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Sammelband 7 Krimis: Sieben Morde auf einen Streich
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eBook903 Seiten9 Stunden

Sammelband 7 Krimis: Sieben Morde auf einen Streich

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Über dieses E-Book

Sammelband 7 Krimis – Sieben Morde auf einen Streich

von Alfred Bekker, Pete Hackett & A. F. Morland & Theodor Horschelt &Cedric Balmore

Dieses Buch enthält folgende Krimis:

Alfred Bekker: Millys erster Mord

Pete Hackett: Hass war sein Lebenselexier

A. F. Morland: Ein Todesengel des Don

Alfred Bekker: Erwürgt!

A. F. Morland: Heißer Schnee aus Kanada

Theodor Horschelt: Drei auf einen Streich

Cedric Balmore: Kommissar Morry – Die Stimme des Terrors

Drogen, Rauschgift, Erpressung und dergleichen Verbrechen mehr: Das ist die Welt der amerikanischen Mafia, des Mob. Thornwall Sullivan, der ehemalige Cop, versucht den organisierten Gangstern Widerstand zu leisten, doch dann gelingt es dem Mafioso Saweso, eine höchst wirksame "Waffe" gegen Sullivan in seine Gewalt zu bringen. Ein Glück, dass Roberto Tardelli eingreift. Doch der mutige Mafiajäger muss bald einsehen, dass die brandgefährliche Mission, auf die er sich da eingelassen hat, einem Tanz auf Rasierklingen gleicht

Alfred Bekker schreibt Fantasy, Science Fiction, Krimis, historische Romane sowie Kinder- und Jugendbücher. Seine Bücher um DAS REICH DER ELBEN, die DRACHENERDE-SAGA,die GORIAN-Trilogie und seine Romane um die HALBLINGE VON ATHRANOR machten ihn einem großen Publikum bekannt. Er war Mitautor von Spannungsserien wie Jerry Cotton, John Sinclair, Jessica Bannister, Bad Earth, Kommissar X und Ren Dhark. Die Gesamtauflage seiner Romane beträgt mehr als 3,5 Millionen Exemplare.

SpracheDeutsch
HerausgeberAlfred Bekker
Erscheinungsdatum29. Mai 2019
ISBN9781386105930
Sammelband 7 Krimis: Sieben Morde auf einen Streich
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Autor

Alfred Bekker

Über Alfred Bekker: Wenn ein Junge den Namen „Der die Elben versteht“ (Alfred) erhält und in einem Jahr des Drachen (1964) an einem Sonntag geboren wird, ist sein Schicksal vorherbestimmt: Er muss Fantasy-Autor werden!  Dass er später ein bislang über 30 Bücher umfassendes Fantasy-Universum um  “Das Reich der Elben” schuf, erscheint da nur logisch. Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten und wurde Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen.   Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', ‘Ragnar der Wikinger’,  'Da Vincis Fälle - die mysteriösen Abenteuer des jungen Leonardo’', 'Elbenkinder', 'Die wilden Orks', ‘Zwergenkinder’, ‘Elvany’, ‘Fußball-Internat’, ‘Mein Freund Tutenchamun’, ‘Drachenkinder’ und andere mehr  entwickelte. Seine Fantasy-Zyklen um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' ,die 'Gorian'-Trilogie, und die Halblinge-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt.  Alfred Bekker benutzte auch die Pseudonyme Neal Chadwick,  Henry Rohmer, Adrian Leschek, Brian Carisi, Leslie Garber, Robert Gruber, Chris Heller und Jack Raymond. Als Janet Farell verfasste er die meisten Romane der romantischen Gruselserie Jessica Bannister. Historische Romane schrieb er unter den Namen Jonas Herlin und Conny Walden.  Einige Gruselromane für Teenager verfasste er als John Devlin. Seine Romane erschienen u.a. bei Lyx, Blanvalet, BVK, Goldmann,, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt., darunter Englisch, Niederländisch, Dänisch, Türkisch, Indonesisch, Polnisch, Vietnamesisch, Finnisch, Bulgarisch und Polnisch.

