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Ota Sik und der Prager Frühling: Biographische Reminiszenzen
Ota Sik und der Prager Frühling: Biographische Reminiszenzen
Ota Sik und der Prager Frühling: Biographische Reminiszenzen
eBook76 Seiten50 Minuten

Ota Sik und der Prager Frühling: Biographische Reminiszenzen

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Über dieses E-Book

1968 fand in Prag ein politischer Frühling statt. Unter der Führung des Stellvertretenden Ministerpräsidenten der Tschechoslowakei war Tauwetter angesagt.
SpracheDeutsch
HerausgeberBooks on Demand
Erscheinungsdatum22. März 2018
ISBN9783746002606
Ota Sik und der Prager Frühling: Biographische Reminiszenzen
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Autor

Bruno H. Weder

Weder, Bruno H.: geb. 1947 in Berneck im St.Galler Rheintal. Studium der Germanistik, Allgemeinen Geschichte und Schweizer Geschichte an der Universität Zürich. Daneben Violin- (René Armbruster) und Kompositionsausbildung (Paul Müller) an der Musikakademie in Zürich. Promotion. Wissenschaftliche Publikationen und Lehrmittel in verschiedenen Verlagen und Lexika. Tätig gewesen als Professor für Deutsche Literatur an der Pädagogischen Hochschule sowie Lehrbeauftragter am Deutschen Seminar der Universität Zürich. Seit 2010 freischaffender Autor.

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    Buchvorschau

    Ota Sik und der Prager Frühling - Bruno H. Weder

    Biogramm

    01 Vorbemerkung

    Im Oktober 1996, anläßlich eines Hauskonzerts, das ich zusammen mit Frau Haßlacher aus Konstanz gegeben habe (u.a. mit der Sonatina von Antonín Dvořák und der Frühlingssonate (sic!) von Ludwig van Beethoven), ist im anschließenden Gespräch mit einem besonderen Gast die Idee entstanden, etwas über dessen erstaunliche Biographie zu verfassen. Bei diesem Gast handelte es sich um keinen geringeren als um Ota Šik, den früheren Stellvertretenden Ministerpräsidenten der Tschechoslowakei (zusammen mit der nicht minder charmanten Ehefrau Lilli).

    Zwischen 1997 und 1999 war ich etliche Male zu Gast im Ferienhaus der Šiks im Schwarzwald und an deren Wohnort in St.Gallen, wo im Ganzen neun Stunden Interviews auf Tonträgern zustande kamen. Ergänzt wurden diese durch Besuche von Ausstellungen u.a. in Bad Zurzach und Prag.

    Da mir einzelne Passagen dieser Interviews im Rückblick wichtig erschienen, habe ich sie auszugsweise im Originalton in die Schilderung der herauskristallisierten biographischen Reminiszenzen eingewoben. Zudem habe ich den Verlauf der dramatischen Ereignisse im August 1968 durch neueste Forschungen zusammenfassend ergänzt, vor allem durch nachträglich zugänglich gemachte Dokumente wie etwa das Moskauer Protokoll vom 27.8.1968 oder das Communiqué vom selben Tag (im Original im Anhang angeführt).

    Da es sich beim Manifest der 2000 Worte (dva tisíce slov) um eines der wichtigsten Zeugnisse des „Prager Frühlings" handelt, ist es sowohl im Original als auch in der deutschen Übersetzung direkt im Text enthalten.

    Bruno H. Weder im Januar 2018

    Der dritte Weg – dies ein Stichwort, das heute sehr häufig gebraucht wird. Aber fast niemand mehr erinnert sich daran, daß dies nicht nur ein Buchtitel, sondern auch ein Anliegen eines großen Ökonomen und Politikers des zwanzigsten Jahrhunderts gewesen ist – Ota Šik.

    In der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 wurde ein weltweit scharf beobachtetes Phänomen mit Panzern zunichte gemacht: Der „Prager Frühling, das Experiment „Sozialismus mit menschlichem Antlitz, wurde durch den Einmarsch der fünf Warschauer - Pakt - Staaten Sowjetunion, DDR (es gibt allerdings heute Belege, daß deren Truppen mehrheitlich an der Grenze stehengeblieben sind, weil die Angst wegen früherer Einsätze (1938/39) groß war), Polen, Ungarn und Bulgarien gewaltsam beendet. Für viele Jahre war damit ein Rückschritt in die Eiszeit des totalitären Sozialismus, wie er unter Leonid Breschnew praktiziert wurde, getan. Einer der wichtigsten Reformer weilte zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht in Prag – zu seinem Glück. Der Stellvertretende Ministerpräsident Ota Šik befand sich zu Besuch in Jugoslawien bei Jozip Broz Tito, als die – nicht unerwartete - Nachricht vom Einmarsch der Warschauer - Pakt - Staaten die Runde machte.

    02 Unbändiger Lebenswille

    Wer ist dieser Ota Šik? Und was waren seine Ideen? Er wurde am 11. September 1919 in Pilsen geboren, aber gleich nach seiner Geburt zogen seine Eltern nach Teplitz – Schönau im Sudetenland, wo er aufwuchs und die deutsche Grund- und Realschule besuchte. Die Tatsache, daß er deutsch und tschechisch gleichermaßen beherrschte, sollte ihm später dienlich sein. 1931 verlor sein Vater seine Arbeitsstelle, was ziemliches Elend über die Familie brachte.

    Ich hatte bis zum vierten Lebensjahr eine schöne und unbesorgte Jugend gehabt. Mein Vater war Filialleiter in einem großen Schuhgeschäft in Teplitz - Schönau, also in den Sudeten (Wir sind nach meiner Geburt - ich bin in Pilsen geboren - sofort, als ich noch ein Baby war, nach Teplitz - Schönau übergesiedelt und kamen niemals nach Pilsen zurück, außer hie und da zur Grossmutter in den Ferien.), und meine Mutter war dort auch als Kassiererin tätig, so mußten sie gut verdient haben, denn wir hatten ein Dienstmädchen, und es war kein Problem. Aber plötzlich ging alles konkurs, auch dieses Schuhgeschäft, und mein Vater hat den Posten verloren, meine Mutter natürlich auch, und er hat keine feste Anstellung mehr gefunden, ich glaube es war im Jahre 26/27, wo sie quasi arbeitslos wurden, ohne überhaupt irgendeine Unterstützung zu haben, weil sie nie an so etwas gedacht haben. Und ich war sechs oder sieben Jahre alt. Und dann kam nur mehr Böses. Mein Vater hat als Jude keine Anstellung bekommen. Er wurde zum Hausierer, der diverse Artikel von Dorf zu Dorf, von Haus zu Haus anbot. Er hat immer weniger verdient. Es kam die große Krise, die Ende 29 begonnen hat. Dabei sind wir vier Kinder gewesen, die er mit meiner Mutter allein und unversorgt gelassen hat; also so viel Not und damit verbunden soviel Erniedrigung; denn es gab

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