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WEISSER KRIEGER, ROTES HERZ: Die zwei Welten des Quanah Parker

WEISSER KRIEGER, ROTES HERZ: Die zwei Welten des Quanah Parker

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WEISSER KRIEGER, ROTES HERZ: Die zwei Welten des Quanah Parker

Länge:
128 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
Jun 3, 2015
ISBN:
9783956174353
Format:
Buch

Beschreibung

Wer im Wilden Westen als „Halbblut“ galt, musste ein schweres Schicksal meistern. Umso beeindruckender mutet der Lebensweg von Quanah Parker an, der sich in beiden Welten – jener der Weißen und jener der Indianer – erfolgreich behauptete. Der Sohn einer von Comanchen entführten Weißen brachte es bis zum Häuptling. Im Kampf um die Vorherrschaft auf den südlichen Prärien, wurde er zum Inbegriff des Schreckens für Büffeljäger und Soldaten – und lenkte später die Geschicke seines Stammes als erfolgreicher Geschäftsmann und umsichtiger Richter. Ein außergewöhnlicher Roman über eine der faszinierendsten Persönlichkeiten des amerikanischen Westens.
Herausgeber:
Freigegeben:
Jun 3, 2015
ISBN:
9783956174353
Format:
Buch

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WEISSER KRIEGER, ROTES HERZ - Timothy Kid

Westens.

1

Die texanische Morgensonne stieg als lodernder Feuerball über den östlichen Hügelkuppen empor, als Pat Hardin vor die Tür seiner Hütte trat. Der Leiter der Handelsstation »Parker’s Fort« gähnte lautstark, streckte seine Arme und hakte die Daumen unter die Hosenträger, die seinen nackten, fülligen Oberkörper umspannten.

Es war ein Sommermorgen in der Prärie, wie Pat Hardin ihn schon unzählige Male zuvor erlebt hatte. Trotzdem konnte er sich plötzlich des Eindrucks nicht erwehren, dass eine unsichtbare Drohung in der Luft lag.

Der Blick des Mannes glitt über die Ansammlung niedriger Holzhäuser, die sich vor ihm im Zentrum einer flachen Senke duckten, als schliefen sie noch ebenso friedlich wie ihre Bewohner. Die Strahlen der aufgehenden Sonne tauchten die Gebäude in einen goldenen Glanz.

Diese Sonne – wies sie heute nicht eine besonders intensive Färbung auf? War ihr Rot an diesem Morgen nicht ungewöhnlich kräftig? War sie nicht so rot wie …Blut? Und glichen die wallenden Dunstschleier, die nun allerorts zerrissen, nicht ruhelosen Geistern, die über der Prärie ihren schaurigen Reigen aufführten?

Verärgert über sich selbst, wischte Pat Hardin seine düsteren Gedanken beiseite. Er war Realist und hatte bisher immer seinen Mann gestanden, anders hätte er sich in Texas auch nicht erfolgreich behaupten können. Für Weichlinge und Zauderer war in diesem Land kein Platz.

Andererseits hatte die Wildnis Pat Hardin aber auch gelehrt, auf die Signale der Natur zu achten. Und ein solches Signal wurde jetzt zur übermächtigen Wahrnehmung des Mannes:

Die Vögel sangen nicht!

Ihr sonst übliches trällerndes Morgenkonzert war einer geradezu beklemmenden Stille gewichen, und das war ein eindeutiger Hinweis auf die Anwesenheit von Menschen. Es war, als hielte die Natur selbst aus Angst vor einem unsichtbaren Feind den Atem an.

Einen Herzschlag später war der Feind nicht mehr unsichtbar.

Wie hingezaubert verhielt plötzlich ein berittener Indianer am Kamm der Hügelkette. Die Kriegsbemalung auf seinem Gesicht wies ihn als Comanchen aus, als Angehörigen jenen Stammes, die auf den Prärien des Südens immer wieder für Angst und Schrecken sorgten.

