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Der Ewige Kreis

Der Ewige Kreis

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Der Ewige Kreis

Länge:
292 Seiten
3 Stunden
Freigegeben:
Jun 12, 2019
ISBN:
9781386300717
Format:
Buch

Beschreibung

Der Ewige Kreis

Geschichten von Konrad Carisi

Der Umfang dieses Buchs entspricht 266 Taschenbuchseiten.

Ob phantastische oder Science-Fiction-Geschichten, Vampir- oder Kriminalromane, in diesem Sammelband der Romane Konrad Carisis ist für jeden etwas dabei, der ungewöhnliche Geschichten zu schätzen weiß.

Dieses Buch beinhaltet folgende Geschichten:

-Der Ewige Kreis

-Der Schlüssel – Eine Vampirgeschichte

-Trouble in Tallinn

-Die Jagd nach der Ewigkeit

-Die Erhabenen

-Rasterfahndung

-Der Zettel

-Sherlock Holmes und der Meister aus Syracus

-James Watson und der Mord ohne Leiche

Freigegeben:
Jun 12, 2019
ISBN:
9781386300717
Format:
Buch

Über den Autor


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Der Ewige Kreis - Konrad Carisi

Publisher

Der Ewige Kreis

Geschichten von Konrad Carisi

Der Umfang dieses Buchs entspricht 266 Taschenbuchseiten.

Ob phantastische oder Science-Fiction-Geschichten, Vampir- oder Kriminalromane, in diesem Sammelband der Romane Konrad Carisis ist für jeden etwas dabei, der ungewöhnliche Geschichten zu schätzen weiß.

Dieses Buch beinhaltet folgende Geschichten:

-D er Ewige Kreis

-Der Schlüssel – Eine Vampirgeschichte

-Trouble in Tallinn

-Die Jagd nach der Ewigkeit

-Die Erhabenen

-Rasterfahndung

-Der Zettel

-Sherlock Holmes und der Meister aus Syracus

-James Watson und der Mord ohne Leiche

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Der Ewige Kreis

Ich betätige die Eingabebestätigung und blicke auf den Bildschirm. Eine schematische Darstellung verrät mir, dass die Frachter vom Mond Titan planmäßig auf Luna-Aldrin ankommen werden. Dann wechsele ich auf dem Bildschirm zur Außenkamera, um mir das Schauspiel anzusehen. Die großen, langgezogenen Frachter fliegen wie Wale voller Helium-3 zum Mond herab. Dort, ein Stück über der Siedlung Luna-Aldrin, die in den Rand eines Kraters gebaut wurde, werden sie andocken und entladen. Ich und die gut dreihundert Mondbewohner, die es aktuell in Luna-Aldrin gibt, leben ein Stück weiter in den Fels hinein. Dabei zieht sich die Siedlung mehr in die Tiefe an der Kraterwand herab, als dass sie in die Breite gehen würde.

Es gab ein kleines Problem mit dem automatisierten Leitsystem, aber meist habe ich mit der Überwachung der Systeme kaum etwas zu tun. Ich setze mich auf mein Sofa und schalte auf dem gegenüberliegenden Wandschirm auf eine andere Außenkamera.

Ich betrachte den Erdaufgang und merke, wie gleichgültig er mir ist. Ich erinnere mich noch daran, dass er das einmal nicht war. Es gab eine Zeit, als er mir den Atem raubte, jeden Morgen aufs Neue, wenn meine kleine Parzelle auf dem Mond sich nicht nur zur Sonne drehte, sondern dabei auch die Erde ins Blickfeld geriet. Ich weiß, wie sich meine kleinen Härchen auf den Armen aufstellten und es mir den Atem verschlug. Wie lange ist das jetzt her? Sicherlich vierunddreißig Jahre. Da gab es die Mondsiedlung schon beinahe achtzig Jahre, glaube ich. Oder nein, das war, als ich noch mit der dunkelhaarigen Schönheit zusammen war. Wie war noch gleich ihr Name? Ich setze meine Tasse schwarzen Tee auf das Tischchen neben mir. Langsam flutet das Sonnenlicht mein Zimmer. Die Fenster sind fast einen Meter dick, doch entpolarisieren sie sich automatisch, um das Sonnenlicht durchzulassen. Limata, ja so hieß sie. Sie hatte dunkle Locken, die mich faszinierten, und diese seltsame Betonung der Konsonanten. Es war süß, ihr einfach zuzuhören. Ich glaube, sie wollte ein Kind, hat aber keines genehmigt bekommen. So etwas wird heute sehr streng von den Vereinten Nationen überwacht, um eine Überstrapazierung der Menschheit zur Verfügung stehenden Ressourcen zu vermeiden. Immerhin sterben wir nicht mehr in dem Sinne. Schon lange können wir das biologische Altern aufhalten, da mussten strenge Geburtenkontrollen eingeführt werden. Nur hin und wieder darf man dann doch ein Kind zeugen. Manchmal sind es ein paar mehr, weil viele Menschen auf der Welt entschieden haben zu sterben. Ich muss gestehen, ich weiß gar nicht, wie man das beantragt.