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    Buchvorschau

    Sammelband 7 Krimis - Alfred Bekker

    Sammelband 7 Krimis  – Sieben Morde auf einen Streich

    von Alfred Bekker, Pete Hackett & A. F. Morland & Theodor Horschelt &Cedric Balmore

    Dieses Buch enthält folgende Krimis:

    ALFRED BEKKER: MILLYS erster Mord

    Pete Hackett: Hass war sein Lebenselexier

    A. F. Morland: Ein Todesengel des Don

    Alfred Bekker: Erwürgt!

    A. F. Morland: Heißer Schnee aus Kanada

    Theodor Horschelt: Drei auf einen Streich

    Cedric Balmore: Kommissar Morry – Die Stimme des Terrors

    Drogen, Rauschgift, Erpressung und dergleichen Verbrechen mehr: Das ist die Welt der amerikanischen Mafia, des Mob. Thornwall Sullivan, der ehemalige Cop, versucht den organisierten Gangstern Widerstand zu leisten, doch dann gelingt es dem Mafioso Saweso, eine höchst wirksame „Waffe" gegen Sullivan in seine Gewalt zu bringen. Ein Glück, dass Roberto Tardelli eingreift. Doch der mutige Mafiajäger muss bald einsehen, dass die brandgefährliche Mission, auf die er sich da eingelassen hat, einem Tanz auf Rasierklingen gleicht

    Alfred Bekker schreibt Fantasy, Science Fiction, Krimis, historische Romane sowie Kinder- und Jugendbücher. Seine Bücher um DAS REICH DER ELBEN, die DRACHENERDE-SAGA,die GORIAN-Trilogie und seine Romane um die HALBLINGE VON ATHRANOR machten ihn einem großen Publikum bekannt. Er war Mitautor von Spannungsserien wie Jerry Cotton, John Sinclair, Jessica Bannister, Bad Earth, Kommissar X und Ren Dhark. Die Gesamtauflage seiner Romane beträgt mehr als 3,5 Millionen Exemplare.

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © by Authors /Cover: Steve Mayer

    © dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Alfred Bekker

    MILLYS ERSTER MORD

    E rschrecken Sie nicht , wisperte eine tiefe Stimme. Milly wirbelte herum, sah aber nicht viel mehr, als eine schemenhafte Gestalt, die sich als dunkler Umriß gegen das Licht der Straßenlaterne abhob.

    Was wollen Sie? fragte sie. Und dabei wich sie ein paar Schritte zurück. Ihren Wagen hatte sie ein paar Straßen weiter geparkt. Bereits seit einigen Minuten hatte sie das ungute Gefühl, daß ihr jemand folgte. Ihr Verdacht bestätigte sich nun. Sie blickte sich um. Sie war allein mit dem Fremden.

    Ich will Ihnen ein Geschäft vorschlagen, Mrs. Cross, sagte der Fremde.

    Milly Cross verengte ein wenig die Augen.

    Lassen Sie mich gefälligst in Ruhe.

    Sie sollten mir zuhören.

    Verschwinden Sie!

    Ist es Ihnen lieber, ich rede mit der Polizei über den allzu plötzlichen Tod ihres Mannes?

    Milly stockte einen Moment. Sie spürte einen Kloß in ihrem Hals.

    Gehen wir etwas trinken, schlug der Fremde vor. "Hier draußen ist es doch recht ungemütlich.

    Und wenn man über, sagen wir hunderttausend Dollar redet, sollte man das in einer gepflegteren Atmosphäre tun. Finden Sie nicht?"

    Ich weiß nicht, wovon Sie reden.

    Ich weiß, daß Sie Ihren Mann umgebracht haben, Mrs. Cross. Und im Gegensatz zur Polizei, kann ich es beweisen. Sie folgte dem Fremden in ein Lokal und sah ihn dann zum ersten Mal im Hellen. Er war Mitte Vierzig, grauhaarig und hager.

    Was möchten Sie trinken, ich lade Sie ein, säuselte er.

    Danke. Kommen Sie zur Sache.

    Also der Reihe nach, begann der Fremde.

    Ihr Mann kam vor drei Wochen aus dem Zuchthaus, in dem er wegen betrügerischer Anlagegeschäfte hatte einsitzen müssen. Nach kaum einer Woche Freiheit war er dann tot.

