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Das Vermächtnis der Astronautengötter

Das Vermächtnis der Astronautengötter

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Das Vermächtnis der Astronautengötter

Länge:
261 Seiten
3 Stunden
Freigegeben:
Jan 2, 2018
ISBN:
9783943948981
Format:
Buch

Beschreibung

Die Autorinnen und Herausgeberinnen Silke Alagöz und Jutta Ehmke haben zwanzig spannende, lustige und nachdenkliche Geschichten zusammengetragen, die die Astronautengötter einmal nicht aus wissenschaftlicher Sicht zeigen, sondern als coole Fantasy-Gestalten.

In den Legenden der Urvölker werden Wesen erwähnt, die vor vielen Jahrtausenden vom Himmel herabgestiegen sein sollen. Weltweit geben außergewöhnliche archäologische Fundstücke der Wissenschaft Rätsel auf.
Was ist dran an den Astronautengöttern, die einst die Erde beherrscht haben sollen? Woher kamen sie, und mit welchem Ziel? Welches Wissen, welches Vermächtnis haben sie der Menschheit hinterlassen? Leben sie vielleicht sogar noch unter uns, still und unerkannt?

Tauchen Sie ein in die Geschichten von Silke Alagöz, Britta Bendixen, Ulrich Borchers, Nadine Buch, Andreas Dörr, Jutta Ehmke, Frederik Elting, Peter Hoeft, Leif Inselmann, Alexander Knörr, Florian Kugel, Torsten Low, Brigitte Lüdecke, Martina Ohler, Aikaterini Maria Schlösser, Rainer Schorm, Ganaga Sivanolisingam und Thomas Williams und lernen Sie die geheimnisvollen Astronautengötter von einer völlig neuen Seite kennen!
Freigegeben:
Jan 2, 2018
ISBN:
9783943948981
Format:
Buch


Buchvorschau

Das Vermächtnis der Astronautengötter - Aikatarini Maria Schlösser

Autoren

Goldenes Grab

Aikaterini Maria Schlösser

Celine überblickte staunend den hohen Gewölberaum aus Sandstein. Erst verspätet bemerkte sie, dass ihr die Kinnlade heruntergefallen war, und klappte den Mund schnell wieder zu.

In ihrer Euphorie spürte sie kaum die drückende Hitze und hörte nur dumpf die hallenden Stimmen ihrer Mitschüler aus der Abschlussklasse. Sie wollte gar nicht daran denken, dass sie anfangs nicht auf die Schulreise nach Ägypten hatte mitkommen wollen und damit beinah das größte Abenteuer ihres Lebens verpasst hätte.

Aber jetzt war sie hier, im Museum von Kairo. Drei Stockwerke voller Artefakte, wovon jedes Einzelne sein eigenes Geheimnis barg. Selbst wenn sie für Wochen in diesen Hallen eingesperrt wäre, sie hätte sich noch immer nicht satt gesehen.

Celine beugte sich vor, um die Informationstafel einer Statue zu lesen, als ihr Sichtfeld plötzlich von Weiß eingenommen wurde.

„Die Mumie schlägt zu!", grölte Dennis hinter ihr und umwickelte ihren Kopf, wie Celine nun erkannte, mit Klopapier.

Sie riss das Papier herunter und rückte ihre Hornbrille zurecht.

„Ha, ha, sehr witzig." Nicht genug, dass sie wegen dem Sandstaub in der Luft ihre Kontaktlinsen gegen dieses Monster von Brille hatte eintauschen müssen; sie war auch noch beliebtes Opfer für allerlei Streiche ihrer Mitschüler.

Überhaupt war sie seit der Landung zum Sonderling in der Gruppe geworden. Während ihre Klassenkameraden stets auf Selfies und Spaß aus waren, blieb sie bei den Infotafeln hängen oder fuhr mit der Fingerspitze die eingemeißelten Hieroglyphen nach. Von dieser uralten Kultur, mochte sie auch als untergegangen betitelt sein, strömte eine Magie aus, die Celine noch nirgendwo so gespürt hatte.

Trotz der Hitze stellten sich plötzlich die feinen Härchen in ihrem Nacken auf, als hätte eine Geisterhand über ihre Haut gestrichen. Lauerte ihr etwa schon wieder Dennis auf? Die Stirn zerfurcht, drehte sie sich um. Doch hinter ihr stand niemand.

Da ragte nur dieser Steinsarkophag an der gegenüberliegenden Wand auf, gänzlich aus schwarzem Granit geschlagen. Er war gewaltig, musste an die vier Meter in der Länge und drei in der Höhe messen.