Ich stehe auf und strecke mich. Wie alt bin ich biologisch eigentlich nun? Vierundfünfzig müsste es sein. Limata war jünger und so unersättlich. Irgendwann im letzten Jahrhundert hatte ich die Lust am Sex verloren, doch ihre Experimentierfreudigkeit hatte sie neu entfacht.

Ich gehe zum Essensspender und wähle auf dem berührungsempfindlichen Menü eine Mahlzeit aus. Eine grüne Flüssigkeit landet im Glas. Ich nippe daran und verziehe den Mund zu einem Lächeln. Wie oft habe ich das schon getrunken? Es ist mein liebstes Nahrungsergänzungsgetränk. Ich versuche zu zählen, wie alt ich bin und brauche eine ganze Weile. Als ich das Glas leergetrunken habe, komme ich auf vierhundertzweiundneunzig Jahre und sechs Monate, aber nur die, von denen ich weiß. Vielleicht war ich ja schon mal Kunde bei der Firma „Der Ewige Kreis".

Ich gehe zurück zu meinem Platz mit der wundervollen Aussicht. Vierhundertzweiundneunzig, die Zahl erinnert mich an etwas: den vierten September. Da habe ich mal eines der ältesten Pterodaktylen-Fossilien gefunden, nur wo genau, darauf komme ich nicht mehr. War es in China? Ich war beinahe ein Jahrhundert ein Paläontologe. Es war mein erster Beruf in diesem Leben. Wer so lange lebt, macht irgendwann mehrere Berufe.

Ich rufe die Broschüre des „Ewigen Kreises" über den Berührungssensor im Tisch auf. Sie schwebt Holografisch projiziert vor mir in der Luft. Dann lese ich weiter. Ich habe sie schon länger im Postfach ohne sie abzurufen, sie ist mir eines Tages einfach zugeschickt worden. Sie bieten seit einem Jahrtausend dasselbe Produkt an, ohne ein Problem der Nachfrage. Sie sind direkt von der UN mitfinanziert, steht jedenfalls im Kleingedruckten. Seit man die Telomerverlängerung erfunden hat, gibt es keinen Endpunkt mehr in unseren Leben. Wir altern einfach nicht mehr. Natürlich kann man noch durch Unfälle sterben oder Mord, aber das sind abstrakte Dinge, die selten in der eigenen Nähe passieren. Die Werbebroschüre des Ewigen Kreises erklärt mit wenig Text und einigen schönen Bildern, wie man die Ewigkeit spannender beschreiten kann: Man behält die Jugend durch die Telomerverlängerung. Sterben kann man nicht mehr am Alter, aber man kann sich resetten lassen. Wer des Lebens überdrüssig wird, wird vom Ewigen Kreis ohne Erinnerungen in ein neues Leben entlassen.

Unsere Leben sind lang, es gibt staatlich bezuschusste Anbieter, die einen massiv verjüngen mit einer Telomerkur. Man behält die Zellteilung eines Mittzwanzigers und somit altert der Körper einfach nicht. Beim Ewigen Kreis, geht es laut dieser Werbung darum, jede Erfahrung noch einmal zum ersten Mal zu machen. Sie wollen das Gehirn löschen und mir die Chance geben, wieder erste Male zu haben.

