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Sammelband 7 Western – Wildwest-Roman Großband Februar 2018

Sammelband 7 Western – Wildwest-Roman Großband Februar 2018

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Sammelband 7 Western – Wildwest-Roman Großband Februar 2018

Länge:
1.055 Seiten
12 Stunden
Freigegeben:
12. Juni 2019
ISBN:
9781540128706
Format:
Buch

Beschreibung

Sammelband 7 Western – Wildwest-Roman Großband Februar 2018

von Alfred Bekker & Alfred Wallon & Larry Lash

Dieses Buch enthält folgende sechs Western:

Larry Lash: Verweht und verklungen

Alfred Bekker: Höllenjob in Kansas

Alfred Bekker: Blutspur

Alfred Wallon: Die blutigen Jahre Missouri-Rebellen Band 1

Alfred Wallon: Unter der Flagge des Südens Missouri-Rebellen Band 2

Alfred Wallon: Blutige Rebellion Missouri-Rebellen Band 3

Alfred Wallon: Quantrills Untergang Missouri-Rebellen Band 4

Der Bau der Eisenbahn "Union Pacific", die quer durch den Wilden Westen von einem Ozean zum anderen verläuft, hatte schon unzählige Menschenleben gekostet! Präriebrände, Überschwemmungen, klirrender Frost, Blizzards, harte Arbeit und nicht zuletzt die brutalen Überfälle der Indianer waren für viele kühne Eisenbahnbauer das Todesurteil. Die Bautrupps, die sich jeweils von Ost und West aufeinander zubewegen, befinden sich in einem gnadenlosen Wettstreit - jeder will der Erste sein, der das Ziel erreicht und die Prämie kassiert. Ein Westagent, ein gewissenloser Schuft, setzt alles daran, die Arbeit auf der Ostseite zu sabotieren und schreckt auch vor eiskaltem Mord nicht zurück. Nur John Brown, ein harter Kämpfer für die gerechte Sache, der sich einst "Schwarzer Wolf" nannte, als er bei den Hunkpapas-Sioux lebte, und jetzt für die "Union Pacific" arbeitet, nimmt es mit dem Gesetzlosen auf ...

Freigegeben:
12. Juni 2019
ISBN:
9781540128706
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


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Buchvorschau

Sammelband 7 Western – Wildwest-Roman Großband Februar 2018 - Alfred Bekker

Sammelband 7 Western – Wildwest-Roman Großband Februar 2018

von Alfred Bekker & Alfred Wallon & Larry Lash

DIESES BUCH ENTHÄLT folgende sechs Western:

LARRY LASH: VERWEHT und verklungen

Alfred Bekker: Höllenjob in Kansas

Alfred Bekker: Blutspur

Alfred Wallon: Die blutigen Jahre  Missouri-Rebellen Band 1

Alfred Wallon: Unter der Flagge des Südens  Missouri-Rebellen Band 2

Alfred Wallon: Blutige Rebellion  Missouri-Rebellen Band 3

Alfred Wallon: Quantrills Untergang  Missouri-Rebellen Band 4

DER BAU DER EISENBAHN „Union Pacific, die quer durch den Wilden Westen von einem Ozean zum anderen verläuft, hatte schon unzählige Menschenleben gekostet! Präriebrände, Überschwemmungen, klirrender Frost, Blizzards, harte Arbeit und nicht zuletzt die brutalen Überfälle der Indianer waren für viele kühne Eisenbahnbauer das Todesurteil. Die Bautrupps, die sich jeweils von Ost und West aufeinander zubewegen, befinden sich in einem gnadenlosen Wettstreit - jeder will der Erste sein, der das Ziel erreicht und die Prämie kassiert. Ein Westagent, ein gewissenloser Schuft, setzt alles daran, die Arbeit auf der Ostseite zu sabotieren und schreckt auch vor eiskaltem Mord nicht zurück. Nur John Brown, ein harter Kämpfer für die gerechte Sache, der sich einst „Schwarzer Wolf nannte, als er bei den Hunkpapas-Sioux lebte, und jetzt für die „Union Pacific" arbeitet, nimmt es mit dem Gesetzlosen auf ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Authors/ Titelbild Klaus Dill

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Verweht und verklungen

Western von Larry Lash

Der Umfang dieses Buchs entspricht 222 Taschenbuchseiten.

Der Bau der Eisenbahn „Union Pacific, die quer durch den Wilden Westen von einem Ozean zum anderen verläuft, hatte schon unzählige Menschenleben gekostet! Präriebrände, Überschwemmungen, klirrender Frost, Blizzards, harte Arbeit und nicht zuletzt die brutalen Überfälle der Indianer waren für viele kühne Eisenbahnbauer das Todesurteil. Die Bautrupps, die sich jeweils von Ost und West aufeinander zubewegen, befinden sich in einem gnadenlosen Wettstreit - jeder will der Erste sein, der das Ziel erreicht und die Prämie kassiert. Ein Westagent, ein gewissenloser Schuft, setzt alles daran, die Arbeit auf der Ostseite zu sabotieren und schreckt auch vor eiskaltem Mord nicht zurück. Nur John Brown, ein harter Kämpfer für die gerechte Sache, der sich einst „Schwarzer Wolf nannte, als er bei den Hunkpapas-Sioux lebte, und jetzt für die „Union Pacific" arbeitet, nimmt es mit dem Gesetzlosen auf ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

(früherer Titel: FEUERMAL)

© Cover: Hugo Kastner, 2018

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Prolog

Mit dieser Story setzt Larry Lash denjenigen harten Männern des damaligen Wilden Westens ein Feuermal, deren Namen verweht und verklungen sind, deren Gräber vergessen wurden.

Sie waren dabei, als man die „Union Pacific" baute. Sie arbeiteten und litten, kämpften und starben, und ein jeder trug sein eigenes Schicksal.

Sie waren nicht dabei, als der große Augenblick in der Geschichte der Vereinigten Staaten und des Wilden Westens kam, als das unmöglich Scheinende Wirklichkeit wurde und die Gesellschaft von Ost und West in Ogden die letzten Verbindungsschienen legte. Eine Schiene aus reinem Silber, die mit goldenen Nägeln festgenietet wurde, die den großen Strang vollendete, der Ost und West verband, der den Westen erschloss.

Sie wichen aus den Reihen, noch bevor das Finale aufklang. Schicksale! ... Feuermale! ... abseits des Trails! Niemand weiß, woher sie kamen und wohin sie gingen. Aber eines blieb zurück, ihr Feuermal, das noch heute an allen Lagerfeuern lebendig ist.

Am 9. Mai 1869 wurde das kaum Glaubliche zur Wirklichkeit: Eine Bahn lief quer durch den Wilden Westen, von einem Ozean zum anderen!

Die „Union Pacific", wie sie genannt wurde, gelangte unter ungeheuer schwierigen Umständen zur Fertigstellung. Der Bau einer solchen Riesenstrecke, die zum größten Teil durch unwegsames, kaum erschlossenes Land führte, wurde angezweifelt, befeindet. Man vermochte sich nicht über den Verlauf der Riesenroute zu einigen. Man hatte Angst vor Katastrophen und Überfällen.

Trotz aller Widerstände wurde der Bau der Bahn in geradezu fanatischer Art vorwärtsgetrieben und vollendet. Unberührt von allen Rückschlägen, ohne Rücksicht auf Naturgewalten und die Gefahren der fast unberührten Wildnis.

Die Wirklichkeit war grausam, ungeheuerlich. Präriebrände, Moskitos, Überschwemmungen, klirrender Frost, Schnee und Eis, aufreibende Kämpfe gegen die Dakotas unter ihrem Häuptling „Red Cloud", der die Stämme des Westens zum Widerstand organisierte, die roten Krieger gegen das Dampfross des weißen Mannes führte.

Jeden Tag konnten die hungernden, darbenden Kolonnen vom Schienenstrang aus die Feuermale der Redmen beobachten, die sich durch Rauchzeichen auf ihren Jagd- und Kriegszügen miteinander verständigten, konnten sie sich bereit machen für unliebsame Abenteuer.

Sie kamen kaum zum Schlafen, standen immer auf Wache gegen Präriebrände, die die Redmen anlegten, gegen deren Überfälle, gegen die unerbittliche Natur, die sich ihnen entgegenstemmte. Sie arbeiteten und kämpften, schossen dabei Millionen von Büffeln ab, die Nahrungsquelle des roten Mannes. Die Arbeiter wurden von Agenten aufgeputscht, zu Revolten getrieben, wurden untereinander wie Wölfe. Zwei Gesellschaften waren es, die den Bau vorwärtstrieben, die eine von West, die andere von Ost. Jede wollte die Prämie einheimsen, die die Regierung ausgesetzt hatte, jede wollte die Erste sein. Alle Mittel waren ihnen recht.

Elf Jahre waren für den Bau der Bahn geplant. Die Hälfte der Zeit wurde bis zu seiner Vollendung nur benötigt. Nach sechs strapazenreichen, intrigenvollen Jahren war das große Werk vollbracht. Yeah, ein bedeutungsvoller Augenblick in der Geschichte der jungen Nation und in der Geschichte des Wilden Westens.

Am 10. Mai 1869 fuhren die beiden geschmückten Lokomotiven von Ost und West her über die zuletzt gelegte Schiene, die die Schienenstränge verband. Es war eine Schiene aus reinem Silber, die mit goldenen Nägeln festgenietet war.

Ingenieur Dodge hielt die Festrede. Tausende von glücklichen Menschen jubelten ihm zu. Tausende feierten diesen Tag, jubelten, fielen sich auf offener Straße in die Arme, tanzten, vergnügten sich.

