Erfreu Dich an Millionen von E-Books, Hörbüchern, Magazinen und mehr

Nur $11.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Sechs Pecos Western Januar 2018

Sechs Pecos Western Januar 2018

Vorschau lesen

Sechs Pecos Western Januar 2018

Länge:
912 Seiten
10 Stunden
Freigegeben:
12. Juni 2019
ISBN:
9781386178156
Format:
Buch

Beschreibung

Januar 2018 – Sechs Pecos Western

Männer im Kampf um Recht und Rache.

Diese Buch enthält folgende Romane:

Horst Weymar Hübner: Ritt ohne Hoffnung

Alfred Bekker: Die Todesreiter vom Rio Pecos

Frank Callahan: Bill Warbow, der Glücksritter

Leslie West: Schamane der Zeiten

Pat Urban: Nur ein Sergeant

Joachim Honnef: Waco der Texaner

Als die Männer der O'Malley-Ranch ihre Tiere zum jährlichen Round up zusammengetrieben haben, fällt die Bande von Barry Walton über sie her. Waltons Männer reiten mit Uniformen, die sie von einem Army-Transport erbeutet haben und behaupten einfach, dass die O'Malley-Herde beschlagnahmt sei. Es kommt zum Kampf. Gordon O'Malley und zwei seiner drei Cowboys kommen ums Leben. Nur sein Sohn Jed O'Malley kommt davon - und schwört blutige Rache.

Freigegeben:
12. Juni 2019
ISBN:
9781386178156
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


Ähnlich wie Sechs Pecos Western Januar 2018

Mehr lesen von Alfred Bekker

Buchvorschau

Sechs Pecos Western Januar 2018 - Alfred Bekker

Januar 2018 – Sechs Pecos Western

Männer im Kampf um Recht und Rache.

Diese Buch enthält folgende Romane:

Horst Weymar Hübner: Ritt ohne Hoffnung

Alfred Bekker: Die Todesreiter vom Rio Pecos

Frank Callahan: Bill Warbow, der Glücksritter

Leslie West: Schamane der Zeiten

Pat Urban: Nur ein Sergeant

Joachim Honnef: Waco der Texaner

ALS DIE MÄNNER DER O'Malley-Ranch ihre Tiere zum jährlichen Round up zusammengetrieben haben, fällt die Bande von Barry Walton über sie her. Waltons Männer reiten mit Uniformen, die sie von einem Army-Transport erbeutet haben und behaupten einfach, dass die O'Malley-Herde beschlagnahmt sei. Es kommt zum Kampf. Gordon O'Malley und zwei seiner drei Cowboys kommen ums Leben. Nur sein Sohn Jed O'Malley kommt davon - und schwört blutige Rache.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author / Cover Firuz Askin

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Ritt ohne Hoffnung

Western von Horst Weymar Hübner

Der Umfang dieses Buchs entspricht 119 Taschenbuchseiten.

Jim Haskell hat nur noch ein paar Dollars in der Tasche. Auf ehrliche Weise würde er gern zu mehr Geld kommen. Da hilft der Zufall nach. Mit drei weiteren Männern macht er sich auf den Weg, um eine riesige Herde Rinder zusammenzutreiben, die keinem gehört, und um diese dann zu verkaufen.

Aber es gibt noch jemand anderen, der diese Rinder für sich beanspruchen will. Es kommt zu einem Wettlauf mit der Zeit und zu einem Kampf um das eigene Leben ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

1

Der Fahrweg ist ausgeleiert und knochentrocken, und Jim Haskell befürchtet, dass sich der Ziegenbock, den er unter dem geflickten Sattel hat, gleich noch ein Bein brechen wird. Er treibt ihn vom Weg herunter, weil er nicht noch einmal vierzig Dollar für einen Gaul ausgeben kann, der sich hinterher als Satansbraten reinsten Blutes entpuppt. Zudem wäre Jim Haskell aufgeschmissen, wenn er das Pferd hier erschießen müsste, weil es sich verletzt. Hier gibt es weit und breit keine Ansiedlung. Und wenn er doch zufällig auf eine Handelsstation stoßen sollte, wäre es fraglich, ob ihm die Leute bei seinem abgerissenen Aussehen einen Gaul eintauschen würden, denn Jim Haskell hat keine vierzig Dollar mehr. Er besitzt noch genau sechs Dollar und fünfzig Cents. Und dafür bekommt er nicht einmal einen Pferdeurgroßvater.

Jim Haskell reibt über sein Kinn. Sein sechs Tage alter Bart knistert, Sand rieselt heraus.

„Ziemlich trockene Gegend", findet Jim und reitet neben dem Weg her auf eine Felsgruppe zu.

In der flimmernden Luft kann Jim Haskell nach einiger Zeit Bäume zwischen den aufragenden Felsen erkennen. Die Steinbrocken sind haushoch und wirken wie von Gigantenfaust zusammengefegt. Das übrige Land ist eben wie ein Brett. Nicht einmal Büsche gibt es. Das Gras ist unter der gnadenlosen Sonne längst verdorrt.

Jim Haskell leckt sich über die aufgesprungenen Lippen und horcht dabei auf das hohle Keuchen, das der Gaul von sich gibt. Seit einer Stunde schon ist der Gang des Tieres ungenau, und immer öfter stolpert es und rüttelt Jims Knochen durcheinander.

Aber plötzlich wirft der Gaul den Kopf hoch und wittert zu den Felsen hin. Und dann strafft er sich und trottet zügig los. Jim Haskell stützt sich auf das Sattelhorn. Die überraschende Eile des Gaules kann nur bedeuten, dass es dort vorn Wasser gibt. Eigentlich hatte Jim nur auf etwas kühlenden Schatten und ein paar grüne Zweige für das Pferd gehofft.

Der Fahrweg führt genau zwischen die Felsen. Jim blickt noch einmal rundum, ehe er zwischen zwei gezackte Brocken reitet. Hinter ihm ist außer dem dünnen Staubschleier, den die Hufe aufwirbelten, nichts zu erkennen. Rechts flirrt die Luft über dem Boden, und links bietet sich derselbe trostlose Anblick: eines ausgedörrten, verbrannten Landes. Jenseits der Felsen wird es vermutlich genau so aussehen.

Jim Haskell lässt den Gaul zwischen die Felsen trotten und legt dabei die Hand leicht auf den Kolben seines Revolvers. Doch hier hält sich nichts versteckt - kein Raubzeug und keine Menschen. Dieser Platz ist genauso verlassen wie das Land draußen. Gelegentlich kommen Wagen vorbei, vielleicht die Postkutsche. Mehr verraten die Spuren nicht.

Jim Haskell zählt neun gewaltige Felsbrocken und fünf Bäume. Der Platz inmitten der Felsen ist von spärlichem Gras bedeckt, das zudem ziemlich abgerupft wirkt. Da und dort liegen Pferdeäpfel.

Der Weg verlässt das Felsenrondell ziemlich genau gegenüber jener Stelle, an der er hereinführt.

Jim Haskell steigt ab und lässt das Pferd weitertrotten. Der Gaul strebt einer Nische zu, die von zwei fast rechtwinklig zueinander stehenden Felsen gebildet wird. Das dumpfe Hufgeklapper erstirbt, der Gaul reckt den Kopf vor und bläst schnarchend durch die Nüstern. Dann wendet er den Kopf und wiehert zornig und herausfordernd zugleich.

„Ja, ich komme ja schon", sagt Jim Haskell, und geht mit schleppenden Schritten hinüber.

Der Gaul hat die Wasserstelle entdeckt. Sie liegt so tief, dass das Tier nicht herankommt. Jim Haskell steigt in eine Art Grube. In das Erdreich sind Stufen geschlagen, und ihr Erhaltungsgrad sagt aus, dass diese Wasserstelle öfter benutzt wird. Am Boden der Grube existiert eine Steinwanne. Das Wasser darin ist glasklar. Jim kann die Steine erkennen, die am Grunde liegen.

Er nimmt den verbeulten und verstaubten Hut ab, schlägt ihn aus und schöpft mit hohlen Händen Wasser, das er sich ins Gesicht klatscht. Zu seinem Erstaunen ist das Wasser eiskalt, obgleich die Sonne voll in die Grube hereinscheint. Jim wäscht sich den Dreck und die Salzkruste aus dem Gesicht und trinkt dann, während oben der Gaul ungeduldig mit den Hufen scharrt und böse schnaubt.