Ich blicke hinauf zur Erde und sehe meine eigene Spiegelung im durchsichtigen Mischstoff, der das Fenster darstellt. Wir haben uns sehr viel Zeit gelassen, bei der Besiedlung des Weltraums. Meine Augen sehen anders in der Spiegelung aus als noch damals, als ich mit Yuki Kitama ein Kind zeugen durfte. Wie alt der Kleine wohl inzwischen ist? Möglicherweise hat der kleine Racker sich schon resetten lassen. Na ja, gut ein kleiner Racker dürfte er auch nicht mehr sein. Ich sehe in meine alten Augen und frage mich, wie lange es mich wirklich gibt. Wurde ich schon oft wiedergeboren? Es ist ein wenig wie im Buddhismus, wenn ich mich nicht irre. Nur ist es eine Wiedergeburt mit Ansage, mit Garantie. Man weiß, dass man ein neues Leben bekommt und muss nicht an diesen spirituellen Mist glauben. Mag ich auch eine unsterbliche Seele haben, die Option auf Wiedergeburt ist nicht so beruhigend wie diese Broschüre, die mir ein neues Leben garantiert. Der Ewige Kreis, wie sich die Firma offiziell nennt, hat einfach bessere Garantien. Gott druckt mir leider keine Hochglanzbroschüre, ich muss ihm einfach so glauben.

Ein neues Leben erwartet Sie, tausende erste Male, verspricht mir der Ewige Kreis in beruhigenden dunkelblauen Buchstaben. Der Text wird vor mir in die Luft projiziert.

Ach ja, ein erstes Mal ... ich erinnere mich noch, wie ich das erste Mal mein liebstes Buch gelesen habe. Es war von Jack London, ein Reisebericht. Es war ein wahnsinniges Unterfangen, eine Fahrt mit dem Boot um die Welt. Es musste scheitern und doch schrieb Jack London so ehrlich und mit Witz über sein Abenteuer, dass es mich in seinen Bann zog. Wie alt war ich da? Vielleicht gerade einmal vierzig?

Ich kann mich nicht erinnern. Schade, dass ich es mir nicht selbst bereitlegen kann, um es nach dem Eingehen in den Ewigen Kreis wiederzufinden und es so erneut zum ersten Mal lesen kann. Das steht hier extra mehrmals. Es ist nicht gestattet, sich selbst etwas zurechtzulegen oder Nachrichten zu hinterlassen.

Aber würde ich das Buch von Jack London dann immer noch mögen? Vielleicht musste auch das richtige Buch auf einen Jungen treffen, der eben bestimmte Erlebnisse gemacht hatte.

Sterben will ich noch auf keinen Fall, aber etwas Neues zu haben, das wäre doch reizvoll.

Ich sehe hinaus und seufze, als ich eine Entscheidung treffe. Dann nehme ich meinen Kommunikator und wähle die Nummer, die in der Werbung des Ewigen Kreises angegeben ist.

„Guten Tag, was kann ich für Sie tun?"

Es ist eine synthetische Stimme, vermutlich kein Mensch, sondern eine Maschine. Man merkt es am Ende der Wörter, eine leichte Pause, ein Zögern.

„Ich habe mir Ihr Angebot angesehen und würde gerne eine Löschung vornehmen. Ich will wieder alles zum ersten Mal tun", sage ich. Einen Moment herrscht Stille.

„Natürlich, Sie können jederzeit vorbeikommen. Sie benötigen keinen Termin, es ist immer eine Kapsel für Sie frei."

„Kapsel?"

„So nennen wir die Vorrichtung, in der Sie unsere Dienstleistung empfangen."

„Dankeschön", sage ich.

„Wir freuen uns über Ihren Besuch", fügt die Stimme noch hinzu. Es ist eine dieser vorprogrammierten Ansagen, die einigermaßen antworten können. Da ist kein Mensch am anderen Ende, nur eine Maschine, die so tut als ob.

„Danke", sage ich und lege auf. Wieder das erste Mal den Aufgang der Erde sehen, das wäre doch was. Das System hat mich automatisch mit der Firmenniederlassung des Ewigen Kreises auf dem Mond verbunden, es wäre noch nicht einmal ein weiter Weg für mich.

Ich stehe auf und setze mein Glas weg.

Dann ziehe ich mir meine Jacke an und gehe zur Filiale des Ewigen Kreises.

