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Schiffbruch der Fregatte Medusa: Tatsachenbericht
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Schiffbruch der Fregatte Medusa: Tatsachenbericht
eBook150 Seiten2 Stunden

Schiffbruch der Fregatte Medusa: Tatsachenbericht

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Über dieses E-Book

Neuausgabe des Buches aus dem Jahr 1818.
Am 2. Juli 1816 lief die Fregatte Médusa vor der afrikanischen Küste auf Grund. Von den 400 Passagieren und Besatzungsmitgliedern fanden nur wenige einen Platz in den vorhandenen Beibooten. Man baute notdürftig ein Floß, auf welchem etwa 150 Personen untergebracht wurden. Es sollte von den Beibooten nach Saint-Louis gezogen werden, doch man kappte das Seil. Es begann ein dramatischer Kampf gegen Hunger und Durst, den nur wenige der Schiffbrüchigen gewannen. - Zwei Überlebende berichten eindrucksvoll von den schrecklichen Ereignissen auf hoher See.
SpracheDeutsch
HerausgeberBooks on Demand
Erscheinungsdatum19. Feb. 2018
ISBN9783746026060
Schiffbruch der Fregatte Medusa: Tatsachenbericht
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Autor

J. B. Heinrich Savigny

(Jean Baptiste Henri Savigny) wurde am 10. April 1793 geboren und starb am 27. Januar 1843. Er war ein französischer Arzt.

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    Buchvorschau

    Schiffbruch der Fregatte Medusa - J. B. Heinrich Savigny

    Schiffbruch der Fregatte Medusa auf ihrer Fahrt nach dem Senegal, im Jahr 1816

    Titelseite

    Vorwort.

    Einleitung.

    Bericht von dem Schiffbruch der Fregatte Medusa.

    Impressum

    J. B. Heinrich Savigny / Alexander Corréard

    Schiffbruch der Fregatte Medusa auf ihrer Fahrt nach Senegal, im Jahr 1816

    oder vollständiger Bericht

    von den merkwürdigen Ereignissen auf dem Floß,  in der Wüste Sahara, zu Saint-Louis und in dem Lager bei Daccard,

    nebst Erörterungen über den landwirtschaftlichen Anbau der afrikanischen Westküste, 

    vom Cap-Blanc bis zu der Mündung des Gambia

    von

    J. B. Heinrich Savigny, ehemaligem Wundarzt im Seedienst und

    Alexander Corréard, Ingenieur-Geographe,

    beide Schiffbrüchige auf dem Floß.

    Mit einem Kupfer - das Floß vorstellend.


    gerik CHIRLEK

    Original: erschienen bei Paul Gotthelf Kummer, Leipzig, 1818. 

    Vorwort.

    Die Jahrbücher des Seewesens liefern kein Beispiel eines so schauderhaften Schiffbruchs als der der Medusa. Zwei Unglückliche, demselben wie durch ein Wunder entronnen, übernehmen hier das ebenso herzbrechende als kitzlige Geschäft, alle Umstände dieses schrecklichen Ereignisses zu schildern. Mitten unter den grausamsten Leiden nahmen wir uns den Eid ab, sie der gesitteten Welt in einem vollständigen Bericht mitzuteilen, sofern uns der Himmel noch vergönnte, unser geliebtes Vaterland wieder zu betreten. Wir würden befürchten, uns an uns selbst, so wie an unseren Mitbürgern zu verschulden, wenn wir Dinge im Dunkel ließen, über die sie begierig sein müssen Licht zu schöpfen. Alle Umstände, von denen wir nicht selbst Augenzeugen waren, sind uns von glaubwürdigen Männern mitgeteilt, welche für deren Echtheit bürgen. Auch führen wir nichts an, wovon sich nicht gehörige Beweise beibringen ließen. Was die Nachrichten betrifft, welche sich zunächst auf das Schiff beziehen, so haben wir deshalb bei mehreren Seeleuten, die sich an Bord befanden, Erkundigung eingezogen, und wo ihre Aussagen nicht ganz gleichlautend waren, hielten wir uns an die Tatsachen, welche die meisten Zeugen für sich hatten. Zuweilen werden wir uns genötigt sehen, grausame Wahrheiten ans Licht zu bringen, aber diese können nur die treffen, deren Ungeschick oder Kleinmütigkeit alle jene Schrecknisse herbeiführten. Wir dürfen zuletzt noch mit Zuversicht sagen, dass unsre zahlreich gesammelten Beobachtungen uns in Stand setzen, alles, wie bei einem so wichtigen Werk mit Recht zu erwarten steht, vollkommen treu und richtig darzustellen.

