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Sammelband 8 Nebraska Western Januar 2018

Sammelband 8 Nebraska Western Januar 2018

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Sammelband 8 Nebraska Western Januar 2018

Länge:
1,179 Seiten
13 Stunden
Freigegeben:
Jun 10, 2019
ISBN:
9781386679875
Format:
Buch

Beschreibung

Sammelband 8 Nebraska Western Januar 2018

von Alfred Bekker, Glenn Stirling & Uwe Erichsen & W.W.Shols

Dieses Buch enthält folgende Romane:

W.W.Shols: Texarkana

Alfred Bekker: Zieh, Pistolero!

Glenn Stirling: Er ist unschuldig, Euer Ehren!

Glenn Stirling: Blutige Revanche

Glenn Stirling: Freundschaft in der Not

Uwe Erichsen: Gentry jagt den großen Boss

Uwe Erichsen: Der Sheriff zieht das Todes-Ass

Uwe Erichsen: Der Tod löscht alle Spuren

Sam Ruby und sein Bruder Fred wollen nach Ende des Bürgerkrieges neu anfangen. Sie haben eine große Menge Rinder eingefangen, die überall frei herumlaufen, und treiben sie nach Fort Sunner, wo gute Dollars für die Tiere bezahlt werden. Unterwegs werden sie von Apachen überfallen - die Herde wird gestohlen, zwei Cowboys und Fred werden erschossen; der kann, bevor er stirbt, Sam noch berichten, dass der Anführer der Indianer ein Weißer war. Darauf macht sich Sam auf die Suche nach dem Mörder seines Bruders und gelangt nach Gunthunder Gap, wo sich eine Horde Banditen und ihr Anführer Tex Arkana niedergelassen haben. Hier hofft er den kaltblütigen Mord an drei tapferen Männern rächen zu können ...

Freigegeben:
Jun 10, 2019
ISBN:
9781386679875
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


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Buchvorschau

Sammelband 8 Nebraska Western Januar 2018 - Alfred Bekker

Sammelband 8 Nebraska Western Januar 2018

von Alfred Bekker, Glenn Stirling & Uwe Erichsen & W.W.Shols

DIESES BUCH ENTHÄLT folgende Romane:

W.W.Shols: Texarkana

Alfred Bekker: Zieh, Pistolero!

Glenn Stirling: Er ist unschuldig, Euer Ehren!

Glenn Stirling: Blutige Revanche

Glenn Stirling: Freundschaft in der Not

Uwe Erichsen: Gentry jagt den großen Boss

Uwe Erichsen: Der Sheriff zieht das Todes-Ass

Uwe Erichsen: Der Tod löscht alle Spuren

Sam Ruby und sein Bruder Fred wollen nach Ende des Bürgerkrieges neu anfangen. Sie haben eine große Menge Rinder eingefangen, die überall frei herumlaufen, und treiben sie nach Fort Sunner, wo gute Dollars für die Tiere bezahlt werden. Unterwegs werden sie von Apachen überfallen - die Herde wird gestohlen, zwei Cowboys und Fred werden erschossen; der kann, bevor er stirbt, Sam noch berichten, dass der Anführer der Indianer ein Weißer war. Darauf macht sich Sam auf die Suche nach dem Mörder seines Bruders und gelangt nach Gunthunder Gap, wo sich eine Horde Banditen und ihr Anführer Tex Arkana niedergelassen haben. Hier hofft er den kaltblütigen Mord an drei tapferen Männern rächen zu können ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Authors

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

TEXARKANA

Roman aus dem amerikanischen Westen

von W. W. Shols

Der Umfang dieses Buchs entspricht 105 Taschenbuchseiten.

Sam Ruby und sein Bruder Fred wollen nach Ende des Bürgerkrieges neu anfangen. Sie haben eine große Menge Rinder eingefangen, die überall frei herumlaufen, und treiben sie nach Fort Sunner, wo gute Dollars für die Tiere bezahlt werden. Unterwegs werden sie von Apachen überfallen - die Herde wird gestohlen, zwei Cowboys und Fred werden erschossen; der kann, bevor er stirbt, Sam noch berichten, dass der Anführer der Indianer ein Weißer war. Darauf macht sich Sam auf die Suche nach dem Mörder seines Bruders und gelangt nach Gunthunder Gap, wo sich eine Horde Banditen und ihr Anführer Tex Arkana niedergelassen haben. Hier hofft er den kaltblütigen Mord an drei tapferen Männern rächen zu können ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover: Klaus Dill mit Steve Mayer, 2017

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

1

Die Hölle des Bürgerkrieges liegt hinter ihnen. Er heißt Sam Ruby, der andere heißt Fred. Sie sind Brüder.

Aus der blutigen Hölle kommen sie nach Hause, heimatlos und zerbrochen. Yeah, und überall in Texas läuft herrenloses Vieh herum. Einen Dollar pro Stück. Und keiner will es kaufen. Denn es gibt keinen Markt, keine Auktion und natürlich auch keine Käufer.

Für verdammt wenig Geld machen Sam und Fred die schwersten Arbeiten. Dann hören sie, dass die Regierung für elftausend Apachen, Navajos und Utahs bei Fort Sunner ein Reservat errichtet. Die Indianer sollen dort Berufe erlernen, die der Zivilisation nützlich sind. Sie müssen auch verpflegt werden, und elftausend Indianer verdrücken eine ganze Menge Fleisch. Plötzlich steigen die Rinderpreise auf dreißig Dollar pro Kopf. Damit gibt es wieder einen offiziellen Markt. Die Frage ist nur, wie man die Rinder auf den Markt bekommt.

Durch den Panhandle kann man die Herde nicht treiben, weil das Gebiet den Comanchen gehört und die Gefahr besteht, dass man erstens seine Herde und zweitens seinen Skalp los wird!

Südlich von New Mexiko herrschen die Apachen, und das ist genauso schlimm. Außerdem liegen in diesem Gebiet die gefürchteten alkalihaltigen Wasserstellen, die ein durstiges Rind innerhalb von zwanzig Minuten töten.

Der einzige Trail, auf dem sie einer Herde mit einiger Sicherheit treiben können, führt durch die felsigen Guadelupes. Und für diesen Trail entscheiden sich Sam und Fred.

Sie mieten zwei Cowboys, mit denen sie eine kleine herrenlose Herde zusammentreiben. Fünfzig Rinder, dreißig Dollar pro Kopf, macht fünfzehnhundert Dollar. Eine glatte Rechnung. Sam und Fred könnten sich damit ihre Traum-Ranch in Texas kaufen.

Sie treiben durch die Guadelupes ...

Und bald schon müssen die vier Männer feststellen, dass auch durch dieses Gebiet mehr Apachen streifen als sie glaubten.

Es geschieht an diesem Tage im Morgengrauen. Die Herde ruht in einem Hohlweg. Fred Ruby und die beiden gemieteten Cowboys stecken noch in ihren Schlafsäcken. Sam ist der Herde vorausgeritten, um den besten Weg zu erkunden ...

Plötzlich setzt von beiden Seiten des Hohlweges ein mörderisches Feuer ein. Der Angriff der Apachen kommt völlig überraschend.

Fred Ruby und die zwei Cowboys haben keine Zeit mehr, nach den Gewehren zu greifen. Pete und Ralph werden von Kugeln durchsiebt und sind auf der Stelle tot. Fred ist tödlich verwundet und hat noch eine Stunde zu leben.

Wie ein Hornissenschwarm stürmen die Apachen die Böschung herunter. Die Rinder springen auf die Beine und jagen in wildester Stampede davon.

Die Indianer streiten sich um die Waffen der drei Opfer. Einer hat den Haarschopf Fred Rubys gepackt und schwingt sein Skalpmesser. Doch ein Weißer hat den Revolver in der rechten Hand und warnt:

„Kein Skalp für dich, Rothaut! Reite lieber hinter dem Vieh her!"

Widerwillig folgt der Indianer diesem Befehl. Der Weiße steckt den Revolver ein und beugt sich über Fred Ruby. Gut gezielt, denkt er zufrieden und ruft den Indianern zu:

„Treibt die Herde in den Corral. Da werdet ihr auch Whisky und mehr Gewehre finden!"

Dieser verlockende Hinweis lässt die Apachen sofort zu ihren Pferden rennen; die Pferde der drei Opfer nehmen sie mit.

Der Weiße durchsucht die Taschen der Männer, steckt ein, was er braucht, wirft weg, was ihm überflüssig erscheint. Dann steigt er die Böschung hinauf, schwingt sich auf sein Pferd und galoppiert hinter den Indianern her.

2

Sam Rubys Gesicht versteinert , als er die wilde Herde auf sich zustürmen sieht. Er reißt sein Pferd herum und jagt die Böschung hinauf. Weit hinter sich hört er Gewehrschüsse, und da weiß er, dass es der Angriff ist, den sie schon beim Eintrieb in die Guadelupes befürchtet haben.

Jetzt erkennt er auch die Silhouetten der Apachenreiter, wirft sich hinter einen Felsen und feuert. Die Schüsse gehen in dem Brüllen der Rinder unter.

Urplötzlich ist alles vorbei. Der Spuk hinterlässt nur eine Staubwolke.

In gestrecktem Galopp reitet Sam Ruby zum Camp zurück. Schon von Weitem sieht er in der Frühdämmerung die drei reglosen Gestalten und stößt einen grimmigen Fluch aus. Er zügelt sein Pferd so, dass es sich auf die Hinterbeine stellt, springt ab und läuft zu seinem Bruder Fred.

