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Aliens und Menschen - Das 1256 Seiten Science Fiction Abenteuer Paket

Aliens und Menschen - Das 1256 Seiten Science Fiction Abenteuer Paket

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Aliens und Menschen - Das 1256 Seiten Science Fiction Abenteuer Paket

Länge:
1,547 Seiten
19 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
May 8, 2019
ISBN:
9781386919988
Format:
Buch

Beschreibung

Aliens und Menschen: Das 1256 Seiten Science Fiction Abenteuer Paket

Romane und Erzählungen von Konrad Carisi, Alfred Bekker, Pascal Schäfer, Peter Dubina, W.A.Hary.

Ein Blick in die ferne Zukunft, Expeditionen zu fernen Welten, die Begegnung mit Alien-Kulturen, galaktische Kriege zwischen Sternenreichen von unermesslicher Weite – darum geht es in den Science Fiction Abenteuern dieses Buches. Die Bestimmung des Menschen liegt im Kosmos und Science Fiction Abenteuer machen die Unendlichkeit des Raums und die Unwägbarkeit der Zukunft erlebbar.


 

Dieses Buch enthält folgende Geschichten:

Konrad Carisi: Der Ewige Kreis

Alfred Bekker: Dinosaurier auf dem Mars

Pascal Schäfer: Alien-Job – Die Trilogie

Peter Dubina: Wächter im All

Peter Dubina: Waffen für Beta Centauri

Alfred Bekker/W.A.Hary: Das Festival von Tasner


 

Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden, Sidney Gardner, Jonas Herlin, Adrian Leschek, John Devlin, Brian Carisi, Robert Gruber und Janet Farell.

Herausgeber:
Freigegeben:
May 8, 2019
ISBN:
9781386919988
Format:
Buch

Über den Autor

Über Alfred Bekker: Wenn ein Junge den Namen „Der die Elben versteht“ (Alfred) erhält und in einem Jahr des Drachen (1964) an einem Sonntag geboren wird, ist sein Schicksal vorherbestimmt: Er muss Fantasy-Autor werden!  Dass er später ein bislang über 30 Bücher umfassendes Fantasy-Universum um  “Das Reich der Elben” schuf, erscheint da nur logisch. Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten und wurde Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen.   Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', ‘Ragnar der Wikinger’,  'Da Vincis Fälle - die mysteriösen Abenteuer des jungen Leonardo’', 'Elbenkinder', 'Die wilden Orks', ‘Zwergenkinder’, ‘Elvany’, ‘Fußball-Internat’, ‘Mein Freund Tutenchamun’, ‘Drachenkinder’ und andere mehr  entwickelte. Seine Fantasy-Zyklen um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' ,die 'Gorian'-Trilogie, und die Halblinge-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt.  Alfred Bekker benutzte auch die Pseudonyme Neal Chadwick,  Henry Rohmer, Adrian Leschek, Brian Carisi, Leslie Garber, Robert Gruber, Chris Heller und Jack Raymond. Als Janet Farell verfasste er die meisten Romane der romantischen Gruselserie Jessica Bannister. Historische Romane schrieb er unter den Namen Jonas Herlin und Conny Walden.  Einige Gruselromane für Teenager verfasste er als John Devlin. Seine Romane erschienen u.a. bei Lyx, Blanvalet, BVK, Goldmann,, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt., darunter Englisch, Niederländisch, Dänisch, Türkisch, Indonesisch, Polnisch, Vietnamesisch, Finnisch, Bulgarisch und Polnisch.


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Buchvorschau

Aliens und Menschen - Das 1256 Seiten Science Fiction Abenteuer Paket - Alfred Bekker

Publisher

Aliens und Menschen: Das 1256 Seiten Science Fiction Abenteuer Paket

Romane und Erzählungen von Konrad Carisi, Alfred Bekker, Pascal Schaefer, Peter Dubina, W.A.Hary.

Ein Blick in die ferne Zukunft, Expeditionen zu fernen Welten, die Begegnung mit Alien-Kulturen, galaktische Kriege zwischen Sternenreichen von unermesslicher Weite – darum geht es in den Science Fiction Abenteuern dieses Buches. Die Bestimmung des Menschen liegt im Kosmos und Science Fiction Abenteuer machen die Unendlichkeit des Raums und die Unwägbarkeit der Zukunft erlebbar.

Dieses Buch enthält folgende Geschichten:

Konrad Carisi: Der Ewige Kreis

Alfred Bekker: Dinosaurier auf dem Mars

Pascal Schaefer: Alien-Job – Die Trilogie

Peter Dubina: Wächter im All

Peter Dubina: Waffen für Beta Centauri

Alfred Bekker/W.A.Hary: Das Festival von Tasner

Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden, Sidney Gardner, Jonas Herlin, Adrian Leschek, John Devlin, Brian Carisi, Robert Gruber und Janet Farell.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, ALFREDBOOKS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Der Ewige Kreis

von Konrad Carisi

Der Umfang dieser Geschichte entspricht 11 Taschenbuchseiten.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

1

Ich betätige die Eingabebestätigung und blicke auf den Bildschirm. Eine schematische Darstellung verrät mir, dass die Frachter vom Mond Titan planmäßig auf Luna-Aldrin ankommen werden. Dann wechsele ich auf dem Bildschirm zur Außenkamera, um mir das Schauspiel anzusehen. Die großen, langgezogenen Frachter fliegen wie Wale voller Helium-3 zum Mond herab. Dort, ein Stück über der Siedlung Luna-Aldrin, die in den Rand eines Kraters gebaut wurde, werden sie andocken und entladen. Ich und die gut dreihundert Mondbewohner, die es aktuell in Luna-Aldrin gibt, leben ein Stück weiter in den Fels hinein. Dabei zieht sich die Siedlung mehr in die Tiefe an der Kraterwand herab, als dass sie in die Breite gehen würde.

Es gab ein kleines Problem mit dem automatisierten Leitsystem, aber meist habe ich mit der Überwachung der Systeme kaum etwas zu tun. Ich setze mich auf mein Sofa und schalte auf dem gegenüberliegenden Wandschirm auf eine andere Außenkamera.

Ich betrachte den Erdaufgang und merke, wie gleichgültig er mir ist. Ich erinnere mich noch daran, dass er das einmal nicht war. Es gab eine Zeit, als er mir den Atem raubte, jeden Morgen aufs Neue, wenn meine kleine Parzelle auf dem Mond sich nicht nur zur Sonne drehte, sondern dabei auch die Erde ins Blickfeld geriet. Ich weiß, wie sich meine kleinen Härchen auf den Armen aufstellten und es mir den Atem verschlug. Wie lange ist das jetzt her? Sicherlich vierunddreißig Jahre. Da gab es die Mondsiedlung schon beinahe achtzig Jahre, glaube ich. Oder nein, das war, als ich noch mit der dunkelhaarigen Schönheit zusammen war. Wie war noch gleich ihr Name? Ich setze meine Tasse schwarzen Tee auf das Tischchen neben mir. Langsam flutet das Sonnenlicht mein Zimmer. Die Fenster sind fast einen Meter dick, doch entpolarisieren sie sich automatisch, um das Sonnenlicht durchzulassen. Limata, ja so hieß sie. Sie hatte dunkle Locken, die mich faszinierten, und diese seltsame Betonung der Konsonanten. Es war süß, ihr einfach zuzuhören. Ich glaube, sie wollte ein Kind, hat aber keines genehmigt bekommen. So etwas wird heute sehr streng von den Vereinten Nationen überwacht, um eine Überstrapazierung der Menschheit zur Verfügung stehenden Ressourcen zu vermeiden. Immerhin sterben wir nicht mehr in dem Sinne. Schon lange können wir das biologische Altern aufhalten, da mussten strenge Geburtenkontrollen eingeführt werden. Nur hin und wieder darf man dann doch ein Kind zeugen. Manchmal sind es ein paar mehr, weil viele Menschen auf der Welt entschieden haben zu sterben. Ich muss gestehen, ich weiß gar nicht, wie man das beantragt.

Ich stehe auf und strecke mich. Wie alt bin ich biologisch eigentlich nun? Vierundfünfzig müsste es sein. Limata war jünger und so unersättlich. Irgendwann im letzten Jahrhundert hatte ich die Lust am Sex verloren, doch ihre Experimentierfreudigkeit hatte sie neu entfacht.

Ich gehe zum Essensspender und wähle auf dem berührungsempfindlichen Menü eine Mahlzeit aus. Eine grüne Flüssigkeit landet im Glas. Ich nippe daran und verziehe den Mund zu einem Lächeln. Wie oft habe ich das schon getrunken? Es ist mein liebstes Nahrungsergänzungsgetränk. Ich versuche zu zählen, wie alt ich bin und brauche eine ganze Weile. Als ich das Glas leergetrunken habe, komme ich auf vierhundertzweiundneunzig Jahre und sechs Monate, aber nur die, von denen ich weiß. Vielleicht war ich ja schon mal Kunde bei der Firma „Der Ewige Kreis".

Ich gehe zurück zu meinem Platz mit der wundervollen Aussicht. Vierhundertzweiundneunzig, die Zahl erinnert mich an etwas: den vierten September. Da habe ich mal eines der ältesten Pterodaktylen-Fossilien gefunden, nur wo genau, darauf komme ich nicht mehr. War es in China? Ich war beinahe ein Jahrhundert ein Paläontologe. Es war mein erster Beruf in diesem Leben. Wer so lange lebt, macht irgendwann mehrere Berufe.