Dort erwartet mich eine Frau hinter einem Schreibtisch. Ihr Arbeitsplatz ist völlig leer, keine Möglichkeit wirklich an ihm zu arbeiten, keine Eingabemöglichkeiten für irgendwelche Texte und kein Bildschirm. Deswegen glaube ich nicht, dass es ein Mensch ist. Es ist nur ein gutes Mensch-Maschine-Interface. Die MMIs sind keine wirklichen Roboter, sie sind nur bessere Tastaturen, bei denen wir auswählen können, was wir wollen.

„Guten Tag, was kann ich für Sie tun?"

„Ich möchte Mitglied werden im Ewigen Kreis."

„Sie wollen eine vollständigen Neuanfang? Aber natürlich. Ein Mitarbeiter wird gleich für Sie da sein."

Sie sieht mich eine Weile starr an, da bemerke ich, dass sie auch zu selten blinzelt für einen Menschen. Ich habe einmal ein halbes Jahrhundert bei der Produktion solcher Maschinen geholfen, ich achte unwillkürlich darauf.

Eine Tür geht auf. Eine Frau mit denselben ebenmäßigen Gesichtszügen wie die „Dame" an der Rezeption steht dort in einer dunklen Hose, einer adretten blauen Bluse und einem Kittel.

Ihre Haarfarbe ist nicht schwarz wie die derjenigen an der Rezeption und ihre Augen sind dunkelgrün.

Sonst unterscheiden sie sich nicht, vermutlich noch weniger als eineiige Zwillinge. Oft kauft ein Unternehmen nur ein MMI und benutzt es dann in minimaler Variation für alle wichtigen Funktionen. Deswegen gibt es sprichwörtlich den Whoorl-Kerl, der ist das Gesicht einer bekannten Fastfoodmarke mit einem goldenen W als Zeichen.

„Bitte, folgen Sie mir, sagt das MMI. Ich schließe zu ihm auf. „Sind Sie bereits mit unseren Geschäftsverbindungen vertraut?

„Wiederholen Sie die Geschäftsbedingungen bitte", sage ich. Ich kenne nur den Text aus der zugesandten Broschüre und somit die Kurzform.

Sie führt mich durch einen Korridor in einen Warteraum und leiert währenddessen die Geschäftsbedingungen des Ewigen Kreises herunter.

Vieles davon ist nicht unbedingt ungewöhnlich, es ist klar, dass dieser Vorgang nicht rückgängig gemacht werden kann und dass zwar meine Pflege bezahlt wird, falls etwas schief geht, aber die Firma sich völlig von Schuld freispricht, falls es nicht wie gewünscht klappt.

Es könnte sogar sein, dass ich nur einen Teil meiner Erinnerungen verliere und auch dann hätte ich keinen Anspruch auf eine zweite Prozedur. Im Gegenteil, die sei dann medizinisch nicht empfehlenswert.

Ich höre mir das alles an und warte, bis schließlich ein echter Mensch in den Raum tritt.

Der Mann ist jugendlich wie ich, wobei er aussieht, als hätte er in jüngster Zeit eine Frischzellenkur genossen. Er hat dunkles Haar und trägt einen Arztkittel. Sein Händedruck ist kräftig, als er mich begrüßt. Es ist ein echter Mensch.

„Doktor O‘Relly mein Name. Schön, Sie hier begrüßen zu dürfen. Tut mir leid, dass Sie warten mussten, wir arbeiten hier alle in Bereitschaft. So viele kommen auf dem Mond nicht jeden Tag her, als dass wir eine große Anzahl von Beschäftigten ständig da haben müssten. Sobald die Prozedur herum ist, ist für uns auch nichts mehr zu tun."

Er lächelt gewinnbringend und führte mich in einen kreisrunden Saal, in dessen Mitte eine Kugel aus Metall steht. Sie ist durch eine Reihe von Schläuchen und Kabeln mit der Decke verbunden.

„Darin passiert es?", frage ich. Ich bin ein wenig aufgeregt, muss ich zugeben. All diese neuen Dinge, die ich zum ersten Mal tun werde, so viele Möglichkeiten.

„Ja, da drin wird Ihnen das Gedächtnis gelöscht."

„Wie?"