Als würde ein Sog von ihm ausgehen, verlor sich Celines Blick, ihre Gedanken, ihr Geist in ihm. Sie spürte ein Ziehen in jeder Faser ihres Körpers, musste näher, musste zu ihm. Selbstständig setzten sich ihre Füße in Bewegung, doch fühlte sie ihre eigenen Schritte nicht mehr, schwebte durch den Raum.

Keine Abbildungen wie bei den anderen Steinsärgen waren auf dem Sarkophag zu erkennen, nur endlos viele eingravierte Hieroglyphen reihten sich aneinander. Als würde Celine jemand anderen dabei beobachten, sah sie sich ihre Hand ausstrecken und auf den kühlen Stein legen.

Obwohl es unmöglich war, fühlte sie einen Puls. Einen tiefen Herzschlag von unermesslicher Kraft.

Unwillkürlich musste sie daran denken, wie sie gelesen hatte, dass beim Tod des Pharao seine Tiere und Diener getötet und zusammen mit ihm bestattet wurden. Bei der Vorstellung rieselte ihr ein Schauer wie Eiskörner den Rücken herunter.

Sie zog ihre Hand zurück und schüttelte kurz den Kopf. Ich habe bloß zu wenig geschlafen. Die halbe Nacht hatten diese elendigen Mücken sie wachgehalten. Celine horchte nach ihren Klassenkameraden; ihr Gelächter war kaum noch zu hören. Ich muss weiter.

Sie drehte dem Sarkophag den Rücken zu, als Arme sie von hinten umfassten. Voller Schrecken blickte sie an sich hinab und sah, wie Krallenhände, schwärzer als Pech, sich vor ihrer Brust überkreuzten und ihre nackten Oberarme umschlossen.

Dann wurde sie nach hinten gezogen, durch den Stein in die Dunkelheit.

Celine lag bäuchlings auf Sand. Er war so fein, dass sie die einzelnen Körner unter ihren Fingerspitzen nicht erfühlen konnte. Und er war noch warm von der Sonne. Doch nur der Mondschein schimmerte über die Sandwellen.

Wo bin ich?

Sie hob den Kopf. Sand rieselte von ihrer Wange. Unter der nachtblau leuchtenden Himmelskuppel dehnte sich bis zum Horizont endlose Wüste aus. Einzig der Hauch des Windes jagte über das Sandmeer hinweg.

Celine konnte nicht begreifen, wie sie hierhergekommen war, konnte nicht verstehen, was vor sich ging. Das Einzige, was sie erfassen konnte, war diese Stille. Etwas war anders an diesem Schweigen. Es fühlte sich unendlich an. Als gäbe es keine Stimmen mehr auf der Erde, keinen Lärm – keine Menschen.

Celine stand auf und blickte zum Halbmond in der Mitte des Himmels. Ist das … ein Traum?

„Dies ist kein Traum", antwortete eine Stimme so tief und volltönend, als wohnten alle Klänge dieser Welt in ihr.

Celine fuhr herum und hielt den Atem an. Wenige Schritte von ihr entfernt ragte ein muskulöser Mann auf, einzig bekleidet mit einem Lendenschurz. Er war nicht bloß dunkelhäutig, seine Haut war so tiefschwarz und glänzend, als sei sie aus geschliffenem Onyx gemeißelt.

Obwohl er den Körper eines Mannes besaß, war er eindeutig keiner. Seine Arme endeten in Krallenhänden; jene Krallenhände, die Celine im Museum umschlungen und an sich gezogen hatten. Und sein Kopf mit den spitz zulaufenden, langen Ohren und der schmalen Schnauze war der eines Schakals.

Celine sah ihm entgegen, unfähig sich zu rühren, unfähig zu denken.

Er erwiderte ihren Blick mit Augen wie aus lebendigem Gold. „Weißt du, wer ich bin?"

Sie stieß die angehaltene Luft aus. „Ja hauchte sie voller Ehrfurcht. Sie hatte sein Abbild gesehen in Hieroglyphen, auf Papyrus, in gigantischen Statuen. „Anubis.

Er blieb regungslos, wartete, dass sie zu Ende sprach.

„Gott der Toten", brachte sie mit schwacher Stimme hervor.

Sein Mähnenhaar wogte weich im Wind. „Ja. Doch nun ist auch für mich die Zeit des Sterbens gekommen."

Plötzlich stand er unmittelbar vor ihr und neigte die Schnauze zu ihr herab. Celine musste das Kinn heben, um ihm ins Gesicht zu sehen.