Vielleicht waren aber auch einige unter ihnen, die zurückdachten an die, die am Trail geblieben waren, deren Gräber still und verlassen neben den verfallenen Bauhütten lagen. Gräber, über denen der Wind des Vergessens wehte.

„Union Pacific hätte dieser Roman heißen können. Stattdessen nannte man ihn „Feuermal.

„Feuermal deshalb, weil in ihm lebendig bleiben und leuchten soll, wie die Vergessenen litten und starben. „Feuermal, ein Licht, das weiterbrennen soll in der Nacht des Vergessens, ein Licht, das einem Manne gesetzt wurde, der im großen Geschehen des 10. Mai 1869 im Meer der Freude nicht einmal ein Tropfen war.

Yeah, das hier ist die Geschichte eines Mannes, der mit dabei war. Jeder der anderen Unzähligen hätte ein Feuermal verdient, jeder der Vielen, Namenlosen. Gewiss ist die Story von John Brown nicht einmal so überragend wie die Erlebnisse anderer, die Seite an Seite mit ihm standen, gewiss ist sie nur eine von vielen.

Feuermal! ... Es soll brennen den Vergessenen, leuchten denen, die unter der Erde liegen, allen denen, die längst vergessen und deren Grabhügel verweht sind, die halfen, das große Werk zu vollenden.

1.

Fünf bittere Jahre voll harter Arbeit hatten ihn gezeichnet, hatten ihre Spuren in sein Gesicht geschrieben. In fünf Jahren hatte John Brown vergessen, dass er einmal ein Cowboy war, hatte vergessen, dass seine Heimat irgendwo in Texas lag.

In seinem hageren Gesicht flammte eine frisch verheilte rote Schnittwunde, sein rechtes Ohr fehlte zur Hälfte, war durch eine Kugel zerfetzt, und an seinem Hals zeigte sich eine weiß leuchtende, seltsam gezackte Narbe, die ein Tomahawk hinterlassen hatte. Düster glühten seine Augen, lagen in tief umschatteten Höhlen. Sein Gesicht war gezeichnet von Kälte, dem klirrenden Frost mit Eis und Schnee, von Hunger und Arbeit, von Aufregung und den Gefahren, die ständig das Bahnarbeitercamp umgaben.

Seit einigen Tagen hatte es im Camp nichts Rechtes mehr zu essen gegeben1. Der Transport- und Verpflegungszug war überfällig. Die Stimmung im Camp war gedrückt und bitter. Man munkelte davon, dass Red Cloud den Zug überfallen habe oder dass weiße Desperados sich über ihn hergemacht hatten. Zwischen dem vorgeschobenen Camp und dem Hauptcamp lagen über hundert Meilen, lag die Wildnis der Felsengebirge, düster, drohend, durchtobt von eisigen Winden und Schneestürmen, die das Blut in den Adern gefrieren ließen.

By Gosh, John Brown dachte einen Augenblick lang an den vergangener Sommer, als die Kolonne den Bahnstrang weiter östlich durch blumenreiche Prärien verlegt hatte. Im Sommer war es gewesen, als nach einer Revolte der Arbeiter die Bauleitung neue Arbeiter nach hierher an den menschenfressenden Strang gebracht hatte: Mormonen, hart, genügsam, strebsam und tapfer, Weiße aus aller Welt, Chinesen, kleine, zähe Arbeiter, die ohne zu murren die harte Arbeit verrichteten, die in Sturm und Regen, Hitze und Kälte ihre Ruhe und das geheimnisvolle Lächeln einer anderen Welt nie verloren.

Brown schlug sich den Pelzkragen vor das frostrote Gesicht, stemmte sich gegen den Wind und schritt rascher aus. Er hielt die Winchester unter dem Arm geklemmt, und seine in Handschuhen verpackten Hände schoben sich unter die wärmende Jacke.

Kaum drei Yards reichte die Sicht. Der Schnee, vom Wind getrieben, fegte ihm ins Gesicht, verklebte seine Augen, setzte sich in seinen wochenalten Bart fest.

John spürte den nagenden Hunger kaum. Er trachtete danach, schnell zum Camp zu kommen, das irgendwo vor ihm liegen musste, geduckte Hütten am Schienenstrang, eng beieinander, als suchten sie gegenseitig Schutz vor der drohenden Umgebung, vor den unheimlichen Gefahren.

John war froh, dass er, von seiner Wache abgelöst, bald in die Wärme einer der Hütten treten konnte. Er freute sich auch auf die dünne Wassersuppe, die ihm der Chinesenkoch auftischen würde, freute sich, weil etwas Warmes im Magen besser war - als das Warten auf Fleisch.

By Gosh, im Sommer hatten sie davon so viel gehabt, dass es am Wege liegen blieb. Im Sommer hatten die Jäger des Camps die Büffel in Rudeln geschossen. Er, John Brown, war als Jäger verpflichtet worden, um das Camp mit Fleisch zu versorgen. Das war im Sommer sehr leicht gewesen. Man brauchte nur auf einem gut dressierten Büffelpferd in eine der vielen Herden hineinzureiten und den schwerfälligen Tieren das Blei zu schicken.

Dreißig und mehr Büffel blieben an manchen Tagen tot liegen. Es gab unter den Jägern Jagdspezialisten, die nach Indianerart auf ihren Pferden die Büffelherden umkreisten, tollkühn mitten hineinritten, um sich das zarteste Fleisch auszusuchen.

Einer von diesen Spezialisten war William Cody, ein Mann, der später Weltruhm erlangen sollte unter seinem Kampfnamen „Buffalo Bill".

Yeah, im Sommer war die Verpflegung der Bahnarbeiter, einer rauen Horde hämmernder, nietender, Schienen transportierender Burschen eine Kleinigkeit, jetzt, im Winter aber ein Kunststück, denn wo nichts war, konnte man auch nichts holen.

Keine Wildfährte hatte sich in den letzten drei Tagen gezeigt, und nur einmal war John Brown auf einen altersschwachen, räudigen Fuchs gestoßen, dessen Fell keine Kugel wert und dessen Balg wahrscheinlich sogar von Ratten verschmäht worden wäre.

Nein, weder die riesigen Trittsiegel des Grizzlys noch die zarten Stippspuren von Schneehühnern oder anderem Federwild hatten sich auf dem Schnee gezeigt. Im Camp stöhnten die Arbeiter, drohten zu meutern und verhielten sich wie Wölfe, die der Hunger rasend machte. Sie hatten den beiden hageren Wölfen, die John vor der Dämmerung erlegt hatte, nur das Fell abgezogen und sie dann in den Riesenkochtopf des Chinesenkochs verschwinden lassen. Sie hatten das Wolfsfleisch gegessen, als wäre es eine besonders gute Delikatesse.

Was waren aber zwei Wölfe für eine Hundertschaft?

Ein Tropfen auf einen heißen Stein, weiter nichts! Diese schwer arbeitenden, hart kämpfenden, nie zur Ruhe kommenden Männer brauchten das beste Essen, die beste Verpflegung, die man ihnen geben konnte. Seit vier Tagen warteten sie schon vergeblich darauf.

Der Schnee knirschte unter Johns derben Stiefeln. Das Schneetreiben schien noch zuzunehmen. Dabei wurde es aber nicht milder, sondern anscheinend noch kälter. Der Winter hier im Felsengebirge war hart und schrecklich, und dennoch, es wurde weitergearbeitet. Die Arbeit ging weiter, obwohl in der vergangenen Woche drei Chinesen erfroren waren und über zwanzig Arbeiter durch Krankheit ausfielen, obwohl jeder neu verlegte Schienenstrang alle Kräfte von den Arbeitern forderte im Kampf mit Schnee und Eis. Es wurde weiter gesprengt, weitergewühlt.

John blieb stehen. Ein eintöniges Grau war um ihn herum. Für einen Moment glaubte er die Richtung zum Camp verfehlt zu haben, aber dann sah er rechts die schwachen Konturen von Loren im Schneetreiben auftauchen und hielt darauf zu. Der Schneefall war so dicht, dass er die Lichter des Camps erst sah, als er sich kurz davor befand.

Er stolperte einmal über einige Eichenbohlen, die der Schnee unter sich begraben hatte, fiel in den Schnee und rappelte sich fluchend wieder auf, ging weiter.

Der Schnee hatte das Camp zugedeckt, hatte es einförmig gemacht. Unter der weißen Decke konnte niemand die aufgerissene Erde sehen, die Baracken, Schuppen, primitiven Unterkünfte erkennen, und den irgendwo unter dem Schnee verborgenen Schienenstrang, der von Westen kam und sich mit jedem Tag mehr nach Osten schob, der Kolonne entgegen, die von Osten her den Strang legte.

Wie ein Irrlicht flackerte von der Gemeinschaftsbaracke die am Dachbalken hängende Karbidlaterne durch das Schneetreiben, kämpfte gegen die Nacht an, einen hoffnungslosen, verzweifelten Kampf. Es schien wie ein Symbol für das ganze Werk der „Union Pacific" zu sein, das jeden Tag vor einem unlösbaren Halt stehen konnte, das jeden Tag scheitern konnte vor dem Unmöglichen, was den Menschen abverlangt wurde.

Das Karbidlicht zog John magisch an. Er stampfte darauf zu, ohne groß auf das Lärmen in einer Baracke zu achten, in der die Chinesen untergebracht waren. Der Schnee hemmte ihn.

Nirgends sah John ein Pferd. In dieser Nacht hatte man die Tiere in die Schuppen gesperrt, damit sie eng nebeneinander standen und sich gegenseitig wärmen konnten. Er schritt an zu hohen Haufen geschichtetem Baumaterial und gestapelten Schienen vorbei, prallte im nächsten Augenblick vor zwei Gestalten zurück, die um den Bauholzstapel kamen.

