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Systemtheoretische Beobachtungen II
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eBook218 Seiten2 Stunden

Systemtheoretische Beobachtungen II

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Über dieses E-Book

Beiträge zum Verhältnis von Theologie und Systemtheorie.
SpracheDeutsch
HerausgeberBooks on Demand
Erscheinungsdatum16. Jan. 2018
ISBN9783746004563
Systemtheoretische Beobachtungen II
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Autor

Eberhard Blanke

Dr. Eberhard Blanke, Pastor und Kommunikationsmanager, Veröffentlichungen zum Thema Beratung, zu Kommunikationskampagnen und Public Relations sowie zum Verhältnis von Theologie und Systemtheorie.

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    Buchvorschau

    Systemtheoretische Beobachtungen II - Eberhard Blanke

    Inhalt

    Einführung

    Thesen zur Theologie

    Wie ist religiöse Kommunikation möglich?

    Sinn und Information in der Predigt

    Predigt als Relitainment

    Thesen zur Pastoraltheorie

    Thesen zur Moral

    Religion und Moral

    Interaktionssysteme und Moral

    Transzendentaltheorie und Systemtheorie

    Einführung

    Nach unserem Band „Systemtheoretische Beobachtungen I"¹, dessen Beiträge zum Verhältnis von Theologie und Systemtheorie sich insbesondere dem Zusammenwirken von Kommunikation und Bewusstsein gewidmet haben, legen wir mit diesem zweiten Band Überlegungen zu kommunikativen Formen in den Bereichen homiletischer, pastoraler und moralischer Fragestellungen vor.

    Nach einleitenden Thesen zur Theologie als Reflexionstheorie der Religion folgt unter der Überschrift ,Wie ist religiöse Kommunikation möglich?‘ ein Beitrag zum 90. Geburtstag von Niklas Luhmann, der in gekürzter Form in der Dezemberausgabe 2017 des Deutschen Pfarrerblattes erschienen ist.²

    Es schließen sich zwei Beiträge zu Fragen religiöser Rede bzw. Predigt an, die insbesondere auf das Verhältnis zum Funktionssystem der Massenmedien zu sprechen kommen. Die leitenden Stichworte sind Sinn, Information, Unterhaltung und Moral.

    In der Mitte unseres Sammelbandes stehen ,Thesen zur Pastoraltheorie‘, die den vier Identifikationsgesichtspunkten Personen, Rollen, Programme und Werte nachgehen, die in kommunikativen bzw. sozialen Erwartungszusammenhängen eine maßgebliche Rolle spielen.

    Es folgen drei Texte zu den Verflechtungen religiöser und moralischer Kommunikation, die sich historisch ergeben haben, aber mit der Ausbildung einer funktional differenzierten Gesellschaft fraglich geworden sind. Die These lautet: Religiöse Kommunikation würde gut daran tun, sich in ihrem eigenen Interesse aus der Liaison mit Moral zu lösen und als eigenständiger Sinnhorizont autonom aufzustellen. Insbesondere im Hinblick auf die starke Nutzung von Interaktionssystemen seitens der religiösen Kommunikation und deren Anfälligkeit für moralische Kommunikation ist damit eine beachtliche Herausforderung verbunden.

    Unser Sammelband schließt mit einem Beitrag zu den Prämissen genereller Theoriebildung und geht der transzendentaltheoretischen Frage nach der ,Bedingung der Möglichkeit von …‘ und deren Transformation innerhalb der Systemtheorie nach.

    Auch in diesem zweiten Band unserer Beobachtungen zum Verhältnis von Theologie und Systemtheorie kommt das Potenzial der Grundbegriffe und Leitunterscheidungen einer auf Niklas Luhmann zurückgreifenden Theoriebildung deutlich zum Vorschein. Es treten neue und zum Teil ungewöhnliche Möglichkeiten sowohl der Auflösung als auch der Rekombination von Begriffen ans Licht, die ebenso neue und ungewöhnliche Strukturmomente zukünftiger Theoriebildungen anzudeuten vermögen.

    Meiner Frau Ulrike danke ich sehr für die redaktionelle Durchsicht der Texte.


    ¹ Blanke, Eberhard (2017): Systemtheoretische Beobachtungen I. Norderstedt.