    Verschwunden, korrigierte Milly.

    "Man fand blutbefleckte Kleidungsstücke von ihm.

    Es war sein eigenes Blut, so steht es in der Zeitung."

    Die Polizei untersucht den Fall, erwiderte Milly kühl und mit unbewegtem Gesicht.

    Der Fremde nickte. Ja, aber sie kann ohne Leiche wenig beweisen. Und wahrscheinlich wird sie nie zu einem Ergebnis kommen, das ausreicht, Sie für diesen Mord hinter Gitter zu bringen. Es sei denn... es meldet sich ein Zeuge.

    Und der sind Sie.

    Ja. Sein Lächeln hatte etwas Teuflisches an  sich und er entblößte dabei einen Goldzahn. Ich habe gesehen, wie Sie die Leiche ihres Mannes in den Fluß befördert haben, erklärte er dann. Ganz zufällig natürlich. Er schob ihr einen Umschlag hin. Glücklicherweise hatte ich eine Kamera dabei. Es war eine einsame Stelle, an der ein paar Sumpfhühner brüteten und ich bin zufälligerweise ein leidenschaftlicher Naturfotograf. Milly versuchte, sich nichts anmerken zu lassen, aber nachdem sie sich die Abzüge angesehen hatte erbleichte sie. Hunderttausend, sagte der Fremde. Ich komme morgen bei Ihnen vorbei und hole mir das Geld ab.

    So schnell geht das nicht.

    Natürlich geht das.

    Mein Mann hatte das ergaunerte Geld damals ausgegeben, erklärte Milly ruhig. Es ist nichts mehr davon da - und wenn das der Fall wäre, würde eine ganze Meute von Privatermittlern auf mich lauern, um herauszukriegen, wo es ist.

    Der Fremde grinste. Ich bin nicht so dumm wie die Polizei, Mrs. Cross!

    MILLY WARTETE DEN GANZEN Tag auf den Fremden und sah immer wieder aus dem Fenster ihrer Wohnung. Er kam am Abend und schien guter Laune zu sein. Ihre Adresse schien er zu wissen, jedenfalls hatte er sich nicht danach erkundigen müssen.

    Bringen wir die Sache hinter uns, meinte er.

    Ganz meiner Meinung. Ihre Erwiderung war kalt und hart wie der Schalldämpfer der Pistole, die sie in der Hand hielt. Sie feuerte zweimal kurz hintereinander. Es gab ein Geräusch, das wie Niesen klang. Mit ungläubigem Gesicht sackte der Fremde zu Boden und rührte sich nicht mehr.

    Milly Cross hatte einige Mühe damit, den Fremden in den Kofferraum ihres Wagens zu legen. Sie fuhr zum Fluß und brachte es schließlich fertig, den Toten hineinzuwerfen. Allerdings achtete sie diesmal peinlich genau darauf, daß sie niemand beobachtete. Seinen Namen und seine Adresse wußte sie durch den Führerschein und den Ausweis, den sie ihm aus der Jackentasche genommen hatte. Er hieß Bob Gillner. Die Negative der Fotos hatte er natürlich nicht bei sich gehabt. So fuhr Milly zu seiner der Wohnung. Sie klingelte. Es machte niemand auf. Dann nahm sie Gillners Haustürschlüssel hervor und ging einfach hinein. Ihr war klar, daß sie sich jetzt beeilen mußte. Sie mußte die Negative finden, sonst war sie geliefert. Ein paar Tage noch, dann würde die Leiche sicher irgendwo an Land gespült werden. Und dann würde die Polizei alles unter die Lupe nehmen. Gillner hatte ein gut eingerichtetes Fotolabor, das für einen Amateur ganz beachtlich war. Allerdings ließ seine Ordnung zu wünschen übrig. Milly brauchte eine geschlagene Stunde, um endlich zu finden, was sie suchte. Dann machte sie sich davon. Milly las in der Zeitung von einem Toten, den man am Flußufer gefunden hatte. Die Polizei schien im Dunkeln zu tappen. Gut so, dachte Milly. Zwei Tage später tauchte ein Inspektor der Mordkommission an Millys Haustür auf.

