Genießen Sie von Millionen von eBooks, Hörbüchern, Zeitschriften und mehr - mit einer kostenlosen Testversion

Nur $11.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Brenda Logan und das Einhorn: Drei Romane um das magische Amulett: Sammelband
Brenda Logan und das Einhorn: Drei Romane um das magische Amulett: Sammelband
Brenda Logan und das Einhorn: Drei Romane um das magische Amulett: Sammelband
eBook367 Seiten4 Stunden

Brenda Logan und das Einhorn: Drei Romane um das magische Amulett: Sammelband

Bewertung: 0 von 5 Sternen

()

Vorschau lesen

Über dieses E-Book

Brenda Logan und das Einhorn: Drei Romane um das magische Amulett

Dieses Buch enthält die Romane:

Jan Gardemann: Lady der Dämmerung

Jan Gardemann: Das Geheimnis des Einhorns

Jan Gardemann: Der Stein der Angst

London als Schauplatz mysteriöser und magischer Ereignisse! Amulettjägerin Brenda Logan stellt sich dem Bösen tapfer entgegen – während all ihre Vertrauten einem geheimnisvollen Zauber anheimfallen! Wird es Brenda gelingen, das Böse zu bezwingen und ihre Freunde vom Wahnsinn zu befreien?

SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum2. Apr. 2019
ISBN9781386377603
Brenda Logan und das Einhorn: Drei Romane um das magische Amulett: Sammelband
Vorschau lesen

Mehr von Jan Gardemann lesen

Ähnlich wie Brenda Logan und das Einhorn

Verwandte Kategorien

Rezensionen für Brenda Logan und das Einhorn

Bewertung: 0 von 5 Sternen
0 Bewertungen

0 Bewertungen0 Rezensionen

Wie hat es Ihnen gefallen?

Zum Bewerten, tippen

Die Rezension muss mindestens 10 Wörter umfassen

    Buchvorschau

    Brenda Logan und das Einhorn - Jan Gardemann

    Brenda Logan und das Einhorn: Drei Romane um das magische Amulett

    Dieses Buch enthält die Romane:

    Jan Gardemann: Lady der Dämmerung

    Jan Gardemann: Das Geheimnis des Einhorns

    Jan Gardemann: Der Stein der Angst

    London als Schauplatz mysteriöser und magischer Ereignisse! Amulettjägerin Brenda Logan stellt sich dem Bösen tapfer entgegen – während all ihre Vertrauten einem geheimnisvollen Zauber anheimfallen! Wird es Brenda gelingen, das Böse zu bezwingen und ihre Freunde vom Wahnsinn zu befreien?

    COPYRIGHT

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

    © by Author

    © Cover by Adelind, Pixabay, Steve Mayer

    © dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Lady der Dämmerung 

    Das magische Amulett Band 107

    Roman von Jan Gardemann

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 94 Taschenbuchseiten.

    Brenda Logan, die Amulettforscherin, und Collin, ein begabter Fotograf, sind auf dem Weg nach Blackstone Castle, einem alten Schloss, das der Besitzer dem Kulturministerium in London verkauft hatte. Doch sie scheinen sich verirrt zu haben. In dem Dorf Highparish fragen sie nach dem Weg, müssen aber feststellen, dass man sie irregeführt hat. Als sie endlich Blackstone Castle erreichen, empfängt sie Clarissa, eine junge Frau, die man angeblich beauftragt hat, für den Besuch zu sorgen. Doch Brenda ist misstrauisch.

    Und schon beginnt der Spuk, denn auf dem Schloss liegt ein Fluch ...