„Um Himmels willen — Fred ..." Er spricht den Satz nicht zu Ende und reißt ihm das Hemd vom Körper.

„Ich bin erledigt, Big Boy, flüstert der Sterbende. „Gut, dass ich dich noch einmal sehe.

Sam schluckt einen Kloß hinunter. „Rede keinen Unsinn! Du musst jetzt die Zähne zusammenbeißen. Wirst Schmerzen aushalten müssen, wenn ich dich auf die Seite drehe. Sonst ... sonst kann ich dich nämlich nicht verbinden, weißt du."

„Mach's nicht so spannend, Big Boy ... Gib mir lieber was zu trinken, ich möchte nicht durstig sterben."

Sam flößt seinem Bruder ein wenig Wasser ein.

„Diese verdammten Hunde!, flucht er, kann aber nicht verhindern, dass ihm die Tränen kommen. „Wie sahen sie aus? Hast du jemand erkannt, Fred?

„Da war auch ein Weißer ... 'Kein Skalp, Rothaut!' sagte er .... Unsere Taschen ... er hat sie umgekrempelt ..."

„Wie sah der Weiße aus, Fred?"

Doch sein Bruder weiß nur, dass er glänzende Stiefel mit silbernen Sporen und einen verzierten Revolvergurt trug, als er sich über ihn beugte. Von dem Gesicht des Banditen kann er nur sagen, dass es glatt und bartlos war.

Wenige Minuten später stirbt Fred Ruby in den Armen seines Bruders Sam.

Sam hüllt die Leichen in Decken, hebt im weichen Sand der Böschung drei Gräber aus, schaufelt sie langsam zu, nimmt den Stetson in die Hände und spricht ein kurzes Gebet.

Das Vieh und die fünfzehntausend Dollar, die es wert ist, verlieren an Bedeutung. Sam Ruby wird den Tod seines Bruders und der beiden Cowboys rächen. Er muss den Mann mit den glänzenden Stiefeln, den silbernen Sporen und dem verzierten Revolvergurt finden.

3

Der Hohlweg mündet in eine mit Felsbrocken übersäte Ebene. Sam stellt fest, dass die Spuren auseinanderlaufen. Jede Spur verfolgt er so lange, bis sie auf dem steinigen Boden unkenntlich wird. Dann reitet er wieder zum Ausgangspunkt zurück und verfolgt die nächste Spur. Erst nach drei Tagen liegt die letzte Spur vor ihm, die letzte Hoffnung.

Aber auch diese Spur verliert sich im steinigen Geröll. Sam gibt nicht so leicht auf; er wird trotzdem weiterreiten, da immer noch die Möglichkeit besteht, dass die Spur an einer sandigen Stelle wieder zum Vorschein kommt.

Aber die Spur bleibt verschwunden.

Sam schöpft neue Hoffnung, als er eine Flussböschung sieht. Er steigt ab und führt sein Pferd am Zügel hinter sich her. Doch auch der weiche Ufersand ist unberührt. Resigniert nimmt er auf einem Felsen Platz, dreht sich eine Zigarette und lässt seinen Blick umherschweifen.

Immerhin entdeckt er wenigstens etwas. Hier muss ein Goldwäscher gearbeitet haben. Vielleicht ist er auch noch da, denn die Erdhügel sehen frisch aus. Und Sam sieht auch einen Pfad, der zum Fluss hinunterführt und auf eine Hütte zuläuft.

Sam wirft die halb angerauchte Zigarette weg, steigt in den Sattel und reitet den Pfad entlang, bis sein Pferd vor der Hütte steht.

„Hallo!"

Keine Antwort.

Er steigt ab, zieht die als Tür dienende Decke zur Seite und seinen Colt aus dem Holster. Denn Goldsucher leben gefährlich und schießen lieber zu früh als zu spät.

Aber der Raum ist leer. Ein roher Holztisch, ein aus Knüppeln zusammengebastelter Stuhl, ein eiserner Ofen mit Teekessel und eine hölzerne Pritsche sind das einzige Mobiliar. Die rechte Wandseite ziert ein Regal mit Handwerkszeug. Das ist alles.

Sam geht hinaus und sieht sich die nähere Umgebung der Hütte an. Er entdeckt einen Schacht mit einer Seiltrommel, wie man sie bei alten Ziehbrunnen findet. Das Seil ist locker.

Sam legt sich auf den Bauch und blinzelt hinunter. Aus der dunklen Tiefe des Schachtes dringt ein schwaches Stöhnen.

„Hallo! ... Sind Sie verletzt?"

Wieder keine Antwort, nur das Stöhnen bleibt.

Er holt sein Lasso und lässt die Schlinge hinunter.

„Falls Sie mich hören und die Leine fassen können, dann streifen Sie die Schlinge über Ihre Schultern!"

Das Lasso bewegt sich nicht, und Sam beschließt, selber hinunterzuklettern. Seine Füße berühren knapp den Boden. Er lässt die Leine los, zündet ein Streichholz an.

Im flackernden Lichtschein kann Sam Ruby nur flüchtig das graubärtige Gesicht des mit dem Rücken zur Wand sitzenden Mannes erkennen. Um ihn herum liegen Sprossen und Holme einer zerbrochenen Leiter. Der Mann sitzt reglos da, starrt abwesend vor sich hin und weiß offenbar nicht, was vorgefallen ist.

Sam streift die Lassoschlinge über seine hageren Schultern, klettert voraus und zieht ihn mit der Seilwinde nach oben.

Sam füllt einen Becher mit Wasser und führt ihn an die trockenen Lippen des Mannes. Endlich erwacht er, streckt seine zitternden Hände aus, und Sam muss den Becher fast gewaltsam zurückreißen.

„Nicht so hastig, Amigo, sonst bringen Sie sich noch selber um."

Kraftlos lässt der Mann die Arme fallen.

„Bleiben Sie ruhig liegen, ich mache uns was zu essen." Sam zündet den Ofen an, findet in einer Ecke des Regals bereits zerlegtes Wildbret und wirft es in den Kessel. Die Bohnen in einem kleineren Kessel müssen schon vor längerer Zeit eingeweicht worden sein, denn das Wasser ist fast restlos verdunstet.

Zu guter Letzt bringt Sam doch einen nahrhaften Eintopf zustande und füttert den Mann mit einem Blechlöffel. Aber das Essen scheint ihn anzustrengen. Nach dem vierten Löffel schläft er ein.

Unter dem Leinenkittel trägt der Mann saubere Arbeitshosen und ein blaues Flanellhemd. Die Schuhe mit den flachen Absätzen passen zu seiner Tätigkeit. Doch was soll der Kittel bedeuten?

Die Abenddämmerung bricht an. Sam findet eine Talgkerze, zündet sie an und stellt sie auf den Tisch. Der Mann ist jetzt wach und beobachtet ihn dabei.

„Noch einen Schluck Wasser und etwas mehr Brühe ... Ich glaube, ich bin bald über dem Berg."

Obwohl seine Stimme schon energischer klingt, muss Sam ihn wieder mit dem Blechlöffel füttern.

„Sie haben nicht schlecht gekocht. Aber ich begreife nicht ganz, wie Sie mich finden konnten. Dieser Platz liegt doch am Ende der Welt."

„Ich bin hinter einer gestohlenen Rinderherde her."

„Apachen?"

„Und an ihrer Spitze ein weißer Mann."

„Tut mir verdammt leid, Sir. Wollen Sie mir nicht die ganze Story erzählen?"

Sam Ruby tut ihm den Gefallen.

„Yeah, schließt er endlich, „und so trieben wir die Herde über den einzigen Trail, der uns einigermaßen sicher erschien. Vor drei Tagen überfielen uns im Morgengrauen die Apachen. Ein Weißer war der Anführer. Mein Bruder Fred und die zwei Cowboys wurden in ihren Schlafsäcken erschossen. Wäre ich nicht vorausgeritten, hätte mir das gleiche Schicksal geblüht.

„Aber wenn Sie nicht anwesend waren — woher wissen Sie dann, dass ein Weißer der Anführer war?"

„Die beiden Cowboys starben sofort, doch Fred lebte noch, als ich im Camp eintraf. Er schilderte mir auch sein ungefähres Aussehen."

„Interessant."

„Glänzende Stiefel mit silbernen Sporen und einen verzierten Revolvergurt. Kennen Sie ihn zufällig?"

Der Mann antwortet nicht gleich, also scheint er etwas zu wissen.

„Nun?", fragt Sam.

„Yeah, ich kenne ihn. Sein Name ist Arkana. Er kommt aus Kalifornien und wird Tex genannt."

Sam beugt sich vor und greift nach den Aufschlägen des Kittels. „Wo kann ich ihn aufstöbern?"

„In einem Versteck namens Gunthunder Gap. Die Kluft ist der einzige Eingang zu einem natürlichen Corral, der von hohen Felswänden umsäumt wird. Arkana ist übrigens nicht allein. Er hat dem Tal einen anderen Namen gegeben: Texarkana — die Verbindung seines Vor- und Nachnamens."

„Und wo liegt dieses — Texarkana?"

„Würde ich das sagen, wäre Ihnen damit kaum gedient. Sie wollen Tex Arkana umbringen und werden dabei selber umgebracht."

Sam schüttelt ihn heftig. „Wo liegt das Tal?"

