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Sammelband 4 Mitternachts-Thriller: Geliebte Dämonen
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eBook612 Seiten5 Stunden

Sammelband 4 Mitternachts-Thriller: Geliebte Dämonen

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Über dieses E-Book

Sammelband 4 Mitternachts-Thriller: Geliebte Dämonen

von Alfred Bekker und Jan Gardemann

Drei dramatische Romantic Thriller in einem Band: Dunkle Geheimnisse, übernatürliche Bedrohungen, mysteriöse Begebenheiten - und eine Liebe, die sich dem Grauen widersetzt. Darum geht in diesen packenden romantischen Spannungsromanen.

Dieses Buch enthält folgende Romane:

DAS EISKASTELL: Eine Gruppe von Wissenschaftlern bricht zur Erkundung eines mysteriösen Gebäudes, verborgen unter dem Eis der Westantarktis, auf. Doch keiner von ihnen hätte geahnt, welche Gefahren dort lauern. Als schließlich zwei Frauen vermisst werden, stellt sich die Amulettforscherin Brenda Logan der Gefahr und begibt sich in die geheimnisvollen Gemäuer...

JÄGERIN DER DÄMONEN: Die übersinnlich begabte Patricia Vanhelsing und ihr mysteriöser Gefährte Tom Hamilton sind auf der Spur grausamer Walddämonen...

DEIN ALBTRAUM WIRD ZUR WIRKLICHKEIT: Linda wird von Albträumen geplagt, in denen sie von einer Gestalt in eine Burgruine gehetzt wird. Ist sie nur überarbeitetet oder schon dem Wahnsinn nahe? Als sie dann dieselbe Burgruine auf einem Reiseprospekt entdeckt und sie ihren scheinbar grundlosen Ängsten auf den Grund zu gehen versucht, wird ihr Albtraum zur Wirklichkeit...

JÄGERIN DER MAGISCHEN WINDE: Ihr Name ist Jarmila, und sie gebietet mit magischen Kräften über die Winde, die unter dem Einfluss der Sturmhexe zu einer tödlichen Waffe werden. Aber Patricia Vanhelsing und Tom Hamilton treten den Mächten der Finsternis entgegen.

SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum2. Juli 2019
ISBN9781386256083
Sammelband 4 Mitternachts-Thriller: Geliebte Dämonen
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Autor

Alfred Bekker

Über Alfred Bekker: Wenn ein Junge den Namen „Der die Elben versteht“ (Alfred) erhält und in einem Jahr des Drachen (1964) an einem Sonntag geboren wird, ist sein Schicksal vorherbestimmt: Er muss Fantasy-Autor werden!  Dass er später ein bislang über 30 Bücher umfassendes Fantasy-Universum um  “Das Reich der Elben” schuf, erscheint da nur logisch. Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten und wurde Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen.   Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', ‘Ragnar der Wikinger’,  'Da Vincis Fälle - die mysteriösen Abenteuer des jungen Leonardo’', 'Elbenkinder', 'Die wilden Orks', ‘Zwergenkinder’, ‘Elvany’, ‘Fußball-Internat’, ‘Mein Freund Tutenchamun’, ‘Drachenkinder’ und andere mehr  entwickelte. Seine Fantasy-Zyklen um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' ,die 'Gorian'-Trilogie, und die Halblinge-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt.  Alfred Bekker benutzte auch die Pseudonyme Neal Chadwick,  Henry Rohmer, Adrian Leschek, Brian Carisi, Leslie Garber, Robert Gruber, Chris Heller und Jack Raymond. Als Janet Farell verfasste er die meisten Romane der romantischen Gruselserie Jessica Bannister. Historische Romane schrieb er unter den Namen Jonas Herlin und Conny Walden.  Einige Gruselromane für Teenager verfasste er als John Devlin. Seine Romane erschienen u.a. bei Lyx, Blanvalet, BVK, Goldmann,, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt., darunter Englisch, Niederländisch, Dänisch, Türkisch, Indonesisch, Polnisch, Vietnamesisch, Finnisch, Bulgarisch und Polnisch.

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    Buchvorschau

    Sammelband 4 Mitternachts-Thriller - Alfred Bekker

    Sammelband 4 Romantic Thriller: Geliebte Dämonen

    von Alfred Bekker und Jan Gardemann

    DREI DRAMATISCHE ROMANTIC Thriller in einem Band: Dunkle Geheimnisse, übernatürliche Bedrohungen, mysteriöse Begebenheiten - und eine Liebe, die sich dem Grauen widersetzt. Darum geht in diesen packenden romantischen Spannungsromanen.

    Dieses Buch enthält folgende Romane:

    DAS EISKASTELL: Eine Gruppe von Wissenschaftlern bricht zur Erkundung eines mysteriösen Gebäudes, verborgen unter dem Eis der Westantarktis, auf. Doch keiner von ihnen hätte geahnt, welche Gefahren dort lauern. Als schließlich zwei Frauen vermisst werden, stellt sich die Amulettforscherin Brenda Logan der Gefahr und begibt sich in die geheimnisvollen Gemäuer...

    JÄGERIN DER DÄMONEN: Die übersinnlich begabte Patricia Vanhelsing und ihr mysteriöser Gefährte Tom Hamilton sind auf der Spur grausamer Walddämonen...

    DEIN ALBTRAUM WIRD ZUR WIRKLICHKEIT: Linda wird von Albträumen geplagt, in denen sie von einer Gestalt in eine Burgruine gehetzt wird. Ist sie nur überarbeitetet oder schon dem Wahnsinn nahe? Als sie dann dieselbe Burgruine auf einem Reiseprospekt entdeckt und sie ihren scheinbar grundlosen Ängsten auf den Grund zu gehen versucht, wird ihr Albtraum zur Wirklichkeit...

