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Das 2. Regiment der "Division Brandenburg": Eine Dokumentation zum Einsatz der BRANDENBURGER-Gebirgsjäger im Osten bzw. Südosten Europas

Das 2. Regiment der "Division Brandenburg": Eine Dokumentation zum Einsatz der BRANDENBURGER-Gebirgsjäger im Osten bzw. Südosten Europas

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Das 2. Regiment der "Division Brandenburg": Eine Dokumentation zum Einsatz der BRANDENBURGER-Gebirgsjäger im Osten bzw. Südosten Europas

Länge:
1,033 Seiten
10 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 10, 2018
ISBN:
9783869332017
Format:
Buch

Beschreibung

Zu Beginn des II. Weltkrieges ergab sich für die deutschen Panzertruppen die Notwendigkeit, dass sie im Angriff auf sensible Verkehrsknoten infanteristische Unterstützung benötigten. Dazu initiierte die Abwehr II des deutschen militärischen Nachrichtendienstes (Amt Ausland Abwehr) den Aufbau einer eigenen Kommando-Truppe, die in Folge als die "Brandenburger" in die Geschichte des II. Weltkrieges eingehen sollten. Innerhalb dieses Verbandes wurde mit 1940 beginnend das II. Bataillon, mit Kommando in BADEN bei WIEN, für den Einsatzraum Ost- bzw. Südost-Europa aufgebaut. Dieses Bataillon bestand grundsätzlich neben Sudeten-Deutschen hauptsächlich aus einer Mischung von (Nord-, Süd-)Tirolern, Salzburgern und (Unter-)Steirern. Ihr Erkennungszeichen an der Bergmütze war das Edelweiß. Diese Gebirgsjäger der "Brandenburger" sollten im Verlaufe des Krieges zur Elite der Elite werden. Basis für die vorliegende Publikation bildet eine 2001 am Institut für Geschichte an der KF-Universität Graz eingereichte Dissertation. Diese Dissertation bearbeitet die Geschichte des II. Bataillons, wobei am Beispiel dieses Verbandes die Bedeutung der "Brandenburger" für die "Blitz-Kriegs-Strategie" der Deutschen Wehrmacht dargestellt wird. Die verwendeten Quellen stammen aus dem Militärarchiv in Freiburg im Breisgau, dem Public Record Office in London und Publikationen ehemaliger "Brandenburger".
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 10, 2018
ISBN:
9783869332017
Format:
Buch

Über den Autor


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Das 2. Regiment der "Division Brandenburg" - Leo Cavaleri

Leo Cavaleri

Das 2. Regiment der „Division Brandenburg"

Eine Dokumentation zum Einsatz der BRANDENBURGER-Gebirgsjäger im Osten bzw. Südosten Europas

Titelseite:

Bild links: Kampf um die Brücke bei Dünaburg 1942

Bild rechts: Grabkreuz für gefallene „Brandenburger" beim Kampf um die Brücke von Dünaburg

Bild unten: Ritterkreuzträger Major d.R. Siegfried Grabert

Hinweis des Verlages: Nicht in allen Fällen ist es dem Verlag trotz intensiver Recherchen gelungen, die Inhaber der Bildrechte festzustellen. Wir bitten den Sachverhalt zu entschuldigen.

Einige Bilder sind nicht in optimaler Qualität vorhanden.

Zum Zwecke der Dokumentation wurden sie trotzdem in das Buch aufgenommen.

Die teilweise geminderte Bildqualität ist auf die Umstände ihres Entstehens zurückzuführen.

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eISBN 978-3-86933-201-7

Print-ISBN 978-3-86933-186-7

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Themendarstellung

Forschungsstand

Wissenschaftliche Fragestellungen

Beurteilung der Literaturlage

Themenabgrenzung

Methode und Ziel der Arbeit

Quellenlage

Hauptteil

1.TEIL: AUFBAU DER „BRANDENBURGER-TRUPPE"

1.Kapitel: Die Wurzeln der „Brandenburger-Idee" 1938/39

Erste Ansätze nach dem I. Weltkrieg

Erklärungsansatz „militärischer Widerstand"

Erfahrungen des I. Weltkrieges

v. Hippels Idee

Auslöser „Sudetenkrise"

Erfahrungen der Sudetenkrise

Versagen der Kriegsorganisation

Auftrag an Hptm. Dr. v. Hippel in Berlin

Maßnahmen der Abwehrstelle XVII in Wien

Zusammenführung der ersten Kräfte in Brandenburg

2.Kapitel: Die „Brandenburger-Komponente" innerhalb des Amtes Ausland/Abwehr

3.Kapitel: Aufstellung des II. Bataillon des Lehr-Rgt. Brandenburg z.b.V. 800 - 1940

Bezug der Garnison in Baden bei Wien

Aufstellung der 5. Kompanie

Aufstellung der 7. Kompanie

Aufstellung der 8. Kompanie

Aufstellung der 6. Kompanie

Abschluss der Aufstellung im August 1940

4.Kapitel: Rekrutierung und Ausbildung 1940/41 bzw. 1942/43

1940: Rekrutierungen „von Amts wegen"

1941: Rekrutierung durch Werbetrupps

Rekrutierung durch „persönliche Anwerbung"

Rekrutierung ab 1943

Rekrutierung der V-Männer

Ausbildung der z.b.V.-Soldaten im II. Bataillon

„z.b.V.-Ausbildung" 1940/41 bzw. 1942

2.TEIL: EINSÄTZE ALS KOMMANDO-TRUPPE BIS 1942

5.Kapitel: Einsätze in Rumänien 1940 und Bulgarien 1941

Bedeutung des rumänischen Erdöls für Deutschland

Maßnahmen des Amtes Ausland/ Abwehr 1940

Internationale Gegenmaßnahmen

Maßnahmen der Gruppe „SÜß"

„Sportler" des II. Bataillons im bulgarischen Russe

Besetzung der rumänischen Erdölfelder bei Ploesti

„Sportler" des II. Bataillons in Rumänien

Neuerlicher Einsatz der II. Bataillons 1941

Bereitstellung zum Angriff auf Griechenland 1941

6.Kapitel: Unternehmen MARITA - April/Mai 1941

Ausgangslage 1940/41

Deutsche Angriffsvorbereitungen

Deutscher Angriff auf Griechenland

Einsatz der 8. Kompanie/II. Bataillons des Lehr-Rgt. Brandenburg

Brückenaktion über die Strumica bei Kulma

Brückenaktion über den Axios (Vardar) bei Axiopolis

Auflistung der ersten Kommandoaktionen des II. Bataillons

Kämpfe am Olymp und im Tempetal

Kämpfe um den Thermophylenpass

Vorstoß nach Athen

Einsatz von Teilen der 5. Kompanie in Slowenien

Einsatz von Teilen der 5. Kompanie in Kroatien

Kombinierte Kommandoaktion am Eisernen Tor

Rückverlegung des II. Bataillons nach Baden

Analyse zu den Kommandoaktionen bei MARITA

7.Kapitel: Ausgangslage vor „BARBAROSSA" – Mai 1941

Loßberg-Studie 1940

Operative Bedeutung des „Nord-Flügels"

Plan „BARBAROSSA"

Leningrad vor Moskau

Aufgabenstellung der „Heeresgruppe Nord"

Schwergewicht der „Heeresgruppe Nord"

Einsatz des II. Bataillons zu Beginn „BARBAROSSA"

Vorbereitungen in der Garnison Baden bei Wien

Verlegung in die Bereitstellungsräume

8.Kapitel: Einsatz gegen die Sowjetunion - 1941

Bereitstellung der Heeresgruppe Nord

8. Kompanie im Einsatz bei der Panzergruppe 4

Brückenaktion über die Dubissa bei Seredzius

Brückenaktion gegen die Eisenbahnbrücke bei Lydavenai

Brückenaktion gegen die Brücke bei Josvainiai

Brückenaktion gegen die Brücke bei Kedainiai

Brückenaktion über die Düna bei Dünabur

Konsequenzen aus der Brückenaktion in Dünaburg

Scheitern der Brückenaktion in Jacobstadt

7. Kompanie im Einsatz bei der 18. Armee

Brückenaktion über die Düna in Riga

Nahkampf in Riga

Einsatz gegen Partisanen

6. Kompanie im Einsatz bei der 11. Armee

Einsätze auf der Krim

Resümee der Einsätze der II. Bataillons 1941

9.Kapitel: Heimatgarnison Baden bei Wien – 1941/42

5. Kompanie in Hinterbrühl bei Mödling

7. Kompanie in Neuhaus im Hotel „Stefanie"

8. Kompanie in Neuhaus im Hotel „Orange"

Innere Führung des II. Bataillons

Dienstbetrieb in der Garnison

Ausbildung in der Heimat

Landsmannschaften des II. Bataillons 1942

10. Kapitel: Einsatz der 7. Kompanie in Jugoslawien - 1942

Einweisung in die Lage

Verlegung in den Raum Raska

Unternehmen „Jablan"

Verlegung in den Raum Banja Luka

11. Kapitel: Aufgabenstellung, Gliederung und Einsatztaktik des Jahres 1942

Aufgaben im Allgemeinen

Gliederung der 5. Kompanie im Sommer 1942

Analyse der 10 Einsatzphasen einer „Brückenaktion"

1. unmittelbare Begleitung der Angriffsspitzen als „motorisierte Truppe"

2. Koordinierung der Kommandanten des Einsatzes bzw. der Vorausabteilung

3. Befehlsausgabe des Einsatzführers an seine Gruppen- und Truppführer

4. Herstellung der Tarnung (Halb- oder Volltarnung)

5. Lösen von den eigenen vordersten Truppen

6. Anfahrt zum Angriffsziel „Brücke"

7. Nehmen und Entladen der Brücke

8. Sichern und Halten der Brücke

9. Herstellen der Verbindung mit den Entsatzkräften

10. Versorgung der Verwundeten und Toten

12. Kapitel: Einsatzes gegen die Sowjetunion – 1942

Fehlspekulationen des Jahres 1941

Konzentration auf den Vorstoß zum Erdöl

Verlegung des II. Bataillons ins Schwergewicht des Ostheeres

Angriff auf Rostow am Dondelta

Brückenaktion gegen die Brücken im Dondelta vor Bataisk

Bataisk aus der Sicht eines Pioniergruppenführers

Bataisk aus der Sicht eines Gruppenführers der ersten Linie

Analyse der Brückenaktion vor Bataisk

13. Kapitel: Die Kämpfe im Kaukasus - 1942/43

Beurteilung der „Abteilung Fremde Heere Ost" Mitte 1941

Vorstoß in den Nordkaukasus 1942

Vorgehen der verbliebenen Teile der 8. Kompanie

Brückenaktion in Maikop

Gefecht der 5. Kompanie beim Dorf Dondukowskaja

Einsatz der 7. Kompanie bei der SS-Pz.Div. „Wiking"

