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Hure spielen. Die Arbeit der Sexarbeit: Nautilus Flugschrift

Hure spielen. Die Arbeit der Sexarbeit: Nautilus Flugschrift

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Hure spielen. Die Arbeit der Sexarbeit: Nautilus Flugschrift

Bewertungen:
3/5 (38 Bewertungen)
Länge:
194 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
27. Aug. 2014
ISBN:
9783960541639
Format:
Buch

Beschreibung

In der Debatte um ein Verbot der Prostitution kommen Sexarbeiterinnen (und erst recht Sexarbeiter) kaum selbst zu Wort. Bei bestürzend vielen Feministinnen herrscht eine zutiefst sexistische Auffassung von Prostituierten, wie sie eigentlich eher konservativen alten Männern unterstellt werden könnte: als unterdrückte Opfer, die es zu befreien gilt. Die aus dieser Bevormundung folgende Forderung, Prostitution gehöre verboten, wird aber kaum jemals von den Sexarbeiterinnen selbst vertreten.

In Hure spielen stellt Melissa Gira Grant, Journalistin und ehemalige Sexarbeiterin, die Dinge vom Kopf auf die Füße und lässt die Akteure selbst zu Wort kommen. Dabei entlarvt sie die Position von Alice Schwarzer & Co. als paternalistischen Willen zur Kontrolle und plädiert fur einen grundsätzlich neuen Blick auf die Sexindustrie. Sie berücksichtigt auch männliche und transsexuelle Sexarbeit.

Mithu M. Sanyal, die bekannte feministische Kulturwissenschaftlerin, hat für die deutsche Ausgabe ein Vorwort geschrieben, in dem sie Grants Positionen in die deutsche und europäische Debatte einordnet.
Herausgeber:
Freigegeben:
27. Aug. 2014
ISBN:
9783960541639
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Hure spielen. Die Arbeit der Sexarbeit - Melissa Gira Grant

Mattheus

1.

Die Polizei

»Eine attraktive blonde Frau betritt ein Hotelzimmer in Fargo.« So fängt es an. »Nach ihr ein Mann mit Schnauzbart und schwarzer Lederjacke. Er fragt, was sie nach Fargo treibt.« Die Blonde mit der tief sitzenden Jeans will sich hinsetzen. Man sieht nur ihre Schulter und den Hinterkopf.

In einem anderen Hotelzimmer schaut ein Mann eine Frau mit langen dunklen Haaren an. Sie sitzt ihm gegenüber und hat sich einen Morgenmantel oder ein Herrenhemd umgelegt, genau kann man es im blendenden Licht der Leselampe nicht erkennen. Er steht auf, zieht seine Boxer-shorts aus und fragt, ob sie ihm auch etwas zeigt. Sie lässt den Morgenmantel oder das Hemd etwas von den Schultern gleiten, dann entschuldigt sie sich: Sie muss sich noch frisch machen.

»Du wirst keinen Grund zur Beschwerde haben«, sagt eine dritte Frau, »das hier ist schließlich mein Job.«

Ein Fernseher ist immer dabei, und es läuft ein Western oder ein klassisches Hollywood-Musical, in dem Männer im Frack tanzen. Vor dem Flachbildschirm sitzen zwei Frauen in Handschellen. Er hat ihnen befohlen, sich zum Verhör zu setzen.

Während er nach den Handgelenken der einen Frau greift, sagt der Mann in der Polizeiuniform: »Wir schließen die Handschellen lieber ab, damit sie dir nicht zu eng werden.« Sie fragt: »Dürfte ich erfahren, was ich Verbotenes getan habe?«

»Ganz ehrlich«, schreibt ein Kommentator bei YouTube unter eines der Videos, »ich hab mir darauf einen runtergeholt.«

Auch wenn sie genauso aussehen wie die Anfangsszenen von Amateurpornos, wird man diese Videos nicht bei YouPorn, PornHub oder RedTube finden. Sie kommen von der Seite JohnTV.com, die angibt, »über 60 Millionen Besuche« zu verzeichnen. JohnTV ist das Projekt von Brian Bates, der sich selbst als »Video Vigilante«, als Ein-Mann-Bürgerwehr mit Kamera bezeichnet. Seit 1996 verfolgt er Frauen, die er im Verdacht hat, »Prostituierte« oder »Huren« zu sein, und filmt sie mit Männern, die seiner Ansicht nach ihre »Freier« (»johns«) sind.