    Er hieß Brady und Milly kannte ihn bereits. Brady hatte den Mordfall ihres Mannes bearbeitet.

    Denken sie immer noch, ich hätte meinen Mann umgebracht, fragte Milly nicht ohne Spott in der Stimme. Der Inspektor schüttelte den Kopf.

    Alles der Reihe nach, meinte er. Jedenfalls verhafte ich Sie wegen Mordes an einem gewissen Bob Gillner. Er hat Sie mit Fotos erpreßt, die zu beweisen schienen, daß Sie Ihren Mann umgebracht haben.

    Aber...

    Sie meinen, kurz nach der Tat waren Sie in Gillners Wohnung, um alles auf den Kopf zu stellen. Richtig. Ein Anwohner hat Sie gesehen und genau beschrieben. Ihr Pech, daß Gillner bei einem Labor Vergrößerungen der Bilder in Auftrag gegeben hatte, die erst ein paar Tage danach per Post geliefert wurden...

    Milly schluckte und dachte an die Tatwaffe, die die Polizei mit Sicherheit hier, in ihrer Wohnung finden würde...

    ETWA ZUR GLEICHEN ZEIT wartete im Foyer eines Mittelklasse-Hotels in Rio de Janeiro ein Mann auf einen Anruf. Der Mann hatte mal Cross geheißen, jetzt nannte er sich anders. Das Geld, um das er arglose Anleger betrogen hatte, hatte er in Bargeld verwandeln können, bevor man ihn erwischt hatte. Jedenfalls einen großen Teil davon. Er selbst war nach der Haftentlassung gleich untergetaucht, um die lauernden Privatschnüffler abzuhängen, die die Geschädigten auf seine Fährte gesetzt hatten. Milly hatte das Geld für ihn aufbewahrt, erst in einem Blumenbeet, dann als riesiges, in Plastik eingehülltes und mit zahlreichen Gewichten versehenes Bündel auf dem Flußgrund.

    Hat jemand für mich angerufen? fragte Mr. Cross den Portier zum x-ten Mal.

    Nein, Sir!

    Mr. Cross fluchte leise vor sich hin. Er hatte langsam Zweifel, ob Milly sich überhaupt je noch bei ihm melden würde...

    Hass war sein Lebenselexier

    Krimi von Pete Hackett

    1

    „Was gibt es Neues ?", fragte der Assistant Director, als sich die Spezial Agents Burke und Harris an dem runden Besuchertisch niedergelassen hatten.

    „Wir sind an einem Mann namens Derek Simpson dran, erwiderte Owen Burke. „Sein Computer wurde angezapft. Er hat auf seiner Festplatte hunderte pornografischer Aufnahmen von Kindern gespeichert. Wir überwachen jetzt nur noch seinen elektronischen Posteingang, um eventuell weitere Namen herauszufinden.

    „Und es ist sicher, dass er zu dem Kinderporno-Ring gehört?"

    „So gut wie. Es sind bei ihm auch Bilder von Kindern aufgetaucht, die spurlos verschwunden sind."

    „Legen Sie dem Kerl das Handwerk!, stieß der AD wütend hervor. „Diese Sorte ist die Luft nicht wert, die sie atmet. Quetschen Sie ihn aus. Ich will, dass dieser Pornoring bis auf den letzten Mann zerschlagen wird. Die Kerle gehören hinter Gitter.

    Derlei emotionale Ausbrüche waren beim Direktor des FBI New York höchst selten, und Burke wurde klar, dass er für Kinderpornografie ebenso wenig Verständnis aufbringen konnte wie er, Burke, selbst und wohl jeder Mensch, der nicht pädophil veranlagt ist.

    Die Besprechung endete und die Agents begaben sich in ihr gemeinsames Büro.

    Kurz darauf klopfte jemand an die Tür, im nächsten Moment wurde sie geöffnet, und Wes Hammond, ein Innendienstler, betrat den Raum. Er hielt einige Bögen Papier in der Hand, reichte sie Burke und sagte: „Die E-Mails der vergangenen drei Tage, die Simpson erhalten hat."