Es waren zwei Männer, tief vermummt wie er selbst. Sie hielten ebenso rasch an.

„Brown ...?"

John erkannte den Sprecher sogleich an der Stimme und seiner Gestalt. Er war der leitende Ingenieur des Camps. Ein gesetzter, breitschultriger Mann, etwa einen Kopf kleiner als John, dabei aber kompakt und schwer gebaut wie ein Freistilringer.

Dan Jefferson konnte nicht nur planen, rechnen und Kommandos geben, sondern konnte auch zupacken, schwer schuften, konnte den Arbeitern durch seine Kraft und Geschicklichkeit imponieren. Er war ein Kämpfer!

Dan Jeffersons Frau und Kinder wohnten irgendwo im sonnigen Kalifornien. Er war besonders versessen auf die Hilfszüge, die ab und zu die Post mitbrachten.

Dan trug ein kleines, von einem bedeutenden Künstler gemaltes Porträt seiner Frau wie einen Talisman im Futter seiner Jacke über dem Herzen verborgen.

„Es ist gut, dass ich dich treffe. Ich habe dich ablösen lassen, John", sagte der Ingenieur.

„Heute ist auch nichts zu erwarten, Dan. Es ist selbst den Redmen zu kalt."

„Nun, das trifft wohl nicht ganz zu, denn an meiner Seite ist einer der roten Gents", dehnte Dan Jefferson. Sein Begleiter, der etwas zurückgeblieben war, trat jetzt vor.

Er war so groß wie John Brown und trug Pelzjacke und Pelzmütze, ganz so, wie viele Camparbeiter. Auf den ersten Blick hätte man ihn für einen Arbeiter halten können, doch jetzt, da John ihn aus der Nähe betrachten konnte, sah er ein schmales, scharf geschnittenes, stolzes Gesicht mit hohen Wangenknochen und leicht schräg gestellten, schwarzen Tieraugen, sah er einen schmalen Mund und eine leicht gekrümmte Adlernase.

Unwillkürlich sog er heftig den Atem ein.

„Ich habe diesen Mann irgendwann und irgendwo schon einmal gesehen, Dan", kam es John von den Lippen.

Jefferson sah ihn erstaunt an, machte dann eine unwillige Bewegung.

„Das ist ganz und gar ausgeschlossen! Asa Lewis ist schon seit einiger Zeit von der 'Union Pacific' angestellt und zur Streckenbewachung abgestellt worden. Er gehört zu den Spähern und Scouts, ist Kundschafter und Jäger wie du, John."

„Dann kann ich nur hoffen, dass er uns vom Hauptcamp geschickt wurde, Dan. Hoffentlich hat er dir eine gute Meldung gebracht."

„Das ist es eben! Man weiß drüben nicht, dass der Hilfszug hier nicht eingetroffen ist und denkt, dass wir ihn wegen des Schneetreibens zurückhalten. Das ist doch begreiflich, oder ...? Aber komm nur mit in mein Büro. Ich habe mit dir einige wichtige Dinge zu besprechen."

Es war schwer festzustellen, was hinter der runzligen Stirn Jeffersons vor sich gehen mochte, und noch schwerer waren die Gedanken seines schweigsamen Begleiters zu erraten, der wortlos kehrtmachte und ihnen voranging.

„Dan, hältst du etwa den Burschen für einen Mestizen?", flüsterte John ihm leise zu.

„Ich halte ihn nicht nur dafür, sondern er ist einer, gab Jefferson zurück. „Gewiss war sein Vater irgendein Trapper oder Fallensteller und seine Mutter eine Squaw in irgendeinem Redmen-Dorf. Soviel wie ich weiß, hast du nichts für Mestizen übrig, wie?

„Ich halte diesen Burschen für einen reinrassigen Redman, Dan, für einen echten Dakota-Sioux, und das, Fellow, bedeutet schon etwas. Die Dakota-Sioux sind eine besondere Rasse. Das sind keine lahmen Redmen, die verdreckt und zerlumpt vor irgendeinem Store sitzen und um Whisky betteln, das sind Hochprärieindianer, stolz und mächtig. Sie unterscheiden sich von jenen Friedfertigen wie Pumas von Hauskatzen. Das wollte ich dir sagen."

„In fünf Jahren habe ich den Unterschied selbst erfahren können, knurrte ihn Jefferson böse an. „Fünf Jahre Bahnbau brachten die Hölle, und wer weiß, wann sie enden wird. In fünf Jahren habe ich mehr Leute unter die Erde gebracht, als ich in einem Monat an Dollars verdiene. Ich habe mir meine eigenen Erfahrungen gesammelt. Wenn ich auch nicht wie du bei den Hunkpapas erzogen und aufgewachsen bin, so dürfte ich doch ein Wort mitreden können. Dieses Mal irrst du. Asa Lewis ist auch kein Name für einen Redman.

„Das wird sich der rote Gent schon selbst gedacht haben. Einen Namen kann man sich schnell umhängen. Deshalb wird aus einem Puma noch lange kein Hofhund, Dan", rasselte John, zuckte mit den Schultern, sah wohl ein, dass jedes weitere Wort vergebens war. Er schwieg auch dann noch, als er im Büro Jeffersons stand und sich die Pelzjacke öffnete.

Der Kanonenofen bullerte seine Wärme in den Raum hinein. Erstickend heiß schien es John. Der Schnee auf seiner Kleidung und in seinem Bart wurde zu Wasser und tropfte auf die Dielen nieder.

Rechts neben dem Ofen hockte Asa Lewis, wie er sich nannte, auf einem Hocker. Er hatte die Lider heruntergezogen und saß mit der seiner Rasse eigentümlichen Interesselosigkeit, die dem Laien den Eindruck völliger Gleichgültigkeit vermitteln konnte, aber John ließ sich nicht täuschen. Er war sicher, dass er niemals gründlicher beobachtet, niemals genauer getestet wurde, als in diesem Augenblick. Jefferson war in einem Nebenraum verschwunden, um sich seiner Hüllen zu entledigen.

John nestelte an seiner Pelzjacke herum, stellte die Winchester in den Ständer gleich neben der Tür, in dem bereits einige Waffen standen. Büffelgewehre großen Kalibers, Rifles und eine Henry-Martini-Büchse. Dann drehte John den Docht der Petroleumlampe höher.

Asa Lewis regte sich nicht.

John langte sich vom Regal die Whiskyflasche und zwei Gläser, stellte die Gläser auf den Tisch, goss ein und schob Asa ein Glas hin.

Nur einen Augenblick blitzte es höllisch heiß in den Augen des anderen. Nur für einen Augenblick schien sich ein Vorhang zu heben, dann aber wehrte Asa Lewis mit guttural klingender Stimme ab: „Ich trinke nicht."

„Es soll nicht gut sein, wenn ein Mestize Feuerwasser trinkt, so heißt es. Für dich trifft das wohl nicht zu, oder ...?"

Wie von einer Sehne geschnellt schoss Asa Lewis in die Flöhe, doch im gleichen Augenblick war John Brown zurückgetreten, hatte mit Zauberschnelle einen Colt tief an der Hüfte angeschlagen.

Der Lauf seiner Waffe drohte zu Asa herüber.

„Nun erzähle mir, wie es kommt, dass du nicht auf dem Schienenweg hierhergekommen bist, Freund. Du bist kein Mestize, sondern ein verdammt reinrassiger Dakota. Vor fünf Jahren, als der Bürgerkrieg zu Ende ging und der Bahnbau begann, haben die beiden Gesellschaften manchen eingestellt, der ihnen hinterher den größten Schaden zufügte. By Gosh, yeah, du bist ein Spion, Asa Lewis, oder wie du sonst heißen magst, und ich werde es bald beweisen."

John schwieg, denn Dan Jefferson war an der Verbindungstür aufgetaucht und verzog unwillig das Gesicht.

„Stecke den Colt ein, John!, forderte er. „In den letzten Tagen haben unsere Nerven zu viel ertragen müssen. Lass den Scout in Ruhe!

Beim Aufklingen von Jeffersons Stimme ließ sich Asa Lewis auf den Hocker zurücksinken und versank sofort wieder in seine eigentümliche Schläfrigkeit, tat ganz so, als wäre die drohend auf ihn gerichtete Waffe nicht vorhanden.

„Möchtest du eine wichtige Aufgabe für mich erledigen, John?"

„Es kommt darauf an", gab John zurück und ließ den Colt ins Futteral gleiten.

„Zweihundert Meilen durch Eis und Schnee! Ich habe hin und her überlegt, wem ich eine solche Aufgabe anvertrauen kann, und bin auf dich gekommen. Ich brauche einen zuverlässigen Mann, der die hundert Meilen zum Hauptcamp hin- und zurückreitet. Du weißt wohl, um was es geht?"

„Ich kann es mir denken, Dan, murmelte John. „Ich soll wohl einen Hilfszug mit Verpflegung und einer starken Besatzung zur Bergung des verschollenen Zuges anfordern, dazu Männer, die die Trümmer beiseite räumen und die Toten begraben, denen die Sioux ihre Zeichen aufgedrückt haben.

„Ich habe gewusst, dass du es herausfinden würdest, Brown, krächzte Jefferson heiser, „aber das ist nicht alles.

„Was gibt es denn noch?"

„Meine Tochter soll im Hauptcamp eingetroffen sein."

„Deine Tochter ...?", schnappte John bissig zurück.

Jefferson hob wie abwehrend die Arme.

