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Arztroman Sammelband Drei Romane - Es war eine schreckliche Nacht / Der geheimnisvolle Patient / Dr. Mertens setzt sich durch

Arztroman Sammelband Drei Romane - Es war eine schreckliche Nacht / Der geheimnisvolle Patient / Dr. Mertens setzt sich durch

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Arztroman Sammelband Drei Romane - Es war eine schreckliche Nacht / Der geheimnisvolle Patient / Dr. Mertens setzt sich durch

Länge:
421 Seiten
4 Stunden
Freigegeben:
Apr 30, 2019
ISBN:
9781386361077
Format:
Buch

Beschreibung

Zweimal Cedric Balmore, einmal Glenn Stirling! Zwei Spitzen-Autoren!

Dr. Thomas Mertens muss eine Entscheidung treffen, die ihm nicht gerade leicht fällt. Soll er die Leitung der Privatklinik übernehmen, die ihm sein Doktorvater Prof. Helmer Hellmers, der sterbenskrank ist, anbietet? Seine Verlobte Angela Wilder ist davon nicht gerade begeistert, weil diese Klinik der Ehefrau des Professors gehört, die zudem auch noch wunderschön ist. Ihr wäre es lieber, Thomas würde ein niedergelassener Arzt werden.

Als Mertens erfährt, dass sein Doktorvater gestorben ist, denkt er zunehmend mehr darüber nach, das Angebot anzunehmen. Doch Angela ist nicht gewillt, diesen Weg mit ihm zu gehen.

Freigegeben:
Apr 30, 2019
ISBN:
9781386361077
Format:
Buch

Über den Autor

Cedric Balmore war das Pseodonym des Autors Hans E. Ködelpeter, der von 50er Jahren an für zahlreiche Leihbuchverlage und Spannungsserien wie Jerry Cotton, Kommissar X und "Die Schwarze Fledermaus" schrieb.


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Arztroman Sammelband Drei Romane - Es war eine schreckliche Nacht / Der geheimnisvolle Patient / Dr. Mertens setzt sich durch - Cedric Balmore

Dr. Mertens setzt sich durch

Arztroman von Cedric Balmore

Der Umfang dieses Buchs entspricht 114 Taschenbuchseiten.

Dr. Thomas Mertens muss eine Entscheidung treffen, die ihm nicht gerade leicht fällt. Soll er die Leitung der Privatklinik übernehmen, die ihm sein Doktorvater Prof. Helmer Hellmers, der sterbenskrank ist, anbietet? Seine Verlobte Angela Wilder ist davon nicht gerade begeistert, weil diese Klinik der Ehefrau des Professors gehört, die zudem auch noch wunderschön ist. Ihr wäre es lieber, Thomas würde ein niedergelassener Arzt werden.

Als Mertens erfährt, dass sein Doktorvater gestorben ist, denkt er zunehmend mehr darüber nach, das Angebot anzunehmen. Doch Angela ist nicht gewillt, diesen Weg mit ihm zu gehen.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Die Hauptpersonen des Romans:

Dr. Thomas Mertens - junger Anästhesist und Oberarzt.

Angela Wilder - Grafikerin und Verlobte von Thomas.

Prof. Helmer Hellmers - Chef einer Privat-Klinik.

Christina Hellmers - seine reiche Frau.

Fritz Habermann - Kaufmännischer Direktor von der Hellmers Klinik.

Julia Kern - aufstrebende, junge Schauspielerin.

1

„Viel Vergnügen", wünschte Angela, als sich der Mann in der Diele nach seiner Instrumententasche bückte. Sie war brandneu, ein Geschenk seiner Eltern.

Dr. Thomas Mertens richtete sich auf. Die Frau stand im Rahmen der offenen Küchentür, mit schulterlangem Blondhaar, in viel zu knapp sitzenden Jeans und einem roten, saloppen Sweater. Ihr amüsiertes Lächeln enthielt einen Hauch von Spott. Der Arzt erwiderte das Lächeln. Er wusste genau, worauf Angela anspielte und hatte keinen Grund, es ihr zu verübeln.