    Wes Hammond war Computerspezialist. Er war gefordert, wenn es galt, Kennwörter zu knacken oder gelöschte Dateien wiederherzustellen. Zudem war er Experte für Vernehmungen, besonders geschult auf diesem Gebiet ...

    Owen Burke nahm die Ausdrucke und las die Absender. Steven Perkins, Brian Holmes, Christopher Hall ... Und es erschienen weitere Namen als Absender der E-Mails. Burke konnte sie sich gar nicht alle merken. Die Texte der jeweiligen Nachrichten waren mit ausgedruckt. Meist war es nur ein einzelner Satz, den die Mails enthielten. ‚Anbei die neuesten Bilder’, oder ‚Viel Vergnügen’. Es wurden auch diverse Treffen vereinbart. Ort, Tag und Uhrzeit waren angegeben.

    Wes Hammond hatte auch einige der Bilder ausgedruckt, die den Nachrichten als Anlagen beigefügt waren. Sie zeigten erwachsene Männer sowie Jugendliche und Kinder – Jungs und Mädchen -, in eindeutigen Posen.

    Burke drehte sich fast der Magen um. Er reichte die Blätter an Ron Harris weiter. Wes Hammond sagte: „Der AD hat mich angewiesen, eng mit euch beiden zusammenzuarbeiten. Im Gegenzug müsst ihr natürlich auch mit mir eng zusammenarbeiten."

    „Das bedarf keiner besonderen Vereinbarung, versetzte Burke grinsend. „Wir sind auf euch angewiesen, und ihr darauf, dass wir euch mit Material versorgen.

    „So ist es, pflichtete Hammond bei und erwiderte Burkes Grinsen. „Eine Hand wäscht die andere. - Wir bleiben weiterhin dran und setzen auch bei den Computern der Kerle, deren E-Mail-Adressen wir herausgefunden haben, Scansoftware ein.

    „Wir sollten vielleicht mal so ein Treffen besuchen, Owen, meinte Ron Harris und grinste säuerlich. „Hier, eine Verabredung am Dienstag um 20 Uhr in der Wohnung Perkins’ in Gramercy Park, 18th Street. Wahrscheinlich schaut man sich dort gemeinsam Filme an ...

    Hammond verließ das Büro wieder.

    2

    Ron Harris sagte: „Zwei neue E-Mails. Eins vom Police Department. Mal sehen ..."

    Kurze Zeit verstrich, dann ließ der Special Agent erneut seine Stimme erklingen: „Hör zu, Owen, sagte er. „Es wurde erneut ein Kind entführt. Ein Achtjähriger. Man sah ihn vor der Schule in Queens in einen Lincoln steigen. Seitdem fehlt jede Spur von dem Kleinen. Sein Name ist David Jensen.

    „Hat jemand die Nummer des Wagens aufgeschrieben?"

    „Ich rufe beim Department an." Ron Harris griff nach dem Telefonhörer, tippte die Kurzwahlnummer des Police Departments und hatte gleich drauf eine Verbindung. Er ließ sich mit dem Beamten verbinden, von dem er die E-Mail erhalten hatte, dann stellte der G-man seine Fragen.

    Das Ergebnis war folgendes: Die Zulassungsnummer des Lincoln hatte niemand notiert. In dem anthrazitfarbenen Wagen hatten zwei Männer gesessen. Sie mussten keine Gewalt anwenden, um den Jungen ins Auto zu locken. Die Entführung hatte am Vortag stattgefunden, und zwar mittags um 12 Uhr 30. Das FBI war in Kenntnis gesetzt worden, weil bekannt war, dass es gegen einen Kinderporno-Ring ermittelte und nicht auszuschließen war, dass Mitglieder dieses Rings die Entführung verübt hatten.

    Ron Harris bat den ermittelnden Beamten, von allem, was es an Feststellungen gab, Kopien zu schicken, dann legte er auf und sagte: „Im Fall der siebenjährigen Shirley Wiley spielte auch ein anthrazitfarbener Lincoln eine Rolle, der mit zwei Männern besetzt gewesen war. Es dürfte sich um ein und dieselben Täter handeln."