    ² Blanke, Eberhard (2017): Wie ist religiöse Kommunikation möglich? Niklas Luhmann zum 90. Geburtstag. In: Deutsches Pfarrerblatt, 12/2017, S. 694-698.

    Thesen zur Theologie

    1. Theologie als Reflexionstheorie der Religion

    Theologie gilt uns als Reflexionstheorie der Religion. In ihrer Kommunikation bezieht sie sich, indem sie sich auf religiöse Kommunikation bezieht, auf sich selbst. Derart reflexive Theorien sind operativ geschlossen, aber kognitiv offen. In diesem Sinne ist Theologie ein sich selbst beobachtendes selbstreferentielles System. Anhand seiner Operationen beobachtet es, wie es operiert. Dies ist zugleich eine Antwort auf die Frage nach dem Theologischen der Theologie, die jede Theologie zu beantworten genötigt ist.

    2. Theologie bestimmt die Identität von Religion

    Die Frage danach, was theologisch als religiös zu beschreiben ist, ist eine andere Fassung der Frage nach der Identität der religiösen Kommunikation. Theologie als Reflexionstheorie der Religion konstituiert deren Einheit bzw. Identität. Sie beobachtet und beschreibt religiöse Kommunikation hinsichtlich deren Reflexivität und generiert daraus den Aufbau einer bestimmten Sinnstruktur. Insofern kann beispielsweise von einer christlichen Theologie gesprochen werden, die sich aufgrund eines bestimmt gewählten Sinnhorizontes einstellt.

    3. Theologie ist ungleich Religion und vice versa

    Religion und Theologie unterscheiden sich im Hinblick auf ihre Reflexionsstufe und verbleiben auf diese Weise indeterminierbar gegeneinander. Sowohl religiöse als auch theologische Kommunikation determinieren sich in ihren selbstreferentiellen Operationen selbst und stellen sich insofern autonom auf. Dies bedeutet unter anderem: Die Unterscheidung Religion/Theologie ist eine andere als die Unterscheidung Theologie/Religion. Ob und wie sie sich einander voraussetzen oder bedingen, wird im jeweiligen Sinnhorizont der Theologie bzw. der Religion entschieden. Für eine christliche Theologie folgt daraus, dass sich jeweils eine andere Theologie ergibt, je nachdem wie die Unterscheidungen gewählt werden.

    4. Selbstreferenz/Fremdreferenz der Theologie

    Wenn von einer selbstreferentiellen Kommunikation der Religion oder der Theologie gesprochen wird, liegt dieser Zuschreibung jeweils die Unterscheidung von Selbstreferenz und Fremdreferenz voraus. Selbstreferenz findet in der Form der Unterscheidung von Selbstreferenz/Fremdreferenz statt, einer Unterscheidung, die eine Umstellung von einer zweiwertigen auf eine dreiwertige Logik erforderlich macht. Dreiwertig meint, dass nach der Einheit der Unterscheidung gefragt wird. Für (die Form der) Selbstreferenz bedeutet dies, dass Selbstreferenz stets und ausschließlich im Unterschied zu Fremdreferenz auf der Seite der Selbstreferenz stattfindet. Fremdreferenz ist die Fremdreferenz der Selbstreferenz oder, mit anderen Worten: Theologische Kommunikation bezieht sich mit ihren Bezeichnungen und Unterscheidungen auf die Bezeichnungen und Unterscheidungen der religiösen Kommunikation, aber eben mit ihren theologischen Bezeichnungen und Unterscheidungen.

    5. Operation und Beobachtung

    Sowohl in religiöser als auch in theologischer Kommunikation finden Operationen als Beobachtungen statt. Eine beobachtende Operation trifft blindlings eine Bezeichnung aufgrund einer Unterscheidung, an die sich eine weitere beobachtende Operation gleicher Form anschliesst. Die Anschlussoperation beobachtet rückblickend die zuvor durchgeführte Operation, und zwar ebenfalls mittels einer Bezeichnung aufgrund einer Unterscheidung. In der weiteren Folge dieser verketteten Operationen ergibt sich die Möglichkeit, nicht nur Operationen zu beobachten, sondern auch Beobachtungen zu beobachten. Von daher lassen sich eine Beobachtung erster und eine Beobachtung zweiter Ordnung unterscheiden. Eine Beobachtung zweiter Ordnung trifft eine Bezeichnung aufgrund einer Unterscheidung, um Unterscheidungen voneinander zu unterscheiden.