Brückenaktion über die Pschecha bei Pschechskaja

SS-Division „Wiking" – Ia

Vorstoß der 5. und 8. Kompanie in Richtung Terek

Brückenkopfkämpfe am Terek

Brückenaktion gegen die Brücken bei Arik

Kämpfe der 5. Kompanie bei Elchotowo

Verlagerung des Angriffsschwergewichtes auf den Raum Mosdok

Letzte Angriffserfolge in Richtung Naltschik

Brückenaktion bei Darg Koch

Kämpfe um Ordschonikidse

Übernahme der Initiative durch die Sowjets an der Terek-Front

Abwehrkampf der 5. und 8. Kompanie im Raum Alagir

Erste Anzeichen der „Stalingrad-Katastrophe"

Einsatz der 7. Kompanie im Waldkaukasus

Momentaufnahmen aus den Kämpfen im Waldkaukasus

7. Kompanie der 11. Jägerdivision unterstellt

7. Kompanie der 1. Gebirgsjägerdivision unterstellt

Zurücknahme der 7. Kompanie aus der HKL und Rückverlegung

Zusammenbruch der Stalingrad-Front

Rückzug von der Terek-Front - Kampfgruppen der „Brandenburger"

„Brandenburger" als Deckungstruppe der Heeresgruppe A

Rückzugsgefecht bei Kalnibolotskaja im Jänner 1943

Rückzugsgefechte südlich des Don

Abwehrkämpfe der Kampfgruppe Weithoener im Februar 1943

Stabilisierung an der Mius-Front

Rückverlegung des restlichen Bataillons nach Baden

3.TEIL: EINSÄTZE AM BALKAN AB 1943

14. Kapitel: Umgliederung vom II. Bataillon zum 2. Regiment der Division Brandenburg

Ausgangslage der Deutschen Wehrmacht 1943

Militärstrategische Bedeutung des Balkans

Operative Bedeutung Griechenlands Mitte 1943

Vom Sonderverband „Brandenburg zur „Division Brandenburg

Struktur der „Division Brandenburg"

Divisionstruppen

Regimenter

Graphische liederung der Division BRANDENBURG

Graphische Darstellung der Divisionsgeschichte

Graphische Gliederung des 2. Regiments der Division BRANDENBURG

Gliederung des I. Bataillons

Einsatz der „Division Brandenburg" 1943

Werdegang der ehemaligen 6. Kompanie des II. Bataillons

Umgliederung der 6. Kompanie zum II. Btl./3. Rgt

15. Kapitel: Einsatz in Nordgriechenland und Albanien – 1943

Phänomen des „Partisanen-Kampfes" am Balkan

Verlegung des 2. Regiments nach Nordgriechenland

Einsatz der Bataillone gegen kommunistische Partisanen

Initiative der Division zu einem effizienteren Einsatz

Verlegung des I. Bataillons in den Raum Florina

Regimentsangriff auf die Stadt Grevenna

Unternehmen „ACHSE"

Verlegung der Masse des 2. Regiments nach Albanien

Einsatz auf der Insel Korfu

Spannungen zwischen „Brandenburgern und der „Norm-Truppe

Dienst in der Garnison Korca

Neue Einsatzräume des Regiment in Albanien und Montenegro

Zwischenresümee zur deutschen Besatzungspolitik am Balkan

16. Kapitel: Einsatz in Montenegro und Albanien – 1943/44

Jugoslawische Widerstandsgruppen im II. Weltkrieg

Operative Bedeutung des Großraumes um Raska

Aufstieg Titos und der „Volksbefreiungsfront"

Beurteilung des „Bandenunwesens" durch den OB/Südost

Unternehmen „Kugelblitz"

Angriff auf die Brücke über den Lim in Prijepolje

Ergebnis des Unternehmens „Kugelblitz"

Verstärkte Probleme beim Personalersatzes ab 1943

Vorstoß des I. Bataillons in das obere Limtal

Lage zum Jahreswechsel 1943/44

Weihnachtsbefehl 1943 des Generalmajor v. Pfuhlstein

Praxis des Partisanenkampfes am Balkan

Ausgangslage zu Jahresbeginn 1944

Lage in Serbien Anfang 1944

Intensivierung der Kämpfe mit Beginn 1944

Kämpfe am Jabukapass im März 1944

Wiederholte Kämpfe im oberen Limtal

2. Regiment als selbstständiger Stützpunkt im Raum

Einsatz des II. Bataillons in Albanien 1944

Lage in Albanien 1943/44

Einsatz des II. Bataillons als „Albanien-Feuerwehr"

Unternehmen „Rübezahl"

Letzter Einsatz des I. Bataillons im Raum Prijepolje

Beteiligungen an Sonderunternehmen

17. Kapitel: Endkämpfe in Jugoslawien und Ungarn – 1944

Initiative der Division zu „Landeseigene Streifkorps"

Versuch die „Brandenburger" als Kommandotruppe zu erhalten

Ende der Division als Sonderkampfverband

Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte im Juni 1944

Abfall der deutschen Verbündeten am Balkan

Rückzug des Heeresgruppe E aus Griechenland

Verlegung des 2. Regiments nach Belgrad

Unterstellung unter den Militär-Befehlshaber Südost

Einsatz als „Rettungstruppe" im Raum Negotin

Rettungsaktion des I. Bataillons bei Brza-Palanka

Einsatz des I. Bataillons an der „Donau-Front"

Rückzugsgefechte des 2. Regiments in den Raum Belgrad

Der Kessel vor Belgrad

Ausbruch aus dem Kessel

Verlagerung des sowjetischen Schwergewichts nach Norden

Brückenkopfkämpfe bei Apatin und Batina

Einsatz der „Kampfgruppe Oesterwitz" in Ungarn

Herauslösen der „Brandenburger" aus der Balaton-Front

18. Kapitel: Umgliederung und Kriegsende - 1945

Zusammenfassung

Die rekonstruierbaren Anfänge der „Brandenburger-Idee" in Österreich bzw. in Deutschland während der Jahre 1938/39

Die ideologischen und fachlichen Hintergründe zum Aufbau der „Brandenburger-Verbände" und deren Orientierungshilfen und Vorbilder

Der Einsatz der „Brandenburger-Einheiten" wurde zu einem Bestandteil der Angriffsführung im Deutschen Heer bis 1942

Das Zusammenwirken dieser Sondereinheit der Abwehr II mit den operativen Panzerverbänden der Deutschen Wehrmacht

Der Einsatz des „II. Bataillons des Lehrregiments Brandenburg z.b.V. 800" bei der Heeresgruppe Nord gegen die Sowjetunion 1941

Das II. Bataillon beim Einsatz 1942/43 bei der HGr A im Kaukasus

Die unterschiedlichen Einsatzvarianten der Truppe vor bzw. nach 1943

Die Bedeutung des „II. Bataillons bzw. des späteren 2. Regimentes der Division Brandenburg" für die deutsche Kriegsführung am Balkan 1941 bzw. 1943/44

Der Aufbau und die Verwendung der „Brandenburger-Einheiten am Beispiel II. Bataillon bzw. 2. Regiment der „Division Brandenburg

Das zur Verfügung stehende Rekrutierungspotential bzw. die Rekrutierungsmethoden der „Brandenburger-Verbände"

Die Motivation der Soldaten zum Eintritt und Verbleib in dieser Truppe

Die Elemente der allgemeinen Ausbildung der Mannschaften und die spezifischen Ausbildungskriterien der „Brandenburger-Einheiten"

Die Entwicklung der klassischen Einsatztaktik der Kommandounternehmen bei Brückeneinsätzen bis 1942

Das Erfolgsprinzip der „Brandenburger" als Sondertruppe

Auflistung der militärischen Erfolge der „Brandenburger" des II. Bataillons bzw. des 2. Regiments mit besonderer taktischer oder operativer Bedeutung für das deutsche Heer oder einzelne Heerestruppen

Resümee

Primärquellennachweis

Literaturnachweis

Einleitung

Themendarstellung

Der II. Weltkrieg war gegenüber dem I. Weltkrieg in vielen Bereichen ein Quantensprung in wehrtechnischer und operativ-taktischer Hinsicht. Die Möglichkeiten der zwischen den Weltkriegen weiterentwickelten Technik, sowie die Bereitschaft aggressiver Ideologien ihre politischen Ziele mit allem Nachdruck zu erreichen, boten den Militärs neue Möglichkeiten am Gefechtsfeld. Diese Feststellung gilt für eine Reihe nationalistischer Staaten der Zwischenkriegszeit und für die kommunistische UdSSR. Besondere Bedeutung gewinnt diese Erkenntnis im Falle des nationalsozialistischen Deutschland, das in seiner Vorgangsweise besonders stark von den Eigenarten seiner Leitfigur, Adolf Hitler, bestimmt war.¹

Eine dieser Neuerungen war die Weiterentwicklung der Panzerwaffe von einer Unterstützungswaffe der Infanterie zu einer selbstständigen und Schlachten entscheidenden Waffengattung.² Die Möglichkeiten dieser neuen Waffengattung erkannte als einer der ersten der sowjetische Marschall Tuchatschewskij. Er entwickelte den „Kühnen Stoß in die Tiefe³. Unter diesem Begriff versteht man die volle Nutzung der Beweglichkeit und Feuerüberlegenheit von gepanzerten Gefechtsfahrzeugen gegenüber der bisherigen „Königin der Waffengattungen, der zu Fuß marschierenden und kämpfenden Infanterie. Er erkannte die Möglichkeit, mit geschlossenen mittleren⁴ und großen⁵ Panzerverbänden schnell und damit überraschend in die Tiefe des gegnerischen Gefechtsfeldes erfolgreich vorstoßen zu können. Dadurch war es möglich geworden, feindliche Truppenmassierungen rasch zu umfassen, diese möglicherweise auch quantitativ überlegenen Kräfte einzukesseln, um so die Voraussetzungen zu deren Vernichtung zu schaffen. Derartige Vorstellungen, die als Mythos seit der Schlacht von Cannae⁶ visionäre Militärstrategen immer wieder beschäftigt hatten, gelangten in der UdSSR der Zwischenkriegszeit erstmals im Rahmen von Übungen zur Umsetzung.⁷

Überlegungen hinsichtlich der Verwendung einer eigenständigen Panzerwaffe gab es aber nicht nur in der Sowjetunion. So waren es in Frankreich Vordenker wie ein de Gaulle⁸, in Deutschland Männer wie Guderian⁹, die die Möglichkeiten einer selbstständig operierenden Panzerwaffe unter Deckung einer entsprechenden Luftwaffe als bewegliche Feuerunterstützung¹⁰, erkannt hatten. Im Gegensatz zur Roten Armee der Sowjetunion, die sich selber als revolutionär und antikonservativ verstand und unkonventionellen Überlegungen offener gegenüber stand¹¹, konnte sich eine derartige Denkweise im Westen vorerst nicht durchsetzen. Hier dominierten die Skeptiker¹², die nicht zu Unrecht auf die Gefahren derartiger isolierter Stöße in die Tiefe des gegnerischen Raumes verwiesen.