    Burke schluckte würgend, sein Hals war wie zugeschnürt. Shirley Wiley war vor vier Wochen entführt worden und seitdem nicht wieder aufgetaucht. An die Eltern des Kindes war nicht mit einer Lösegeldforderung herangetreten worden, sodass davon auszugehen war, dass die Kleine einem Triebtäter in die Hände fiel und wahrscheinlich schon nicht mehr lebte.

    Der Magen krampfte sich Burke zusammen, wenn er sich vorstellte, dass sich der achtjährige David Jensen ebenfalls in der Gewalt eines solchen Verbrechers befand.

    3

    Die Agents hatten die Adressen der Kerle herausgefunden, von denen Simpson elektronische Post erhalten hatte. Da waren:

    Steven Perkins. Er wohnte in der 18th Street.

    Brian Holmes, seine Wohnung lag in Queens, Maspeth Avenue.

    Christopher Hall. Er lebte in Brooklyn, Meadow Street.

    Und dann war da noch ein Mann namens Anthony Rooney, wohnhaft in Manhattan, Lower East Side, Clinton Street.

    Zuerst aber wollten sie Derek Simpson einen Besuch abstatten, und so fuhren sie in die Mercer Street.

    Es war halb neun Uhr, als Burke an der Wohnungstür Simpsons läuteten. Niemand öffnete. In der Wohnung blieb es still. Von einem Nachbarn Simpsons erfuhren die Agents, dass Simpson bei einer Straßenreinigungsfirma in Staten Island beschäftigt war.

    Sie holten den Hausmeister, und er sperrte ihnen die Wohnungstür auf. Sofort begannen sie, die Wohnung zu durchsuchen und stießen auf ein ganzes Board voller DVD’s und CD's, fanden einige pornografische Zeitschriften, aber - dem ersten Augenschein nach zu urteilen -, nichts, was mit Kinderpornografie zu tun gehabt hätte.

    Burke fuhr den Computer Simpsons hoch. Das Betriebssystem war Windows und der Special Agent fand sich einigermaßen zurecht.

    „Wir werden sämtliche DVD’s und CD's beschlagnahmen müssen, meinte Ron Harris. „Allerdings können wir das Zeug ohne Hilfe nicht transportieren. Ich fordere jemand aus dem Field Office an. Er nahm sein Mobiltelefon zur Hand, die Nummer hatte er eingespeichert. Gleich darauf hörte Burke seinen Kollegen sprechen.

    Owen Burke ging den Explorer durch. Simpson hatte einige persönliche Ordner angelegt; der Agent durchforstete sie nach Bilddateien und Videos ...

    Ron Harris schaute in sämtliche Schränke und Boards, die es in der Wohnung gab. Schließlich kam er mit einem Blatt Papier, das eine Menge Knitterfalten aufwies, zu Owen Burke. „Lies das, Owen. Ich hab es im Abfalleimer in der Küche gefunden."

    Burke warf einen Blick auf den Zettel. ‚Dreckiger Kinderschänder’, stand da. ‚Du wirst deine gerechte Strafe erhalten’.

    Burke konnte sich keinen Reim darauf machen. Denn er wusste nicht, ob diese Nachricht Simpson zugegangen war, oder ob er diese Worte selbst geschrieben hatte. Wenn ja, wer war der ‚dreckige Kinderschänder’? Und weshalb hatte er die Nachricht in den Abfall geworfen? Nur eines schien klar zu sein - die Nachricht enthielt einen Hinweis auf Kinderpornografie.

    Vielleicht würden die Agents von Simpson die Antwort auf die Frage erhalten, was es mit dem Blatt Papier auf sich hatte.

    Vier Kollegen aus dem Field Office trafen ein. Burke bat sie, sämtliche DVD’s und CD's sowie den Computer in die Zentrale zu schaffen und mit den Auswertungen zu beginnen.

    Burke und Harris fuhren nach Staaten Island zu der Firma, bei der Simpson beschäftigt war. Man erklärte ihnen, dass Simpson mit seinem Straßenreinigungsfahrzeug auf Tour sei, und Burke ließ sich den Tourenplan kopieren. Danach gehörten zu Simpsons Tour die Bezirke Midland Beach und Old Town.