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

    © by Author

    © Cover by Firuz Askin, 2017

    © dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    © Logo by Steve Mayer unter Verwendung von Motiven by Pixabay, 2017

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Prolog

    Wie hypnotisiert starrte ich die Jadehand an, Als Clarissa mich hierher geführt hatte, hatte dieses merkwürdige Schmuckstück noch nicht auf dem Tisch gelegen  da war ich mir sicher. Zögernd näherte ich mich dem Tisch, ohne die Jadehand dabei aus den Augen zu lassen. Sie war etwa so groß wie mein Daumen, drei Finger waren wie zum Schwur ausgestreckt. Diese Geste wurde aber auch zum Abwehren von bösem Zauber verwendet. Ich hatte ein Amulett vor mir! Diese Erkenntnis löste ein leichtes Schwindelgefühl in mir aus. Seit unserem Erlebnis in Highparish hatte mich das ungute Gefühl beschlichen, es könnte in dieser Gegend nicht mit rechten Dingen zugehen. Dass ich in meinem Zimmer nun plötzlich dieses seltsame Amulett entdeckte, bestärkte meine Furcht nur noch ...

    1

    »Halten Sie bitte an , Brenda!«, bat der Mann, der neben mir auf dem Beifahrersitz meines nachtblauen Volvos saß.

    »Was ist denn nun schon wieder?«, fragte ich ein wenig entnervt und ließ den Wagen am Rand der Fahrbahn ausrollen.

    Wir befanden uns auf einer einsamen Landstraße, die durch ein hügeliges, dicht bewaldetes Gebiet westlich von London führte. Es war früher Nachmittag. Der Himmel ähnelte einem grauen Feld träge wallender Nebel. Die Wolken hingen so tief, dass sie fast die Wipfel der mächtigen Baumriesen streiften. Es herrschte ein schummeriges, graues Zwielicht, so dass ich gezwungen gewesen war, die Scheinwerfer anzuschalten, weil die Sicht auf der Waldstraße so miserabel war.

    Als der Volvo stoppte, stieß mein Begleiter die Beifahrertür auf und stürmte ins Freie. Zielstrebig eilte er in die Richtung, aus der wir gekommen waren. Ich schüttelte schicksalsergeben den Kopf, strich mir eine Strähne aus weizenblondem Haar aus der Stirn und stieg dann ebenfalls aus. Lässig an den Wagen gelehnt, stand ich da und schaute dem Mann hinterher.

    Sein Name war Collin Claus. Er war ein hochgewachsener Bursche mit blondem glattem Haar und Augen, die in dem blassen Gesicht wie zwei versehentlich dorthin geratene blaue Farbtupfer wirkten. Collin war ein bekannter Fotograf. Er bevorzugte skurrile und unheimliche Motive und hatte bereits in einigen namhaften Galerien ausgestellt.

    »Sehen Sie sich doch nur einmal diesen Baum an!«, rief er mir zu und deutete auf einen toten, verknorrten Baumriesen am Straßenrand. Laublos und verdreht ragten die Äste in alle Himmelsrichtungen. Moos und Flechten hatten sich auf den ausladenden schwarzen Zweigen angesiedelt. Hier und da war die Rinde weggeplatzt, so dass das graue tote Holz darunter zum Vorschein gekommen war.

    »Ich finde dieses Ding ziemlich hässlich, wenn Sie mich fragen!«, rief ich dem Mann zu.

    Aber Collin schien meine Bemerkung gar nicht gehört zu haben. Er legte den Kopf schief und änderte seine Position, um den toten Baum aus mehreren Blickwinkeln heraus betrachten zu können.

    »Dieser Baum ist die Verkörperung von der menschlichen Vorstellung des Todes«, sinnierte er mit lauter Stimme. »Unsere Erinnerungen an einen verstorbenen Menschen sind genau so skurril und verrottet, wie dieser Baum. Man vergisst all das Üppige und Bewegte, bis nur noch ein karges, unheimliches Bild bleibt.« Er nahm die Kamera, die an einem breiten Band um seinen Hals hing, und fing an, den toten Baumriesen zu fotografieren.

    »Ich dachte immer, die menschliche Erinnerung würde genau andersherum funktionieren«, rief ich dem Mann zu, war mir aber nicht sicher, ob er meine Worte durch das Klicken und Surren seines modernen Fotoapparates hindurch überhaupt verstand. Trotzdem führte ich meine Überlegung laut fort, denn ich hatte das Gefühl, seiner verschrobenen Sichtweise etwas entgegensetzen zu müssen:

    »Bleibt in unserer Erinnerung nicht nur das Schöne und Einzigartige eines Menschen bestehen, während die Erinnerung an seine schlechten Seiten verblassen?«

    Collin ließ die Kamera sinken und sah den Baum nachdenklich an.