„Ich muss erst einmal nachdenken. Sie haben mir das Leben gerettet. Ich kann's nicht verantworten, meine Freunde in den Tod zu schicken. Lassen Sie mich die Sache überschlafen."

„Zeigen Sie mir den Weg zum Gunthunder Gap — nach Texarkana!"

„Nicht jetzt. Wenn ich ausgeschlafen habe, vielleicht, aber nicht jetzt."

Mürrisch kehrt Sam auf seinen Stuhl zurück. Der Mann dreht sich auf die andere Seite und schließt die Augen.

Sam wartet bis Mitternacht. Dann will er den Mann wecken. Aber der rührt sich nicht. Sam geht hinaus, um sein Pferd zu tränken. Dann breitet er seine Decken auf dem hartgestampften Lehmboden aus, verschränkt die Hände im Nacken und grübelt ...

Sam schläft ein und erwacht früh. Er zündet den Ofen an und hat das Frühstück fertig, als der Mann die Augen aufschlägt.

Während des Frühstücks fällt kein Wort, erst beim Abräumen sagt Sam: „Meinen Namen habe ich Ihnen schon genannt, aber Sie noch immer nicht den Ihren."

„Wells. Abraham Wells. Die Leute, die mich kennen, nennen mich Langhaar-Wells und halten mich nicht für besonders intelligent. Aber Dummsein ist manchmal viel klüger. Die Indianer sehen in mir sogar einen Wahnsinnigen und haben darum einen gewissen Respekt. Wahnsinnig ... das ist leicht gesagt. Um meinen Ruf als Idiot und Wahnsinniger zu festigen, trage ich diesen Kittel und lasse meine Haare einfach wachsen. Seit vielen Monaten sind Sie der erste Mensch, mit dem ich spreche. Sonst unterhalte ich mich mit den Vögeln oder gehe mit mir selber zu Gericht ... Well! ... Im Gunthunder Gap kaufe ich ein und tippe auf die Gegenstände, die ich brauche. Meine Goldkörner reichen stets gerade so. Dann denken die nämlich, dass bei mir nicht viel zu holen ist. Die Texarkana-Burschen machen sich über mich lustig und wissen nicht, wie dumm sie sind."

„Sie reden wie ein ... wie ein Professor, Mister Wells. Wer Ihnen zuhört, muss den Eindruck gewinnen, dass Sie einmal studiert haben. Mir ist das ja egal, aber ich frage mich, wie ein Mann Ihresgleichen in diese gottverlassene Gegend kam."

„Vielleicht fühle ich mich hier ganz wohl?"

Sam weiß, dass das nicht die richtige Antwort ist, aber er lässt sie gelten. Abraham Wells spricht weiter:

„Vor vier Tagen krachte die Leiter zusammen. Ich kam mit heilen Knochen davon, doch leider nicht raus, weil das Seil riss. Glauben Sie mir, ich hatte jede Hoffnung aufgegeben."

„Well, ich habe Ihnen das Leben gerettet, lenkt Sam ein. „Darum sollten Sie mir dankbar sein und erklären, wie ich auf dem schnellsten Weg zum Gunthunder Gap oder Texarkana-Tal komme!

„Ich überlege noch immer, Sam Ruby."

„Entweder reden Sie jetzt, oder ich lasse Sie wieder in das Loch hinunter!" Sam wird langsam ungeduldig.

„Das macht mir nichts aus, ist die gelassene Antwort. „Mein Leben ist nutzlos, und die Welt wird mich nicht vermissen.

„Helfen Sie mir Zeit sparen, seufzt Sam. „Früher oder später finde ich den Gunthunder Gap ja doch, zum Geier!

„Gewiss, gewiss. Sie sind ein Mann, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert. Sie werden Tex Arkana finden und ihn töten. Jedes Menschenleben ist kostbar, jedes ohne Ausnahme."

„Arkana hat jedenfalls nicht danach gehandelt!", braust Sam auf.

„Haben Sie Papier und Bleistift?"

Endlich, denkt Sam, reißt ein Blatt aus seinem Notizbuch und fischt einen Bleistiftstummel aus der Tasche.

Abraham Wells zeichnet eine Skizze. Demnach befindet sich der Gunthunder Gap oder das Texarkana-Tal inmitten wild zerklüfteter Mountains, und der Pfad führt über steile Klippen und Schluchten hinweg. Wells schiebt ihm den Zettel zu.

„Jetzt kann ich Sie nur noch zu größter Vorsicht ermahnen. Die Leute sind hartgesottene Outlaws, deren Sicherheit von diesem Versteck abhängig ist. Sie streiten sich manchmal untereinander, und es sind Burschen darunter, die Tex Arkana erschießen würden, um selber die Führung zu übernehmen. Aber das gemeinsame Versteck stellt die Ordnung letzten Endes wieder her."

Sam studiert aufmerksam die Skizze und steckt sie ein.

„Tun Sie am besten so, rät Wells, „als wären Sie vom Weg abgekommen und rein zufällig hineingestolpert. Vielleicht können Sie auch den Eindruck erwecken, als seien Ihnen die Hüter des Gesetzes auf den Fersen. Keine schlechte Visitenkarte für Texarkana.

„Und meine Rinder? Glauben Sie, dass Arkana meine Herde ...?"

„Ja. Noch ein lebenswichtiger Tipp: Arkana und seine Apachen haben mit Sicherheit gewusst, dass die Herde von vier Reitern begleitet wurde. Drei sind tot. Der Verdacht, dass der vierte Reiter das Vieh suchen wird, liegt auf der Hand. Und sie werden das Vieh so lange versteckt halten, bis der vierte Reiter die Suche aufgibt und nach Texas zurückkehrt. Dann verkaufen sie die Herde in Fort Sunner oder in einem anderen Armeeposten. Würden Sie Ihr Vieh wiedererkennen?"

„Ja. Die Rinder tragen verschiedene Brandzeichen. Wir haben sie gewammt. Wissen Sie, was eine Wamme ist?"

„Nein. Jedenfalls nicht in Verbindung mit Viehzucht."

„Man nimmt ein scharfes Messer und hebt damit ein Stück des weichen Halsfells ab, sodass es hinunterklappt und man daran die Tiere schon von weitem erkennt. Er steht auf. „Können Sie sich schon auf eigenen Beinen bewegen?

„Alles, was ich brauche, ist Nahrung, Wasser und Ruhe."

„Well, dann werde ich mich auf den Weg ins Gunthunder Gap machen." Damit setzt Sam seine Worte auch schon in die Tat um, rollt die Decken zusammen, geht hinaus und sattelt sein Pferd.

Abraham Wells reicht Sam zum Abschied seine knochige Hand.

„Wollen Sie sich's nicht noch mal überlegen?"

„Mein Entschluss steht fest!", sagt Sam hart.

„Noch einen Tipp, Mister Ruby: Wenn Ihnen Tex Arkana zu Gesicht kommt, werden Sie ihn sofort zur Rechenschaft ziehen wollen. Verlieren Sie nicht den Kopf und achten Sie darauf, dass niemand in der Nähe ist. Sind Sie erst einmal im Texarkana-Tal drin, kommen Sie so leicht nicht mehr heraus. Hat keinen Sinn, wenn Sie Arkana erschießen und dann von anderen umgelegt werden. Und jetzt — vaya con dios!" Er drückt noch einmal Sams Hand und blickt hinter ihm her, bis er verschwunden ist.

4

Nach drei Tagen erreicht Sam den Gunthunder Gap und die einzige Stelle, von der aus man den Eingang der Schlucht sehen kann. Es ist eine schmale Kluft mit senkrechten Wänden, die höher als tausend Fuß sind. Es sieht aus, als habe eine riesige Axt eine Kerbe in den Bergrücken geschlagen.

Kaum ist Sam ein paar Pferdelängen nach links geritten, ist die Kerbe verschwunden; die Wände scheinen sich zusammengeschoben zu haben und als kompaktes Massiv vor ihm zu liegen. Eine optische Täuschung, denkt Sam.

Nach zweistündigem Ritt tritt die Kerbe wieder in Erscheinung und gibt einen Blick in die Schlucht frei. Sam reitet näher.

Kein Zeichen einer menschlichen Niederlassung, nur die breite Wagenspur verrät Leben. Aber Sam hört das donnernde Echo von Gewehrschüssen und näher kommende Hufschläge.

Ein Reiter, der wild auf sein Pferd einschlägt, versucht den Ausgang der Schlucht zu erreichen. Ein zweiter Reiter tauchte auf, ein dritter und vierter. Erreicht der Flüchtende die von Felsen geschützte Mulde, ist er außer Gefahr.

Sam sucht ein geeignetes Ziel. Einer der Reiter kommt in einem Winkel von fünfundvierzig Grad auf ihn zugaloppiert. Es kann nicht mehr lange dauern, dann hat er ihn entdeckt. Darum schießt Sam zuerst. Die Kugel durchbohrt den Kopf des Pferdes, das sich überschlägt und tot ist, ehe es den Boden berührt. Der Reiter schlägt hart auf, rollt ein Stück weiter und bleibt liegen.

Sam reitet auf ihn zu und steigt aus dem Sattel. Die vier Verfolger halten in einiger Entfernung und starren ihn verblüfft an.

Sie rutschen aus den Sätteln und kommen näher.

Der Gestürzte richtet sich auf und fährt mit der Hand über sein Gesicht, als wische er ein Spinngewebe weg. Er ist höchstens siebzehn, achtzehn und greift sofort nach dem Colt. Doch Sam hat seinen Revolver schon in der Hand.