„Na ja, wir trennen gezielt ein paar Synapsen ab und nutzen den körpereigenen Mechanismus, mit dem Informationen überschrieben werden. Es ist normalerweise nicht vorgesehen, dass man so viel vergisst, aber die Veranlagung zum Vergessen haben wir alle. Es ist schon seit Jahren erprobt, da müssen Sie sich keine Sorgen machen."

„Haben Sie es schon oft getan?"

„Ja, sicher. In fünfundzwanzig Jahren hat sich noch keiner beschwert. Zugegeben, die wussten auch hinterher nicht mehr, wer ich bin", sagt der Arzt und lacht dröhnend. Den Witz hat er wohl schon öfter gemacht und ist besonders stolz darauf. Ich schenke ihm ein müdes Lächeln und bin hin und her gerissen.

Meine Melancholie ist noch immer nicht verflogen. So wie ich sie beim Anblick der Erde aus dem Fenster empfand, empfinde ich sie seit Langem schon immer wieder. Es fehlt mir schon lange der Reiz des Neuen. Das hier wäre meine Gelegenheit, denn sterben will ich natürlich nicht.

Also sage ich: „Tun Sie es."

„Gut, dann brauchen wir hier einmal Ihre Unterschrift", sagt der Arzt und reicht mir einen kleinen Computer. Ich ziehe meine Hand darüber. Der kleine Chip in meinem Handrücken enthält alle meine wichtigen Daten, die mich authentifizieren. So bezahlt man heute, ebenso wie man seine Identität bestätigt. Geld ist kein großes Problem mehr, wenn man so viele Jahre immer gearbeitet hat, wie ich.

„Dankeschön. Um die weiteren Formalitäten Ihres Nachlasses kümmert sich selbstverständlich die Firma. Gut, dann können Sie direkt in die Kugel. Ich muss Sie aber bitten, sich vorher auszuziehen."

Er dreht sich um und wendet sich verschiedenen Schalttafeln zu.

„Na los, ich schau auch nicht hin, sagt er. „Aber Sie dürfen nichts mit hineinnehmen, glauben Sie mir, das sehe ich auf den Instrumenten. Gut, dass Sie keine Implantate haben.

Ich tue, was er befohlen hat, und währenddessen öffnet sich zischend eine Seite der Kugel. Sie schwingt zur Seite und gibt den Blick frei auf eine Sitzgelegenheit im Inneren. Es erinnert mich ein wenig an einen Zahnarztstuhl.

Ich setze mich hinein und lasse meine Kleidung und all das alte Leben zurück.

Als die Kugel sich schließt, überlege ich, ob die Symbolik des Nackt-im-Dunkeln-Sitzens gewollt ist. Wenn sie die Kugel jetzt noch mit Flüssigkeit füllen, ist das schon eine Anlehnung an den Moment vor der Geburt. Ich schüttele den Kopf, um die Gedanken zu verscheuchen. Dann kommt mir ein viel schlimmerer Gedanke. Was, wenn diese Technik nicht funktioniert? Die Kugel ist nun geschlossen, ich befinde mich in Dunkelheit. Es ist vollkommene Dunkelheit. Vielleicht passiert ja gar keine Fehlfunktion, sondern die Technik ist einfach nicht ausgereift.

Was, wenn wir unsere eigene Überbevölkerung dadurch reduzieren, dass wir jene töten, die des Lebens überdrüssig werden und dadurch vielleicht unproduktiv? Wenn das Ganze nur ein Trick ist, wenn diese Technik nicht funktioniert? Wenn ich kein neues Leben bekomme, nur den Tod? Irgendwer bekommt dann die Lizenz für ein Kind, weil ich tot bin. Mein letzter Gedanke ist: Was, wenn sie mich angelogen haben?

ENDE

Der Schlüssel - Eine Vampirgeschichte

Kapitel 1: Begegnungen

Ich gehe den mondbeschienenen Wanderweg entlang und versuche nicht auszurutschen. Ein Halbmond steht am Himmel, ein zunehmender, der den Wald in gespenstisches Licht taucht.

