Genießen Sie von Millionen von eBooks, Hörbüchern, Zeitschriften und mehr - mit einer kostenlosen Testversion

Nur $11.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Arztroman Sammelband Drei Romane - Winterliebe/ Dann stürzte die Welt für sie ein / Der kleine Jan
Arztroman Sammelband Drei Romane - Winterliebe/ Dann stürzte die Welt für sie ein / Der kleine Jan
Arztroman Sammelband Drei Romane - Winterliebe/ Dann stürzte die Welt für sie ein / Der kleine Jan
eBook455 Seiten4 Stunden

Arztroman Sammelband Drei Romane - Winterliebe/ Dann stürzte die Welt für sie ein / Der kleine Jan

Bewertung: 0 von 5 Sternen

()

Vorschau lesen

Über dieses E-Book

Als Dr. Berends einstiger Schulfreund mit einem Schlaganfall eingeliefert wird, erkennt er ihn kaum wieder. Zur gleichen Zeit wird der Sohn eines exzentrischen Millionärs auf die Kinderstation

gebracht. Der kleine Junge schließt die neue Krankenschwester sofort in sein Herz und möchte sie am liebsten mit nach Hause nehmen. Währenddessen versucht Dr. Berends die Hintergründe für den Schlaganfall seines Freundes herauszufinden.

SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum10. Juni 2019
ISBN9781386409717
Arztroman Sammelband Drei Romane - Winterliebe/ Dann stürzte die Welt für sie ein / Der kleine Jan
Vorschau lesen
Autor

A. F. Morland

A. F. Morland schrieb zahlreiche Romane und ist der Erfinder der Serie Tony Ballard.

Mehr von A. F. Morland lesen

Ähnlich wie Arztroman Sammelband Drei Romane - Winterliebe/ Dann stürzte die Welt für sie ein / Der kleine Jan

Rezensionen für Arztroman Sammelband Drei Romane - Winterliebe/ Dann stürzte die Welt für sie ein / Der kleine Jan

Bewertung: 0 von 5 Sternen
0 Bewertungen

0 Bewertungen0 Rezensionen

Wie hat es Ihnen gefallen?

Zum Bewerten, tippen

Die Rezension muss mindestens 10 Wörter umfassen

    Buchvorschau

    Arztroman Sammelband Drei Romane - Winterliebe/ Dann stürzte die Welt für sie ein / Der kleine Jan - A. F. Morland

    Der kleine Jan

    von A. F. Morland

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 106 Taschenbuchseiten.

    Als Dr. Berends einstiger Schulfreund mit einem Schlaganfall eingeliefert wird, erkennt er ihn kaum wieder. Zur gleichen Zeit wird der Sohn eines exzentrischen Millionärs auf die Kinderstation

    gebracht. Der kleine Junge schließt die neue Krankenschwester sofort in sein Herz und möchte sie am liebsten mit nach Hause nehmen. Währenddessen versucht Dr. Berends die Hintergründe für den  Schlaganfall seines Freundes herauszufinden.

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

    © by Author

    © dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Die Hauptpersonen das Romans:

    Bernhard Klausewitz – Er hat seine Millionen mit Schrott verdient. Doch ist er auch glücklich mit dem Geld?

    Jan Klausewitz – Sein jüngster Sohn, der wie ein rohes Ei behandelt werden muss.

    Senta Brenner – Krankenschwester. Sie soll an einem Verbrechen teilnehmen. Hat sie die Nerven dazu?

    Werner Küppers – Arbeitsloser Schriftsetzer, der den Kopf voller dummer Ideen hat.

    Sowie Chefarzt Dr. Richard Berends, seine Frau Charlotte und das Team der Wiesen-Klinik.

    1

    Chefarzt Dr. Richard Berends eilte zum Fahrstuhl.

    Oberarzt Dr. Uhlig hatte ihn angerufen und gefragt: „Können sie sofort auf die Interne kommen?"

    „Was ist passiert?"

    „Die Rettung brachte einen Mann, der eine Apoplexie erlitten hat. Er ist einseitig gelähmt, was ihn allerdings nicht daran hindert, darauf zu bestehen, dass ich Sie hinzuziehe", hatte der Internist berichtet.

    „Wie heißt der Mann?"

    „Dr. Hans Kreuzer, Rechtsanwalt", hatte Dr. Viktor Uhlig ruhig erklärt.