Derartige Vorstöße mussten laufend mit erheblichen Mengen an Treibstoff und Munition versorgt werden, so dass sich daraus zwangsläufig enorme Probleme im Bereich der Logistik ergaben. Weiters war grundsätzlich die Feldinstandsetzung technisch noch nicht so ausgereift, so dass die schnelle Reparatur von gepanzerten Gefechtsfahrzeugen, beginnend bei der Ersatzteilzuführung bis hin zum Abschub von Schadgerät, nicht sicher gestellt werden konnte. Hinsichtlich der Truppenführung musste permanent die eigene Flankenbedrohung beachtet werden, die dem Gegner Möglichkeiten zur Aufsplitterung der vorstoßenden Kräfte bot und damit deren Zusammenhalt gefährdete. Auch die Führbarkeit der weit auseinander gezogenen Truppenteilen durch die Armeestäbe angesichts der damaligen qualitativ und quantitativ beschränkten Funkgeräteausstattung, war nicht zu garantieren und damit ein ständiges Führungsproblem.¹³

Diese Einwände gegen ein selbstständiges Agieren von eigenständigen Panzerverbänden¹⁴ waren schwerwiegend, da sie den eigentlichen Sinn der Theorie des „Stoßes in die Tiefe", die operative Überraschung¹⁵, sehr leicht wirkungslos machen konnten. Würden die in den Bedenken geäußerten Schwierigkeiten auftreten, dann hätte der Gegner genügend Zeit entsprechende Gegenmaßnahmen einzuleiten. Das oberste Gebot derartiger Operationen musste es also sein, gepanzerte Verbände so schnell wie möglich ihre Angriffsziele erreichen zu lassen. Zeit war dabei der entscheidende Faktor dieser offensiven Strategie, die die Möglichkeiten einer selbstständigen Panzerwaffe voll nutzen wollte.

Der Widerstand gegen selbstständige Panzerverbände ergab sich am Beispiel Frankreichs aus der französischen Grundannahme, die Erfahrungen des I. Weltkrieges hätten gezeigt, dass eine stabile, ausgebaute Verteidigungslinie, wie die Maginot-Linie¹⁶, gegenüber einem Angreifer im Vorteil liege. Die pioniertechnische Weiterentwicklung im Bereich der Fortifikationstechnik, basierend auf den Erfahrungen des I. Weltkrieges, habe dagegen jede offensive Bewegung am Gefechtsfeld ineffektiv gemacht. Ein massives Bollwerk, besetzt mit ausreichenden Truppen, sei der Garant für Sicherheit vor einer nochmaligen deutschen Aggression im 20. Jahrhundert. Die militärstrategische Denkweise in Frankreich war defensiv-konservativ und hat die Entwicklungen in den Bereichen gepanzerte Gefechtsfahrzeuge und einer verbesserten Luftwaffe nicht berücksichtigt.¹⁷

Auch in Deutschland war die gängige Denkweise des Generalstabs von den Eindrücken und Erlebnissen der Materialschlachten des I. Weltkrieges bestimmt. Die neue politische Führung unter Hitler hatte aber keine defensiven politischen Zielsetzungen und suchte deshalb offensiv orientierte Visionen.¹⁸ Aus dieser politisch-ideologischen Grundeinstellung heraus war Hitler bereit, auch gegen die vorherrschende Meinung der obersten deutschen Militärs¹⁹, offensive Ideen und Innovationen zu fördern²⁰. Dieser Umstand ermöglichte es, dass ein Vordenker wie Guderian, auf Betreiben Hitlers und gegen die konservative Heeresführung, die Möglichkeit bekam, seine Ideen in die Tat umzusetzen.²¹ Deutschland wurde somit in der Anfangsphase des II. Weltkrieges zum Vorreiter der modernen Panzerwaffe und Hitler konnte, ganz gegen die Vorhersagen seiner eigenen Heeresleitung, in den ersten Jahren des Krieges erstaunliche Erfolge erzielen. Diese Art der „schnellen Kriegführung wurde von der nationalsozialistischen Propaganda mit dem Schlagwort „Blitzkrieg-Strategie bezeichnet und damit in der Bevölkerung populär.²²

In der Vorbereitung dieser Strategie des „Blitzkrieges" zeigte sich auf der Ebene der operativen Planung, dass die Stoßkraft einer offensiven Panzerwaffe von Kunstbauten, wie Brücken, und verkehrstechnischen Engstellen, wie Tunneln und Pässen, massiv beeinträchtigt wurde. Es ergab sich somit die zwingende Notwendigkeit, dieses operativ bedeutende Schlüsselgelände²³, vor der Zerstörung durch die verteidigenden Truppen, schnell und unzerstört in eigenen Besitz zu nehmen. Erst wenn diese Unternehmen gelangen, war der Faktor „Zeit" für die eigene Angriffsführung im erforderlichen Ausmaß sichergestellt.²⁴ Das Oberkommando der Wehrmacht betraute mit der Lösung dieser Problematik auch den eigenen Auslandsgeheimdienst, das Amt Ausland/Abwehr²⁵, unter Admiral Canaris²⁶.

Innerhalb dieses Amtes war es die Abwehr II, die für derartige Unterstützungsmaßnahmen der Wehrmacht zuständig war. Um diese Aufgabenstellung zu erfüllen, nutzte die Abwehr II die in den jeweiligen Zielländern befindlichen Kriegs-Organisationen (KO)²⁷. Die Ergebnisse dieser Kommandounternehmen²⁸, meist durchgeführt von volksdeutschen Zivilisten oder deutschfreundlichen Kollaborateuren, waren beim ersten „Schießkrieg der deutschen Wehrmacht" im Rahmen des II. Weltkrieges, beim Feldzug gegen Polen, ernüchternd²⁹.

Der Polen-Feldzug zeigte die Notwendigkeit operatives Schlüsselgelände bzw. Kunstbauten auf diesem Schlüsselgelände unzerstört in Besitz nehmen zu müssen, um die eigenen schnellen/gepanzerten Verbände im Sinne der „Blitzkriegs-Strategie zur Wirkung bringen zu können. Der Zeitfaktor war zur Führung der geplanten Angriffskriege auf deutscher Seite weiterhin von entscheidender Bedeutung. Hatte sich die deutsche Luftwaffe als „Fern-Artillerie der Panzerwaffe bewährt, so fehlte noch ein geeignetes Instrumentarium, das die infanteristische Schwäche der Panzer und deren fehlende taktische Überraschung³⁰ ausgleichen konnte.

Innerhalb der Wehrmacht suchte man nach Lösungsmöglichkeiten für dieses Problem.³¹ Im Rahmen der Abwehr II kristallisierte sich eine Sonderformation heraus, deren Arbeitsmethode im Zusammenspiel mit der Panzerwaffe zwar unkonventionell, aber überwiegend erfolgreich war. Diese Truppe erhielt 1940 die Bezeichnung Lehrregiment Brandenburg z.b.V. 800. Für die unmittelbare Bezeichnung der Soldaten dieses Lehrregimentes wurde die allgemeine Bezeichnung „Brandenburger" verwendet.³²

Forschungsstand

In der Militärgeschichte gibt es eine Fülle von Beispielen für „besondere oder außergewöhnliche Truppen, die man als „unkonventionell bezeichnen kann. Dieses „Eigenheit wird in der Regel mit unterschiedlichen Nuancen eines „Elite-Status in Zusammenhang gebracht. Was unter „Elite" zu verstehen ist, hängt in nicht unbeträchtlichem Ausmaß von dem jeweiligen Wertesystem einer Gesellschaft ab.³³ Beaumont unterscheidet in seinem 1988 erschienen Research Guide der „Elite Units die „besonderen Truppen des 20. Jahrhundert in 10 Gruppen³⁴:

Daneben kann man diese besonderen Truppen bzw. Elitetruppen, auch wie konventionelle Truppen nach ihrer Kampfkraft³⁵ und ihrem Kampfwert³⁶ unterscheiden und historisch würdigen. Für einen kurzen Streifzug durch die Militärgeschichte, als verdeutlichende Gegenüberstellung zum Thema der Dissertation, bietet sich die römische Prätorianer-Garde³⁷ der Kaiserzeit, als Beispiel für eine Truppe mit einem hohen sozialen Stellenwert, an. Für Truppen mit dem Spezifikum einer hohen Kampfkraft sind Templer³⁸, die Schweizergarde³⁹ und sonstige militärische Gruppierungen zu nennen, denen man überdurchschnittlichen Mut und Standfestigkeit nachsagt. Bei militärischen Formationen, die bekannt für ihren hohen Kampfwert waren, kann man unter anderem die Tiroler Kaiserjäger nennen.

Dieser äußerst grobe Streifzug durch die europäische Militärgeschichte, vom Altertum bis zur Zeitgeschichte des I. Weltkrieges, soll daran erinnern, dass es Truppen mit dem Anspruch des „Besonderen in der Geschichte immer schon gab. Dieses Faktum wird in seiner Bedeutung auch nicht gemindert, wenn dieser Anspruch des „Besonderen erst im Laufe der Zeit durch die sozialen Rahmenbedingungen oder das erfolgreiches Agieren dieser Formationen in ihrem unmittelbaren Aufgabengebiet begründet wurde.

Die Neuerung in Folge des II. Weltkrieges lag nun darin, dass man erstmals in der Kriegsgeschichte bewusst Truppen von Spezialisten rekrutierte, um sie speziell und umfassend auszubilden. Diese Spezialisten waren für ein relativ kleines Aufgabensegment vorgesehen und sollten als „Sondertruppe auch nur für „Sonderunternehmen eingesetzt werden.

Dieses Segment betraf im Falle der „Brandenburger-Truppe" den Einsatz in besonders sensiblen und für die Kampfführung von Großverbänden operativ bedeutenden Schlüsselgeländen mit Kunstbauten. Hierbei konnten sie nur in geringer Mannschaftsstärke vorgehen, um das wesentlichste Element ihrer Einsatztaktik, das Überraschungsmoment, sicherzustellen. Diese spezielle Einsatztaktik, bei der neben der taktischen Überraschung auch die zeitweilige Täuschung des Gegners wesentlich war, erforderte Männer mit einem besonderen Anforderungsprofil.

