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Heimatroman Sammelband Liebe und Niedertracht 3 Romane Januar 2018
Heimatroman Sammelband Liebe und Niedertracht 3 Romane Januar 2018
Heimatroman Sammelband Liebe und Niedertracht 3 Romane Januar 2018
eBook346 Seiten4 Stunden

Heimatroman Sammelband Liebe und Niedertracht 3 Romane Januar 2018

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Heimatroman Sammelband 3 Romane Liebe und Niedertracht Januar 2018

Dieses Buch enthält folgende Romane:

Dieter Adam: In Grüntal ist der Teufel los

Anna Martach: Meine Hälfte – deine Hälfte

A.F.Morland: Das sechste Gebot

 

Eine heile Welt gibt es auch in der 4000-Seelen-Gemeinde Grüntal, in der Nähe von München, nicht. Bei Vitus und Johanna bahnt sich eine Katastrophe an, weil Vitus seine Ehefrau Johanna nach Strich und Faden betrügt. Sie erwischt ihn in flagranti und handelt kopflos.

Lena und Hugo müssen viele Schicksalsschläge erleiden und haben zudem keine finanziellen Möglichkeiten, Lenas schwere Krankheit durch eine Operation zu lindern. Eine Katastrophe bahnt sich an. Hugo beichtet dem Pfarrer, dass er sich strafbar machen will, um an das nötige Geld für die Operation zu kommen. Doch wie soll der Pfarrer helfen, denn er ist dem Beichtgeheimnis verpflichtet? Es müssen schnellstens Lösungen gefunden werden, um die sich anbahnenden Katastrophen abzuwenden...

Cover: STEVE MAYER

SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum27. Nov. 2019
ISBN9781540142672
Heimatroman Sammelband Liebe und Niedertracht 3 Romane Januar 2018
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Autor

A. F. Morland

A. F. Morland schrieb zahlreiche Romane und ist der Erfinder der Serie Tony Ballard.

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    Buchvorschau

    Heimatroman Sammelband Liebe und Niedertracht 3 Romane Januar 2018 - A. F. Morland

    Heimatroman Sammelband 3 Romane Liebe und Niedertracht Januar 2018

    Dieses Buch enthält folgende Romane:

    DIETER ADAM: IN GRÜNTAL ist der Teufel los

    Anna Martach: Meine Hälfte – deine Hälfte

    A.F.Morland: Das sechste Gebot

    Eine heile Welt gibt es auch in der 4000-Seelen-Gemeinde Grüntal, in der Nähe von München, nicht. Bei Vitus und Johanna bahnt sich eine Katastrophe an, weil Vitus seine Ehefrau Johanna nach Strich und Faden betrügt. Sie erwischt ihn in flagranti und handelt kopflos.

    Lena und Hugo müssen viele Schicksalsschläge erleiden und haben zudem keine finanziellen Möglichkeiten, Lenas schwere Krankheit durch eine Operation zu lindern. Eine Katastrophe bahnt sich an. Hugo beichtet dem Pfarrer, dass er sich strafbar machen will, um an das nötige Geld für die Operation zu kommen. Doch wie soll der Pfarrer helfen, denn er ist dem Beichtgeheimnis verpflichtet? Es müssen schnellstens Lösungen gefunden werden, um die sich anbahnenden Katastrophen abzuwenden...

    Cover: STEVE MAYER

    In Grüntal ist der Teufel los

    Roman von Dieter Adam

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 92 Taschenbuchseiten.

    Eine Giftmülldeponie soll nach Grüntal kommen! Die Dorfbewohner sind empört, doch der Staatssekretär kontert den Protest mit zahlreichen Gutachten, die aber allesamt widerlegt werden. Dumm ist nur, dass ausgerechnet der Sohn des Staatssekretärs und die Tochter des Zeitungsverlegers tiefe Gefühle füreinander empfinden. Beide Väter sind strikt gegen eine Verbindung, doch die Gründe dafür wirken sehr fadenscheinig. Wer kann diese Romeo-und-Julia-Geschichte auflösen? Schließlich nehmen die Mütter die Sache in die Hand.

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © by Author

    © dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Die Hauptpersonen:

    Hermann Lösch – Apotheker in Grüntal und Vorsitzender einer Bürgerinitiative.