    „Ich komme sofort."

    Die Fahrstuhltür öffnete sich, Dr. Berends betrat die Kabine und drückte auf einen der Etagenknöpfe.

    Fast lautlos schloss sich die-Leichtmetalltür, und der Aufzug setzte sich kaum' spürbar in Bewegung.

    Nach Dr. Viktor Uhligs Anruf erschien der Chefarzt der Wiesen-Klinik in der Station für innere Krankheiten. Es gibt Patienten, die schreien prinzipiell immer nach dem ersten Mann, denn sie sind der Ansicht, für sie wäre das Beste gerade gut genug.

    War Dr. Kreuzer so ein Patient? Irgendwie war Dr. Berends der Name bekannt, aber er wusste im Augenblick nicht, wo er ihn unterbringen sollte, und als er den Mann sah, wusste er es erst recht nicht.

    Dr. Uhlig machte kein sehr zuversichtliches Gesicht. Der Patient war bei Bewusstsein, aber es ging ihm nicht gut. Dr. Berends schätzte, dass er und Dr. Kreuzer etwa gleich alt waren.

    Er sah ein aufgedunsenes Gesicht, das rechts gelähmt war. Der Mundwinkel hing stark nach unten, und Speichel floss heraus. Haare hatte der Mann so gut wie keine mehr. Er besaß nur noch einen blonden Haarkranz.

    Da der Schlaganfall den Patienten entstellt hatte, war Dr. Kreuzer für den Chefarzt der. Wiesen-Klinik ein Fremder. Um so verwunderlicher fand er es, dass der Mann seinen Vornamen flüsterte.

    „Richard... Es kam undeutlich über die Lippen, war aber doch zu verstehen. „R-i-c-h-a-r-d, hilf mir.

    Dr. Berends erkundigte sich, welche Maßnahmen der Oberarzt veranlasst hatte.

    „Er kann den rechten Arm und das rechte Bein nicht bewegen. Wir müssen erst mal dafür sorgen, dass er genügend Luft bekommt."

    Dr. Berends nickte.

    Eine Sauerstoffflasche wurde gebracht, doch ehe man dem Patienten die Atemmaske aufsetzen konnte, holte er plötzlich tief Luft, griff sich mit der linken Hand an die Brust, wurde ganz blau und stöhnte: „Tut das weh! O Gott, tut das weh!"

    Obwohl er halbseitig gelähmt war, warf er sich dabei so heftig hin und her, dass zu befürchten war, er würde aus dem Bett fallen.

    Dr. Berends und Dr. Uhlig hielten ihn fest. Der Krankenpfleger gab dem Patienten Sauerstoff, und der Chefarzt schrie nach Morphium.

    Nachdem sie es dem Patienten gespritzt hatten, wurde er ruhiger.

    „Wurde schon ein EKG gemacht?", fragte der Chefarzt.

    „Dazu war noch keine Zeit", antwortete Dr. Viktor Uhlig.

    Es wurde sofort nachgeholt, und es stellte sich heraus, dass Dr. Kreuzer einen schweren Schlaganfall gehabt hatte. Außerdem zeigte das EKG, dass der Patient eine ebenso gefährliche Koronarthrombose gehabt hatte.

    Dr. Berends drehte den Mann auf die Seite, nahm ihm die Atemmaske ab und saugte ihm mittels Nasenkatheder eine Menge Schleim aus der Luftröhre.

    Eine volle Stunde lang bearbeiteten sie den Mann. Dann empfahl Dr. Berends seinem Kollegen, den Patienten vorläufig weiter unter Morphium zu halten und Infusionen zu verordnen.

    Mehr konnten sie im Augenblick nicht für den Patienten tun.

    2

    Während der Chefarzt in sein Büro zurückkehrte, dachte er angestrengt nach, wann er schon mal mit einem Hans Kreuzer zu tun gehabt hatte. Wenn der Mann ihn duzte und beim Vornamen nannte, mussten sie sich doch näher gekannt haben.

    Merkwürdig, dachte Dr. Berends.

    Ich bilde mir ein, ein sehr gutes Namens- und Personengedächtnis zu haben, aber diesen Mann gibt es in meiner Erinnerung nicht.

    In seinem Büro wollte er die Arbeit, die er wegen Dr. Uhligs Anruf unterbrochen hatte, wiederaufnehmen, aber Dr. Kreuzer ging ihm nicht aus dem Kopf.