Diese Männer mussten im Rahmen ihrer Kommandounternehmen außergewöhnlichen psychischen und physischen Belastungen standhalten, die weit über dem Niveau konventioneller Truppen lagen. Zur Abdeckung des Täuschungsmomentes musste zusätzlich pro Kampfeinheit ein gewisser Prozentsatz dieser Kommandosoldaten über ortsübliche Sprachkenntnisse verfügen. Von den Führungsoffizieren wurde darüber hinaus ein hohes Maß an Improvisationsvermögen verlangt. ⁴⁰

Diese spezielle Entwicklung und die Anforderungen des II. Weltkrieges zeigten unter soziologischer Betrachtungsweise eine weitere funktionale Differenzierung innerhalb der bis dato üblichen Truppenteile.⁴¹ Die Entstehung „eigener Kommando-Truppen" ergab sich im Falle der deutschen Wehrmacht unter anderem aus der Weiterentwicklung der Panzerwaffe des I. Weltkrieges.⁴²

Resümierend für den Stand der Forschung kann festgehalten werden, dass es bis dato noch keine umfassende wissenschaftliche Bearbeitung dieser Truppe der Abwehr II, des Amtes Ausland/Abwehr gibt. Da die Einheiten der „Brandenburger" maßgeblichen Anteil an verschiedensten Erfolgen der Blitzkriegsführung hatten und an unterschiedlichsten Sonderaktionen der deutschen Wehrmacht beteiligt waren, erscheint eine Aufarbeitung der Thematik, der Geschichte und des Phänomens der Brandenburger wissenschaftlich sinnvoll. Es liegen bis jetzt nur vereinzelte Versuche vor, sich diesem Phänomen auf der Ebene von Aufsätzen zu nähern, und auch das nur an Hand von Beispielen aus dem englischsprachigen Raum.⁴³ Einzig in Randbemerkungen von Einsatzkommandanten finden sich Hinweise auf die operative Bedeutung der „Brandenburger" für die Angriffsführung ihres eigenen Verbandes.⁴⁴

Wissenschaftliche Fragestellungen

Aus dieser Ausgangslage heraus ergibt sich die nachfolgende allgemeine Bedeutung des Dissertationsthemas:

•Der Einsatz der „Brandenburger-Einheiten" als Teil der Angriffsführung der deutschen Wehrmacht des II. Weltkrieges bis 1942

•Zusammenwirken dieser Sondereinheiten der Abwehr II mit den operativen Panzerverbänden der deutschen Wehrmacht

•Die unterschiedlichen Einsatzvarianten dieser Truppe vor 1943 bzw. nach 1943

•Die spezielle Bedeutung des „II. Bataillons des Lehrregiments bzw. des „2. Regimentes der Division Brandenburg für die deutsche Kriegsführung am Balkan 1941 und 1943/44

•Die spezielle Bedeutung des „II. Bataillons des Lehr-Rgt. Brandenburg z.b.V. 800" beim Einsatz der Heeresgruppe Nord gegen die Sowjetunion 1941 bzw. 1942/43 der Heeresgruppe Süd/Heeresgruppe A beim Vorstoß in den Kaukasus

•Die spezielle Bedeutung des „2. Regimentes der Division Brandenburg" im Rahmen der Bandenbekämpfung 1943/44 am Balkan

•Bedeutung und Stellenwert der „Brandenburger als Kommandotruppe in der deutschen Wehrmacht am Beispiel des „II. Bataillons des Lehr-Rgt. Brandenburg z.b.V. 800 bzw. des „2. Regimentes der Division Brandenburg"

Aus dieser allgemeinen Bedeutung ergeben sich nachfolgende wissenschaftliche Fragestellungen, die beispielgebend für das Gesamtvolumen der Dissertation angeführt sind:

•Welche tatsächlichen Beweggründe haben zum Aufbau einer eigenen Kommandotruppe innerhalb der Abwehr II geführt? Gab es Alternativen, Widerstände gegen diese neue Truppe, …?

•Wo liegen die eigentlichen Wurzeln der „Brandenburger-Idee"?

•Wie sah der ideologische und fachliche Hintergrund zum Aufbau dieser Truppe aus? Wo lagen die Wurzeln? Welche Orientierungshilfen und Vorbilder lagen vor?

•Gibt es nachvollziehbare Verbindungen zu möglichen Vorläuferorganisationen der „Brandenburger Einheiten"?

•Wie erfolgte der Aufbau der „Brandenburger Einheiten am konkreten Beispiel des „II. Bataillons bzw. des 2. Regimentes der Division Brandenburg?

•Welches Rekrutierungspotential stand der Truppe zu Beginn zur Verfügung? Welchen sozialen Schichten gehörten die potentiellen „Brandenburger" an?

•Was war ihre Motivation sich in dieser Truppe ausbilden zu lassen?

•Wie war das Verhältnis der Berufsoffiziere zu den Offizieren der Reserve in der Gruppe der „Einsatzführer"?

•Wie erfolgte die Auswahl der Soldaten und wie waren die Ausbildungskriterien der „Brandenburger Einheiten"?

•Wie sahen die Gliederungen und Einsatzgrundsätze der „Brandenburger Einheiten" vor bzw. nach dem Jahre 1943 aus?

•Wie sahen die Kriterien eines Kommandounternehmens der deutschen Wehrmacht im II. Weltkrieg aus?

•Wann war die klassische Einsatztaktik der Kommando-Unternehmen entwickelt? Welchem Wandel unterlag diese Einsatztaktik?

•Was war das Erfolgsprinzip der „Brandenburger? Was waren die Charakteristika der „Brandenburger Taktik?

•Welche Unterschiede gab es zu anderen deutschen oder nichtdeutschen Sonderformationen mit ähnlichem Aufgabengebiet?

•Wie waren die „Brandenburger" als Teil einer offensiven Kriegsstrategie bis 1942/43 in den Angriffsspitzen des deutschen Heeres eingebunden?

•Wie bewährte sich die Zusammenarbeit der „Brandenburger" als Hilfswaffengattung zur Panzerwaffe im Angriffskrieg?

•Welche Unterschiede im Gegensatz zu Infanterie-Truppen gab es im Zusammenwirken der „Brandenburger" mit Panzer? Funktion und Arbeitsteilung?

•Welche Auswirkungen hatten die Einsätze der „Brandenburger auf die einzelnen deutschen Feldzüge am Beispiel des „II. Bataillons/Lehr-Rgt. Brandenburg z.b.V. 800?

•Welche Auswirkungen hatte 1943 die Umgliederung des „II. Bataillons/Lehr-Rgt. Brandenburg z.b.V. 800 zum „2. Regiment der Division Brandenburg?

•Welche Auswirkungen gab es hinsichtlich der Rekrutierung, Ausbildung und Ausrüstung der neuen Mannschaften? Welche Auswirkung hatte die Kommandantenbesetzung mit „Nicht-Brandenburgern"?

•Welche Veränderungen traten 1943 mit dem Übergang zu einer neuen Hauptverwendung ein? Welche Konsequenzen ergaben sich durch den Einsatz in den Bandengebieten des Balkans?

•Welche Einsatzerfahrungen ergaben sich aus den Einsätzen in Nordgriechenland, Albanien, Montenegro und Serbien? Wie wurde die Bandenbekämpfung von den Brandenburgern durchgeführt?

•Wie sah die letzte Verwendung des „2. Regimentes der Division BRANDENBURG" als Nachtruppe bei den Rückzugsgefechten in Serbien aus?

Das Thema der Dissertation „Das 2. Regiment der Division BRANDENBURG behandelt somit nur einen Teil des Phänomens der „Brandenburger. Dennoch eignet sich die wissenschaftliche Erarbeitung der Geschichte des 2. Regimentes besonders gut für die Darlegung von Rückschlüssen auf das Gesamtphänomen, da für dieses Regiment umfangreiches Quellenmaterial mit Primärstatus vorliegt.

Beurteilung der Literaturlage

Die Literatur zu dem Spezial-Thema „Brandenburger" ist erstaunlich gering angesichts der Vielzahl an sonstiger Literatur zum II. Weltkrieg. Die vorhandenen Publikationen kann man gemäß ihrer fachlichen Qualität und Zielsetzung grundsätzlich in 7 Kategorien unterteilen:

Die erste Kategorie lässt sich unter dem Begriff „persönliche Erlebnisberichte" einordnen. Dazu gehören die beiden Publikationen von Willy Acherer, „Mit seinem schweren Leid …", Brixen 1986⁴⁵ und von Sepp DeGiampietro, „Das falsche Opfer", Graz 1984⁴⁶. Diese beiden genannten Autoren sind Südtiroler, die mit ihren Publikationen die Lage ihrer Volksgruppe im Umfeld des II. Weltkrieges darstellen wollen. Ihr primäres Ziel ist die Schilderung der Beweggründe, aus deren sich ihre Generation für ihre Heimat, im Rahmen des Großdeutschen Reiches, eingesetzt hat. Mit der Darstellung ihrer Militärzeit bei den „Brandenburgern" weisen sie auf ihren überdurchschnittlichen Einsatz für ihr Südtiroler Deutschtum hin. Da ihnen ihr Einsatz von nazi-deutscher Seite jedoch nicht mit dem selbstständigen Erhalt ihrer Heimat belohnt wurde, schwingt in diesen beiden Büchern eine starke kritische Komponente in der Darstellung ihrer Erlebnisse mit.

Die im Eigenverlag erschienene Publikation Heinz Drenger, „Herr Gott, wie Du willst", Olpen 1993, ist von einem ehemaligen Baltendeutschen geschrieben, der als Russisch sprechender Volksdeutscher ein „Brandenburger der ersten Stunde" ist. Diese Arbeit hat einen starken persönlichen Bezug und ist im Sinne einer Selbstaufarbeitung der Erlebnisse zu verstehen, die nicht immer unkritisch als Quelle heranzuziehen ist.⁴⁷

Alle diese Publikationen haben für die Dissertation einen hohen Stellenwert, da sie von ehemaligen Angehörigen des 2. Regimentes geschrieben wurden und unmittelbar als Primärquelle in die Arbeit unter der gebotenen quellenkritischen Würdigung einfließen.