„Versuchen Sie das lieber nicht, junger Mann!"

Hilflos blickt der Boy um sich, sieht die näher kommenden Männer, lässt seinen Kopf auf die Knie sinken und bricht in Tränen aus.

Ein großer, breitschultriger Mann versetzt dem Jungen einen Fußtritt gegen die rechte Schulter, dass er hintenüberkippt. Der Mann dreht sich auf dem Stiefelabsatz um und starrt Sam an. Sein Gesicht ist hart. Seine Lippen sind dünn wie ein Strich. Die Augen sind kalt wie Gletschereis. Er trägt eine schweißgetränkte Kalbslederweste, die mit einem fünfzackigen Silberstern verziert ist, auf dem der Name Texarkana eingeritzt ist.

„Zum Teufel, wer sind Sie?"

Sam antwortet nicht.

„Ich habe Sie etwas gefragt, Mister!"

„Sie sollten sich bei mir bedanken, erwidert Sam. „Oder wollten Sie den Burschen nicht aufhalten?

„Stimmt."

„Das habe ich für Sie getan. Und wer, zum Teufel, sind Sie?"

Der Mann grunzt etwas. „Sie werden schon noch dahinterkommen, sagt er, und zu dem hinter Sam stehenden Mann: „Bring den Boy ins Camp zurück. Er soll laufen!

Der Befehlsempfänger packt einen Arm des Jungen und reißt ihn auf die Beine. „Los, Tim — ein Spaziergang tut dir gut."

Der Boy sieht Sam an und spuckt aus. „Ohne Sie wäre ich schon aus diesem stinkenden Loch verschwunden. Warten Sie nur ab, das zahle ich Ihnen heim!"

Der Wächter schlägt zu; erst mit der Handfläche, dann mit dem Handrücken. Klatsch! Klatsch! „Du hast den Mund zu halten, verstanden?"

Wieder schießen dem Jungen die Tränen aus den Augen. Sein Begleiter führt ihn ab.

Noch immer tauschen Sam und der athletische Mann forschende Blicke aus.

„Sollen wir uns gleich Becker anschließen?", fragt jemand.

„Nein. Achtet auf diesen Vogel!"

Blitzschnell reißt Sam den Colt hoch und spannt den Hammer.

„Ich bin ein bisschen nervös. Wenn mir jemand ein Blei in den Rücken jagen will, zuckt bestimmt mein rechter Zeigefinger, und Sie kriegen Bauchschmerzen."

Der Mann fühlt sich weder direkt angesprochen noch beleidigt. „Sie sind ein kaltblütiger Gent, hm? Behalten Sie Ihre Kanone, aber kommen Sie mit uns!"

Sam steigt auf sein Pferd. Seine beiden Leibwächter reiten links und rechts hinter ihm. Er kann nichts dagegen tun. Wollen sie ihn umbringen, kann er genauso wenig daran ändern.

5

Minuten später biegt die Reitergruppe in die Schlucht ein. Die Wände weichen zurück, die Straße wird breiter. Sam sieht ein Dutzend schäbige Hütten, die statt der Fenster nur glaslose Löcher aufweisen. Eine größere Hütte scheint der Store zu sein, und ein lang gestrecktes Bauwerk ist der Saloon, wie das Schild an der Tür zu erkennen gibt. 'Red Dog' verkünden die Buchstaben. Vor Saloon und Store stehen Männer herum. Sam sieht den Boy; wie ein störrisches Kalb treibt ihn der Mann namens Becker die staubige Street entlang. Als sie am Store vorbeikommen, läuft mit ausgebreiteten Armen ein Girl auf ihn zu und ruft: „Tim! Oh, Tim!"

„Weiter!", herrscht Becker den Jungen an.

Das Girl geht neben ihm her und hat einen Arm um Tims Hüfte gelegt, als wolle es ihn beschützen.

Vermutlich seine Schwester, denkt Sam und hört den Jungen sagen: „Ich hätte es ja geschafft, Lys, wenn dieser Hund nicht mein Pferd abgeknallt hätte!"

Das Mädchen folgt seinem Blick. Es hat hübsche Augen, ist aber nicht unbedingt schön zu nennen. Es hat ein ebenmäßiges Gesicht und das braune Haar in Zöpfe geflochten. Möglich, dass es ohne die klobigen Schuhe und das sackähnliche Kleid wesentlich an Reiz gewonnen hätte.

„Komm, Tim, sagt sie zärtlich, „ich fahre dich nach Hause.

„Hast du gehört, King?, meint Tims Begleiter zu dem Schwerathleten. „Sie will ihn nach Hause fahren.

„Sie wird ihn weder nach Hause noch sonst irgendwohin fahren, lautet Kings schroffe Antwort. „Er bleibt hier, das Weitere wird sich finden. Damit verschwindet King im 'Red Dog', und Sam erhascht einen Blick von der Bar und den Spieltischen.

Das Girl bleibt an der Seite Tims, der ihr von seiner missglückten Flucht erzählt. Sam merkt das an ihren zornfunkelnden Augen. Aber daran darf er sich nicht stören; er ist in Texarkana, im Gunthunder Gap, und nur das allein zählt.

Dann erscheint King wieder auf der Schwelle des 'Red Dog' und wird von einem anderen Mann begleitet. Sam sieht die beiden erst, als sie nur noch ein Dutzend Schritte entfernt sind. Aber er kann den Mann neben King deutlich erkennen: schlank, dunkelhaarig, glänzende Stiefel mit Silbersporen, verzierter Revolvergurt und eine Brokatweste mit silbernen Knöpfen!

Sam blickt dem Mann unauffällig nach, kann aber nicht verhindern, dass seine rechte Hand den Revolverknauf umfasst. Die beiden Banditen hinter ihm bringen ihre Gewehre sofort in die Horizontale. Nur ruhig, mein Junge, denkt Sam, du bist jetzt in Texarkana und wirst eine bessere Gelegenheit finden.

„Du wolltest also weglaufen, Tim, hört Sam die Stimme Arkanas. „Was sagen deine Angehörigen dazu, hm?

Lys hat noch immer den Arm um Tim gelegt, und Arkana mustert ihre Gestalt, als sähe er ein seltenes Tier.

„Du weißt, Tim, deine Schwester wäre ein hübsches Girl, wenn sie nicht in diesem Sackkleid herumlaufen würde. Sie wäre die Sensation im 'Red Dog'."

„Ich bin nicht hübsch", stammelt das Girl.

„Aber du könntest es sein. Mal sehen, was wir aus dir machen können. All right, bring deinen Bruder nach Hause und gib Acht auf ihn."

„Einen Augenblick!, mischt sich King ein. „Er darf nicht frei herumlaufen.

„Wer hat hier zu bestimmen?"

„Zur Hölle, Tex, er wird's wieder versuchen!"

„Dann wirst du es verhindern. Wie konnte er dir überhaupt entwischen? Hättest deine Augenlider mit Streichhölzern stützen sollen!"

„Ich hab' nicht geschlafen!, sagt King eifrig. „Er ist noch ein Kind. Ich dachte nicht, dass er's riskieren würde.

„Den Mann in mein Office!", kommandiert Arkana und geht weiter. Er überquert die Straße und hebt sorgfältig die Füße, damit seine Stiefel nicht staubig werden.

Lys und Tim steigen auf einen Wagen und fahren davon.

„Mitkommen!", schnarrt King.

Sam bindet sein Pferd an und folgt King zum 'Red Dog'. Bis auf den Bartender und drei leichte Girls ist der Saloon leer. Sam, von King gefolgt, marschiert an ihnen vorbei.

„Die Seitentür dort!"

Sam stößt die Tür auf und tritt ein. Der Raum ist verhältnismäßig groß: ein Schreibpult, einige Stühle, ein Safe und ein Mann. Der Mann sitzt hinter dem Schreibpult und heißt Tex Arkana. Sam möchte ihm am liebsten über das Pult hinweg an die Kehle springen, aber er zwingt sich zur Ruhe.

„Warum haben Sie mich kommen lassen?", fragt er.

Die schiefergrauen Augen blinzeln. „Ich möchte Ihnen einige Fragen stellen. Das ist bei uns so üblich. Name?"

„Sam Ruby. Ihr Name würde mich natürlich auch interessieren."

„Arkana. Bis wir uns besser kennen, bin ich für Sie Mister Arkana. Er lehnt sich zurück. „Einen hübschen Revolver haben Sie da. Darf ich mal sehen?

„Dürfen Sie. Aber das Schießen überlassen Sie mir. Es ist ein Colt, seltene Ausführung, Kaliber 44, und hat die gleichen Vorzüge wie die Kanone Ihres Mitarbeiters King. Allerdings ist er einundzwanzig Unzen leichter."

„Und schneller zur Hand, sagt Arkana gedankenvoll. „Wer hat Sie eigentlich nach Texarkana ... ins Gunthunder Gap geschickt?

„Wenn Sie nicht mehr von mir wissen wollen ... Ich hatte mich vergaloppiert. Da sah ich einen Reiter und vier andere hinter ihm herpreschen. Ich brachte ihn zum Halten."

„Warum?"

„Weil ich wissen wollte, weshalb die vier hinter ihm her waren. Kommen wir zur Sache, Mister Arkana. Ich habe Texas den Rücken gekehrt, weil mir das Klima nicht bekam. Dann habe ich hier in den Guadelupes den Weg verloren, und jetzt bin ich hier. Ihr ausgezeichnetes Versteck kommt mir wie gerufen, wenn ich ehrlich sein soll."