    Sie trafen das Reinigungsfahrzeug am Slater Boulevard an und stoppten es. Simpson stellte den Motor ab und stieg aus. Burke wies sich als FBI-Agent aus und Simpson wurde bleich, in seinen Augen flackerte jähe Unruhe, was dem Special Agent nicht entging. Fahrig strich sich Simpson mit der Rechten über das Gesicht. „Worum geht es?"

    „Kinderpornografie, versetzte Burke. „Wir haben auf Ihrem Computer pornografische Bilder sichergestellt. Leugnen ist zwecklos. Im Übrigen haben wir Ihre Wohnung durchsucht und sämtliche DVD’s und CD's sowie Ihren PC beschlagnahmt.

    Simpson zog den Kopf zwischen die Schultern, sein Blick irrte ab, er atmete schneller. „Sie – Sie müssen sich irren, gab er schließlich mit belegter Stimme zu verstehen. „Ich habe mit Kinderpornografie nichts zu tun.

    „Und was ist mit den Bildern, die wir von Ihrer Festplatte gescannt haben?, schnappte Ron Harris. „Erzählen Sie uns bloß nicht, dass die ein anderer auf ihrer Festplatte gespeichert hat.

    „Wir nehmen Sie mit ins Field Office", erklärte Burke.

    „Bin ich verhaftet?"

    „Zunächst nur vorläufig festgenommen. Wir fanden in ihrer Wohnung einen Zettel. Dreckiger Kinderschänder, stand darauf. Du wirst deine gerechte Strafe erhalten. Haben Sie den geschrieben?"

    „Nein."

    „Wer dann?"

    „Ich weiß es nicht. Jemand ist in der vergangenen Nacht in mein Apartment eingedrungen hat ihn dort hinterlegt. Großer Gott, was ist bloß los? Ich habe doch mit ..."

    Plötzlich spritzte Blut. Auf Simpsons Stirn zeigte sich ein kleines Loch, und er brach haltlos zusammen. Eine Detonation war nicht zu vernehmen. Burke wirbelte herum, denn der Schuss war hinter seinem Rücken abgefeuert worden. Auf der Querstraße, in die der Slater Boulevard mündete, fuhr mit quietschenden Reifen ein Wagen an. Der Special Agent konnte gerade noch sehen, dass es sich um einen schwarzen Van handelte.

    „Die Autoschlüssel, Ron! Du bleibst hier!"

    Ron Harris warf seinem Kollegen die Schlüssel zu, der fing sie geschickt auf und rannte schon los, entriegelte die Türen des Dodge per Fernbedienung, riss die Fahrertür auf und warf sich auf den Sitz. Zündschlüssel ins Zündschloss stecken, umdrehen, den Vorwärtsgang ins Getriebe rammen und Gas geben waren ein einziger, fließender Bewegungsablauf.

    Burke musste wenden, und das kostete Zeit. Sein Glück war, dass die Siedlungsstraßen hier in Staten Island kam befahren waren. Die Straße war breit genug, sodass er den Wagen mit dem zweiten Zug gewendet hatte. Schließlich schaute er mit dem Kühlergrill in Richtung Querstraße und Burke drückte voll auf die Tube. Im Vorbeifahren sah er, dass Harris mit seinem Handy telefonierte.

    Burke erreichte die Querstraße. Der Van floh in Richtung Verrazano Narrows Bridge, die nach Brooklyn führte. Er hatte gut zweihundert Yards Vorsprung. Zwischen ihm und dem Dodge fuhren drei Autos. Der Fahrer des Van fuhr weitaus schneller, als erlaubt war.

    Burke schaltete die Sirene ein. An das Blinklicht, das im Fußraum des Beifahrersitzes lag, kam er nicht ran. Es musste einfach ohne gehen.

    Ohne abzubremsen raste der Van in eine Kurve. Burke setzte zum Überholen des Fahrzeuges an, das vor ihm fuhr. Der Fahrer zog im selben Moment auf die linke Fahrspur, um seinerseits das vor ihm fahrende Fahrzeug zu überholen, und Burke sprang auf die Bremse. Hatte denn der Kerl keine Augen im Kopf? Und hatte er etwas an den Ohren, weil er die Sirene nicht zu hören schien?

