Genießen Sie diesen Titel jetzt und Millionen mehr, in einer kostenlosen Testversion

Kostenlos für 30 Tage, dann für $9.99/Monat. Jederzeit kündbar.

Der Schimmelreiter

Der Schimmelreiter

Vorschau lesen

Der Schimmelreiter

Bewertungen:
3/5 (206 Bewertungen)
Länge:
148 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jun 5, 2019
ISBN:
9783961641369
Format:
Buch

Beschreibung

Der Schimmelreiter ist eine Novelle von Theodor Storm. Das im April 1888 veröffentlichte Werk ist Storms bekannteste Erzählung und zählt zu seinen Spätwerken. In der Novelle Der Schimmelreiter geht es um die Lebensgeschichte von Hauke Haien, die der Schulmeister eines Dorfes einem Reiter in einem Wirtshaus erzählt. Die Deiche in Nordfriesland, Handlungsort der Geschichte, spielen in Haukes Leben eine bedeutende Rolle. Am Ende stirbt Hauke mitsamt seiner Frau und seinem Kind einen tragischen Tod.
Herausgeber:
Freigegeben:
Jun 5, 2019
ISBN:
9783961641369
Format:
Buch

Über den Autor

Hans Theodor Woldsen Storm war von Hause aus Jurist und Schriftsteller. Er wurde geboren am 14. September 1817 in Husum im Herzogtum Schleswig und verstarb am 4. Juli 1888 in Hanerau-Hademarschen.


Ähnlich wie Der Schimmelreiter

Mehr lesen von Theodor Storm

Ähnliche Bücher

Ähnliche Artikel

Verwandte Kategorien

Buchvorschau

Der Schimmelreiter - Theodor Storm

Inhalt

Titel

Der Schimmelreiter

Theodor Storm

Der Schimmelreiter

Der Text wurde weder sprachlich modernisiert, noch der neuen geltenden Rechtschreibung angepasst, um das Charaktermerkmal nicht zu verletzen.

Ausgabe im SoTo Verlag, 2017

Bielatalstraße 14, 01824 Königstein

Vollständig und neu gesetzt durch Sandra Oelschläger

Herausgeber der Klassik-Reihe: Sandra Oelschläger

Umschlaggestaltung unter Verwendung von Bildern,

die der Creative Commons CC0 unterliegen.

ISBN Print: 978-1542617598

ISBN Großdruck: 978-1542617611

ISBN EPUB: 9783961641369

www.buch-klassiker.de

This work is available for countries where copyright is +70.

Was ich zu berichten beabsichtige, ist mir vor reichlich einem halben Jahrhundert im Hause meiner Urgroßmutter, der alten Frau Senator Feddersen, kundgeworden, während ich, an ihrem Lehnstuhl sitzend, mich mit dem Lesen eines in blaue Pappe eingebundenen Zeitschriftenheftes beschäftigte; ich vermag mich nicht mehr zu entsinnen, ob von den »Leipziger« oder von »Pappes Hamburger Lesefrüchten«. Noch fühl ich es gleich einem Schauer, wie dabei die linde Hand der über Achtzigjährigen mitunter liebkosend über das Haupthaar ihres Urenkels hinglitt. Sie selbst und jene Zeit sind längst begraben; vergebens auch habe ich seitdem jenen Blättern nachgeforscht, und ich kann daher um so weniger weder die Wahrheit der Tatsachen verbürgen, als, wenn jemand sie bestreiten wollte, dafür aufstehen; nur so viel kann ich versichern, daß ich sie seit jener Zeit, obgleich sie durch keinen äußeren Anlaß in mir aufs neue belebt wurden, niemals aus dem Gedächtnis verloren habe.