    JÄGERIN DER MAGISCHEN WINDE: Ihr Name ist Jarmila, und sie gebietet mit magischen Kräften über die Winde, die unter dem Einfluss der Sturmhexe zu einer tödlichen Waffe werden. Aber Patricia Vanhelsing und Tom Hamilton treten den Mächten der Finsternis entgegen. 

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © by Author/ Cover: Firuz Askin

    © dieser Ausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Das Eiskastell

    Das magische Amulett

    Roman von Jan Gardemann

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 100 Taschenbuchseiten.

    Eine Gruppe von Wissenschaftlern bricht zur Erkundung eines mysteriösen Gebäudes, verborgen unter dem Eis der Westantarktis, auf. Doch keiner von ihnen hätte geahnt, welche Gefahren dort lauern. Als schließlich zwei Frauen vermisst werden, stellt sich die Amulettforscherin Brenda Logan der Gefahr und begibt sich in die geheimnisvollen Gemäuer...

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

    © by Author

    © Cover by Firuz Askin, 2018

    © dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    © Logo by Steve Mayer unter Verwendung von Motiven by Pixabay, 2018

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Prolog

    Kein Crewmitglied, nicht einmal Keith, hatte es für nötig befunden, mir von den seltsamen Geschehnissen zu berichten, die sich in der Zitadelle zugetragen hatten. Hätte ich vorher von diesen Dingen erfahren, wäre mir von vornherein klar gewesen, dass Magie mit im Spiel war. Diese Zitadelle war mehr als bloß ein rätselhaftes Relikt, das Zeugnis davon ablegte, dass die Antarktis, bevor sie von der westlichen Zivilisation entdeckt wurde, bewohnt gewesen war. Magische Kräfte, die nun wieder erwacht waren. Die Eisbarriere, auf die die Wissenschaftler gestoßen waren, konnte erst überwunden werden, nachdem Mara sie berührt hatte, fiel mir nun wieder ein. Vielleicht verhielt es sich mit der Barriere, die ein Weiterkommen auf der Wendeltreppe verhinderte, ähnlich?

    1

    Die Rotorblätter des Hubschraubers verursachten einen Höllenlärm und machten einen Wortwechsel innerhalb der Fahrgastkabine unmöglich. Ein Gespräch mit meinen Mitreisenden war daher nur über die Verstärkeranlage des Helikopters möglich, an die die Kopfhörer mit integriertem Mikrophon angeschlossen waren, die wir aufgesetzt hatten.

    Doch momentan hatte keiner der drei Passagiere des Hubschraubers etwas zu sagen. Stattdessen starrten wir mit einer Mischung aus Staunen und Unbehagen durch die eisverkrusteten Kabinenfenster nach draußen.

    Unter mir, Brenda Logan, glitt eine weiße glitzernde Fläche aus Eis und Schnee dahin, die sich nach allen Seiten bis zum Horizont erstreckte. Der Schatten unseres Helikopters wischte wie eine schemenhafte Libelle über die Eisdecke hinweg und wirkte dabei wie ein Insekt auf der Flucht ins Nirgendwo.

    Die mächtige Eisfläche, über die wir dahinflogen, gehörte zur antarktischen Inlandeismasse, die diesen Kontinent, der der fünftgrößte der Erde war, vollständig bedeckte und an manchen Stellen bis zu viertausend Meter dick war.

    Fünf Tage hatte es gedauert, bis unsere kleine Gruppe, bestehend aus mir, Rahel Irving und Michael Borman, die Küste der Westantarktis erreicht hatten. Wir waren von London aus bis nach Südafrika geflogen und im Hafen von Kapstadt dann an Bord eines klobigen Frachtschiffes gegangen. »Bellinghausen« lautete der Name des Frachters. Er brachte uns, zusammen mit einer Ladung Proviant und Ausrüstungsgegenständen, sicher zur English Coast der Westantarktis.

    Je näher uns der Frachter zum Südpol gebracht hatte, desto kälter und stürmischer war es geworden. Zum Schluss hatten wir uns nur noch in unseren wattierten Thermohosen und Daunenjacken an Deck gewagt, um das Näherrücken des kältesten und unwirtlichsten Kontinentes zu beobachten, den es auf der Erde gab.

    Die unruhige See und der ständige Wind, der über die Eisschollen und das Deck des Frachters hinwegfegte, hatte uns nach wenigen Minuten aber jedes Mal wieder in unsere Kabinen zurückgetrieben. Solange es noch irgendwie möglich war, wollten wir die Geborgenheit und Wärme auskosten, die unsere spartanisch eingerichteten Notunterkünfte im Bauch des Frachters uns boten. Wenn wir den Hafen erreichten und an Land gingen, standen uns mehrere Wochen in der grausamen Kälte und den Eisstürmen der Antarktis bevor, wie wir wussten.

    Welche Strapazen uns in dem Forschungscamp tatsächlich erwarteten, zu dem wir nun mit dem Helikopter unterwegs waren, darauf gaben uns die glitzernden Schneewolken, die der Wind wie einen verzauberten Nebel über die Eismasse trieb, einen leichten Vorgeschmack. Hin und wieder wurde der Hubschrauber von einer Böe erfasst, sodass wir auf unseren Sitzen heftig herumgerissen wurden.