Nachdem Jim Haskell für seine augenblicklichen Bedürfnisse gesorgt hat, füllt er seinen Hut mit Wasser und steigt hinauf, um den Gaul zu tränken. Der Hut ist äußerst schadhaft und der Gaul sehr durstig. Jim muss den Weg über die abgebröckelten Stufen im Erdreich sechsmal machen, bis der Gaul endlich seinen Durst gelöscht hat. Dann nimmt Jim Haskell dem Tier den Sattel und die Deckenrolle ab und lässt es laufen. Den Schatten der Bäume und den Bereich der Felsen wird der Gaul freiwillig nicht verlassen.

Jim schleppt Sattel und Gepäck unter einen Baum, prüft den Stand der Sonne, und streckt sich dann aus, um ein Auge voll Schlaf zu nehmen. Wer schläft, spürt keinen Hunger. Jim Haskells Vorräte sind aufgebraucht. Er hat noch etwas Tabak, ein paar Blatt Zigarettenpapier und etliche Streichhölzer. Ein paar Minuten schaut Jim Haskell noch dem Gaul zu, der sich über das vorhandene Gras hermacht, dann bettet er den Kopf auf den Sattel, deckt sich den tropfnassen Hut aufs Gesicht, und schläft auch schon ein.

Lange währt seine Ruhe indes nicht, denn plötzlich wiehert Jim Haskells Gaul so schrill, als solle er bei lebendigem Leibe gebraten werden. Von einem zum anderen Augenblick ist Jim wach, bleibt einen Herzschlag lang liegen, und greift dann nach seinem Gewehr, als er von irgendwo her jagenden Hufschlag hört.

Jim Haskells geübtes Gehör macht ein Pferd aus. Das Ziel dieses eiligen Reiters scheint geradewegs dieser Felsenplatz mit der Wasserstelle zu sein.

Das Gewehr steckt noch im Scabbard, und dieser ist am Sattel festgebunden. Mit einem heftigen Ruck zieht Jim Haskell die Waffe heraus, schwingt sie hoch und kniet im selben Moment schon. Dann schnellt er hoch und überquert geduckt den freien Platz innerhalb der Felsen. Aus den Augenwinkeln sieht er seinen Gaul in der Nähe des Wasserloches stehen und zu jener Stelle hinäugen, wo der Weg den Felsenplatz verlässt.

Etwas außer Atem erreicht der Mann Jim Haskell den linken Felsen, der etwas überhängt. Aus voller Fahrt geht er auf die Knie, prallt mit der Schulter gegen den Stein und schiebt Gewehrlauf und Kopf gleichzeitig um die Kante. Der trommelnde Hufschlag knallt jetzt überlaut, und da erkennt Jim Haskell auch bereits, dass da eine Sache auf ihn zukommt, die ihm nicht im Mindesten behagt.

Vielleicht noch hundert Galoppsprünge von den Felsen entfernt fegt ein Reiter heran, der sich tief auf den Hals seines verrückt gefleckten Pferdes beugt. Der Bursche hat seinen Hut verloren. Brandrotes Haar leuchtet grell in der Sonne. Der Kerl reitet wie der Teufel und fordert seinem hochbeinigen Schecken allerhand ab. Dieser eine Mann würde Jim Haskell nicht außerordentlich beunruhigen. Was ihn jedoch gedämpft fluchen lässt, sind jene emsigen Reiter, die nicht minder zäh und verbissen hinter dem rothaarigen Mister hergesaust kommen.

Sieben oder acht Mann müssen es sein. Jim Haskell kann sie nicht genau zählen, denn der rothaarige Mann reitet nicht auf dem Weg, sondern etliche Yards daneben, dort, wo das Land ausgetrocknet ist und der Sand schon zu wehen beginnt, wenn man nur niest. In der langen Staubfahne, die die wirbelnden Beine des Schecken hochreißen, sind die Gäule der Verfolger nur als dunkle Klumpen auszumachen. Da und dort taucht ein Hut hoch, wenn sich einer der Reiter aufrichtet.

Jetzt kommt der rothaarige Mann zwischen die Felsen gejagt. Er blickt über die Schulter auf seine Verfolger, reißt den Kopf nach vorn und springt in voller Fahrt aus dem Sattel. Das Pferd jagt unter die Bäume, Jim Haskells Gaul rennt wiehernd hinterher, und etliche Schritte hinter Haskell überschlägt sich der rothaarige Mister zweimal, bleibt auf dem Gesicht liegen, und beginnt zu fluchen. Seine Stimme klingt etwas gequetscht und quäkend.

Jim Haskell denkt, dass dies durch die Lage des Mannes bedingt ist, aber da rollt sich der Kerl schon herum, schnellt auf die Füße und fischt mit der rechten Hand den Revolver aus dem Holster, während er bereits zurückläuft und drohend die Waffe gegen die Verfolger richtet.

Mitten im Lauf stockt der Bursche, als er Jim Haskell am Fuß des einen Felsens entdeckt. Der rothaarige Mann ist klein und dürr. Er besitzt die krummsten Beine, die Jim Haskell je gesehen hat. Sein Gesicht weist zwar einige Schrammen und blutige Risse auf, die nicht allein durch die ungewöhnliche Art des Absteigers zustande gekommen sein können, aber eine gewisse Ähnlichkeit dieses Mannes mit einem Eichhörnchen ist unverkennbar.

„He, bei meiner Seele und beim Leben meines Großvaters, Mister, was ist denn das für ein lausiger Trick?", knurrt der kleine Kerl und schwenkt den Revolver auf Jim Haskell.

Der lässt sein Gewehr auf die Verfolger gerichtet, die jetzt ihre Pferde zügeln und noch mehr Staub draußen aufwirbeln.

„Von welchem Trick redest du, Mister?, fragt Jim Haskell. „Ich gehöre nicht zu diesem Verein da draußen, falls es dich interessiert. Aber du hast mich in meiner wohlverdienten Ruhe gestört, und dafür sollte ich dir was auf deinen Schädel geben. Vielleicht erspare ich mir dann größeren Kummer. Mir scheint, du hast diese Gentlemen da draußen mächtig geärgert. Ich werde sie fragen, ob es für dich eine Belohnung gibt.

Der krummbeinige Kerl fuchtelt jetzt mit dem Revolver herum.

„Mach bloß keine Späße mit mir, sagt er keuchend und aufsässig. „Sonst schieße ich dich tot und nehme deinen Gaul mit. Und dann erwischen mich diese Pfeffersäcke da draußen nie mehr.

„So, totschießen?, sagt Jim Haskell und beginnt dünn zu grinsen. „Bist du auch ganz sicher, dass du noch eine Patrone für diesen Zweck hast?

Der kleine Kerl starrt auf seine Waffe, beginnt dann zu fluchen und kratzt sich mit der linken Hand in seinem roten Haar.

„Verdammt, das Pech hängt an mir fest wie der Dreck dieses unfreundlichen Landes! Mister, und wenn ich doch noch Patronen habe?"

„Dann hättest du während des Spazierrittes die Gentlemen mit ein paar Kugeln in sicherer Distanz gehalten", erwidert Jim Haskell und zieht den Kopf ein, als draußen Schüsse fallen und etliche Kugeln zwischen die Felsen fahren und im Hintergrund über der Wasserstelle gegen Stein klatschen. Dem krummbeinigen Kerl sind die Kugeln ziemlich dicht am Hemd vorbeigefahren. Er krümmt sich zusammen und schnellt sich an den anderen Felsen Jim Haskell gegenüber. Dort kauert er sich an den Boden und wirft einen hilfesuchenden Blick herüber.

„War’s eine Bank oder die Postkutsche?", fragt Jim Haskell, der sich aus dieser Sache heraushalten möchte, soweit es noch möglich ist. Der krummbeinige Kerl blinzelt erschreckt.

„He, Mister, wofür hältst du mich eigentlich? Zugegeben, ich sehe im Moment nicht sehr prächtig aus, aber ich habe noch nie im Leben einen Dollar genommen, der mir nicht gehörte. „Und was hat dann diese Männer bewogen, hinter dir herzureiten?

„Ich war in ihrem Saloon in ihrer Stadt und hörte nach einem Job herum. Da war so ein Bursche, dem meine Nase nicht passte. Solche Salzknaben gibt es überall, die sich für groß und stark halten und darum glauben, kleinen Leuten wie mir auf den Kopf spucken zu können. Er wollte mich aus dem Laden rausschmeißen."

„Und dagegen hattest du etwas, wie?"

„Klar. Er wollte keine Fremden hier haben. Er redete ziemlich geschwollen. Einen Tagedieb hat er mich genannt. Ich hab’ ihm jedes Wort in sein freches Maul zurückgeschlagen. Die Sache wäre erledigt gewesen, wenn sich dann nicht etliche von seinen Handlangern eingemischt hätten. Der kleine Kerl seufzt bitter. „Und dabei ist der alte Saloon ein bisschen zusammengebrochen. Hinterher wollten sie, dass ich den Schaden bezahle. Dabei habe ich nicht mal genug Geld, um meinem Schecken Hafer zu kaufen.