Es war im dritten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts, an einem Oktobernachmittag – so begann der damalige Erzähler –, als ich bei starkem Unwetter auf einem nordfriesischen Deich entlangritt. Zur Linken hatte ich jetzt schon seit über einer Stunde die öde, bereits von allem Vieh geleerte Marsch, zur Rechten, und zwar in unbehaglichster Nähe, das Wattenmeer der Nordsee; zwar sollte man vom Deiche aus auf Halligen und Inseln sehen können; aber ich sah nichts als die gelbgrauen Wellen, die unaufhörlich wie mit Wutgebrüll an den Deich hinaufschlugen und mitunter mich und das Pferd mit schmutzigem Schaum bespritzten; dahinter wüste Dämmerung, die Himmel und Erde nicht unterscheiden ließ; denn auch der halbe Mond, der jetzt in der Höhe stand, war meist von treibendem Wolkendunkel überzogen. Es war eiskalt; meine verklommenen Hände konnten kaum den Zügel halten, und ich verdachte es nicht den Krähen und Möwen, die sich fortwährend krächzend und gackernd vom Sturm ins Land hineintreiben ließen. Die Nachtdämmerung hatte begonnen, und schon konnte ich nicht mehr mit Sicherheit die Hufen meines Pferdes erkennen; keine Menschenseele war mir begegnet, ich hörte nichts als das Geschrei der Vögel, wenn sie mich oder meine treue Stute fast mit den langen Flügeln streiften, und das Toben von Wind und Wasser. Ich leugne nicht, ich wünschte mich mitunter in sicheres Quartier.

Das Wetter dauerte jetzt in den dritten Tag, und ich hatte mich schon über Gebühr von einem mir besonders lieben Verwandten auf seinem Hofe halten lassen, den er in einer der nördlicheren Harden besaß. Heute aber ging es nicht länger; ich hatte Geschäfte in der Stadt, die auch jetzt wohl noch ein paar Stunden weit nach Süden vor mir lag, und trotz aller Überredungskünste des Vetters und seiner lieben Frau, trotz der schönen selbstgezogenen Perinette- und Grand-Richard-Äpfel, die noch zu probieren waren, am Nachmittag war ich davongeritten. »Wart nur, bis du ans Meer kommst«, hatte er noch an seiner Haustür mir nachgerufen; »du kehrst noch wieder um; dein Zimmer wird dir vorbehalten!«

Und wirklich, einen Augenblick, als eine schwarze Wolkenschicht es pechfinster um mich machte und gleichzeitig die heulenden Böen mich samt meiner Stute vom Deich herabzudrängen suchten, fuhr es mir wohl durch den Kopf. ›Sei kein Narr! Kehr um und setz dich zu deinen Freunden ins warme Nest.‹ Dann aber fiel‘s mir ein, der Weg zurück war wohl noch länger als der nach meinem Reiseziel; und so trabte ich weiter, den Kragen meines Mantels um die Ohren ziehend.

Jetzt aber kam auf dem Deiche etwas gegen mich heran; ich hörte nichts; aber immer deutlicher, wenn der halbe Mond ein karges Licht herabließ, glaubte ich eine dunkle Gestalt zu erkennen, und bald, da sie näher kam, sah ich es, sie saß auf einem Pferde, einem hochbeinigen hageren Schimmel; ein dunkler Mantel flatterte um ihre Schultern, und im Vorbeifliegen sahen mich zwei brennende Augen aus einem bleichen Antlitz an.

Wer war das? Was wollte der? – Und jetzt fiel mir bei, ich hatte keinen Hufschlag, kein Keuchen des Pferdes vernommen; und Roß und Reiter waren doch hart an mir vorbeigefahren!

In Gedanken darüber ritt ich weiter, aber ich hatte nicht lange Zeit zum Denken, schon fuhr es von rückwärts wieder an mir vorbei; mir war, als streifte mich der fliegende Mantel, und die Erscheinung war, wie das erste Mal, lautlos an mir vorübergestoben. Dann sah ich sie fern und ferner vor mir; dann war‘s, als säh ich plötzlich ihren Schatten an der Binnenseite des Deiches hinuntergehen.

Etwas zögernd ritt ich hintendrein. Als ich jene Stelle erreicht hatte, sah ich hart am Deich im Kooge unten das Wasser einer großen Wehle blinken – so nennen sie dort die Brüche, welche von den Sturmfluten in das Land gerissen werden und die dann meist als kleine, aber tiefgründige Teiche stehen bleiben.