    Doch der Pilot schien ein erfahrener Mann zu sein und ließ sich durch diese Turbulenzen nicht aus der Ruhe bringen.

    In diesem Moment deutete er nach vorn auf ein schneebedecktes Felsmassiv, das wie eine Insel aus der weißen Eiswüste empor ragte.

    »Vor uns sehen Sie das Ellsworthgebirge«, schnarrte seine Stimme aus den Lautsprechern meines Kopfhörers. »An der Südflanke des Vinson-Massivs befindet sich das Stockwell-Camp. Wir werden es in einer halben Stunde erreicht haben – vorausgesetzt, der Wind fegt uns nicht vom Himmel wie ein welkes Herbstblatt.«

    Ein meckerndes Lachen erschütterte meinen Kopfhörer. Der Humor des Piloten schien mit den Jahren, die er nun schon auf diesem unwirtlichen Kontinent lebte, genauso rau geworden zu sein, wie das hier vorherrschende Klima.

    »Es wäre eine Ironie des Schicksals, wenn wir so kurz vor dem Ziel noch scheitern würden – nach allem, was wir auf unserer Reise bisher durchgemacht haben«, warf Michael Borman ein.

    Michaels markantes Gesicht war von dem weißen Pelzbesatz seiner Daunenjackenkapuze eingerahmt, die er sich locker wie eine Mönchskapuze über den Kopf gestülpt hatte. Strähnen seines blonden Haars hingen ihm in die Stirn. Auf seinen Lippen lag ein schräges Grinsen.

    Michael war ein braungebrannter gutaussehender Bursche und sah stets sehr gepflegt aus. Dass wir auf dem Frachter auf jeglichen Komfort hatten verzichten müssen, war ihm nicht anzusehen. Er sah aus, als wäre er soeben erst aus einer Hotelsuite gekommen. Michael war stets gut gelaunt, unternehmungslustig und sprühte vor Charme.

    Dass Professor Salomon Sloane, der Direktor des British Museums, der die Crew für dieses Unternehmen zusammengestellt hatte, ausgerechnet diesen Sonnyboy ausgewählt hatte, lag wohl nur daran, dass Michael Borman ein ausgezeichneter Ethnologe war. Er kannte sich wie kein zweiter in prähistorischen Kulturen aus und hatte bereits einige Expeditionen zum Nordpol unternommen.

    Borman hatte einige interessante Artikel über die Ureinwohner der Arktis verfasst, die ich mir während der Vorbereitungszeit dieser Expedition natürlich aufmerksam durchgelesen hatte. Dies war jedoch das erste Mal, dass Michael das Gegenstück der Arktis besuchte.

    Es war in der Antarktis noch weitaus kälter und ungemütlicher als in der Arktis. Doch das schien Michael nicht weiter zu stören. Jedenfalls gab er sich nach außen hin völlig gelassen und cool.

    Rahel Irving, die Dritte in unserem Bunde, schien die Eiswüste, die sich draußen nach allen vier Himmelsrichtungen gleichmäßig ausbreitete, nicht so gleichgültig zu lassen wie Michael. Schon an Bord des Frachters hatte sie den Eisschollen und der weißen schroffen Küste der Antarktis finstere, unbehagliche Blicke zugeworfen, so als bereute sie den Entschluss, sich für diese Expedition beworben zu haben, insgeheim.

    Rahel hatte kurzes schwarzes Haar und braune aufmerksam dreinblickende Augen. Momentan war von ihrem hübschen Gesicht jedoch nur ein kleiner Ausschnitt zu sehen, denn sie hatte ihre Kapuze tief über den Kopf gezogen und die Schnüre fest zusammengeknotet, sodass nur ein etwa tellergroßes Loch verblieben war, durch das sie ihre Umgebung misstrauisch beäugte.

    »Ich finde Ihre Bemerkung überhaupt nicht witzig, Jeff!«, richtete sie sich an den Piloten. Sie hatte ihre Lippen dick mit einem Fettstift eingerieben, damit sie in der Kälte nicht spröde werden konnten. »Ich mache drei Kreuze, wenn wir unversehrt bei der Forschungsstation ankommen!«

    »Ich wäre auch mit einer herzlichen Umarmung zufrieden«, warf Michael ein und blinzelte Rahel schelmisch zu, woraufhin sie den Kopf verächtlich von ihm abwandte.

    Auf unserer Reise hatte Michael mehrmals vergeblich versucht, mit Rahel anzubändeln. Aber er war bei ihr auf Granit gestoßen. Unmissverständlich hatte sie Michael zu verstehen gegeben, dass sie diese Reise nur aus rein wissenschaftlichem Interesse unternommen hätte und nicht an einer Liebschaft interessiert sei.

    Das schien Michael jedoch nicht davon abzuhalten, immer wieder aufs Neue Annäherungsversuche zu unternehmen.

    Auch bei mir hatte er versucht, mich mit seiner charmanten Art zu beeindrucken. Nachdem ich ihm aber ein Foto von Daniel Connors, meinem Ehemann, gezeigt hatte, das ich in meiner Brieftasche verwahrte, verlor er anscheinend das Interesse, bei mir zu landen. Er ahnte wohl, dass er mit seiner oberflächlichen, leichtlebigen Art der tiefen Liebe und Zuneigung, die zwischen Daniel und mir bestand, nichts entgegenzusetzen hatte.

    Rahel jedoch war ihrem eigenen Vernehmen nach unverheiratet. Das hätte sie wohl lieber für sich behalten sollen, denn Michael schien diese Information als eine Art Freifahrtschein zu betrachten, Rahel immer wieder vor Augen zu führen, was für ein charmanter und aufregender Bursche sich in ihrer Reisebegleitung befand.