Jim Haskell duckt sich, denn wieder fallen Schüsse.

„Eine ziemlich aufwendige Art, irgendwelche Schulden einzutreiben", bemerkt er trocken.

Der kleine Kerl mit seinem verwaschenen Hemd grinst dünn.

„Vielleicht wären diese Pilger nicht ganz so wütend, wenn nicht ihr Sheriff vor der Saloontür gewartet hätte, als ich rauskam."

„Und?", fragt Jim Haskell gespannt. Dieser krummbeinige Giftzwerg wird doch nicht etwa einem Sheriff eine Kugel aufgebrannt haben?, denkt er besorgt.

„Er stand gerade so günstig da, sagt der krummbeinige Bursche. „Ich habe ihm ans Kinn gelangt. Er wollte mich aufhalten. Das scheint ihm nicht sehr gefallen zu haben.

„Ist er dabei?"

„Vorhin sah ich mal einen Blechstein funkeln. Ist schon möglich, dass sie ihn auf ein Pferd gehoben haben."

„Und wer sind die anderen?"

„Der Kerl, der so große Töne redet, und sein Haufen. Das sind ziemlich abgebrühte Vögel."

„Wie eine unschuldige Jungfrau siehst du auch nicht gerade aus", bemerkt Jim Haskell.

Der kleine Kerl beginnt vergnügt zu kichern.

„Bruder, du gefällst mir. Du siehst zwar ziemlich hartgesotten aus, aber ich habe noch nie was auf das Aussehen eines Mannes gegeben. - Kann ich ein paar Patronen von dir haben?"

„Damit du ein paar von diesen Leuten totschießen kannst, was?"

„Eigentlich habe ich noch nicht viele erschossen, erwidert der krummbeinige Kerl. „An den ersten kann ich mich aber noch ziemlich genau erinnern. Der war ein Kerl wie ein Fels und wollte mich auf die Hörner nehmen. Meinem damaligen Gaul hatte er schon den Bauch aufgeschlitzt. Drei Kugeln brauchte ich, bis der Kerl umfiel. Mann, war das ein Drama. Der Mann, für den ich damals ritt, hatte tausend Dollar für den Burschen bezahlt und erhoffte sich Wunderdinge für seine Rinderzucht ...

„Hör mit deinen blöden Späßen auf!", knurrt Jim Haskell und späht um die Felskante.

„Das war kein Spaß, verteidigt sich der rothaarige Mister gekränkt. „Bist du schon mal von einem verrückt gewordenen Zuchtbullen angegriffen worden?

„Nein, und ich habe auch nicht die Absicht, jemals einem Stier zu begegnen, der tausend Dollar gekostet hat. - He, lauf zur anderen Seite, ich glaube, sie wollen uns umgehen!"

„Soll ich sie mit Steinen bewerfen? Das wird sie aber mächtig beeindrucken."

„Du sollst nur nachsehen, was sie da hinten treiben, und sonst gar nichts, hast du verstanden?"

Der Kerl reißt Mund und Nase auf.

„Willst du etwa allein gegen diese Strolche antreten? Mann, die zerreiben dich zu Niespulver und mich dazu. Mein Großvater hat immer gesagt, man solle sich nur so viel aufpacken, wie man ganz sicher verdrücken kann. Mister, ich schätze, dieser Brocken ist ein Stück zu groß für dich."

„Bist du noch nicht weg? Ich höre sie da hinten schon", knurrt Jim Haskell.

Wie ein Wiesel saust der Kerl los. Draußen gehen ein paar Gewehre los. Aber die Kugeln erreichen ihn nicht mehr. Jim blickt dem Burschen nach, der sich mit affenartiger Behändigkeit bewegt. Bei aller Eile bewahrt der Kerl eine erstaunliche Umsicht. Er rennt unter die Bäume, wo sich die beiden Pferde bösartig gegenüberstehen und die Zähne zeigen.

Mit zwei blitzschnellen Schlägen der flachen Hand auf die Nüstern bringt der Kerl die Tiere zur Vernunft, packt im nächsten Moment die Zügel, und bindet erst seinen Gaul an einen Baum und dann Jims Satansbraten an den nächsten Stimm.

Die Pferde sind jetzt weit genug auseinander, dass sie sich nicht mit den Hufen bekeilen können.

Während die Gäule noch recht verdutzt hinter dem Mann hersehen, durch dessen Beine gefahrlos ein Schrotschuss aus zwanzig Fuß Entfernung streichen könnte, hat er bereits jene Stelle erreicht, wo der Wagen weg in das Felsenrondell führt und wo Jim Haskell hereinkam.

Auf dem Bauch liegend, kriecht der Bursche nach vorn und verschwindet aus Jim Haskells Blickfeld, der neugierig hinterher sieht.

„He, ihr trüben Trauergestalten, ertönt ein paar Sekunden darauf die quäkende Stimme des Kerls. „Das habt ihr euch fein ausgedacht. Zeigt einer von euch die Nasenspitze, dann schieße ich sie ihm weg. Ich habe noch vier Patronen. Ihr könnt schon mal drum würfeln, wer es versuchen soll. Viel Freude wird der Betreffende nicht erleben, dafür garantiere ich. - Schön warm, was? Hoffentlich trocknet euer Verstand ein, bevor ihr einen falschen Entschluss fasst.

Der Giftpilz, der lausige, denkt Jim Haskell. Wenn er die Männer noch eine Weile verhöhnt, kommen sie wirklich herein und schießen ihm ein paar Löcher in den Pelz.

Draußen klappern Hufe auf Stein, dann dringen wilde Flüche an Jim Haskells Ohren.

„Nur keine Panik, ruft der krummbeinige Kerl wieder. „Ich sitze hier im prächtigen Schatten. Ich schwöre euch, dass ich es mindestens eine volle Woche aushalten werde. Vielleicht sogar länger. So fein kühl war es nicht mal in eurer verdammten Stadt.

Er soll sein Lästermaul halten und die Männer nicht noch mehr reizen, denkt Jim Haskell nicht ohne Sorge.

Plötzlich zuckt er zusammen. Ein schabendes Geräusch ist vor ihm. Es klingt, als schleife Leder auf Sand. Dann taucht eine Hand auf, die einen Revolver hält. Ein Mann kommt angekrochen und denkt sicher, in den Rücken des kleinen Kerls zu gelangen, der an einer ganz anderen Stelle Spottreden hält. Jim Haskell lächelt mit schmalen Lippen, als die Arme des Mannes sichtbar werden, die Ellenbogen, die sich in den Sand stemmen und den Körper nachziehen. Dann ist die Hutkrempe da - und danach das Gesicht des Mannes.

Voller Neugier studiert Jim Haskell das wilde Erschrecken in den Augen des Mannes, der sich unvermutet einem zweiten Mann und einem Gewehr gegenübersieht. Zwei, drei Sekunden liegt der ankriechende Mann wie angeschmiedet am Boden. Dann schnellt er mit einem heulenden Schrei zurück, als sei er um ein Haar in ein Klapperschlangennest geraten. Im Bruchteil einer Sekunde ist er um die Felskante verschwunden.

„Da - da ist noch einer, vernimmt Jim Haskell die überkippende Stimme des Mannes. „Mit einem Gewehr. Er hat genau zwischen meine Augen gezielt ...

Jagende Schritte entfernen sich. Jim Haskell lehnt sich mit dem Rücken gegen den Fels und blickt nach rechts. Dort taucht der krummbeinige Giftpilz auf und blickt fragend herüber. Jim winkt ab. Der Bursche verschwindet wieder, liest dabei aber Steine zusammen. Jim Haskell überdenkt die Lage gründlich und erhebt sich mit einem Ruck. Ein zusammengeschlagener Saloon ist keine Schießerei wert. Er tritt dicht an die Kante und ruft hinaus: „Hier spricht Jim Haskell. Ich befand mich zufällig hier an der Wasserstelle. Ich hörte, dass ein Sheriff diesen Trupp anführt. Der Mann soll herkommen." Seine Worte wecken ein knappes Echo im Felsenkessel. Von rechts kommt der krummbeinige Mann angeschossen und wiegt einen faustgroßen Stein in der Hand.

„Vorsicht, mein Freund!, mahnt ihn Jim Haskell. „Wenn es dich im Arm jucken sollte, dann unterdrücke dieses Verlangen. Es würde mir leid tun, wenn ich dir das Gewehr auf den Schädel schlagen müsste.