„Fünf Jahre hat sie mich schon nicht mehr gesehen. Jetzt hält sie es nicht länger aus und will zu mir. Ich habe es nicht gewollt, habe sie in meinen Briefen gebeten und angefleht, sie möge dort bleiben. Ich habe alles getan, um sie von ihrem Plan abzubringen. Vergeblich! Ich weiß genau, dass dieses Land hier nicht für ein Mädchen geschaffen ist. Ich kenne die Gier der Arbeiter nach Abwechslung, nach Frauen, nach Liebe. Ich kenne die Gefahren ringsum. Sie hat nicht hören wollen und die Reise angetreten, wie mir meine Frau in ihrem letzten Brief mitteilte. Ich weiß nun nichts mehr von ihr. Der Hilfszug sollte die Post bringen. Der Zug kam nicht an, aber ich muss Gewissheit haben. Ich muss wissen, ob meine Tochter im Hauptquartier eingetroffen ist, sonst werde ich noch verrückt!"

„Wenn hier nicht schon die Hölle wäre, Boss, würde sie bestimmt durch ein Mädel entfesselt werden, murmelte John Brown dumpf. „Ich werde sie unmöglich nach hier bringen können.

„Das will ich auch nicht!, stöhnte Jefferson. „Um Gottes willen, nein! Sie soll nur im Hauptcamp bleiben! Dort wird ihr so leicht nichts geschehen. Du sollst ihr einen Brief von mir übermitteln, worin ich ihr mitteilen werde, dass sie bis zum Frühjahr die Sicherheit des Hauptquartieres nutzen soll. Sie darf nicht den Hilfszug benutzen, der nach dem verschollenen Zuge Ausschau halten und uns Proviant bringen soll. Dir aber, Brown, werde ich noch einen versiegelten Brief an den Chef mitgeben. Das wäre alles, das heißt, wenn du dich zu diesem Ritt entschließen kannst. Ich kann schließlich nicht von dir etwas fordern, was ich selbst nicht ausführen kann!

Man sah es Jefferson an, dass er schlaflose Nächte hinter sich hatte. Kerben hatten sich in seine Mundwinkel eingegraben, tiefe Kerben zerfurchten auch die Stirn. Das Schicksal derer, die verschollen waren, war klar auszurechnen. Der Zug entgleist, überfallen, die Menschen tot. Wenn es Oglalas, Brules oder Minneconjous-Sioux waren, dann wehe all denen, die auf diesem Zuge waren. Der Schnee deckte sie bereits zu, hüllte die Toten sanft in sein weißes Leichentuch.

Derartige Gedanken gingen John durch den Kopf. Zu spät kam alle Hilfe, zu spät würde man zurückschlagen können und dann noch ins Leere, ins weiße Nichts.

Indianer waren wie Schatten der Nacht, abgehärtet gegen die Kälte, lautloser als der Flügelschlag eines Uhus. Sie ritten auf unbeschlagenen Ponys, die klapperdürr und elend vor Hunger umzufallen drohten, und sie verstanden zu kämpfen, grausam und ohne Gnade.

Ein Zug weniger bei der „Union Pacific. Namen würden wieder aus den Lohnlisten gestrichen, das alte Lied auf dem Trail der „Union Pacific, dem glitzernden Schienenstrang, der Menschen fraß wie ein beutehungriges Untier.

Oh, yeah, Bitterkeit überkam John. Zum Teufel auch, warum musste Jefferson seine Rede ausgerechnet vor Asa Lewis halten?

Schien es nicht, als ob die zugekniffenen schwarzen Augen seltsam glühten, wie bei einem Wolf in der Nacht, dem jäh die Flamme eines Lagerfeuers in die Iris fiel. Das wie ans einem Basaltklotz gemeißelte Gesicht verriet nichts, war unbewegt, fern.

„Ich kann dich nur bitten, diesen Ritt auszuführen, John. Es ist kein Befehl."

Die schweren Lider Asa Lewis' hoben sich ein wenig. Blicklos waren die schwarzen Augen, als schauten sie durch ihn hindurch. Die hellen Lichtreflexe vom Kamin huschten über sein bronzefarbenes Gesicht hin und her, erweckten es zu einem seltsamen Leben.

Man konnte sich gut eine Krone aus Adlerfedern um diese prächtige Stirn denken, indianische Kleidung an seinem Körper, Mokassins dort, wo seine Stiefel waren.

„Wozu ich mich entschließe, werde ich nur dir allein sagen, Dan, erklärte John brüsk. „Ein Zweihundert Meilen Ritt ist für deinen Besucher wohl eine Kleinigkeit?

„Yeah, er kam und reitet auch wieder zurück. Er sollte dein Begleiter sein, John."

„Ich verzichte auf seine Begleitung. Ich glaube noch immer, dass er viel besser weiß, wo sich Red Clouds Unterhäuptlinge befinden, wo die einzelnen Stämme der Sioux, Cheyennes und Arapahos ihre Winterquartiere haben, wo Tashunka Witko, der höchste Kriegshäuptling, den man auch Crazy Horse nennt, und der düstere Hunkpapahäuptling Sitting Bull zurzeit umherstreifen. Ich möchte Asa Lewis' Pferd sehen, Dan!"

„Ich weiß, worauf du hinauswillst und kann dich beruhigen. Es ist ein Pferd von der Gesellschaft und ist beschlagen. Dein Misstrauen führt zu weit, John. Willst du nun den Auftrag annehmen oder nicht?"

„Ich reite, Dan, aber allein!"

„Dann Gott befohlen, John! Warte, ich schreibe dir noch die Briefe."

Asa Lewis bewegte sich nicht. Er wirkte wie eine Bronzefigur. Jeffersons Blick glitt über ihn hinweg. Plötzlich zog er John am Arm hinter sich in sein Privatzimmer, das gleich hinter dem Büro lag und schloss die Tür hinter sich und seinem Gast.

„Ich teile deine Abneigung gegen Asa Lewis nicht, John, sagte er ernst, „aber ich respektiere deine Wünsche, denn es ist dein Leben, das du in die Waagschale wirfst. Glaube mir, ich schicke dich nicht gern allein los. Was soll ich aber machen? Ich kann unmöglich mit einem Teil der Arbeiter aus dem Camp die Strecke entlangreiten, bis wir auf den verlorenen Zug stoßen. Das Schneetreiben ist viel zu dicht, sodass man kaum die Hand vor den Augen sieht. Hier im Camp ist man schon gefährdet. Wenn ich aber die Arbeiter in die Sättel treiben und durch die Nacht führen würde, gäbe das ein Riesenunglück! Sie sind nicht gewohnt, in einem solchen Schneetreiben zu reiten, sich zu orientieren. Das kann nur einer, der in der Wildnis groß geworden ist, der die Himmelsrichtungen im Blut hat, einer, der hart und zäh ist. Jeder andere würde im Kreise reiten, endlos, bis er und sein Reittier erschöpft sind. Nun, John, ich rede dir die Ohren voll, als wollte ich mich vor dir entschuldigen, aber ich denke an alles, was in den fünf langen Jahren des Bahnbaues geschah. Ich habe fünf komplette Mannschaften eingebüßt, ich habe ...

„Dan", unterbrach ihn John Brown heftig, „die Regierung hat für den Bau der Bahn quer durch den Kontinent elf Jahre Zeit gegeben. Das ist eine verteufelt lange Zeit. In Wirklichkeit aber lockt die ausgesetzte Prämie. Jede der beiden Gesellschaften will die andere übertrumpfen, jede will die erste sein, die am Zielort Ogden anlangt und die Prämie einstreicht, bevor die andere die Stadt erreicht hat. Fünf Jahre wütet der Kampf der Gesellschaften, wüten Intrigen, Korruption, ein Kampf bis aufs Messer. Daran hat auch der Bürgerkrieg nichts ändern können, auch nicht die unzähligen Gefahren, die an der Bahnstrecke lauern. Um die Prämie zu gewinnen, wird der Mensch verschlissen, werden Tausende geopfert. Für ein großes Ziel ...? Wer fragt nach denen, die bereits die Erde deckt, die verhungert, erfroren, links und rechts der Bahn liegen blieben, die mit Pfeilen oder mit Kugeln in der Brust zusammenbrachen, die von Seuchen dahingerafft winden? Wer fragt schon nach all den Namenlosen, die ihren Atem aushauchten unter dem Skalpmesser eines Roten? Ist das auch alles mit einkalkuliert worden? Dan, die Strecke wächst mit Riesenschritten. Ich sagte dir, es wird noch nicht einmal ein ganzes Jahr vergehen und der Bau ist abgeschlossen. Aber was wird in diesem letzten Jahr nicht noch alles geschehen? Wie viel Menschen werden noch ihr Leben lassen müssen?

Du hast gekämpft und gearbeitet. Du hast deine Schienenleger, Planierer, Ingenieure, Streckenarbeiter und Holzfäller unerbittlich weiter vorstoßen lassen.

Schau dir doch die Männer an, Dan, die diese Fronarbeit bei Tag und Nacht ausführen! Sie sind menschliche Roboter geworden, fast willenlos. Sie hören auf dich, und du hörst auf die Befehle des Hauptquartiers der Gesellschaft. Könnten sich nicht die Konkurrenten einigen, könnten sie nicht nach dem Regierungsvertrag bauen? Man hätte dann noch viele Jahre Zeit, und es kämen nicht mehr so grauenhafte Dinge vor, wie in den verflossenen fünf Jahren.