„Ich habe dich erwählt."

Ihr Atem wurde flacher und rauer. Erwählt? Erwählt für was?

„Du sollst meine Braut sein. Meine Braut im Tode."

Celines Herz setzte einen Schlag aus, wurde eins mit der Stille rings um sie herum. Dann begann es wieder zu pochen, lauter und schneller als je zuvor. Für einen Moment war sie vor Grauen gelähmt, dann schüttelte sie lächelnd den Kopf. Dass sie hier plötzlich in der Wüste war und dem ägyptischen Gott der Toten, Anubis, gegenüberstand, mochte irgendwie noch einen Sinn ergeben. Aber nicht, dass ausgerechnet sie mit ihrer dicken Hornbrille als seine Totenbraut auserwählt wurde.

Er streckte die Krallenhand nach ihren Augen aus. „Ich sehe nicht nur dein Gesicht. Er nahm ihre Hornbrille ab, dennoch konnte sie alles unverändert scharf erkennen. „Ich sehe deine Seele.

Ihr Blick versank im Gold seiner Augen. Sie spürte seine unerschöpfliche Kraft, die alles erschaffen und alles zerstören konnte. Und es machte ihr entsetzliche Angst.

„Ich will nicht sterben", wisperte sie mit bebender Stimme.

Anubis nahm sie in seine Arme, schmiegte ihre Wange dicht an seine Brust, die kühl wie der Stein des Sarkophags war. Die Umarmung ließ sie bis in die Seele erschaudern, als hätte der Tod selbst sie umfasst. Er streckte die Schnauze nach oben, und sie sah mit ihm gemeinsam hinauf.

Die Sterne begannen über ihnen zu rasen, wurden zu einem Lichtstrom, als würden sie durch die Zeit fliegen, als flössen Jahrtausende an ihnen vorbei. Celine traten Tränen in die Augen beim Anblick, der zugleich wunderschön und furchterregend war.

Unwillkürlich drückte sie sich enger an Anubis, da er ihr als Einziges Halt bot, als Einziges in diesem Strom beständig war. Auch er umschloss sie fester, als wären sie keine Fremden, sondern Geliebte, die sich nach langer Einsamkeit wiedergefunden hatten.

„Ich komme von weit her. Bin geboren aus der Dunkelheit zwischen den Sternen, noch vor dem Anfang der Zeit."

Die Sonne stieg über den Horizont und wischte mit ihrem Schein alle Sterne fort. Aus dem Sand brachen Bäume hervor, wuchsen immer höher und verzweigten sich, bis sie mitten in einem Urwald standen. Erschrocken klammerte sich Celine in Anubis’ Rücken.

Unerwartet brach ein Affe durch das Geäst und ließ sich im Blätterregen auf den Ast vor ihnen nieder. Anubis streckte die Krallenhand nach ihm aus. „Vor vielen Sonnenaufgängen bin ich zum ersten Mal auf die Erde gekommen."

Celine war zu überwältigt von den vielen Eindrücken, um Raum für ihre eigenen Gedanken zu haben, konnte nur beobachten.

Zögernd streckte der Affe seine behaarte Hand nach Anubis’ Krallenhand aus, dann umschlossen sich die ungleichen Finger. Wie ein Vater sein Kind bei den ersten Schritten stützt, so half Anubis dem Affen vom Ast zu steigen, die andere Hand vom Boden zu heben und sich aufzurichten.

Mit einer Gänsehaut verstand Celine, dass dies eine echte Erinnerung oder gar ein Zeitsprung war, in den Anubis sie mitgenommen hatte. Dass er es damals gewesen war, der dem Affen den Mut gegeben hatte, die Bäume zu verlassen, den Rücken zu strecken und seinen ersten Schritt als Mensch zu gehen.

Jäh zersprangen die Bäume ringsumher in unzählige Holzsplitter und trieben wieder im Strom der Zeit. Wasser sprudelte aus dem Sand hervor und streckte sich immer weiter aus, bis es als silberblaue Schlange die Wüste durchlief. Der Nil, wurde sich Celine atemlos bewusst, während die reflektierenden Funken über ihre Haut tanzten.

Ein dunkelhäutiger Mann mit schwarz umrandeten Augen stand vor ihnen am Ufer, an der Hüfte ein Fischernetz. Anubis hob die Hand über das Wasser. Die Oberfläche begann sich zu kräuseln, dann brachen winzige Goldkörner hindurch und fügten sich in seiner Hand zu einem Stab zusammen. Das Was-Zepter, erkannte Celine staunend, das Attribut des Anubis.