    Charlotte, seine reizende Frau, rief an. Sie war eine ausgezeichnete Internistin und arbeitete halbtags in der Wiesen-Klinik. Die verbleibende Zeit widmete sie dem kleinen Michael Richard. Er sollte auf jeden Fall genug Mutterliebe bekommen, und jedermann, der sehen konnte, wie sehr sich Charlotte ihres Sohnes annahm, wusste, dass der Junge diesbezüglich nicht zu kurz kam.

    Ich wollte nur fragen, ob es dabei bleibt, dass du heute Abend um achtzehn Uhr nach Hause kommst, sagte Charlotte. „Oder sieht es danach aus, als würde wieder - wie so oft - etwas dazwischenkommen?

    Ihr Mann lächelte. „Ein Glück, dass du selbst Ärztin bist und daher weißt, dass wir niemals in der Lage sind, fixe Versprechungen zu machen. Im Moment kannst du noch mit mir um achtzehn Uhr rechnen, aber schon in einer Minute kann das Telefon läuten und.... „Ach ja, ich kenne das", sagte die Internistin.

    „Wir dürfen uns nicht beklagen. Wir haben uns diesen Beruf selbst ausgesucht."

    „Ich habe mich noch nie beklagt."

    „Nein, du bist die beste und verständnisvollste Frau, die ich mir wünschen kann, deshalb liebe ich dich auch so sehr", erklärte der Mediziner.

    „Kann das Gespräch jemand mithören?"

    „Ist doch egal! Gibt es irgendeinen Grund, warum ich meine Frau nicht lieben darf?"

    „Ich kenne keinen", sagte Charlotte lachend.

    „Na also, dann darf das auch alle Welt wissen. Es ist keine Schande, wenn man seine Frau liebt. .. Hast du dir für heute Nachmittag irgend etwas vorgenommen?"

    „Ja, Michael wächst in letzter Zeit aus allem raus. Wenn das so weitergeht, werden wir bald das größte Kind von Bergesfelden haben. Ich muss ihn komplett neu einkleiden."

    „Tue das, und küss ihn von mir - und sage ihm, dass Vati sich freut, heute Abend mit ihm ein wenig zu spielen."

    „Das sage ich ihm lieber nicht, denn wenn du dann in der Klinik bleiben musst, ist der Kleine enttäuscht."

    „Na schön, dann bekommt er eben nur den Kuss."

    „Und wer küsst mich?"

    „Ich, sobald ich zu Hause bin", sagte Dr. Berends. Er wollte auflegen, aber dann fiel ihm Hans Kreuzer ein, und er erzählte seiner Frau von diesem Patienten.

    „Du weißt nicht, wo du ihn hintun sollst?", fragte Charlotte.

    „Nein. Kannst du mir helfen? Erinnerst du dich, dass ich den Namen Hans Kreuzer mal erwähnt habe?"

    „Im Augenblick nicht, sagte die Ärztin. „Aber ich werde nachdenken. Vielleicht komme ich dabei zu einem zufriedenstellenden Ergebnis.

    „Rufe mich an, wenn du mir helfen kannst", sagte ihr Mann und beendete das Gespräch.

    Er klappte die Mappe mit dem medizinischen Gutachten, das er prüfen sollte, zu und legte sie beiseite. Das hatte Zeit bis morgen.

    Ein kleines Lächeln umspielte seine Lippen, als er an seinen Sohn dachte. Er liebte den Kleinen sehr. Sein ganzer Stolz war Michael. Seit es ihn in seinem Leben gab, war er erst richtig glücklich.

    Leider konnte er sich nur ganz kurz in Gedanken mit Michael befassen, dann läutete das Telefon, und das Räderwerk des Krankenhausbetriebs riss Dr. Berends wieder mit.

    3

    Und dann traf so etwas wie ein Staatsbesuch ein.

    Ein riesiger schwarzer Mercedes 500 hielt vor der Wiesen-Klinik, und einige Leute stiegen aus.

    Richard Berends beobachtete die Ankunft von seinem Bürofenster aus. Er sah einen übergewichtigen, rothaarigen Mann im schwarzen Nadelstreifanzug. Reich, rücksichtslos, unleidlich ... All diese Eigenschaften sah man ihm sofort an. Er schien der Ansicht zu sein, es gebe keine wichtigere Person als ihn, Bernhard Klausewitz.