    Konrad Falkner – Chefredakteur, trifft einen Schulfreund wieder.

    Cornelia Falkner – seine Tochter, verliebt sich, wodurch ein Geheimnis offenbar wird.

    Peter Schwarzhuber – Sohn eines Staatssekretärs, was er um der Liebe Willen verheimlicht.

    Dazu die Bewohner des Pfarrhauses in Grüntal.

    1

    Grüntal war ein kleiner Ort inmitten einer reizvollen Landschaft, irgendwo zwischen dem

    Franken- und dem Bayernwald. Etwa 4.000 Einwohner hatte das Dorf, das an dem Flüsschen Sonne lag, und von einem Bürgermeister namens Max Wurzer verwaltet wurde. Kreisstadt war Sonnbrunn.

    Die Menschen, die in Grüntal lebten, waren rau, aber herzlich. Man konnte sich durchaus unter ihnen wohlfühlen. Viele Städter, die dem Mief der Großstadt entfliehen wollten, hatten sich hier einen Bauplatz gekauft und ihr Häuschen im Grünen gebaut. Man lebte glücklich und zufrieden miteinander und glaubte nicht, dass sich dies je ändern würde.

    Sie hatten sich alle getäuscht; denn eines Tages beschloss man an höherer Stelle, ausgerechnet in

    dieser herrlichen Gegend eine Giftmülldeponie zu errichten. Eine ehemalige Kiesgrube, seit Jahren nicht mehr in Betrieb, sollte dazu dienen, die Abfälle der großen Chemiekonzerne Deutschlands abzulagern. Gutachten besagten, dass es dafür keine idealere Möglichkeit gab als ausgerechnet im Wald bei Grüntal.

    Die Bürger von Grüntal und aller umliegenden Städte und Dörfer waren entsetzt und gründeten sofort eine Bürgerinitiative, die sich entschieden gegen die geplante Giftmülldeponie aussprach.

    »Nur über meine Leiche!«, donnerte Hermann Lösch, der Apotheker, den man soeben zum Vorsitzenden der Bürgerinitiative gewählt hatte. Er war fünfundfünfzig Jahre alt und versuchte, da er zu Hause nur wenig zu melden hatte, sich wenigstens außerhalb der Familie eine gewisse Geltung zu verschaffen. So war er  unter anderem  Vorsitzender im Kirchengemeinderat und saß auch als Vertreter seiner Partei im Gemeindeparlament.

    Hermann Lösch nahm einen tiefen Schluck aus seinem Bierglas, wischte sich den Schaum von den Lippen und schaute mit finsterer Miene auf seine Zuhörer.

    »Das werden wir uns selbstverständlich nicht gefallen lassen«, fuhr er fort. »Wenn die hohen Herren unserer Regierung glauben, sie könnten mit uns machen, was sie wollen, sind sie schief gewickelt. Wir werden ihnen zeigen, dass so etwas mit uns Grüntalern nicht geht! Die sollen nicht denken, dass sie ihren gefährlichen Dreck so mir nichts, dir nichts in unserem Wald ablagern können!«

    »Sehr richtig!«, pflichtete Pfarrer Kreutzer ihm bei, der als geistliches Oberhaupt der Gemeinde selbstverständlich mit am Vorstandstisch saß. »Ich bin, wie ihr wisst, ein Mann des Friedens und der Versöhnung. Aber was zu weit geht, geht zu weit.«

    Die Teilnehmer an dieser Versammlung, die sich im Saal beim Oberwirt zusammengefunden hatten, zollten den beiden Sprechern dröhnenden Beifall.

    Paul Kreutzer war sechzig Jahre alt und seit zwanzig Jahren Pfarrer der Gemeinde Grüntal. Er war ein Priester des alten Schlages, eine autoritäre Person, auf dessen Wort man hörte.

    Pfarrer Kreutzer war ein seltsamer Mensch. Man hasste und liebte ihn zugleich in Grüntal. Es gab kaum eine Feier, zu der man ihn nicht einlud. Das war ein ungeschriebenes Gesetz. Der Herr Pfarrer hatte einfach dabei zu sein.