Das Wasser war, trotz des schützenden Deiches, auffallend bewegt; der Reiter konnte es nicht getrübt haben; ich sah nichts weiter von ihm. Aber ein anderes sah ich, das ich mit Freuden jetzt begrüßte: vor mir, von unten aus dem Kooge, schimmerten eine Menge zerstreuter Lichtscheine zu mir herauf, sie schienen aus jenen langgestreckten friesischen Häusern zu kommen, die vereinzelt auf mehr oder minder hohen Werften lagen, dicht vor mir aber auf halber Höhe des Binnendeiches lag ein großes Haus derselben Art; an der Südseite, rechts von der Haustür, sah ich alle Fenster erleuchtet; dahinter gewahrte ich Menschen und glaubte trotz des Sturmes sie zu hören. Mein Pferd war schon von selbst auf den Weg am Deich hinabgeschritten, der mich vor die Tür des Hauses führte. Ich sah wohl, daß es ein Wirtshaus war; denn vor den Fenstern gewahrte ich die sogenannten »Ricks«, das heißt auf zwei Ständern ruhende Balken mit großen eisernen Ringen, zum Anbinden des Viehes und der Pferde, die hier haltmachten.

Ich band das meine an einen derselben und überwies es dann dem Knechte, der mir beim Eintritt in den Flur entgegenkam: »Ist hier Versammlung?« frug ich ihn, da mir jetzt deutlich ein Geräusch von Menschenstimmen und Gläserklirren aus der Stubentür entgegendrang.

»Is wull so wat«, entgegnete der Knecht auf plattdeutsch – und ich erfuhr nachher, daß dieses neben dem Friesischen hier schon seit über hundert Jahren im Schwange gewesen sei –, »Diekgraf und Gevollmächtigten un wecke von de annern Interessenten! Dat is um ‚t hoge Water!«

Als ich eintrat, sah ich etwa ein Dutzend Männer an einem Tische sitzen, der unter den Fenstern entlanglief, eine Punschbowle stand darauf, und ein besonders stattlicher Mann schien die Herrschaft über sie zu führen.

Ich grüßte und bat, mich zu ihnen setzen zu dürfen, was bereitwillig gestattet wurde. »Sie halten hier die Wacht!« sagte ich, mich zu jenem Mann wendend, »es ist bös Wetter draußen; die Deiche werden ihre Not haben!«

»Gewiß«, erwiderte er; »wir, hier an der Ostseite, aber glauben, jetzt außer Gefahr zu sein; nur drüben an der andern Seite ist‘s nicht sicher, die Deiche sind dort meist noch mehr nach altem Muster; unser Hauptdeich ist schon im vorigen Jahrhundert umgelegt. – Uns ist vorhin da draußen kalt geworden, und Ihnen«, setzte er hinzu, »wird es ebenso gegangen sein; aber wir müssen hier noch ein paar Stunden aushalten; wir haben sichere Leute draußen, die uns Bericht erstatten.« Und ehe ich meine Bestellung bei dem Wirte machen konnte, war schon ein dampfendes Glas mir hingeschoben.

Ich erfuhr bald, daß mein freundlicher Nachbar der Deichgraf sei; wir waren ins Gespräch gekommen, und ich hatte begonnen, ihm meine seltsame Begegnung auf dem Deiche zu erzählen. Er wurde aufmerksam, und ich bemerkte plötzlich, daß alles Gespräch umher verstummt war. »Der Schimmelreiter!« rief einer aus der Gesellschaft, und eine Bewegung des Erschreckens ging durch die übrigen.

Der Deichgraf war aufgestanden. »Ihr braucht nicht zu erschrecken«, sprach er über den Tisch hin; »das ist nicht bloß für uns; Anno 17 hat es auch denen drüben gegolten; mögen sie auf alles vorgefaßt sein!«

Mich wollte nachträglich ein Grauen überlaufen. »Verzeiht!« sprach ich, »was ist das mit dem Schimmelreiter?«

Abseits hinter dem Ofen, ein wenig gebückt, saß ein kleiner hagerer Mann in einem abgeschabten schwarzen Röcklein; die eine Schulter schien ein wenig ausgewachsen. Er hatte mit keinem Worte an der Unterhaltung der andern teilgenommen, aber seine bei dem spärlichen grauen Haupthaar noch immer mit dunklen Wimpern besäumten Augen zeigten deutlich, daß er nicht zum Schlaf hier sitze.

Gegen diesen streckte der Deichgraf seine Hand. »Unser Schulmeister«, sagte er mit erhobener Stimme, »wird von uns hier Ihnen das am besten erzählen können; freilich nur in seiner Weise und nicht so richtig, wie zu Haus meine alte Wirtschafterin Antje Vollmers es beschaffen würde.«

»Ihr scherzet, Deichgraf!« kam die etwas kränkliche Stimme des Schulmeisters hinter dem Ofen hervor, »daß Ihr mir Euern dummen Drachen wollt zur Seite stellen!«

»Ja, ja, Schulmeister!« erwiderte der andere, »aber bei den Drachen sollen derlei Geschichten am besten in Verwahrung sein!«

»Freilich!« sagte der kleine Herr; »wir sind hierin nicht ganz derselben Meinung«; und ein überlegenes Lächeln glitt über das feine Gesicht.