    Er glaubte, mit seinem vielen Geld Gott und die Welt kaufen und für sich arbeiten lassen zu können.

    Dr. Berends kannte Klausewitz‘ Lebenslauf. Es wurde ja immer wieder darüber geschrieben. Arm und dünn war dieser Bernhard Klausewitz einst gewesen. Mit einem Handkarren war er umhergezogen und hatte altes Gerümpel gekauft und verkauft, und heute war er Deutschlands Schrottkönig.

    Aber auf diesen Lorbeeren ruhte sich Bernhard Klausewitz jedoch nicht aus. Er baute zusätzlich ein Motorenwerk auf, das die größten Automobilkonzerne belieferte.

    Der Mann hatte wahrhaftig eine sagenhafte Karriere hinter sich, war aber privat nicht glücklich. Viermal war er schon verheiratet gewesen, doch keine Frau hatte es länger als zwei Jahre bei ihm ausgehalten, denn er war ein rücksichtsloser Tyrann, der nur eine Meinung gelten ließ, und das war seine.

    Krank war Bernhard Klausewitz noch nie gewesen, jedenfalls gab er es nicht zu. Krank sein bedeutete für ihn schwach sein, und schwach sein konnte sich der starke Klausewitz nicht leisten.

    Neben ihm erkannte Dr. Berends eine junge, schlanke, blonde Frau. Sehr elegant, sehr schön - sie passte nicht zu Klausewitz, allgemein wurde aber angenommen, dass sie Ehefrau Nummer fünf werden würde.

    Sie warf zwei Jahre ihres Lebens weg.

    Hinter Bernhard Klausewitz erschien sein Sohn Albert, ein hübscher, schlanker, schwarzhaariger Junge, etwa zwanzig Jahre alt. Er hatte zum Glück nicht das Aussehen seines Vaters mitbekommen, wirkte sympathisch und umgänglich.

    Die Hauptperson jedoch war an diesem Tag nicht Bernhard Klausewitz, sondern sein kleiner Sohn Jan. Seinetwegen waren sie alle hier, denn der neunjährige Jan Klausewitz hatte seit Tagen Bauchschmerzen, und möglicherweise musste der Blinddarm raus.

    Eine Entscheidung sollte in den nächsten Tagen getroffen werden. Zunächst einmal sollte Jan gründlich durch untersucht und zur Beobachtung dabehalten werden.

    Das alles wusste der Chefarzt, denn Bernhard Klausewitz hatte persönlich mit ihm telefoniert. Das war fast als eine große Ehre anzusehen.

    Der Chauffeur war dem Kleinen beim Aussteigen behilflich. Bernhard Klausewitz sagte irgendetwas zu ihm und betrat dann mit seiner Familie die Wiesen-Klinik.

    Es war Dr. Berends kein Herzensbedürfnis, den arroganten Klausewitz zu begrüßen, aber er überwand sich trotzdem dazu.

    4

    Inzwischen kümmerte sich die Oberärztin der Kinderstation, Dr. Angela Wilke, um den kleinen Prinzen. Auch Jan sah seinem Vater glücklicherweise überhaupt nicht ähnlich. Er war braun gelockt, hatte eine lustige Stupsnase und große Augen, mit denen er aufmerksam beobachtete, was mit ihm passierte und um ihn herum vorging.

    Bernhard Klausewitz wollte unbedingt dabei sein, als Dr. Wilke das Kind untersuchte, doch sie forderte ihn mit Nachdruck auf, auf dem Flur zu warten, damit sie ihre Arbeit ungestört und gewissenhaft tun könne.

    „Hören Sie!, begehrte der Vater zornig auf. „Ich lasse mich von Ihnen nicht hinauswerfen!

    „Und ich untersuche Ihren Sohn nicht, solange Sie mir hier im Weg herumstehen!", erwiderte Angela Wilke.

    „Ich bin immerhin der Vater dieses Kindes. Ich habe ein Recht, bei der Untersuchung dabei zu sein!"

    „Ich hätte nichts dagegen, wenn Sie sich völlig ruhig verhalten würden, aber das tun Sie nicht. Sie machen mich und den Jungen nervös, deshalb ist es besser, wenn Sie hinausgehen."