    Inzwischen reagierte Rahel mehr gereizt als gleichgültig auf Michaels plumpe Annäherungsversuche. Wenn er nicht bald begriff, dass Rahel nichts von ihm wissen wollte, würde ich ein ernstes Wörtchen mit ihm reden müssen.

    Rahel war Archäologin, so wie ich. Doch im Gegensatz zu mir hatte sie sich auf die Konservierung und Erhaltung von Artefakten spezialisiert.

    Die Fachgebiete dieser beiden Kollegen würden uns bei den bevorstehenden Ausgrabungen sicher von großem Nutzen sein, denn die Wissenschaftler, die im Stockwell-Camp stationiert waren, waren vor einigen Monaten bei Routinemessungen unter dem Eis auf eine Ruine gestoßen, die wir nun genauer untersuchen sollten.

    Das Gebiet, in dem dieser erstaunliche Fund gemacht worden war, gehörte zum Britischen Antarktis-Territorium. Um internationale Verwicklungen zu vermeiden, war dieser Fund daher vorerst geheimgehalten worden. Lediglich der Vorstand des British Museum in London war davon in Kenntnis gesetzt worden, verbunden mit der Bitte, ein Team in die Antarktis zu entsenden, das das Gebäude untersuchen sollte.

    Michael Borman, Rahel Irving und ich waren dieses Team. Professor Sloane, der Direktor des British Museum, hatte mir die Leitung dieses Unternehmens anvertraut.

    Dies war bei Michael als auch bei Rahel auf Unverständnis gestoßen, denn ich war nicht nur die Jüngste in unserem Trio, sondern besaß als Amulettforscherin nicht einmal das nötige Fachwissen, das für die Einschätzung dieses rätselhaften Fundes im ewigen Eis der Antarktis nötig gewesen wäre.

    Doch schließlich hatten Michael und Rahel sich damit abfinden müssen, unter der Leitung einer jüngeren Kollegin arbeiten zu müssen, wenn ihnen in manchen Bemerkungen, die sie mir gegenüber hatten fallen lassen, auch unzweideutig herauszuhören gewesen war, dass sie mich nicht nur für viel zu jung für diese Aufgabe erachteten, sondern auch meine Kompetenz in Frage stellten.

    Auch ich hatte mich anfangs über die Wahl des Professors gewundert. Doch inzwischen war ich fest davon überzeugt, dass er für seine Entscheidung triftige Gründe gehabt hatte. Professor Sloane wusste um die gefährlichen, haarsträubenden Abenteuer, in die die Amulettforschung mich in den letzten Jahren immer wieder verstrickt hatte. Ich war Geistern begegnet, Dämonen und unerklärlichen übersinnlichen Phänomenen. Immer stand dabei ein magisches Amulett im Zentrum der Geschehnisse.

    Diese Talismane, in denen zum Teil unglaubliche magische Kräfte schlummerten, übten auf Menschen, die danach trachteten, sich mit verbrecherischen Methoden zu bereichern oder Macht zu erlangen, eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Darum erschien es mir sicherer, die magischen Amulette zu zerstören, wo immer ich sie fand. Denn nur so ließ sich das Unheil abwenden, das unschuldigen Menschen drohte, wenn diese magischen Artefakte in die falschen Hände gerieten.

    Von all diesen Dingen wusste auch Professor Salomon Sloane, mein Vorgesetzter im British Museum. Und dieses Wissen hatte sicher auch dazu beigetragen, dass seine Wahl bei der Zusammenstellung des Wissenschaftlerteams, das er in die Antarktis entsenden sollte, ausgerechnet auf mich gefallen war.

    »Eine Amulettforscherin in diesem Projekt zu beteiligen, ist nicht weniger verwunderlich, als die Tatsache, dass man im Eis der Antarktis die Überreste eines Bauwerkes gefunden hat«, war ich deshalb den Einwänden meiner beiden Begleiter in einem Gespräch an Bord der »Bellinghausen« einmal begegnet. »Wenn man bedenkt, dass die Antarktis erst etwa 1820 das erste Mal von Seefahrern gesichtet worden war, stellt das Vorhandensein eines Bauwerkes, das mit Sicherheit wesentlich älter als nur zweihundert Jahre ist, ein unerklärliches Wunder dar.«

    Diesem Argument hatten meine beiden Begleiter sich nicht verschließen können. Seitdem schienen sie sich mit meiner Anwesenheit abgefunden zu haben. Jedenfalls war das unleidliche Thema meiner Beteiligung an der Expedition seit diesem Gespräch nicht wieder zur Sprache gekommen.

    »Dort hinten!«, rief Rahel plötzlich und deutete aufgeregt aus dem Fenster. »Das muss das Stockwell-Camp sein!«

    Ich beugte mich zu Rahel hinüber und blickte aus dem Fenster ins Freie.

    In einiger Entfernung erhob sich ein mächtiges Felsmassiv aus der Eiswüste. In den Falten des Gebirges und den windgeschützten Flanken, hatten sich Eisflächen in den unterschiedlichsten Formen und Ausprägungen gebildet. Das hell im trüben Licht des Südpoltages leuchtende Eis ließ den Fels noch dunkler und unheimlicher erscheinen.

    Am Fuß des Felsmassivs waren ein paar blaue und gelbe Punkte auszumachen, die sich bei genauerem Hinsehen als die Baracken der Polarstation entpuppten.