Der Krieger saß reglos auf seinem Pferd und starrte Pat Hardin nur unentwegt an. Der begriff indes schlagartig, dass der Comanche dort oben nicht allein sein konnte, sonst hätte er sich ihm nicht so offen gezeigt. Wahrscheinlich steckten weitere Indianer überall in dem hügeligen Gelände ringsum, nur knapp hundert Yards von Pat Hardin entfernt.

Eine Distanz, die eine Kugel oder ein Pfeil in Sekundenschnelle überbrücken konnte …

Als wären die Gedanken des Mannes ein Vorgriff auf die Wirklichkeit gewesen, lag plötzlich ein eigenartiges Surren in der Luft. Im nächsten Atemzug spürte er einen harten Schlag gegen die Brust, gefolgt von einem stechenden Schmerz, der seinen Körper von innen her zu verbrennen schien.

Die Wucht des in ihn fahrenden Pfeils ließ Pat Hardin zwei Schritte zurücktaumeln. Er drohte kurz zu stürzen, hielt aber gerade noch das Gleichgewicht und senkte langsam den Kopf. Der Blick seiner weit aufgerissenen Augen saugte sich an dem Pfeil förmlich fest, der mit zitterndem Schaft aus seiner Brust ragte. Gleichzeitig spürte er, wie eine klebrige, warme Flüssigkeit seinen nackten Oberkörper hinabrann.

Pat Hardin wusste, dass ihn der Pfeil tödlich getroffen hatte. Er würde sterben, aber bevor er die lange Reise ohne Wiederkehr antrat, wollte er noch die übrigen Bewohner der Handelsstation warnen. Es war das Einzige, was er für die Menschen tun konnte.

Er hob ruckartig den Kopf, und noch während sich seine Lippen zu einem Warnschrei formten, sah er auch die bisher verborgen gebliebenen Indianer. Der Kamm der Hügelkette wimmelte plötzlich von braunhäutigen und federnbehangenen Gestalten auf struppigen Ponys, deren Mähnen und Schweife im leichten Morgenwind wehten. Die Gewehrläufe, Lanzenspitzen und Tomahawkscheiden der Krieger funkelten silbern im Licht der Morgensonne, die genau hinter den Reitern stand und lange, bedrohliche Schatten auf den noch taufeuchten Hang malte. Es war ein Bild von barbarisch anmutender Schönheit – und der letzte Eindruck, den das Leben dem Leiter der Handelsstation bieten sollte.

»Comanchen!«, brüllte Pat Hardin mit aller Lautstärke, die seine Stimmbänder noch aufzubringen vermochte. Im nächsten Augenblick verzerrten sich seine Gesichtszüge unter heftigen Schmerzen, als sich ein weiterer Pfeil in seine Brust bohrte, direkt neben den gefiederten Todesboten, der ihn schon vor Sekunden getroffen hatte.

Pat Hardin riss die Augen noch weiter auf, dennoch sah er plötzlich nichts als eine undurchdringliche, endlose Schwärze. Er spürte noch, wie seine Knie weich wurden, den harten Aufprall seines Rückens auf die Schwelle der Tür spürte er bereits nicht mehr.

2

Der Leiter der Handelsstation war kaum zu Boden gestürzt, als einer der Comanchen mit einem Aufschrei die Rechte emporriss. Auf dem Kopf des Indianers saß eine prächtige Federkrone, sein muskulöser Oberkörper steckte in einer vor der Brust offenen, ärmellosen Lederweste.

Die übrigen Krieger fielen in das Geheul des Häuptlings ein, einen Lidschlag später schien die Kette der roten Reiter förmlich zu explodieren. Die Comanchen preschten den Hang hinab, der donnernde Hufschlag ihrer Pferde ließ die Erde bis zu den Gebäuden der Handelsstation dröhnen. Diese hatten die Indianer im Handumdrehen erreicht und zogen nun mehrere, sich rasend schnell bewegende Schlingen um sie. Gewehre schwangen an braune Schultern, muskulöse Arme spannten Bogensehnen, dann prasselte ein Hagel an Projektilen und Pfeilen auf die Häuser ein, in denen die Menschen von einem Augenblick zum anderen hellwach waren.