    6. Theologie als Wissenschaft

    Theologie ist, wie andere Reflexionstheorien auch, eine Form von Theorie im Modus der Beobachtung zweiter Ordnung. Als solche kann sie wissenschaftlich operieren, muss es aber nicht. Falls die Theologie wissenschaftlich operiert, hat sie Theorie und Methode als Programme von Wissenschaft zu unterscheiden. Die Programme Theorie und Methode machen es möglich, die wissenschaftsinterne Codierung von wahr/unwahr regelgeleitet und darin konsistent zu handhaben. Jede Theorie zielt dabei auf die Identität des jeweiligen Reflexionssystems und konsolidiert sich anhand der Methode der funktionalen Analyse.³

    7. Theologie als autonome Formtheorie

    Die kommunikative Form der Beobachtung zweiter Ordnung gilt für religiöse Kommunikation ebenso wie für theologische Kommunikation. ‚Beobachtung zweiter Ordnung‘ ist ein anderer Ausdruck für den selbstreferentiellen und darin autonomen Strukturaufbau von Theologie. Auf diese Weise wird Theologie als Reflexionstheorie zu einer Formtheorie. Formtheorien ergeben sich, wenn der Sinn von Sein – in diesem Falle der Sinn religiöser Kommunikation – in bestimmten Sinnformen, das heißt in bestimmten Bezeichnungen aufgrund von Unterscheidungen auftritt. Theologie als Reflexionstheorie der Religion spannt in Bezug auf deren Sinnhorizont, der durch die binäre Codierung immanent/transzendent abgesteckt ist, einen eigenen Sinnhorizont auf. In der Wahl ihrer Einstiegs- und Folgeunterscheidungen ist und bleibt die Theologie dabei autonom.

    8. Kontingente Unterscheidungen

    Eine Theologie, die ihre Unterscheidungen autonom wählt, wird bemerken, dass ihre Bezeichnungen aufgrund von Unterscheidungen kontingent geraten. Sie können so oder auch anders erfolgen. Dadurch wird die Theologie dazu genötigt, Abstand von festen Vorgaben oder erreichbaren Notwendigkeiten zu nehmen. Theologie wird zu einer freitragenden Konstruktion, die ihre Realitäten in den durch die Konstruktion erzeugten Eigenwerten zu etablieren hat. Auf diese Weise wird Theologie zu einer Modaltheorie.

    9. Rekursive Stabilisierung

    Für den Selbstaufbau einer autonomen Theologie sind Entscheidungen für die zu verwendenden Bezeichnungen und Unterscheidungen vonnöten. Da anzunehmen ist, dass es keine vorgängig notwendigen Bezeichnungen und Unterscheidungen gibt, wird sich jede Theologie durch ihre Operationen, also durch die Verweise von Bezeichnungen und Unterscheidungen auf Bezeichnungen und Unterscheidungen, selbst stabilisieren müssen. Sie wird notwendigerweise rekursiv verfahren. In ihren Rekursionen wiederum wird sie autologisch verfahren, indem sie ihre Unterscheidungen auf sich selbst wird anwenden müssen.

    10. Wiedereinstieg in Position eins

    Theologie als Reflexionstheorie von Religion ist in der Wahl ihrer operativen Bezeichnungen aufgrund von Unterscheidungen autonom, gerät dadurch in das Fahrwasser kontingenter Entscheidungen über ihre Unterscheidungen, bedarf deshalb eigener, stabilisierender Rekursionen und manövriert sich damit in die Lage, permanent von vorne anfangen zu müssen. Theologie als Reflexionstheorie von Religion nötigt sich selbst zur fortgesetzten Reflexion und tritt schließlich als Gegenstand ihrer selbst wieder in ihre Reflexion ein. Eine systemtheoretisch fundierte Theologie, die diesen Zirkel durchlaufen hat, steigt schlussendlich – aber in veränderter Weise – wieder bei Position eins ein.