    „Ich mache Sie nervös? Sagen Sie mal, was sind Sie denn für eine Ärztin, wenn Sie es nicht einmal vertragen, dass man Ihnen bei der Arbeit auf die Finger sieht! Ich habe kein Vertrauen zu euch Quacksalbern! Gescheit daherreden, ja, das könnt ihr, aber meinem Vater konntet ihr nicht helfen. Soll ich Ihnen erzählen, wie der arme alte Mann leiden musste? Möchten Sie es hören?"

    „Herr Klausewitz, wenn Sie jetzt nicht auf der Stelle gehen ..."

    „Was tun Sie dann, he? Junge Frau, Sie wissen anscheinend nicht, wen Sie vor sich haben! Einem Bernhard Klausewitz kann man nicht drohen! Der ist zu groß dafür! Die Zeiten, in denen man sich an Bernhard Klausewitz die Füße abgeputzt hat, sind ein für allemal vorbei."

    „Aber Sie leiden immer noch darunter", entgegnete die Medizinerin.

    „Was geht Sie denn das an?", herrschte Klausewitz die Kinderärztin an.

    „Können Sie mir sagen, warum Sie mit Ihrem Sohn ausgerechnet hierher kamen?", fragte Dr. Wilke frostig.

    „Weil die Wiesen-Klinik den besten Ruf hat."

    „Denken Sie, den hat sie von ungefähr? Wir sind gewöhnt, gute Arbeit zu leisten - wenn man uns lässt. Sollten Sie weiterhin die Absicht haben, mich in der Ausübung meiner Tätigkeit zu behindern, empfehle ich Ihnen, Jan in ein anderes Krankenhaus zu bringen. Vielleicht lässt man sich dort das Theater, das Sie machen, bieten. Ich bin jedenfalls nicht bereit, unter diesen Umständen zu arbeiten."

    Bernhard Klausewitz blies sich auf. Es hatte den Anschein, als würde er gleich platzen.

    Zorn funkelte in seinen Augen, als er schrie: „Sie schicken mich in ein anderes Krankenhaus?"

    „Zuerst schicke ich Sie nur aus diesem Raum, sagte Dr. Wilke furchtlos. Klausewitz konnte noch so brüllen, es würde ihm nicht gelingen, sie einzuschüchtern. „Der Leidtragende ist Ihr Sohn. Glauben Sie nicht, Sie sollten etwas mehr Rücksicht auf ihn nehmen?

    Damit traf Dr. Wilke ins Schwarze. Bernhard Klausewitz brummte wie ein Bär, den man geärgert hat, wandte sich um und kehrte auf den Flur zurück, wo sein Sohn Albert und die blonde Tamara Hellbich warteten.

    5

    Sie hatten ihn durch die Tür brüllen hören, und Tamara riet ihm, er solle sich beruhigen, es täte ihm bestimmt nicht gut, wenn er sich so aufrege.

    „Ich rege mich auf, wann, wo und wie oft ich will!, schnauzte er sie an. „Mir kann man keine Vorschriften machen!

    „Ich meine es nur gut mit dir", sagte Tamara Hellbich kleinlaut.

    „Ja, ja, ja, alle meinen es nur gut mit mir. Kannst du mir erklären, wieso ich so viele Feinde habe, da es doch alle so schrecklich gut mit mir meinen?"

    Sie hätte es ihm sagen können, verzichtete aber darauf.

    „Die Menschen sind falsch, verschlagen, heimtückisch, belehrte sie Bernhard Klausewitz. „Glaube mir, es gibt keinen, der es ehrlich mit dir meint. Sie wollen dich alle ausnützen. Jeder auf eine andere Weise. Manche tun es so geschickt, dass du erst hinterher merkst, dass sie dich angeschmiert haben, deshalb gebe ich dir den guten Rat: Denke immer das Schlechteste von den Menschen, dann können sie dich nie enttäuschen.

    Dr. Berends kam.

    „Na endlich, sagte Klausewitz. „Wurde langsam Zeit, dass Sie sich hier blicken lassen. Ich habe eine Beschwerde vorzubringen.

    „Ich stehe Ihnen gleich zur Verfügung, Herr Klausewitz", sagte Richard Berends und begab sich zu Dr. Wilke und dem kleinen Patienten.

    „Wie die mich behandeln!, sagte der Besucher empört. „Als wäre ich irgend jemand!

    „Hier bist du auch nur irgendjemand", sagte Tamara Hellbich.