    »Kommt darauf an, welche Seite in einem Menschen am meisten ausgeprägt war«, erwiderte er dann gedankenversunken. »An einen Menschen mit schlechten Charaktereigenschaften und böswilligen Gebaren wird man notgedrungen nur schlechte Erinnerungen haben.«

    »Aber man wird an einen Menschen, den man liebte, immer in Zärtlichkeit gedenken«, hielt ich dagegen. »Man wird in ihm immer den blühenden Baum sehen, der er einmal war.«

    Collin drehte sich mit seiner Kamera plötzlich zu mir um, richtete das Objektiv auf mich und schoss gleich mehrere Fotos hintereinander. Er grinste, als der den Fotoapparat wieder sinken ließ.

    »Sie sehen ziemlich verführerisch aus, wie Sie da in Ihrem hellen Hosenanzug gegen das nachtblaue Auto lehnen«, schwärmte er. »Ihr weizenblondes Haar schimmert selbst bei schlechten Lichtverhältnissen, als hätte ein Sonnenstrahl sich darin verfangen. Und in Ihren grünen Augen liegt ein geheimnisvoller Glanz, als würden sie von Dingen wissen, die den meisten Menschen verborgen sind.«

    Unwillkürlich wandte ich meinen Blick von dem jungen Mann ab und schaute zu Boden. Ich wusste tatsächlich von einigen Dingen, die ein normaler Mensch sich nicht einmal in seinen schlimmsten Alpträumen ausdenken konnte. Ich bin Archäologin und Amulettforscherin. Und mein Interesse für magische Amulette hatte mich in der Vergangenheit in zahlreiche unglaubliche Abenteuer verwickelt. Natürlich hatten diese Abenteuer ihre Spuren in mir hinterlassen. Sie hatten mich reifer und vorsichtiger werden lassen.

    War es möglich, dass Collin Claus dies in meinen Augen gesehen hatte? Immerhin war er ein begnadeter Fotograf mit einem besonderen Blick für das Außergewöhnliche.

    Ich war fest entschlossen, mir nicht anmerken zu lassen, wie sehr er mit seiner Bemerkung ins Schwarze getroffen hatte. Welche fürchterlichen Dinge ich während meiner Jagd nach magischen Amuletten erlebt hatte, gingen nur mich und Daniel, meinem Ehemann, etwas an. Niemand würde mir glauben, wenn ich erzählte, wozu magische Amulette fähig waren und welches Leid und Unglück sie über die Menschen brachten.

    Mit einem dünnen, spöttischen Lächeln auf den Lippen sah ich Colin an, der noch immer neben dem toten Baumriesen stand und mich aufmerksam musterte.

    »Machen Sie jeder Frau solche Komplimente?«, wollte ich wissen, wobei meine Stimme eine Spur zu schnippisch klang, wie ich fand. Collin zuckte mit den Schultern und verschloss die Fotolinse mit einer Schutzkappe.

    »Nicht jede Frau macht eine gute Figur, wenn ich sie durch das Objektiv betrachte«, meinte er dabei. »Sie können sich auf meineWorte also etwas einbilden.«

    »Ich weiß sehr gut, welchen Eindruck ich auf Männer mache«, entgegnete ich gelassen und hob die Hand, damit er meinen Ehering sehen konnte. »Ich bin verheiratet, Collin. Und Daniel, mein Mann, umschwärmt mich immer noch, als wären wir frisch verliebt, weil er nicht verlernt hat, in mir die Frau zu sehen, die sie eben durch ihr Objektiv gesehen haben.«

    Collin grinste und kam auf mich zu. »Das glaube ich Ihnen gerne«, schmunzelte er. »Ich wünschte, ich könnte dasselbe von mir behaupten. Aber bisher hat es noch keine Frau länger als einige Monate bei mir ausgehalten.«

    Für meinen Geschmack wurde das Gespräch nun ein wenig zu privat. Collin und ich hatten in dieser Gegend einen Job zu erledigen - das schien der Fotograf völlig vergessen zu haben.