    150 Franzosen suchten ihr Heil auf dieser Maschine; nur 15 fanden Rettung nach 13 tägigen Leiden.

    Einleitung.

    Die französischen Niederlassungen an der westlichen Küste Afrikas vom Cap-Blanc bis zur Mündung des Flusses Gambia, standen abwechselnd bald unter französischer, bald unter englischer Hoheit, endlich aber blieben sie in den Händen der Franzosen, deren Vorfahren schon im 14ten Jahrhundert, gleich nach Entdeckung dieses Landes, sich hier angesiedelt hatten …

    Die Engländer bemächtigten sich im Jahr 1758 der Insel Saint-Louis, des Sitzes der Oberstatthalterschaft aller unserer Besitzungen auf diesem Teil der Küste; 1779, also zwanzig Jahre später kam sie wieder an uns. Um diese Zeit wurden uns unsre Besitzungen durch den am 3ten September 1783 zwischen Frankreich und England abgeschlossenen Friedensvertrag von neuem zugesichert: 1808 fielen sie abermals in die Hände der Engländer nicht sowohl durch Gewalt der Waffen, als durch die Verräterei einiger Männer, die nicht verdienten, Franzosen zu heißen. Endlich wurden sie uns zurückgegeben durch die Pariser Verträge von 1814 und 1815, welche den vom Jahre 1783 nach seinem ganzen Inhalt bestätigen.

    Die Artikel dieses Vertrags bestimmen die gegenseitigen Rechte beider Regierungen auf die westliche Küste von Afrika; sie geben die französischen Besitzungen folgendermaßen an: vom Cap-Blanc, 19° 30' Länge und 20° 55' 30 Breite bis zur Mündung des Gambia 19° 9 Länge und 13° Breite. Sie verbürgen uns ferner den ausschließenden [sic: ausschließlichen] Besitz dieser Ländereien, indem sie den Engländern nur zugestehen, gemeinschaftlich mit den Franzosen, von dem Fluss St. Jean bis Portendick inbegriffen, den Gummihandel zu treiben, ohne dass es ihnen erlaubt sei, an diesem Fluss noch auf sonst einem Punkte der Küste sich im Geringsten und auf welche Art es auch sein mag, festzusetzen.

    Das einzige was den Engländern in diesen Verträgen zugesichert wird, ist das Eigentumsrecht auf die Faktorei Albreda an der Mündung des Gambia sowie auf das Fort James.

    Nachdem die Rechte beider Völker auf diese Art auseinandergesetzt waren, machte Frankreich Anstalt, den ihm zugefallenen Teil in Besitz zu nehmen. Der Marineminister beschäftigte sich ernsthaft damit, ließ im Verlauf von zwei Jahren zu dieser Unternehmung vier Schiffe ausrüsten und gab endlich Befehl zur Abfahrt nach dem Senegal. Es gehörten dazu:

    Ein Oberst, Oberbefehlshaber im Namen des Königs auf der ganzen Küste vom Cap-Blanc bis zur Mündung des Gambia. Zugleich war er Oberverwaltungsweser.

    Ein Bataillonschef, Kommandant von Gorea.

    Ein Bataillonschef, Kommandant des Bataillons von Afrika, bestehend aus 3 Kompanien, jede von 84 Mann.

    Ein Artillerielieutenant beauftragt mit der Aufsicht über die Pulvermühlen und Batterien; unter seinem Befehl 10 Mann Kanonier.

    Ein Kommissar-Inspektor des Seewesens, zugleich Verwaltungschef.

    Vier Magazinwärter.

    Sechs Schreiber.

    Vier Aufpasser.

    Zwei Priester.

    Zwei Oberschreiber. (Sie können Notar- und selbst Mairestelle vertreten.)

    Zwei Hospital-Direktoren.