„Wenn Sie uns als Banditen betrachten, dann ... Mit welchem Gebiet sollten wir uns schon befassen, hm? Hier ist doch weit und breit nichts zu holen. Oder sind Sie anderer Meinung?"

„Bei so einem idealen Versteck spielt die Entfernung keine Rolle, schätze ich. In New Mexico gibt es Towns mit Banken und Stores. Well, und jetzt treiben die Texaner ihre Rinderherden nach Fort Sunner und müssen durch die Guadelupes. Ich habe gehört, dass die in Fort Sunner so dringend Fleisch brauchen. Sie kaufen einfach jede Herde und fragen nicht lange, wo sie herkommt. Wenn Sie ein Mann sind, der eine Gelegenheit blitzschnell erkennt, dann habe ich nur Ihre eigenen Gedanken ausgesprochen."

Arkanas Augen wandern zu King hinüber. „Na?"

„Ich glaube, wir sollten diesem Vogel lieber ein Freibillet zur Hölle zwischen die Rippen jagen. Das ist meine Meinung! Er kann ein Spion sein, und wenn er noch so treuherzig dreinblickt. Wir haben genügend Leute und brauchen uns auf kein Risiko einzulassen!"

„Er hat uns geholfen, Tim einzufangen. Der wäre bestimmt mit einer Gruppe Kavalleristen zurückgekehrt."

„Wenn er ein Spion ist, können wir genauso gut auffliegen!"

„Da muss er erst mal hier rauskommen. Wir werden schon sehen. Er kann einstweilen den Platz von Flemming einnehmen. Arkana wendet sich an Sam und erklärt: „Dieser Flemming ist nicht mehr in unserer Mitte. Seine Füße wurden größer als seine Stiefel, und er starb an Bleivergiftung. Dann wieder zu King: „Du weißt, dass jeder Fuß eine bestimmte Stiefelgröße nicht überschreiten darf."

„Ach, zum Teufel!", faucht King.

„Er kann mich nicht leiden, grinst Sam. „Vielleicht hat er Angst, dass es mir hier eines Tages besser gefällt als ihm? Jedenfalls habe ich einen Bärenhunger und möchte Ihnen beiläufig verraten, dass ich nur noch sechsundsiebzig Cents in der Kasse habe.

„Erledige das, King", brummt Arkana.

King ist wieder dagegen. „Tex, ich sage dir, dass der Kerl ..."

Arkanas eiskalter Blick verschlägt ihm die Sprache. Als er sie wiederfindet, sagt er müde: „Los, Ruby, raus hier!"

„Versuchen Sie nicht, uns an der Nase herumzuführen, murmelt Arkana, „das kann ich gar nicht oft genug betonen.

„Ich bleibe hier, obwohl — das kann ich auch nicht oft genug betonen — ein cleverer Bursche wie ich ohne Weiteres verschwinden könnte."

Arkana lächelt dünn. „Da müssten Ihnen Flügel wachsen oder King die Augen zugefallen sein."

Sofort fühlt King sich angesprochen. „Du hackst in letzter Zeit ziemlich oft auf mir herum, Tex!"

„So? Arkana beugt sich vor und weit über das Pult. „Hätte Ruby nicht Tim Cox gestoppt, hättest du jetzt schon deinen letzten Seufzer gemacht!

„Los, los, Ruby, raus hier!", murrt King noch einmal.

6

King führt Sam, um ihn den anderen vorzustellen, auf einen Sprung in den Saloon und später in seine Unterkunft.

Eine kleine Hütte, deren wackliges Mobiliar jede Gefängniszelle zieren könnte.

Sam setzt sich auf die Pritsche und dreht sich eine Zigarette. Bisher hat er seine von Langhaar-Wells empfohlene Rolle gut gespielt. Jetzt muss er Arkana nur noch beweisen, dass auf ihn Verlass ist — dann kann dieser sein Testament machen.

Sam raucht die Zigarette, stellt eine Liste aller Gegenstände auf, die er braucht, und geht damit zum Store. Es ist eine lange Liste, doch er braucht nichts zu bezahlen.

Er befiehlt dem Storekeeper, die Ware in eine große Kiste zu packen, auf der er sitzen kann. Er legt sie auf seine Schulter und kehrt, sein Pferd hinter sich herführend, in seinen Karnickelbau zurück. Er pflockt das Pferd auf einer saftigen Rasenfläche an und betrachtet die Wände des riesigen Felsenkessels.

Dann trägt er die Kiste ins Haus. Als er alles ausgepackt und im Regal verstaut hat, macht er sich auf den Weg zum 'Red Dog'. Dort werden sich mittlerweile die führenden Köpfe der Bande eingefunden haben. Er sieht zwei Männer herauskommen. Sie tragen Gewehre. Zwei Hunde trotten hinter ihnen her.

Hunde! Sam weiß jetzt, aus welchem Grunde Tim am Tage flüchtete, denn nachts wird der Schluchteingang von dressierten Hunden bewacht. Die Wächter beziehen soeben Posten.

Im 'Red Dog' sind ein gutes Dutzend Männer versammelt, und nicht alle sehen wie Banditen aus.

Sam geht an die Bar. Die Männer sehen ihn an, doch keiner macht den Mund auf. Er bestellt einen Whisky, nimmt dem Salooner die Flasche aus der Hand und setzt sich damit an einen Tisch.

Die drei Girls stehen an der Bar und unterhalten sich mit den Männern. Die Rothaarige blickt zuerst ihn und dann Tex Arkana an, der kaum merklich mit dem Kopf nickt.

Das hat etwas zu bedeuten, denkt Sam, und hat sich nicht getäuscht. Ein riesiger Kerl von wenigstens hundert Kilo Lebendgewicht belästigt auf einmal die Rothaarige. Aber das Girl weiß sich zu wehren und versetzt ihm einen Tritt ans Bein.

„Verdammter Rotfuchs, dir werde ich's ...!" Weiter kommt er nicht, denn die Rothaarige schwappt ihm einen doppelten Whisky ins Gesicht. Er taumelt zurück, fährt mit der Handfläche über die Augen.

Die Männer brüllen vor Begeisterung.

„Trichtere ihm noch einen Doppelten ein, Girly, aber ziele auf die Nasenlöcher, dann läuft ihm der Whisky aus den Ohren!"

Arkana, er will gerade ein Glas an den Mund setzen, steht auf, schlendert zur Bar und auf den riesigen Kerl zu.

„Jetzt weißt du hoffentlich, woran du mit ihr bist, hm?"

„Teufel, ich wollte sie nur harmlos küssen!"

„Well, bis zum nächsten Mal! Gib ihm einen Drink, Ed."

Der Bartender lässt die Flasche glucksen, der Riese trinkt, und Arkana kehrt auf seinen Platz zurück.

Die Rothaarige tut, als wäre nichts geschehen. „Schade, meint sie. „Ich hätte den Whisky lieber trinken sollen.

Sam deutet auf die Flasche. „Hier gibt's noch genug."

„Oh, ich weiß nicht, ob ..."

„Diese Rolle steht dir nicht, Girly. Sei ehrlich zu dir und den anderen — trink ohne viel Worte."

„Danke", sagt sie mit schöner Selbstverständlichkeit.

Sam sieht ihr tief in die Augen, denn sie ist verteufelt hübsch.

Finch, der Riese an der Bar, entwickelt plötzlich eine erstaunliche Gelenkigkeit. Wie von einem Katapult geschnellt, fliegt er auf den Tisch zu und reißt die Rothaarige vom Stuhl.

„Ich war dir wohl nicht schön genug, was? Aber dieser lausige ...!"

Das ist das Stichwort für Sam. Er springt auf, lässt seine, rechte Faust wie einen Dampfhammer auf die Kinnspitze des Mannes klotzen. Der Hieb, ein absoluter Volltreffer, hätte einen Stier zu Boden werfen können — nicht den Mann! Er steht da wie eine Eins, fummelt an seinem Kinn herum, stellt fest, dass es noch nicht aus den Angeln gehoben ist, und stelzt auf Sam zu. Der schnappt den Stuhl und hält ihn vor sich wie ein Löwenbändiger, den die Bestien angreifen. Ein Stoß, und Finch kippt so laut um, dass die Schirme der Hängelampen zittern.

Sam nimmt diese Gelegenheit wahr und wirft sich auf ihn.

Plötzlich wird Sam von hinten hochgerissen und seine Arme werden auf den Rücken gezogen.

„Schluss damit!", hört er die Stimme Tex Arkanas.

Finch schnellt auf die Beine. Für ihn ist nicht Schluss. Für ihn fängt das jetzt erst an. Blanke Mordlust flackert in seinen Augen.

Sam bekommt die Weste des Mannes zu packen, hält fest, wirft seinen Oberkörper nach vorn, und der Mann segelt über ihn hinweg. Auf Händen und Knien landet er neben Finch.

„Raus mit dir, Finch!, schreit Arkana. „Lass dich heute Nacht nicht mehr hier blicken! Und wenn du eingreifen wolltest, King, dann hattest du den falschen Mann erwischt. Bringe Finch nach Hause und pass auf, dass er auch wirklich zu Hause bleibt!