    ³ Vgl. Luhmann, Niklas (1977): Funktion der Religion. Frankfurt a. M., S. 9 f.

    Wie ist religiöse Kommunikation möglich?

    Zum 90. Geburtstag von Niklas Luhmann

    Niklas Luhmann wurde am 8. Dezember 1927 in Lüneburg geboren und verstarb ab 6. November 1998 im Alter von 70 Jahren in Oerlinghausen.⁵ Er wäre im Jahr 2017 demnach 90 Jahre alt geworden, wie es anderen Personen seiner Zeit und seines Jahrgangs durchaus vergönnt ist. Dies ist Anlass genug, an einen der großen Gesellschaftstheoretiker des 20. und 21. Jahrhunderts zu erinnern und einige Grundzüge seines religionstheoretischen Ansatzes zu skizzieren. Dazu richten wir unseren Blick zunächst auf die entsprechenden Schriften, markieren einige Kernpunkte der Gesellschafts- und Religionstheorie Luhmanns und fügen vier Beispiele sich daraus ergebender ,soziologischer Theologumena‘ an, wenn man so will. Wir schließen mit persönlichen Statements von Luhmann, die einen religiösen Bezug haben.

    1. Die Sinn- und Systemtheorie Luhmanns

    Innerhalb des umfangreichen Gesamtwerkes von Niklas Luhmann nehmen die religionstheoretischen Schriften zahlenmäßig einen besonderen Rang ein, vergleichbar am ehesten mit seinen rechtstheoretischen Schriften, für die dies angesichts seiner Provenienz als Jurist aber naheliegt. Wir beziehen uns insbesondere auf die beiden Monographien ,Funktion der Religion‘, die eine Zusammenstellung von fünf zunächst unabhängig voneinander entstandenen Aufsätzen darstellt, und ,Die Religion der Gesellschaft‘, sodann auf 20 Aufsätze, darunter ,Die Ausdifferenzierung der Religion‘, der nahezu den Umfang einer Monographie erreicht, ,Die Organisierbarkeit von Religionen und Kirchen‘, ,Reden und Schweigen‘, ,Zeit, Geheimnis, Ewigkeit‘ und ,Vom Sinn religiöser Kommunikation‘. Es folgt eine Aufstellung der relevanten Texte in chronologischer Reihenfolge:

    Luhmann, Niklas (1972): Die Organisierbarkeit von Religionen und Kirchen. In: Jakobus Wössner (Hrsg.): Religion im Umbruch. Soziologische Beiträge zur Situation von Religion und Kirche in der gegenwärtigen Gesellschaft. Stuttgart, S. 245-285.

    Ders. (1972): Religion als System. In: Karl-Wilhelm Dahm, Niklas Luhmann und Dieter Stoodt (Hrsg.): Religion – System und Sozialisation. Darmstadt, S. 11-13.

    Ders. (1974): Institutionalisierte Religion gemäß funktionaler Soziologie. In: Concilium 10, S. 17-22.

    Ders. (1977): Funktion der Religion. Frankfurt a. M.

    Ders. (1978): Die Allgemeingültigkeit der Religion. Diskussion über Luhmanns Religionssoziologie. Luhmann zu Pannenberg. In: Evangelische Kommentare 11, S. 350-356.

    Ders. (1985): Läßt unsere Gesellschaft Kommunikation mit Gott zu? In: Hugo Bogensberger und Reinhard Kögerler (Hrsg.): Grammatik des Glaubens. St. Pölten, S. 41-48.

    Ders. (1985): Society, Meaning, Religion – Based on Self-Reference. In: Sociological Analysis 46, S. 5-20.

    Ders. (1987/2009): Brauchen wir einen neuen Mythos? In: Niklas Luhmann (Hrsg.): Soziologische Aufklärung 4. Beiträge zur funktionalen Differenzierung der Gesellschaft. 4. Aufl. Wiesbaden, S. 269-290.

    Ders. (1989): Die Ausdifferenzierung der Religion. In: Niklas Luhmann (Hrsg.): Gesellschaftsstruktur und Semantik. Studien zur Wissenssoziologie der modernen Gesellschaft. 1. Aufl., [Nachdr.]. Band 3. Frankfurt a. M., S. 259-357.