„Und auch ich war es, der die Gier nach Gold in den Menschen erweckte." Anubis übergab den Stab dem ägyptischen Mann, der demutsvoll auf die Knie fiel und den Kopf senkte.

Celine wurde kalt, als hätte die Sonne jäh all ihre Kraft verloren. Zum ersten Mal wagte sie, selbst das Wort an Anubis zu richten.

„Warum hast du das getan? Wir können das Gold nicht essen, nicht damit heilen. Und dennoch hat es so viel Leid über die Welt gebracht."

Sie zuckte vor Schreck zusammen, als auf der anderen Seite des Ufers eine Steinspitze aus dem Boden brach. Sie wurde immer breiter, je höher sie in den Himmel wuchs. Die Pyramide von Gizeh, stellte Celine fest, als der Schatten über ihr Gesicht kroch. Im beschleunigten Fluss der Zeit sah sie hunderte Arbeiter an der Spitze, bis diese ganz vergoldet war und wie eine zweite Sonne strahlte.

Anubis’ Mähnenhaar streifte Celines Wange. „Ich brauche das Gold für mein Grab. Und ich brauche ihren Tod und ihr Blut als Opfer."

Celines Brust wurde eng, als sie verstand. Anubis hatte den Menschen den aufrechten Gang beigebracht, damit sie mit den Händen nach dem Gold schürften, wonach es ihm so zu gieren schien.

Aus Wasser und Sand stiegen Grabsteine empor, dann bedeckte Gras die Wüste und Moos kletterte am Stein hinauf. Der Atem versagte Celine, als sie die Inschrift des Grabsteines vor ihnen las: Celine Lorenz.

Anubis fuhr mit der Kralle über ihren Namen, so wie sie mit der Fingerspitze die Hieroglyphen des Sarkophags nachgezeichnet hatte. „Du siehst hier nur den Tod. Er hielt bei der Jahreszahl an. „Ein Datum, das endet. Ein Mensch, der stirbt. Aber es gibt keine Zahlen. Es gibt nur das eine Universum, das sich immer wieder neu zusammenstellt.

Bevor Celine verstehen konnte, lösten sich ihre Füße vom Boden und sie stieg zusammen mit Anubis in die Höhe. Erschrocken klammerte sie sich an seinem Arm fest. Unter ihr wurde der Friedhof immer kleiner und kleiner, bis er nur ein grüner Fleck im Betonskelett der Stadt war.

Anubis glitt mit den Fingerspitzen über ihren Handrücken, malte den Weg ihrer Adern nach. „In deinem Blut strömt das Eisen eines Ritterschwertes. In deinen Knochen ist der Staub von uralten Muscheln. Er fing mit seinem Krallenfinger ihre Träne auf. „In deinen Tränen schwebt das Salz des Meeres.

Celines Herz pochte schneller und härter, je höher sie stiegen, flatterte beinah, als sie die Wolken durchbrachen.

Anubis löste die Verkrampfung aus ihrer Hand und legte ihr ein goldenes Henkelkreuz hinein, das gleichzeitig heiß und kalt pulsierte. Ankh, erkannte Celine bebend, das zweite Attribut von Anubis. Es war das Symbol für das Weiterleben nach dem Tod, auch bekannt als Lebensschleife.

„Bei deinem Heranwachsen im Schoß deiner Mutter wurdest du zusammengefügt. Im Schoß der Erde löst du dich wieder auf. Anubis legte seine Wange auf ihren Scheitel. „Um zu leben, müssen wir sterben.

Celine schloss die Finger um Ankh und drückte es an ihr Herz. Als sie hinabblickte, hatten sich aus den Ländern Kontinente geformt. Zum ersten Mal wurde sie sich bewusst, wie verbunden sie mit diesem Planeten war. Sie musste sein Wasser trinken, von seiner Schöpfung essen und seine Luft einatmen, um zu überleben. Unaufhörlich wurde sie von ihm durchströmt, war nie von ihm getrennt – war eins mit ihm.

Celine konnte die Erdkrümmung ausmachen und dahinter Schwärze. Jene Dunkelheit, aus der die Gottheit, in deren Armen sie getragen wurde, geboren war. Sie wusste nicht mehr, was sie denken, was sie fühlen sollte. Es war so viel. So unglaublich viel.

Plötzlich leuchteten überall von der Erde goldene Funken wie Sterne auf. Die Goldkörner stiegen mit ihnen zusammen in den Himmel, schmiegten sich in der Luft aneinander und schwebten als Bänder aus Goldnebel empor. Während Celine die Hand in den Streifen tauchte und den Goldstaub über ihre Haut rieseln ließ, begann sie zu verstehen, mit ihrem ganzen Sein bewusst zu werden.