Die Beiträge auf JohnTV sind in Kategorien unterteilt: »Auf frischer Tat ertappt« (»Busts«), »Verdeckte Polizeieinsätze« (»Stings«) und »Zuhälterprofile« (»Pimp Profiles«). Letztere beginnen immer mit einem erkennungsdienstlichen Foto, meistens dem eines Schwarzen, gefolgt von seinem Namen und den ihm vorgeworfenen Vergehen. Bates behauptet, er arbeite »oft mit Streifenpolizisten zusammen« und ermittle gemeinsam »mit dem Sittendezernat in Fällen von Menschenhandel«. Er arbeitet aber auch alleine und verfolgt Menschen auf der Straße, bis zu ihren geparkten Autos und anderswo, wenn er sie für verdächtig hält. Sein Ziel ist es, Männer – und damit auch die Frauen – in flagranti zu erwischen. Für Bates ist die Kamera nicht nur dazu da, Beweismittel zu liefern. Sie ist sein Vorwand, um Frauen zu belästigen, die seiner Ansicht nach Sex verkaufen. Mit den so entstandenen Videos kann er diese Frauen im Internet selbst dann noch anprangern, wenn sie das Gesetz gar nicht übertreten haben.

Die sechs Videos aus Fargo wurden nicht von Bates selbst gedreht. Auf seinem Blog schreibt er begeistert: »Zum ersten Mal war es JohnTV möglich, Videos dieser Art zu bekommen. Normalerweise sieht man so etwas nur massiv zusammengeschnitten in Reality-Formaten im Fernsehen.« Die ungeschnittenen Videos auf JohnTV wurden von einer Nachrichtenwebsite aus North Dakota übernommen, wo sie unter der Überschrift »Unterwegs mit der Polizei bei verdeckten Ermittlungen wegen Prostitution« präsentiert wurden. Diese Aufnahmen wurden nicht von Journalisten produziert, sondern sie stammen vom Fargo Police Department.

Es gibt viel zu sehen in den langen Minuten zwischen Verhandlung über die Tarife und Verhör bei der Polizei, und es wiederholt sich: Der nervöse Kunde fragt, ob er »das ganze Programm« bekommt oder ob es »Extras« gibt, es folgt die einstudierte Ausrede der verdeckten Ermittlerin, sie müsse »nur mal fünf Minuten duschen«, in denen sie Verstärkung rufen kann, und dann das plötzliche, laute Erscheinen von Polizisten in schwarzen Westen und Baseballmützen, die ihre Waffen auf halbnackte Leute richten und ihnen befehlen, sich hinzuknien und die Arme auszustrecken.

Diese verdeckte Ermittlungsarbeit zur Prostitution richtet sich gegen Männer, die Sex kaufen, und Frauen, die Sex verkaufen, oder genauer: Männer und Frauen, die von der Polizei entsprechend verdächtigt werden. Heutzutage beschränkt sich die Arbeit amerikanischer Sittendezernate nicht mehr auf die Streifenarbeit. Polizisten suchen im Internet nach Anzeigen, von denen sie annehmen, sie böten käuflichen Sex an. Dann geben sie sich als potenzielle Kunden aus, vereinbaren Treffen in Hotels und hoffen, eine Verhaftung in der relativ angenehmen Umgebung eines Hotelzimmers mit Gratis-WLAN und einem Eisautomaten auf dem Gang durchführen zu können.

Unabhängig davon, ob solche Videos nun in der Asservatenkammer der Staatsanwaltschaft unter Verschluss liegen, in den Abendnachrichten gesendet werden oder auf der Website einer selbsternannten Bürgerwehr stehen: Sie sind immer selbst eine Strafmaßnahme. Sie sollen sagen: »Wir könnten dich jederzeit verhaften. Auch wenn niemand direkt Zeuge deiner Verhaftung wird, werden alle davon erfahren. Wenn wir deine Verhaftung auf Video aufzeichnen und dieses Video immer wieder angesehen wird, heißt das, dass du jedes Mal wieder verhaftet

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Rezensionen

Was die anderen über Hure spielen. Die Arbeit der Sexarbeit denken

3.1
38 Bewertungen / 7 Rezensionen
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Leser-Rezensionen

  • (4/5)
    This book was mostly very well done. I think it was it was a great exploration of this topic and takedown of many of the arguments in this issue. Even more so, it called out a variety of problems feminism promotes when dealing with this issue including transexclusion, the perfect victim, and forgetting/ignoring that race/sexuality/everything besides white, middle-class, straight, and cis exists.

    Even though it was pretty accessible in writing, I wouldn't say it was an entry-level book. There were some places where you had to have known the theory behind it to understand what she was explaining. However, overall very well done and I enjoyed it immensely and will be checking out other works referenced within it.
  • (4/5)
    “Sex work can indeed be empowering. But that is not the point. Money is the fucking point.”
    - Melissa Gira Grant, Playing the Whore

    Growing up I had three basic images of sex work (although I didn’t call it that then): the Julia Roberts / Pretty Woman version; the desperate, drug addicted woman; and the ‘sex slave’ in another country who was ‘rescued’ regularly on Dateline and 48 Hours. I didn’t spend time thinking about sex workers, but I did wonder why sex work was illegal in most places.

    Recently I’ve become more interested in labor rights; specifically how society views certain types of labor as worthy (of money or legality) and others as deserving of criminalization or at least disdain. I live in Seattle, where the fight to raise the minimum wage to $15 an hour was met with such charming arguments from non-shift workers as ‘what did a McDonald’s worker do to deserve that? I barely make that!’ as though people in the fast food industry aren’t working just as hard as people sitting in air conditioned offices, able to take coffee and bathroom breaks whenever they want.