Ich rufe die Broschüre des „Ewigen Kreises" über den Berührungssensor im Tisch auf. Sie schwebt Holografisch projiziert vor mir in der Luft. Dann lese ich weiter. Ich habe sie schon länger im Postfach ohne sie abzurufen, sie ist mir eines Tages einfach zugeschickt worden. Sie bieten seit einem Jahrtausend dasselbe Produkt an, ohne ein Problem der Nachfrage. Sie sind direkt von der UN mitfinanziert, steht jedenfalls im Kleingedruckten. Seit man die Telomerverlängerung erfunden hat, gibt es keinen Endpunkt mehr in unseren Leben. Wir altern einfach nicht mehr. Natürlich kann man noch durch Unfälle sterben oder Mord, aber das sind abstrakte Dinge, die selten in der eigenen Nähe passieren. Die Werbebroschüre des Ewigen Kreises erklärt mit wenig Text und einigen schönen Bildern, wie man die Ewigkeit spannender beschreiten kann: Man behält die Jugend durch die Telomerverlängerung. Sterben kann man nicht mehr am Alter, aber man kann sich resetten lassen. Wer des Lebens überdrüssig wird, wird vom Ewigen Kreis ohne Erinnerungen in ein neues Leben entlassen.

Unsere Leben sind lang, es gibt staatlich bezuschusste Anbieter, die einen massiv verjüngen mit einer Telomerkur. Man behält die Zellteilung eines Mittzwanzigers und somit altert der Körper einfach nicht. Beim Ewigen Kreis, geht es laut dieser Werbung darum, jede Erfahrung noch einmal zum ersten Mal zu machen. Sie wollen das Gehirn löschen und mir die Chance geben, wieder erste Male zu haben.

Ich blicke hinauf zur Erde und sehe meine eigene Spiegelung im durchsichtigen Mischstoff, der das Fenster darstellt. Wir haben uns sehr viel Zeit gelassen, bei der Besiedlung des Weltraums. Meine Augen sehen anders in der Spiegelung aus als noch damals, als ich mit Yuki Kitama ein Kind zeugen durfte. Wie alt der Kleine wohl inzwischen ist? Möglicherweise hat der kleine Racker sich schon resetten lassen. Na ja, gut ein kleiner Racker dürfte er auch nicht mehr sein. Ich sehe in meine alten Augen und frage mich, wie lange es mich wirklich gibt. Wurde ich schon oft wiedergeboren? Es ist ein wenig wie im Buddhismus, wenn ich mich nicht irre. Nur ist es eine Wiedergeburt mit Ansage, mit Garantie. Man weiß, dass man ein neues Leben bekommt und muss nicht an diesen spirituellen Mist glauben. Mag ich auch eine unsterbliche Seele haben, die Option auf Wiedergeburt ist nicht so beruhigend wie diese Broschüre, die mir ein neues Leben garantiert. Der Ewige Kreis, wie sich die Firma offiziell nennt, hat einfach bessere Garantien. Gott druckt mir leider keine Hochglanzbroschüre, ich muss ihm einfach so glauben.

Ein neues Leben erwartet Sie, tausende erste Male, verspricht mir der Ewige Kreis in beruhigenden dunkelblauen Buchstaben. Der Text wird vor mir in die Luft projiziert.

Ach ja, ein erstes Mal ... ich erinnere mich noch, wie ich das erste Mal mein liebstes Buch gelesen habe. Es war von Jack London, ein Reisebericht. Es war ein wahnsinniges Unterfangen, eine Fahrt mit dem Boot um die Welt. Es musste scheitern und doch schrieb Jack London so ehrlich und mit Witz über sein Abenteuer, dass es mich in seinen Bann zog. Wie alt war ich da? Vielleicht gerade einmal vierzig?

Ich kann mich nicht erinnern. Schade, dass ich es mir nicht selbst bereitlegen kann, um es nach dem Eingehen in den Ewigen Kreis wiederzufinden und es so erneut zum ersten Mal lesen kann. Das steht hier extra mehrmals. Es ist nicht gestattet, sich selbst etwas zurechtzulegen oder Nachrichten zu hinterlassen.

Aber würde ich das Buch von Jack London dann immer noch mögen? Vielleicht musste auch das richtige Buch auf einen Jungen treffen, der eben bestimmte Erlebnisse gemacht hatte.

Sterben will ich noch auf keinen Fall, aber etwas Neues zu haben, das wäre doch reizvoll.

Ich sehe hinaus und seufze, als ich eine Entscheidung treffe. Dann nehme ich meinen Kommunikator und wähle die Nummer, die in der Werbung des Ewigen Kreises angegeben ist.

„Guten Tag, was kann ich für Sie tun?"

Es ist eine synthetische Stimme, vermutlich kein Mensch, sondern eine Maschine. Man merkt es am Ende der Wörter, eine leichte Pause, ein Zögern.

„Ich habe mir Ihr Angebot angesehen und würde gerne eine Löschung vornehmen. Ich will wieder alles zum ersten Mal tun", sage ich. Einen Moment herrscht Stille.

„Natürlich, Sie können jederzeit vorbeikommen. Sie benötigen keinen Termin, es ist immer eine Kapsel für Sie frei."

„Kapsel?"

„So nennen wir die Vorrichtung, in der Sie unsere Dienstleistung empfangen."

„Dankeschön", sage ich.

„Wir freuen uns über Ihren Besuch", fügt die Stimme noch hinzu. Es ist eine dieser vorprogrammierten Ansagen, die einigermaßen antworten können. Da ist kein Mensch am anderen Ende, nur eine Maschine, die so tut als ob.

„Danke", sage ich und lege auf. Wieder das erste Mal den Aufgang der Erde sehen, das wäre doch was. Das System hat mich automatisch mit der Firmenniederlassung des Ewigen Kreises auf dem Mond verbunden, es wäre noch nicht einmal ein weiter Weg für mich.

Ich stehe auf und setze mein Glas weg.

Dann ziehe ich mir meine Jacke an und gehe zur Filiale des Ewigen Kreises.

2

Dort erwartet mich eine Frau hinter einem Schreibtisch. Ihr Arbeitsplatz ist völlig leer, keine Möglichkeit wirklich an ihm zu arbeiten, keine Eingabemöglichkeiten für irgendwelche Texte und kein Bildschirm. Deswegen glaube ich nicht, dass es ein Mensch ist. Es ist nur ein gutes Mensch-Maschine-Interface. Die MMIs sind keine wirklichen Roboter, sie sind nur bessere Tastaturen, bei denen wir auswählen können, was wir wollen.

„Guten Tag, was kann ich für Sie tun?"

„Ich möchte Mitglied werden im Ewigen Kreis."

„Sie wollen eine vollständigen Neuanfang? Aber natürlich. Ein Mitarbeiter wird gleich für Sie da sein."

Sie sieht mich eine Weile starr an, da bemerke ich, dass sie auch zu selten blinzelt für einen Menschen. Ich habe einmal ein halbes Jahrhundert bei der Produktion solcher Maschinen geholfen, ich achte unwillkürlich darauf.

Eine Tür geht auf. Eine Frau mit denselben ebenmäßigen Gesichtszügen wie die „Dame" an der Rezeption steht dort in einer dunklen Hose, einer adretten blauen Bluse und einem Kittel.

Ihre Haarfarbe ist nicht schwarz wie die derjenigen an der Rezeption und ihre Augen sind dunkelgrün.

Sonst unterscheiden sie sich nicht, vermutlich noch weniger als eineiige Zwillinge. Oft kauft ein Unternehmen nur ein MMI und benutzt es dann in minimaler Variation für alle wichtigen Funktionen. Deswegen gibt es sprichwörtlich den Whoorl-Kerl, der ist das Gesicht einer bekannten Fastfoodmarke mit einem goldenen W als Zeichen.

„Bitte, folgen Sie mir, sagt das MMI. Ich schließe zu ihm auf. „Sind Sie bereits mit unseren Geschäftsverbindungen vertraut?

„Wiederholen Sie die Geschäftsbedingungen bitte", sage ich. Ich kenne nur den Text aus der zugesandten Broschüre und somit die Kurzform.

Sie führt mich durch einen Korridor in einen Warteraum und leiert währenddessen die Geschäftsbedingungen des Ewigen Kreises herunter.

Vieles davon ist nicht unbedingt ungewöhnlich, es ist klar, dass dieser Vorgang nicht rückgängig gemacht werden kann und dass zwar meine Pflege bezahlt wird, falls etwas schief geht, aber die Firma sich völlig von Schuld freispricht, falls es nicht wie gewünscht klappt.

Es könnte sogar sein, dass ich nur einen Teil meiner Erinnerungen verliere und auch dann hätte ich keinen Anspruch auf eine zweite Prozedur. Im Gegenteil, die sei dann medizinisch nicht empfehlenswert.

Ich höre mir das alles an und warte, bis schließlich ein echter Mensch in den Raum tritt.

Der Mann ist jugendlich wie ich, wobei er aussieht, als hätte er in jüngster Zeit eine Frischzellenkur genossen. Er hat dunkles Haar und trägt einen Arztkittel. Sein Händedruck ist kräftig, als er mich begrüßt. Es ist ein echter Mensch.

„Doktor O‘Relly mein Name. Schön, Sie hier begrüßen zu dürfen. Tut mir leid, dass Sie warten mussten, wir arbeiten hier alle in Bereitschaft. So viele kommen auf dem Mond nicht jeden Tag her, als dass wir eine große Anzahl von Beschäftigten ständig da haben müssten. Sobald die Prozedur herum ist, ist für uns auch nichts mehr zu tun."

Er lächelt gewinnbringend und führte mich in einen kreisrunden Saal, in dessen Mitte eine Kugel aus Metall steht. Sie ist durch eine Reihe von Schläuchen und Kabeln mit der Decke verbunden.

„Darin passiert es?", frage ich. Ich bin ein wenig aufgeregt, muss ich zugeben. All diese neuen Dinge, die ich zum ersten Mal tun werde, so viele Möglichkeiten.

„Ja, da drin wird Ihnen das Gedächtnis gelöscht."

„Wie?"