„Du — du ...!, keucht der Mann. „Du willst mich denen ausliefern?

„Ich will mit dem Sheriff reden, weil ich hier keine Wurzeln schlagen möchte. Es würde zu lange dauern. Und du hältst jetzt mal die Klappe und lässt mich machen."

„Die wollen mich haben, darauf läuft es hinaus!"

„Wir hören erst mal, was der Sheriff zu der Sache zu sagen hat. Immerhin finde ich es ein verdammtes Ding, wegen einer zerschlagenen Salooneinrichtung und ein paar Fausthieben eine Menschenjagd zu veranstalten." Der kleine Mann wirft den Stein nicht weg, er versteckt ihn auf dem Rücken.

Draußen meldet sich eine Stimme: „Wenn Sie vom Sheriff etwas wollen, dann kommen Sie heraus. Noch besser, Sie schicken erst mal die Giftkröte vorneweg, die sich zwischen den Steinen verkrochen hat."

„Der Mann bleibt hier, bis ich mit dem Sheriff gesprochen habe, antwortet Jim Haskell. „Ich komme. Er nimmt das Gewehr in den Hüftanschlag und verlässt die Deckung des Felsens.

Fünfzig Schritt entfernt stehen zwei Männer und haben ihre Gewehre auf ihn gerichtet. Zwei andere erheben sich aus einer Bodenfalte, und von links kommen vier Männer in lauernder Haltung heran.

„Hm, Mister, jetzt kannst du das Gewehr wegwerfen", ruft einer von denen, die am Boden gelegen haben. Jim Haskell macht noch fünf Schritte und bleibt dann stehen.

„Ich habe den Finger am Abzug und werde darum mein Gewehr jetzt nicht und genauso wenig später wegwerfen, gibt er kühl zurück. „Zwei von euch nehme ich mit, und wenn ihr nicht besonders gut seid, sogar drei. Du bist bestimmt dabei. Jim Haskell sticht das Gewehr etwas nach vorn. Der Lauf zeigt auf den Mann, der eben gesprochen hat.

Die vier herankommenden Männer bleiben zögernd stehen. Jim sieht es und lächelt.

„So ist es vernünftig, ich habe nicht gern mit Narren zu tun. Wer ist der Sheriff?"

Ein breitschultriger Mann in der Vierergruppe gegenüber Jim Haskell reckt sich und schlägt schließlich seine ärmellose Weste zurück. Auf dem Hemd blinkt ein Stern.

„Gut, Sheriff, mit Ihnen möchte ich mich unterhalten", sagt Jim und macht wieder ein paar Schritte. Der Sheriff rührt sich nicht vom Fleck.

Hinter Jim zischelt der krummbeinige Kerl von den Felsen her: „He, Partner, den kenn’ ich nicht. Der hat nicht vor der Tür gestanden. Pass auf, da stinkt etwas!"

Jim Haskell hat den Zeigefinger fest am Abzug liegen. Er macht mit dem Gewehr eine knappe Bewegung und spricht: „Haben Sie Angst, Sheriff?"

Der Sternträger sagt noch immer nichts, aber jetzt kann Jim erkennen, dass seine Augen einen lauernden, fast schadenfrohen Ausdruck zeigen. Auch die anderen Männer blicken jetzt irgendwie gespannt und erwartungsvoll.

Jim Haskell wittert Unheil und will zurück in den Schutz der Felsen. Diese Burschen müssen etwas in der Hinterhand haben, von dem sie sich Erfolg versprechen. Er bekommt noch nicht einmal den rechten Stiefel vom Boden hoch, als hinter ihm ein keuchender, abgerissener Laut ertönt, und dann eine schadenfrohe Stimme schrill verkündet: „Ich habe ihn!"

Jim Haskell senkt das Gewehr und blickt über die Schulter. Ein schwarzhaariger Mann, der den krummbeinigen Kerl um glatt drei Köpfe überragt, hält mit der einen Hand die schlaffe Gestalt des kleinen Burschen und drückt ihm mit der anderen einen Revolver an den Kopf. Der rothaarige Giftpilz wirkt wie ein Bündel Flicken.

Er hat ihm hinterrücks den Revolver auf den Kopf gehauen, denkt Jim Haskell bitter. Der kleine Kerl hatte keine Chance gegen diesen Büffel. Dass sie auch ihm keine Chance geben, merkt er, als die anderen losgehen und ihn einkreisen. Ihre Waffen sind auf ihn gerichtet. Sie würden ihn in ein Kaffeesieb verwandeln, würde er nur die Andeutung von Gegenwehr machen.

„Sie haben die besseren Karten in der Hand", sagt Jim Haskell zu dem Sternträger.

Der Mann grinst. Und als er zu reden beginnt, bringt er zum Ausdruck, dass er Jim Haskell für einen Sattelstrolch hält.

„Du gehörst nicht zufällig zu ihm? Vielleicht sollte er in der Stadt auskundschaften, wo es was zu holen gibt. Solches Gesindel wie euch brauchen wir hier nicht. Und mit diesen Worten schlägt der Mann zu. Jim Haskell bekommt den Kopf nicht mehr richtig weg und denkt, dass sein mißtrauischer Gaul ihn tritt, als die Faust sein Kinn entlangfährt. Geistesgegenwärtig schlägt er den Gewehrlauf hoch und trifft den Sternträger am Unterarm. Im selben Moment bohrt sich etwas in seinen Rücken, und ein Mann sagt heiser: „Noch eine Bewegung, und ich schieße dich mitten durch, Bandit!

Jim Haskell lässt das Gewehr fallen. Eine Hand reißt ihm den Revolver aus dem Holster, und dann fallen vier oder fünf Männer über ihn her. Jim Haskell schlägt zurück, bis sich zwei Burschen an seine Arme hängen und die anderen ihm mit brutalen, mitleidlosen Schlägen die Luft aus dem Leib prügeln. Sie lassen erst von ihm ab, als er sich übergibt. Aber als er dann am Boden liegt, tritt ihm noch jemand in die Rippen. Jim spürt die Tritte bei all den wühlenden Schmerzen nur wie Nadelstiche. Aus zuschwellenden Augen sieht er, dass es jener schwarzhaarige Kerl ist, der ihn mit dem Stiefel bearbeitet.

„Dich ... bringe ich ... um", murmelt Jim Haskell mit zerschlagenen Lippen. Sein Bewusstsein schwindet. Er spürt nicht mehr, wie ihn der schwarzhaarige Bursche hochreißt, der seine leisen Worte verstanden hat, und ihm einen Hieb ans Kinn verpasst, der ihn einige Schritte weit wegtreibt und ins verdorrte Gras fliegenlässt.

„Lass ihn liegen, Coburn, sagt der Sternträger. „Der hat genug. Holen wir ihre Pferde!

2

Jim Haskell nimmt im Unterbewusstsein wahr, dass jemand an ihm herumzerrt und ihn über den Boden wälzt. Ein Keuchen ist an seinem rechten Ohr. Dann fühlt er sich angehoben. Er glaubt zu schweben, bis er irgendwo aufschlägt. Die Prozedur wiederholt sich, und jedes Mal knallt etwas an seinen Kopf und bringt ihn zum Dröhnen wie ein leeres Fass.

Jim Haskell vermeint undeutlich wahrzunehmen, dass es abwärts geht. Endlich liegt er still. Wieder zerrt jemand an ihm herum. Das Keuchen kommt wieder, nur diesmal viel schärfer. Dann packt ihn jemand und zieht ihn hoch. Und dann schnauft Jim Haskell wie ein Ertrinkender.

Wasser ist um ihn. Er reißt die Augen auf und den Mund. Sogleich schluckt er kaltes Wasser.

Diese gewalttätige Behandlung bewirkt, dass er ziemlich rasch aus seinem Dämmerzustand erwacht und wilde Schwimmbewegungen macht. Er stösst mit den Knien irgendwo an, bekommt den Kopf hoch - und verschluckt sich vor Schreck. Hustend geht er unter, spürt Steine unter den Händen und stößt sich nach oben. Mit einem heiseren Würgen kommt er über das Wasser, rudert mit den Beinen und hat endlich Grund unter den Füßen. Er stellt sich mühsam hin und erkennt den eichhörnchengesichtigen Rotschopf, der drei Schritte von ihm entfernt steht, ein Tuch auf seinen Kopf drückt und ansonsten einen ziemlich zufriedenen Eindruck macht.

Jim Haskell spuckt einen Wasserstrahl von sich, wischt sich Wasser und triefendes Haar aus dem Gesicht und sagt keuchend: „Ich wollte dir diese gewalttätigen Pilger vom Hals halten, und zum Dank ersäufst du mich, du nachgemachtes Eichhörnchen."

