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Der Inselkönig

Der Inselkönig

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Der Inselkönig

Länge:
86 Seiten
57 Minuten
Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 6, 2015
ISBN:
9783956174711
Format:
Buch

Beschreibung

Beim Leuchtturm hat er mich getötet, sagte Eginhard, als er auf der Insel ankam. Opa Krümchen sah, daß der Neuankömmling ohne Zunge sprach. Ja, sie haben mir die Zunge genommen, doch nun fühle ich eine unsichtbare Zunge in meinem Mund, die mir erlaubt, meine Geschichte allen zu erzählen, die sie hören wollen. Hier will sie keiner hören, sagte ein ehemaliger Hafenarbeiter bitter. Doch, ich, meldete sich Elsa Hahneweiß, die zwischen zwei Bäumen auf einer Schaukel saß und die Beine baumeln ließ. Du, aber das ist die Ausnahme, meinte die Nachbarin. Das hängt wohl damit zusammen, daß dir vom Warten langweilig geworden ist. Eine Braut, die auf ihren König wartet. In Anspielung auf E.T.A.Hoffmann und seine „Kunstnovellen“ ist dieser kleine Roman von Rudolf Stirn, in Verbeugung auf die großen Vorbilder zu lesen. Beernagel, der Gewalttäter, beherrscht als Inselkönig ein imaginäres Reich. Versuche, sich seiner zu bemächtigen, scheitern. Wird der Leser sich in den Triumph der Gewalt verwickeln lassen? Oder bleibt er vielleicht, am Ende verwundert über seine Anfälligkeit, ernüchtert zurück?
Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 6, 2015
ISBN:
9783956174711
Format:
Buch

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Der Inselkönig - Rudolf Stirn

zurück?

Die Insel

Als Beemagel das Haus verließ, wußte er, daß seine Insel in der Sonne lag. Er eilte zur Haltestelle, schlüpfte, sobald der Bus kam, lautlos hinein und schob sich auf einen freien Sitz.

Eine oder zwei Stationen fuhr er so, solange sich das Lächeln auf seinem Gesicht hielt. Dann stülpte er die Erdmaske drüber.

Fahrgastaufschrei, Fahrerentsetzen.

Ich steig ja aus, Kinder, gewiß, fürchtet euch nicht. Kann’s euch manchmal eben nicht ersparen. Tut mir schon immer leid. Nicht gut, nicht gut, ich weiß. Beemagel huschte über den Platz. Keine Sonne, kein bißchen Gemütlichkeit. Verkehr wie immer. Lärm, Getöse. Ordentliches Vollgetöse.

Er schob sich durch die Leibermenge. Weg, macht Platz. Schnaufte und schob. Fort mit euch. Rasch, aus meiner Bahn.

Beemagel riß Knöpfe ab, zerschlitzte Ärmel, drückte Hüte ein. Er trat Absätze unter den Schuhen weg. Räumte richtig auf. Nicht einmal ins Schwitzen kam er. Der städtische Abendrummel lief ihm glatt durch die Finger.

Als er bei der Insel ankam, lächelte Beemagel. Inselfriede senkte sich herab, umgab ihn mit guter Laune. Hierher, Beemagel, flötete es. Komm, halt uns fest, Vogeldieb. Beeil dich, Flüsterkönig.

Er schwenkte die Erdmaske, warf sie in die Luft hoch. Wie das schön ist. Guten Tag, Insel. Wie schön, daß ich hier bin.

Herr Mittenzwei, Ihr Hals ist hin. Schade um das viele Blut, das überall an Ihnen herunterfließt.

Wohin, wohin, echote es aus dem Inselwald. Beemagel warf das Messer in ein Ährenfeld, heulte wie ein Wolf und blökte wie ein Lamm. Löwenmähnig paradierte er über den Inselboulevard.

Sein Glück genießend, gründete er seinen Staat. Er hatte zusammengetrommelt, was er brauchte.