    Pfarrer Kreutzer lief, auch wenn das nicht mehr der heutigen Zeit entsprach, grundsätzlich in der schwarzen Soutane herum, was seine Autorität unterstrich. Auch dem Alkohol hatte er den Krieg erklärt, und dem Tabak sowieso. Was ihn aber nicht daran hinderte, seine geliebte Pfeife zu paffen und hin und wieder ein Gläschen seines selbst angesetzten Beerenweines zu sich zu nehmen. Selbstverständlich alles in Maßen.

    Zigaretten waren es, die er verabscheute. Zigaretten und Zigarren. Und natürlich alle anderen alkoholischen Getränke außer seinem Beerenwein. Obwohl der es eigentlich auch in sich hatte. Mancher, der zu viel davon genossen hatte, konnte ein Liedchen davon singen.

    Auch heute Abend, an dem die Bürgerinitiative gegen die geplante Giftmülldeponie gegründet wurde, trug Pfarrer Kreutzer wieder seine schwarze Soutane. Wie ein Rachegott saß er vorn am Vorstandstisch und zog ein Gesicht, als hätte ihm sein Chef über den Wolken gerade die geheime Botschaft zukommen lassen, der Jüngste Tag stünde unmittelbar bevor.

    Und er trank sogar Bier, weil es beim Oberwirt außer einem sauren Wein, der einem das Hemd in den Hintern zog, nichts anderes gab. Cola, Limo und Wasser vielleicht. Aber das schmeckte dem wackeren Priester nun auch wieder nicht.

    Max Wurzer, von Beruf Bauunternehmer und im Nebenberuf Bürgermeister oder umgekehrt, wollte beweisen, dass er neben dem großen Vorsitzenden der Bürgerinitiative und Pfarrer Kreutzer auch noch etwas in Grüntal zu sagen hatte und ergriff nun seinerseits das Wort.

    »Wir werden alle rechtlichen Mittel einsetzen, um diese verdammte Giftmülldeponie zu verhindern!«, rief er. »Und wenn es sein muss, werden wir uns auch noch anders zu wehren wissen. Grüntal muss sauber bleiben. Oder wollt ihr, dass sie uns unser Grundwasser verseuchen und unsere Nachkommen eines Tages mit verunstalteten Gliedmaßen auf die Welt kommen?«

    Das wollte selbstverständlich keiner der Anwesenden. Man trampelte begeistert mit den Füßen auf den alten Holzboden, so dass der Oberwirt sein Gesicht in besorgte Falten legte. Zweimal war die Baupolizei schon bei ihm gewesen und hatte ihm jegliche Tanzveranstaltung in diesem Saal untersagt. Man wollte nicht riskieren, dass die ganze Mannschaft plötzlich im Keller saß. Und nun trampelten diese Hornochsen, dass der morsche Boden verdächtig knarrte.

    »Aufhören«, brüllte der Oberwirt in den Saal. »Sofort aufhören! Wollt ihr mir mein Lokal ruinieren?«

    Die Versammlungsteilnehmer schauten verwirrt auf den Wirt, der sich mit wütend in die Hüften gestemmten Fäusten in den Vordergrund geschoben hatte.

    »Du bist gegen uns!«, rief einer aufgebracht. »Kein Wunder, denn wahrscheinlich erhoffst du dir nur Vorteile von der geplanten Giftmülldeponie. Neue Gäste zum Beispiel; denn natürlich würde es genügend Leute geben, die dort arbeiten und irgendwo essen müssen. Ein Kapitalistenschwein bist du! Pfui Deibel!«

    Der Oberwirt wehrte sich mit Händen und Füßen gegen diese Unterstellungen und machte den Versammelten klar, warum er gegen diese Trampelei war.

    »Aber irgendwie müssen wir doch unsere Luft ablassen«, tönte einer unter dem Gelächter der anderen.

    »Wenn ihr eure Begeisterung für die Worte des Herrn Bürgermeister und der anderen Redner nicht durch Trampeln ausdrückt«, sagte der Oberwirt, »habe ich nichts dagegen. Auch eure Luft könnt ihr ablassen. Fragt sich nur, was euer Nachbar dazu meint.«

    Der Saal brüllte, und man war sich wieder einig. Der Bürgermeister konnte fortfahren.