Oh, ich weiß, was man dir nachsagt, Dan, dass du der härteste Kolonnenführer bist. Ich weiß auch, dass dir die Redmen einen Kampfnamen gegeben haben, und du in ihren Augen ein großer Häuptling bist. Ich bin nur ein Scout und Jäger, aber ich schlafe nicht, Dan. Ich sehe, was hier für ein Schindluder mit den Menschen getrieben wird. Für die Gesellschaften ist der Mensch nur Ware, Mittel zum Zweck. Die hohen Löhne locken immer neues Menschenmaterial zum Bahnbau, aber wenn auch solche hohen Löhne geboten werden, so wird doch auch Unmenschliches von den Arbeitern verlangt. Hier ist es ähnlich wie bei der Arbeit am Bozeman Weg, um die Goldgründe der Alderschlucht. Aber was ist die Alderschlucht gemessen an dem Projekt der 'Union Pacific'!"

„Die Bahn wird das Land erschließen, John Brown, nahm ihm Dan Jefferson hart das Wort. „Eine große Nation ist im Entstehen. Sie wird mächtig und stark werden. Eine große Nation aber muss auch bereit sein, Opfer zu bringen!

„Das sind schöne Worte, Dan, zu schön und zu abgedroschen. Auch die Roten sind eine Nation. Auch sie sind Menschen, aber für sie gibt es keine Menschenrechte. Sie werden niedergeschossen, wenn sie sich gegen das Vordringen des weißen Mannes wehren, werden erschlagen, niedergemäht wie reifes Korn. Ihre verzweifelten Versuche, die Weißen aufzuhalten, werden zerbrochen. Nun, ich will zugeben, dass du als der Herr im Camp durchdrungen von deiner Aufgabe sein musst und davon überzeugt sein musst, dass alles richtig ist, was im Namen der Gesellschaft geschieht."

„Wenn man dich reden hört, glaubt man, einen Redman zu hören, John. Du bist zu lange unter den Hunkpapas gewesen, viel zu lange! Ein Teil ihres Wesens ist dir eigen. Das Blut, das dir Sitting Bull als dein Blutsbruder mischte, scheint auch in deinen Adern zu rollen. Warum, zum Teufel, bist du überhaupt fünf Jahre bei der Bahn geblieben? Warum hast du es nicht schon längst aufgegeben und bist davongeritten, wie viele andere auch?"

Beide Männer starrten sich an, feindlich, fast drohend. Beide schienen tief erregt zu sein.

„Weil ich nie ein begonnenes Werk aufgebe, Dan, und weil ich dabei sein will! Schreibe jetzt deine Briefe, für deine Tochter, für das Hauptcamp. Ich gehe inzwischen zur Baracke, packe das Notwendigste, esse meine Wassersuppe und hole mein Pferd aus dem Schuppen. So long ...!"

John Brown war schon fast an der Tür, als ihn Jefferson fragte:

„Du bleibst also bei deiner Weigerung und willst ganz allein ohne Asa Lewis reiten?"

„Yeah!"

„Sei nicht so stur, Buddy. In einer solchen Nacht sollte man nie eine Begleitung abschlagen, oder hast du etwa ..."

„Sprich nicht weiter, Dan!, unterbrach ihn John wütend, fuhr dann erregt fort: „Zum Teufel, sage deinem Schützling, dass er sich mir anschließen soll. Es wird ein Höllenritt werden, Dan!

Jefferson zuckte zusammen. Kalter Schweiß trat auf seine Stirn. Mit einigen raschen Schritten verhinderte er, dass John aus dem Raume stürmte.

„Beruhige dich erst, Freund. Du musst verstehen, dass es für mich nicht so einfach ist. Gestern Nacht quälten mich Traumbilder. Ich sah einen entgleisten Zug, Trümmer, zerrissene Schienen, Menschen, die mit erloschenen Augen in den grauen Himmel blickten und Gestalten, die in der Nacht verschwanden. Ich träumte schlecht, Buddy, und ich habe zu oft erfahren müssen, dass die Wirklichkeit die grauenvollsten Träume noch weit in den Schatten stellte. John, meine Tochter soll in dem Hauptcamp eintreffen, meine Tochter ..."

Dan Jeffersons Stimme verlosch. In seinem faltigen Gesicht stand eine unheimliche Sorge eingebrannt. Seine Lippen bebten verhalten. Er sah von John, der ihn still beobachtete, schnell fort, als wollte er seine Depression verbergen, rasselte dann über die Schulter: „Es geht mir auch um meine Tochter, John! Darum wünsche ich, dass du mit Asa Lewis auszukommen versuchst. Das ist eine Bitte von Mensch zu Mensch, von Freund zu Freund."

Die Grauaugen Jeffersons flackerten nicht mehr, die alte Härte lag wieder darin, der alte, wilde Trotz, die ungebrochene Energie eines Mannes, der an seine Aufgabe glaubt, der nicht von seinen Gefühlen hin her gerissen wird, der nicht erst groß über Probleme nachgrübelt, der mit beiden Beinen fest auf der Erde steht. Ein fanatischer Anhänger der Idee der jungen Nation, die sich einen Platz an der Sonne erkämpfen musste.

Oh, yeah, Männer seiner Art bauten Brücken, Tunnels, legten Schienen. In ihrem Leben herrschten die nüchternen Zahlen, die Akten, die Zeichnungen. Sie planten, kommandierten und bauten. Sie waren erfüllt von der Unrast der Zeit, dem Gedröhn der Hämmer, dem bitteren Rhythmus der Arbeit.

Sie standen an der vordersten Front der Arbeit, konnten jederzeit die Schaufel, die Spitzhacke mit dem Gewehr vertauschen. Sie stemmten sich gegen Tod und Hölle.

So war auch Jefferson. So war er schon fünf Jahre lang hindurch. In diesem Augenblick aber schien die erste weiche Regung über sein strenges Gesicht hinwegzuhuschen.

„Du hast gute Freunde bei dem verschollenen Zug gehabt, John. Ich begreife deine innere Erregung und verstehe auch, weshalb du allein sein willst, aber mir zuliebe verzichte darauf und reite mit Asa Lewis."

Wortlos drehte sich John um und ging. Asa Lewis schaute nicht einmal auf, als er quer durch das Büro zur Tür stapfte. Jefferson starrte hinter ihm drein und John fühlte den Blick in seinem Rücken.

Draußen tobte der Schneesturm heftiger als zuvor. Er sprang ihn an wie ein wildes Tier, verschlug ihm fast den Atem, riss ihm die Tür aus der Hand und schmetterte sie hinter John zu.

Schon nach wenigen Schritten stand John im Dunkeln. Der dicht fallende Schnee verschluckte das Licht der Karbidlampe.

Kniehoch lag der Schnee. John tastete sich an einer Barackenwand entlang, überquerte den Platz, auf dem die Holzfäller die Bohlenschwellen für die Schienen herstellten und trat wenig später durch die Tür einer niedrigen Baracke.

Er zog die Tür hinter sich zu und schaute zu den bärtigen, wild aussehenden Männern hin, die in Qualmwolken gehüllt Karten spielten oder auf ihren Pritschen lagen.

Sie saßen im Overall und mit aufgekrempelten Ärmeln. Schweiß- und Modergeruch mischte sich mit dem scharfen Whiskygestank und dem Tabaksqualm. Ihre Pelzsachen hingen, an Leinen aufgehängt, rings um den mitten im Raume stehenden Kanonenofen, dessen Eisenwände hochrot vor Überhitzung glühten, als wolle er jeden Augenblick auseinanderplatzen.

Das war für John Brown ein gewohntes Bild. Jahrelang hatte er es schon gesehen, jahrelang hatte er es in sich hineingeschluckt, hatte mit diesen Männern, die doch todmüde von der harten Arbeit sein mussten den Raum geteilt und mit ihnen gelebt.

„Heh, John, schon zurück von der Wache?" Einer hatte ihn an der Tür entdeckt und sprach es laut aus.

Plötzlich herrschte Ruhe im Raume, reckten die Männer die Hälse und drehten die Köpfe.

„Nachrichten vom Proviant- und Löhnungszug?", schnappte irgendeine Stimme aus der Tiefe des Raumes. Sie sprach das aus, was in allen Gesichtern, was in allen Augen stand, die bange Erwartung, ein Anklammern an das schier unmöglich Scheinende.

Sie schauten ihn an, gespannt, verzweifelt fast. Andere wieder blickten hart und kalt, als hätten sie bereits das Gruseln verlernt, als hätte der harte Winter sie innerlich ausgelaugt und alle Gefühle in ihnen erstickt. Oh, yeah, alle diese Männer waren Einzelwesen, Individuen, alle lebten ein Einzelleben, und daran änderte auch nichts, dass die „Union Pacific" sie in der Arbeit und im Kampfe zusammengeschweißt hatte, änderte auch nichts daran, dass sie jetzt, in diesem Augenblick, einmütig wirkten in der Hoffnung, etwas Positives zu erfahren.

„Nichts Neues, ihr Männer!"

„Der Scout hat keine Nachricht gebracht?, schrillte es heiser zurück. Es war wie ein Aufschrei aus tiefster Not. „Heilige Madonna, bei dem Proviantzuge war mein Bruder Jim!

„Andy, Jim war auch mir ein guter Freund."

„Davon hat er jetzt nichts mehr. Verdammt sei das Camp, die Gesellschaft, die 'Union Pacific'!" Erstickt schwieg die Stimme, und der Mann, dem sie gehörte, sank mit einem bitteren Seufzer auf seine Lagerstatt zurück, schien resigniert und verzweifelt.

Die Männer starrten John an, feindlich, bösartig, als wäre er, der Überbringer der schlechten Nachricht, schuld an allem.

„Und was wird nun?"

„Asa Lewis, der Scout, wurde vom Hauptcamp nach hier geschickt, um sich zu erkundigen, ob wir nicht trotz des Schneetreibens den Zug zurückschicken könnten."