    »Besonders einladend sieht dieses Camp aber nicht aus«, merkte Rahel fröstelnd an.

    »Was hattest du erwartet, Baby?«, rief Michael gut gelaunt. »Ein First-Class-Hotel etwa? Wir werden zusammenrücken müssen, wenn wir es in diesen Blechbüchsen warm haben wollen.«

    Rahel bedachte Michael mit einem strafenden Blick. »Da würde ich es doch lieber vorziehen zu frieren«, erwiderte sie abfällig. »Außerdem wird es in den Behausungen bestimmt mollig warm sein. Das Camp ist mit der neuesten Technik ausgerüstet, habe ich mir sagen lassen.«

    »Wir werden in wenigen Minuten zur Landung ansetzen«, informierte uns der Pilot in diesem Moment mit sachlicher, routinierter Stimme. »Legen Sie bitte die Sicherheitsgurte an, es könnte gleich etwas ungemütlich werden. Das Camp liegt zwar im Windschatten des Felsmassivs. Trotzdem kann es zu Luftverwirbelungen kommen, wenn eine besonders heftige Böe die Bergflanke hinunter fegt.«

    Rahel begann daraufhin hektisch den Sicherheitsgurt anzulegen. Auch ich tat es ihr gleich. Nur Michael ließ sich Zeit, um uns seine Gelassenheit zu demonstrieren.

    Der Helikopter hatte sich dem Camp nun bis auf wenige hundert Meter genähert. Es war nun zu erkennen, dass die Baracken auf einem Felsplateau errichtet worden waren, das vom Eis fast vollständig bedeckt war. Hier und da stach jedoch ein dunkler Felsvorsprung zwischen den Behausungen hervor.

    Die Motorschlitten der Campbewohner hatten mit ihren Kufen um die Baracken herum verschlungene Muster in das Eis gezeichnet. Aufgrund dieser Spuren war deutlich zu erkennen, in welche Richtung die Forscher während ihrer Messungen am häufigsten gefahren waren.

    Eine dieser Spuren, die anscheinend am weitesten von dem Camp wegführte, verlor sich in südlicher Richtung im Dunst. Die anderen Spuren führten bloß zu kleinen Messstationen, die durch rote Wimpel gekennzeichnet waren.

    Ich zählte etwa ein Dutzend Gebäude. Die meisten sahen aus wie Schuhkartons. Die Wellblechwände waren blau gestrichen; die Dächer glänzten in einem hellen Gelb und waren bis weithin sichtbar.

    Diese kräftigen Farben dienten den Wissenschaftlern während der Zeit der Eisstürme und der langen Polarnächte wahrscheinlich als Orientierung, sodass man sogar bei schlechten Sichtverhältnissen leicht wieder in das Camp zurückfand.

    Das Nahen des Helikopters war von den Bewohnern des Camps anscheinend bemerkt worden. Ich sah ein paar vermummte Gestalten aus den Baracken treten und sich dem Landeplatz des Hubschraubers nähern.

    Natürlich war unser Kommen den Leuten über Funk bereits mitgeteilt worden, bevor wir mit dem Helikopter gestartet waren. An Bord hatten wir auch einige Kisten Proviant, die in der Station dringend benötigt wurden. Es war nämlich bereits fast ein Jahr her, als das letzte Mal ein Versorgungsschiff in der Bucht der English Coast eingetroffen war.

    Der Großteil der Vorräte und Ausrüstungsgegenstände, die der Frachter geladen hatte, wurde jedoch mit einem Konvoi aus Motorschlitten und Lastwagen zum Camp gebracht. Es würde allerdings einige Tage dauern, bis die Fahrzeuge die Strecke von knapp sechshundert Kilometern bewältigt hatten.

    In diesem Moment verlor der Hubschrauber langsam an Höhe und schwebte auf den Landeplatz hinab, den die Wissenschaftler mit rot blinkenden Lampen abgesteckt hatten.

    Als der Helikopter zur Landung ansetzte, wirbelten die Rotorblätter eine gewaltige Wolke aus Eiskristallen auf, sodass plötzlich außer einem quirligen Chaos glitzernder Eisstückchen nichts mehr zu sehen war.

    2

    Nachdem das Dröhnen des Hubschraubermotors verstummt war und die Rotoren zum Stillstand gekommen waren, schob Michael die Tür auf und sprang als erster in den Schnee hinaus.

    Rahel und ich folgten ihm. Die Luft war noch immer erfüllt von glitzernden Eiskristallen. Doch die Wolke war bereits so sehr ausgedünnt, dass die Umrisse des Felsmassivs und die blauen Konturen der Baracken hinter dem schillernden Vorhang aus tanzenden Eiskristallen schemenhaft hervortraten.

    Ein Mann in pelzgefüttertem Parka trat auf uns zu. Das Gesicht unter der enganliegenden Kapuze war bärtig und wettergegerbt. Hinter ihm näherten sich drei weitere Männer dem Helikopter. Aber sie blieben hinter dem Bärtigen zurück und beschränkten sich darauf, die Neuankömmlinge argwöhnisch aus der Ferne zu betrachten.

    »Sie müssen Mr. Logan, der Leiter der Archäologengruppe, sein!«, richtete der Mann im Parka das Wort an Michael und streckte ihm die behandschuhte Hand entgegen. »Willkommen im Stockwell-Camp, Mr. Logan! Wir alle sind froh, dass endlich Verstärkung eingetroffen ist!«

    Bereitwillig ergriff Michael die Hand. Er schien es zu genießen, dass sein Gegenüber ihn für den Leiter unserer kleinen Gruppe hielt.