    This interest led me to Ms. Grant’s book. She takes a perspective that is missing in coverage of sex work and workers – one that does not start by asking ‘should people do sex work’ but instead asks what can we do to improve the lives of the people who work in that industry. The book is well-written and educated me on the topic, but when asked to describe it in a few sentences I have a hard time. Each chapter feels like a separate essay in a broader collection, and initially I was not sure of the main purpose of the book, as it covers a broad area. It is not a linear history of sex work, nor is it an argument (primarily) for the decriminalization or legalization of sex work. It is more than that.

    Going back through my notes and rereading the portions I highlighted does bring more clarity to me. That is a function not of Ms. Grant’s writing, but of my need to re-read the book to better take in all of the information she shares. Her purpose seems to be to point out all of the ways in which people who seek to help sex workers fail, and in doing so Ms. Grant draws the reader’s attention to the need for the reader to take actions in solidarity with these workers, and support those who can change the conditions of their lives for the better, not pull them out of sex work or make it more dangerous for them to perform the work they do.

    Ms. Grant illustrates this in many ways, including critiquing the fight against online posting of sex worker ads and the large anti-sex work organizations that purport to rescue sex workers from horrible conditions. Ms. Grant points out that so many of the ‘rescued’ end up in worse situations, with less agency than they had when doing sex work, and concludes that this stems from the inability of so many to see these women and men as people doing a job and not as one-dimensional ‘whores.’

    “The goal, these antiprostitute advocates say, of eradicating men’s desire for paid sex isn’t ‘antisex’ but to restore the personhood of prostitutes, that is, of people who are already people except to those who claim to want to fix them.”

    That’s the point, really. Sex workers are people first, people who make their money in the sex work industry. The problems these workers face doesn’t stem from the morality of sex work – they originate with the rest of society, which is invested in making sex work dangerous. The question the reader is left with – that I am left with – is what am I going to do to benefit these workers?
  • (3/5)
    The overall thrust of Playing the Whore can be summed up in two fairly short sentences: 1. In the public debate regarding sex work and its improvement/eradication, the voices of sex workers have not been heard. 2. Sex workers' work should be recognized as labor and treated as such, not criminalized. Gira Grant is at once a reporter, sociologist, activist, historian, and a sex worker. This book traces the ways in which the policing of sex work endangers women and trans lives, rather than preserves and protects them. Anti-prostitution feminists purport to stand in solidarity with sex workers by promising to "rescue them," but they have not bothered to ask sex workers if they want to be rescued. Citing a USAID report, M.G.G. claims that 88% of them have made the uncoerced decision to pursue sex work as their preferred form of labor. Rather than focusing on the 12% of sex workers that genuinely need rescuing (they are victims of human trafficking), anti-prostitution groups cast a wider net, and view all sex workers as in need of rescuing. Their campaigns against sex work/escort ads (in print and online)have pushed sex workers ever more to the margins of society. Without doing anything to eradicate sex work, anti-prostitution groups just make it more difficult (and dangerous) for sex workers to get their jobs done. There is a lot to chew over in this book. Not being a sex worker, M.G.G. reminds me towards the end, I am not in a particularly good position to comment or reflect on how the lives of sex workers can be improved, at least not if I have never taken the time to listen to a sex worker discuss her labor as labor without moralizing or fearing it.
  • (1/5)
    I found this book extremely difficult to read.

    the majority of the time I couldn't follow the author's arguments, or at least my train of thought did not follow that of the author. The author's conclusions and arguments for the most part did not make sense to me.

    I was extremely interested in this topic,and don't have a lot of prior knowledge, so was very disappointed in the writing of this book.
  • (4/5)
    I found this book interesting and thought provoking. On the other hand, I am not willing to condemn the recent legal changes here that limit prostitutes working on the streets in areas where people live. These laws have freed other women who had become afraid to leave their homes after dark. They also seem to have reduced the number of young teenagers trafficed from Eastern Europe and forced into sex work by their illegal status. But I do understand that she is overstating her position in opposition to real problems with those she is reacting against.
  • (4/5)
    Grant's work is great for foregrounding sex workers' own agency and humanity, rather than using them as pawns or allegories for a larger morality. This seems like a trivial bar to clear, but so few writers even make the attempt, and reading Grant is so damn refreshing as a result. Sadly, though, the piece doesn't have much structure to hold it together. So you get a bunch of great insights that don't really cohere into a book or a wider plan. Still a really worthwhile and important read, but it feels like the prelude to something even better from her soon. :[
  • (4/5)
    This is the first in-depth reading I've done on sex work and sex workers and I found it fascinating and eye opening. I especially enjoyed the author positing that instead of sex work being oppressive or empowering--as different sides in the feminist argument over it insist--that it is value neutral and that it's okay to be that way.

    I think I'll be returning to this book again as I continue my research in this area.

    (Provided by publisher)