Ich habe meinen MP3-Player seit einer Weile eingeschaltet. In meinen Ohren singt Marilyn Manson: „Sweet dreams are made of this, who am I to disagree?", was dem Ganzen durch die Musik zusätzlich etwas Düsteres gibt. Ich liebe diese nächtlichen Spaziergänge durch den Wald. Wir wohnen etwas vor Münster, nahe eines kleinen Gehölzes, das in ein Naturschutzgebiet übergeht. Ich war zwei Stunden mit einem Freund, der in der Nähe wohnt, durch den Wald gegangen und hatte mich unterhalten. Jetzt war ich auf dem Weg nach Hause.

Wir machen das seit Jahren, auch wenn unsere Eltern es für seltsam halten mögen, dass zwei junge Männer in den Zwanzigern nachts durch den Wald streifen und sich über Philosophisches unterhalten. Na gut, hin und wieder auch schlicht über ein neues Musikalbum oder ein Computerspiel. Oder über Frauen.

Man ist ja nicht nur großer Denker.

Hätte ich keine Musik gehört, hätte ich vielleicht nicht eine folgenschwere Entscheidung getroffen, da ich es gehört hätte. Habe ich aber leider nicht. Ich biege vom Wanderweg ab, will meine übliche Abkürzung querfeldein nehmen. Hier gibt es einige Abschnitte, die auf und ab gehen. Keine hohen Berge, immerhin ist das hier das Münsterland. Aber doch schon mehrere Meter Höhenunterschied. Während ich über Stock und Stein wandere, sehe ich plötzlich von einem Hügel hinunter einen Menschen. Gekauert über einem Reh. Er trägt etwas Langes, einen ledernen Mantel.

Ich nehme die Kopfhörer heraus und rufe hinunter: „He, kann ich helfen?"

Schwerer Fehler. Er blickt auf und ich verliere fast die Kontrolle über meine Blase. Er hat weit aufgerissene Augen, deren Iris bernsteinfarben ist. Das Mondlicht wird etwas stärker. In diesen wenigen Sekunden, in denen die Zeit stehen zu bleiben scheint, sehe ich spitze Eckzähne an denen Blut heruntertropft. Sein ganzer Mund ist blutverschmiert. Er hat kurzes schwarzes Haar und seltsame Narben auf der linken Schläfe. Dann ist die Sekunde vorbei, in der alles still zu stehen scheint. Er springt auf und ist in wenigen Sätzen bei mir, bevor ich überhaupt daran denken kann zu fliehen. Er drückt mich zu Boden, mit einem Knie auf meiner Brust. In seinen Augen sehe ich Wahnsinn und Hunger. Bestialischer, tierhafter Hunger. Ich weiß in diesem Moment, dass ich sterben werde, das ist der einzige klare Gedanke, während er sich in Zeitlupe meinem Hals zuzuwenden scheint. Und dann ein Gedanke, der mich überrascht. Ich wundere mich nicht, dass ein Typ im Wald rumläuft und auf Vampir macht. Ich bedaure in diesem Moment nur, nicht doch zu Abend etwas von der Knoblauchsoße genommen zu haben.

Dann wird es schwarz.

ICH KOMME ZU MIR MIT bestialischen Schmerzen. Mein Hals fühlt sich an als wäre mein Nacken verspannt. Jede Bewegung lässt Welle um Welle des Schmerzes durch mich fahren. Vorsichtig öffne ich die Augen, gedämpftes Licht umfängt mich. Langsam gewöhnen sich meine Augen an alles, doch etwas ist seltsam. Meine Brille, sie fehlt. Mir wird schlagartig bewusst, dass ich sie nicht trage. Trotzdem sehe ich alles scharf. Ich sehe einen Holzbretter-Verschlag über mir, altes Eichenholz, das einen leicht modrigen Geruch verbreitet. Ich versuche den Kopf zu drehen, doch ein neuerlicher Schmerz, den diese Bewegung verursacht, lässt mich innehalten. Er zieht sich vom Hals bis in die Schläfen und alles in mir will krampfen. Meine Stirn explodiert vor Schmerz, und kleine Sterne tanzen mir vor den Augen. Ich schließe sie und atme langsam und tief durch.

„Beruhige dich. Schnelle Bewegung ist jetzt nicht angemessen", erklärt eine ruhige, tiefe Stimme neben mir. Er, ich vermute es ist ein Er, ansonsten sollte ich wohl vor einer möglichen Besitzerin der Stimme Angst

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