Wenn der Tod Wiedergeburt bedeutete, dann war Anubis’ Grab nicht nur ein Leichenbett, sondern wie der Schoß der Erde, der Schoß einer Mutter; eine Hülle, die bei der Wandlung half.

Erschrocken drehte Celine den Kopf zur Seite, als sie eine helle Gestalt ebenfalls aus der Atmosphäre der Erde dringen sah. Auch sie war ein ägyptischer Gott, doch mit weißem Manneskörper und dem Haupt eines Falken. In den Armen hielt er eine dunkelhäutige Frau mit kahlgeschorenem Kopf.

„Horus, erklärte ihr Anubis. „Gott des Lichts. Er brachte das Feuer zu den Menschen. Lehrte sie zu verbrennen und zu wärmen.

Celine spürte die Hitze des Feuerstrudels, der Horus folgte.

Neben ihnen flog eine weitere Gestalt empor. Kein Gott, sondern eine Göttin, den Körper so durchsichtig und schillernd wie Glas. Unter ihrem Löwenkopf hielt sie einen Albinomann umschlungen.

„Tefnut. Göttin der Tränen. Sie lehrte den Menschen zu weinen."

Auch Celines Tränen lösten sich von ihren Wangen und schlossen sich der Wasserschlange hinter Tefnut an.

Dicht an ihr vorbei stieg noch eine Göttin auf. Ihr Körper mit dem Katzengesicht war ein Gemälde aus lebendigen Farben. In den Armen hielt sie einen alten Mann umschlossen, so behutsam, als sei er ein Neugeborenes.

„Bastet. Göttin der Freude. Sie lehrte den Menschen die Kunst, die Schöpfung aus Gedanken."

Celine legte den Kopf in den Nacken, als Gold, Feuer, Tränen und Farben sie überholten. Jedes der Elemente formte sich zu einem Kristall zusammen, von der Größe des Mondes neben ihnen.

Särge, erkannte Celine und spürte, wie sich eine Schockwelle von ihrer Brustmitte her ausbreitete. Ihr Blick heftete sich auf den goldenen Kristall. Mein Sarg.

Anubis fuhr mit der Krallenhand unter ihre Haare und umfasste ihren Nacken.

„Was wird mit uns geschehen?", wisperte sie dicht an seinem Hals.

„Wir werden zerspringen."

Ein neuer Urknall, erkannte Celine überwältigt.

Der Goldstaub legte sich auf ihre Haut, kleidete sie in ihr letztes Gewand. Anubis drückte seine Wange gegen ihre Stirn, umschloss sie ganz fest.

„Bist du nun bereit zu sterben? Durch den Tod zu gehen für neues Leben?"

Celine sah ein letztes Mal auf die Erde hinab, dann schloss sie die Augen.

„Ja."

Spuren

Peter Hoeft

Erregung ergriff Ashitaka, während sich das Schiff der Oberfläche des Planeten näherte. Noch immer, auch nach fast dreißig Jahren im Dienst der Sternenflotte, schlug sein Herz höher, wenn seine Crew und er einen unbekannten Himmelskörper ansteuerten.

Eine neue Welt – und wir sind die Ersten, die sie betreten.

Der hochgewachsene Mann wandte den Kopf und fing einen Blick seines ersten Offiziers und Steuermanns Shar auf. Die beiden kannten sich seit langer Zeit. Ashitaka wusste, was seinen Freund bewegte, besonders, wenn sie nicht in ihrer Heimatsprache miteinander redeten, sondern, wie in diesem Augenblick, telepathisch kommunizierten.

Der Kapitän nickte, erhob sich und trat an die Scheibe, die fast die gesamte Vorderseite der Brücke einnahm.

„Maximale Vergrößerung", sagte er mit fester Stimme.

Ashitaka erkannte Einzelheiten der Vegetation des Planeten, den ihre Wissenschaftler erst vor einem halben Jahr entdeckt hatten: Anders als auf ihrem Heimatplaneten gab es hier offenbar keine üppigen Laub-, sondern ausschließlich Nadelbäume, zwischen denen die Seen als bläuliche Flecke hindurchschimmerten.

Nicht nur der Kapitän, sondern auch Shar und Quirin, der junge Bordarzt, der vor zwei Tagen seinen sechzigsten Geburtstag gefeiert hatte, standen auf. Während das Raumschiff tiefer sank, traten die beiden neben Ashitaka und blickten einen

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