    „Ach, halte den Mund! Ich bin Bernhard Klausewitz! Dieser Name hat überall Gewicht, auch in der Wiesen-Klinik!"

    „Im Augenblick ist Jan die wichtigste Person, Bernhard. Um ihn geht es, ihm soll geholfen werden."

    „Da sieht man wieder einmal, dass du gar nichts verstehst! Sie werden Jan um so mehr helfen, je mehr Angst sie vor mir haben."

    Eine halbe Stunde verging, bis der Chefarzt wieder erschien.

    „Haben Sie jetzt die Güte, mir zuzuhören?, fragte Bernhard Klausewitz bissig. „Ich bin mit der Behandlung, die man meiner Person hier angedeihen lässt, nicht zufrieden, Dr. Berends! Ich bin kein armes Würstchen mehr, mit dem man so umspringen kann. Ich habe es zu Ansehen und Macht gebracht.

    „Das ist sehr schön für Sie, Herr Klausewitz, sagte Dr. Berends gelassen. „Ich kann Ihnen versichern, dass Ihr Sohn bei uns in besten Händen ist.

    Der rothaarige Mann kräuselte die Nase. „Sind Sie sicher?"

    „Wenn Sie nicht ebenfalls davon überzeugt wären, hätten Sie Jan nicht hierher gebracht."

    „Ist diese Ärztin nicht noch ein wenig zu jung, um so eine Kinderstation zu leiten?"

    „Dr. Wilke ist eine ausgezeichnete Fachkraft."

    „Sie kann es nicht haben, wenn man ihr auf die Finger sieht. Wenn ich arbeite, ist es mir völlig egal, wer mir dabei zusieht."

    „Zwischen Ihrer Tätigkeit und dem, was wir hier tun, ist doch wohl ein kleiner Unterschied", sagte Dr. Berends.

    „Sie meinen, weil Sie studiert haben - und ich nicht. Ich sage Ihnen,, ich bin clever genug, um viele von den sogenannten Eierköpfen in die Tasche zu stecken. .Mir kann keiner von den studierten Herren ein X für ein U vormachen. Diese Dr. Wilke sieht ja sehr gut aus, aber dass sie auch eine gute Ärztin ist, muss sie erst beweisen."

    „Sie haben kein Vertrauen zu Ärzten, nicht wahr?"

    „Nie gehabt. Ihr seid in meinen Augen Metzger. Immer wollt ihr die Leute gleich aufschneiden. Das nennt ihr dann ,mit dem Skalpell heilen‘. Heilen! Dass ich nicht lache. So ein Schnitt tut weh. Die Nähte schmerzen. Die Wunde brennt und müsste nicht heilen, wenn ihr nicht so schnell mit dem Messer bei der Hand gewesen wärt."

    „Sind Sie schon mal operiert worden?", fragte Dr. Berends.

    „Nein, aber ich weiß trotzdem, wovon ich rede. Ich war viermal verheiratet, und jede meiner Frauen war mindestens einmal im Krankenhaus. Ich möchte nicht wissen, wie viele Patienten schon operiert wurden, ohne dass es nötig gewesen wäre. Und wie viele von denen kamen nicht mehr lebend aus dem Operationssaal heraus? Gibt es darüber eine Statistik? Ich wette nein. Der raffinierteste Steuerhinterzieher ist nicht so gut im Vertuschen wie ihr Ärzte. Und wenn mal durchsickert, dass ihr gepatzt habt, nennt ihr das hochtrabend einen Kunstfehler."

    „Haben Sie sich nun alles von der Seele geredet?", fragte der Mediziner ungerührt. Es war müßig, sich mit diesem rechthaberischen Menschen auf eine Diskussion einzulassen.

    „Ich warne Sie, Dr. Berends! Mein Sohn wird nur dann operiert, wenn es unbedingt nötig ist, ist das klar?"

    Richard Berends erwiderte nichts. Es war für ihn eine Selbstverständlichkeit, nur dann zu operieren, wenn es sich nicht vermeiden ließ. Er überlegte sich den Griff zum Skalpell stets sehr gründlich, da er sich als gewissenhafter Arzt der Tatsache bewusst war, dass jeder Eingriff, selbst der kleinste, ein Risiko für den Patienten darstellte.

    „Vielleicht sollte man noch andere Ärzte hinzuziehen", sagte der Geschäftsmann.