»Sie sehen wohl«, raunte der Deichgraf mir ins Ohr; »er ist immer noch ein wenig hochmütig; er hat in seiner Jugend einmal Theologie studiert und ist nur einer verfehlten Brautschaft wegen hier in seiner Heimat als Schulmeister behangen geblieben.«

Dieser war inzwischen aus seiner Ofenecke hervorgekommen und hatte sich neben mir an den langen Tisch gesetzt. »Erzählt, erzählt nur, Schulmeister«, riefen ein paar der jüngeren aus der Gesellschaft.

»Nun freilich«, sagte der Alte, sich zu mir wendend, »will ich gern zu Willen sein; aber es ist viel Aberglaube dazwischen und eine Kunst, es ohne diesen zu erzählen.«

»Ich muß Euch bitten, den nicht auszulassen«, erwiderte ich; »traut mir nur zu, daß ich schon selbst die Spreu vom Weizen sondern werde!«

Der Alte sah mich mit verständnisvollem Lächeln an. »Nun also!« sagte er. »In der Mitte des vorigen Jahrhunderts, oder vielmehr, um genauer zu bestimmen, vor und nach derselben, gab es hier einen Deichgrafen, der von Deich- und Sielsachen mehr verstand, als Bauern und Hofbesitzer sonst zu verstehen pflegen; aber es reichte doch wohl kaum, denn was die studierten Fachleute darüber niedergeschrieben, davon hatte er wenig gelesen; sein Wissen hatte er sich, wenn auch von Kindesbeinen an, nur selber ausgesonnen. Ihr hörtet wohl schon, Herr, die Friesen rechnen gut, und habet auch wohl schon über unsern Hans Mommsen von Fahretoft reden hören, der ein Bauer war und doch Bussolen und Seeuhren, Teleskopen und Orgeln machen konnte. Nun, ein Stück von solch einem Manne war auch der Vater des nachherigen Deichgrafen gewesen; freilich wohl nur ein kleines. Er hatte ein paar Fennen, wo er Raps und Bohnen baute, auch eine Kuh graste, ging unterweilen im Herbst und Frühjahr auch aufs Landmessen und saß im Winter, wenn der Nordwest von draußen kam und an seinen Läden rüttelte, zu ritzen und zu prickeln, in seiner Stube. Der Junge saß meist dabei und sah über seine Fibel oder Bibel weg dem Vater zu, wie er maß und berechnete, und grub sich mit der Hand in seinen blonden Haaren. Und eines Abends frug er den Alten, warum denn das, was er eben hingeschrieben hatte, gerade so sein müsse und nicht anders sein könne, und stellte dann eine eigene Meinung darüber auf Aber der Vater, der darauf nicht zu

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. Registrieren Sie sich, um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Der Schimmelreiter denken