„Allmächtiger, sie wissen dort hinten nicht, dass der Zug hier nicht angekommen ist? Sie haben keinen Hilfszug losgeschickt? Oh, diese Pfeffersäcke sind weit ab vom Schuss! Was bilden sich diese Narren nur ein?"

„So lange das Schicksal des verschollenen Zuges noch ungewiss ist, wäre es äußerst gefährlich, auf der eingleisigen Strecke einen Hilfszug abfahren zu lassen. Im Hauptcamp müssen sie damit rechnen, dass die Züge zusammenstoßen können. Sie müssen ferner damit rechnen, dass dem zweiten Zuge dasselbe Los zuteil werden kann wie dem ersten, dass er entgleisen oder in einer Schneewehe stecken bleiben kann/'

„In einer Schneewehe stecken geblieben? Hölle, John, wollte Gott, dass das Letztere den Zug aufgehalten hat, dann wäre ja noch Hoffnung! Ich kann mich erinnern, ihr Männer, dass vor drei Jahren einmal ein Zug in einer Büffelherde fünf Tage lang stecken blieb. Damals hatten wir auch bereits alle Hoffnung verloren, und gerade, als sich Jefferson entschloss, trotz der lauernden Redmen-Gefahr das Camp abzubrechen, kam unser Dampfross vergnügt angefaucht und hatte so viele Büffel geladen, dass uns hinterher fast die Bäuche von all dem Fleisch geplatzt sind."

Die Spannung wich für wenige Augenblicke von vielen der bärtigen, eingefallenen Gesichtern. Einer lachte sogar, aber es war ein freudloses, geisterhaftes Lachen.

„Es müsste sich ein Mann finden, der durch die Blizzardhölle reitet", sagte einer.

Sofort brachen die Stimmen ab, reckten sich die Männer höher. Betretenes Schweigen breitete sich aus, in der die abgerissenen Atemzüge der Männer standen.

Plötzlich knurrte einer bissig: „Wer wird schon durch diese Hölle gehen wollen? Nicht einmal einem Wolf ist das zuzumuten, Gents."

„Es kann nicht viel schlimmer sein als das, was Jefferson von uns verlangt, fauchte ein rothaariger Hüne böse. „Oder solltet ihr noch nicht wissen, dass er die Absicht hat, trotz des Blizzards die Arbeit weiter durchzuführen?

Das Schweigen ringsum vertiefte sich. Es schien, als hätte jemand eine Dynamitbombe angekündigt, die jeden Moment mitten im Raume hochgehen konnte.

„Damny, dann soll er seinen Mist allein machen!, fauchte ein kleiner Kerl, wobei er seinen Kaugummi zur Seite spuckte und feindlich in die Runde sah. „Dann hau ich ab!

„Durch den Blizzard, Dicky?, kicherte sein Nachbar, der Hüne. „Schon hinter der letzten Hausecke hängt dir ein so großer Eiszapfen an der Nase, dass er dich vornüberzieht und du in den Schnee fällst. Es bleibt dir wohl nichts anderes übrig, als deinen Vertrag zu halten, hierzubleiben, zu arbeiten bis zum Verrecken. Wenn einer einen Grund hätte zu reiten, dann wäre es Andy, damit er weiß, wo sein Bruder Jim geblieben ist. Andy hat aber eine Lungenentzündung und Frost in den Beinen. Er dürfte nicht weit kommen. Keiner von uns würde weit kommen, Gents. Bei diesem Wetter könnte sich niemand lange auf einem Pferde halten. Wir sind Arbeiter, aber keine Reiter, und das weiß Jefferson. Er weiß aber auch, dass wir hart genug sind, um im Blizzard arbeiten zu können. Er wird Schneefänger anfertigen und von den Holzfällern aufstellen lassen, genau wie im vorigen Winter. Er wird Feuer längs der Strecke anlegen lassen, damit uns nicht vor Kälte das Werkzeug aus den Händen fällt und wir die steif gefrorenen Glieder ab und zu auftauen können. Gents, wir sitzen in einer Klemme, und wahrhaftig, ich möchte nicht in Jeffersons Haut stecken. Vielleicht findet er einen Freiwilligen, einen Narren, einen Lebensmüden.

„Ich hoffe, dass du das zurücknimmst", meldete sich John, der bereits das bereitstehende Essen hastig heruntergeschlungen, seine Habseligkeiten in ein Bündel gepackt und sich seine Decken über die Schulter geworfen hatte, so laut, dass der rothaarige Hüne wie unter einem Peitschenschlag zurückprallte und seine Augen aus den Höhlen traten, dass er schwerfällig aufstand und seine haarigen Arme nach einer Stuhllehne ausstreckte, die er mit einem langen Atemzug so fest mit den Fingern umkrallte, als wollte er sie in Stücke reißen.

„Mit anderen Worten: Jefferson hat den Mann bereits gefunden?"

„Ich denke, ich habe mich klar genug ausgedrückt, Bob, klang es aufreizend ruhig zurück. „Nimmst du den Narren zurück?

„By Gosh, John, jeden anderen, der den Ritt wagen würde, müsste ich für einen Narren halten, nur dich nicht", grollte der Hüne heraus. Er ließ die Stuhllehne los, atmete schwer. Hölle, jeder im Camp kannte John Brown, den Scout und Jäger, und sie alle hatten schon einmal erlebt, wie schnell er die Eisen handhaben und mit den Fäusten umgehen konnte. Sie alle hielten John für einen gefährlichen Mann, der nur mit äußerster Vorsicht anzufassen war.

Fast schwarz wirkte die fettige Hirschlederkleidung, deren Fell nach innen gekehrt war. Der Rauch vieler Lagerfeuer hatte seine Pelzkappe gegerbt, schien auch seine Haut lederfarbig gefärbt zu haben. Wenn, man ihn betrachtete, glaubte man einen Prärieindianer zu sehen, athletisch und knochig gebaut, breit in den Schultern, schmal in den Hüften. Nur die seltsam hellen Grauaugen passten nicht zu einem Redman. Sie stachen gleich Flammen aus seinem Gesicht, hart, unnachgiebig, so hell, als brannten sie durch einen Menschen hindurch. Sein schwarzes, strähniges Haar quoll unter seiner Kappe hervor.

Nur einen Herzschlag lang blickte er den rothaarigen Hünen an, dann packte er sein Bündel fester, drehte sich herum und ging. Niemand hielt ihn auf, niemand hielt ihn zurück. Das Schweigen blieb hinter ihm, ein seltsames Schweigen, das nur ein überragender Mann zurücklassen kann. Es war, als hätte der Eishauch des Blizzards die Männer gestreift und zu Statuen gemacht.

„Gott stehe ihm bei, flüsterte Andy mit heiserer Stimme von der Lagerstatt her. „Er geht zu meinem Bruder Jim!

2.

Der Blizzard fiel von neuem über John her, sobald er die Hütte verlassen hatte. Schon seit Tagen wütete der Sturm, brachte Eis und Schnee, eisige Kälte, die fast das Blut in den Adern gefrieren ließ. Der weiße Tod grinste aus dem Dunkel der Nacht. Es war, als habe er rings um das Camp, schon wenige Schritte entfernt, alles Leben ausgelöscht. Unmöglich schien die Vorstellung, dass bei solcher Witterung Redmen durch das Land streiften, auf ihren klapperdürren Ponys, getrieben von dem Hass gegen den weißen Mann.

Verschwommen zeichneten sich im Schneetreiben die Palisaden ab, die rings um das Bahnarbeitercamp standen, es gegen feindliche Überfälle schützen sollten. Geduckt unter ihrer Schneelast standen Schuppen und Corrals.

Der Schnee knirschte unter Johns Stiefeln, und in seinem Bart fror der aufgetaute Schnee zu einer glitzernden Eiskruste. Am Schuppen vier traf er auf Jefferson, der ihn bereits erwartete.

„Ich habe dir das beste Pferd gesattelt und gezäumt, John. Auf deinem Ritt kann nur das ausdauerndste und schnellste Pferd gut genug sein. Asa Lewis ist auch schon startbereit. Es tut mir leid, dass ich euch keinen Whisky mitgeben kann. Der letzte Vorrat ist gestern ausgegeben worden. Hier sind die Briefe, John."

Jefferson langte mit seinen Handschuhen unter die Pelzjacke, holte die Briefe hervor. John nahm sie entgegen, verstaute sie sorgfältig, wobei er zu der dunklen Gestalt hinsah, die im Eingang des Schuppens stand und zwei Pferde an den Zügeln hielt.

Hoch aufgerichtet, drahtig stand die Gestalt im Eingang, in einer Haltung, die darauf hindeutete, dass dieser Mann eher gewohnt war, Befehle zu geben, als Befehle anzunehmen. In seiner fleckigen Fellkleidung wirkte er in der Dunkelheit noch düsterer.

„Asa reitet sein eigenes Pferd zurück, erklärte Jefferson. „Er hat auf Ersatz verzichtet und wollte es nicht gegen ein ausgeruhtes Pferd umtauschen. Schau nur hin, es hat keine unbeschlagenen Hufe wie du angenommen hast, John. Es ist ein gutes, starkes Pferd der Gesellschaft, für die wir arbeiten. Es trägt den Brand der Gesellschaft an seinen Flanken, genauso wie der Falbe, den ich dir gesattelt habe.

„Fünf Jahre 'Union Pacific' sollten dich misstrauischer gemacht haben, Dan, schnappte John leise zurück. „Asa Lewis wird sicherlich nicht an den Christengott glauben, sondern an Wakan Tanka, den Großen Geist, und vielleicht gehört er dem Oyate Asiyu, dem obersten Rat der sieben verbündeten Siouxstämme an, gewiss aber irgendeinem besonderen Bund der Sioux. Krieger seiner Art sind schlau wie Füchse, waghalsig und mutig bis zur Selbstvernichtung.