„Na ja, wir trennen gezielt ein paar Synapsen ab und nutzen den körpereigenen Mechanismus, mit dem Informationen überschrieben werden. Es ist normalerweise nicht vorgesehen, dass man so viel vergisst, aber die Veranlagung zum Vergessen haben wir alle. Es ist schon seit Jahren erprobt, da müssen Sie sich keine Sorgen machen."

„Haben Sie es schon oft getan?"

„Ja, sicher. In fünfundzwanzig Jahren hat sich noch keiner beschwert. Zugegeben, die wussten auch hinterher nicht mehr, wer ich bin", sagt der Arzt und lacht dröhnend. Den Witz hat er wohl schon öfter gemacht und ist besonders stolz darauf. Ich schenke ihm ein müdes Lächeln und bin hin und her gerissen.

Meine Melancholie ist noch immer nicht verflogen. So wie ich sie beim Anblick der Erde aus dem Fenster empfand, empfinde ich sie seit Langem schon immer wieder. Es fehlt mir schon lange der Reiz des Neuen. Das hier wäre meine Gelegenheit, denn sterben will ich natürlich nicht.

Also sage ich: „Tun Sie es."

„Gut, dann brauchen wir hier einmal Ihre Unterschrift", sagt der Arzt und reicht mir einen kleinen Computer. Ich ziehe meine Hand darüber. Der kleine Chip in meinem Handrücken enthält alle meine wichtigen Daten, die mich authentifizieren. So bezahlt man heute, ebenso wie man seine Identität bestätigt. Geld ist kein großes Problem mehr, wenn man so viele Jahre immer gearbeitet hat, wie ich.

„Dankeschön. Um die weiteren Formalitäten Ihres Nachlasses kümmert sich selbstverständlich die Firma. Gut, dann können Sie direkt in die Kugel. Ich muss Sie aber bitten, sich vorher auszuziehen."

Er dreht sich um und wendet sich verschiedenen Schalttafeln zu.

„Na los, ich schau auch nicht hin, sagt er. „Aber Sie dürfen nichts mit hineinnehmen, glauben Sie mir, das sehe ich auf den Instrumenten. Gut, dass Sie keine Implantate haben.

Ich tue, was er befohlen hat, und währenddessen öffnet sich zischend eine Seite der Kugel. Sie schwingt zur Seite und gibt den Blick frei auf eine Sitzgelegenheit im Inneren. Es erinnert mich ein wenig an einen Zahnarztstuhl.

Ich setze mich hinein und lasse meine Kleidung und all das alte Leben zurück.

Als die Kugel sich schließt, überlege ich, ob die Symbolik des Nackt-im-Dunkeln-Sitzens gewollt ist. Wenn sie die Kugel jetzt noch mit Flüssigkeit füllen, ist das schon eine Anlehnung an den Moment vor der Geburt. Ich schüttele den Kopf, um die Gedanken zu verscheuchen. Dann kommt mir ein viel schlimmerer Gedanke. Was, wenn diese Technik nicht funktioniert? Die Kugel ist nun geschlossen, ich befinde mich in Dunkelheit. Es ist vollkommene Dunkelheit. Vielleicht passiert ja gar keine Fehlfunktion, sondern die Technik ist einfach nicht ausgereift.

Was, wenn wir unsere eigene Überbevölkerung dadurch reduzieren, dass wir jene töten, die des Lebens überdrüssig werden und dadurch vielleicht unproduktiv? Wenn das Ganze nur ein Trick ist, wenn diese Technik nicht funktioniert? Wenn ich kein neues Leben bekomme, nur den Tod? Irgendwer bekommt dann die Lizenz für ein Kind, weil ich tot bin. Mein letzter Gedanke ist: Was, wenn sie mich angelogen haben?

ENDE

Alfred Bekker

Dinosaurier auf dem Mars

Stories

Inhalt

Der Zauberer

Dinosaurier auf dem Mars

Der Urahn

Kopf ab!

Das Strafgericht

Die Verpackungskünstler

Das Duell

In der schlimmen alten Zeit

Der späte Sieg des Roten Mannes

Arsen im Ötzi

Olympia 2100

Sonderangebot: Planet Erde

Das geklonte Superhirn

Das Geschenk der Marsianer

Das Zeitalter des Matriarchats

Der Zauberer

Bei seinen Auftritten nannte er sich Sarani und auf den Plakaten ließ er sich als der Welt bester Magier ankündigen. Eine Show, die Sie nicht vergessen werden!

so stand es an jeder Ecke und obwohl das doch sehr nach Übertreibung aussah, standen die Leute Schlange.

So doll kann es ja nicht sein! meinte ein dicker Mann im Jogging-Anzug zu seiner Frau. Wenn einer es nötig hat, in unserer kleinen Stadt aufzutreten, dann kann er nur zweite Garnitur sein! - Warten wir doch erst mal ab, was er zu bieten hat! meinte seine Frau. Die Kinder freuen sich jedenfalls! Und das ist doch die Hauptsache, oder? - Sicher. Das große Zelt, in dem Sarani seine Zaubershow abzog, bot einigen hundert Zuschauern Platz, die auf unbequemen Holzbänken zu sitzen hatten. Die Bühne war nichts Großartiges und wurde von hinten durch eine Spiegelwand gegrenzt. Unter den Leuten wurde gemurmelt. Ein paar Teenager machten alberne Bemerkungen und lachten heiser. Kinder fragten, ob daß ein echter Zauberer sei, der gleich auf der Bühne erscheinen würde oder nur einer, bei dem hinter allem ein Trick steckte.

Und dann ging die Zauber-Show endlich los. Sarani trat auf, mit dunklem Zylinder, dunklem Frack und wehendem Umhang, unter dem er ein paar Kaninchen hervorzauberte. Der Beifall war mäßig und kam vor allem von den Jüngsten. Die Teenager kicherten und der dicke Mann im Jogginganzug gähnte. Auf Saranis Gesicht erschien ein Lächeln. Seine Augen blitzen dämonisch, so wie man sich das bei einem Magier eben vorstellt.

Er wirkte sich seiner Sache trotz des schleppenden Beginns sehr sicher. Und als er dann eine Frau aus dem Publikum in eine Kiste steigen ließ, um sie in drei Teile zu zersägen und anschließend wieder zusammenzusetzen, da wurde nicht mehr gegähnt oder gekichert.

Jetzt hatte Sarani es geschafft.

Das Publikum war auf seiner Seite, der Applaus toste. Sarani trat vor, lächelte auf seine besondere, etwas abwesend wirkende Weise, ließ seine Augen blitzen und verbeugte sich. Dann wandte er sich kurz um und blickte einen Moment in Richtung der Spiegelwand, bevor er das nächste Zauberkunstsück vorführte. Immer wieder toste der Beifall. Bravo-Rufe erfüllten den Raum und schienen den Zauberkünstler zur Höchstform zu treiben. Ein Gewitter aus Flammenblitzen, das aus dem Nichts zu kommen schien, ließ das Publikum ehrfürchtig raunen. Wie macht er das nur? staunte der dicke Mann im Jogging-Anzug. Er scheint auf dieser primitiven Bühne überhaupt keine technischen Hilfsmittel zu haben!

Schließlich war die Show zu Ende.

Sarani verneigte sich, gab noch eine Zugabe in Form eines kleinen Gedankenlese-Tricks und entließ sein Publikum dann aus der Welt der Illusionen in die Wirklichkeit. Ein paar Dutzend Autogramme mußte er kleinen Knirpsen auf bunte Karten kritzeln, dann konnte er aufatmen. Glaubte er jedenfalls. Er wandte sich in Richtung der Spiegelwand, da hörte er hinter sich eine Stimme. Herr Sarani! Sarani drehte sich herum. Vor ihm stand einer der Teenager. Siebzehn vielleicht, nicht älter. Was gibt es? fragte der Zauberer. Der Junge war etwas verlegen. Ich wollte Ihnen eigentlich nur sagen, wie gut mir Ihre Zauber-Show gefallen hat! - Danke! Sarani blickte auf die Uhr und der Junge sagte: Wissen Sie, ich zaubere nämlich auch etwas. Natürlich nicht so profihaft, wie Sie... - Naja, früh übt sich... -Ich frage mich, wie Sie das eigentlich machen! Sie haben keine technischen Hilfsmittel, ich sehe auch keine Mitarbeiter... Der Junge deutete auf die Spiegelwand. Dort liegt das Geheimnis, habe ich recht?

Sarani hob die Augenbrauen. Ein Magier verrät seine Geheimnisse nicht! lächelte er. Dann zwinkerte er dem Jungen zu. Aber es stimmt! Dort liegt das Geheimnis. Doch nun habe leider nicht länger Zeit... - Ich verstehe schon, sagte der Junge und ging.

Als er weg war, trat Sarani durch eine Tür in der Spiegelwand. Ein Meer von Augen war auf ihn gerichtet.

Ich hatte Ihnen eine Show versprochen, die sie nicht so schnell vergessen und von der Sie noch lange erzählen werden, nachdem Sie sich auf Ihre Heimatplaneten zurückgebeamt haben, sagte Sarani und nahm dabei seine Maske ab. Das war stets der letzte Gag, den er in seiner Show brachte. Glücklicherweise war Saranis wahre Gestalt denen der Erdlinge recht ähnlich, aber das zweite Paar Arme, das die ganze Zeit über unter der Frackweste eingequetscht gewesen war, schmerzte hinterher immer etwas.

Einer der Besucher kam hinterher noch zu ihm und sagte: "Es war wunderbar!

Aber ist die Arbeit mit den Erdlingen nicht sehr gefährlich? Sie gelten als schwer dressierbar und sehr aggressiv!"

Ach,das Risiko ist vertretbar! erwiderte Sarani.