Sie hatte ja recht damit. Es war schon komisch, dass er sich zum dritten Male hintereinander dieses Stück ansah. Es war wirklich nichts Besonderes, eine Boulevardkomödie ohne Tiefgang. Aber er ging ja nicht wegen Dialog oder Handlung hin, sondern weil Julia Kern die Szene beherrschte, Julia, von deren Talent und Schönheit in der Stadt alle sprachen, die das Theater liebten.

„Wartest du auf mich?", fragte er.

„Woher soll ich wissen, ob das angenehm ist?, frotzelte Angela. „Vielleicht hast du Lust, mit Julia auszugehen?

Thomas Mertens lächelte matt.

„Dagegen hätte ich nichts einzuwenden, erwiderte er, „aber ich wette, sie hat Besseres zu tun, als sich mit einem einfachen Krankenhausarzt einzulassen.

„Du bist mehr als das, erklärte Angela Wilder, die sehr ärgerlich reagieren konnte, wenn sie meinte, dass er sein Licht unter den Scheffel stellte. „Du bist Oberarzt. Gleichzeitig bist du Theaterarzt.

„Letzteres nur sporadisch und zudem freiwillig, schränkte der Mediziner ein. „Du kennst die Vorschriften. Bei jeder Vorstellung muss ein Arzt anwesend sein. Meine Kollegen sind nicht gerade versessen auf diesen Job. Er bringt nichts ein, außer dem Anspruch auf zwei freie Plätze in den vorderen Reihen. Mir genügt das. Ich bin nun mal ein Theaterfan. Du weißt im Übrigen, wie froh ich bin, wenn du mich begleitest.

„Ich habe keine Lust, mir ein Stück mehrere Male anzusehen", antwortete die Frau. Sie ging auf ihn zu, hob sich auf die Zehenspitzen und gab ihm einen flüchtigen Kuss.

„Geh schon!, sagte sie. „Sonst kommst du zu spät.

Im Schauspielhaus erreichte der Mediziner gerade noch seinen Platz, ehe der Vorhang sich hob. Die Instrumententasche hatte er in der Garderobe zurückgelassen.

Das Stück begann mit einem weinerlichen Monolog eines Angetrunkenen. Das Lachen, das seine Bemerkungen im Publikum auslösten, ließ Thomas kalt. Erst der nachfolgende Auftritt von Julia Kern schaffte es, ihn zu verzaubern. Sie war hinreißend, wie er fand, nicht älter als siebenundzwanzig, mittelgroß dazu und sehr schlank. Die Art, wie sie sich bewegte, hatte zuweilen etwas Gehemmtes, aber Letzteres hing mit der Rolle zusammen, die sie spielte, und vermochte weder ihren Sexappeal noch ihre Ausstrahlung zu dämpfen.

Dr. Thomas Mertens hatte sich schon oft gefragt, was Julia Kern so begehrenswert machte. Sicherlich war ihre stets ein wenig atemlos klingende Stimme daran beteiligt, ihre samtige Rauchigkeit, aber wohl mehr noch die großen, lang bewimperten Augen und der schmale, sinnliche Mund.

Die Augen waren sehr hell und bildeten einen lebhaften Kontrast zum Dunkel des mittellangen Haares. Thomas war es bis jetzt noch nicht gelungen, die Farbe der Augen zu bestimmen; das Rampenlicht und die Entfernung zu der Aktrice machten es nahezu unmöglich, diesem Ziel näher zu kommen.

Ein Stöhnen ließ Thomas den Kopf wenden. Das Geräusch kam aus der vor ihm liegenden ersten Reihe. Ein Theaterbesucher rutschte langsam auf seinem Sessel in sich zusammen, stark verkrümmt, als litte er unter einem jähen Schmerz. Seine Nachbarn, zwei Männer, verfolgten das Geschehen entsetzt. Sie wussten aber offensichtlich nicht, wie sie ihm begegnen sollten. Das Stöhnen des Zuschauers wurde lauter.

Thomas sprang auf. Er hastete gebückt zur ersten Reihe und sagte leise zu dem breitschultrigen Mann, der rechts neben dem Zusammengesunkenen saß: „Ich bin Arzt. Bitte helfen Sie mir."

Sie hievten den Bewusstlosen aus dem Sessel und trugen ihn ins Foyer. Eine kleine, rundliche Garderobenfrau eilte ihnen entgegen.

„Bringen Sie mir die Tasche, rasch!", bat Thomas schwer atmend. Der Bewusstlose wog gut und gern neunzig Kilo. Thomas trug den Oberkörper des Mannes, während sein Helfer die Beine des Bewusstlosen umfasst hielt.

Die Garderobenfrau holte die Tasche und öffnete eine Tür. Über eine kleine Treppe gelangten sie auf einen schmalen Korridor, in dem Licht brannte und von dem einige weißlackierte Türen abzweigten.

„Hier, bitte", sagte die Garderobenfrau. Sie betrat einen Raum und knipste in seinem Inneren das Licht an. In dem muffig riechenden Zimmer standen ein Tisch, ein paar Stühle und eine lederbezogene Liege. Die Männer betteten den Bewusstlosen darauf. Thomas öffnete dem Mann den Kragen und fuhr zusammen, als er in das Gesicht des Ohnmächtigen blickte. Es war ein Gesicht, das er kannte.

Es war lange her, dass er es gesehen hatte, mindestens sechs Jahre, aber es hatte niemals aufgehört, ihn zu beschäftigen, und er hatte wiederholt bedauert, dass der Kontakt zu seinem Besitzer abgerissen war. Der Mann, der vor ihm lag, war kein anderer als sein Doktorvater Professor Helmer Hellmers.

2

Während Thomas fieberhaft arbeitete, um den Professor von allem Einengenden zu befreien, erinnerte er sich an das erste Gespräch mit Hellmers und an die Faszination, die der Professor dabei auf ihn ausgeübt hatte.

„Brauchen Sie mich noch?", fragte der Mann, der dem Arzt geholfen hatte, den Bewusstlosen hereinzutragen.

„Nein, danke."

Der Mann ging hinaus. Die Garderobenfrau stand nervös mitten im Raum und knetete ihre Hände. Dr. Thomas Mertens überprüfte den Puls des Bewusstlosen. Er war kaum spürbar. Seine Unregelmäßigkeit signalisierte, dass er kurz vor dem Zusammenbruch stand.

Thomas zog eine Spritze mit kreislaufunterstützendem Mittel auf. Er legte eine Aderpresse an, dann spritzte er die halbe Ampulle in die Vene. Er stach sofort wieder zu und spritzte den Rest der Ampulle intramuskulär. Dann löste er die Aderpresse.

Er holte das Stethoskop aus der Tasche und setzte die Metallscheibe an. Thomas fühlte, wie sein Mund trocken wurde. Das Herz des Professors hatte aufgehört zu schlagen.

Thomas ballte die Finger. Er schlug einige Male hart und gezielt auf den Brustkorb des Professors. Die Garderobenfrau machte keinen Hehl aus ihrem Entsetzen, aber Thomas wusste natürlich, was er tat. Er wiederholte das Manöver, schloss eine Mund zu Mund-Beatmung an, und anschließend machte er Herzmassage.

Das Herz hatte reagiert. Es schlug und sein Rhythmus fing an, sich zu stabilisieren.

„Rufen Sie den Notarztwagen", sagte Thomas.

Die Garderobenfrau nickte und eilte hinaus.

Der Mediziner zog eine neue Spritze auf. Morphium. Für alle Fälle. Alles sprach für einen Koronarverschluss. Unter diesen Umständen durfte dem geschwächten Herzen nicht die Belastung hoher Schmerzen zugemutet werden.

Hellmers Gesicht war grau. Es war ein sehr eindrucksvolles Gesicht, markant und männlich. Der Professor war siebenundfünfzig. Sein volles, glatt zurückgekämmtes Haar war mit silberfarbenen Strähnen durchsetzt. Wer den Mann zum ersten Male sah, neigte dazu, ihn für einen Künstler zu halten, für einen Mann der Muse.

Der Professor hob die Lider und wandte den Kopf. Sein Blick fiel auf Thomas.

„Nicht sprechen", bat dieser.

Der Professor lächelte schwach, als er sah, wen er vor sich hatte. „Es hat mich wieder mal erwischt, nicht wahr?", fragte er leise.

„Schmerzen?", fragte Thomas zurück.

„Nur ein leichtes Übelkeitsgefühl. Die Angst", sagte der Professor.

Minuten später traf der Notarztwagen ein. Thomas begleitete den Professor ins Krankenhaus und blieb in der Intensivstation so lange bei ihm, bis feststand, dass der Eingelieferte die kritische Phase überstanden hatte.

Der Arzt spürte seine Erschöpfung erst, als er die Intensivstation verließ und auf den Lift zuging. Ihm fiel Angela ein. Er hatte versäumt, sie anzurufen. Hinter ihm wurde das Klicken hoher, modischer Absätze laut. Jemand zupfte ihn am Ärmel und sagte: „Herr Doktor!"

Dr. Thomas Mertens blieb stehen. Er zögerte, den Kopf zu wenden.

Diese Stimme! Er glaubte seinen Ohren nicht trauen zu dürfen, aber er täuschte sich nicht. Diese rauchige, aufregende Stimme, die ihn seine Ermattung schlagartig vergessen ließ, gab es in dieser Stadt kein zweites Mal ...

Er drehte sich um.

Es war Julia Kern, in einem Trenchcoat mit hochgestelltem Kragen. Sie war blass und völlig ungeschminkt. In ihren großen Augen erkannte er Angst. Der Mediziner sah, dass die Augen von einem hellen, lichten Grün waren.

„Wie ... wie geht es ihm?", fragte sie fast atemlos.

Thomas begriff erst jetzt, was sie meinte. Natürlich hatte sie mitbekommen, was im Theater geschehen war.

„Kennen Sie den Professor?", fragte er.

„Ja."

Ihm schien es so, als wollte sie mehr sagen, aber sie hielt sich zurück. Sie beließ es bei der knappen Erwiderung.

Thomas presste die Lippen zusammen.

Der Professor war verheiratet. Jedenfalls war er es gewesen, damals, als sie sich kennengelernt hatten.

Christina Hellmers ...

Er hatte keine Mühe, sich an sie zu erinnern. Sie war noch jung gewesen, sehr jung sogar, dabei enorm attraktiv und, wie es geheißen hatte, alles andere als unvermögend.

Thomas hatte sie nur ein einziges Mal gesehen. Er war von ihrer Schönheit und ihrem leicht unterkühlten Charme tief beeindruckt gewesen.

„Wie geht es ihm?", wiederholte Julia Kern.

„Warten Sie einen Moment, bitte, bat Thomas und machte kehrt. In der Intensivstation nahm er eine Schwester beiseite. „Sind die Angehörigen des Professors verständigt worden?

„Ja, ich selbst habe seine Frau angerufen."

„Seine Frau?"

„Hätte ich das nicht tun sollen? Das ist in solchen Fällen doch üblich, und ..."

„Schon gut, unterbrach Thomas. „Sie haben genau das Richtige getan.

Julia Kern stand immer noch im Korridor. Sie blickte dem Arzt angstvoll entgegen.

„Machen Sie sich keine Sorgen um den Professor, sagte Thomas und ging mit der Schauspielerin auf den Lift zu. „Es geht ihm den Umständen entsprechend gut.

„Es war nicht sein erster Kollaps", erklärte Julia Kern.

Thomas ließ der Frau beim Einsteigen in den Lift den Vortritt. War sie die Geliebte des Professors? War er deshalb ins Theater gekommen?

„Wie gut kennen Sie ihn?", fragte Thomas.

Die Künstlerin antwortete nicht. Es war nicht zu erkennen, ob sie in Gedanken versunken war, oder ob sie ganz bewusst die Frage unerwidert lassen wollte.

Sie verließen den Lift im Erdgeschoss.

„Ich muss ein Taxi rufen", fiel es Thomas ein.

„Sie werden um diese Zeit Mühe haben, eines zu bekommen, entgegnete Julia. „Ich bringe Sie mit meinem Wagen nach Hause, fügte sie entschlossen hinzu.

Er erhob keine Einwände. Er fühlte, dass Julia Kerns Haltung nicht so sehr der Hilfsbereitschaft entsprang, als vielmehr dem Wunsch, mit ihm zu sprechen und mehr über den Zustand des Professors zu erfahren.

Sie verließen das Krankenhaus und überquerten den Parkplatz. An seinem Ende parkte ein zweisitziges Sportkabriolett, ein ausländisches Fabrikat. Julia Kern und Thomas stiegen ein. Der Arzt legte seine Instrumententasche auf den Notsitz.

„Stört es Sie, wenn ich rauche?", fragte die Frau.

Der Angesprochene schüttelte den Kopf. Aus der Nähe betrachtet war die Schauspielerin noch aufregender als auf der Bühne, aber es verwirrte ihn, dass sie einen um dreißig Jahre älteren Mann als Liebhaber hatte und dass der Professor ganz offenbar nicht so vollkommen war, wie Thomas geglaubt hatte. Was war in seiner Ehe vorgefallen? Was hatte ihn dazu gebracht, sich von Christina abzuwenden und Julia Kern zu seiner Geliebten zu machen? Denn dass Letzteres der Fall war, unterlag für Thomas keinem Zweifel. Das Verhalten der Schauspielerin erlaubte einfach keine andere Deutung.

Julia Kern zündete sich eine Zigarette an. Sie inhalierte tief und lehnte sich zurück. Sie hatte es nicht eilig, loszufahren. Thomas war es egal. Es war zwar schon sehr spät, aber sein Dienst am nächsten Tag begann erst um zwölf. Er hatte den Moment der Erschöpfung längst überwunden und war hellwach. Es stand fest, dass die Situation und Julia Kerns Nähe dafür verantwortlich waren.

„Ich liebe ihn", gestand Julia.

3

Thomas blickte geradeaus . Er spürte einen leisen Stich von Eifersucht, den er zu verdrängen versuchte. Er war verlobt. Angela war ein großartiger Partner. Schon deshalb hatte er kein Recht, sich so pennälerhaft aufzuführen.

„Er ist verheiratet, nicht wahr?", fragte Dr. Thomas Mertens.

„Ja. Aber er ist nicht glücklich."

„Weiß Christina, dass es Sie gibt?"

Die Künstlerin wandte den Kopf. Sie musterte ihn überrascht. „Sie kennen seine Frau?"

„Ja. Er war mein Doktorvater."

„Das habe ich nicht gewusst."

„Ich habe ihn stets bewundert. Er hat mir damals großartig geholfen", erinnerte sich Thomas.

„Ja, er ist fabelhaft. Seine Patienten lieben ihn. Es ist beinahe unmöglich, ihn nicht zu lieben, sagte Julia Kern. „Sie werden sich fragen, wie es dazu kommen konnte ... zu dieser Liaison, fügte sie zögernd hinzu. „Ich bin einfach außerstande, mit jüngeren Männern etwas anzufangen. Ich brauche die Reife, ich brauche Dinge, die Jüngere mir nicht geben können ... nämlich Geborgenheit, Güte und Zärtlichkeit." Sie suchte nach Worten und hatte offenkundig Mühe, zu artikulieren, was sie bewegte. Vielleicht lag es auch nur daran, dass sie ihren Gesprächspartner zu wenig kannte und nicht wusste, wie weit sie mit ihren Worten gehen durfte.

„Ich bin seine Geliebte. Es ist einfach so gekommen. Es war stärker als alle Einwände von Moral und Etikette", schloss sie.

Der Arzt schwieg. Was hätte er darauf erwidern sollen? Er fühlte, dass die Frau den Drang hatte, sich ihm zu offenbaren, und er sah keinen Grund, sie daran zu hindern.

„Sie hat ihn gekauft, erklärte Julia plötzlich. „Das hat er ihr nicht vergessen.

„Gekauft?", echote Thomas überrascht.

„Ja. Wussten Sie nicht, dass ihr die Klinik gehört?"

„Warten Sie, ich habe damals so etwas vernommen. Sie hat die Klinik von ihrem Vater geerbt, nicht wahr?"

„So ist es. Sie brauchte einen Mann, der die Leitung des Hauses übernahm. Was lag da näher, als denjenigen zu heiraten, der sich für die Aufgabe anbot?"

„Zum Heiraten gehören zwei. Niemand hätte den Professor zwingen können, dem unterstellten Kalkül zu folgen", sagte der Mediziner.

„Wie würden Sie sich wohl damals an seiner Stelle verhalten haben? Christina ist schön. Sie war zudem die Erbin eines Dreihundertbettenhauses von bestem Ruf. Sie war reich, sie war alles, was ein fortschrittlicher Arzt sich nur wünschen konnte, aber Helmer hat sehr rasch begreifen müssen, dass er die Klinik nicht nach seinen Vorstellungen führen und ausbauen durfte, sondern dass vor allem der Rechenstift dominierte ... das kommerzielle Denken seines kaufmännischen Direktors."

Thomas fragte sich, warum sie ihm das alles erzählte. Es klang überzeugend, sie glaubte offenbar, was sie sagte, aber sie konnte es nicht beweisen, und er gehörte nicht zu denen, die etwas akzeptieren, ohne die Gegenseite vernommen zu haben.

„Weiß Christina von Ihrer Existenz?"

„Keine Ahnung."

„Sie ist angerufen worden, aber noch nicht gekommen", sagte Thomas verwundert.

„Ich glaube, sie ahnt, was zwischen Helmer und mir ist. Aber sie tut so, als käme dem keine Bedeutung zu. Sie spricht nicht darüber. Und Helmer hat keinen Anlass, die Karten auf den Tisch zu legen."

„Scheidung kommt für ihn nicht in Frage?"

„Wie stellen Sie sich das vor? Er ist das Herz der Klinik. Ohne ihn wäre sie nicht mehr das, was sie heute ist. Er kann und will sich nicht von ihr trennen. Das aber bedeutet, dass er mit Christina auskommen muss. Schließlich gehört ihr die Klinik. Er hat oft genug durchblicken lassen, dass er mir zuliebe bereit wäre, alles hinzuschmeißen, aber ich habe ihm klargemacht, dass das nicht geht. Es würde uns nicht weiterhelfen. Er würde mir gewiss eines Tages den Vorwurf machen, dass ich sein Lebenswerk zerstört habe."

„Würde es Ihnen etwas ausmachen, loszufahren?"

„Oh, verzeihen Sie. Ich denke nur an mich. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll ..."

„Ich habe kein Recht, mich dazu zu äußern."

Julia Kern schnippte die Zigarette aus dem herabgekurbelten Fenster, startete die Maschine und fuhr los. Der Arzt nannte ihr seine Adresse.

„Wissen Sie, dass ich das Stück, in dem Sie gerade auftreten, schon dreimal gesehen habe ... und zwar Ihretwegen?", fragte er.

„Danke, erwiderte die Künstlerin. „Sagen Sie mir lieber, wie lange Helmer brauchen wird, um die Folgen des Anfalls abzuschütteln.

„Es war ein Koronarverschluss, ein Infarkt. Wie oft hat er schon einen gehabt?"

„Zweimal. Er weiß, dass er krank ist. Er fürchtet, dass sein Herz inzwischen soweit geschwächt ist, dass ..." Sie konnte nicht weitersprechen. Thomas vermied es, sie anzusehen.

„Hat er eine Chance?", fragte die Frau nach kurzer Pause.

„Fragen Sie ihn!, wich Thomas aus. „Er ist Arzt, ein sehr guter dazu, und weiß sicherlich selbst am besten, wie es um ihn steht.

„Er sagt mir nicht die Wahrheit. Nicht die volle Wahrheit, meine ich."

Dr. Thomas Mertens gab auch diesmal keine Antwort.

Es war zuweilen unendlich schwer, mit denen zu sprechen, die einem Patienten nahestanden, die um ihn bangten und nach der Wahrheit verlangten, und die dann dennoch nicht fähig waren, mit ihr fertig zu werden.

Danach schwiegen beide. Thomas hätte gern mehr über die Schauspielerin erfahren, über ihren Background, über ihren Beruf und ihre allgemeinen Ansichten, aber da er spürte, dass sie unentwegt an den Professor dachte, hielt er es für besser, sich zurückzuhalten.

„Ich danke Ihnen für das, was Sie für ihn getan haben", sagte Julia, als sie sich verabschiedeten.

„Er hat mehr für mich getan, als ich ihm jemals vergelten könnte", erwiderte Thomas und meinte, was er sagte.

Er blickte dem Wagen hinterher. Er fühlte sich plötzlich seltsam verloren und merkte, dass er fröstelte. Er betrat das Haus, fuhr mit dem Lift nach oben und betrat die Wohnung, die er mit Angela teilte. Sie bestand aus drei Zimmern, Küche und Bad. An der Apartmenttür befanden sich zwei Namensschilder.

ANGELA WILDER

DR. THOMAS MERTENS

Der Mann bemühte sich, beim Betreten der Wohnung kein Geräusch zu verursachen, stellte in der Diele die Instrumententasche ab und huschte ins Bad. Er löste die Krawatte, streifte Sakko und Hemd ab und drehte den Wasserhahn auf. Hinter ihm öffnete sich die Tür.

Thomas blickte im Spiegel Angela an. Sie lehnte sich gegen den Türrahmen und sagte: „Das war eine erstaunlich lange Vorstellung."

Der Arzt drehte sich um.

„Ein Notfall, berichtete er. „Ehe ich näher darauf eingehe, sollte ich dir sagen, wer mich nach Hause gebracht hat. Es wird dich umwerfen.

Angela gähnte. „Ich konnte nicht schlafen, sagte sie mürrisch. Sie schüttelte ihr schulterlanges Blondhaar zurecht. „Lieber Himmel, und morgen früh muss ich kurz vor sieben aus den Federn.

„Heute, korrigierte er. „Hast du mir überhaupt zugehört?

„Ach ja, du bist nach Hause gebracht worden. Von wem?"

„Dreimal darfst du raten."

„Natürlich von deiner angebeteten Julia", spottete Angela.

„Stimmt genau."

Angela straffte sich, ihre Augen wurden groß und rund. „Du machst Witze", sagte sie.

Thomas wandte sich dem Becken zu und griff nach der Seife.

„Ein Theatergast hatte einen Kollaps. Damit begann alles. Es war Hellmers. Professor Hellmers, mein Doktorvater. Ich habe dir von ihm erzählt ..."

„Du schwärmst von ihm seit Jahren schon, sagte Angela. „Was ist mit ihm?

„Ein Koronarverschluss. Er liegt im Krankenhaus. Dort kreuzte plötzlich Julia Kern auf. Sie wollte hören, wie es ihm geht", sagte Thomas und wusch sich.

„Warum?"

„Sie ist seine Geliebte."

„Ich denke, dein Professor ist verheiratet ... dazu noch mit einer sehr schönen und sehr reichen jungen Frau?", meinte Angela verwundert.

Der Mann griff nach dem Handtuch.

„Das trifft zu, aber wie du weißt, kann nicht jede Ehe von sich behaupten, stabil und unanfechtbar zu sein."

„Ich finde das widerlich, sagte Angela. „Mir fällt kein besseres Wort ein. Widerlich! Wie alt ist der Kerl?

„Siebenundfünfzig."

„Julia Kern könnte seine Tochter sein!"

„Was willst du? Sie liebt ihn", sagte Thomas schulterzuckend.

„Das macht es nicht besser. Wie kann sie sich bloß in einen so alten Kerl verknallen?"

Der Arzt trocknete seine Hände ab. Die Unterhaltung missfiel ihm, er wünschte sie zu beenden. „Sie hat versucht, es mir zu erklären, sagte er. „Solche Dinge passieren nun mal. Niemand ist gegen sie gefeit.

„Ich schon. So ein alter Knacker könnte mir nicht gefährlich werden."

Thomas hängte seufzend das Handtuch auf.

„Er hat Format. Er sieht gut aus. Er stellt etwas vor, er ist ... ach, was! Ich geb’s auf, fuhr er fort. „Einen Mann wie Hellmers kann man nicht erklären. Faszination entzieht sich der Beschreibung, man muss sie selbst erleben, um zu wissen, was es damit für eine Bewandtnis hat.

„Kann es sein, dass Julia die Faszination, die sie für den Professor empfindet, auch an dir entdeckt hat?, fragte Angela spöttisch. „Es wäre die Erklärung dafür, dass sie dich nach Hause gebracht hat.

„Sei nicht albern, bitte, sagte der Arzt und griff nach der Zahnbürste. „Sie wollte wissen, wie es um ihn steht. Das ist alles. Geh jetzt schlafen, bitte ... und sprich zu niemandem über das, was du gehört hast.

„Kommst du noch zu mir?"

„Nein, erwiderte er. „Ich bin müde, und du musst in vier Stunden aufstehen.

„Böse?"

„Warum sollte ich?, fragte er und musterte sie im Spiegel. „Du weißt, was du mir bedeutest.

Die Frau lächelte. Sie sah sehr hübsch aus, wenn sie das tat, so auch jetzt.

„Gute Nacht, Liebling."

Sie ging hinaus.

Der Arzt putzte sich die Zähne mit grimmiger, fast wütender Entschlossenheit. Er war mit sich nicht zufrieden. Irgendetwas in seinem Leben war aus den Fugen geraten. Es hing keineswegs damit zusammen, dass er angefangen hatte, Julia Kern zu bewundern, es lag eher daran, dass die Gefühle, die er Angela entgegenbrachte, nicht mehr den alten Schwung hatten. Er glaubte zu wissen, woran das lag, aber er hatte keine Lust, sich damit zu beschäftigen.

4

Dr. Thomas Mertens folgte der Schwester den langen Korridor entlang. Wie sehr sich doch Häuser dieser Art ähnelten. Der Geruch, diese Atmosphäre aus übertriebener Ruhe und beruflicher Effizienz, die Schwestern, die ihre Autorität ausspielten, und die Ärzte, die allesamt den Eindruck machten, als zwänge der weiße Kittel und ihre Aufgabe sie zu steifer Würde ...

Sah er ähnlich aus, wenn er im Dienst war, wenn er den Operationssaal betrat und als Anästhesist arbeitete? Er wusste darauf keine Antwort.

Die Schwester blieb vor einer Tür stehen, trat ein und tauchte Sekunden später wieder auf.

„Er erwartet Sie, Doktor, meinte sie lächelnd. „Strengen Sie ihn nicht zu sehr an! Begrenzen Sie Ihren Besuch auf höchstens zwanzig Minuten!

„Danke, Schwester."

Professor Hellmers saß im Bett. Das hochgeklappte Kopfteil stützte seinen Rücken. Obwohl der Professor am Tropf hing, sah er gut und erholt aus. Seine Augen hatten die gewohnte Leuchtkraft, und seine Lippen umspielte ein gewinnendes Lächeln.

„Setzen Sie sich, alter Junge!, bat er. „Ich habe inzwischen ein paar Erkundigungen über Sie eingezogen. Ihr durchgehend positiver Tenor stimmt mich froh.

Sie gaben sich die Hände und Thomas, leicht verlegen, überließ dem Professor die drei Taschenbücher, die er anstelle von Blumen mitgebracht hatte. Der Professor überflog die reißerisch gestalteten Titel.

„Ich bin nicht sicher, ob ich dazu kommen werde, sie zu lesen, meinte er und legte die Bücher beiseite. „Ich mache mir nichts aus Romanen. Ich erlebe sie lieber. Setzen Sie sich doch, Thomas! Wie ich hörte, sind Sie jetzt Oberarzt. Und das mit vierunddreißig. Ich musste bis zu meinem neununddreißigsten Geburtstag warten, ehe ich das geschafft hatte.

Thomas setzte sich. „Wie geht es Ihnen, Professor?"

„Lausig. Im Moment fühle ich mich gut, aber ich weiß natürlich um die Insuffizienz meiner Pumpe. Ich gebe mir noch ein Jahr."

„Ich muss mich bei Ihnen entschuldigen, meinte Thomas. „Ich verdanke Ihnen so viel. Ich hätte Sie nicht aus den Augen verlieren dürfen.

„Reden Sie keinen Unsinn! Es wäre schlimm für mich, wenn jeder Doktorand, dem ich helfen durfte, mir seine Dankbarkeit zu beweisen versuchte. Quälend! Ich habe nur meine Pflicht getan. Es war eine angenehme Pflicht, besonders bei Ihnen. Von all den jungen Leuten, deren Doktorvater ich sein durfte, haben Sie mich am stärksten beeindruckt. Ich habe Ihre Doktorarbeit nicht vergessen. Sie war brillant. Wie sieht es mit Ihren Zukunftsplänen aus?"

Die Frage machte den jungen Arzt verlegen. Er liebte seine Arbeit im Krankenhaus, aber Angela bestand darauf, dass er sich als praktischer Arzt niederließ. Um die damit verbundene Kreditaufnahme in Grenzen halten zu können, legten sie seit Jahren das Ersparte auf die hohe Kante.

„Ich möchte mich als Arzt niederlassen", sagte

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