    »Anstatt in der Gegend herumzugaffen, sollten Sie lieber mal einen Blick auf die Landkarten werfen«, erklärte ich in sachlichem Tonfall. »Seit über einer Stunde irren wir nun schon in diesem Landstrich umher, ohne auch nur eine Turmspitze von Blackstone Castle erblickt zu haben.«

    Collin zuckte unbeholfen mit den Schultern. »Ich fürchte, ich bin im Kartenlesen nicht halb so gut, wie im Aufspüren von lohnenswerten Fotomotiven.«

    »Dann strengen Sie sich gefälligst an!«, entgegnete ich.'»Sonst werden wir das Schloss vor Einbruch der Nacht wohl nicht mehr erreichen.«

    Wir stiegen wieder in das Auto und breiteten die Landkarte zwischen uns aus. Ich deutete mit dem Zeigefinger auf ein Kreuz, das Professor Sloane, der Direktor des British Museum, mit Kugelschreiber auf der Karte vermerkt hatte.

    »Hier soll doch den Angaben des Museumsdirektors zufolge Blackstone Castle liegen«, meinte ich leicht verärgert.

    »Ihr Vorgesetzter hat sich wohl geirrt«, erwiderte Collin leichthin. »Wir haben diese Stelle doch bereits abgesucht. Es war nicht einmal eine Ruine oder irgendein anderes menschliches Bauwerk dort zu finden.«

    Ich fuhr mir mit den Fingern durch das Haar. »Aber irgendwo hier in der Gegend muss das Schloss doch liegen.«

    Collin schüttelte amüsiert den Kopf. »Und ich dachte immer, Archäologen wären im Aufspüren altertümlicher Gebäude unschlagbar«, spottete er. »Und nun stellt sich heraus, dass gewisse Archäologen sogar unfähig sind, ein riesiges Bauwerk mitten in einemWald zu finden.«

    Er stieß ein raues, freudloses Lachen aus. »Vielleicht existiert Blackstone Castle ja gar nicht«, fabulierte er. »Das Kulturministerium in London hat eine Unmenge Geld für ein Gebäude ausgegeben, das es gar nicht gibt. Der Lord, dem das Gemäuer angeblich gehörte und es an das Ministerium verkaufte, weil er angab, kurz vor dem Bankrott zu stehen, muss ein ziemlich ausgefuchster Ganove gewesen sein. Bestimmt hat er sich mit dem Geld längst auf und davon gemacht und beginnt auf einer Südseeinsel unter einem anderen Namen nun ein neues Leben und lacht sich eins ins Fäustchen.«

    »Das halte ich für ausgeschlossen.« Tadelnd sah ich den Fotografen an. »Es existieren zwar keine Baupläne oder Grundrisse von Blackstone Castle. Das Bauwerk wurde aber natürlich von Mitarbeitern des Ministeriums vorher besichtigt. Es muss hier irgendwo sein. Wir finden es bloß nicht, weil Sie ständig nach toten Bäumen Ausschau halten, Collin.«

    Der Mann an meiner Seite presste die Lippen aufeinander.

    »Sie mögen mich nicht besonders, habe ich recht?« sagte er plötzlich.

    Ich atmete einmal tief durch. »Nun werden Sie nicht gleich sentimental. Wir haben den Auftrag, Blackstone Castle zu inspizieren. Wir sollen uns einen Überblick verschaffen, und Sie sollen Fotos von den Räumlichkeiten schießen, damit die Architekten sich ein Bild von der Beschaffenheit des Castle machen können. Schließlich soll auf Blackstone Castle einmal ein Tagungsort entstehen. Leute aus der Kulturszene sollen sich dort treffen, Symposien, Tagungen und Workshops abhalten und sich weiterbilden.«

    Collin nickte. »Sie betrachten unseren kleinen Ausflug natürlich nur als einen Job«, sagte er gefasst. »Sie werden nur Ihre Grundrisse anfertigen, mich die Fotos schießen lassen und nach zwei, drei Tagen wieder nach London zurückfahren und unsere Begegnung schnell wieder vergessen.«