Also, wie Sie es geschafft haben, diese Erdlinge dazu zu bringen, immer wieder gruppenweise in die Hände zu klatschen, war schon beachtlich! erklärte

der Besucher dann sichtlich beeindruckt. Entweder, Sie haben ein besonderes Talent im Umgang mit diesen Erdlingen, oder Sie sind ein Zauberer! (C) ALFRED BEKKER

Dinosaurier auf dem Mars

Brent stieg vorsichtig in das Loch an der Grabungsstelle hinein, was in dem klobigen Druckanzug gar nicht so einfach war. Sikorski folgte ihm.

Hier ist es also! sagte Brent mit spöttischem Unterton. Das Loch, das der Menschheit Aufschluß über die Frühgeschichte des Mars geben soll! - Sie sind gestern mit dem Raumtransporter angekommen, nicht wahr? fragte Sikorski. Ja. - Geologe? - Geologe und Paläontolo ge. -Dann haben Sie also Saurierknochen ausgegraben! lachte Sikors-ki. - Stimmt! murmelte Brent. Sikorski schien ziemlich redselig zu sein.

Haben Sie Fritz Malmgren schon kennengelernt? Brent nickte. Sie meinen den Leiter der Marsstation? Ja, ich habe kurz mit ihm gesprochen. - Nehmen Sie sich vor ihm in acht, warnte Sikorski.

In wie fern? Brent wandte sich zu seinem Kollegen herum und sah, daß Sikorski grinste.

Malmgren ist eine wissenschaftliche Kapazität, deshalb hat man ihm auch die Leitung der Marsstation übergeben. Aber das hält ihn nicht da von ab, seine Mitarbeiter mit üblen Streichen zu traktieren. - So?

Er soll bei Ausgrabungen in Palästina einem Kollegen eine Tontafel mit althebräischen Schriftzeichen in die Schicht gelegt haben, die dort eigentlich nicht hätte auftauchen dürfen. Der Kollege dachte schon an eine archäologische Sensation, bis er die Zeichen transkribiert hat te... Sikorski brach ab und kicherte. Was stand drauf? fragte Brent.

Fritz was here. - Sehr witzig! Brent gab die nächsten Tage auf den Leiter der Marsstation Acht, aber entweder Sikorski hatte ihm ein Märchen erzählt, um einen Keil zwischen ihn und seinen Vorgesetzten zu treiben, oder Fritz Malmgren hatte seine Neigung inzwischen abgelegt.

Die Marstage gingen mit der täglichen Arbeit dahin. Meter für Meter wurden die Bodenschichten auf ihre Beschaffenheit untersucht, um aus den Ergebnissen Rückschlüsse auf die geologische Entwicklung des Plane ten ziehen zu können. Brent hatte zwar mit Sikorski zusammenzuarbeiten, aber er verstand sich nicht besonders gut mit ihm. Eine Wand schien zwischen den beiden Männern zu stehen. Brent hatte den Eindruck, daß

Sikorski ihn, den Neuen auf der Station, als eine Art Eindringling und Konkurrenten sah. Ein Grund mehr, nichts auf das zu geben, was er über den Stationsleiter gesagt hatte, zumal dieser sich als äußerst umgänglich und kameradschaftlich erwies. Einige Wochen später war Brent dann einmal allein draußen bei der Ausgrabungsstelle, weil Sikorski sich nicht gut gefühlt hatte und vom Stationsarzt arbeitsunfähig geschrieben worden war. Brent machte seine Arbeit wie immer. Doch dann glaubte er plötzlich seinen Augen nicht zu trauen. Er holte etwas Längliches aus dem Marsgeröll, das etwa die Länge eines Menschenarms hatte. Ein Knochen! Die Erkenntnis traf Brent wie ein Schlag vor den Kopf... Einen solchen Knochen hatte er schon ge sehen, da war er sich absolut sicher! Es war der Knochen eines Dinosau riers!

*

Brent brachte den Knochen zur Marsstation, ohne daß er irgendwem davon erzählte. Er hatte eine Ahnung, wollte aber erst sichergehen, bevor er den anderen von seinem Fund berichtete. Brent setzte sich an den Compu ter, um in der Datenbank nachzuforschen. Es fiel ihm schwer, sich zu konzentrieren, denn ständig gingen ihm die Konsequenzen durch den Kopf, die der Fund eines Saurierknochens auf dem Mars nach sich zogen. Als erstes war da natürlich die Frage, wie er hier her kam. Unwahrscheinnlich, daß frühere Expeditionen ihn mitgebracht und dann mehrere Meter tief verscharrt hatten. Was, wenn es unter den urzeitlichen Reptilien intelligente Arten gegeben hätte? Vielleicht sogar so intelligent, daß

sie in der Lage gewesen waren, Raumschiffe zu bauen und zum Mars zu fliegen?

Warum eigentlich nicht? dachte Brent. Man hatte auch lange geglaubt, daß die Saurier Kaltblüter gewesen waren, was sich längst als Irrtum herausgestellt hatte. Warum sollte nicht auch die Meinung, nach der es sich bei den Urzeitriesen ausschließlich um kleinhirnige Dummköpfe gehandelt hatte, eines Tages revidiert werden? Brent gelang es schließ lich, den Knochen zu identifizieren. Die Größenverhältnisse stimmten... Es gab kaum einen Zweifel! Brent betrachtete den Knochen noch einmal genau und begann, ihn zu säubern. Die Materialanalyse würde letzte Ge wißheit geben. Dann tauchte unter dem feinen Staub plötzlich eine winzige

Erhebung auf. Ein Schriftzug. Made in Taiwan.

Wütend schaltete Brent den Computer ab.

Fritz! (C) ALFRED BEKKER /

Der Urahn

Das Camp lag irgendwo in der Kreide-Zeit, ca. 70 Millionen Jahre in der Vergangenheit. Um eine Zeit auf hunderttausend Jahre genau treffen zu können, waren die Zeitmaschinen einfach noch nicht gut genug. Aber das spielte bei den in den letzten Jahren in Mode gekommenen Reisen ins Erdmittelalter auch kaum eine Rolle. Die Leute wollten einmal in ihrem Leben den Tyrannosaurus Rex in natura gesehen haben, um all denen davon erzählen zu können, die sich eine solche Saurier-Safari nicht leisten konnten.Dann waren sie zufrieden.

*

Am Horizont zog ein Flugsaurier ruhig seine Kreise. Ein lauer Wind bog die Farne nach Westen. Es herrschte Stille.

Was machst du hier? fragte der große, breitschultrige Mann dessen Hemd das Emblem der Reisegesellschaft trug. Der Junge fuhr zusammen. Er wußte, daß der Mann Bender hieß

und es hier im Camp zu sagen hatte.

Nichts, sagte der Junge schuldbewußt.

Es ist nicht gestattet, sich so weit vom Camp zu entfernen, Junge. Das müßtest du doch wissen! knurrte Bender. Dann ließ eine Bewegung sie beide herumfahren

Eine Katze kam zwischen den urweltlichen Pflanzen hervor. Der Junge stürzte auf das Tier zu und nahm sie auf den Arm. Bender schüttelte den Kopf.

Es ist verboten, lebende Tiere mit in die Vergangenheit zu nehmen, Junge, sagte Bender.

Ich wollte sie aber gerne dabeihaben.

Wie hast du es geschafft, sie mitzuschmuggeln?

In meiner Tasche.

Wußten deine Eltern davon?

Nein. Und sagen Sie ihnen bitte nichts. Sie werden schimpfen.

Tut mir leid. Das wirst du aushalten müssen. Der Junge strich seiner Katze über das Fell und sah dabei zur Seite. Da bemerkte er zwischen den wuchernden Pflanzen die Überreste dessen, was dem Tier als Nahrung gedient hatte. Irgend etwas Kleines, Graues. Bender sah es auch.

Gib mir das Tier, sagte er.

Warum?

Es muß in einen Quarantäne-Käfig. Die Beutelratte, die es gefressen hat, könnte krank gewesen sein.

Zögernd gab der Junge Bender das Tier.

*

Die Eltern des Jungen waren alles andere als begeistert, als Bender ihnen die Sache erzählte.

Was geschieht jetzt? fragte sein Vater.

Die Katze bleibt in Quarantäne, bis wir wissen, ob sie sich bei der Beutelratte angesteckt hat!

Der Urlaub fängt ja schön an! schimpfte der Vater.

Wahrscheinlich werden wir jetzt diese Konventionalstrafe zahlen müssen, die in unserem Vertrag steht.

Aber meine Katze hat doch gar nichts Schlimmes gemacht! verteidigte sich der Junge. Von diesen Beutelratten gibt's doch Millionen!

Beutelratte? fragte die Mutter. Ich dachte, in der Kreidezeit gab es nur Reptilien.

Bender schüttelte den Kopf. Nein, es existierten auch bereits die ersten Säugetiere.

*

Die Tage in der Kreidezeit vergingen wie im Flug. Mit Hubschraubern ließen sich Besucher des Camps zu den wandernden Triceratopsherden fliegen, um diese dreihörnigen Monstren dabei zu beobachten, wie sie donnernd über die Ebenen stampften und den Boden unter ihren Füßen zum Erzittern brachten. Der Höhepunkt blieb natürlich die Jagd auf den Tyrannosaurus, jenes sechs Meter hohes fleischfressendes Ungeheuer, dessen überdimensionales Gebiß geeignet war, auch dem Unerschrokkendsten das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. Allerdings war diese Jagd nur mit der Kamera gestattet. Schließlich stand die gesamte Kreidezeit unter Naturschutz. Inzwischen riß die Verbindung mit der Gegenwart ab, aber Bender sagte niemandem etwas davon. Es war auch eigentlich kein Grund zur Beunruhigung. Die Zeitreisetechnik steckte noch in den Kinderschuhen und so etwas kam häufiger vor. Dann kam irgendwann der Tag des Abschieds. Das Camp wurde abgebaut und alles sorgfältig in der Zeitreise-Kapsel

verstaut. Die Rückreise verlief problemlos, aber als die Reisegesellschaft aus der Kapsel stieg, erlebte sie eine Überraschung. Wo ist denn der Zeitreisebahnhof, von dem wir gestartet sind? fragte eine Touristin. Und jemand anderes fragte: Wo ist überhaupt die Stadt?