    »Michael Borman ist mein Name«, hörte ich ihn dann aber sagen.

    Mit einer laxen Geste deutete er mit seinem Daumen über die Schulter. »Wenn Sie den Leiter unserer Gruppe suchen, müssen Sie sich an die weizenblonde Schönheit hinter mir wenden.«

    Der Mann im Parka starrte Michael durchdringend an und befreite seine Hand dann mit einer unwirschen Geste. Verärgert wandte er sich von Michael ab und trat auf mich zu.

    Sein Blick verdüsterte sich während er Rahel und mich aufmerksam von oben bis unten musterte.

    »Man hatte mir nicht gesagt, dass auch Frauen zu der Archäologengruppe gehören«, sagte er missmutig.

    »Ist das für sie etwa ein Problem?«, fragte ich herausfordernd. »Mit wem habe ich denn das Vergnügen?«

    »Roberts«, erwiderte der Mann mürrisch. »Dr. Peter Roberts. Ich bin Arzt und der Stationsleiter des Stockwell-Camps.«

    »Brenda Logan«, stellte ich mich dem Mann vor und streckte ihm demonstrativ die Hand entgegen. »Mrs. Brenda Logan! Archäologin und Amulettforscherin!«

    Roberts ergriff meine Hand und erwiderte lahm meinen Händedruck. Dann stellte ich ihm Rahel vor.

    »Bitte verstehen Sie mich nicht falsch«, sagte Roberts, sichtlich darum bemüht, sich von seiner freundlichen Seite zu zeigen. »Ich habe keine Vorbehalte gegen weibliche Wissenschaftlerinnen. Im Gegenteil, ich bin davon überzeugt, dass Frauen genauso leistungsfähig sind wie Männer.«

    Er zog seinen rechten Handschuh aus. Eine braungebrannte wettergegerbte Hand kam zum Vorschein, die Roberts aber sogleich unter seinem Parka verschwinden ließ.

    Als er die Hand wieder hervorzog, hielt er ein Fax zwischen den Fingern.

    »In diesem Fax waren nur die Nachnamen der Wissenschaftler angegeben, die zu uns kommen würden«, erklärte er.

    »Und da haben Sie natürlich gedacht, es würde sich um männliche Kollegen handeln«, ergänzte ich seinen unausgesprochenen Satz.

    »Nicht gedacht«, erwiderte Roberts düster. »Gehofft.«

    Ich krauste die Stirn. »Soviel mir bekannt ist, gibt es unter den sieben Bewohnern dieser Station auch eine Frau. Warum also halten Sie die Anwesenheit von Frauen in diesem Camp für bedenklich?«

    Roberts ließ das zerknitterte Papier wieder unter seinem Parka verschwinden und streifte sich den Handschuh über.

    »Darüber reden wir später«, entschied er und winkte den drei Männern, die ihm zum Landeplatz gefolgt waren.

    »Helft Jeff beim Ausladen!«, rief er ihnen zu. »Er muss früh am nächsten Morgen wieder zurückfliegen!«

    Die drei Männer setzten sich daraufhin in Bewegung. Ihre Gesichter wirkten verschlossen und grimmig. Als sie auf ihrem Weg zum Hubschrauber an mir und Rahel vorbeikamen, musterten sie uns mit düsteren Blicken.

    »Wir scheinen hier wirklich nicht willkommen zu sein«, raunte Rahel mir voller Unbehagen zu. Sie war dicht hinter mich getreten, sodass nur ich ihre Worte verstehen konnte.

    »Diese Männer leben seit fast einem Jahr in der Abgeschiedenheit ihres Camps«, fuhr sie flüsternd fort. »Ich hoffe nicht, sie kommen bei dem Anblick einer Frau auf dumme Gedanken. Es ist schon schwierig genug, sich Michael vom Leib zu halten. Aber sich gleich ein halbes Dutzend ausgehungerter, nach Nähe und Zärtlichkeit dürstender Männer zu erwehren, könnte sich am Ende als unmöglich erweisen.«

    »Wir haben es hier mit zivilisierten Leuten zu tun«, rief ich Rahel in Erinnerung.

    Ich musste mir allerdings eingestehen, dass das Szenario, das Rahel soeben entworfen hatte, vielleicht doch nicht ganz so aus der Luft gegriffen war, wie ich mit meinem Einwand hatte andeuten wollen.

    Verstohlen blickte ich zu den Männern beim Helikopter hinüber. Michael war ihnen beim Ausladen zur Hand gegangen. In seiner unbeschwerten Art hatte er sogar angefangen, munter drauflos zu plaudern. Doch die Männer aus der Forschungsstation gingen nicht auf seine Versuche, ein Gespräch anzufangen, ein, sondern verrichteten stumm und mürrisch ihre Arbeit.

    Ich hatte während des Studiums und später in meiner Laufbahn als Archäologin viele Expeditionsberichte gelesen und wusste, welchen psychischen und physischen Strapazen die Menschen in einem Expeditionscamp ausgesetzt waren. In einem Camp wie diesem, das mitten in einer unwirtlichen, rauen Eiswüste lag und so unzugänglich war, dass es nur einmal im Jahr mit frischem Proviant und Ausrüstungsgegenständen beliefert werden konnte, musste das Leben noch weitaus problematischer sein, als es in den Berichten geschildert wurde, die ich gelesen hatte.

