und an seiner Stelle Ferienwohnungen errichten.«

    Ferdinand Brückel sah seine Frau ärgerlich an. »Sag mal, auf wessen Seite stehst du eigentlich? Du bist meine Frau. Du musst zu mir halten.«

    »Nicht, wenn du im Unrecht bist. Und es war nicht richtig, den Bürgermeister vor so vielen Leuten einen üblen Geschäftemacher zu nennen. Es war vor allem nicht klug.«

    »Wir leben in einem freien Land. »Hier darf Gott sei Dank jeder ganz offen seine Meinung sagen. Ich finde, dass Max Wurzer seine Position als Bürgermeister missbraucht. So etwas kann ich einfach nicht gutheißen. Er wird auf unsere Kosten immer reicher und reicher ...«

    »Wenn du objektiv wärst, würdest du zugeben, dass er nicht schlecht für Grüntal ist. Sein Vorgänger ...«

    Ferdinand Brückel hob den Zeigefinger. »Das war ein Mann mit Charakter.«

    »Aber geleistet hat Max Wurzer mehr für Grüntal.«

    »Der Bürgermeister Wurzer lässt dem Bauunternehmer Wurzer die fettesten Happen zukommen. Das muss man ihm abstellen.«

    »Ein Grüntaler verdient in Grüntal sein Geld«, sagte Clara Brückel.

    Wurzer verdient gleich doppelt - einmal als Bürgermeister und einmal als Bauunternehmer, und dagegen habe ich etwas.«

    »Er beschäftigt Grüntaler Arbeitskräfte«, sagte Clara. »Die Steuern, die er zahlt, kommen Grüntal zugute. Was seine Firma baut, braucht Grüntal ...«

    »Du begreifst nicht, worum es mir geht, Frau!«

    »Du hast persönlich was gegen Max Wurzer«, warf Clara Brückel ihrem Mann vor. »Es ärgert dich, in einem Haus wohnen zu müssen, das ihm gehört, anstatt ein eigenes Haus zu haben.«

    »Das ist auch nicht sehr angenehm.«

    »Mich stört das nicht so«, antwortete Clara.

    »Wenn er keine Lust mehr hat, den Pachtvertrag zu verlängern, sitzen wir auf der Straße.«

    »Umso mehr solltest du dich mit ihm gut stellen«, meinte Clara. »Doch was tust du? Du greifst ihn öffentlich an.«

    »Weil ich etwas gegen üble Geschäftemacher im Allgemeinen und gegen Max Wurzer im Besonderen habe. Ende der Debatte. Ich möchte keine weiteren Vorwürfe mehr von dir hören, Clara.«

    4

    Dass Heide Maus eine exzellente Köchin war, war allgemein bekannt.

    An diesem Sonntag hatte sie sich aber wieder einmal selbst übertroffen.

    Es gab Schweinerücken mit Sauce Bearnaise, Broccoli und Kartoffeln und als Nachtisch eine köstliche Feigen-Walnuss-Torte, zu der man »Sie« sagen musste, wie Jürgen Hofer es treffend formulierte.

    Selbstredend sparten Pfarrer Kreutzer und der Kaplan nicht mit ehrlichem Lob, das die warmen dunklen Augen der achtundfünfzigjährigen Pfarrhaushälterin dankbar leuchten ließ. Es tat gut, dass die Mühe, die sie sich gemacht hatte, auch entsprechend honoriert und nicht einfach als selbstverständlich hingenommen wurde.

    Sie trug ihr braunes Haar, das von einigen grauen Strähnen durchzogen war, locker hochgesteckt. Das Kleid, das sie anhatte, musste ganz neu sein. Pfarrer Kreutzer konnte sich nicht entsinnen, es schon einmal gesehen zu haben.

    »Hübsches Kleid«, sagte er, um ihr eine Freude zu machen.

    »Sehr hübsch«, bestätigte Jürgen Hofer.

    »Ist es neu?«

    »Gestern in Sonnbrunn gekauft«, antwortete Heide Maus und zupfte verlegen an ihrem Kleid herum.

    »Es passt Ihnen wie maßgeschneidert«, behauptete Jürgen Hofer.

    »Es war im Preis heruntergesetzt, sonst hätte ich es nicht genommen.«

    »Hat diese Frau denn überhaupt keinen Fehler?«, fragte der junge Kaplan schmunzelnd, dem der Schalk aus seinen tiefblauen Augen lachte.

    »Doch«, widersprach Paul Kreutzer lächelnd.

    Die Pfarrhaushälterin warf ihm sofort einen lauernden Blick zu. »So? Welchen denn?«

    »Du hörst hin und wieder zu gut«, hielt der Geistliche ihr amüsiert vor.

    »Ich bin eben keine taube Nuss.«

    Pfarrer Kreutzer lachte. »Das kann man wirklich nicht behaupten.«

    Während der Geistliche nach dem Essen sein geliebtes Pfeifchen schmauchte, fragte Heide Maus: »Was war da heute auf dem Kirchenplatz los?«

    Paul Kreutzer sah Jürgen Hofer lächelnd an und sagte: »Sehen Sie, was ich meine?« Er wandte sich an die Haushälterin. »Du hörst doch wirklich manchmal das Laub fallen.«

    »Wally Gerstl und Therese Müller sprachen über den Vorfall vor der Kirche, während sie am Küchenfenster vorbeigingen. Ich konnte schlecht weghören. Stimmt es, dass Ferdinand Brückel unseren Bürgermeister tätlich angegriffen hat?«

    Pfarrer Kreutzer richtete seinen Blick auf den Kaplan. »Sehen Sie, so werden Gerüchte in Umlauf gebracht. Man schnappt etwas bruchstückhaft auf, fügt den Rest fantasievoll dazu, bevor man es weitererzählt ...«

    »Und nach der dritten Station heißt es bereits, Brückel und der Bürgermeister haben sich vor der Kirche geprügelt und im Staub gewälzt«, ergänzte Jürgen Hofer lächelnd.