Finch steht langsam auf und funkelt Arkana an. Er hat die Fäuste geballt und scheint den 44er Colt, den Sam auf ihn gerichtet hält, nicht zu sehen. Sein Hass konzentriert sich in diesem Augenblick nur auf Tex Arkana.

Kaum sind Finch und King verschwunden, stürmen die Männer wieder an die Bar und lassen den Whisky in sich hineinlaufen, als wären sie selber an diesem Fight beteiligt gewesen.

Die Augen Tex Arkanas haben schon viel an Härte verloren, als er sagt: „Sie haben eine hübsche Show geliefert, Ruby, auch wenn Ihr Gegner vielleicht besser war. Wichtig ist, dass Sie vor niemand davonlaufen."

„Danke für das Kompliment, Mister Arkana."

Arkana sagt nichts. Er überlegt offenbar, ob er ihm die Anrede 'Tex' gestatten soll.

7

Am nächsten Morgen sattelt Sam sein Pferd und reitet tiefer in den Corral hinein. Die ovale Rasenfläche inmitten der Felsen sieht aus wie ein grüner See. Sam sieht auch weidende Rinder und stellt an den Wammen fest, dass es seine eigenen sind.

Von einer Anhöhe sieht er die Gebäude zweier Ranches, eine auf der rechten, die andere auf der linken Seite des Corrals. Er erkennt Getreidefelder, und in der Nähe des Ranchgebäudes zur rechten Hand geht ein Mann hinter dem Pflug. Als der Mann ihn sieht, lässt er die Leinen fallen und geht ins Haus.

Sam reitet näher, steigt ab und klopft. Keine Antwort.

Er klopft noch dreimal und ruft: „Ich möchte mit Ihnen sprechen!"

Keine Antwort, kein Laut. Sam steigt wieder in den Sattel! Offenbar wollen die Leute mit den Banditen Tex Arkanas nichts zu tun haben. Er setzt seinen Weg fort und betrachtet ununterbrochen die Felsen. Nirgendwo entdeckt er die Stelle, die er sucht.

Wieder kommt eine Anhöhe. Und als Sam hinaufgeritten ist, sieht er auf der anderen Seite die ersten Baumwipfel, die eine Quelle umrahmen. Ein schmaler Bach, der irgendwo in der Felswand versickert. Unter den Baumkronen erkennt er ein Pferd mit zwei Wasserfässern auf dem Rücken. Sam ist noch fünfzig Yards weit entfernt, als ein Mädchen mit zwei Eimern erscheint, um sie in die Fässer zu gießen. Und Sam erkennt Lys Cox.

Sie sieht ihn und bleibt wie angewurzelt stehen. Dann kommt wieder Leben in sie; ihre Augen wandern ängstlich umher und suchen ein Versteck.

„Miss Cox!, ruft Sam. „Warten Sie einen Augenblick!

Er spornt sein Pferd an.

Lys läuft auf ihr Pferd zu, sieht aber ein, dass sie nicht aufsteigen kann, weil das Pferd die Wasserfässer trägt. So ändert sie die Richtung und läuft auf die Sträucher hinter der Baumgruppe zu.

Sam zügelt sein Tier, springt aus dem Sattel und läuft hinter ihr her. „Bleiben Sie stehen, ich tue Ihnen doch nichts!"

Lys ist verschwunden.

Wie ein Schwimmer zerteilt Sam fluchend die Sträucher. Hinter ihm knackt ein Ast. Er fährt herum, sieht sie davonlaufen und nimmt die Verfolgung wieder auf. Ein Ast fegt ihm den Hut vom Kopf, und bis er ihn wieder gefunden hat, hat das Girl einen Vorsprung. Lys Cox ist etwas anderes eingefallen. Das Gewehr in ihrem Sattelhalfter.

Keuchend entwindet er ihr nach raschem Lauf das Gewehr, als sie es gerade auf ihn richten will. Hilflos, ängstlich und wütend zugleich starrt sie ihn an.

Sam ist auch wütend. „Höllenfeuer! Sehe ich aus wie ein Menschenfresser?"

Sie starrt ihn nur weiter schweigend an.

Sam schluckt seinen Ärger hinunter und macht eine Kopfbewegung in Richtung des Gebäudes. „Wohnen Sie auf der Ranch?"

„Das geht Sie gar nichts an!"

„Nur ruhig Blut, Miss Cox. Sie wohnen also da."

„Was wollen Sie hier?! Jetzt ist mehr Zorn als Angst in ihren Augen. „Tex Arkana hat Anweisung gegeben, dass niemand auf unsere Ranch kommt, es sei denn geschäftlich!

„Sie werden lachen, ich komme geschäftlich. Bitte, bringen Sie mich zu Ihrem Dad."

„Gut, willigt sie zögernd ein und fügt, wahrscheinlich um Zeit zu gewinnen, hinzu: „Aber zuerst muss ich die Wasserfässer füllen!

Sam schiebt das Gewehr in den Scabbard zurück, entleert die beiden Eimer und geht damit zur Quelle hinunter, um sie wieder zu füllen.

Sie steht ruhig da. Noch zweimal geht er mit den Eimern zur Quelle und schließlich zu Lys.

„Sie können auf mein Pferd steigen", sagt er.

Verneinend schüttelt sie den Kopf und greift nach den Zügeln ihres Pferdes. Sam tut ein Gleiches und geht neben ihr her. Keiner spricht ein Wort.

Als sie auf der Anhöhe in der Nähe des Hauses sind, ist niemand zu sehen. Doch als sie näherkommen, tritt ein Mann über die Türschwelle, der Mann, der vorhin hinter dem Pflug herging. Er hat ein Gewehr in der Hand, und seine Frau blickt ihm über die Schulter.

„Hat dir der Kerl was getan, Lys?"

„Nein, Dad, er ... er hat mir sogar geholfen."

Sam stellt sich vor: „Ich bin Sam Ruby und möchte mit Ihnen sprechen."

„Worüber? Fassen Sie sich kurz!"

„Über das ganze Texarkana-Valley, über Sie und über Arkana."

Lys' Vater blickt ihn scharf an. „Hat Tex Arkana Sie gekauft, wie?"

„Niemand hat mich gekauft. Ich fand zufällig die Schlucht und stieß auf Tex Arkana. Ich beobachtete die Flucht Ihres Jungen und tat das, was ich in meiner Situation für richtig hielt: Ich erschoss sein Pferd, damit er nicht selber erschossen wurde."

„Sie sind ein Freund von Arkana?", fragt die Frau.

„Ein Freund von Arkana? Ich bin sein Feind, Mrs. Cox. Er hat meinen Bruder erschossen, und ich bin gekommen, um ihn zu erschießen. Genügt Ihnen das?"

Cox tauscht einen Blick mit seiner Frau, sagt dann langsam: „Jetzt sind Sie hier und haben erkannt, dass es gar nicht so einfach ist. Sie kommen nicht ungesehen aus dem Gunthunder Gap heraus. Was wir Rancher von Tex Arkana halten, kann ich Ihnen auch gleich verraten: Wir hassen ihn wie die Pest, sind aber leider machtlos. Wie wir in diese Schlucht hineingekommen sind, das ist eine lange Story. Die Townsends auf der anderen Seite des Corrals werden Ihnen nähere Angaben machen können."

Sam schnallt die Wasserfässer ab. Dann reiten sie zu viert zur Townsend-Ranch.

Sam stellt Lys unterwegs nur eine Frage: „Wo ist Ihr Bruder, Miss Cox?"

„Er hilft Jeff Townsend bei der Getreideernte."

Als sie sich der Townsend-Ranch nähern, sieht Sam fünf Männer im Weizenfeld, die angesichts der eintreffenden Gäste die Arbeit beenden und in Richtung des Hauses gehen. Dort warten sie, bis Cox und seine Begleiter eintreffen.

Dass Tim Cox auf der Townsend-Ranch anzutreffen ist, bekommt Sam sofort zu spüren.

„Das ist er! Das ist der Bastard, der meinen Fluchtplan vermasselt hat!"

„Beruhige dich, Tim", brummt der älteste der Gruppe und hilft Mrs. Cox aus dem Sattel. Lys und Sam steigen auch ab und schlingen die Zügel ihrer Pferde um den Haltebalken.

„Männer, sagt Cox, „dies hier ist Sam Ruby. Begrüßen Sie Jeff Townsend und seine Boys, Mister Ruby. Das ist Will, Jim und Dave. Meinen Tim werden Sie ja schon kennen.

„Wir sind uns schon begegnet, das stimmt."

„Ruby, fährt Cox erklärend fort, „möchte gern wissen, wie wir in diesen Riesencorral hineingekommen sind und weshalb wir nicht hinauskommen. Er ist kein Freund von Arkana, nebenbei gesagt.

Einen Augenblick herrscht Stille, dann sagt Jeff Townsend: „Kommt herein." Er führt sie ins Haus. In der Küche stehen drei Frauen, die neugierig der Unterhaltung gelauscht haben.

„Wir setzen uns ins Esszimmer, meint Jeff Townsend. „Da sind mehr Stühle.

Sie nehmen um einen langen Tisch herum Platz.

„Vielleicht erzählen Sie uns erst einmal Ihre Story", schlägt Jeff Townsend vor.

Sam kommt der Aufforderung nach, und als er endet, wendet sich Townsend an Cox. „Wie denkst du darüber, Frank?"

„Ich schätze, er hat uns reinen Wein eingeschenkt."

„Und ich schätze, dass er zu Arkanas Leuten gehört!, braust der junge Tim auf. „Er spioniert nur hier herum!