Vor ihnen lag nichts als wucherndes, Dschungelartiges Grün. Einer der Reisebegleiter betätigte ein Funkgerät, aber alle Frequenzen waren tot. Es scheint, als gäbe es auf der gesamten Erde niemanden mehr, der Funksignale sendet! war sein Kommentar dazu.

Wir sind allein, flüsterte Bender. Diese verdammte Katze!

Was sagen Sie da?

Nichts. Bender behielt seinen Verdacht zunächst für sich. Aber welche andere Erklärung konnte es geben? Es schien tatsächlich so sein, als hätte die Katze sich genau jene Beutelratte als Mahlzeit ausgesucht, deren Nachfahren irgendwann zu höher entwickelten Säugetieren und schließlich zum Homo sapiens mutiert waren. Mutiert wären! korrigierte er sich und dachte: Sie hat unser aller Urahn aufgefressen!

In den folgenden Tagen suchten die Gestrandeten erfolglos den Äther und die Umgebung ab. Es hatte weder Funkgeräte noch Menschen je gegeben.(C) ALFRED BEKKER

Kopf ab!

Vor drei Tagen hatte der Raumkreuzer den etwas abgelegenen Planeten Kaldos angeflogen - eine erdähnliche Welt, die von einer Rasse blauhäutiger, humanoider Wesen bewohnt wurde. Diese Wesen machten zunächst einen überaus friedfertigen Eindruck. Weder Krieg noch Verbrechen schien es in ihrer Kultur zu geben und die irdischen Raumfahrer hatten schon fast das Gefühl, eine Art Paradies gefunden zu haben.

Bis zu jenem dritten Tag.

Was geschieht hier? fragte Marsten, der Kommandant des Raumschiffs fassungslos, als sein Blick über die vielen abgeschlagenen Köpfe glitt, die die Ebene bedeckten. Es mußten Tausende sein. Tausende von Köpfen, die man so auf den Boden gelegt hatte, daß es aussah, als ob man sie bei lebendigem Leib bis zum Hals eingegraben hätte. Ihre Augen waren geschlossen. Vance, der Biologe, stand etwas abseits. Er zuckte die Achseln.

Wir wissen noch nicht, was es genau bedeutet, sagte er. Scheint eine Art religiöse Opferung zu sein. Die Kaldosianer gehen in Scharen in das große Gebäude dort drüben - offenbar eine Art Tempel oder dergleichen - und lassen sich dort köpfen!

Freiwillig? Marston hob die Augenbrauen.

Jedenfalls leisten sie keinen Widerstand, wenn Sie das meinen, Captain. Aber Sie können es sich gerne selbst ansehen. Die Kaldosianer scheinen nichts dagegen zu haben, wenn man ihren Tempel betritt. Ich habe mir alles angesehen...

Sie beobachteten wie einige der Kaldosianer aus dem Tempel kamen. Auf einer Lade trugen sie mehrere Dutzend abgeschlagener Köpfe, die sie übereinandergeschichtet hatten. Sie suchten eine freie Stelle auf dem Boden und begannen dann, die Köpfe sorgfältig und in einem etwa gleichen Abstand voneinander niederzulegen.

Welch grausame Sitten! knirschte Marsten zwischen den Zähnen hindurch. Er ballte unwillkürlich die Hände zu Fäusten. Warum tun sie das? Vance zuckte die Achseln. Keine Ahnung. Unser Computer hat ihre Sprache noch immer nicht entschlüsselt... Dann wüßten wir vielleicht mehr! Sie gingen zum Schiff zurück, das sie hinter einer nahen Hügelkette gelandet hatten. Marsten nahm einen Kaffee und lief dann unruhig auf der Brücke herum. Vance ahnte, was in dem anderen vorging und meinte: Besser, Sie machen sich nicht zu viele Gedanken, über das, was da draußen passiert. Es geht uns nichts an. Wir sind nur Beobachter, aber es ist uns untersagt uns einzumischen!

Ich weiß, nickte Marsten. Aber in diesem Fall bin ich dafür, daß wir uns über die Bestimmungen hinwegsetzen. Was da draußen geschieht ist eine Massenhinrichtung! Das können wir nicht einfach so hinnehmen!

Es ist eine fremde Kultur! gab Vance zu bedenken. Das müssen wir respektieren!

Pah! machte Marsten aufgebracht. Es ist Mord! Nichts anderes! Und keine Kultur, keine Religion kann das rechtfertigen!

Und? Was wollen Sie dagegen tun, Captain? Marsten fuhr herum und hielt Vance den Zeigefinger unter die Nase. Wir könnten sie mit unseren Bordgeschützen dazu zwingen aufzuhören! Vance lachte trocken. Solange wir ihre Sprache nicht entschlüsselt haben, könnten wir Ihnen noch nicht einmal klarmachen, was wir von ihnen wollen! versetzte er gallig. Außerdem würde es Sie Ihren Job kosten, wenn Sie sich da einmischen, Captain! Das wissen Sie!

Marsten knurrte etwas unverständliches vor sich hin.

Er wußte, daß Vance recht hatte. Aber es ging ihm gegen den Strich, sich eine solch barbarische Schlächterei mitansehen zu müssen und nichts dagegen tun zu können.

*

Auch an den nächsten Tagen ging das Köpfen unter den Kaldosianern weiter. Immer neue Kolonnen gingen wie Schafe in den Tempel und ließen sich das Haupt abschlagen. Für die Erdmenschen war dieser Anblick kaum erträglich, aber ihnen waren die Hände gebunden. Stück für Stück wurde indessen die Sprache der Kaldosianer entschlüsselt, aber das führte nicht zu mehr Verständnis, sondern gab nur neue Rätsel auf.

Die Tage gingen dahin. Einer wie der andere. Und das Köpfen nahm kein Ende. Nach einer Woche geschah dann etwas Erstaunliches. Es war Vance, der Biologe, der es als erster gesehen hatte. Kommen Sie, Captain, sagte er zu Marsten. Sehen Sie es sich an. Es erklärt alles! Wenig später standen sie zusammen mit nahezu der ganzen Mannschaft auf einem Hügel und sahen zu, wie die Köpfe der hingerichteten Kaldosianer einer nach dem anderen die Augen öffneten. Vom Tempel her kamen blauhäutige Helfer mit Grabwerkzeugen in immer größerer Zahl. Sie, die zuvor ihre Artgenossen geköpft hatten, gruben jetzt lebendige, unversehrte, sehr jugendlich wirkende Körper aus.

Begreifen Sie jetzt, Captain? sagte Vance. Es war kein Mord, was hier geschah, sondern das genaue Gegenteil davon!

Marsten schien nicht zu verstehen. Was? murmelte er.

Sie kennen eine Mohrrübe, Captain. Wenn man sie ausgräbt kann man die eigentliche Pflanze von der Mohrrübe trennen. Steckt man die Pflanze in die Erde, wächst eine neue Mohrrübe. Er deutete auf die Kaldosianer. Das hier scheint nach demselben Prinzip abzulaufen. Biologisch gesehen stammen diese Wesen trotz ihrer menschenähnlichen Erscheinung nämlich von Planzen ab. (C) ALFRED BEKKER

Das Strafgericht

Peter Lutz saß am Steuer und fluchte leise vor sich hin. Kurz bevor die Fahrbahn sich wegen der Baustelle verengte, war es immer dasselbe. Es gab einen Stau. Wenn dann noch irgendwer nach einem Parkplatz suchte und deswegen nur in Schrittempo voran fuhr, dann ging in der Regel eine Weile lang gar nichts mehr. Aber was Lutz am meisten haßte, das waren diejenigen, die nach dem Hinweisschild noch rechts überholten, auf der rechten Spur soweit wie möglich weiterfuhren, um sich dann wieder in den Verkehr einzufädeln - mit mehreren hundert Metern Geländegewinn natürlich. Meistens waren es große Wagen. Mercedes oder Porsche, Wagen deren Fahrer ohnehin zu glauben schienen, daß es bei ihrem Fabrikat eine serienmäßige, eingebaute Vorfahrt gab.

Trugen die Wagen auswärtige Nummernschilder, konnte Lutz es gerade noch ertragen. Aber wenn es Hiesige waren, dann kochte ihm das Gemüt hoch und seine Galle meldete sich

unwillkürlich. Wen jemand von hier kommt, dann weiß er, was er tut! ging es Lutz grimmig durch den Kopf. Da! Da war wieder so einer, der frech an ihm vorbeizog. Natürlich, ein Mercedes. Als die Fahrbahn sich verengte, kamen sie auf gleiche Höhe. Der Mercedesfahrer - ein kleiner dicker Mann mit schütteren Haaren - versuchte wieder einzufädeln.

Na warte! dachte Lutz. Dem zeig ich's.

Die beiden Fahrer vor ihm ließen den kleinen Glatzkopf nicht dazwischen. Und Lutz tat es auch nicht. Er dachte gar nicht daran! Dem mußte man mal eine richtige Lektion  verpassen. Dann würde der arrogante Gesichtsausdruck auf seinem Gesicht schon verschwinden! Lutz fuhr sehr langsam. Der Mercedesfahrer hob die Arme und gestikulierte wild. Er zeigte Lutz den Vogel. Lutz grinste und zeigte den Mittelfinger. Der Mercedesfahrer ließ die Scheibe hinunter - bei ihm ging das natürlich elektrisch - und schimpfte lautstark herum. Was soll das, glaubst du, die Straße gehört dir alleine? Was fällt dir ein, hier den Betrieb aufzuhalten! Es folgten noch ein paar wüste Schimpfwörter, die Lutz die Zornesröte ins Gesicht trieben.