    »Ich habe nichts Derartiges behauptet!«, sagte die Pfarrhaushälterin spitz. »Ich wollte lediglich wissen ...«

    »Nun seien Sie doch nicht gleich eingeschnappt, Mäuschen«, sagte der Kaplan.

    Die Pfarrhaushälterin hob drohend den Zeigefinger. »Nicht schon wieder.«

    »Was - schon wieder?«, fragte Kaplan Hofer irritiert.

    »Sie sollen mich nicht immer Mäuschen nennen!«

    Jürgen Hofer schmunzelte. »Ich find’s niedlich.«

    »Ich heiße Maus. Heide Maus.«

    Jürgen Hofer nahm im Sitzen Haltung an. »Jawohl, Frau Maus.«

    Die Pfarrhaushälterin bedachte ihn mit einem tadelnden Blick und fragte dann: »Also was war denn nun wirklich los auf dem Kirchenplatz?«

    Der Pfarrer und der Kaplan informierten sie.

    »Na ja, ganz unrecht hat Ferdinand Brückel ja nicht«, befand Heide Maus und wiegte dabei den Kopf.

    Pfarrer Kreutzer paffte kräftig und hüllte sich in blauen Dunst ein. »Solange die Mitglieder des Gemeinderates mit den Entscheidungen des Bürgermeisters einverstanden sind, bewegt sich sein Handeln wohl in vertretbarem Rahmen«, meinte er.

    Frau Maus wedelte missbilligend mit der Hand. »Können Sie nicht draußen rauchen, Herr Pfarrer? Das stinkt ja, als käme es aus dem Schornstein einer Müllverbrennungsanlage.«

    »Jetzt übertreibst du aber.«

    »Außerdem werden Wände und Vorhänge gelb«, sagte.Heide Maus streng.

    »Nicht die kleinste Freude gönnt sie einem.« Pfarrer Kreutzer stand seufzend auf und holte die Flasche mit dem selbst angesetzten Beerenwein. »Auch ein Gläschen?«, fragte er den Kaplan.

    Jürgen Hofer schüttelte den Kopf. »Nein, vielen Dank. Jetzt nicht. Ich fahre in zwanzig Minuten mit dem Motorrad weg. Da ist es vernünftiger, auf Ihren leckeren Beerenwein zu verzichten. Aber wenn Ihr Angebot heute Abend noch gilt, komme ich gerne darauf zurück.«

    Pfarrer Kreutzer nickte lächelnd. »Sie kriegen Ihr Gläschen heute Abend.« Der Geistliche schenkte sich und seiner Haushälterin ein. »Hier, Heide. Als Wiedergutmachung.«

    Heide Maus zierte sich.

    »Nun komm schon«, sagte der Priester. »Ich weiß doch, wie gerne du meinen Beerenwein trinkst. Und ich rauche meine Pfeife auch ganz bestimmt draußen fertig.«

    Sie stießen miteinander an und genossen das köstliche Getränk, das niemand besser brauen konnte als Pfarrer Kreutzer.

    5

    Am Montagmorgen hatten sich die drei Richtigen in der Bäckerei Gerstl zusammengefunden: die Roten Schwester und Wally Gerstl. Gott, was waren die schon über ihre Mitmenschen hergezogen. Und heute war der Bürgermeister dran. Kein gutes Haar ließen sie an ihm. »Endlich hatte mal einer den Mut, den Mund aufzumachen«, sagte Wally Gerstl. »Sonst getraut sich ja keiner, was zu sagen, wenn es gegen den Bürgermeister geht.«

    »Das ist ja fast schon so wie in den alten Wildwestfilmen, in denen die Stadt einem einzigen Mann gehört, der sie selbstherrlich regiert, und alle müssen nach seiner Pfeife tanzen«, gab Sophie Jäger, geborene Gressl, ihren Senf dazu.

    Ihr Haar war genauso brandrot wie das ihrer Schwester Fanny, und böse Zungen behaupteten, wenn man von den Roten Schwestern gebissen wurde, konnte das nicht ungefährlich für die Gesundheit sein, weil sie so ziemlich die übelsten Giftspritzen von Grüntal und Umgebung waren. Ein Rang, den ihnen allerdings Walburga Gerstl täglich abzulaufen versuchte.

    »Solange der Gemeinderat alle Entscheidungen des Bürgermeisters absegnet, kann ihm keiner etwas anhaben«, sagte Fanny Gressl. Sie war Mitte Fünfzig und genauso bissig wie ihre Schwester Sophie.

    Zu einem Ehemann hatte sie es nie gebracht. Niemanden wunderte es. Es erstaunte die Leute eher, dass die etwa fünf Jahre jüngere Sophie mal verheiratet gewesen war.

    Mit dem siebzehn Jahre älteren Heinrich Jäger, der nach acht freudlosen Ehejahren das Zeitliche gesegnet hatte. So manch einer fragte sich heute noch, wie der Mann es geschafft hatte, so lange an Sophies Seite durchzuhalten, und alle waren sich einig, dass es ihm jetzt - wo immer er sein mochte - mit Sicherheit besser ging als in den Tagen, die er mit dieser Klapperschlange in Menschengestalt verbracht hatte.

    »Also ich kann

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