Der kleine Kerl grinst höchst erfreut. „Wenn deine Kräfte so in Ordnung sind wie dein Mundwerk, dann wir sich der Kummer rasch verziehen, der sich über uns zusammengebraut hat."

Jim Haskell steigt aus der Steinwanne, in die ihn der Kleine gewuchtet hat - nicht ohne ihn vorher wahrscheinlich an den Beinen über die Erdstufen herabgezogen zu haben. Mit Jim Haskells Kräften ist es noch nicht weit her. Er kommt gerade die Stufen hoch, als er sich schon hinsetzen muss. Die Burschen haben ihn ziemlich schlimm zusammengeschlagen. Aber sie haben ihn nicht zerbrochen. Vielleicht hofften sie das. Doch Jim Haskell hat schon andere Dinge durchgestanden.

Der rothaarige Kerl klettert hinter Jim Haskell her. Dabei presst er immer noch das Tuch auf seinen Kopf.

„Du hast ziemlich durchgewalkt ausgesehen, Bruder, meint er. „Ich fand dich vor den Felsen, als ich auf die Beine kam. Irgendein Schuft muss hinter mich gekommen sein und hat mir was auf den Kopf geknallt. Wenn du mir ein paar Patronen gegeben hättest, würde die Sache jetzt anders stehen.

„Oder wir wären schon tot. Die gingen recht zielstrebig vor."

„Das kann ich nicht abstreiten. Unsere Pferde und unsere Waffen waren jedenfalls verschwunden, als ich wieder blinzeln konnte. Verdammte Brut!"

Jim Haskell betastet stöhnend seine Rippen. Gebrochen ist keine, aber sie schmerzen alle. Die Kerle langten nicht zimperlich hin.

„Hast du einen genau erkannt? Ich meine besonders den Sheriff und so einen schwarzhaarigen Strolch!"

Der Kleine verzieht sein pfiffiges Gesicht einen Moment.

„Mein Sheriff war das jedenfalls nicht. Den würde ich unter tausend Männern und ohne Stern herausfinden. Was den Schwarzhaarigen anbetrifft, von dem sprach ich doch. Das ist der Hundesohn, der mich aus dem kümmerlichen Saloon schmeißen wollte. Coburn oder so ähnlich heißt das Stinktier. Im Saloon hörte ich den Namen. Und der war hier dabei. - Wie fühlst du dich, Bruder?"

„Schlecht, und ohne Gaul sterben wir hier. Wie weit ist denn das liebliche Nest entfernt, wo du den Saloon ein wenig ausgeräumt hast?"

„Moment mal! Der Kleine nimmt eine Hand vom Kopf und kaut auf den Fingernägeln herum. „Wir sind ’ne halbe Stunde geritten. Können so vier oder sechs Meilen sein. Möglich, dass es auch zwei mehr sind. Mein Gaul ist ein ziemlich flinker Bursche, musst du wissen. Mein Großvater sagte immer, ein schneller Gaul sei das halbe Leben.

„Hatte dein Großvater auch weise Sprüche für eine Lage wie die unsere auf Lager?", will Jim Haskell ironisch wissen. Der kleine Kerl grinst etwas.

„Er bezog seine Weisheiten immer aus der Bibel. Lass mich mal nachdenken! Da war doch was. - Ja, ich hab’s schon. Mein Großvater pflegte auch zu sagen: Haut dir jemand auf die linke Backe, dann geh hin und hau ihm auf die rechte."

Jim Haskell hustet unterdrückt.

„Aus der Bibel hat er diesen Spruch bestimmt nicht. Von der Stelle habe ich nie gehört. - Wann ist es dunkel?" Erstaunlich flink reißt der Kleine den Kopf hoch, wittert wie ein Präriehund und blickt dann zu den Schatten, die die Felsen werfen.

„In zwei Stunden. Wenn du nicht sehr zertrümmert bist, schaffen wir es vielleicht bis eine Stunde nach Mitternacht. Ich wusste gleich, dass du dafür bist, unsere Pferde zurückzuholen."

Jim Haskell macht eine schwache Bewegung.

„Davon habe ich keinen Ton gesagt. Ich will mir nur etwas Bewegung verschaffen, damit mir warm wird und ich mir in dem nassen Zeug nicht die Schwindsucht hole."

Der Kleine kichert verhalten und hilft Jim Haskell auf die Füße.

Ihre Rechnung geht nicht auf. Sie marschieren zwar in der richtigen Richtung und sehen irgendwann die Stadt vor sich. Aber es ist nicht eine Stunde nach Mitternacht, sondern kurz vor Morgen. Im Tal, in das sich die Häuser ducken, hängt eine dünne Nebeldecke. Ganz fern kläfft ein Hund. Aber das kann nicht ihnen gelten. Der Wind steht von der Stadt her.

Ächzend lässt sich Jim Haskell einfach zu Boden fallen. Zu den Stichen in seiner Brust und im Leib kommen ein Brennen und Jucken an den Füßen. Mehrmals wollte er unterwegs die Stiefel ausziehen. Er wäre allerdings nicht mehr hineingekommen. Und zudem erzählte ihm der Kleine fürchterliche Geschichten von Sandspinnen und anderem Viehzeug, das sich besonders nachts auf Beutejagd mache.

Jetzt liegt Jim Haskell ausgepumpt am Boden und starrt auf die schlafende Stadt hinab. Der Kleine kauert sich an seine Seite und sagt fast beschwörend: „Nur noch diese lausige Meile, Partner, dann haben wir unsere Gäule wieder oder einen passablen Ersatz, den uns diese Lumpenhunde schuldig sind. Komm schon hoch! In einer halben Stunde wird es hell, und dann sind bestimmt schon einige von diesen Pfeffersäcken auf den Beinen, weil sie meinen, sie kämen bei der Jagd nach dem Dollar zu spät. Wahrscheinlich halten die alle zusammen. Wenn wir sie überraschen, haben wir ganz ehrliche Chancen, unser Eigentum zurückzubekommen. Wenn es zu viele werden, jagen sie uns noch einmal. Bloß werden wir hinterher keinen Schritt mehr tun. Auf, hoch mit dir! Mein Großvater sagte immer: Ein mutiger Schritt sei schon der halbe Sieg!"

Ächzend stemmt sich Jim Haskell hoch. Seine ersten Schritte wirken torkelnd. Es geht einen Hang hinab, der mit Sage und Salbei bewachsen ist. Der Salbei riecht kräftig, ein Zeichen, dass es hier prächtig gedeiht. Und eine kräftige Vegetation setzt wiederum Wasser voraus.

Als sie am Fuß des Hanges ankommen, erkennt Jim Haskell ein dunkles Band, das sich durch das Tal schlängelt und von Büschen und Bäumen umstanden ist. Hier gibt es wirklich einen Bach. Die Stadt hat damit ihr Wasserproblem in dieser gottverlassenen Gegend gelöst, wo es bestenfalls zweimal im Jahr regnet. Der krummbeinige Rotschopf wieselt vor Jim Haskell her und erkundet das Gelände. Jetzt kommt er zurück und meint quäkend: „Wir haben die richtige Seite erwischt, Bruder. Es gibt keine Brücke über dem Bach, nur eine flache Stelle. Da bin ich beinahe aus dem Sattel gesaust. Mann, einen Revolver müsste ich haben. Ich komme mir ziemlich nackt vor."

„Bremse deinen Tatendrang! Erst brauchen wir unsere Gäule. Und dann sehen wir weiter."

Der Kleine lacht verhalten. Es klingt, als meckere eine Ziege.

„Dich frisst die Wut innerlich auf, Bruder. Oh, ich kenne das. Und mein Großvater sagte manchmal ..."

„Den guten Mann wollen wir vorerst in Ruhe lassen", knurrt Jim Haskell und betastet sein dick angeschwollenes Kinn. Er folgt dem Kleinen zu der angegebenen Furt. Das Wasser schießt gurgelnd über rundgewaschene Steine. Sie werden nass bis an die Knie, als sie durch den Bach waten. Auf der anderen Seite verharren sie. Keine fünfzig Schritt vor ihnen erhebt sich das erste Gebäude der Stadt. Es kann ein Schuppen oder eine Scheune sein. Wieder kläfft der Hund. Das Bellen kommt vom anderen Ende der Stadt.

„Worauf wartest du?, fragt der Kleine drängend und eine Spur ungeduldig. „Diese Salzknaben haben uns abgeschrieben. Die rechnen nicht mit uns.