    „Was versprechen Sie sich davon?", fragte Dr. Berends.

    „Jan ist mein Sohn, der Sohn von Bernhard Klausewitz, verstehen Sie? Ich liebe den Kleinen und möchte ihn nicht verlieren. All das, was ich in meinem Leben geschaffen habe, sollen einmal meine Söhne übernehmen. Ich bin stolz auf das, was ich geleistet habe, und ich bin stolz auf meine Söhne. Wenn sie Probleme haben, die sich mit Geld aus der Welt schaffen lassen, blättere ich bar auf den Tisch, was verlangt wird. Ich will, dass für Jan getan wird, was menschenmöglich ist. Was das kostet, bezahle ich, ohne zu feilschen.

    Schaffen Sie für Jan die optimalsten Bedingungen. Ich akzeptiere eine Rechnung in jeder Höhe. Ich kann es mir leisten, für mich und die meinen das Beste zu kaufen ... Sollte irgend etwas schief gehen, Dr. Berends, dann schwöre ich Ihnen, dass ich diese schöne moderne Klinik dem Erdboden gleichmache. Ich radiere dieses Krankenhaus aus, wenn ich meinen kleinen Sohn nicht wohlbehalten und gesund wiederkriege. Sie kennen mich nicht, aber die, die mich kennen, wissen, dass ich noch nie eine leere Drohung ausgesprochen habe."

    6

    „Hans Kreuzer, sagte Dr. Charlotte Berends eine Stunde später am Telefon. „Ich habe ein paar Versuchsbohrungen gemacht und bin fündig geworden, Richard. Ich ging von der Überlegung aus, dass deine Bekanntschaft mit Kreuzer lange zurückliegen müsse, also möglicherweise in deine Schulzeit fällt, und so rief ich ein paar deiner einstigen Schulfreunde an. Kreuzer ging ein halbes Jahr lang mit dir aufs Gymnasium. Sechste Klasse. Ein schmächtiger, unscheinbarer Junge mit dichtem, struppigem Blondhaar soll er gewesen sein. Schüchtern und introvertiert. Er wurde oft verprügelt, und du nahmst ihn immer in Schutz.

    Plötzlich erinnerte sich Dr. Berends wieder.

    Hans war immer zu ihm gekommen, wenn er Hilfe gebraucht und Schutz gesucht hatte.

    Als er nun wieder Hilfe brauchte, rief er nach dem Chefarzt der Wiesen-Klinik, seinem Freund.

    Aber der Mann, der auf der inneren Station lag und um sein Leben kämpfte, hatte keine Ähnlichkeit mehr mit jenem Hans Kreuzer, an den Richard Berends sich erinnerte.

    Sein Körper war schwammig geworden, die Haare waren ihm, bis auf einen kleinen Kranz, ausgefallen. Der Schlaganfall hatte sein Gesicht entstellt. Nein, wiederzuerkennen war Hans nicht.

    „Wie stehen seine Chancen?", wollte Charlotte Berends wissen.

    „Schwer zu sagen, antwortete er. „Fünfzig zu fünfzig?

    „Ungefähr, sagte Richard und dankte seiner Frau für die Mühe, die sie sich gemacht hatte, „An dir ist eine gute Detektivin verlorengegangen.

    „O ja, sagte die Internistin und Mutter. „Der Beruf eines weiblichen ‚Schnüfflers‘ hätte mir auch zugesagt.

    „Ein gefährlicher Job."

    „Nicht, wenn man schießen und Karate kann, entgegnete Charlotte. „Kannst du’s?

    „Noch nicht, aber das ließe sich jederzeit erlernen."

    „Karate zu können, wäre wirklich nicht schlecht. Ich hatte vorhin das Vergnügen, mich mit Bernhard Klausewitz zu unterhalten. Der Mann scheint jedem gleich an die Kehle gehen zu wollen."

    „Einem so verträglichen Menschen wie dir auch?", fragte seine Frau.

    „Aber ja. Da macht Klausewitz keinen Unterschied. Stelle dir mal vor, ich wäre ein gut ausgebildeter Karatekämpfer, und Klausewitz würde mich tatsächlich angreifen.

    Ich sehe ihn vor meinem geistigen Auge auf dem Flur durch die Luft fliegen und ein Rad schlagen. Ein Bild für Götter, sage ich dir."

    Sie lachten und legten gleichzeitig auf.