Die zweite Kategorie lässt sich unter dem Begriff „Dokumentation subsumieren. Als das Standardwerk zum Thema „Brandenburger ist dabei das Buch von Helmuth SPAETER zu bewerten, Die Brandenburger eine deutsche Kommandotruppe – zbV 800 (München 1978).⁴⁸ Der ehemalige Ib⁴⁹ der späteren Panzerdivision „Brandenburg konnte, da er persönlich an Kommandoaktionen nicht teilgenommen hatte, relativ objektiv und wertfrei die Geschichte der Division nachvollziehen. Es gelingt ihm dabei weitgehend auf Klischees zu verzichten und er versucht, die gesamte Bandbreite der Division nach wissenschaftlichen Kriterien darzustellen. Dabei arbeitet er, unterstützt von einem Redaktionsteam aus ehemaligen „Brandenburgern, mit Quellen aus dem Militärarchiv des Bundesarchivs in Freiburg im Breisgau und mit an ihn bzw. das Redaktionsteam⁵⁰ gesandten Briefen ehemaliger Kameraden der Division. In Summe ist ihm seine äußerst schwierige Aufgabe konkurrenzlos gut gelungen. Im Zuge seiner Ausarbeitungen behandelt er auch das 2. Regiment bzw. dessen Vorläuferorganisation im Rahmen des „Lehr-Rgts. Brandenburg z.b.V. 800".

Die dritte Kategorie kann man unter der Bezeichnung „Deutsche Landser-Romantik" ablegen. Dazu zählen das Buch von Werner Brockdorff, „Geheimkommandos des II. Weltkrieges", Wels 1967⁵¹ und der Beitrag von Russel Miller, „Meister der Täuschung"⁵², in: Die Kommandotruppen, Eltville am Rhein 1994, S. 128-141. Das offensichtliche Ziel dieser Autoren ist die Aufrechterhaltung der „Landser-Romantik, die sie durch Verzerrungen und Falschannahmen am Beispiel einer „legendären Sondertruppe der Abwehr II zu erreichen versuchen. Der dabei gebotene Informationswert kann einer strengen fachlichen Überprüfung nicht standhalten und war im Falle von Brockdorff schon Gegenstand heftiger Dispute in der einschlägigen Fachliteratur.⁵³ Diese beiden Publikationen zeigen das Phänomen der „Mythenbildung" sehr deutlich auf, das durch wiederholtes Abschreiben verstärkt wird.

Ein ähnliches Urteil muss man leider auch der jüngsten diesbezüglichen Publikation von Franz Kurowski, „Deutsche Kommandotrupps 1939-1945. Brandenburger und Abwehr im weltweiten Einsatz", Stuttgart 2000, zugestehen.⁵⁴ Auch er spricht in seinem Vorwort von den „… sagenumwobenen Brandenburgern …" (S. 7) und steigert sich bis zu einer völlig überzogenen Mystik (S. 8). Dieses Werk stellt über weite Strecken eine Zusammenschrift bereits erschienener Publikationen dar, wie z.B. Heinz Höhne, „Canaris – Patriot im Zwielicht", Bindlach 1993 (S. 12, 17, 19).

Problematisch wird diese Arbeit aus militärhistorischer Sicht, wenn der Autor zu Missinterpretationen und zur Schilderung von Phantasien schreitet. So lässt er z.B. bereits im Polen-Feldzug „Brandenburger in den Einsatz gehen (S. 43), „Brandenburger am Unternehmen MERKUR, der Landung auf Kreta, teilnehmen (S. 89) und die 8. Kompanie nach Bataisk unter Prochaska neu formieren (S. 167).

Die vierte Kategorie stellen die „Romane". Zwei Autoren haben sich dem Thema in Romanform genähert. So Willi Berthold, „Division BRANDENBURG. Die Haustruppe des Admiral Canaris" – Roman nach Tatsachen, München 1977 und Herbert Kriegsheim, „Getarnt – getäuscht und doch getreu", Berlin 1959⁵⁵. Vor allem Kriegsheim ist als ehemaliger Einsatzoffizier der „Brandenburger", der bis zum Bataillonskommandeur innerhalb der Division aufgestiegen war, autorisiert seine Erlebnisse für ein geeignetes Fachpublikum zu schreiben.

Die fünfte Kategorie lässt sich nur mit dem Begriff „Negativ-Literatur beschreiben. Es handelt sich hierbei um ostdeutsche Publikationen, die das Thema „Brandenburger zur Propaganda gegen die Bundesrepublik Deutschland und die NATO der 60er und 70er Jahre verwenden. Durch diese Zielsetzung verlieren die interpretatorischen Aussagen und Zusammenfassungen der Arbeiten großteils an Wert. Zu dieser ostzonalen Literatur sind die beiden Bücher von Watzdorf/Charisius/Voester, „Getarnt, Entdeckt und Aufgerieben – Die faschistische Sondereinheit Brandenburg z.b.V. 800", Berlin 1961, und Julius Mader, „Hitlers Spionagegenerale sagen aus. Ein Dokumentarbericht über Aufbau, Struktur und Operationen des OKW-Geheimdienstes Ausland/Abwehr mit einer Chronologie seiner Einsätze von 1933 bis 1944", Berlin 1970, 11. Auflage 1983, zu zählen. Diese Werke bieten allerdings durch detaillierte graphische Darstellungen gute Übersichten hinsichtlich der Gliederungen des Amtes Ausland/Abwehr. Ansonsten haben diese Werke kaum eine fachliche Bedeutung.

Die sechste Kategorie stellt die „Ausländische Literatur dar. Auffällig gering ist die Publikationsfreude im westlichen Ausland zu diesem Thema. Als einzig nicht-deutsche „Spezial-Literatur gibt es das Buch von Eric Lefevre, „La Division Brandenbourg 1939 – 1945" Paris 1984. Dieses Buch gibt einen allgemeinen Überblick über die deutsche Kommando-Komponente im II. Weltkrieg, ohne jedoch die Qualität eines Helmuth SPAETERs zu erreichen, da z.B. die Trennlinie zu Skorzeny und seinen Jagdkommandos der Waffen-SS nicht klar ist.

Wenn die „Brandenburger-Truppe" im thematischen Zusammenhang erwähnt wird, dann dominieren oft falsche Mutmaßungen und Fehlinterpretationen, die nur vom Unverständnis hinsichtlich der Eigenart dieser Truppe Zeugnis geben. Ein besonders krasses Beispiel ist dafür Lauran Paine, „German Military Intelligence in World War II. The Abwehr", New York 1984.⁵⁶ Bei diesem Beispiel ist auch keine Verhältnismäßigkeit zu eigenen vergleichbaren Truppen (z.B.: Commandos, SAS, SBS oder LDRG) gegeben.

Weniger krass fällt dieses Urteil im Falle der Publikation von James Lucas, „Kommando. German Special Forces of World War Two", London 1985 (1999) aus.⁵⁷ Aber auch Lucas charakterisiert den „Brandenburger-Soldaten als „radikalen Volkdeutschen, „… this original unit were Volksdeutsche, that is radical Germans who lived in German communities outside the Reich´s borders … (S. 26) und zeigt damit mangelndes Detailwissen im Bereich der Rekrutierung der „Brandenburger-Einheiten. Weiters stellt er die Gründung der „Brandenburger-Einheiten" als Reaktion auf Entwicklungen bei der SS unter Heydrich dar, die von Anfang an von Canaris gewollt und unterstützt worden sei (S. 24 f). Beide Annahmen sind als falsch zu bewerten und werden im Zuge der Arbeit noch im Detail behandelt.

Weitere Fehler sind dem Autor insofern unterlaufen, als dass es im Sommer 1939 noch keine Ausbildung der „zukünftigen Brandenburger gegeben haben kann, da die Kompanie der Vorläuferorganisation zu den späteren „Brandenburgern, die „Deutsche Kompanie z.b.V.", erst am 15.9.1939 am Truppenübungsplatz Bruck-Neudorf südlich von Wien aufgestellt wurde. Die Zusammenziehung dieser Teile mit den Teilen unter Hauptmann Dr. Hippel in Berlin erfolgte dann erst im Verlaufe des Oktober 1939. Auch der erste Kommandant dieser Kompanie war nicht Leutnant Grabert, sondern der Hauptmann Verbeck der Abwehrstelle XVII in Wien (S. 26).

Der Behauptung, dass „Brandenburger bzw. „spätere Brandenburger bereits im Polenfeldzug erfolgreich zum Einsatz gekommen wären (S. 39) muss widersprochen werden, da die Abwehr II in diesem Feldzug noch mit der KO (= Kriegsorganisation) glaubte ihre Aufträge erfüllen zu können.

In weiteren Details, wie z.B. der Ausbildung, den Erklärungsansätzen zum Ursprung der „Brandenburger-Idee (S. 44) und bei einzelnen Durchführungsdetails von Kommandounternehmen auf Brücken 1941 (S. 77 – Beschaffung russischer Uniformen) wird ein falsches Bild gezeichnet, das im Grunde genommen nur den „Mythos der Brandenburger nährt ohne die Tatsachen zu kennen.

International von Bedeutung ist der bereits mehrmals zitierte Research Guide von Roger Beaumont, „Special Operations and Elite Units 1939-1988", Westport/Connecticut 1988,⁵⁸ der die „Brandenburger als Teil des Amtes Ausland/Abwehr beschreibt, die zu ihren Aktionen oft die Uniformen des Gegners getragen haben⁵⁹. Aber auch Beaumont gelingt es dabei nicht zwischen „Brandenburgern und Skorzeny-Männern zu unterscheiden⁶⁰.