„Scheint so", brummt Jim Haskell und blickt nach Osten. Ein breiter, silberheller Streifen zeigt sich dort über dem Land. Weit und breit treiben keine Wolken die den Sonnenaufgang mildern könnten. Es wird wieder ein heißer, gnadenloser Tag voller Hitze und Staub werden. Hinter ihnen in den Uferbüschen beginnen Vögel zu zwitschern. Ein größeres Nachttier macht sich davon. Zweige schlagen rauschend zusammen. Dann tappt etwas im Wasser davon.

Jim Haskell und der krummbeinige Mister warten, bis sich das Geräusch entfernt hat, dann schleichen sie los und erreichen jenes erste Bauwerk. Es ist ein offener Schuppen, aus dem es bestialisch stinkt. Im Dämmerlicht erkennt Jim Rahmen, auf die Tierhäute zum Trocknen gespannt sind. Der Kleine hält sich die Nase zu und meint nuschelnd: „Schwefel, Dreck und Pestilenz, lass uns bloß von hier verschwinden! Hier kriegt man bloß vom Hinriechen den Aussatz."

Sie bewegen sich dicht an der Schuppenwand weiter, gewinnen die Ecke und können nun in die einzige Straße dieser Stadt hineinsehen. Es wird von Minute zu Minute heller.

Jim Haskell sieht, dass diese Stadt doch größer ist, als sie vom Hügel oben wirkte. Es gibt eine Reihe fester Gebäude. Die Bretterhäuser jedoch sind in der Überzahl. Vor jedem dritten Haus befindet sich ein Zügelholm.

Die Schatten der Nacht nisten noch unter den weit überstehenden Vorbaudächern. Nur etwa in der Mitte der Straße, auf der rechten Seite, brennt dünn und kläglich eine Laterne an einem Balken.

Der rothaarige Mister späht mit vorgerecktem Kopf genauer hin, wendet sich dann um und sagt flüsternd: „Der Teufel soll mich holen, wenn nicht vor dem Haus des Sheriffs eine Laterne brennt. Vielleicht sind dort unsere Waffen. Die sollten wir uns zuerst holen."

„Weil sie die Pferde vielleicht nicht ganz freiwillig herausgeben?, sagt Jim Haskell. „Der Gedanke ist verlockend.

„Worauf warten wir dann noch?" Der Kleine grinst wild und verwegen und setzt sich in Bewegung. Jim Haskell folgt ihm rasch, kann ihn aber erst am dritten Haus einholen. Sie gehen auf der Straße, die knöchelhoch aus Staub und feinem Sand besteht. Unter ihren Stiefeln puffen kleine Wolken hoch. Wachsam spähen sie nach den Seiten, bereit, sofort in einer Hofeinfahrt unterzutauchen, wenn jemand aus einem der Häuser treten sollte. Aber noch schläft die Stadt. Aus den Schornsteinen quillt kein Rauch. Nur irgendwo in einem Hinterhof beginnen Hühner zu gackern, eine Tür wird quietschend geschlossen, und ein Blecheimer wird scheppernd hingesetzt.

„Noch fünf Minuten, wenn wir viel Glück haben", raunt der krummbeinige Mister.

Jim Haskell setzt die Frist, die ihnen bleibt, noch geringer an. Er kennt den Lebensrhythmus solcher Präriestädte. Die Bürger und Handwerker stehen fast alle zur selben Zeit auf. Erst lange später folgen jene Leute, die in den Saloons und Vergnügungsetablissements die halbe Nacht lang arbeiten. Sie sind jetzt ziemlich weit die Mainstreet hinaufgekommen und nähern sich jenem Haus, vor dem die Laterne brennt.

Der Kleine huscht zur Gebäudeecke und legt sein Ohr an die Wand. Jim Haskell steigt mit schmerzenden Knochen auf den Brettervorbau. Er geht auf den Außenkanten seiner Stiefelsohlen und bemüht sich, kein Geräusch zu verursachen. Unter dem ersten Fenster duckt er sich durch und kommt auf der anderen Seite schnaufend hoch. In seiner Brust wühlt wieder der Schmerz und lässt seinen Groll auf jene Burschen wachsen, die ihn zusammenschlugen.

Er ist noch fünf oder sechs Schritte von der Tür entfernt, als unter seinem rechten Stiefel ein Verandabrett knackt. An der Ecke hält der kleine Kerl den Atem an, und Jim Haskell zuckt zusammen. Dann bewegt er sich blitzschnell zur Wand und schiebt sich daran weiter zur Tür, denn im Haus wird ein Stuhl gerückt. Jemand gähnt laut und ungeniert. Dann dröhnen Schritte. Sie kommen zur Tür.

Jim Haskell presst sich fest an die Wand und atmet flach. Wer auch immer herauskommt, er muss ihn anspringen, bevor der Mann sie entdeckt und Alarm schlägt.

Die Schritte verhalten innen vor der Tür. Ein Schlüssel wird gedreht. Die Klinke bewegt sich nach unten. Jetzt hält Jim Haskell sogar den Atem an, um sich durch nichts zu verraten. Ein Mann kommt heraus. Er lässt die Tür auf und geht bis zu der Lampe am Balken. Er reckt sich, um die Laterne vom Haken zu nehmen. Genau in diesem Moment ist Jim Haskell schon hinter ihm. Er hat den breitschultrigen Mann sofort erkannt, jenen Burschen mit dem Stern an der Weste, der die Sache draußen an der Wasserstelle geleitet hat und den der krummbeinige Kerl nicht als seinen Sheriff erkannte, dem er die Faust ans Kinn pflanzte. Mit einem blitzschnellen Griff, der den kleinen Kerl an der Ecke nur noch japsen lässt vor Überraschung, reißt Jim Haskell dem Sternträger den Revolver aus dem Holster. Der Mann hat die Laterne abgehängt und die Arme noch oben, als er den Ruck an seiner rechten Hüfte spürt. Er will herumfahren. Aber da sitzt ihm schon etwas im Rücken und bohrt sich hart und fest in sein Hemd.

„Du kannst schreien, Mister, sagt Jim Haskell flach. „Ich werde dir trotzdem alle sechs Kugeln durchs Hemd jagen, du stinkende Ratte. Und wenn die Stadt einen toten Sheriff sieht, wird sich kaum noch eine Hand rühren und uns aufhalten. Du kannst aber auch schön still und friedlich sein. Dann kommst du etwas besser aus dieser Sache heraus. Mach die Lampe aus und geh vor mir her in deinen Bau!

Der Sternträger zögert. Da schlägt ihm Jim Haskell den Revolver quer über die Schulter. Die Wucht des Hiebes lässt den Mann laut keuchen. Um ein Haar fällt er noch samt der Laterne vom Vorbau in die Straße hinunter. Jim Haskell bekommt ihn noch am Hemdkragen zu fassen und reißt ihn zurück.

„Das war die erste und die letzte Warnung, mein Freund", spricht Jim Haskell, reißt den Mann herum und stößt ihn durch die Tür in das Sheriffs Office. Hinter Jim Haskell wieselt der kleine Bursche herein und macht vorsichtig die Tür zu. Der Sternträger ist bis an einen Schreibtisch getaumelt. Er fängt seinen Schwung ab, stellt die Lampe auf die Platte und wendet sich langsam und mit halb erhobenen Händen um. Ein mächtiges Erschrecken geht über sein Gesicht, als er die beiden abgerissenen Gestalten erkennt.

„Eure feine Rechnung ist nicht ganz aufgegangen, knurrt Jim Haskell. „Ihr habt übersehen, dass man einen Jim Haskell nicht um sein Pferd und seine Waffen erleichtert und noch zusammenschlägt. Vielleicht wäre das für jeden anderen Mann aus diesem Lande die richtige Medizin gewesen, um ihn für ewige Zeiten wegzujagen. Bei mir hat es das Gegenteil bewirkt. Wo sind unsere Pferde, Stinktier?

Der Sternträger blickt gehetzt von einem zum anderen. Dann starrt er auf die Waffe in Jim Haskells Hand. Der Daumen hält den aufgezogenen Hammer fest. Der Sheriff ist sicher, dass der Bursche schießen wird. Das traut er ihm zu, nachdem der Kerl mit dem Kleinen in die Stadt gekommen ist, statt das Weite zu suchen.

„Mister, die Pferde, wo sind sie?, knurrt Jim Haskell. „Du brauchst keine Zeit herauszuschinden. So früh kannst du auf deine Freunde nicht zählen.

Der Mann hat den ersten gewaltigen Schreck geschluckt.

„Das - das bricht euch den Hals, keucht er. „Überfall auf den Sheriff und Waffendiebstahl und ...

Von links kichert jemand.