Er trat auf die Bremse und augenblicklich mußte auch der Mercedesfahrer in die Eisen gehen. Für ihn gab es natürlich jetzt kein Weiterkommen mehr. Lutz bleckte angriffslustig die Zähne. Sollte der Mercedesfahrer ruhig ein bißchen schmoren!

Er hatte es verdient!

Lutz stieg aus.

Der Mercedesfahrer tat dasselbe. Und dann gab ein Wort das andere. Wüste Beschimpfungen flogen hin und her und die Wagen, die hinter ihnen in der Schlange standen, betätigten ihre Hupen. Immer mehr Wagentüren wurden geöffnet.

Lutz deutete auf den Mercedesfahrer. "Ich finde, der Kerl hier braucht eine Lektion! Man sollte ihm mal beibringen, wie man richtig Auto fährt! Es geht doch nicht an, daß diese dicke Limousinen sich erst rechts an der Schlange

vorbeistehlen und sich dann wieder vordrängeln."

Einige der anderen Leute nickten zustimmend. Ein kräftiger Rothaariger, der aus einem Lieferwagen gestiegen war,

krempelte die Ärmel hoch und knurrte: Das finde ich allerdings auch!

Mir geht das auch schon lange auf die Nerven!

Mir auch!

Lutz und zwei andere Männer kamen auf den kleinen dicken Mercedesfahrer zu, der bei diesem Anblick noch viel kleiner wurde, als er ohnehin schon war. "Hören Sie, ich muß

dringend weg. Ich habe eine Verabredung, die keinen Aufschub duldet!"

Lutz verzog das Gesicht und sah den Dicken von oben herab an. Der Mercedesfahrer schwitzte. Seine Augen waren glasig, sein Blick schien etwas gehetztes, wahnhaftes auszudrücken.

Lassen Sie mich weiterfahren, sonst ist es zu spät!

Zu spät ist es erstmal für dich! Lutz packte ihn am Kragen und drückte ihn gegen seinen Wagen. Dann fiel sein Blick durch das Fenster und er sah auf einen riesigen Haufen von Flaschen. Schnapsflaschen, um genau zu sein. Kleine Flachmänner fanden sich neben großen Rumflaschen.

Jetzt versteh ich, sagte Lutz. Daß Sie sich nicht schämen, sich als Alkoholiker ans Steuer zu setzen!

Ich habe nichts getrunken!

Das würde doch jeder sagen.

Die Flaschen - die sind nicht für mich!

Hören Sie doch auf!

Und auch die anderen waren fassugslos ob soviel geballten Verkehrsrowdytums. Nein, kein Zweifel, daß ihr Zorn hier gerechterweise den Richtigen traf.

Lassen Sie mich los! zeterte der dicke Mann. Sie werden es sonst noch bereuen. Sie alle! Aber Lutz dachte gar nicht daran, den Mann loszulassen. Und der Kerl aus dem Lieferwagen bestärkte ihn darin, in dem er sagte: Wir können den Schluckspecht unmöglich wieder ans Steuer lassen. Und damit ging der große, kräftige Mann um den Wagen herum, öffnete die Tür und beugte sich zum Zündschloß. Er zog den Schlüssel heraus. Der Mercedes-Fahrer wurde bleich. Ich muß bis drei Uhr beim Treffpunkt sein, damit ich ihnen die Flasche geben kann! zeterte der dicke Mann mit hervorquellenden, wie irre dreinblickenden Augen. Sie werden sich sonst furchtbar rächen und glauben, daß wir Menschen unzivilisierte Tiere sind, die besser vom Antlitz dieses Planeten getilgt werden sollten! - Von wem sprechen Sie? fragte Lutz stirnrunzelnd, wobei er sein Gegenüber unwillkürlich wieder siezte.

"Von den Wesen, die mit ihrem Raumschiff gekommen sind. Ich weiß, daß Sie mir nicht glauben werden, aber davon, daß

ich weiterfahren kann, hängt das Schicksal der Menschheit ab! - Man sollte ihn mal den Idiotentest machen lassen. Da fällt er garantiert durch! meinte der Mann aus dem Lieferwagen und Lutz schüttelte fassungslos den Kopf. Sturzbesoffen, der Kerl! - Oder plem-plem! rief jemand anderes. - Oder beides! - Wahrscheinlich beides. -Unglaublich. So jemand wird in den Straßenverkehr losgelassen! - Hat jemand ein Autotelefon? Dann können wir die Polizei rufen!" Der kleine dicke Mercedes-Fahrer kreischte laut herum. Dann traf sein Blick auf die große Kirchturmuhr, die von hier aus sichtbar war. Er verstummte von einer Sekunde zur anderen und schüttelte stumm den Kopf. Und auch alle anderen waren plötzlich ruhig. Lutz ließ sogar den Kragen des Dicken los, denn es hatte gerade drei Uhr geschlagen. Das letzte, was sie alle sahen, war ein unwahrscheinlich greller Blitz. Dann war es dunkel. Endgültig dunkel.(C) ALFRED BEKKER

Die Verpackungskünstler

Es schien keine Spezies im Universum zu geben, für die das Austauschen von Geschenken eine so hohe Bedeutung hatte, wie für die kleinen pelzigen Wesen vom Sirius. Das kunstvolle Verpacken gegenseitiger Gaben war von ihnen nicht nur handwerklich perfektioniert worden, es regelte auch das soziale Leben, war Grundlage ihrer Religion (denn sie glaubten an den Großen Schenker jenseits der Sterne) und der Politik. Mindestens ein Viertel ihrer Wachzeit verbrachten die kleinen pelzigen Wesen daher damit, Geschenke zu verpacken und bei den verschiedensten Gelegenheiten zu verteilen. Selbst kleinste Reisen auf ihrem Heimatplaneten wurden daher zu aufwendigen Unternehmungen - um so mehr galt das für ihre Expeditionen in die Galaxis.

Selbstverständlich machten sie sich durch ihre

Angewohnheit, zu schenken, überall beliebt. Daß dieser Brauch auf den Planeten, die sie besuchten zumeist unbekannt war und sie keine Gegengeschenke bekamen, machte ihnen nichts aus. Im Gegenteil. Es erleichterte sie, denn die größte Schande, die ihre Kultur kannte, war es, kein gleichwertiges Geschenk anbieten zu können

*

Es war eine lange Reise gewesen, selbst für die kleinen pelzigen Wesen vom Sirius.

Wir haben jetzt das Orbit des Planeten erreicht, meldete der Steuermann des Raumschiffs dem Kommandanten und dieser wackelte voller Erwartung mit seinen langen, lederigen Ohren.

Wieder einmal stehen wir davor, mit einer fremden Zivilisation Kontakt aufzunehmen, sagte der kleine pelzige Kommandant fast feierlich.

Vor ihnen auf dem Bildschirm der Hauptbrücke war der dritte Planet dieses Sonnensystems zu sehen. Er schimmerte blau, da der größte Teil seiner Oberfläche von Ozeanen bedeckt wurde.

"Wir haben es zweifellos mit einer äußerst hochstehenden Kultur zu tun und sollten uns nicht davon blenden lassen, daß  diese Wesen den interstellaren Raumflug noch nicht

beherrschen, erklärte indessen ein anderes der kleinen pelzigen Wesen, seines Zeichens der wissenschaftliche Leiter der Expedition. Das sieht man schon daran, welche Rolle Geschenke und deren Verpackung unter den Eingeborenen spielt!" erläuterte das kleine pelzige Wesen dann weiter.

Aus der Aufzeichnung unserer Sensoren haben wir viel über diese Wesen erfahren. So feiern sie jedes Jahr mehrere Feste, bei denen zuvor liebevoll verpackte Geschenke ausgetauscht werden. Manche dieser Feste haben möglicherweise sogar  religiösen Hintergrund!

Einige der kleinen pelzigen Wesen piepsten vor Erstaunen.

Kein Zweifel, sagte der Steuermann. Dann muß zwischen ihnen und uns eine Art Wertegemeinschaft bestehen. Ein  kultureller Konsens...

Es kommen gerade neue Daten herein..., rief der wissenschaftliche Leiter erregt und sah auf seine Anzeigen und Bildschirme. Seine langen lederigen Ohren wurden ganz still dabei. Fast andächtig und auch mit etwas Furcht in der Stimme sagte er dann: Es gibt keinen Zweifel, sie haben uns erwartet...

*

Und det soll nun Kunst sein! meinte der Taxifahrer, während er einen Blick auf den Berliner Reichstag warf. Er schüttelte den Kopf. Ein ganzes Gebäude mit Folie einwickeln - sowas hab ik noch nich gesehen! Sieht aus wie mein Butterbrot - nur viel größer...

Es ist die künstlerische Aktion des Jahres - vielleicht des Jahrhunderts, erwiderte sein Fahrgast, der vermutlich so wie Millionen anderer Besucher - extra nach Berlin gekommen waren, um zu sehen, wie das Reichstagsgebäude verhüllt wurde. Verhüllt - und nicht verpackt - darauf

bestand der Künstler, auch wenn dieser feine Unterschied von den Meisten schlicht ignoriert wurde Davon wird man noch in hundert oder zweihundert Jahren reden! war der Fahrgast überzeugt.

Der Taxifahrer war da etwas skeptischer.

"Ik wees nich so recht, was das soll. Wenn jetzt ein Weihnachtsbaum danebenstünde, dann wäre der Fall schon

klarer."

Sein Fahrgast fand das nicht sehr witzig.

Ein Weihnachtsgeschenk ist das ja nun auch nicht...