„Egal, was ihr von mir haltet, erwidert Sam. „Ich bin gekommen, um Tex Arkana zu stellen, und das werde ich tun. Von euch brauche ich nur Informationen.

Cox nickt und berichtet. Vor zwei Jahren kam er von Texas und suchte einen Siedlungsplatz in New Mexiko. Den Felsenkorral fand er zufällig. Ein paradiesisches Stückchen Erde und ein idealer Platz für die Rinderzucht. Dann kehrte er nach Texas zurück und überredete Jeff Townsend, ihn zu begleiten.

„Das ist eigentlich alles", endet Cox.

„So, so, murmelt Sam einigermaßen verwundert. Er weiß, welch eine ungeheure Arbeitsleistung dahintersteckt, doch Cox erwähnt das mit keinem Wort. „Und wann tauchte Tex Arkana im Gunthunder Gap auf und taufte es um in Texarkana?

„Ungefähr nach einem Jahr. Will Townsend brachte die Nachricht mit, dass er und seine Leute ein Camp aufschlugen. Am Eingang des Talkessels. Zuerst schöpften wir keinen Verdacht. Und wir ritten ja auch nicht oft hinaus. Dann brachte einer der Jungen die Nachricht mit, dass in der Nähe des Schluchteingangs ein Store und ein Saloon gebaut wurden. Die Leute standen unter dem Kommando eines gewissen Arkana, der aus Kalifornien kam."

Jeff Townsend nimmt den Faden auf: „Er konnte gut reden und sprach von einem Handelsposten zwischen den Nord- und den Südstaaten. Als Store, Saloon und Office fertig waren, ließ er die Maske fallen und teilte uns mit, dass keiner mehr herauskäme. Er würde unser Getreide und unsere Pferde auf Kommissionsbasis kaufen."

„Das heißt, er kassiert fünfzig Prozent, sagt Will Townsend grimmig. „Unsere fünfzig Prozent dürfen wir nur in Naturalien aus seinem Store beziehen. Daran verdient er auch noch.

„Zuerst lehnten wir natürlich ab, übernimmt Jeff Cox das Wort. „Wir dachten, notfalls gäbe es noch einen anderen Ausweg. Einer brauchte ja nur nach Fort Sunner zu reiten und der dort stationierten Kavallerieeinheit Bescheid zu sagen. Das Ausräuchern des Banditennestes wäre dann nur noch eine Frage von wenigen Tagen. Leider haben wir bis heute keinen zweiten Ausgang gefunden. Wir nehmen an, dass Arkana seine Weisheit von den Apachen bezogen hat, die er schon während des Krieges mit Gewehren und Whisky belieferte. Schließlich gingen unsere Vorräte zur Neige, und wir sahen uns gezwungen, die Bedingungen Tex Arkanas anzunehmen. Fünfzig Prozent!

„Ihr seid sechs kräftige Männer, erinnert Sam. „Ist noch keiner von euch auf die Idee gekommen, einen gewaltsamen Ausbruch zu versuchen?

„Wie stellen Sie sich das vor? Erstens müssten wir es mit zwanzig Leuten aufnehmen und zweitens genügen Tex Arkana zwei Männer, die ein Scheibenschießen auf uns veranstalten können. Yeah, wir sind sechs kräftige Männer, wie Sie sagen. Aber was würde wohl mit den fünf Frauen geschehen, wenn die Banditen Verrat wittern?"

„Ich hab's übrigens schon einmal versucht, erklärt Will Townsend, „und zu diesem Zweck die Hufe meines Pferdes mit Sackleinen umwickelt. Der Gaul ging so leise wie ein Schatten. Nützte leider nichts, weil die Wachhunde aufmerksam wurden und in lautes Gebell ausbrachen. Ich gab meinem Gaul die Sporen, bekam aber eine Kugel in die Schulter und kippte aus dem Sattel. Sie schleppten mich in ein Hinterzimmer des Saloons. Am nächsten Morgen durfte mich mein Vater abholen.

„Haben die Burschen noch andere Einnahmequellen?", fragt Sam.

„Bankraub, Zugüberfälle, Stores, Vorratslager und neuerdings Rinder. Heller Wahnsinn, eine Herde durch die Guadelupes zu treiben. Die Banditen sprechen ganz offen davon, weil sie glauben, dass wir sowieso nicht mehr rauskommen. Nach einem Raubzug trennt sich die Meute und kehrt nach und nach unauffällig ins Tal zurück. Ich weiß, dass sie schon in Kansas gewesen sind und dort Züge überfallen haben. Bei der Aufteilung der Beute kommt es gelegentlich zu Reibereien. Was die Bande zusammenhält, ist das schlechthin ideale Versteck."

„Aber Sie kennen doch Leute in Fort Sunner?"

„Mehr als genug. Doch wer kommt schon auf die Idee, uns einen Besuch abzustatten. Und allein darf er ohnehin nicht erscheinen."

Sam beißt sich auf die Lippen. „Was ich sagen wollte ... Welche Funktionen führen King und Finch aus?"

„King Slattery ist Arkanas sogenannter Guard, der 'Ordnungshüter' hier im Tal. Er trägt sogar einen Blechstern auf der Weste, auf den er den Namen 'Texarkana' einritzte. Er hat darauf zu achten, dass ohne Arkanas Wissen niemand herein und hinauskommt. Er nimmt nicht an den Raubzügen teil, kriegt aber immer etwas ab. Bud Finch ist ein Mörder."

„Er zieht den Patterson-Colt schneller als eine Kugel den Lauf verlässt", ergänzt Frank Cox.

„Aber gegen Tex Arkana kommt er nicht an, stellt der junge Dave Townsend richtig. „Einmal veranstalteten sie ein Wettziehen, und Arkana war wenigstens eine halbe Sekunde schneller.

„Und wer hat Flemming erschossen?"

Überrascht sehen sie Sam an.

„Woher wissen Sie das alles?, murmelt Cox. „Es war Bud Finch. Flemming hatte sich mit Arkana gestritten, der Finch den Auftrag gab, seinen Rivalen zu beseitigen.

„Mehr brauche ich nicht zu wissen", sagt Sam und steht auf.

„Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen."

Auch die anderen erheben sich von ihren Stühlen.

8

Auf der Street herrscht reger Betrieb. Die Männer stehen in kleinen Gruppen herum. Sam sieht vier Indianerpferde vor dem Store, deren Zügel von einem Apachen gehalten werden.

Sam steigt vor dem 'Red Dog' ab. Bud Finch steht in einer der Gruppen vor dem Store und blickt düster drein. Sam erwidert den Blick und rückt unmissverständlich sein Revolverholster zurecht. Will Bud Finch es knallen hören, so soll er die Kugel ruhig auffangen.

Ein Indianer, allem Anschein nach der Anführer der Rothäute, kommt aus dem Store. Hinter ihm der Storekeeper mit vier Gewehren und einem Paar Canvassäcken, die Munition enthalten. Der Häuptling händigt Munition und Gewehre seinen neben der Schwelle wartenden Kriegern aus. Das vierte Gewehr behält er für sich.

Sam blickt hinter den Apachen her. Die haben sicher ihre Belohnung abgeholt, die ihnen Tex Arkana für die Morde an den drei Cowboys versprochen hatte ...

Tex Arkana kommt aus dem Store gestelzt. „Alles in den 'Red Dog'!", ruft er den Leuten zu.

Die Männer folgen Arkana, und Sam folgt den Männern.

9

„Die Indianer haben die Nachricht mitgebracht, dass noch mehr Rinder durch die Guadelupes getrieben werden. Aber vor einer Woche ist nicht damit zu rechnen. In der Zwischenzeit werden wir uns mit einer Bank befassen."

Tex Arkana schildert den Plan in groben Umrissen. Jenseits in Colorado gibt es eine kleine Privatbank. Sie liegt in der Grubensektion. Ihr Besitzer kauft Rohgold auf; regelmäßig, doch meistens in kleinen Mengen, um das Risiko eines Überfalls auf den Transport weitgehend auszuschalten. Doch wenn es die Umstände erfordern, werden auch größere Transporte vorgenommen.

Wie Tex Arkana das herausgefunden hat, weiß nur er selbst. Jedenfalls hat er einen Mann namens Cansdale hingeschickt, der die Lage erkunden soll.

„Ich schätze, sechs Mann werden genügen, sagt Tex Arkana, „einschließlich Cansdale, der später das Kommando übernehmen wird.

„Ein Haufen, in dem ich mitmache, hört auf mein Kommando!", lehnt sich Finch auf.

„Cansdale kennt sich besser aus, du Flachkopf!"

„Das sind meine Leute und ..."

„Das Oberkommando habe ich!, schnappt Arkana. „Und du weißt ja nicht einmal, wo die Town liegt.

„Deswegen hat Cansdale meinen Leuten noch lange nichts zu sagen!"

„Aber ich sage dir was, Finch! Und wenn das dir und deinen Leuten nicht passt, dann ... dann könnt ihr ja den Dienst quittieren."

„Das werden wir!", zischt Finch, und sein ganzer Schädel ist blaurot vor Wut.

„Überlege es dir noch einmal, Bud, sagt einer seiner Leute. „Machen wir jetzt nicht mit, kann es Monate dauern, bis wir wieder an die Reihe kommen.

„Er hat recht, meint ein zweiter Mann. „Cansdale soll das Kommando übernehmen, weil er weiß, wo die Erbsen zu holen sind, und weil ...