„Ist er nicht köstlich, der kleine Spaßvogel? Er ist nicht mehr als der billige Deputy Sheriff dieser Stadt, spielt sich aber auf, als besitze er richterliche Befugnisse." Jim Haskells Kopf fliegt nach links. Dort sind die Zellen. Am Gitter der mittleren steht ein grinsender Mann mit aschblondem Haar, soweit er das im Zwielicht erkennen kann. Der Mann lässt die Eisenstäbe los, tritt einen Schritt zurück und macht lachend eine kleine Verbeugung.

„Mein Name ist Stanton, Rory Stanton, sagt der Mann. „Vielleicht lassen mich die Gentlemen aus diesem Käfig heraus, denn wie ich die Verhältnisse dieser Stadt einschätze, werden Sie bald Verstärkung benötigen. - Oh, da ist ja auch der kleine Kampfhahn, der gestern frischen Wind in den Saloon brachte. Wie geht es dir, Bruder? Du siehst nicht gerade gut erhalten aus. Als sie hinter dir her jagten, dachte ich, dass sie dich auf dem Bauch liegend zurückbringen würden.

„Viel hätte nicht gefehlt, antwortet der krummbeinige Bursche. „Sie haben mir eine nette Beule an meinen armen Kopf gebracht und meinen Partner, den ich an einer Wasserstelle zufällig traf, fast in Stücke geschlagen. Dabei wollte er mir nur helfen. Warum bist du eingesperrt?

Der Mann in der Zelle hebt die Achseln.

„Das weiß vielleicht dieser Wurm da. Sie kamen gestern ziemlich zornig zurück und führten große Reden. Und plötzlich ging Coburn Rossitter auf mich los. Er jagt jeden Fremden zum Teufel, und unser lieber Hilfssheriff hilft ihm willig dabei. Ich hatte keine Chance gegen Rossitter und seine Leute und diesen Hundesohn hier. Sie steckten mich hier herein. Wegen Landstreicherei, sagten sie."

Der krummbeinige Bursche geht pfeifend zum Schlüsselbrett und nimmt ein großes Bund herab. Damit tritt er an die mittlere Zelle und probiert die Schlüssel aus.

Der Deputy Sheriff zeigt ein verkniffenes Gesicht.

„Das ist Gefangenenbefreiung, zischt er. „Das bringt euch an den Galgen!

„Wo ist der Sheriff, mein Freund?, fragt Jim Haskell den Sternträger. Verbissen schweigt der Gehilfe. Dafür sagt Rory Stanton, der aus der Zelle tritt: „Sheriff Vanders ist gestern, kurz nachdem ihm dieser kleine Kampfhahn hier unter die Nase langte, auf sein Pferd gestiegen und weggeritten. Nach Carlysle, wie ich jemand sagen hörte. Da soll ein Wagentransport überfallen und fast völlig ausgeraubt worden sein.

Jim Haskell mustert den Deputy Sheriff, bis diesem heiß und kalt gleichzeitig wird. Dann wendet er knapp den Kopf und fragt diesen Rory Stanton: „Hast du eine Ahnung, wo die Stinktiere unsere Pferde hingebracht haben? Und unsere Waffen?"

„Mit einem Gewehr und zwei Revolvergurten sah ich unseren lieben Deputy hier drin verschwinden. Und die Gäule haben sie, glaube ich, in den Mietstall gebracht."

„Die Waffen und die Pferde werden versteigert, damit der Schaden im Saloon gedeckt ist", keift der Deputy.

Jim Haskell senkt langsam den Revolver, lässt den Hammer nach vorn gleiten und schiebt die Waffe in den Hosenbund.

„Dabei hast du aber übersehen, dass ich mit der Sache im Saloon rein gar nichts zu schaffen habe. Und weil das so ist, sehe ich das Wegbringen meines Gaules als Pferdediebstahl an. Und für Pferdestehlen hängt man. So macht ihr es doch mit euerem prächtigem Gesetz, was?" Mit dem letzten Wort schlägt Jim Haskell hart und mitleidslos zu. Es zerreißt ihn zwar fast, und seine Schulter schmerzt bis hinauf ins Gelenk, aber irgendwie muss er seinen Zorn auf diesen armseligen Wicht loswerden. Der Hieb trifft den Deputy voll am Kinn, hebt ihn regelrecht hoch und wirft ihn rücklings auf die Platte des Schreibtisches. Die noch immer brennende Lampe kippt um und rollt über die Kante. Bevor sie auf den Boden aufschlagen kann, schnellt der krummbeinige Bursche vor und fängt sie eine Handbreit über den staubigen Dielen auf. Schnaufend richtet er sich hoch, bläst die Lampe aus und stellt sie in eine Ecke.

„Mann, sagt er, „das wäre beinahe ein verdammt heißer Morgen geworden. Die Bude hier ist zundertrocken.

Ehe Jim Haskell an den Schreibtisch treten und den Deputy hochziehen kann, ist schon Rory Stanton bei der Arbeit. Er packt den Sternträger, reißt ihn hoch und beutelt ihn nach Strich und Faden durch. Aber der Mann gibt nur ein Grunzen von sich. Stanton verabreicht ihm ein paar klatschende Maulschellen.

„Das, sagt er, „ist für den Eimer Wasser, den du mir heute Nacht in die Zelle gekippt hast. Und das, er langt noch einmal zu, „dafür, dass ich kein Abendessen bekam. Und dies, er setzt dem Deputy die Faust unters Kinn, „für die vielen hilfreichen Fußtritte, als ihr mich in den stinkenden Käfig gesperrt habt.

Der Deputy fällt über den Schreibtisch hinweg, reißt den Stuhl um und bleibt am Boden liegen.

„Mann, du hast sicher eine ganz schöne Wut im Bauch, sagt da der krummbeinige Bursche. „Aber du solltest immerhin bedenken, dass wir ältere Rechte auf ihn haben. Er hat uns wie Banditen behandelt. Jetzt lass mich mal ran. Er will hinter den Schreibtisch, um dem Deputy den nächsten Teil der Abreibung zu verpassen.

„Ich denke, dass wir keine Banditen sind, stoppt ihn da Jim Haskell. „Und da wollen wir uns auch nicht wie solche aufführen. Ist das klar?

Der kleine Kampfhahn murrt, aber er lässt von seinem Vorhaben ab. Dafür wendet er sich dem Schreibtisch zu und untersucht ihn gründlich. Als er einen kleinen Holzkasten findet und in diesem Geld entdeckt, beginnen seine Augen zu leuchten. Jim Haskell streckt die Hand aus und nimmt dem Kleinen den Fund ab.

„Dieses Geld gehört uns nicht. Hast du nicht erst gestern gesagt, du hättest noch nie einen Dollar genommen, der dir nicht gehört?"

„Vielleicht könnten wir es als Schmerzensgeld annehmen. Wer will uns daran hindern?"

„Ich, mein Freund. Dir steht für deine Beule bestenfalls ein ganzer Dollar zu."

„Und dir der Rest, was? Das sind mindestens hundert Bucks!", giftet der Kleine.

„Ich verzichte. Ich habe sechseinhalb Dollar eigenes Geld, und wenn das aufgebraucht ist, arbeite ich irgendwo und verdiene mir neues. Stelle den Kasten weg, bevor ich anfange, mich aufzuregen!"

Der Kleine muffelt: „War ja nur eine Überlegung, um unsere abgebrannten Finanzen etwas aufzubessern."

„So nicht, widerspricht Jim Haskell mit Nachdruck. „Such besser nach unseren Waffen!

Der Kleine gräbt weiter im Schreibtisch herum, begibt sich dann an den Gewehrständer und schließlich zu einem Schrank, dessen Türen sich nur quietschend öffnen lassen. Er bringt ein paar zusammengerollte Waffengurte zum Vorschein. Rory Stanton tritt zu ihm und greift nach einem Gurt, der reichlich mit Silbernägeln beschlagen ist. Dieser ungewöhnliche Schmuck hat mindestens sechzig Dollar gekostet.

„Der gehört mir", erklärt Stanton und legt sich den Gurt um. Er bindet die Holster mit zwei Riemen am Oberschenkel fest, zieht den Revolver und überprüft die Ladung der Kammern. Jim Haskell beobachtet ihn scharf. Aber er kommt zu der Erkenntnis, dass dies wirklich der Gurt von Stanton ist. Schnalle und Dorn sitzen wirklich an der ausgebeulten Stelle, und das Holster deckt jene abgeschabte Stelle auf der Hose ab, die er entdeckte.