    Nach diesem Gespräch suchte Dr. Berends abermals die Station für innere Krankheiten auf. Diesmal sah er Dr. Kreuzer mit anderen Augen an, doch er konnte beim besten Willen keine Ähnlichkeit mit jenem Jungen finden, den er immer beschützt hatte.

    Reglos lag der Patient da, die Augen geschlossen. Es hatte den Anschein, als wäre er tot, doch sein Brustkorb hob und senkte sich kaum merklich.

    „Tut mir leid, dass ich dich nicht wiedererkannt habe, sagte Dr. Berends zu dem Schlafenden. „Aber du hast dich zu sehr verändert.

    Er suchte Dr. Uhlig und fand ihn im Labor.

    „Er ist mittlerweile schon wieder so reaktionsfähig genug, um Flüssigkeit zu schlucken, sagte der Oberarzt. „Was mir Sorgen macht, ist der Umstand, dass er immer wieder den Kontakt zur Umwelt verliert. Wir haben ihm Blut für die Prothrombinzeit entnommen, und er bekommt gerinnungshemmende Mittel. Seine Brust klingt recht frei, das lässt mich hoffen.

    „Sollte sich sein Zustand verschlechtern, rufen Sie mich an", verlangte der Chefarzt.

    „Auch zu Hause?", fragte der Internist

    „Auch, ja", antwortete Dr. Berends. Hans rechnete immer mit mir, wenn es ihm schlecht ging, dachte der Chefarzt. So soll es auch jetzt sein.

    7

    Werner Küppers legte die Illustrierte auf den Tisch. Der junge Mann war erst zweiundzwanzig, hatte aber schon schütteres Haar. Ein mittelgroßer, kräftiger Bursche war er, der seit Jahren davon träumte, einmal richtig viel Geld zu besitzen, doch woher nehmen und nicht stehlen?

    Er hatte den Beruf des Schriftsetzers erlernt und war seit einem halben Jahr arbeitslos. Die Druckerei, in der er zuletzt tätig gewesen war, hatte auf Fotosatz umgestellt. Weg vom Blei lautete die Devise. Alles ging schneller, rationeller, Computer wurden eingesetzt, und Werner Küppers flog raus, weil man für ihn keine Verwendung mehr hatte.

    Nun gehörte auch er zu denen, die von einem Computer ersetzt worden waren, und er hasste diese elektronischen Wundergeräte, verständlicherweise, wie die Pest. Er hasste aber auch alle, die ihren Job behalten hatten, und ganz besonders waren ihm „die da oben" verhasst, die Reichen, die trotz Rezession und Wirtschaftskrise so viel Geld hatten, dass sie nicht wussten, auf was für eine verrückte Art sie es noch zum Fenster hinauswerfen sollten.

    „Wenn ich sehe, wie’s denen geht, stößt es mir ganz schön sauer auf", sagte er und wies auf die Illustrierte. „Sieh dir das mal an. Hans Otto Mendt, der ach so berühmte Schauspieler, feierte seinen fünfzigsten Geburtstag. Schau, wie sich die Tische biegen . . . Das kalte Büfett . . . Großer Gott, einmal im Leben möchte ich auch von diesen Köstlichkeiten naschen. Auf den Tabletts sind Dinge, von denen ich nicht einmal weiß, wie sie heißen... Und natürlich fließt der Champagner in Strömen. Wie Motten fliegen die Adabeis hier zum Licht. Sie protzen mit ihrem Schmuck, nehmen es mit der Treue nicht besonders genau, jeder geht mit jedem. Ein Sodom und Gomorrha ist das.

    Und uns kleinen Leuten zeigt man dann die Fotos, aus reiner Bosheit und Schadenfreude. ,Seht her!‘ soll das heißen. ,So feiert man, ihr armen Schlucker! Was wisst ihr denn schon, wie man lebt. Ihr verdient in einem ganzen arbeitsreichen Monat nicht, was hier an einem einzigen Abend ausgegeben wird. Nicht einmal mit Überstunden'. Und wir Masochisten sehen uns solche Berichte an und gaffen mit offenem Mund, und vielleicht sogar mit hungrigem Magen. Warum verdient Hans Otto Mendt so viel Geld, frage ich dich. Weil er Filme macht und im Fernsehen zu bewundern ist? Er

    Gefällt Ihnen die Vorschau?
    Seite 1 von 1