Die siebente Kategorie stellt zeitgemäß das Internet dar. Unter der Homepage http://www.force70.freeserve.co.uk werden auf 4 Seiten Links zu den „Elite Forces of the Third Reich 1933-1945 angeboten. Zu den „Brandenburg Commandos gibt es vier derartige Links, plus Unterverzeichnisse, mit nachfolgenden Inhalten:

http://www.force70.freeserve.co.uk/Brandenberg/RECRUITMENT.htm:

Hier wird die allgemeine Rolle der „Brandenburger" im Rahmen der Blitzkriegs-Strategie dargestellt. Falsch ist die Schilderung der Entstehungsgeschichte der Truppe bereits im 1. Halbjahr 1939 und ihr angeblicher Einsatz bereits im Rahmen des Polenfeldzuges (S.1 f). Auf den insgesamt vier Seiten wird weiters ein grober Überblick über die Einsätze von Nordafrika bis in die Sowjetunion gegeben. Grundsätzlich fehlt eine klare Trennung zu den Jagdkommandos der Waffen-SS.

http://www.force70.freeserve.co.uk/Brandenberg/Romania%20Oilfields.htm:

Hier schildert Avro Vercamer den Sicherungs-Einsatz des II. Bataillons im Raum Ploesti 1940. Die Datierung der diesbezüglichen Absprache zwischen Admiral Canaris und dem rumänischen Geheimdienstchef Moruzo mit Mai 1941 ist falsch, da sie bereits im Dezember 1939 erfolgt ist.⁶¹

http://www.force70.freeserve.co.uk/Brandenberg/Maikop.htm:

Diese zwei Seiten schildern die Unternehmen von Lt. Adrian von Folkersam und das Brückenunternehmen des „Einsatz Prochaska" auf die Brücke über die Bjelaja. Gemäß der Primär-Quellenlage beruht die Schilderung des Einsatzes gegen die Brücke auf Phantasie und ist als falsch zu bezeichnen.

http://www.force70.freeserve.co.uk/Brandenberg/Bucharest.htm:

Diese Seite bieten einen recht guten Bericht über den Einsatz des im Feber 1944 aufgestellten Fallschirmjäger-Bataillons der Division „Brandenburg" gegen den Flughafen Otopeni bei Bukarest im August 1944.

http://www.force70.freeserve.co.uk/Brandenberg/commanders.htm:

Hier wird auf elf Seiten die gliederungsmäßige Entstehungsgeschichte der Brandenburger-Verbände von 1939 bis zur Panzergrenadier Division 1945, unter Anführung aller Kommandanten, gezeigt. Eine weitgehende Konfusion der Darstellung der Divisionsgliederung tritt hierbei auf Seite 7 auf, wo die Divisionsgliederung mit der ursprünglichen Regimentsgliederung weitgehend verwechselt wird.⁶²

Zum Abschluss der Buchbesprechungen zur spezialisierten „Brandenburger Literatur" sei noch auf die Behandlung des Themas in führenden Fach-Lexika hingewiesen. Ploetz, „Militärische und Politische Ereignisse – Kriegsmittel", Würzburg 1960, S. 813ff und Zentner/Bedürftig, „Das große Lexikon des Zweiten Weltkrieges", Augsburg 1993, S. 95f. Auch scheinen die „Brandenburger Formationen" bei Georg Tessin, „Verbände der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweite Weltkrieg 1939-1945", Osnabrück 1975 ⁶³ auf.

Im Bereich der Zeitschriften erschienen bis in die 70er Jahre zur Thematik immer wieder Beiträge von unterschiedlicher Qualität. Als Beispiele für den schwer überschaubaren Bereich militärhistorischer Aufsätze in einschlägigen Zeitschriften seien angeführt: „Europäische Freiwillige", Strasser, „Handstreich der Brandenburger", Osnabrück 1968, „Feldgrau", Buchheit, „Die Anfänge des Regimentes Brandenburg", Heft 1/1963, Heft 6/1970, Berlin, „Der Kyffhäuser", Bender, „Die geheimnisvollen Brandenburger", 12/1958 und „Der Landser", Brockdorff, „Siegfried Grabert, Der erste Ritterkreuzträger der Brandenburger",⁶⁴ Radstatt 1975, …. Die Masse dieser Beiträge reiht sich unter der dritten Kategorie, der „Landser-Romantik", ein.

Zum Abschluss der Beurteilung der Literaturlage muss vollständigkeitshalber auf die unüberschaubare Literatur zum II. Weltkrieg hingewiesen werden, in der Aktionen der Brandenburger als Blitzlichter immer wieder auftauchen, ohne dass näher auf die Truppe selber eingegangen wird. Oft überwiegt auch hier die Tendenz zum Klischee. Beispielgebend seien angeführt: Ingomar Prust, „Österreicher im Feuer. Tragödie der Tapferkeit" Leoni/Starnberger See 1988,⁶⁵ Janusz Piekalkiewicz, „Der Krieg am Balkan 1940 – 1945", München 1984,⁶⁶ Otto Skorzeny, „Wir kämpften – wir verloren. Deutsche Kommandos im 2. Weltkrieg", 2. Aufl., 2. Bd., Königswinter 1973,⁶⁷ Otto Skorzeny, „Lebe gefährlich. Kriegsberichte der Waffen-SS" Siegburg-Niederpleis 1962,⁶⁸ Oskar Reile, „Der deutsche Geheimdienst im II. WK – Ostfront" Augsburg 1989,⁶⁹ Heinz Höhne, „Canaris – Patriot im Zwielicht" Bindlach 1993,⁷⁰ Paul Carell, „Unternehmen Barbarossa. Der Marsch nach Rußland" Berlin 1963,⁷¹ ….

Themenabgrenzung

Der organisatorische Ablauf zur Divisionsgeschichte der „Division Brandenburg, im Konkreten der Ausbau des „Lehr-Rgt. Brandenburg z.b.V. 800 Ende 1942, vorerst zum „Sonderverband Brandenburg, dann im April 1943 zur eigentlichen „Division Brandenburg, ist in seiner Abfolge bekannt und kann im Bundesarchiv – Militärarchiv in Freiburg im Breisgau, im Bestandskatalog: RH 26, Infanterie-Divisionen, Bd: „Namensdivisionen", eingesehen werden.⁷²

Dasselbe gilt auch für die Aufstellung des „Lehr-Rgt. Brandenburg z.b.V. 800", im für die Arbeit relevanten Bereich des II. Bataillons, durch die im Militärarchiv in Freiburg vorhanden Stammtafeln der einzelnen Einheiten.⁷³ Für die Dissertation stellen diese Primärquellen den chronologischen Überbau sicher, ohne dass sie für detaillierter Bearbeitungen im Rahmen der Dissertation aussagekräftig sind.

Die Dissertation behandelt die Hintergründe des Phänomens der „Brandenburger am Beispiel des 2. Regimentes und dessen Geschichte. Dadurch wird versucht die Beantwortung der „wissentlichen Fragestellungen in Hinblick auf das Regiment bzw. die Division BRANDENBURG und das „Gesamtphänomen" sicherzustellen.

Auch wenn das 2. Regiment erstmals im April 1943 offiziell in Erscheinung trat, so setzt die Dissertation bereits im Jahre 1939 an. Diese Maßnahme ist erforderlich, um einerseits die Vorläuferorganisation des Regimentes, das II. Bataillon des „Lehr-Rgt. Brandenburg z.b.V. 800, zu berücksichtigen und andererseits die Anfänge der „Brandenburger-Idee innerhalb des Amtes Abwehr/Ausland besser erarbeiten und bearbeiten zu können.

Im ersten Teil der Arbeit ist deshalb ein besonderes Schwergewicht auf die Aufstellung der Vorläuferorganisation des 2. Regimentes, dem II. Bataillon des „Lehr-Rgt. Brandenburg z.b.V. 800, mit der 5., 6., 7. und 8. Kompanie, gelegt. Hier setzt die Dissertation bei deren Aufstellung im Jahre 1940 an, versucht gemäß den offenen wissenschaftlichen Fragestellungen die Motivationslage und das Rekrutierungspotential der ersten „Brandenburger zu beschreiben. Gemäß den Aussagen bzw. Aufzeichnungen ehemaliger Angehöriger werden die spezifischen Ausbildungsformen und Ausbildungsinhalte geschildert.

Der zweite Teil der Arbeit behandelt die Einsätze des II. Bataillons des „Lehrregimentes Brandenburg z.b.V. 800" und beginnt mit dem Sicherungseinsatz in Rumänien und Bulgarien im Jahre 1940. Weiter schreitend wird die Teilnahme an zwei Feldzügen im Jahre 1941, gegen Griechenland (Unternehmen MARITA) und gegen die Sowjetunion (Unternehmen BARBAROSSA), erarbeitet.

Zwischen den Einsätzen der Jahre 1941 und 1942 wird das Leben in der Heimatgarnison im Raum Baden bei Wien nachgezeichnet und versucht, die internen Besonderheiten des II. Bataillons zu schildern.

Mit den Einsätzen im Jahre 1942/43 über Rostow bis in den Kaukasus hinein endet die Phase der deutschen Blitzkriege. Dieser Umstand bedeutet das Ende der „klassischen Zeit der „Brandenburger als Sondertruppe. Die hier ansetzende Zusammenfassung resümiert die Erfahrungen aus der Zusammenarbeit der „Brandenburger" mit der deutschen Panzerwaffe als deren operative Vorausabteilung. In dieser Phase der Arbeit wird auf die Sonderentwicklung der 6. Kompanie speziell verwiesen, da sie ab Sommer 1942 getrennt vom Rest des Bataillons selbstständig im Westen eingesetzt wurde.

Weiter beinhaltet dieser Teil der Arbeit eine Analyse der „Brandenburger-Taktik bei den so genannten „Brückeneinsätzen in z.b.V.-Manier. In zehn Einsatzphasen werden die Abläufe derartiger Unternehmen idealtypisch beschrieben.

Der dritte Teil der Arbeit beginnt mit dem Jahr der Wende 1943. Die deutsche Wehrmacht war nun nicht mehr in der Lage ihre Panzerverbände operativ angreifen zu lassen, sondern musste diese Waffengattung als operative Reserve in defensiven Dispositiven verwenden. Eine Konsequenz daraus für das Konzept der ehemaligen Sondertruppe der Abwehr war deren Umgliederung und die direkte Unterstellung unter den Wehrmachtführungsstab. Für das II. Bataillon bedeutet das den zusätzlichen Ausbau zum 2. Regiment der Division Brandenburg und die Zuweisung einer neuen Aufgabenstellung am Balkan.

Das neu geschaffene Regiment wurde mit seinem Antransport in den Einsatzraum Südosteuropa, gemäß der damaligen Terminologie, zur „aktiven Bandenbekämpfung" eingesetzt. Ein wesentlicher Teil der Arbeit befasst sich mit diesen Einsätzen 1943/44 in Nordgriechenland, Albanien und Montenegro. Eine eigene Analyse des Partisanenkampfes in diesem Teil der Arbeit beleuchtet diese spezifische Kampfart am Balkan aus der Warte der Deutschen Wehrmacht bzw. des 2. Regimentes. Hierbei wird versucht, die revolutionären Eigenarten der kommunistischen Widerstandsbewegung besonders herauszuarbeiten.

Das Jahr 1944 bedeutete nicht nur das Ende des Einsatzes des Regimentes am Balkan, sondern auch die endgültige Entbindung des ehemaligen Sonderverbandes von seinen bisherigen Aufgaben. Auch wenn das Regiment bereits mit September 1944 auf dem Papier als Sonderverband aufgelöst war, so hatte es bis Dezember 1944 noch in seiner alten Verbandsformation als „Krisen-Feuerwehr an jugoslawisch-ungarischen Frontabschnitten zu kämpfen. Mit der Überführung nach Ostpreußen zur endgültigen Umgliederung zu einer Panzergrenadierdivision hörte der Verband als das „2. Regiment der Division Brandenburg auch in der Praxis zu existieren auf.