    »Was hatten Sie denn gedacht?«

    Collin sah mich mit seinen blauen Augen unverwandt an. »Nichts auf dieser Welt geschieht ohne Grund«, erklärte er dann ernst. »Dass wir beide an diesem Tag zusammen durch diese urige Landschaft fahren, ist vom Schicksal vorherbestimmt.« Seine Augen bekamen einen eindringlichen, fast stechenden Ausdruck. »Dass wir uns trafen, hat eine tiefere Bedeutung, Brenda, davon bin ich fest überzeugt.«

    Ich seufzte, richtete meinen Blick auf das graue Asphaltband vor mir und schüttelte kaum merklich den Kopf. »Ich halte nichts von derartigen Theorien«, erklärte ich. »Wir haben einen Job zu erledigen - das ist alles. Und was das Schicksal anbetrifft - ich ziehe vor, es selber zu bestimmen!« Mit diesen Worten legte ich einen Gang ein und fuhr abrupt an.

    Der Volvo gewann rasch an Fahrt. Die Bäume wischten wie Schatten links und rechts hinter den Fenstern vorbei.

    Collin setzte sich auf seinem Sitz zurecht und blickte nach vorn.

    »Wir werden ja sehen«, murrte er und verschränkte die Arme trotzig vor der Brust und der Kamera. »Es wird auf unserem Ausflug etwas Besonderes passieren - davon bin ich fest überzeugt.«

    2

    Highparish lautete der Name auf dem windschiefen Ortsschild, das von einem Gebüsch halb verdeckt wurde. Das Schild war so unverhofft am Straßenrand aufgetaucht, dass ich es fast übersehen hätte.

    »Highparish«, wiederholte ich den Namen gedankenverloren und verlangsamte das Tempo. »Sehen Sie doch einmal auf der Karte nach, ob Sie den Ort dort finden.«

    Collin ergriff die Karte und knisterte lustlos damit herum. Er drehte und wendete sie, schien den Ort aber nicht zu finden.

    »Wie alt ist diese Karte eigentlich?«, fragte er missmutig. Seit dem Wortwechsel, der zwischen uns für Unstimmigkeiten gesorgt hatte, hatte er nichts mehr gesagt.

    »Diese Karte ist ganz neu«, erwiderte ich unwirsch. »Wenn Sie mit einer Landkarte nur halb so gut umgehen könnten, wie mit Ihrer Kamera, hätten wir Blackstone Castle längst erreicht.«

    »Suchen Sie Ihren blöden Ort doch selber«, blaffte Collin und warf die völlig zerknitterte Landkarte auf meinen Schoß.

    In diesem Moment tauchten die ersten Häuser auf. Die Ortschaft lag mitten im Wald, die Häuser lagen von der Straße weit zurückversetzt. In den langgestreckten Vorgärten standen Bäume und dichte Büsche, die die Gebäude von der Straße abschirmten.

    »Wo sind wir denn jetzt hingeraten?«, fragte Colin erstaunt. Er hatte sich aufrecht hingesetzt und starrte verwundert nach draußen. Abrupt riss er die Kamera hoch, entfernte die Schutzkappe und fing an, wie besessen zu fotografieren.

    Inzwischen fuhr ich nur noch im Schritttempo. Auch ich war von dem Anblick der Ortschaft wie gebannt. Die Häuser hinter den Bäumen sahen sehr urig und alt aus. Die Dächer waren teilweise mit Rindenborke bedeckt. Schornsteine aus kinderkopfgroßen, runden Steinen ragten aus den Dächern empor. Die Fenster waren mit Läden aus rohen Brettern versehen, von denen die meisten geschlossen waren. Der Putz schien aus Lehm und Stroh zu bestehen.

    Erst jetzt bemerkte ich, dass die Asphaltstraße einem Pfad aus Kopfsteinpflaster gewichen war. Der Volvo wankte seicht, während die Reifen klatschend über das Pflaster rollten.

    »Das scheint hier so eine Art Museumsdorf zu sein«, bemerkte Collin, ohne die Kamera von seinem Gesicht zu nehmen.