    »Wir werden eine Abordnung ins bayerische Umweltministerium nach München schicken«, verkündete er. »Wir werden diesen hohen Herren klarmachen, was sie hier zu erwarten haben: Widerstand und nichts als Widerstand!«

    Nach heißen Diskussionen ging man schließlich zum gemütlichen Teil über. Pfarrer Kreutzer, der sonst außer seinem Beerenwein kaum Alkohol trank, ließ sich von der allgemeinen Begeisterung anstecken und zu manchem Bierchen einladen. Als er gegen Mitternacht nach Hause ging, war er nicht mehr ganz nüchtern. Doch er war stolz auf sich und seine Gemeinde; stolz, weil sie es diesen Großkopferten in München zeigen wollten. Darauf konnte man, dachte er, schon mal einen über den Durst trinken.

    2

    Heide Maus, von manchen in der Gemeinde liebevoll »Kirchenmaus« genannt, war die Pfarrhaushälterin. Sie war achtundfünfzig Jahre alt und seit Anbeginn im Dienst ihres Pfarrers. Ein resolutes Persönchen war sie, die glaubte, ab und zu ihren Senf dazugeben zu müssen, wenn nicht alles nach ihren Vorstellungen verlief. Dazu kam, dass sie einen halben Kopf größer war als ihr Dienstherr. Was diesen wiederum heimlich ärgerte, da er sozusagen zu seiner Haushälterin »aufblicken« musste.

    Heide Maus wollte gerade in ihr Zimmer gehen, als sie den Pfarrer heimkommen hörte.

    »So ein Tag, so wunderschön wie heute ...«, summte er leise vor sich hin, was recht ungewöhnlich für ihn war. Dann fuhr die Tür dröhnend ins Schloss, weil er daneben griff, als er sie schließen wollte. Und schließlich fluchte er auch noch wie ein Rohrspatz, weil ihm das passiert war.

    Die Kirchenmaus sorgte sich um ihren Dienstherrn und eilte die Treppen hinunter, um nach ihm zu sehen. »O Gott, Herr Pfarrer«, ächzte sie entgeistert. »Sie sind ja betrunken!«

    Sie half ihm aus dem Mantel und schloss kopfschüttelnd die Haustür ab.

    Pfarrer Kreutzer betrat das Wohnzimmer und ließ sich aufseufzend in einen Sessel fallen. Es war ihm überaus peinlich, von seiner Haushälterin in einem solchen Zustand angetroffen zu werden. Warum konnte sie nicht, wie sich das um diese Zeit für sie gehört hätte, längst in ihrem Bett liegen?

    Von dem Lärm, den Pfarrer Kreutzer ungewollt verursacht hatte, war nun auch noch Kaplan Jürgen Hofer wach geworden. Er hatte nicht an der Bürgerversammlung teilgenommen, da er am anderen Morgen beizeiten aufstehen und die Frühmesse lesen musste.

    Kaplan Hofer war dreißig Jahre alt und lebte erst seit kurzer Zeit in Grüntal. Im Gegensatz zu seinem Pfarrer war er ein sehr moderner Priester. Er bevorzugte es, in sportlicher Kleidung herumzulaufen. So fuhr er denn auch eine schwere japanische Maschine, die er sich vom Mund abgespart hatte, und glich in seiner schwarzen Motorradkluft eher einem Rocker, denn einem katholischen Geistlichen.

    Kaplan Hofer eckte oft mit seinen Ansichten über das moderne Christentum bei seinen Vorgesetzten, und hier besonders bei Pfarrer Kreutzer, an. Er hatte sich aber schnell in Grüntal beliebt gemacht. Besonders bei den jungen Leuten war er der Mann schlechthin. Ihm war es zu verdanken, dass sie der katholischen Kirche wieder etwas mehr Beachtung schenkten.

    So hätte er niemals ein Wort gegen die Pille verloren, auch wenn sein Papst anderer Meinung war. Und auch gegen Mischehen hatte er nichts einzuwenden.

    Den größten Hammer aber hatte er sich beim letzten Erstkommunionstag geleistet.