John Brown brach ab. Jefferson sah ihn fest an. Seine Augen schimmerten seltsam. John erwiderte seinen Blick, und dann gaben sich die Männer die Hand zu einem festen Druck, wie Freunde, wenn sie Abschied nehmen.

„Gott möge dir helfen!", murmelte Jefferson. Noch nie hatte er sich so verabschiedet. Die ganze Schwere der Verantwortung für dieses Camp lag in seinen Worten, die Sorgen, die auf ihm lasteten, die Hoffnung auf ein gutes Gelingen von Johns Ritt durch Schnee und Eis.

John ließ Dan Jefferson stehen, ging auf Asa Lewis zu und nahm ihm die Zügel seines Falben aus der Hand, schnallte seinen Beutel und seine Decken hinter dem Sattel fest, führte das Reittier aus dem Schuppen ins Freie hinaus und schwang sich auf.

„Hopo, gehen wir!", kam es über seine Lippen. Er beobachtete Asa Lewis scharf, aber dessen Gesicht blieb unbewegt, wirkte wie aus dunklem Granit gehauen. Er ließ sich nicht durch die Siouxworte aus seiner Ruhe bringen, sondern trieb seinen Dunkelbraunen mit leisem Zuruf und verstärktem Schenkeldruck neben Johns Falben. Nebeneinander ritten sie an Jefferson vorbei. Der Ingenieur blieb im Schneetreiben zurück.

Die Pferde stampften durch den Schnee zu dem Palisadentor hin. Es wurde vor den Reitern geöffnet. Auch hier hatte Jefferson bereits vorgesorgt.

Von den beiden Posten sprach niemand. Es war, als ob der Ritt der beiden in den Blizzard hinaus ihnen den Atem verschlüge. „Ho, hepp ...!", gellte es ihnen entgegen. Zwei Männer trieben ihre Pferde durch das Tor, um wie Schatten im Schneetreiben zu verschwinden.

By Gosh, yeah, gewiss wären zwei weniger erfahrene Reiter schon nach kurzem Ritt auseinandergekommen, um sich nicht mehr zu begegnen. Nicht so die beiden. Ihnen schien das Heulen und Brausen, das gellende Lachen des Windes nichts auszumachen. Sie ließen sich auch nicht durch den Schnee beirren, der auf sie einstürmte, als wollte er sie aus den Sätteln fegen. Weit vornübergeneigt lagen sie auf den Pferden, an deren Mähnen und Schweifhaaren der Wind riss.

Zwei vermummte Gestalten, Gespensterreiter, im Nu steif gefroren von der Kälte und dem gnadenlosen Wind. Ihre Pferde trieben wie Nussschalen auf einem bewegten Ozean dahin, stemmten sich vorwärts, immer weiter, ließen die Meilen zurück.

Asa Lewis klebte an Johns rechter Seite, wie ein Schatten seines eigenen Ichs, der sich weder lösen noch trennen konnte.

Vor den Männern schien sich eine grauenvolle Ewigkeit aufzutun. Mit jeder Meile mehr wurden ihre Beine in den Stiefeln gefühlloser und das Wenige der Gesichtshaut, das dem Schneetreiben schutzlos preisgegeben war, brannte und stach nicht mehr, als ob tausend Nadeln ins Fleisch drangen, sondern wurde wie leblos.

In dieser Höllenacht musste man nicht nur Reiter sein, sondern man musste auch einen Instinkt für die Richtung haben, in die der Ritt ging, denn nirgendwo im unheimlichen Grau, das in eisigen Wirbeln um sie fegte, das über und unter ihnen war, gab es eine Richtung.

Der Schienenstrang? Der war verweht und lag unter hohen Schneemassen begraben. Er kam als Richtungsweiser nicht in Frage, seine Bohlen und Schwellen lagen tief unter dem Schnee. Verschwunden war auch das letzte Licht vom Camp, und geblieben war nur die unheimliche Einsamkeit, war die Hölle, der Ritt durch die Nacht.

John überlegte, weshalb wohl sein Begleiter zum Camp gekommen war. Hatte er etwa den Ritt durch die Eishölle nur deshalb gewagt, um Jefferson aufzufordern, den Hilfszug nicht zurückzuhalten?

Hölle, da stimmte etwas nicht! Drüben im Hauptcamp würden sie gewiss über die Wetterlage genau informiert sein. Sie glaubten sicher, dass der Hilfszug durchgekommen war und würden abwarten. Nicht aber jene Burschen, die den Coup auf den Hilfszug gestartet hatten. Vielleicht wollten sie wissen, wann sie mit einem Vergeltungsakt zu rechnen hatten, wollten wissen, was man zu tun gedachte und schleppten inzwischen von dem überfallenen Zug fort, was sie nur konnten.

Möglich war es auch, dass das Hauptcamp aber doch durch irgendeinen Umstand über den Verbleib des Hilfszuges beunruhigt war und einen Suchtrupp losgeschickt hatte. Die Kerle hatten davon Wind bekommen und wollten jetzt wissen, ob dieser Suchtrupp von irgendeiner Seite noch Unterstützungen erhielt. Wenn es so war, dann waren jene braven Burschen des Suchtrupps, die jetzt durch den Blizzard ritten, in höchster Gefahr. Vielleicht waren es Blauröcke. Truppen, die die Gesellschaft angefordert hatte, Männer, die in den Kampf ziehen mussten, ob es ihnen passte oder nicht, die gewohnt waren, alles Persönliche zurückzustellen und einem Befehl auf Biegen und Brechen zu gehorchen.

John glaubte ersticken zu müssen. Der Zorn wallte in ihm auf. Ah, yeah, dieser Asa Lewis war verschlagen genug, um für eine Horde roter Teufel die nötigen Spionagedienste zu leasten. Asa Lewis, oder wie der rote Gent sonst heißen mochte, wusste nun, dass Jefferson festsaß und sich nicht heraustraute.

Johns Augen richteten sich auf seinen Begleiter, saugten sich fest an seiner hageren Reitergestalt. Gewiss wusste Asa Lewis längst mehr als er, John Brown, viel mehr. Vielleicht kannte er die Stärke des Trupps, der vom Hauptcamp losgezogen war, und vielleicht hatte er sich bereits mit „Roter Wolke" oder irgendeinem anderen der roten Häuptlinge die Chancen eines Überfalles auf den Suchtrupp klar ausgemalt.

By Gosh, es war nicht das erste Mal, dass das Hauptquartier der Gesellschaft Truppen zur Unterstützung der „Union Pacific" anforderte. Je länger John über seine Vermutungen nachdachte, die erst vage und unklar waren, dann aber feste Formen annahmen, umso sicherer wurde er, dass er sich nicht irrte. Er kannte die Art der Roten, hatte selbst lange Jahre unter ihnen gelebt.

Er konnte es sich fast plastisch vorstellen, wie die Zusammenhänge waren, und das nicht nur, weil er die Redmen kannte, sondern weil fünf nervenaufreibende, kampferfüllte Jahre bei der „Union Pacific" besonders gute Lehrmeister waren.

Wie eine Vision stand es vor Browns Augen. Die Roten hatten den Zug entgleisen lassen und waren gewiss über ihn wie die Insekten über ein Aas hergefallen, mordend und plündernd. Ihr Kriegsgeschrei hatte das Krachen der Winchester übertönt, deren Besitzer sich verzweifelt gegen die Übermacht wehrten und mit fliegenden Fahnen untergingen. Mann um Mann, jeder starb allein, jeder auf eine andere Art. Jedes Paar brechender Augen nahm ein anderes schreckliches Bild mit in die andere Welt, die jenseits von Gut und Böse liegt.

Den Toten aber tat das entsetzliche Zeichen, das die Sioux nach dem Kampf den Gefallenen gaben, nicht mehr weh. Jeder Redmen-Stamm hatte ein besonderes Zeichen. Aber allen gemeinsam war die Jagd nach dem Skalp, dem Kopfhaar, der Siegestrophäe.

Welcher Stamm den Zug auch immer überfallen haben mochte, er war gewiss noch in der Nähe des Tatortes, angefeuert von seinen Medizinmännern, die noch größere Beute, noch mehr Skalps den Kriegern versprachen. Der Himmel oder die Hölle mochten wissen, woher die roten Teufel wussten, dass das Hauptcamp Kavallerie entsandt hatte.

Johns Zähne knirschten hart aufeinander. Die Jahre, die er unter dem schrecklichsten der Stämme der Sioux, den Hunkpapas, verbracht hatte, hatten ihn auch gelehrt, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gab, die man nicht entschleiern konnte. Man sagt, dass die Hochprärieindianer ein Ohr offen haben für die Schwingungen der Ferne, ein Auge offen für die Geister der Nacht.

Heiden nannte man sie, weil sie mit den Fingern aßen und weil ihre heidnischen Sitten und Gebräuche manchmal grausam waren. Er kannte die Redmen besser. Er betrachtete sie nicht als Freiwild, wie es viele weiße Männer taten, die keinen Unterschied kannten zwischen Grizzlys, Pumas und Redmen. Für ihn waren sie Menschen, großen Kindern ähnlich, stolz und treu, tapfer und auch verschlagen. Ein Hochprärieindianer nahm keine Befehle an, er handelte nach eigenem Ermessen. Ein Redman konnte eine Schlacht oder einen Jagdzug verlassen, wann es ihm passte. Er beugte sich keinem Despoten, blieb stets Herr seiner selbst.