Nee, lachte der Taxifahrer. Man weiß ja auch schon, was drin ist. Außerdem - stellen Sie sich det mal vor! Jemand würde mit einem riesigen Kran kommen und das ganze  eingepackte Ding einfach mitnehmen...

*

Wir werden umkehren müssen, sagte der Kommandant des Raumschiffes der kleinen pelzigen Wesen vom Sirius resigniert, als er das beeindruckende Bild auf dem Hauptschirm sah. Ein solches Geschenk hatte selbst er noch nicht gesehen. Diese zweibeinigen Wesen hatten ein geradezu riesenhaftes und zweifellos sicher sehr bedeutendes Gebäude verpackt, was aller Logik nach nur bedeuten konnte, daß man es den Besuchern aus dem All zum Geschenk machen wollte.

Aber wir könnten ihnen mehr als gleichwertige Dinge schenken! meinte der Steuermann.

Mag sein - aber wie sollen wir ihr Geschenk mitnehmen? Es hat die tausendfache Größe unseres Raumschiffes. Wir werden noch Jahre brauchen, bis wir dazu technisch in der Lage wären. Es herrschte betretenes Schweigen auf der Brücke. Die Schande, ein Geschenk nicht angemessen erwidern zu können, wäre schon groß gewesen, aber die größte Schande, ja geradezu eine Verletzung jeglicher moralischer Normen wäre es gewesen, ein Geschenk nicht anzunehmen. Es wäre einer Kriegserklärung gleichgekommen.

Wir werden erst Kontakt mit diesen Wesen aufnehmen, wenn wir in der Lage sind, ihre Geschenke anzunehmen, erklärte tief bewegt der Kommandant und gab den Befehl, das Sonnensystem zu verlassen.(C) ALFRED BEKKER

Das Duell

Victor Kamarov saß mit versteinertem Gesicht vor dem

Schachbrett. Seine Züge verrieten höchste Konzentration. Er rieb sich kurz den rechten Nasenflügel, eine Geste, die er häufig vor dem nächsten Zug machte. Dann nahm er den Läufer in seine spitzen Finger und setzte ihn ein Feld nach rechts.

Schach, kam es zwischen seinen dünnen Lippen hindurch, die sich beim Sprechen kaum bewegten. Millionen verfolgten diesen Zug im Internet und weitere Millionen würden die Zusammenfassung dieses Kampfes im Fernsehen und in den

Zeitungen studieren. Großmeister Kamarov war der zur Zeit beste Schachspieler der Welt und seine Spezialität war es in letzter Zeit, riesenhafte Megacomputer zu schlagen,  Rechenanlagen, die so groß wie ein Haus waren und eine unvorstellbar große Anzahl verschiedener Spielzüge innerhalb von Augenblicken analysieren konnten.

Dennoch, Kamarov hatte die Duelle mit den Computern bisher mehrheitlich gewonnen. Und auch jetzt stand er kurz vor dem Sieg über K-5, das zur Zeit weltweit beste Elektronengehirn. Kamarovs Gegenüber lächelte angespannt. Es handelte sich um einen etwa vierzigjährigen Mann, dessen Name Collins war und der nichts anderes zu tun hatte, als die Züge auszuführen, die der am anderen Ende der Welt befindliche Computer übermittelte.

Ich werde gewinnen, sagte Kamarov siegesgewiß. Er blickte kurz zu seinem Manager hinüber, der sich ebenfalls im Raum befand.

Sie geben in der Öffentlichkeit nie etwas von Ihrem Privatleben bekannt, sagte Collins, nachdem er den Zug des Computers ausgeführt hatte, der den schwarzen König vorübergehend aus der Bedrouille brachte.

Aber es war nichts weiter als ein Aufschub.

Kamarovs Gesicht blieb unbewegt.

Er würdigte Collins - diesen bloßen Handlanger einer

Maschine keines Blickes. Nichts schien diesen Mann von der Konzentration auf sein Spiel ablenken zu können.

Vielleicht war das das Geheimnis seines Erfolges,  überlegte Collins. Diese unbedingte Konzentration.

Der nächste Zug folgte, dann der Gegenzug. Und das Fachpublikum in aller Welt hielt den Atem an. Kamarov schien einen Moment lang nicht völlig bei der Sache gewesen zu sein. Anders war es nicht erklärlich, daß er diese Chance, seinem Gegner den Garaus machen zu können ausgelassen hatte.

Sein Blick war leer, er verzog keine Miene und nicht das leiseste Zucken seiner Gesichtsmuskulatur verriet, daß er überhaupt bemerkt hatte, welcher Fehler ihm da unterlaufen war. Auch das machte ihn groß, fand Collins. Seine Art, Niederlagen und Rückschläge einfach wie nichts wegzustecken. Es dauerte kaum eine halbe Stunde, da hatte sich Kamarov wieder in eine Position gebracht, die für K-5 äußerst prekär war. Und diesmal nutzte Kamarov sie.

Schach matt, stellte er fest, ohne dabei das Gesicht zu entspannen, ein Lächeln zu zeigen oder die Tür zu seinem Inneren auch nur einen Spalt weit zu öffnen.

Nach der Partie erhob Kamarov sich, blickte kurz zu seinem Manager hinüber und verschwand dann durch eine der Seitentüren.

Schon ein merkwürdiger Mann, den Sie da unter die geschäftlichen Fittiche genommen haben, meinte Collins an Kamarovs Manager gewandt, der ebenfalls eilig aufgesprungen war, als er seinen Schützling hatte hinausgehen sehen.

Er ist eben ein Genie, sagte der Manager knapp.

Und Sie meinen, Genies haben das Recht dazu, ein bißchen seltsam zu sein, nicht wahr?

Collins lächelte.

Der Manager wirkte angespannt. Collins folgte ihm hinaus in den Flur, wo er sich suchend umblickte.

"Morgen wird es in allen Zeitungen stehen! Der Mensch besiegt den Computer! Obwohl wir doch nur ein vergleichsweise kleines Hirn haben, sind wir der Maschine immer noch

überlegen", meinte Collins.

Das ist der Grund, weshalb sich Millionen Menschen für diese Art Duell interessieren, erklärte der Manager beiläufig und etwas genervt.

Collins nickte.

Es sind sicher nicht nur Schach-Freunde darunter.

So ist es.

Dann entspannte sich das Gesicht des Managers plötzlich. Er sah Kamarov, das Genie, an einem Fenster stehen und  hinausblicken. Kamarov bewegte sich nicht. Sein Blick hing an der Neonreklame da draußen, die in einem unruhigen Rhythmus aufblitzte.

Lassen Sie mich bitte einen Moment mit Kamarov allein, sagte der Manager. Er ist jetzt sehr abgespannt... Kamarov widersprach nicht.

Collins zuckte die Achseln. Er hatte eigentlich gehofft, etwas mehr über den Mann erfahren zu können, dem er an den vergangenen Tagen stundenlang gegenüber gesessen hatte. Collins zuckte die Schultern.

Selbstverständlich. Aber die Art, in der er das sagte zeigte, daß er enttäuscht war.

Der Manager wartete, bis Collins verschwunden war.

Dann griff er seinem Schützling blitzschnell an den Hinterkopf. Seine Finger strichen die Haare zur Seite und fanden die kahle Stelle, an der sich ein schmaler Schlitz befand - das Diskettenlaufwerk. Der Manager holte die Diskette heraus und tauschte sie gegen eine andere aus, die er gerade aus der Jackentasche geholt hatte. Das  Schachprogramm und das Programm für gesellschaftliche Anlässe beides zusammen überstieg einfach Kamarovs Speicherkapazität. Kamarovs Manager, der auch sein Programmierer war, empfand so etwas wie Stolz und dachte: Mit dem Fehler, den ich in sein Schachprogramm eingebaut habe, wirkt Kamarov selbst auf mich beinahe menschlich... (C) ALFRED BEKKER

In der schlimmen alten Zeit

Erzähl mir doch nochmal von damals, forderte der Junge von seinem Großvater, während sie den Weg entlanggingen, der neben dem Fluß herführte.

Von damals? echote der Großvater.

Ja, nickte der Junge. Aus der schlimmen alten Zeit, du weißt schon. Der Großvater atmete tief durch. Ja, ja... Er hatte dem Jungen schon so oft von der schlimmen alten Zeit erzählt, aber so waren Kinder nunmal: Manche Dinge wollen sie einfach immer und immer wieder erzählt bekommen, gleichgültig, wie oft sie es schon gehört hatten. Und der Großvater hatte nichts dagegen. Er war insgeheim froh, daß überhaupt jemand seine Geschichten hören wollte. Also erzählte er, so wie schon ein Dutzendmal zuvor.

Also, du weißt, daß ich selbst die schlimme alte Zeit nie erlebt habe, begann er. So begann er immer.

Und der Junge sagte: Ich weiß.

Aber mein Großvater, der hat diese Zeit noch miterlebt.

Es muß furchtbar gewesen sein.

"Es war furchtbar, mein Junge. Du machst dir gar keine Vorstellung davon!

Die Menschen waren fortwährend einer wahren Flut von Bildern ausgesetzt. Sie waren buchstäblich dazu gezwungen, die Augen aufzuhalten und zu sehen."

Wie grausam!

Mein Junge, du weißt, daß der Gesichtssinn der empfindlichste Sinn des Menschen ist -. aber auch der über den er am leichtesten beeinflußbar ist! Und das machte man sich hemmungslos zu nutze. Allgegenwärtige Werbung sollte sie beeinflussen, bestimmte Produkte zu kaufen, Religionsgemeinschaften versuchten mit weithin sichtbaren Symbolen ihres Glaubens, die Menschen für sich zu gewinnen. Es war das Zeitalter des geradezu perfiden Einsatzes visueller Reize. Zeitschriften versuchten ihre Auflage zu steigern, in dem sie mit entkleideten Frauenkörpern oder spektakulären Grausamkeiten auf der Titelseite auf sich aufmerksam machten. Im Fernsehen - du weißt, ich habe dir mal erklärt, was Fernsehen war; heute gibt es das alles ja nicht mehr - im Fernsehen versuchten sich die Sender mit den erstaunlichsten und ins Auge fallendsten Bildern gegenseitig auszustechen. Werbung und Programm waren kaum noch auseinanderzuhalten und der Mensch drohte zum willfährigen Spielball derer zu werden, die ihn mit Bildern fütterten wie ein Mastschwein mit Kleie!