Türen wurden kurz aufgerissen und gleich darauf fluchend wieder zugeschlagen, Fensterscheiben zerbarsten klirrend unter den wuchtigen Stößen von Gewehr- und Coltläufen. Schüsse krachten, fahlrote Mündungsflammen stachen ins Freie, wo sich der aufgewirbelte Staub als dichte graue Wolke um die Handelsstation legte. Inmitten der wallenden Schlieren wurden die Körper der berittenen Angreifer zu fahrigen Schemen.

Einige Krieger stürzten getroffen von ihren Satteldecken, einige Ponys gingen schrill wiehernd zu Boden – doch diese Lücken schlossen sich wieder, kaum dass sie entstanden waren. Die Comanchen galten nicht umsonst als die besten Reiter der südlichen Prärien, und das bewiesen sie jetzt eindrucksvoll, als sich einige von ihnen an die Flanken der Ponys sinken ließen und ihre Pfeile und Kugeln vom Hals der Tiere aus abschossen. Die völlig überraschten und eingeschlossenen Weißen mussten die ersten Verluste hinnehmen, kaum dass sie hastig nach ihren Waffen gegriffen hatten. Durchbohrt von Pfeilen und getroffen von Kugeln, brachen halb nackte Männer über den zerstörten Fenstern zusammen oder wurden ins Innere der Häuser zurückgeschleudert und verloren noch im Sturz ihre Gewehre und Colts. Die verzweifelten Schreie der Frauen gingen unter im gellenden Geheul der Comanchen, das schaurig über die Dächer der Handelsstation schallte.

Es wäre für die Indianer jetzt ein Leichtes gewesen, die Blockhäuser mit Brandpfeilen in Flammen zu setzten und so den Kampf unweigerlich zu beenden, aber das lag nicht in ihrer Absicht. Sie wussten, dass ihnen der Sieg sowieso gewiss war, und sie wollten mehr, als nur die verhassten Weißaugen töten. Sie wollten vor allem reiche Beute machen – und eine solche erwartete sie in den hölzernen Tipis der Bleichgesichter. Mochte Pea Nocona, der Häuptling der Comanchen, auch alle Amerikaner hassen – ihre Donnerrohre schätzte er ebenso wie ihr Feuerwasser. Letzteres versetzte einen roten Krieger ungleich rascher in jenen Zustand der Trance, in dem er von Manitou seine Visionen empfangen konnte, als alle Kräuter, die ein Comanche üblicherweise in seinem Kalumet rauchte …

Der Häuptling hatte sich bisher ebenso am Kampf beteiligt wie seine Krieger und dabei so manchen Pfeil zielsicher von der Sehne seines Bogens geschnellt. Nun, da der Widerstand der Bleichgesichter nahezu erloschen war und bei den Fensteröffnungen nur noch vereinzelte Mündungsfeuer aufflackerten, zügelte er mit einem Ruck sein prächtig bemaltes Pony und sprang geschmeidig vom Fellsattel des Pferdes. Pea Nocona spürte kaum festen Boden unter seinen Mokassins, als er den Bogen schon schulterte und einen klobigen Tomahawk aus dem Lendenschurz riss.

Weitere Krieger glitten ebenfalls von ihren Ponys, stürmten zu Fuß auf die Häuser zu und setzten über die zerstörten Fenster hinweg ins Innere der Gebäude. Letzte, nun von den Frauen abgegebene Schüsse fielen, ehe auch ihre Waffen verstummten. Trillernde Skalpschreie wehten aus den Fensteröffnungen, wenig später flogen die Türen unter krachenden Fußtritten auf, und die Comanchen erschienen wieder im Freien, wo Pulverdampf und aufgewirbelter Staub allmählich zerfaserten. Die sehnigen Fäuste der Krieger umklammerten blutverschmierte Messer, eilends abgetrennte Haarbüschel wurden triumphierend emporgereckt.

Pea Nocona sah es mit Genugtuung und hastete auf eine der Blockhütten zu, die den Angestellten der Handelsstation als

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