Die Redmen waren aber auch rangstolz und ehrten ihre Toten. Sie hatten Achtung vor den Älteren und putzten sich auf heidnische Art manchmal so grell heraus, dass der Anblick wehenden Federschmucks, bewimpelter Lanzen und geschmückter Ponys einem den Atem verschlagen konnte.

Die Redmen hatten dem Vormarsch des Schienenstranges noch nicht ihre geballte Kraft entgegengesetzt. Sie kämpften zersplittert in Horden, immer nur dann, wenn ein besonders redegewandter Häuptling die Krieger aufwiegeln konnte. Allein schon diese Überfälle störten beträchtlich und waren äußerst hart und grausam. Noch hatte sich kein großer Häuptling gefunden, der alle Stämme vereinte. Noch konnten die Scheinverträge der Regierung sie hinhalten und nur einzelnen Redmen-Führern blieb der Angriff überlassen.

„Go on ...!", fauchte John. Die Worte riss ihm der Blizzard vom Munde. Dennoch schien ihn der Falbe gehört zu haben, stemmte sich schneller gegen den Sturm. Auch das Pferd seines Begleiters wurde sogleich eifriger, als hätte Asa Lewis die Worte aufgefangen und sie seinem Tier übermittelt.

Um Mitternacht ließ das heftige Schneetreiben nach. Später fielen nur noch vereinzelte Flocken vom Himmel. Rechts und links sah man die verschwommenen Konturen der Wälder, sah man Bäume, die unter der Schneelast zusammenzubrechen drohten. Nach einer Stunde weiteren Ritts kam der Mond hinter grauen, schnell dahinsegelnden Wolken hervor. Der Sturm ließ nach, und es sah aus, als wollte er eine Atempause machen, in der man das Geheul streifender Wölfe aus der Ferne hörte.

Es störte die beiden Reiter nicht, war ihnen nichts Neues. Beiden waren die grauen Reißer der Wälder und der Prärie nichts Unbekanntes mehr. Sicher hatte sich ein Rudel zusammengetan, um gemeinsam zu jagen. Das war ein Naturgesetz, dem sich auch die Menschen beugten. Auch sie schlossen sich zu Horden zusammen, um zu jagen.

Nach etwa zwanzig Meilen hielten sie wortlos im Schutz einer Felsenwand an, warfen sich von ihren Pferden, um sich die Füße warm zu treten und um das Blut durch die steif gefrorenen Finger zirkulieren zu lassen.

Sie stampften im Kreise herum, rieben sich die Hände. Zwei Männer in einem grotesken Tanz, so schien es, und doch war dieser Tanz notwendig, war eine Vorbeugung gegen die Kälte, die immer tiefer in ihre Körper drang wie schleichendes Gift. So eine Gefahr durfte man nicht unterschätzen. Als John Brown vor Jahren noch als Cowboy hinter Rindern geritten war, hatte er einmal in einem Blizzard erlebt, wie einige Cowboys tot aus dem Sattel fielen. Erfroren, weil sie versäumt hatten, ihr Blut in Wallung zu halten.

Es brannte und schmerzte zwar, aber es war das beste Zeichen, dass alles wieder in Ordnung kam. Ah, es war so kalt, dass ihr Atem in kleinen Schneeflöckchen niederfiel, so kalt, dass, wenn sie mit der nackten Hand Eisen berührt hätten, die Haut in Fetzen daran hängen geblieben wäre.

Die Kälte aber war es auch, die sie wieder weitertrieb, wieder auf den Trail brachte und keine lange Rast zuließ. Mühsam stampften die Pferde vorwärts. Schneewehen hielten sie auf oder vereiste Stellen, Dickichte und Gesträuch standen hindernd im Wege.

Weiter, immer weiter. Wie von einer Unrast getrieben, so ritten sie. Jetzt hätten sie sich unterhalten können, wenn nicht die Kälte gewesen wäre. Die Gefahr einer Unterhaltung war zu groß. Im Augenblick hätte der Tod einschreiten und sie aus dem Sattel werfen können.

Weiter! Meile um Meile, bis der Morgen graute und mit ihm die graue Decke am Himmel sich so tief senkte, dass sie die Bergspitzen einhüllte, fast die Erde berührte.

Da erst schwächte die Kälte ab. Sie schien sich durch ein gelbes, bizarr verfranstes Loch in der Wolkendecke in höhere Regionen zurückgezogen zu haben.

Beide Männer starrten zu diesem Loch hin, das wie das böse Auge eines Dämonen zu ihnen niederblickte und in seiner schwefelgelben hässlichen Färbung nichts Gutes verhieß.

„Woyuonihan", murmelte John, wobei ihm ein kalter Schauer über den Rücken lief.

„Du grüßt den bösen Geist, Bruder?"

Dass Asa Lewis „Bruder" sagte, machte deutlich, dass er seine indianische Abstammung nicht verleugnete, und zeigte klar, dass auch er nach dem langen Schweigen froh darüber war, die eigene Stimme zu hören.

Jetzt konnte man sprechen, ohne Gefahr zu laufen, dass die Atmungsorgane geschädigt wurden. Jetzt konnte man wieder reden.

„Die Sioux glauben, durch ein gutes Wort den bösen Geist beschwichtigen zu können, da du es nicht getan hast, habe ich es getan", antwortete John Brown.

Sein Begleiter zuckte mit keiner Wimper, nickte nur still vor sich hin, spähte an John vorbei, als suchten seine Augen etwas.

Wenige Augenblicke später, als der Wolkendunst aufriss, sah es auch John, sah den Rauch, der trichterförmig in kurzen Intervallen auftrieb und sofort wieder vom Wind zerfetzt wurde.

Bevor er seiner Überraschung Herr werden und etwas sagen konnte, hörte er Asa Lewis tiefe Stimme:

„Das dort gefällt mir nicht, Bruder. Von allen Zeichen, die ein Scout deuten soll, ist das dort das schlimmste, Redmen auf dem Kriegspfad. Wir werden sehr vorsichtig reiten müssen, Bruder. Um diese Jahreszeit sind die Roten wie ausgehungert und fallen jede Beute an. Ändern wir unsere Richtung!"

Das war ein vernünftiger Vorschlag, und zum ersten Mal schien John geschlagen zu sein. Jefferson hatte anscheinend recht. Sein Begleiter würde niemals einen solchen Vorschlag gemacht haben, wenn er ein echter Sioux gewesen wäre.

Die dunklen Perlaugen sahen gleichmütig in die Ferne, in der die Rauchzeichen noch immer deutlich sichtbar waren. Graugelb, giftig wie die Öffnung in der Wolkendecke, war der Rauch. Der Standort des Feuers war schwer in der diesigen Sicht zu schätzen.

Er konnte zehn oder auch zwanzig Meilen entfernt liegen.

„Wir reiten genau darauf zu, Asa, bestimmte John. „Aber es steht dir frei, deine eigene Richtung zu wählen. Ich für meinen Teil habe keine Zeit zu verlieren.

Asa Lewis nickte nur und sagte gleichmütig: „Hopo, reiten wir. Der Tag bricht an, Bruder, und es ist wärmer geworden."

In der Tat, die schreckliche Kälte war wie fortgewischt. Das gefährlich drohende, gelbe Loch in der Wolkendecke hatte sich wider Erwarten geschlossen, war nicht aufgerissen zu neuem, gewaltigem Sturm, zum Schreckhauch, der Mensch und Tier in den Tod fegen konnte. Das Loch hatte sich geschlossen, als hätte ein gütiger Geist mit den beiden einsamen Reitern dort unten auf der Erde ein Einsehen. Gleichzeitig verdeckten aber die ziehenden Wolken auch die Rauchzeichen in der Ferne. Die graue Einsamkeit der Dämmerung wurde von schwarz starrenden, gewaltigen Tannenbeständen unterbrochen. Als das Licht heller wurde, lag um die beiden Reiter eine Welt in Schwarz und Weiß, eine seltsam verwunschene Welt, vom Leichentuch des Winters bedeckt.

Um die Mittagszeit hielten sie an einem zugefrorenen Weiher im Schutze eines verschneiten Dickichts an. Hier schnallten sie die mitgeführten Futtersäcke ab und banden sie den Pferden um. Wieder vertraten sie sich die Beine und aßen von dem wenigen Trockenproviant, den sie in den Satteltaschen mit sich führten.

Eine heiße Elchfährte zeigte sich dicht am Campplatz. John juckte es in den Fingern, und die Vorstellung eines saftigen Bratens machte ihm den Mund wässerig. Er zwang sich dazu, diese Vorstellung aus dem Gedächtnis zu bannen. By Gosh, es war nicht daran zu denken, eine Jagd zu starten. Der Elch mochte leben, so lange ihn noch die Wölfe in Ruhe ließen, denn Wolfsspuren sahen sie überall.

Als die Männer nach der kurzen Rastpause gestärkt aufbrachen, fing es wieder in kurzen Intervallen zu schneien an. Dickflockiger Schnee fiel vom Himmel und sperrte die Sicht bis auf eine Meile in der Runde. Wacker hielten sich die Pferde. Manchmal sanken ihre Hufe tief in den Schnee ein, dann wiederum bewegten sie sich über verharschte Schneekrusten, die das Gewicht von Reitern und Pferden aushielten, aber gefährlich schwankten. Dort, wo die Eisfelder in blitzender tückischer Art schimmerten, machten die Reiter Umwege.

Asa Lewis ritt voran, hielt es schon vom Morgengrauen an so. Er ritt düster und verschlossen in seine Pelze gehüllt, hing vornübergeneigt im Sattel und seine schmal gekniffenen Augen suchten

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