    Entgegen der sonstigen Gewohnheit, dass die Kinder am Weißen Sonntag allein und nach Geschlechtern getrennt vorn in den Bänken hockten und dem großen Ereignis entgegenfieberten, hatte der Kaplan einen Brauch aus seiner hessischen Heimat übernommen. Dort saßen nämlich die Eltern bei ihren Kindern  und das in bunter Reihe. Und so trat denn auch der Erstkommunikant oder die Erstkommunikantin zusammen mit Vater und Mutter an den Altar, um gemeinsam mit ihnen die Heilige Kommunion zu empfangen. Sogar Pfarrer Kreutzer hatte eingesehen, dass dies ein sehr schöner Ritus war und den Kindern ein noch größeres Zusammengehörigkeitsgefühl mit den Eltern vermittelte.

    Unter den Eltern, die ihren Sprössling diesmal zum Altar geleiteten, hatte es ein Ehepaar gegeben, das nach gescheiterten Ehen wieder geheiratet hatte. Somit hatten sie sich nach kirchlicher Regelung selbst von den Heiligen Sakramenten ausgeschlossen. Kaplan Hofer hatte ihnen trotzdem die Heilige Kommunion gespendet. Er war der Ansicht, dass er sie keinem, der sie von ihm verlangte, verweigern durfte. Ob sie nun vor dem Herrgott gültig war oder nicht, war nebensächlich. Außerdem wäre es sicher ein Schock für das Kind gewesen, wenn alle anderen Mütter und Väter die Kommunion empfangen hätten und ausgerechnet seine Eltern nicht.

    Wie dem auch sei, nicht nur Pfarrer Kreutzer hatte sich fürchterlich darüber aufgeregt und seinem Herrn Kaplan nach der Messe tüchtig den Kopf gewaschen, sondern auch der größte Teil der Pfarrgemeinde. Einer hatte den Vorfall sogar dem Bischof vermeldet. Kaplan Hofer war zur Audienz gebeten worden.

    Der Bischof hatte sein Verhalten wegen der vom Heiligen Stuhl erlassenen Vorschriften zwar nicht akzeptieren dürfen, hatte sich aber dennoch die Argumente des jungen Priesters angehört und es dann bei einem gutmütigen Verweis belassen.

    Mit Heide Maus, der Haushälterin, verband Kaplan Hofer ein herzliches Verhältnis. Sie war fast immer auf seiner Seite zu finden, wenn es darum ging, etwas frischen Wind in das leicht angestaubte Gemeindeleben zu bringen.

    Warum sollte denn nicht mal eine moderne Messe, zu der eine Rockband spielte, abgehalten werden? Auch die Jugend verlangte ihr Recht und wollte nicht immer die zum größten Teil veralteten Kirchenlieder singen. Ihr gefiel das, und sie sang die mit modernen Texten und Rhythmen versehenen neuen Lieder gern und kräftig mit.

    Natürlich musste das nicht jeden Sonntag sein. Das wäre zu viel des Guten gewesen. Und eine Mozartmesse oder die Deutsche Messe von Franz Schubert gefiel ihr letztendlich dann doch besser. Aber hin und wieder ... Warum nicht?

    Pfarrer Kreutzer dachte in dieser Beziehung natürlich ganz anders. Schlagzeug und Elektrogitarre hatten seiner Meinung nach nichts in einer Kirche verloren. Dort hatte die Orgel zu spielen, und die Gemeinde hatte »Halleluja« zu singen.

    Kaplan Hofer bewies ihm mit Hilfe des Organisten Bernd Keller, der zwar die klassische Musik bevorzugte, aber durchaus nichts gegen moderne Messen hatte, dass man »Halleluja« auch auf andere Weise singen konnte.

    Jetzt schlüpfte der Kaplan also in seinen Morgenmantel und eilte nach unten, um nachzusehen, was es dort gab.

    »Sehen Sie sich diesen Menschen an«, beklagte sich Heide Maus, als er ins Zimmer trat, und deutete mit dem Kinn auf ihren Dienstherrn. »Voll wie eine Haubitze ist er!« Womit sie schamlos übertrieb.