3.0
206 Bewertungen / 8 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen

  • (3/5)
    This is Denis Jackson's nice translation of Theodor Storm's Der Schimmelreiter (first published in 1888). Storm's novella presents the legend of Hauke Haien as recounted by an old teacher, a `rationalist' who doubts the supernatural elements of the tale. The teacher depicts Hauke as a great innovator whose engineering prowess gave him superior powers over nature, enabling him to design a better dyke to protect the community. The people respond with dark suspicion and rumors that he's in league with the devil. In the teacher's version of the tale, the supposedly supernatural elements figure only ambiguously. So, e.g., there is a seemingly spectral horse, which is sold to Hauke by someone who laughs like `the devil' (p. 72). But nothing much comes of this. In the rest of the story the horse is like a natural, though somewhat wild, horse, one that only Hauke can tame (just as he alone can tame the sea with better dykes). Then there's Trin Jans, who is presented not as a real witch but rather as ... well, as the sort of character who becomes a witch in more fanciful legends. Thus, while the old teacher is aware of the supernatural aspects of the tale, he reigns them in to make them conform to a naturalistic interpretation. The resulting narrative is in places quite eerie. Examples include the narrator's partly anthropomorphic characterization of some birds on the tidal flats (pgs. 22 & 99) and Trin Jans' uncanny story about a mermaid, which actually makes the mermaid seem terrifying, like something more and less than human (p. 98). In both cases the author embeds fragmentary human traits in what are ultimately strange, alien creatures that, like nature itself, efface humanity with a chilly indifference. As an epitome of Freud's account of the uncanny in fiction, the tale charts a mundane landscape suffused with potentially supernatural elements that appear fleetingly in ambiguous forms, never quite surfacing as truly supernatural phenomena but, instead, appearing to be at home in the confines of nature. There is thus an ongoing juxtaposition of the world as (on the one hand) a natural order that fits the technical-scientific templates of reason and (on the other hand) a chaotic abyss from which wild, non-rational forces periodically erupt with cataclysmic effect. These unpredictable forces find their echo in the human psyche. Hauke Haien, a paragon of reason, isn't alert to these destructive elements in his own soul, so he's unaware of how they have eroded his own foundations over the years. Eventually, they catch him totally unawares, welling up from within and casting him into the abyss. Such a psychological reading is pursued in a meticulously Freudian (all too Freudian) direction by Anette Schwarz in her paper, “Social Subjects and Tragic Legacies: The Uncanny in Theodor Storm's Der Schimmelreiter” (The Germanic Review 73.3 [Summer 1998]: 251). Schwarz points out that neither Hauke nor his wife (Elke) has a mother who figures in the narrative, and that Trin Jans stands in symbolically as the mother figure.
  • (4/5)
    Hauke Haien lebt in einem Ort nahe eines Deiches. Als er heranwächst und sowohl er, als auch sein Vater seinen Müßiggang leid sind, ersucht er den Deichgrafen um eine Anstellung. Der Deichgraf versteht nicht viel von Zahlen und Berechnungen und da Hauke ein kluger Bursche ist, lässt er ihn für sich arbeiten. So steigt er immer weiter in der Gunst des Grafen und als dieser schließlich stirbt, übernimmt Hauke schließlich seinen Posten und vermählt sich mit seiner Tochter Elke. Doch die geistige Überlegenheit des neuen Deichgrafen stößt der Gemeinde bitter auf und schon bald zeigen sie ihrem neuen Herrn gegenüber Widerstand. Doch Haukes Gedanken sind voll der Idee eines neuen Deiches. Des Öfteren wurde jedoch ein weißes Pferd inmitten der Fluten gesichtet. Als Hauke Haien eines Tages mit einem eben solchen Pferd auf seinen Hof kommt, geht ein Flüstern um.Die Novelle beginnt mit einer Einleitung des Erzählers, hier wohl der Autor selbst – Theodor Storm. Er berichtet dem Leser wie er zu dieser Erzählung gelangt ist.Die Rahmenhandlung umfasst die Geschichte eines Reisenden, der bei einem Ritt auf dem Deich den Schimmelreiter zu sehen glaubte. Er findet einen Gasthof und wird dort vom anwesenden Schulmeister in die Geschichte des Schimmelreiters eingeweiht.Hier beginnt die Geschichte um den jungen Hauke Haine, der heranwächst und die Deichgrafschaft übernimmt und sich dabei vielen Hindernissen und Anfeindungen entgegenstellen muss. Doch seine Frau Elke gibt ihm Kraft, denn sie steht in jeder Lebenssituation hinter ihm.Für den modernen Leser ist die Novelle etwas schwerfällig verfasst. Die Sprache des Autor von 1888 ist ein wenig gewöhnungsbedürftig, dennoch positiv zu bewerten, da dadurch das Leben der damaligen Zeit viel näher ist. Und hat man sich erst einmal daran gewöhnt, geht das Lesen leicht von der Hand. Hauke und Elke sind zwei sehr sympathisch gezeichnete Figuren. Hauke wirkt obsessiv gegenüber der Arbeit an einem Deich, während Elke die ruhige Hand im Hintergrund ist, die ihren Ehemann immer wieder auffängt und verteidigt.Das Lesen begann erst sehr langsam und schwer, steigerte sich jedoch zum Ende.