    Zwei Apotheker.

    Fünf Wundärzte.

    Zwei Hafen-Kapitäne.

    Drei Steuermänner.

    Ein Gärtner.

    Achtzehn Weiber.

    Acht Kinder.

    Vier Bäcker.

    Außerdem zu einer Reise, die man willens war, nach dem Lande Galam zu unternehmen:

    Ein Ingenieur vom Bergwesen.

    Ein Ingenieur-Geographe.

    Ein naturkundiger Landbauer.

    Ferner, zu einer Unternehmung welche dahinging, auf dem Cap-Verd, oder in dessen Nähe, einen Platz zu einer Ansiedelung ausfindig zu machen:

    Ein Arzt.

    Ein Landbauer für die europäischen Erzeugnisse.

    Ein Landbauer für die Kolonialerzeugnisse.

    Zwei Ingenieur-Geographen.

    Ein Naturkundiger.

    Ein Seeoffizier.

    Zwanzig Arbeiter.

    Drei Weiber.

    Also in allem 365, von denen ungefähr 240 auf die Fregatte Medusa kamen.

    Bericht von dem Schiffbruch der Fregatte Medusa.

    Am 17ten Juni 1816, des Morgens um 7 Uhr, verließ das nach dem Senegal beorderte Geschwader, unter Anführung des Fregattenkapitäns Herrn von Chaumareys, die Reede der Insel Aix. Die Fahrzeuge aus denen es bestand, waren, die Medusa *), eine Fregatte von 44 Kanonen, befehligt von dem Herrn von Chaumareys; die Korvette Echo **), angeführt von Herrn Cornet de Venaucourt, Fregattenkapitän; die Loire, eine Fleute und die Brigg Argus ***), unter den Schiffslieutenants Herrn Gicquel des Touches und von Parnajon.

    *) Die Medusa war als Fleute ausgerüstet und hatte nur 14 Kanonen an Bord. Ihre Ausrüstung, so wie die der Loire fand zu Rochefort statt.

    **) Zu Brest ausgerüstet; erhielt Befehl zu uns zu stoßen.

    ***) Sie kam von Lorient.

    Der Wind kam aus Norden und wehte angenehm; wir hatten alle Segel aufgespannt; kaum aber waren wir auf der Höhe, so ließ der Wind etwas nach, und wir mussten lavieren, um den Turm von Chassiron zu umfahren, welcher an der Spitze der Insel Oléron liegt *).

    *) Der Turm von Chassiron befindet sich auf der Spitze der Insel Oléron, gegenüber einer Felsenbank, die man Antiochats nennt.

    Nachdem wir den ganzen Tag laviert hatten, verlangte die Loire des Abends gegen 5 Uhr zu ankern, weil sie die Strömungen nicht überwältigen konnte, die sie von dem Fahrwasser abhielten; Herr von Chaumareys erlaubte es ihr und ließ zugleich das ganze Geschwader die Anker werfen. Wir waren jetzt eine halbe Stunde von der Insel Rhe mitten in der Enge von Antioche. Unser Schiff ankerte zuerst und die übrigen Fahrzeuge stellten sich in unserer Nähe auf. Die Loire, welche am langsamsten segelte, fand sich erst nach allen anderen auf dem Ankerplatz ein. Das Wetter war schön, der Wind blies aus Nordwest, etwas zu gebrochen, als dass wir Chassiron hätten umsegeln können, umso mehr, da sich ungünstige Strömung einstellte. Abends gegen 7 Uhr, mit eintretender Ebbe, lichteten wir die Anker und spannten die Segel auf; alle Fahrzeuge taten ein Gleiches, nachdem sie einige Augenblicke vorher das Zeichen zum Aufbruch erhalten hatten. Mit anbrechender Nacht befanden wir uns zwischen den Leuchttürmen von Chassiron und la Bakeine *), die wir in kurzer Zeit umsegelten; kaum waren wir auf der Höhe, so trat beinahe eine gänzliche Windstille ein, die Schiffe arbeiteten nicht mehr, der Himmel bedeckte sich, das Meer wurde unruhig, alles kündete einen Sturm an, der Wind drohte sich nach Westen zu wenden und folglich widrig zu werden; er war veränderlich und ruckend; gegen 10 Uhr bemerkte man, dass wir auf der eingeschlagenen Fahrt geradewegs einer Gefahr, les Roches Bonnes genannt, entgegensteuerten. **)

    *) Der Turm von La Bakeine ist ein Leuchtturm auf der anderen Seite der Enge von Antioche, an der Küste der Insel Rhe.