Die Zusammenfassung gibt die Darstellung der gesammelten, erarbeiteten Antworten auf die wissenschaftlichen Fragestellungen. Hier werden die Erkenntnisse und Ergebnisse der Dissertation als wissenschaftliches Wissen festgehalten.

Methode und Ziel der Arbeit

Die Annäherung an das Thema erfolgt über die quellenkritische Auswertung der vorhandenen „Brandenburger-Literatur", wobei die persönlichen Aufzeichnungen ehemaliger Angehöriger eine besondere Stellung einnehmen.

Einen besonderen Stellenwert haben naturgemäß die Ergebnisse der Interviews und des Schriftverkehrs, der mit ehemaligen Angehörigen der 2. Regimentes und deren Verwandten in Österreich, Deutschland und Südtirol geführt wurde.

Auf gleicher qualitativer Ebene ist die Auswertung der Beiträge ehemaliger „Brandenburger" in den Rundbriefen des 1. Regiments der Jahre 1981 bis 1997 zu sehen, die wesentliche Aussagen zum 2. Regiment beinhalten.

Einen wesentlichen Bestandteil der Dissertation stellt die Auswertung der im Militärarchiv in Freiburg verfügbaren Urkunden und Original-Schriften dar, die sowohl generelle wie auch spezifische Aussagen zum Thema ermöglichen.

Einen zusätzlichen Beitrag liefern die Divisionsgeschichten dieser Divisionen, denen Einheiten der „Brandenburger unterstellt waren. Sie liegen meist in Buchform vor und dienen zur zusätzlichen Verifizierung der Leistung der „Brandenburger auf dem Gefechtsfeld aus deutscher Sicht.

Neben der Erarbeitung der Gefechtsleistungen soll das soziale Umfeld geschildert werden, das für den Beitritt oder die Auswahl der einzelnen Soldaten zu den „Brandenburgern" maßgeblich war. Dieser Ansatz wird durch die Schilderung einzelner Beispiele aus dem steirischen Raum ergänzt.

Die Arbeit zielt auf eine möglichst lückenlose Darstellung der Geschichte des 2. Regimentes der Division „Brandenburg und deren Vorläuferorganisation, dem „II. Bataillon des Lehr-Rgt. Brandenburg z.b.V. 800, ab. Es wird versucht, aus einem militärwissenschaftlichen Ansatz heraus die militärischen Leistungen des Bataillons bzw. Regimentes an Hand von einzelnen Einsatzbeispielen, sowie durch die Schilderung einzelner Schicksale, möglichst deutlich darzustellen. Damit soll am Beispiel dieses einzelnen Verbandes der „Brandenburger" das Gesamtphänomen dieses Sonderverbandes wissenschaftlich erarbeitet werden.

Die Zusammenfassungen der einzelnen Teile und die Endzusammenfassung der Dissertation zielen auf die Analyse der Erkenntnisse und Erfahrungen des Regimentes bzw. des Bataillons ab. Dadurch soll auf operativer Ebene die Grundlage geschaffen werden, die Wechselwirkung zwischen den „Brandenburgern" als Sondertruppe und der Kampfführung deutscher Heeresverbände in ihrer Bedeutung zu verifizieren. Damit soll der Einfluss von Sonder- bzw. Kommandotruppen auf die militärischen Operationen des deutschen Heeres im Zweiten Weltkrieg dargestellt werden, um deren Bedeutung für einzelne Feldzüge an Hand von konkreten Beispielen zu bewerten.

Quellenlage

Ein wesentliches Kriterium für die sinnvolle, wissenschaftliche Bearbeitung des Themas, mit Zielrichtung generelle Aussagemöglichkeiten, ist der hohe Prozentsatz an Primärquellen zum 2. Regiment im Bundesarchiv – Militärarchiv in Freiburg I. Breisgau.⁷⁴ Die wertvollsten Quellen dabei sind die Aufzeichnungen von Lt. Steidl⁷⁵ und Lt. Framing⁷⁶. Sonstiges Material gliedert sich in Einsatzberichte, Weisungen, Fernschreiben, Vortragsnotizen, Überprüfungsberichte und sonstige schriftliche Unterlagen zur Thematik.

Weitere Quellen sind Zeitzeugen aus Deutschland, Südtirol und Österreich. Im Sinne einer „Oral-History können damit wesentliche Teile der Geschichte der 5., 7., und 8. Kompanie des „Lehr-Rgt. Brandenburg z.B.V. 800, und in Folge der Geschichte des I., II. und III. Bataillons des 2. Regimentes der Division „Brandenburg nachvollzogen bzw. verifiziert werden. Darüber hinaus verfügt dieser Personenkreis über persönliche, schriftliche Aufzeichnungen und ein umfangreiches Bildmaterial. Allerdings gibt es in diesem Bereich eine Lücke hinsichtlich einer vollständigen Nachvollziehbarkeit der Geschichte der 6. Kompanie, die bis Herbst 1942 zum „II. Bataillon des Lehr-Rgts. Brandenburg z.b.V. 800 gehörte. Diese Lücke kann nur indirekt durch britische Quellen ausgefüllt werden.

Weiteres Quellenmaterial bieten die bereits erwähnten publizierten Erlebnisberichte von ehemaligen Angehörigen des II. Bataillons bzw. späteren Regiments. Dieser Bereich deckt in erster Linie die 7. und 8. Kompanie des „II. Btl./ Lehr-Rgt. Brandenburg z.b.V. 800" ab, und schildern in erster Linie die Ereignisse der Jahre 1940 bis 1942.

Von besonderer historischer Quellen-Qualität sind die bis dato unveröffentlichten Aufzeichnungen von Karl Singer, der als ehemaliger Kanzlei-Unteroffizier der 7. Kompanie des Lehr-Rgt. bzw. späteren II. Bataillons des 2. Regimentes und dann des 2. Jäger-Regiments der Panzergrenadierdivision „Brandenburg" praktisch das vollständige Kriegstagebuch seines Verbandes, im Zeitraum vom 26.8.1940 bis zum 9.5.1945, erhalten konnte.

Weitere Quellen stellen die Publikationen von Zeitzeugen der oberen und obersten Kommandoebene der Deutschen Wehrmacht, der Waffen-SS oder dem nachrichtendienstlichen Bereich dar.⁷⁷

Etwa 100 Quellen finden sich im britischen Public Record Office in London zur Division Brandenburg und zum Amt Ausland/Abwehr. Zum eigentlichen Thema, dem 2. Regiment, liegen nur 3 Anmerkungen vor, wobei eine falsch ist.⁷⁸ Über keine zum Thema verwertbaren Unterlagen verfügt das Foreign & Commonealth Office in London. Dieses erstaunliche Faktum scheint in dem Umstand begründet zu sein, dass das seinerzeitige SOE (Special Operation Executive) am Balkan das 2. Regiment fälschlicherweise als Truppenteil der 1. Gebirgsjäger Division identifiziert hatte.

Im Gegensatz zu London ist die Quellenlage des amerikanischen National Archives and Records Administration/College Park bedeutend umfangreicher. Hier befinden sich Unterlagen zur „Division Brandenburg" auf Mikrofilm, Bezeichnung T315. Allerdings sind diese Unterlagen mit dem Material im Militärarchiv in Freiburg weitgehend ident.

Quellen in Form von Wehrstammbüchern bietet das Kriegsarchiv in Wien, in dem sich einige derartige Unterlagen von Angehörigen des Regimentes finden lassen. Hierbei sind vor allem die Auszüge aus den Wehrstammbüchern von besonderem Interesse, da sich damit die Teilnahme an Feldzügen, Kommandounternehmen und sonstigen militärischen Operationen nachvollziehen lässt.

Das Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht dient im Rahmen der Ausarbeitung als genereller Leitfaden und als Verifizierungsmöglichkeit auf oberster Ebene. Dieser Umstand kommt besonders dann zum Tragen, wenn der „Verband z.b.V. 800 oder der „Sonderverband der Abwehr im Rahmen von Lagebesprechungen des Oberkommandos der Wehrmacht genannt wird⁷⁹ oder Admiral Canaris militärische Planungen und Aktionen seines Amtes dem Oberkommando der Wehrmacht vorträgt.⁸⁰

Detaillierter Verifizierungsmöglichkeiten bietet das im Institut für Zeitgeschichte in München befindliche Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht/ Abwehr/ Abteilung II. ⁸¹ bzw. die im Institut einsehbaren Schreiben von Hptm. Dr. v. Hippel.

Hauptteil

1. TEIL: Aufbau der „Brandenburger-Truppe"

1. Kapitel: Die Wurzeln der „Brandenburger-Idee" 1938/39

Wie in der Einleitung bereits angeführt war das Konzept einer Kommandotruppe der deutschen Wehrmacht⁸² das Ergebnis einer funktionalen Differenzierung innerhalb der Militärs, das sich aus der Notwendigkeit der Abdeckung bis dato unvorhergesehener Aufgabenstellungen ergab. Diese Genesis brachte es mit sich, dass beim Aufbau einer derartigen Truppe keine ausgearbeiteten Konzepte vorlagen, die von Anfang an allgemein anerkannt worden wären oder in der üblichen normierten Form die Abdeckung der personellen und logistischen Bedürfnisse hätten gewährleisten können.

Der Entschluss zum Aufbau einer derartigen Truppe entwickelte sich somit nicht als Ergebnis einer grundsätzlichen Analyse der Erfordernisse, sondern als Reaktion auf Zwänge und Bedürfnisse. Die hierbei verwendeten Vorstellungen und Vorgangsweisen waren mehrschichtig, oft widersprüchlich, und reichten thematisch bis in die unmittelbare Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zurück.⁸³ Dieses Kapitel versucht Ansätze nachzuzeichnen und Erklärungsmodelle zu erarbeiten, um damit die Basis für die weitere Aufbereitung des Themas zu schaffen.

Erste Ansätze nach dem I. Weltkrieg

Chronologisch betrachtet ergaben sich erste Ansätze in Deutschland bereits aus den Kontakten der Zwischenkriegszeit zwischen der Reichswehr⁸⁴ und der Roten Armee bzw. den daraus beeinflussten Überlegungen für eigene, ähnlich gelagerte Aufgabenstellungen. Die Reichswehr war durch ihre inoffizielle Zusammenarbeit mit dem sowjetischen Militär darüber informiert, dass die Sowjets Teile ihrer Truppen, neben der traditionellen Ausbildung, auch in Formen des Klein- und Partisanenkrieges ausgebildet hatten. Den Sowjets dienten dabei die Erfahrungen des spanischen Guerillakrieges von 1806 bis 1814 als Vorbild, in dem die konventionelle, überlegene französische Armee eines Napoleon durch Irreguläre (= Kleinkrieger/Guerilla) auf Dauer geschlagen werden konnte.⁸⁵

Die Reichswehr ihrerseits setzte sich bereits im Zeitraum von 1920 bis 1935, in Zusammenhang mit der Problematik um das Ruhrgebiet⁸⁶, mit dem Phänomen des „Kleinkrieges/Guerilla"⁸⁷ auseinander. Ab 1923 gab es bereits konkrete Ansätze zur Vorbereitung eines Kleinkrieges, da man von deutscher Seite in den Jahren 1923 bis 1939 damit gerechnet hatte, dass im Falle eines Krieges Teile des deutschen Staatsgebietes konventionell nicht zu verteidigen sein würden.