    Trotzdem erschien mir das Verhalten der Männer mehr als eigentümlich. Sie hätten sich über die neuen Gesichter doch freuen sollen. Welcher Mann verfiel schon in grimmige Grabesstimmung, wenn er nach Monaten endlich mal wieder eine junge Frau vor die Augen bekam?

    Einer der Männer, ein schlaksiger Bursche, dem sein Parka und die Thermohose um eine Nummer zu groß zu sein schien, schickte sich gerade an, eine Kiste mit Lebensmitteln aus dem Bauch des Helikopters zu hieven. Verdrossen starrte er mit seinen wasserblauen Augen zu uns herüber. Sein dünner, ungepflegter Bart ließ ihn wie einen ausgezehrten Stadtstreicher aussehen.

    »Wäre es nicht besser gewesen, diese Leute mit dem Konvoi hierherzuschicken?«, rief er Roberts übellaunig zu, der noch immer neben uns stand und die Männer bei ihrer Arbeit aufmerksam beobachtete. »Wir können Proviant und Treibstoff weiß Gott dringender gebrauchen als diese beiden unerfahrenen Schnepfen!«

    »Halt die Klappe, Bill und sieh zu, dass du die Kisten heil in die Kühlhalle bringst. Niemand hat dich nach deiner Meinung gefragt!«

    Bill brummte etwas Unverständliches und schleppte die Kiste dann schwerfällig auf eine Baracke zu, in die die anderen Männer bereits mit ihren Lasten verschwunden waren.

    Roberts wandte sich mit einem um Verzeihung bittenden Lächeln zu uns um.

    »Hören Sie nicht auf diesen Kerl«, sagte er abfällig. »Bill ist ein labiler Bursche. Er hat schon mehrmals einen Koller gekriegt, als draußen ein Eissturm tobte und wir tagelang nicht vor die Tür gehen konnten. Für Expeditionen dieser Art ist er einfach nicht geschaffen. Ich wette, wenn in zwei Monaten unsere Ablösung eintrifft und seine Zeit hier vorbei ist, wird er sich in irgendeinem Museum einen ruhigen Bürojob suchen.«

    »Es ist noch gar nicht erwiesen, ob überhaupt jemand von uns je von diesem verfluchten Berg wegkommt, Roberts!«, rief Bill uns über seine schmächtige Schulter hinweg zu. »Wir hätten unsere Zelte abbrechen sollen, als es noch möglich war. Aber Keith und du, ihr habt uns alle mit eurem verhängnisvollen Forscherdrang ins Verderben gestürzt. Doch damit nicht genug! Ihr musstet unseren Fund auch noch an die große Glocke hängen, sodass jetzt weitere Wissenschaftler zu uns geschickt wurden. Am Ende werden wir alle draufgehen – ihr werdet schon sehen!«

    Mit diesen Worten stapfte er wütend davon.

    Rahel schüttelte sich. »Wovon spricht dieser Mann?«

    Roberts winkte verächtlich ab.

    »Bill gefällt sich darin, düstere Prophezeiungen von sich zu geben«, behauptete er. »Am besten, Sie ignorieren ihn einfach.«

    Unternehmungslustig schlug Roberts in die Hände. Aber seine Handschuhe dämpften den Schlag zu einem dumpfen, verhaltenen Laut.

    »Wie wäre es, wenn ich Ihnen jetzt das Camp zeige?«, bemühte er sich, eine aufgeräumte Stimmung aufkommen zu lassen. »Wir unterhalten hier zwar keine Ferienanlage. Aber unsere Baracken sind trotzdem recht behaglich. Drinnen spürt man kaum, wie garstig kalt und ungemütlich es draußen ist.«

    Mit diesen Worten setzte er sich in Bewegung und gab uns mit einem herrischen Wink zu verstehen, ihm zu folgen.

    Rahel und ich warfen uns einen unbehaglichen Blick zu. Doch dann schickten wir uns an, Roberts zu folgen.

    Nach der strapaziösen Reise hatte ich mir eigentlich einen etwas herzlicheren und fröhlicheren Empfang versprochen.

    Nun aber hatte ich eher das Gefühl, das raue Willkommen würde nicht die einzige Unannehmlichkeit bleiben, die uns hier im Stockwell-Camp erwartete.

    Als wir unsere Besichtigungstour beendet hatten, begann sich die Abenddämmerung über das Camp zu senken. Die Helligkeitsphase dauert in dieser Jahreszeit am Südpol nur etwa sechs Stunden. Aus diesem Grund konnte der Hubschrauber den Rückflug zum Frachter auch erst am nächsten Tag in Angriff nehmen.

    Zwei Mitglieder der Crew hatten sich nach dem Entladen des Hubschraubers sofort in die Küche begeben, um aus den frisch eingetroffenen Lebensmitteln ein Festmahl zu bereiten. Aber es würde noch eine Weile dauern, bis sie mit den Vorbereitungen fertig waren.

    Roberts lud uns deshalb ein, mit ihm in das Labor zu kommen. Er wollte uns einen ersten Eindruck von dem erstaunlichen Fund vermitteln, auf den sie in der Nähe des Camps gestoßen waren.

    Rahel und ich nahmen diese Einladung dankend an. Wir waren von der langen, strapaziösen Reise zwar erschöpft, aber die seltsame bedrückende Atmosphäre, die wie ein Fluch über dem Camp lastete, empfanden wir als so niederdrückend und bedrohlich, dass wir froh waren, etwas zu tun zu bekommen und dem lähmenden Gefühl der lauernden Gefahr zu entrinnen.

    Michael zog es allerdings vor, zusammen mit dem Piloten und Bill Wilkins in der Kantine zu bleiben.