    »Voll?« Kaplan Hofer glaubte, seinen Augen nicht trauen zu dürfen. »Aber er trinkt doch nie etwas außer seinem Beerenwein!«

    »Heute hat er aber offensichtlich«, meinte Heide säuerlich. »Warum, weiß ich natürlich auch nicht.«

    »Hallo, Herr Pfarrer!« Kaplan Hofer versuchte seinen Vorgesetzten, der unterdessen in seinem Sessel eingenickt war, durch sanftes Rütteln zu wecken. »Gehen Sie doch in Ihr Bett!«

    Pfarrer Kreutzer fuhr aus seinem Schlaf und schaute sich verwirrt um. »Was ist denn los?«

    »Sie haben ein bisschen zu viel getrunken, Hochwürden«, verkündete Heide vorwurfsvoll.

    »Heiliger Strohsack!«, ächzte Pfarrer Kreutzer. »Das verflixte Bier!«

    »Aha!«, ließ sich Heide Maus vernehmen. »Seit wann trinken Sie denn Bier, Herr Pfarrer?«

    »Ich trinke nie Bier!«, verteidigte sich Hochwürden. »Nur heute Abend, weil der Oberwirt keinen Beerenwein hat ...«

    »... und Mineralwasser wohl auch nicht?«, unterbrach ihn die Haushälterin ironisch.

    »Man hat mich halt zu einem Bier eingeladen«, erklärte Pfarrer Kreutzer mit einem säuerlichen Lächeln. »Das konnte ich schlecht ablehnen, nicht wahr?«

    »So, zu einem also?« Heide Maus holte tief Luft. »Ich ...«

    »Sei bloß still!«, schnitt ihr Pfarrer Kreutzer in scharfem Ton die Rede ab. Im Gegensatz zu ihr duzte er sie. »Ich habe keine Lust, mir jetzt eine Moralpredigt anzuhören.«

    »Ich denke, wir sollten jetzt alle ins Bett gehen«, schlug der Kaplan mit einem nachsichtigen Lächeln vor.

    »Sie haben Recht«, stimmte der Pfarrer seinem Kaplan zu und erhob sich schwerfällig aus dem Sessel. Die hilfreiche Hand seiner Haushälterin übersah er geflissentlich. Hochwürden strich seine Soutane glatt und wandte sich zur Tür.

    »Gute Nacht, Kinder«, sagte er und schritt betont aufrecht die Treppe hinauf.

    Kaplan Hofer und Heide Maus schauten sich schmunzelnd an und wünschten ebenfalls eine gute Nacht.

    »Ich gehe dann auch wieder in mein Bett«, sagte der Kaplan zur Kirchenmaus und gähnte herzhaft. »Die Nacht ist eh nicht mehr lang. Schlafen Sie gut.«

    »Danke, gleichfalls.«

    Während Jürgen Hofer sich nach oben begab, schaltete die Haushälterin überall das Licht aus. Bald darauf war es still und dunkel im Pfarrhaus. Ein ereignisreicher Abend hatte sein Ende gefunden.

    3

    Gegen neun Uhr klingelte es stürmisch an der Haustür. Heide Maus hatte durch die Ereignisse der vergangenen Nacht verschlafen. Kaplan Hofer hatte sich sein Frühstück selbst bereiten müssen, bevor er nach der Frühmesse das Haus verließ, um den Schülern der hiesigen Grundschule den Religionsunterricht zu erteilen.

    Heide fuhr erschrocken aus den Federn, schlüpfte in ihren Morgenrock und begab sich zur Haustür. Bürgermeister Wurzer, Apotheker Lösch und ein paar andere Damen und Herren mit überaus wichtigen Mienen standen davor.

    »Guten Morgen!«, begrüßte sie der Bürgermeister freundlich und lüftete seinen Hut. »Ist der Herr Pfarrer bereit?«

    Heide schaute den Bürgermeister verständnislos an.

    »Wie bitte?«, entgegnete sie und gähnte verstohlen. »Für oder zu was sollte er denn bereit sein?«

    »Zu unserem Lokaltermin natürlich«, erklärte Wurzer. »Wir hatten doch verabredet, heute morgen einen Geländegang durch das Gebiet zu unternehmen, auf dem die Giftmülldeponie entstehen soll. Hochwürden hat gestern Abend selbst diesen Vorschlag gemacht.«

    »Hat er das?« Heide grinste hämisch. »Nun, dann werde ich ihn wohl wecken müssen.«

    »Ja, schläft er denn noch?«

    Heide nickte, bat die Herren und Damen herein und ließ sie im Arbeitszimmer Platz nehmen.