    Ders. (1989): Geheimnis, Zeit und Ewigkeit. In: Niklas Luhmann und Peter Fuchs (Hrsg.): Reden und Schweigen. 1. Aufl., [Nachdr.]. Frankfurt a. M., S. 101-137.

    Ders. (1989): Kommunizieren im System der Religion. Ein Gespräch mit dem Soziologen Professor Niklas Luhmann. Gesprächspartner sind Karl-Fritz Daiber und Hans-Volker Herntrich. In: Lutherische Monatshefte 28, S. 509-513.

    Ders. (1989): La religione e indispensabile? In: Prometeo 1, S. 16-21.

    Ders. (1989): Reden und Schweigen. In: Niklas Luhmann und Peter Fuchs (Hrsg.): Reden und Schweigen. 1. Aufl., [Nachdr.]. Frankfurt a. M., S. 7-20.

    Ders. (1990/2009): Die Weisung Gottes als Form der Freiheit. In: Luhmann, Niklas (Hrsg.): Soziologische Aufklärung 5. Konstruktivistische Perspektiven. Wiesbaden, S. 75-91.

    Ders. (1991): Religion und Gesellschaft. In: Sociologia Internationalis (291), S. 133-139.

    Ders. (1995): Die Weltgesellschaft und ihre Religion, in: Solidarität 45. Jg., 9/10 (1995), S. 11-12.

    Ders. (1996): Die Sinnform Religion. In: Soziale Systeme. Zeitschrift für soziologische Theorie 2 (1), S. 3-33.

    Ders. (1996): Religion als Kultur. In: Otto Kallscheuer (Hrsg.): Das Europa der Religionen. Ein Kontinent zwischen Säkularisierung und Fundamentalismus. Orig.-Ausg. Frankfurt a. M., S. 291-315.

    Ders. (1997): Das Medium der Religion. Eine soziologische Betrachtung über Gott und die Seelen. In: Evangelische Theologie 57 (4), S. 305-319.

    Ders. (1997): Vom Sinn religiöser Kommunikation. In: Franz-Xaver Kaufmann, Karl Gabriel, Alois Herlth und Klaus Peter Strohmeier (Hrsg.): Modernität und Solidarität. Konsequenzen gesellschaftlicher Modernisierung. Für Franz-Xaver Kaufmann. Freiburg, Basel, Wien, S. 163-174.

    Ders. (1998): Religion als Kommunikation. In: Hartmann Tyrell, Volkhard Krech und Hubert Knoblauch (Hrsg.): Religion als Kommunikation. Würzburg, S. 135-146.

    Ders.; Kieserling, André (2002): Die Religion der Gesellschaft. 1. Aufl. Frankfurt a. M.

    Luhmann hat sich, seinem Selbstverständnis nach, als Soziologe mit der Religion befasst. Ihm gilt Religion bzw. religiöse Kommunikation als ein Thema unter vielen anderen Themen, die eine umfassende „Theorie der Gesellschaft"⁶ zu berücksichtigen hat. Verschiedentlich grenzt er sich daher davon ab, womöglich als (Krypto-) Theologe missverstanden zu werden.⁷ Der begriffliche Ausdruck für seinen Zugang zur Religion gewinnt Gestalt im Terminus der Fremdbeobachtung. Als Soziologe beobachtet er diejenigen Kommunikationen, die von sich sagen, dass sie religiös seien, von außen, und zwar von einem fremden Außen und nicht nur ,als ob von außen‘, wie es Theologen von Zeit zu Zeit auch tun mögen. Luhmann benutzt dazu inkongruente Perspektiven – „perspectives by incongruity"⁸ –, um einerseits die Nähe und Distanz zum jeweiligen Thema zu regulieren, und um andererseits neue, überraschende Einsichten in die religiöse Kommunikation gewinnen zu können.

    Mit der Unterscheidung von Selbst- und Fremdbeobachtung lässt sich auch das Missverständnis ausräumen, als ob Luhmann theologisch gelesen werden könnte. Vielmehr bietet er einen wissenschaftlich kohärenten Blick auf die unterschiedlichen Funktionssysteme der

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