Über dem Bahnhofsturm kreiste ein Polizeihubschrauber. Sirenengeheul fegte durch den Busch. Beemagel duckte sich unter die Erdmaske. Er spähte ins grellgelbe Insellicht hinaus.

Mein Sonnenstaat, hörte er seine Stimme donnern. Habt Acht, habt alle Acht. Nähert euch, die ihr gekommen seid, mich zum Inselkönig zu krönen. Helft mir auf den Thron!

Er sah seine Getreuen stehen und lächelte. Hörte, wie Freudenschreie zum Himmel stiegen. Winkte. Erblickte eine Schar, die sich abseits hielt und schwieg. Schleuderte seinen Zorn auf sie.

Wehe, ihr Trübsinnigen! Wer nicht mit auf die Reise will, den muß ich hinter mir lassen.

Beemagel tanzte. Mit der Erdmaske tanzte er über den Inselboulevard.

Die Erdmaske

Die Erdmaske hing über seinem Bett und baumelte. Ausflugsmüde lag er, schlaff. Ergebnislos schlaff.

Bin ich noch ich, so will ich weiterhin ich sein, beschloß er. Dann gaffte er in den Spiegel. Beernagel ist Beemagel, darauf lasse ich niemanden spucken. Er spülte den Mund frei, räusperte den Hals und war sich einig, den Tag ganz neu zu beginnen.

Ich bin, stampfte er und war schon über den Ebenen. Sah seinen Schatten Wälder jagen. Mit Flügeln an den Füßen trat er unter die Dusche und drehte das heiße Wasser auf. Er verbrühte sich. Die Insel, die Insel, schrie er, sie landet auf meiner Haut.

Am Frühstückstisch war er ruhiger. Griff nach dem Brötchen, strich Butter darauf. Seine Frau goß Kaffee in die Tassen, warf Zuckerstückchen hinein.

Beemagel lachte, er wußte, daß er keine Frau hatte. Nicht hier, nicht hier. Er aß ganz hastig. Wollte fertig werden. Aus dem Haus stürmen. Suchte noch etwas, ja, das Messer.

Mit dem Messer in der Hand, beruhigt man das ganze Land, summte es in seinem Kopf.

Beemagel, der Täter. Wie er an diesem Morgen loszog, sein Handwerk zu verrichten. Wie er Ausschau hielt nach einem lieben Nächsten.

Du da, sagte er, und stach zu. Und zog die Klinge heraus. Verborgen unter der Maske. Versteckt im Nebel. Über den Körper gebeugt, sang er. Stimmen, Jubel von oben, von überall. Lautschallende Chöre.

Beemagel riß sich los. Er wogte weiter. Ein Schnitter im Ährenfeld. Der Inselkönig, der nach dem Rechten sah. Der den Halm prüfte. Der abmaß und stach. Ein Trumpf ohnegleichen.

Als er die Insel sah, stand die Sonne hoch. Er warf das Messer weg. Er hob es auf, tauchte es ins Meer und schleuderte es weit dahin. Später fand er es im Sand. Mein Messer, sagte Beemagel. Ich bin mein Messer.

Er lief den Strand entlang. Das Meer heulte. Die Nacht kam, und er verbarg sich vor ihr.

Als man die Fahndung aufnahm, spürte Beemagel Sand zwischen den Zähnen. Er zog durch die dunklen Gassen, trug die Erdmaske. Niemand begegnete ihm. Niemand entging ihm.

Sie wird bleiben, die Sonne wird meiner Insel durch die Nacht leuchten. Wer sie nicht sehen will, wird sie fühlen.

Er lag jetzt im Park auf einem Haufen Laub, hielt die Flasche fest. Eine leere Flasche. Über ihm drehte sich die Erdmaske.

Salz

Salz, schrie die Stimme. Weit schallte es und zog ihn an. Aus der Laubecke kroch Beemagel, der Stimme näherzukommen.

Beemagel klopfte das welke Laub von den Beinen, stampfte, querte den Park. Das Messer trug er in der Plastiktüte. Es war frisch, der Wind schlug ihm

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