    **) Die Roches-Bonnes befinden sich auf der hohen See, ungefähr 8 bis 9 Lieues von der Insel Rhe. Ihre Lage ist auf den Seekarten nicht genau angegeben.

    Wir machten verschiedene Wendungen, um derselben zu entkommen. Gegen Mitternacht bildete sich im Norden eine finstere Sturmwolke, die von dort her blies; nun konnten wir den Vorderteil nach der See wenden, die Wolken zerstreuten sich, und am folgenden Tage war sehr schönes Wetter mit schwachem Nordost; einige Tage lang legten wir nur einen kurzen Weg zurück.

    Den 21ten oder 22ten umsegelten wir Cap-Finisterre. Außerhalb der Spitze, welche den Meerbusen von Gascogne begrenzt, trennten sich die Loire und der Argus; da sie schlechte Segler waren, konnten sie unmöglich der Fregatte folgen, die sie nicht anders in ihrer Nähe hätte behalten können, als vermittelst der Bramstange und der Beisegel.

    Nur die Echo war noch zu sehen, aber in einer großen Entfernung und aus allen Kräften segelnd, um uns nicht zu verlieren; die Fregatte fuhr viel rascher als diese Korvette, so dass sie bei geringer Anspannung der Segel nicht allein mit ihr Fahrt hielt, sondern sie auch zum Erstaunen übersegelte; der Wind war indes etwas stärker geworden und wir legten neun Noeuds zurück *).

    *) Drei Noeuds machen eine Seemeile und diese misst 5.556 Meter.

    Ein unglücklicher Zufall störte unsre Freude über diese günstigen Winde; ein Schiffsjunge von 15 Jahren fiel ins Meer; mehrere von unseren Leuten standen auf dem Hinterteil des Schiffes und der Schanzdecke, wo sie den Sprüngen der Meerschweine zusahen *).

    *) Sehr starke Fische, welche sich beständig auf der Oberfläche des Meeres zeigen und Purzelbäume schlagen. Sie bewegen sich so schnell, dass sie es mit einem Schiffe aushalten, welches neun und sogar zehn Noeuds in einer Stunde zurücklegt.

    Auf den Freudenruf über das Gaukeln dieser Fische, folgte plötzlich ein ängstliches Geschrei des Mitleids; einige Augenblicke hielt sich der Unglückliche längs dem Bord, an einem Strick, den er im Hinabfallen ergriffen hatte, aber bei der Schnelle, mit welcher die Fregatte segelte, musste er ihn bald fahren lassen, man gab der Echo, die sehr weit entfernt war, ein Zeichen von diesen Missgeschick; noch mehr, man wollte einen Kanonenschuss tun, aber es war kein einziges Stück geladen. Hierauf warf man die Rettungstonne aus *).

    *) Die Rettungstonne ist eine Vorrichtung aus mehreren Stücken Kork, von ziemlich einem Meter im Durchmesser. In der Mitte befindet sich ein Mast, wo sich eine Flagge anbringen lässt. Man wirft diese Maschine ins Meer, sobald ein Mann hineingefallen ist, damit er sich daraufsetzen könne. Man zieht sie wieder zurück, vermittelst eines Taues, an welchem sie befestigt ist, und auf diese Art wird es möglich, den Schiffbrüchigen zu retten, ohne das Schiff in seinem Lauf aufzuhalten …

    Wir zogen die Segel ein, und machten eine Wendung von der Seite. Dies erforderte viel Zeit. Auf den Ruf: »Ein Mann ins Meer!«, hätte man vielmehr die Höhe des Windes gewinnen sollen. Zwar hörten wir von der Batterie her laut rufen, dass er gerettet sei; ein Matrose hatte ihn wirklich beim Arm gefasst, aber er musste ihn loslassen, wollte er nicht selbst mit fortgerissen werden. Indes schickte man ein kleines Fahrzeug von sechs

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