    »Ich habe noch nie von diesem Ort gehört«, sagte ich gedehnt. »Wenn es hier ein Museumsdorf gäbe, würde ich es wissen.«

    Wir erreichten einen Platz, um den herum sich einige größere Fachwerkhäuser gruppierten. Wir schienen den Marktplatz erreicht zu haben. Aber es war nirgendwo eine Menschenseele zu erblicken.

    Ich stoppte den Wagen und schaltete den Motor aus. Eine gespenstische Stille breitete sich aus.

    »Diesem Ort haftet etwas Magisches, Übernatürliches an«, erklärte Colin aufgeregt. »Wenn ich diese Fotos veröffentliche, wird jeder Liebhaber meiner Fotografie Highparish besuchen wollen. Es kommt fast einem Wunder gleich, dass dieses urwüchsige Dorf so unbekannt ist, dass nicht einmal eine Archäologin von seiner Existenz weiß.« Er maß mich mit einem raschen, verschmitzten Seitenblick. Aber ich ignorierte seinen Seitenhieb und stieg aus. Aufmerksam sah ich mich um.

    In einem Punkt hatte Collin recht: Dem Ort haftete tatsächlich etwas Unheimliches und Unwirkliches an. Ich bezweifelte trotzdem, dass es sich wirklich um ein Museumsdorf handelte, denn dafür sahen die Häuser viel zu ungepflegt und heruntergekommen aus. Das ganze Walddorf machte den Eindruck, als wäre es tatsächlich bewohnt. In einigen der Vorgärten waren mir Gerätschaften aufgefallen. Die Spaten, Schubkarren und Grabforken machten den Eindruck, als wären sie vor kurzem noch benutzt worden. Doch wo waren die Leute, die hier lebten?

    Entschlossen trat ich auf eines der Häuser beim Marktplatz zu. Es handelte sich um ein hohes Fachwerkhaus, dessen Dach mit scheckigen Schindeln gedeckt war, die aussahen, als wären sie noch mit der Hand gefertigt worden. Das Gebäude machte den Eindruck, als würde es sich um ein Gasthaus oder ein Rathaus handeln, denn es war das größte Haus des Platzes.

    Als ich bei der Holztür ankam, suchte ich nach einem Klingelknopf. Aber es gab keinen.

    Noch etwas anderes fiel mir plötzlich auf: In Highparish schien es weder Satellitenschüsseln noch Antennen zu geben. Wahrscheinlich gab es hier nicht einmal Elektrizität.

    Ich ballte die Faust und klopfte gegen die Tür. Die Schläge hallten dumpf und hohl im Innern des Hauses wider. Doch dann kehrte wieder Stille ein.

    »Glauben Sie wirklich, hier würde noch jemand wohnen?«, rief Collin mir vom Wagen aus spöttisch zu. Er war ebenfalls ausgestiegen und beobachtete mich über das Wagendach hinweg, auf das er die Arme lässig gestützt hatte.

    Ich wollte gerade etwas erwidern, als ich hinter derTür plötzlich schlurfende Schritte vernahm. Ein Riegel wurde aufgeschoben, und dann schwang die Tür knarrend auf. Vor mir stand ein älterer Herr in einem altmodischen Ausgehrock. Seine Körperhaltung war schlaff und kraftlos, ebenso wie die Falten in seinem Gesicht. Unter den wasserblauen Augen des Mannes zeichneten sich dicke Tränensäcke ab. Mit ausdrucksloser Miene sah er mich an.

    »Sie wünschen?«, fragte er tonlos.

    Ich streckte dem Mann die Hand hin, die er jedoch geflissentlich übersah.

    »Brenda Logan«, stellte ich mich vor. »Wir ... wir sind auf der Suche nach Blackstone Castle und haben uns anscheinend verirrt. Vielleicht könnten Sie uns weiterhelfen?«

    Der Mann musterte mich von oben bis unten. Aber seinem ausdruckslosen Gesicht war nicht anzumerken, was in dem Gehirn dahinter vor sich ging. Dann streckte der Mann lahm den Arm aus, bis er schräg in die Höhe wies.