  • (4/5)
    This is another of those books that tends to get dismissed as a “school text” - I'm sure that's why it took me so long to get around to reading it. And it's a shame, because it's a great story, and you can read it quite comfortably in a couple of evenings. Preferably stormy winter evenings, of course.The Frisian atmosphere, with plenty of dikes and storms and seagulls, is exactly what you'd expect, but it's a bit of a surprise to discover that it's a reflection on the conflict between conservative superstition and enlightened scientific progress cast in - of all things - the hackneyed format of a Romantic ghost story, complete with a stormbound traveller, a lonely country inn, and an indigenous storyteller. A nice touch, with plenty of scope for irony. Thomas Hardy eat your heart out...
  • (5/5)
    Theodor Storm (1817-1888) began his career as a lyric poet. He eventually turned to prose and the novella became his preferred medium. His poetic gift lent itself well to the form, enabling him to evoke mood, landscape and character with simple yet lyric majesty. He is the prime artisan of poetic realism.Many of his novella are set in the past yet the tales are often enclosed within the framework of his own contemporary times. This simple yet effective technique enables Storm to explore the often conflicting viewpoints of the narrator with the main characters of his tale, to examine shifting historical perspectives and, ultimately the transcience of life. Der Schimmelreiter (The Dykemaster) is recognised as his masterpiece and is definitely one of the cornerstones of 19th Century German Literature. I have just indulged myself reading the wonderful translation by Denis Jackson, published by Angel Clasics. It's a translation which does justice to Storm's prose - it reads as though it were an original English text.Quoting from the blurb on the cover:"The Dykemaster is a tale of a visionary young north Friesian Deichgraf of the 18th centruy, creator of a new form of dyke. The short-sighted and self-seeking community with which he is at odds turns him into a phantom, seen riding his grey along the dyke whenever the sea threatens to break through. The rationalistic storyteller, in a highly sophisticated narrative structure, belongs to a later age, and what he relates is a veiled critique of the dyke officials of his own day.The eerie west Schleswig-Holstein coast, with its vast, hallucinatory tidal flats, hushed polders and terrifying North Sea, is the setting for a tale which grips from first page to last with its dynamic tensions and shifts of focus, mood and pace. Storm's dense narrative further invites the reader to ask whether progress is possible, how the historical record is established , what parts are played by the rational and the irrational in human existence."All that in just 117 pages! Simply magnificent.
  • (5/5)
    Plot: The life of the central character, with a few side plots to introduce other characters. Uncomplicated and streamlined. Characters: Most attention goes to the central character. Side characters are sparsely sketched. An interesting touch is that animals are given characters just like other side characters. Style: The language is at times hard to read, with numerous words that have gone out of use in German by now. Complex sentence structure that demands attention. The scenes are short, for the most part. What is interesting is the double frame narrative. Plus: The constant build-up of the eerie atmosphere. Minus: The legend could have gotten a bit more attention at the end. Summary: Absolute classic and an excellent read.
  • (3/5)
    finally read it. easier to read than expected. a little bit spooky and mysterious. you dont really know what happens with the schimmelreiter and his family. how did their lives end?
  • (5/5)
    Obwohl "Der Schimmelreiter" eine der bekanntesten deutschen Novellen ist, habe ich sie weder in der Schule noch im Studium gelesen. So konnte ich dieses wunderbare Hörbuch unvoreingenommen hören und bin begeistert. Hauke Haien ist ein junger, hochintelligenter Mann, der als Kleinknecht beim Deichgrafen anfängt. Durch die Beziehung zur Tochter des Deichgrafen, die er nach dessen Tod heiratet, wird er selbst zum Deichgraf. Er hat gute und neue Ideen, doch die abergläubischen und missgünstigen Dorfbewohner, allen voran sein alter Widersacher Ole Peters, stellen sich gegen ihn. So wird er immer abweisender, obwohl er in seiner Beziehung zu Elke und ihrem geistig behinderten Kind Wienke als ein liebevoller Mensch geschildert wird. Das Buch hat mich an vielen Stellen beeindruckt. Die kraftvolle Sprache gefiel mir sehr. Die Personen sind wunderbar herausgearbeitet. Die Liebesgeschichte zwischen Hauke und Elke geht zu Herzen. Die Bitterkeit Haukes entwicklet sich nachvollziehbar und machte mich beim Hören sehr traurig. Ich fand das Buch absolut super.
  • (5/5)
    Easily the best book I have read about dikes in 18th century Frisia. That flippancy aside, this is a brilliant evocation of: the power of nature, the importance to identity of work, small town politics, and familial love, all wrapped up in a gripping climax. A condensed master class in how to write great literature. The English translation is not bad, with only a few clunky passages.