Diese Aktivitäten erfolgten unter der Führung der Divisionskommandos der Reichswehr von Münster und Kassel. Die Abwehrstellen der Reichswehr bereiteten parallel dazu defensive Maßnahmen vor, um im Kriegsfalle die Versorgungswege einer möglichen Besatzungsmacht zu unterbinden. Federführend bei diesen Kleinkriegsvorbereitungen war die Abwehrstelle Breslau, die in Folge im Zusammenhang mit der Aufstellung und Führung des Sudetendeutschen Freikorps eine wesentliche Rolle spielen sollte.⁸⁸

Erklärungsansatz „militärischer Widerstand"

Ein weiterer möglicher Erklärungsansatz zur Schaffung einer speziellen militärischen Formation des Amtes Ausland/Abwehr zielt auf die Option einer „zuverlässigen Aktionstruppe" der Widerstandsgruppe innerhalb der Wehrmacht um die Person des Admiral Canaris (Groscurth⁸⁹, Oster⁹⁰, …) gegen Hitler und seine Zentralstellen in Berlin ab.⁹¹

Diese These ist in ihrer Gesamtheit in Sinne von konkreten Umsetzungsmaßnahmen nicht aufrecht zu erhalten, da die Gruppe um Canaris nur vor dem Frankreichfeldzug im Mai 1940 bereit gewesen ist, konkrete Maßnahmen gegen Hitler zu ergreifen.⁹² Vergleicht man in dieser Zeit den Aufstellungsgrad der ersten Teile der „Brandenburger z.b.V, von einer Kompanie zu einem Bataillon, mit zuerst 3 und dann 4 Kampf-Kompanien, und zieht man deren Dislozierung im Frühjahr 1940 mit Masse an der Westgrenze in Betracht, so beantwortet sich die Frage einer Verfügbarkeit in Berlin von selber. In weiterer Folge des II. Weltkrieges war dann die überwiegende Masse der „Brandenburger-Einheiten immer weit entfernt von Berlin stationiert, entweder in Ausbildung begriffen oder an der Front im Einsatz, so dass sie, wie am 20. Juli 1944, in der Praxis nicht zur Verfügung des militärischen Widerstandes gestanden hätten, um in Berlin gegen Hitler aktiv werden zu können.

Ein weiteres Argument gegen diese These ist die bereits genannte anfängliche Reserviertheit des Admiral Canaris gegenüber der Idee einer Truppe gemäß den Vorstellungen des Dr. Hptm. v. Hippel,⁹³ die er übrigens gemäß Aussagen von ehemaligen Brandenburgern nie völlig abgelegt hat. Dennoch gibt es die Behauptung, es hätten „… in den Reihen der Brandenburger genügend Offiziere und Männer bereitgestanden, um kampfkräftige Stoßtrupps zum Selbstopfer entschlossener Gegner des Regimes zusammenzustellen", auch wenn diese Möglichkeit nie genutzt wurde.⁹⁴

Erfahrungen des I. Weltkrieges

Das Interesse des Amtes/Ausland Abwehr an einer eigenen militärischen Formation lässt sich möglicherweise auch aus den unbefriedigenden Erfahrungen des I. Weltkrieges hinsichtlich der Versorgung ihrer Agenten erklären. Die Zwischenkriegszeit hat gezeigt, dass die im I. Weltkrieg eingesetzten deutschen Agenten nach dem verlorenen Krieg, im Gegensatz zu offiziellen Angehörigen des Heeres, ohne jegliche materielle Versorgung dastanden. Dieser Umstand veranlasste Canaris deshalb bereits vor dem Krieg Karteien über den betreffenden Personenkreis anlegen zu lassen, die mit Kriegsbeginn dann in den Sammelbegriff „V-Leute" übergeführt werden konnte. Durch diese Maßnahme erhielt dieser Personenkreis den Soldatenstatus und war versorgungstechnisch den übrigen Soldaten der Wehrmacht gleichgestellt.⁹⁵

Beheimatet war dieser Personenkreis in der unter Canaris geschaffenen Abwehr/Abteilung II, die für Insurgenz und Sabotage im Ausland innerhalb des Nachrichtendienstes der deutschen Wehrmacht, dem seit 1939 so genannten Amt Ausland/Abwehr, zuständig war. In der Praxis zeigte sich diese Maßnahme in der Schaffung der „V-Abteilungen"⁹⁶ im Rahmen des Lehr-Rgt. Brandenburg z.b.V. 800.⁹⁷

Ein wesentlicher Aspekt, der auch in den Erfahrungen des I. Weltkrieges begründet liegt, befindet sich im Vorhandensein des Potentials der „Blockadebrecher"⁹⁸. Dieses hoch qualifizierte Menschen-Potential wurde schon während des I. Weltkrieges nur bedingt für die Erfordernisse der deutschen Streitkräfte genutzt.

v. Hippels Idee

Hier setzt die Idee und Initiative des Hptm. Dr. Theodor von Hippel⁹⁹ an, der diesen Gedankengang 1939 aufnimmt und versucht aus dem Potential der Auslandsdeutschen bzw. Blockadebrecher eine Offensiv-Truppe mit Sabotageaufgaben aufzustellen. Dass sich Hippel bei der Umsetzung seiner Idee erst gegen den Widerstand von Admiral Canaris durchsetzen musste und es der Unterstützung des ehemaligen Chefs der Abwehr II zu verdanken war, dass das OKH am 27.9.1939 den Befehl zur Aufstellung einer Baulehr-Kp z.b.V. 800 gab, zeigt die bereits angesprochene Problematik um die Truppe selber.

Die Initiative Hippels, die „Die handstreichartige Besetzung kriegswichtiger Objekte, wie Brücken, Tunnels, wehrwichtiger Werke und ihr Halten bis zum Eintreffen der Spitzentruppen der Wehrmacht" als „wesentliche Bestandteile des kämpferischen Einsatzes"¹⁰⁰ bezeichnet, war nicht Produkt traditioneller, deutscher, militärischer Denkweisen. Erst die politischen Entwicklungen der unmittelbaren Zeit vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges schufen die Basis für eine derartige Truppe.

Hptm Dr. v. Hippel

(Foto: BArch Pers 6/8912)

Auslöser „Sudetenkrise"

Die „Brandenburger-Idee bzw. die Idee, die in Folge zum Aufbau der „Brandenburger-Einheiten und -Verbände führte, wurde sehr wesentlich durch die „Sudetenkrise des Jahres 1938 vorangetrieben. Seit der „Heimholung der „Ostmarkt in das Reich im März 1938, stand für Hitler das Sudetenland als nächstes Zielgebiet auf seinem Expansionsplan. Dazu inszenierte er, nachdem es ihm mit Mai 1938 gelungen war, den Führer der Sudetendeutschen, Konrad Henlein, für seine Ziele zu instrumentalisieren, die „tschechische Krise¹⁰¹. Die operative Zielsetzung Hitlers war die Zerschlagung der Tschechoslowakei durch immer weitergehende Forderungen an die Regierung in Prag, um sich im Fall der Fälle eine gewaltsame Option zur Erreichung seiner Ziele offen halten zu können.¹⁰²

Die Agitation der deutschen Propaganda erreichten im September 1938 ihren Höhepunkt, wobei es der deutschen Propagandamaschine gelang für das Ausland eine perfekte Krise zu inszenieren, die in der Realität in Tschechien allerdings nicht vorhanden war.¹⁰³ Deshalb musste auch am 17.9.38 der deutsche Geschäftsträger in Prag, Hencke, Folgendes melden: „Nach Auffassung der Tschechen ist Aufstandsversuch SdP durch Versagen Führung zusammengebrochen und erste Spaltungen in sudetendeutsche Bewegung hineingetragen."

In dieser Situation, in der Hitler seine Strategie gefährdet sah, wurde von ihm im Einvernehmen mit Henlein am 17.9. die Aufstellung eines so genannten „Sudetendeutschen Freikorps beschlossen, um von außerhalb Tschechiens einen Unruheherd ins Spiel bringen zu können. Unter diesen Freikorps-Angehörigen waren zahlreiche Angehörige des bereits am 15.9. vom tschechischen Innenministerium aufgelösten „Freiwilligen deutschen Schutzdienstes und sonstige exponierte Aktivisten der SdP und deren Familienangehörige.¹⁰⁴

Das Rekrutierungspotential dieser neuen Formation ergab sich aus zahlreichen Sudetendeutschen im wehrfähigen Alter, die sich der Einberufung zum tschechischen Heer durch Flucht ins Deutsche Reich entzogen hatten. Das OKW zog gemäß einer Weisung vom 14.9.38 in Erwägung, diese Flüchtlinge, die für die tschechischen Behörden als Deserteure galten, in Ergänzungseinheiten zu erfassen. Doch bereits am 17.9.38 befahl Hitler diese wehrtauglichen, sudetendeutschen Flüchtlinge in gesonderte, allein Henlein unterstehende, bewaffnete Einheiten zusammenzufassen. Diese Maßnahme bedeutete die faktische Aufstellung des Sudetendeutschen Freikorps.¹⁰⁵

Die Aufgabenstellung dieses Freikorps war es gemäß den Vorstellungen ihrer Schöpfer, als getarnte halbmilitärische Einheiten jenen Grad an politischer Unruhe im Sudetenland aufrecht zu erhalten, den sie zur Erreichung ihrer politischen Ziele für notwendig erachteten. Von Seiten des OKW wurde Oberstleutnant Köchlin zum Verbindungsoffizier und militärischen Berater bei Henlein ernannt, der von Hitler und dem Oberbefehlshaber des deutschen Heeres, Generaloberst v. Brauchitsch persönlich eingewiesen wurde.

Der offizieller Zweck des Freikorps wurde von Hitler folgendermaßen angebenden: „Schutz der Sudetendeutschen und Aufrechterhaltung weiterer Unruhen und Zusammenstöße". Aus Gründen der Geheimhaltung sollte

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