Furchtbar!

Die Menschen waren gezwungen, die geschmacklosen Gartenzwerge ihrer Nachbarn mit anzusehen. Und in den Städten wurde das Auge mitunter durch häßliche Plastiken oder überdimensionale Plakatwänden und Leuchtreklamen gequält, denen der Blick unmöglich ausweichen konnte. Es liegt auf der Hand, daß diese Zustände nicht ewig hingenommen werden konnten...

Was geschah dann, Großvater? fragte der Junge.

Nun, es gab Leute, die sich gegen den Strom stellten. Manche empfanden es als Gewalt, gegen ihren Willen mit christlichen Kreuzen konfrontiert zu werden, sei es an Kirchtürmen, in Form von Kruzifixen am Wegesrand oder - wie damals teilweise noch üblich - gar an den Wänden von Schulklassen. Andere wiederum fanden es unerträglich, an jedem Zeitschriftenkiosk einer Fülle von Nacktheit ausgesetzt zu sein. Wieder andere meinten gar, das gewisse Gruppen von Menschen - Fettleibige und Behinderte beispielsweise - einen so häßlichen Anblick böten, daß es der Mehrheit einfach nicht zuzumuten sei, sie ansehen zu müssen. Weitere Gruppen vertraten die Auffassung, für bestimmte Produkte dürfe keine Werbung gemacht werden, weil das ethisch nicht vertretbar sei.

Was denn zum Beispiel?

Zigaretten, Alkohol, Pelzmäntel, Spielzeug, das in Diktaturen gefertigt wurde oder in Ländern, die immer noch Atomtests durchführten... Klar, daß man sich da nie einig werden konnte.

Klar.

In jener Zeit gab es dann auch die ersten Fälle von Blickverbrechen.

Davon hast du mir noch nie erzählt.

Nein? Der Großvater zuckte die Achseln. Die Menschen begannen, sich wegen herausfordernder, beleidigender oder anzüglicher Blicke gegenseitig anzuzeigen. Durch Blicke kann manchmal mehr gesagt werden, als durch Worte, so pflegte mein Großvater immer zu sagen. Es gab damals einen Ausspruch: Wenn Blicke töten könnten. Und die Gerichte begannen immer mehr dazu überzugehen, nicht nur das zu bestrafen, was ein Mensch getan hatte, sondern auch, wie er geblickt hatte. Was war denn schon der Unterschied zwischen einem giftigen Blick und einem Giftmord? Vermutlich nur der Mangel an Gelegenheit... Der Großvater seufzte. Du siehst, Junge, es mußte eine Lösung gefunden werden. - Ich weiß, und diese Lösung kam durch die Gentechnologie, nicht wahr? - Ja. Es gelang, bestimmte Gene der Fledermaus in die menschliche Erbmasse einzuführen. Du weißt, Fledermäuse können im dunkeln fliegen, weil sie sich mit Hilfe von Ultraschall orientieren können. Innerhalb von drei Generationen konnte das auch jeder Mensch. Wer weiß, in welchem Chaos sonst alles geendet hätte...

Der Großvater und der Junge gingen den Rest des Weges schweigend. Daß es so früh dunkel wurde, störte sie nicht, denn sie gingen mit geschlossenen Augen den schmalen Weg am Fluß entlang.

(C) ALFRED BEKKER

Der späte Sieg des Roten Mannes

Joe erinnerte sich, seinen Großvater als Kind mal gefragt zu haben, wie viele Weiße es in diesem Land gäbe - und wie viele Indianer. Die Antwort hatte ihn nachdenklich gemacht.

Joe White Bird machte sich einmal in der Woche auf den Weg vom Indianerreservat nach San Pablo, wo es den nächsten Drugstore gab. Den einzigen im weiten Umkreis, um genau zu sein. Mit dem Jeep brauchte Joe eine Stunde für den Weg. An diesem Tag war Joe spät dran.

Ein platter Reifen hatte ihn unterwegs eine halbe Stunde aufgehalten.

Ich dachte schon, du kommst heute gar nicht mehr! flachste ihn Grimes, der Drugstorebesitzer an, als er den Laden betrat. Ein paar Männer saßen am Tresen, zwei von ihnen aßen einen Hamburger, der dritte trank einen Kaffee. Joe kannte die Männer nicht. Vermutlich gehörten sie zu den Trucks, die draußen auf dem Parkplatz abgestellt waren. Joe musterte sie kurz.

War nicht so gemeint, Joe, meinte Grimes, als er Joes unbewegtes Gesicht sah. Das übliche?

Ja, knurrte Joe.

Du hast schlechte Laune, ja?

Ich hatte eine Reifenpanne.

Willst du einen Drink?

Gerne.

Im nächsten Moment war Totenstille im Raum. Alle

drehten sich in Richtung der Tür. Jemand war eingetreten. Der Mann trug einen schlecht sitzenden Anzug, der in der Gesäßgegend ziemlich zerknittert war, was wohl daran lag, daß er die letzten paar Stunden hinter dem Steuer eines Wagens verbracht hatte. Er sah aus wie ein Handelsvertreter, der kurz mal Rast machte. Eigentlich war nichts besonderes an ihm, bis auf eine Sache. Er war weiß. Alle anderen im Raum waren hingegen Rothäute, sowohl die drei Trucker als auch Grimes.

Wenigstens für ein paar Augenblicke wurde der Weiße dann rot wie eine Tomate, als er die Blicke der anderen bemerkte. Er ging zum Tresen.

Was glotzt ihr so? fragte er.

Sie drehten sich wieder herum. Der Weiße sagte Grimes, was er haben wollte. Ein Sandwich und eine Dose Limonade.

Ich weiß, warum ihr glotzt, sagte er dann an die anderen gewandt. Glotzt ruhig. Ich wette, ich bin der erste Weiße hier seit...

Seit Jahren, ergänzte Joe.

Der Weiße lachte.

Kann ich mir denken. Viele von uns gibt es ja auch nicht mehr... Vielleicht sollte man bald ein Rerservat für uns einrichten! Er lachte heiser.

Joe verzog das Gesicht.

Es wollte Sie hier niemand beleidigen, erklärte er. Der Weiße zuckte die Achseln. Inzwischen bin ich es gewöhnt, daß man mich anstarrt. Noch ein, zwei Generationen, dann sind wir ausgestorben...

Vermutlich hat er recht, dachte Joe. Aber er sagte es nicht.

Ich bin ein Relikt aus einer vergangenen Zeit, sagte der Weiße.

Es spielt keine Rolle, welche Hautfarbe man hat, sagte Joe. "Jedenfalls in meinen Augen nicht.

Das klingt gut. Aber es stimmt nicht.

Nein?

Nein, sagte der Weiße. Man wird anders behandelt, wenn man anders aussieht, so einfach ist das. Und am besten sieht man so aus wie alle.

So wie alle - das war früher eine weiße Hautfarbe gewesen, jetzt eine rote. Grimes stellte dem Weißen einen Drink hin und er kippte ihn hinunter. General Custer und die Schlacht am Little Big Horn, Scharen von land-und goldgierigen Siedlern, Diskriminierung und Feuerwasser - das alles hat euch Rote fast vernichtet. Die stolzen Krieger waren schon zu saufenden Almosenempfängern verkommen, da mußten euch ein paar Tomaten mit unbegrenztem Haltbarkeitsdatum zu Hilfe kommen und dem Roten Mann doch noch zum Sieg verhelfen... Als er hinausging, sahen sie ihm noch nach - ihm, einem der letzten Weißen. Genveränderte Tomaten waren eine praktische Sache. Sie faulten nicht und man konnte sie quetschen soviel man wollte, ohne daß der Geschmack darunter litt. Es gab nur eine kleine Nebenwirkung auf das menschliche Erbgut. Als man diese bemerkt hatte, war es schon zu spät gewesen. Die Tomaten hatten das für ihre rote Farbe verantwortliche Gen auf den Menschen übertragen.(C) ALFRED BEKKER

Arsen im Ötzi

Dies ist die Geschichte zweier Männer. Der eine wollte

berühmt werden und schaffte es schließlich auch, wenn auch unter einem anderen Namen und ohne, daß er selbst noch davon profitieren konnte. Der andere wollte genau das Gegenteil, nämlich so lange wie möglich im Verborgenen wirken, wofür er gute Gründe hatte - und auch er erreichte sein Ziel. Eine Geschichte mit Happy End also, so könnte man voreilig

annehmen. Aber der Reihe nach. Der erste Mann hieß Baily, hatte im Laufe seiner langen wissenschaftlichen Karriere Lehrstühle in Oxfort und Princeton innegehabt, aber

schließlich dem Wissenschaftsbetrieb den Rücken gekehrt, weil er sich gründlich verkannt und mißverstanden fühlte. Der zweite Mann hieß Schmitt und war Schweizer. Er war ebenfalls Wissenschaftler. Eine Unterhaltung bei einem kalten Buffet hatte sie zusammengebracht. Es war auf einer jener zahllosen wissenschaflichen Kongresse und Symposien gewesen, an denen sie beide teilgenommen hatten, auf dem sie beide intensiv über die Möglichkeiten diskutiert

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Was die anderen über Aliens und Menschen - Das 1256 Seiten Science Fiction Abenteuer Paket denken

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