    »Haben Sie keine Augen im Kopf?«, fragte er unwirsch. »Dort oben können Sie die Türme von Blackstone Castle sehen. Sie brauchen sich nur umzudrehen!«

    Verwundert wandte ich mich von dem Mann ab und blickte in die Richtung, in die sein Arm deutete. Ich traute meinen Augen kaum, als ich über den gefiederten Kronen der Bäume tatsächlich drei rabenschwarze Türme mit zwiebelförmigem Dach erblickte. Die Wolken, die sich darüber auftürmten, sahen drohend und düster aus, als wollten sie gleich losregnen und Blitze auf das Castle hinabschleudern.

    Die Sonne musste bereits untergegangen sein, denn das Zwielicht begann schwächer zu werden. Dunkelheit breitete sich zwischen den Bäumen aus.

    »Na endlich!«, rief Collin erleichtert, der die Türme des Castle nun auch gesehen hatte, weil er meiner Blickrichtung mit den Augen gefolgt war.

    Ich wandte mich wieder zu dem alten Mann um. »Welchen Weg müssen wir nehmen, um zum Schloss zu gelangen«, erkundigte ich mich höflich.

    Mein Gegenüber starrte mich düster an. »Wollen Sie Blackstone Castle etwa einen Besuch abstatten?«, fragte er mürrisch.

    Ich nickte. »Wir kommen im Auftrag der neuen Besitzer«, erklärte ich. »Blackstone Castle befindet sich nun im Besitz des Kulturministeriums. Ich und mein Kollege sollen dort Vorbereitungen treffen. Das Castle wird zum Tagungszentrum umgebaut. Davon wird auch Highparish profitieren.«

    Der Mann zog grimmig die Augenbrauen zusammen, was seinen Blick noch düsterer und abweisender aussehen ließ.

    »Wir in Highparish mögen keine Fremden«, knurrte er. »Von mir aus können sie dort bleiben, wo sie sind. Und wem Blackstone Castle gehört, wird sich noch herausstellen. Glauben Sie ja nicht, ein Castle ließe sich so einfach veräußern. Zu diesem Schloss gehört nämlich weitaus mehr als bloß Steine und Holzböden.«

    Mit diesen Worten knallte er mir die Tür vor der Nase zu.

    Verdattert starrte ich die morsche Tür an. Highparish war in vieler Hinsicht ein seltsamer Ort. Die Bewohner schienen genauso verschroben und altmodisch wie die Häuser, in denen sie wohnten.

    Gedankenversunken kehrte ich zum Wagen zurück. Colin hatte bereits wieder auf dem Beifahrersitz Platz genommen. Unternehmungslustig sah er mir entgegen.

    »Sieht so aus, als ob ich mich in Bezug auf die Ehrlichkeit des Lords geirrt hätte«, meinte er vergnügt. »Er hat dem Ministerium wohl doch keinen Bären aufgebunden. Blackstone Castle existiert tatsächlich.«

    »Daran habe ich keinen Moment gezweifelt«, erwiderte ich gedankenverloren und klemmte mich hinter das Steuer. Ich startete den Wagen und fuhr los.

    »Haben Sie den Mann gefragt, welchen Weg wir nehmen sollen?« erkundigte sich Collin. Unsere Unstimmigkeit schien er inzwischen vergessen zu haben. Er war genau so ungezwungen und mitteilsam, wie am Anfang unserer Reise.

    »Er hat mir die Tür vor der Nase zugeschlagen, als ich ihn nach dem Weg fragte«, erklärte ich säuerlich.

    Collin lachte trocken. »Wir werden auch ohne fremde Hilfe zum Castle finden«, meinte er leichthin. »Wir kennen ja jetzt den Standort.«

    Ich folgte dem Verlauf der mit Kopfstein gepflasterten Straße. Bisher war mir keine Abzweigung aufgefallen. Darum vermutete ich, dass sie in dem Teil des Ortes lag, den wir noch nicht kannten.

    Langsam dümpelte der Volvo über die holprige

    Gefällt Ihnen die Vorschau?
    Seite 1 von 1