    »Arbeiten können wir auch morgen noch«, erwiderte er, während er die Beine behaglich von sich streckte und die Hände hinter dem Kopf verschränkte. »Warum bleibt ihr nicht auch und nehmt einen Begrüßungstrunk zu euch?«

    Mit diesen Worten zwinkerte er Rahel listig zu. »Vielleicht kommt zwischen uns ja endlich mal so etwas wie eine gemütliche Stimmung auf.«

    »Wenn es mir um die gemütliche Stimmung gegangen wäre, hätte ich auch zu Hause bleiben können«, erwiderte Rahel kühl. »Wir sind hier, um zu arbeiten, Michael... Das solltest du dir in Erinnerung rufen.«

    Michael verzog säuerlich das Gesicht und lachte rau. »Die Arbeit läuft uns schon nicht davon«, meinte er dann gut gelaunt und griff sich das Glas mit Whiskey, das Bill vor ihm abgestellt hatte.

    Kopfschüttelnd wandte Rahel sich ab. Dann schickten wir uns an, Roberts zu folgen, der in der Tür auf uns wartete und den Dialog mit finsterer Miene verfolgt hatte.

    Als wir kurz darauf die Baracke verließen, in der die Kantine untergebracht war, schlug uns eisige Polarkälte entgegen. Wir bemühten uns, im Licht der Außenscheinwerfer zu der Laborbaracke hinüberzueilen, die etwas abseits der Quartiere stand.

    In der Laborbaracke selbst war es nicht ganz so warm wie in den Gemeinschaftsräumen. Auf einen Eingangsbereich hatte man aus Platzgründen ganz verzichtet, sodass wir direkt in einen mit Gerätschaften vollgestellten Raum stolperten, als wir die Baracke betraten.

    Vor einem Tisch, auf dem drei Computermonitore standen, kauerte ein Mann auf einem Stuhl. Er schien von seiner Arbeit so sehr gefesselt zu sein, dass er es nicht einmal für nötig befand, bei unserem Eintreten den Kopf in unsere Richtung zu wenden.

    Der Mann hatte braunes verwuseltes Haar und einige rote Flecken im Gesicht und auf den Händen, die darauf hindeuteten, dass er sich im Freien Erfrierungen zugezogen hatte. Im Gegensatz zu den anderen Männern der Forschungsstation war dieser Mann glatt rasiert. Sonst aber schien er auf sein äußeres Erscheinungsbild nicht viel Mühe zu verwenden.

    »Hallo Keith!«, rief Roberts dem Mann mit Nachdruck zu. »Ich wollte dir die Wissenschaftler vorstellen, die man uns geschickt hat!«

    Keith tippte mit den Fingern ungerührt auf der Computertastatur herum. »Hallo!«, sagte er, ohne den Blick von dem Monitor abzuwenden. »Willkommen in der kältesten Hölle, mit der unsere Erde aufwarten kann.«

    Roberts zuckte bedauernd mit den Schultern. Dann wandte er sich an uns und deutete mit laxer Geste auf den Mann vor dem Monitor.

    »Das ist Keith Wood, unser Klimaforscher«, erklärte er nüchtern. »Seit wir im Eis dieses seltsame Bauwerk gefunden haben, vernachlässigt er seine Forschungsarbeit. Eigentlich sollte er die Auswirkungen untersuchen, die das Ozonloch auf die Südpolregion ausübt. Stattdessen aber ist er von dem mysteriösen Gebäude unter dem Eis wie besessen.«

    »Und das auch aus gutem Grund!«, erwiderte Keith mit sonorer Stimme. Gewaltsam riss er sich von dem Anblick des Monitors los und drehte sich nun endlich zu uns um.

    Als er Rahel und mich erblickte, machte er ein erschrockenes Gesicht.

    »Frauen!«, rief er aus und starrte Roberts vorwurfsvoll an, als wollte er den Stationsleiter dafür verantwortlich machen, dass zwei Wissenschaftlerinnen in das Camp gekommen waren. »Du weißt, was das bedeuten könnte..., was die Anwesenheit dieser Frauen auslösen könnte?«

    Roberts machte eine hilflose Geste. »Ich wusste doch nicht...«

    Aber Keith ließ ihn nicht aussprechen. Er schnellte von seinem Stuhl hoch und trat auf uns zu. Eindringlich starrte er uns mit seinen grauen unergründlichen Augen an.

    »Sie müssen morgen früh sofort wieder abreisen!«, rief er aufgebracht.

    Ich verschränkte die Arme vor der Brust und betrachtete mein Gegenüber abschätzend. »Ihr Verhalten könnte durchaus als frauenfeindlich interpretiert werden«, sagte ich kühl.

    Keith winkte ab. »So ein Unsinn!«, ereiferte er sich. »Ich bin bloß um Ihre Sicherheit besorgt!«

    »Was für eine Gefahr droht uns Ihrer Meinung nach denn?«, wollte ich wissen.

    Keith und Roberts warfen sich einen raschen Blick zu.

    »Wir müssen es ihnen sagen«, drängte Keith.

    Roberts atmete tief durch. »Ist das wirklich nötig?«, entgegnete er entnervt. »Schließlich sind wir uns nicht sicher.«

    »Nicht sicher?«, rief Keith spöttisch. »Natürlich sind wir uns sicher! Nur will sich das in diesem gottverdammten Camp niemand eingestehen!«

    »Würden Sie vielleicht endlich die Freundlichkeit besitzen, uns aufzuklären?«, schaltete ich mich in den Disput der beiden Männer

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