„Hey, da ist ja meine Kanone", lässt sich der Kleine vernehmen. Er rollt einen Gurt auf und legt ihn um. Jim Haskell tritt nun auch an den Schrank und sucht nach einem Teil seines Besitzes. Auf einem Brett liegt sein Gurt, und in der Schrankecke lehnt sein Gewehr im Scabbard. Er erkennt die Waffe an der tiefen Kerbe im Kolben. Dort schlug vor einiger Zeit eine Revolverkugel ein. Sorgsam überprüft Jim Haskell seine Waffen, denn draußen auf der Straße werden Stimmen und Schritte laut. Möglich, dass es Frühaufsteher sind, die ihrer ersten Besorgung nachgehen. Es kann allerdings auch sein, dass jemand nachsehen kommt, was der frühe Lärm aus dem Office bedeuten mag.

Der Kleine, der sich gestern völlig verschossen hatte, steht am Gewehrschrank und lädt seinen Revolver aus einer Munitionsschachtel des Sheriffs Office auf. Ungeniert stopft er auch Patronen in die leeren Schlaufen seines Gurtes, und den Rest der Patronen versenkt er in die Tasche.

Jim Haskell runzelt die Stirn und sagt unwillig: „Mein lieber Freund, diesmal lasse ich dir das durchgehen, weil uns dieser Knabe da zu einem umständlichen Fußmarsch verholfen hat. Noch einmal möchte ich nicht sehen, dass du dich am Eigentum anderer vergreifst."

Stanton zeigt lachend seine Zähne.

„He, Kleiner, dein Partner scheint einer von diesen Gerechtigkeitsfanatikern zu sein. Er gefällt mir. Ich mag es auch nicht, wenn man anderen etwas wegnimmt. Aber wenn man etwas nimmt, das keinem gehört, wie nennt man das, Meister?" Er meint Jim Haskell und blickt ihn forschend an.

„Diesen Fall kenne ich nicht. Jedes Ding hat einen Besitzer", erwidert Jim und nimmt das Gewehr in die linke Hand. Die rechte hält er für den Revolver frei. Rory Stanton lächelt.

„Einen solchen Fall kenne ich aber, erklärt er. „Wir sprechen noch darüber. Und wenn wir zusammenhalten, springt für jeden so viel heraus, dass wir uns zur Ruhe setzen können.

Jim Haskell zeigt mit dem Gewehr zur Tür.

„Viel Ruhe werden wir vor erst nicht bekommen. Da draußen findet wohl eine Versammlung statt, wenn mich meine Ohren nicht täuschen."

„Scheint mir auch so, stimmt Rory Stanton zu. „Wenn Coburn Rossitter und seine trüben Figuren dabei sind, gibt es ein fröhliches Erbsenfest.

Der Kleine reibt über seinen Schädel. Dann geht er mit pfiffigem Gesicht um den Schreibtisch, bückt sich nach dem Hut des Deputy und stülpt sich den Deckel auf. Der Hut ist zwei Nummern zu groß. Voller Seelenruhe zerreißt der Kleine eine Zeitung, die halb aus einer Schublade ragt, schiebt die Streifen unter das Schweißband und probiert so lange, bis er meint, der Hut habe den richtigen Sitz auf seinem Kopf. Jim Haskell wird dabei etwas unruhig, denn das Gemurmel vor dem Office wird immer deutlicher.

„Jetzt können wir, Brüder", verkündet der rothaarige Kampfhahn, und marschiert auf seinen Säbelbeinen zur Tür. Ehe Jim Haskell oder Rory Stanton ihn zurückhalten können, hat er die Tür aufgerissen. Das Murmeln verstummt schlagartig.

„Kommt bloß nicht auf seltsame Gedanken, ihr vollgefressenen Säcke, quakt der Kleine in den Morgen hinaus. „Wir haben euren aufgedonnerten Deputy ein wenig poliert, als Gegenleistung für einen langen Fußmarsch, den er uns diese Nacht hat machen lassen. Zudem ist er ein verdammter Pferdedieb. Wenn einer die Hand rührt, um ihm zu helfen, dem schieße ich eine Kugel in seinen Holzkopf. Und wenn einer Rossitter sieht, kann er ihm bestellen, dass wir seinen Skalp holen werden. Und jetzt verschwindet von der Straße, bevor ich einen nervösen Zeigefinger kriege.

Der Kleine hakt die Daumen in den Gurt und stellt sich breitbeinig in die Tür, als sei er imstande, eine ganze Armee alleine aufzuhalten. Vielleicht beeindruckt diese Haltung die Leute mehr als eine gezogene Waffe. Jedenfalls bleiben die Bürger friedlich.

Einer meldet sich dann und ruft: „Was ist mit Donovan? Was habt ihr mit ihm gemacht?"

„Ah, Donovan heißt der Wicht!, sagt der Kleine. „Wir werden ihn ein bisschen einsperren und unsere Pferde holen, die er uns gestohlen hat. Wenn ihr schlau seid, dann lasst ihr den Kerl drin, bis der Sheriff zurück ist. Vielleicht lasst ihr ihn auch schon früher raus. Ich schätze allerdings, dass er euch die Haut in Streifen abzieht, weil ihr ihm nicht früher beigesprungen seid.

„Hören Sie, Mister, lassen Sie uns aus der Sache raus!, meldet sich der Bürger wieder. „Was Donovan und Rossitter anstellen, das ist ihre Sache. Wir kümmern uns nicht darum. Es ist gesünder für uns.

„Ah, die zwei sind wohl dicke Freunde?, erkundigt sich der Kleine. „Das wird ihnen verdammt wenig nützen.

Ein Mann in der Straße räuspert sich.

„Mister, es wäre für Sie und uns besser, wenn Sie verschwinden würden. Rossitter hat die größte Ranch hier, und seine Mannschaft kann ziemlich unfreundlich werden."

„Wir auch, mein Freund, wir auch", sagt der Kleine, dreht sich um und haut die Tür zu.

„Musst du die Leute überall bis zur Weißglut reizen?", fragt Jim Haskell knurrend.

„Es juckt mich ständig, diese Pfeffersäcke aus ihrer satten Ruhe aufzuscheuchen, sagt der Kleine. Er zeigt auf den Deputy. „Sperren wir ihn ein und nehmen den Schlüssel mit, dann haben wir ihn los.

„Um ihn dafür später umso sicherer auf den Hals zu haben, was? Deinem Großvater würden die Tränen kommen, wenn er deine Unvernunft sehen könnte", sagt Jim Haskell.

„Dieser Fall wird so oder so eintreten, lässt sich Rory Stanton vernehmen. „Donovan und Rossitter hängen zusammen wie Pech und Schwefel. Rossitter hat Geld und Macht, und Donovan wird eines Tages Sheriff werden. So viel ich weiß, stellt sich Vanders nicht mehr zur Wahl. Im nächsten Jahr ist sie. Rossitter wird Donovan zu seinem Sheriff machen und den Leuten hier noch mehr den Daumen auf den Kopf drücken. Er wird keine Siedler ins Land kommen lassen und die paar Drei-Kühe-Rancher, die in der Umgebung ihr Glück versuchen, mit seinen Leuten zum Teufel jagen. Aus diesem Grunde geht er schon auf alle Fremden los, die nur durch Rainbow Springs reiten.

„Ah, heißt dieses liebliche Nest so?, sagt Jim Haskell. „Für einen Fremden bist du aber verdammt gut aufgeklärt.

„Das ist gar nicht so geheimnisvoll, sagt Stanton lächelnd. „Ich kam hier vor einem halben Jahr schon mal durch und blieb ein paar Tage.

„Die trockene Luft wird dich kaum zurückgelockt haben."

„Nein, eine Rinderherde, die westlich dieser Stadt jenseits der Berge stehen soll. Sie gehört keinem, und ich wollte mir die Sache ansehen und notfalls mit ein paar Freunden später herkommen, um einen Teil dieser Herde zur Bahn zu treiben und zu Geld zu machen."

„Ist das die Chance, von der du eben gesprochen hast?", fragt Jim Haskell, während der Kleine gar nicht hinhört, sondern den Deputy mit Ächzen und Schnaufen zur mittleren Zelle zerrt.

„Das meinte ich damit, bestätigt Stanton. „Außerdem ist Rossitter auch hinter dieser Herde her, und vielleicht geht er darum auf jeden Fremden los, nur, damit die Kunde nicht weiter gelangt und plötzlich abenteuerliche Gestalten herbeiströmen.

„Warum hat er dann die Herde nicht längst geholt?"

„Er zog erst genaue Erkundigungen ein, ob es nicht doch jemand gibt, der Ansprüche an die Herde haben könnte."

„Und?", fragt Jim Haskell gespannt.

„Da ist niemand übrig."

„Und die Mannschaft, die die Herde trieb?"

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. Registrieren Sie sich, um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Sechs Pecos Western Januar 2018 denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen