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Sag alles ab!: Plädoyers für den lebenslangen Generalstreik - Nautilus Flugschrift

Sag alles ab!: Plädoyers für den lebenslangen Generalstreik - Nautilus Flugschrift

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Sag alles ab!: Plädoyers für den lebenslangen Generalstreik - Nautilus Flugschrift

Länge:
200 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 26, 2015
ISBN:
9783960541783
Format:
Buch

Beschreibung

Ein Plädoyer für die Weltrevolution mit Stil - das Buch über Karriereverweigerung und das Ende der neoliberalen Epoche

"Was könnten wir nicht alles, wenn wir dürften, wie wir wollten - wenn wir einfach alles sausen ließen, die große Verweigerung im Kleinen ausriefen. Dann würden wir spazieren mit Henry David Thoreau, mit Onkel Teddy auf dem Rücken liegend ›rien faire comme une bête‹, mit dem schönen Albert im offenen Cabriolet ins innere Lourmarin fahren. Und mit Bartleby lakonisch hauchen: "I would prefer not to …". (Christian Dries)
Gut, Bartleby verstört nicht nur seine Umgebung, sondern auch sich selbst und ist am Ende tot. Aber konsequenter kann man nicht generalstreiken (und dabei auch noch so höflich bleiben).

"Verweigerung ist nur der Anfang!" - 2014 wurde das Haus Bartleby, Zentrum für Karriereverweigerung e.V., als Thinktank gegen frenetisches Wirtschaften und Vollbeschäftigung gegründet. Die vier Gründer und ihr weit verzweigtes Netzwerk betreiben hier aktive Lobbyarbeit für ein neues Verständnis von Arbeit, für Selbstermächtigung und Emanzipation vom kapitalistischen Wachstums- und Karrierefetisch. Sag alles ab! versammelt elegante und egalitäre Plädoyers aus diesem Kosmos von Antonia Baum, Deichkind, Sonja Eismann, Alix Faßmann, David Graeber, Guillaume Paoli, Dirk Lowtzow, Yanis Varoufakis u. v. a.
Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 26, 2015
ISBN:
9783960541783
Format:
Buch

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Buchvorschau

Sag alles ab! - Edition Nautilus

I.

BÜCK DICH HOCH

Deichkind

Bück dich hoch

Halt die Deadline ein, so ist’s fein!

Hol’ die Ellenbogen raus, burn dich aus!

24/7, 8 bis 8, was geht ab, machste schlapp, what the fuck?!

Bück dich, bück dich, bück dich hoch,

bück dich, bück dich, bück dich hoch,

bück dich, bück dich, bück dich hoch,

bück dich hoch, ja!

Das muss heute noch zum Chef, besser jetzt!

Bück dich hoch.

Ach du Schreck, Bonus-Scheck, ist schon weg!

Bück dich hoch.

Fleißig Überstunden, ganz normal!

Bück dich hoch.

Unbezahlt, scheißegal, keine Wahl!

Bück dich hoch.

Klick dich, fax dich, mail dich hoch,

grapsch dich, quetsch dich, schleim dich hoch,

kick dich, box dich, schlaf dich hoch,

bück dich hoch, ja!

Bück dich hoch! Komm, steiger den Profit!

Bück dich hoch! Sonst wirst du ausgesiebt!

Bück dich hoch! Mach dich beim Chef beliebt!

Bück dich hoch! Auch wenn es dich verbiegt!

Bück dich hoch! Komm, steiger den Profit!

Bück dich hoch! Sonst wirst du ausgesiebt!

Bück dich hoch! Mach dich beim Chef beliebt!

Bück dich hoch! Bück dich hoch, ja!

Dieses Wochenende Pitch, machste mit!

Bück dich hoch.

Denke groß, sei aktiv, halt dich fit!

Bück dich hoch.

Pass dich an, du bist nichts, glaub ans Team!

Bück dich hoch.

Halt die Schnauze, frisch ans Werk und verdien!

Bück dich hoch.

Aufgebraucht, abgeraucht, ausgetauscht!

Bück dich hoch.

Komm, pack im Meeting noch ne Schippe drauf!

Bück dich hoch.

Yogakurs, abgesagt, reingekloppt!

Bück dich hoch.

Fehlt der Job, ja mein Gott, tu als ob!

Bück dich hoch.

Zick dich, bitch dich, grins dich, push dich,

deal dich, klatsch dich, drück dich, reib dich,

swing dich, stich dich, grip dich, zech dich,

roll dich, fahr dich, stampf dich, jag dich,

kämpf dich, schieß dich, gräm dich, flash dich,

schlag dich, kick dich, press dich, füg dich,

treib dich, knöpf dich, schraub dich, quäl dich,

bück dich hoch.

Du brauchst Konkurrenz, keine Fans!

Do your fucking Job, till the End!

Nimm dir ein Beispiel an Donald Trump!

Was ist los, reiß dich zusammen, pack mit an!

Deinen Einsatz gibst du denen da oben gern!

Bück dich hoch.

Schenke deinen Urlaub dem Konzern!

Bück dich hoch.

Trink nen großen Schluck Leistungsdruck!

Bück dich hoch.

Wir steigern das Bruttosozialprodukt!

Carlotta, Juri und Mira Assmann

Nö!

Eine der ersten Instanzen im Lebenslauf, die gesellschaftliche Strukturen und Ungleichheiten unter dem Deckmantel demokratischer Gleichheit reproduziert, ist leicht zu benennen: die Schule. So stellt der Kritische Psychologe Klaus Holzkamp in einer dezidierten Schulkritik fest, dass durch hierarchische Überwachung, normierende Sanktion und Prüfungen eine »Macht der Norm« entstehe, die zu Homogenität zwinge und Anforderungen stelle anstatt Gelegenheiten zu bieten. Doch auch im Schulsystem gibt es Orte der Verweigerung, so beispielsweise an Freien Schulen, die sich dem Gefüge der Regelschule entziehen und eine neue Lernkultur schaffen wollen.

Welchen Blick gewinnt ein Mensch, der weitgehend frei von herrischer Norm lernt und lebt? Dazu zwei Experten aus der Praxis, beide Lernende an der Freien Schule Kreuzberg, deren Antworten aus Einzelinterviews im Folgenden aus der Freiheit der Schreibenden heraus zusammengetragen werden. Carlotta, zehn Jahre alt, mag den Donnerstag am liebsten, an dem sie nur bis 14 Uhr in die Schule geht und dann machen kann, was sie will. Juri, acht Jahre alt, mag den Freitag am liebsten, weil er dann in der Werkstatt der Schule bauen kann.

Ihr steht jeden Morgen unter der Woche auf und geht in die Schule. Warum eigentlich?

Juri: Weil Kinder lernen müssen. Sonst wissen sie nicht so viel.

Carlotta: Ich glaube, ich würde eigentlich nicht in die Schule gehen, wenn ich dort nicht meine Freunde treffen würde.

Wie würdet ihr sonst lernen?

Juri: Ich würde schon lernen zuhause, aber anders als in der Schule. Meine Mama würde mir dann bestimmt Hefte kaufen, und damit würde ich dann Rechnen lernen.

Carlotta: Ich sage jetzt natürlich, dann würde ich gar nicht lernen wollen, aber wahrscheinlich würde ich dann doch etwas wissen wollen und einfach ziemlich viel nachfragen.

Würdest du etwas am Lernen ändern, Juri?

Juri: Ja, dass manche Schulen nicht so streng sind. An der Schule von meinem Freund, da zeigen die mit Stöckern auf die Tafel und sagen: Alle hinsetzen! Das ist da ganz streng. Und streng mag ich nicht so, weil man dann alles machen muss auf Befehl. Wenn es nicht so streng ist, lernt man ja trotzdem, nur dass man nicht alles so schnell machen muss und es netter ist.

Was würdet ihr mit eurer Zeit machen, wenn ihr nicht in die Schule müsstet?

Juri: Dann würde ich mich selber beschäftigen, viel rausgehen, Sachen bauen, Zeichnen und Hörspiele hören.

Carlotta: Ich würde mich mit Freunden treffen, viel lesen und zuhause bleiben, wenn ich keine Lust hätte rauszugehen.

Habt ihr schon mal etwas abgesagt, was ihr eigentlich machen solltet?

Juri: Ja. Ich wollte nicht rausgehen und habe einfach gesagt: Ich komme nicht mit!

Carlotta: Ja, letztes Jahr ganz oft. Da habe ich mich ganz viel versteckt, weil ich keine Lust hatte, und hab dann natürlich auch oft den Unterricht verpasst.

Und was ist dann passiert, Carlotta?

Carlotta: Die Lehrer waren schon ziemlich wütend auf mich, glaube ich.

Hast du es dann doch gemacht?

Carlotta: Ne, das ganze Jahr lang nicht. Aber dann in den Sommerferien habe ich mir gedacht, dass es klar ist, dass wenn ich irgendwas Blödes mache, dass die das dann auch nicht gut finden, also kann ich das doch auch einfach mal machen.

Was meinst du, warum dir das in den Sommerferien aufgefallen ist?

Carlotta: Weil ich war da nicht in der Schule und hatte Zeit, darüber nachzudenken, dass das letzte Jahr eigentlich richtig doof war für mich. Dabei habe ich mir gedacht, dass ich das ändern kann – und das habe ich dann auch gemacht.

Warum gehen eure Lehrer in die Schule?

Juri: Weil die Kinder nicht alleine lernen sollen. Sonst machen sie mehr Quatsch und lernen wahrscheinlich nicht so viel.

Carlotta: Weil sie bezahlt werden und weil sie vielleicht auch Spaß daran haben, mit Kindern etwas zu unternehmen.

Warum arbeiten Erwachsene denn?

Juri: Damit sie Geld verdienen und damit Essen und Waschmittel kaufen können und die Miete bezahlen.

Carlotta: Weil in dieser Welt kann man eigentlich nichts erreichen ohne Geld. Und deswegen machen die das wahrscheinlich. Oder manche Menschen wollen vielleicht auch etwas anderes erreichen, wie z. B. eine Ärztin, die möchte, dass es anderen gutgeht und deshalb arbeitet. Aber die macht das dann auch, weil sie ziemlich viel Geld dafür bekommt.

Was passiert, wenn Erwachsene nicht arbeiten gehen?

Juri: Dann kriegen sie kein Geld und können nichts kaufen, was sie vielleicht haben möchten.

Carlotta: Dann gibt es noch Hartz IV, aber mehr eigentlich nicht. Oder sie sind auf der Straße und können gar nichts machen. Oder man hat das Glück, dass die Verwandten genug Geld haben, so dass man sich das leisten kann.

Würdet ihr etwas daran ändern, wenn ihr könntet?

Juri: Ja, dass die Armen auch Sachen kriegen und vielleicht ein Haus haben. Also Essen auf jeden Fall.

Carlotta: Ich würde Geld abschaffen. Ich würde handeln, z.B. ich habe eine schöne Blume, und jemand findet die total toll und gibt mir dafür eine Gummibärchen-Tüte. Also das fände ich besser, weil dann auch Leute auf der Straße etwas haben. Aber dann ist auch wichtig, nicht ungerecht zu handeln.

Was ist eigentlich Arbeit?

Carlotta: Da muss man halt bestimmte Sachen, die man vor sich liegen hat, erfüllen. Und wenn man das geschafft hat, bekommt man Geld. Oder es gibt auch Sachen, da sitzt du den ganzen Tag rum, und dafür bekommst du dann Geld.

Was ist für euch faul sein?

Juri: Wenn man Schule schwänzt. Oder wenn Eltern sagen, man soll mal kommen, und ich sage: Nö! Kommt ihr doch zu mir! Dann mache ich das, was ich wollte, einfach weiter. Manchmal ist faul sein dann gut und manchmal nicht.

Carlotta: Faul sein ist nichts Schlimmes, finde ich. Weil wenn man das nicht ist, dann ist das doof für einen selbst. Ich komme z. B. nach Hause um 16 Uhr und der ganze Tag war total anstrengend für mich und dann lege ich mich hin und mache ein Hörspiel an. Was ich dann nicht mag, ist, wenn meine Mama direkt reinkommt und möchte, dass ich was mache. Dann drehe ich total durch, weil ich denke, dass ich auch noch tausend andere Dinge machen muss.

Was machst du dann, wenn deine Mama reinkommt und sagt, du sollst was machen?

Carlotta: Dann sage ich meistens einfach ›Nö‹ und manchmal mache ich es dann doch. Aber wenn sie dann danach noch etwas will, dann frage ich einfach: Was soll ich denn noch alles machen?

Wie fühlt sich das an, ›Nö‹ zu sagen?

Juri: Gut, wenn man das, was man machen will, weitermachen kann und das andere dann einfach nicht mehr machen muss. Carlotta: Ich kann mir schon denken, dass sich das für den anderen in dem Moment doof anfühlt. Aber ich fühle mich dann besser damit.

Können Erwachsene gut ›Nein‹ sagen?

Juri: Na ja, eher so mittel.

Sagen Erwachsene denn manchmal ›Nein, das mache ich jetzt nicht‹?

Carlotta: Eigentlich nicht, soweit ich weiß. Ich glaube, weil sie Angst haben, bei der Arbeit rausgeschmissen zu werden. Die brauchen ja immer noch das Geld.

Was ist denn für dich Angst?

Carlotta: Das bedeutet, dass man halt bestimmte Dinge nicht mag, aber wenn man das nicht tut, dann bekommt man Ärger, und davor hat man Angst. Oder auch wenn du was weißt, was du nicht wissen sollst. Ich habe letztens in einem Buch von einem Mädchen gelesen, das einem Gespräch zugehört hat von zwei Männern, die etwas Böses geplant haben. Sie ist dann weggerannt, weil sie Angst hatte, dass die Männer mitbekommen haben, dass sie zugehört hat.

Was ist für euch Stress?

Juri: Wenn ich zuhause trödele, und meine Mama muss schnell zur Arbeit, aber ich bin an dem Tag ganz langsam. Dann machen wir alles ganz ganz schnell und vergessen manche Sachen einfach. Carlotta: Wenn jemand dir sagt: Jetzt mach das doch mal! Jetzt mach das doch mal! Jetzt mach das doch mal! Und ich mir denke: Ja! Okay, ich mache das ja auch noch, aber nicht jetzt sofort. Wenn man irgendwie dreißig Aufgaben auf einmal bekommt und nicht weiß, wie man das alles sofort machen soll. Das ist Zeitdruck dann, und das ist doof. Als ich noch an der Regelschule war und wir da Klassenarbeiten gemacht haben, und wir hatten plötzlich nur noch fünf Minuten Zeit, ich hatte aber noch eine halbe Seite vor mir, weil ich an einer anderen Aufgabe hängengeblieben bin. Das war Stress.

Haben Erwachsene auch Stress?

Carlotta: Ja. Die haben sehr viel Stress, glaube ich. Einfach weil sie so viel machen müssen, z. B. das Mietgeld zahlen. Wenn sie das nicht an einem bestimmten Tag machen, dann müssen sie doppelt so viel zahlen oder so, und dann sind sie gestresst. Oder sie sind gestresst, wenn sie zu spät zur Arbeit kommen. Wenn man zu spät zur Arbeit kommt, kann man richtig Ärger kriegen.

Wäre es für euch okay, zu spät zur Schule zu kommen?

Juri: Ja. Ich ziehe dann einfach meine Schuhe aus und setze mich noch dazu zum Morgenkreis oder so.

Carlotta: Ja. Aber ich bin ja auch an einer Schule, wo die das jetzt nicht so schlimm finden, wenn man da

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