Finch fährt herum. „Du bist auch gegen mich, Harry?"

„Zum Teufel, warum denn? Denk doch einmal nach, Bud. Er zieht Finch am Rockärmel zur Seite. Drei Männer gesellen sich hinzu. Dann beraten sie mit gedämpften Stimmen. Schließlich stampft Finch hinaus, und der Mann namens Harry ruft Arkana zu: „Er ist einverstanden.

Arkana hat die Ohren gespitzt. Sein Pokergesicht ist undurchdringlich. Doch Sam weiß, dass er sich über diese Debatte geärgert hat. Dieser Finch hat schon wieder einmal versucht, seine Autorität zu untergraben!

„Ihr reitet morgen früh, sagt Arkana. „Von Cansdale erfahrt ihr mehr. Das ist alles.

Die Männer gehen an die Bar. Sam folgt ihrem Beispiel, bestellt einen Drink und zieht sich mit dem Glas an einen Tisch zurück. Die Rothaarige setzt sich unaufgefordert ihm gegenüber. „Einverstanden?"

„Hm ...! Gestern Abend hast du mir jedenfalls Pech gebracht."

„Und du hast mir die ganze Show gestohlen!"

„Sieh mal einer an."

„Hattest du keine Angst?"

„Nur weil der Affe so groß war? Nein!"

„Er wird dich wahrscheinlich umbringen."

„Das bezweifle ich, mein Häschen."

Sie beugt sich über den Tisch und legt ihre Hand auf die seine. „Es gibt hier nur einen Mann, der schneller schießen und besser treffen kann."

„Zwei, mein Turteltäubchen. Tex Arkana und meine Wenigkeit."

Ihre Hand gleitet weg. „Du scheinst eine ganze Menge von dir zu halten, hm?"

„Zugegeben, niemand kennt sich besser in mir aus als ich, mein hübscher Schmetterling. Aber wenn du einen Drink möchtest, musst du schon eine schönere Melodie zwitschern, süße Nachtigall!"

Sie blickt über ihre Schulter in Tex Arkanas Richtung, der sich um niemand zu kümmern scheint. Aber er sieht, dass die Leute Bud Finchs den Mann namens Cansdale umringt haben und ihn ausfragen ...

Sie wendet wieder den Kopf. „Was soll ich dir vorzwitschern, Amigo?"

„Wie lange du hier bist, was dich hierhergeführt hat und wo du früher zu Hause warst."

„Hier bin ich, seitdem der 'Red Dog' eröffnet wurde. Und wenn du erst mal drin bist, kommst du nicht mehr raus. Nur King macht eine Ausnahme."

„Und wenn es einem der Männer in den Sinn kommt, während eines Raubzugs zu verschwinden?"

„Dann kommt er früher oder später wieder, weil er weiß, dass er hier am besten aufgehoben ist. Habe ich mir jetzt einen Drink verdient?"

Sam geht zur Bar und kehrt mit einem Glas zurück.

„Aber dieser Finch hat nicht sehr viel Respekt vor Arkana, wie?"

„Dieser große Trottel besteht nur aus Muskeln, aber sein Hirn ist nicht größer wie das einer Laus. Der soll sich's lieber anders überlegen und möglichst rasch."

„Seine Leute sagen, dass er mitmachen will."

„Pah! Wenn sie aus der Schlucht draußen sind, übernimmt er ja doch die Führung. Und glaube nur nicht, dass Tex Arkana das nicht ahnt. Sie beugt sich wieder über den Tisch, sagt gedämpft: „Und versuche nicht, Tex Arkanas Pläne zu durchkreuzen. Er vergisst das nie, und eines schönen Tages, sie krümmt den rechten Zeigefinger — „peng!"

„Meinst du seine Kanone oder eine andere?"

„Was spielt das für eine Rolle, wenn du tot bist, Darling? Sie steht abrupt auf. „Für einen lächerlichen Drink kann ich dir nicht den ganzen Tag Gesellschaft leisten. Entschlossen steht sie auf und steuert auf die Bar zu.

Das Problem, wie er Arkana stellen und mit dem Leben davonkommen kann, ist noch ungelöst. Denn wer einmal in der Schlucht ist, kommt nicht mehr raus. Nur King Slattery, Arkanas sogenannter Guard, kann das Versteck ungehindert verlassen.

Er muss sich der Gruppe King Slatterys anschließen. Wie er das anstellt, spielt keine Rolle. Um diesen Job zu bekommen, muss er wieder das Vertrauen King Slatterys gewinnen — und das wird ihm verdammt nicht leicht fallen, denn einer hasst den anderen. Soll er sich bei ihm entschuldigen?

10

Sam erwacht und hört , dass jemand an der Tür rüttelt. Als er sich aufrichtet, hat er längst den Colt in der Hand.

„Wer ist da?"

„Tex Arkana."

Sam überlegt kurz und öffnet die Tür.

„Ich bin nur gekommen, um Sie zu warnen."

„Sehr aufmerksam von Ihnen, Mister Arkana."

„King Slattery und Bud Finch haben was gegen Sie."

„Das ist mir bekannt."

„Kurz und gut, Sie sollen heute Nacht ausatmen."

„Woher wissen Sie das?"

„Vielleicht bin ich ein Hellseher?, grinst Arkana. „King will mit Ihnen einen Streit anfangen, und Finch soll Sie festnageln.

„Ist das eine neue Bewährungsprobe?"

„Nennen Sie es so", meint Arkana, tippt flüchtig an seinen Hut und geht hinaus.

Sam setzt sich auf die Kiste und denkt nach. Er weiß nicht recht, wen Arkana loswerden will: Finch oder ihn selbst. Oder alle beide.

Schauplatz der Handlung kann nur der 'Red Dog' sein.

11

Abends sucht Sam den Store auf, um ein Paket Tabak zu kaufen. King Slattery und zwei andere Männer sitzen auf der Treppe.

Beginnen wir am besten gleich, denkt Sam und kickt ihn im Vorbeigehen kurz mit dem Fuß an. King regt sich nicht darüber auf. Sam kauft seinen Tabak und dreht eine Zigarette, als ihn die Stimme von King erreicht:

„Ich reite jetzt ein wenig aus. Haltet die Augen offen und achtet auf Tim Cox. Wenn er noch einen Fluchtversuch macht, feuert ein paar Schüsse ab. Dann weiß ich, was los ist, und fange ihn draußen auf!"

Sam geht zur Tür und sieht ihn wegreiten. Hat Arkana gelogen, oder haben King und Finch es sich anders überlegt?

Langsam steigt Sam die Treppe hinunter, überquert die Straße und steuert auf den 'Red Dog' zu.

Der Saloon ist fast leer. Vier Banditen spielen Karten und heben nicht die Köpfe. Weder Tex Arkana noch die Girls sind zu sehen.

Sam begibt sich wieder zum Store und nimmt auf der Treppenstufe Platz. Kings Leute schenken ihm keine Beachtung, und das gilt auch umgekehrt. Das Camp scheint ausgestorben zu sein, als hätten sich die Leute wie Maulwürfe verkrochen.

„Wir kriegen Gesellschaft", brummt einer der Männer.

Zwei Reiter kommen in Sicht. Einer ist King Slattery, der andere eine groteske Gestalt mit wallendem Kittel. Er reitet auf einem Esel, und seine Füße berühren gelegentlich den Boden.

„Langhaar-Wells, murmelt jemand. „Manchmal wundere ich mich, dass Tex ihn immer wieder laufen lässt.

„Er ist harmlos. Im Umkreis von fünfzig Meilen gibt's keinen Store, in dem er einkaufen könnte."

King schwenkt einige Male den rechten Arm; der Mann erwidert das Signal. Dann reitet Langhaar-Wells näher, und King galoppiert zum Schluchteingang zurück.

Langhaar-Wells steigt ab und befestigt die Zügel sorgfältig an dem Hakenbalken. Dann wirft er einen Segeltuchsack über den Arm und steigt die Treppen zum Store hinauf. Obwohl es heiß ist, sind sämtliche Knöpfe seines Leinenkittels bis zum Hals geschlossen. Aber die Hitze lässt ihn buchstäblich kalt. Sein langer Bart bedeckt die Brust, und das Haar wallt tief über die Schultern.

„He, Langhaar!", ruft ein Kerl. Doch Wells beachtet ihn nicht, geht langsam und geradeaus blickend in den Store.

„Dieses? ... Wie viel?... Zwei? Was noch? Zum Teufel, Langhaar, warum schreibst du den Kram nicht auf ein Blatt Papier ... Papier — verstehst du? Komm hinter den Ladentisch und packe dir die Sachen selber ein."

Sam hört nur immer die Stimme des Storekeepers. Er erhascht einen Blick durch die Tür und sieht, dass die von Abraham Wells angetippten Vorräte in den Segeltuchsack gepackt werden. Aber Sam hört noch etwas, nämlich, dass Langhaar-Wells auf dem Heuschober zu übernachten gedenkt und gerade so viel Goldkörner bei sich hat, um die Rechnung zu begleichen.

Zehn Minuten später kommt Abraham Wells aus dem Store, packt den Sattel auf den Esel und zieht ihn zur Hütte von Sam Ruby. Dort gedeiht der saftigste Rasen. Dann kommt er wieder und setzt sich neben Sam auf die Treppenstufe. Sie haben sich nich nie gesehen — so sieht es jedenfalls aus.

Ein Mann

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