    »Er wird sogleich bei Ihnen sein«, versprach sie den Anwesenden. »Gedulden Sie sich bitte nur einen Moment.«

    Wie ein Racheengel schwebte sie die Stufen zu den Schlafzimmern empor. Pfarrer Kreutzer schnarchte noch genüsslich und zersägte momentan vermutlich eine hundertjährige Eiche.

    »Hochwürden!«, plärrte Heide und rüttelte den Schlafenden. »Aufstehen!«

    Pfarrer Kreutzer schnaufte auf, drehte sich um und schnarchte weiter.

    »Hochwürden!«, rief Heide und rüttelte heftig an seinem Arm.

    Pfarrer Kreutzer fuhr aus seinem Schlaf und sprang entsetzt hoch.

    »Bist du denn von allen guten Geistern verlassen?«, fuhr er Heide an. »Wie kannst du es wagen ...«

    »Guten Morgen, Hochwürden«, zwitscherte Heide. »Sie haben Besuch!«

    »Besuch?« Pfarrer Kreutzer nahm mit gequälter Miene seinen Kopf zwischen beide Hände. »Wer kommt mich denn mitten in der Nacht besuchen?«

    »Der Herr Bürgermeister«, verkündete Heide. »Und noch ein paar andere Mitglieder der Bürgerinitiative gegen die Giftmülldeponie. Sie müssen sich gestern Abend mit ihnen verabredet haben.«

    Bei Pfarrer Kreutzer fiel die Klappe. Er erinnerte sich plötzlich wieder. Und es war ihm peinlich, dass er immer noch in seinem Bett lag. Wo es doch um die Zukunft von Grüntal ging! Heiliger Strohsack!

    »Mein Gott!«, stammelte er. »Das hätte ich ja beinahe vergessen! Danke, Heide, ich komme sofort.«

    Das war für sie das Zeichen, sich aus dem Schlafzimmer des Pfarrers zurückzuziehen. Sie begab sich schleunigst in ihr eigenes Schlafzimmer, um sich anzuziehen.

    Dann ging sie hinunter ins Arbeitszimmer und sagte den Wartenden Bescheid, dass Hochwürden sogleich erscheinen würde. Heide Maus ließ sich nicht auf eine Diskussion ein, sondern verzog sich in die Küche, um das Frühstück, das für ihre Verhältnisse fast schon zu einem Spätstück geworden war, zu richten.

    Pfarrer Kreutzer stieg unterdessen kopfschüttelnd aus dem Bett und unter die Dusche, die er eiskalt auf sich herunterprasseln ließ. Wenige Minuten später war er fertig, zog sich an und begab sich zu den wartenden Damen und Herren der Bürgerinitiative, die ihm vorwurfsvoll entgegensahen.

    »Ist Ihnen der gestrige Abend nicht bekommen?«, erkundigte sich Bürgermeister Wurzer schadenfroh. »Wollen wir den Termin verschieben?«

    »Unsinn!«, widersprach Pfarrer Kreutzer. »Mir geht es prächtig, ich vermisse nur mein Frühstück. Also, gehen wir.« Er setzte sich neben Apotheker Lösch und Bürgermeister Wurzer an die Spitze der Abordnung, die gegen die Giftmülldeponie kämpfen wollte.

    Ihr armen Würstchen, dachte Heide Maus kopfschüttelnd, während sie dem abziehenden Trupp nachsah und den Tisch wieder abräumte. Was wollt ihr gegen einen Regierungsbeschluss ausrichten? Die da oben machen ja doch, was sie wollen. Don Quichotte hat gegen Windmühlen gekämpft. Ihr tut im Prinzip nichts anderes. Ihr tut mir leid. Möge der Herr trotzdem mit euch sein.

    Er war es, wie sich herausstellen sollte, zumindest an diesem Tag nicht.

    4

    »Was hat Ihnen denn die Suppe verhagelt, verehrte Frau Kollegin?«, wandte sich Kaplan Hofer in der großen Pause an Cornelia Falkner, die seit ein paar Tagen an der Grundschule von Grüntal als Referendarin

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