    Der Special Agent drückte zusätzlich auf die Hupe.

    Der Van gewann an Vorsprung. Dann war er um eine Kurve aus dem Blickfeld des Special Agents verschwunden. Endlich fuhr der Bursche vor Burke wieder auf die rechte Fahrspur. Als er ihn überholte, schoss er ihm einen wütenden Blick zu, er aber schaute starr – vielleicht schuldbewusst - nach vorn. Burke hupte noch einmal, dann war er vorbei.

    Der Special Agent trat das Gaspedal bis zum Anschlag durch und der Dodge bäumte sich geradezu auf. Der Motor röhrte. Erst ging es in eine Rechts-, dann in eine Linkskurve. Bei letzterer handelte es sich um eine ziemlich steile Kurve und Burke musste bremsen, um nicht von der Fahrbahn getragen zu werden. Sofort hatte er den Wagen wieder unter Kontrolle. Überholen konnte er hier nicht. Dieses Risiko wagte er nicht einzugehen, weil er nicht ausschließen konnte, dass ein Fahrzeug entgegenkam. Und Unbeteiligte wollte er auf keinen Fall gefährden.

    Es ging an einem Fußballstadion vorbei. Dann konnte Burke die Brücke sehen. Der Van raste schon über die Auffahrt. Da kein Auto entgegenkam, konnte der Special Agent auf die linke Fahrspur wechseln und zwei weitere Fahrzeuge überholen. Auf der Brücke rollten etwa ein Dutzend Fahrzeuge in Richtung Brooklyn. Es herrschte Gegenverkehr. Der Van nahm darauf keine Rücksicht. Er raste mitten auf der Fahrbahn zwischen den Autos hindurch. Einmal krachte es, als er einen Wagen streifte und ein Seitenspiegel wurde durch die Luft gewirbelt.

    Burke versuchte, dem Van zu folgen. Alarmiert durch seine Sirene fuhren die Autos vor ihm rechts ran, sodass er trotz des Gegenverkehrs gut durchkam. Aber es gelang ihm nicht, aufzuholen. Der Van fuhr ohne Rücksicht auf Verluste. Als ein Wagen, ein Volvo, nicht zur Seite ausweichen wollte, fuhr er einfach hinten auf. Dann überholte er. Der Volvo-Fahrer bremste, doch der Van brauste weiter. Hinter dem Volvo kamen die folgenden Fahrzeuge zum Stehen. Burke jagte links an ihnen vorbei. Einer riss seine Autotür auf. Die Zeit, auszuweichen, fand der Special Agent nicht. Es krachte, die Tür wurde abgerissen und schlitterte über die Straße. Burke konnte sich nicht darum kümmern. Ein Ruck durchfuhr den Dodge, als er über die Tür hinwegdonnerte.

    Das Fahrzeug, dem der Special Agent folgte, raste von der Brücke und fuhr auf den Gowanus Expressway. Die Straße war vierspurig, es handelte sich um eine Interstate Route. Der Van preschte auf der linken Fahrspur dahin und nahm die nächste Abfahrt, um wieder in einer Wohnsiedlung zu verschwinden. Burke hinterher. Der Van jagte in eine Seitenstraße hinein. Der Special Agent riss kurz darauf den Dodge in die Kurve und der Wagen brach hinten aus. Burke bremste ein wenig und fing ihn ab. Hundert Yards vor ihm verschwand der Van in einer Wohnstraße. Erneut fegte Burke mit dem Dodge in die Kurve. Reifen quietschten durchdringend. Am Fahrbahnrand sah der Special Agent einige Kinder mit Fahrrädern. Der Van verschwand soeben um eine Rechtskurve.

    Burke drosselte das Tempo und überholte die Kinder, dann trat ich wieder aufs Gas, riss den Dodge im nächsten Augenblick nach rechts und sprang auf die Bremse, weil soeben eine alte Frau die Straße überquerte, obwohl hier kein Fußgängerüberweg war. Dicht vor der etwas gebeugt gehenden Lady kam der Dodge zum Stehen. Sie war wie gelähmt und presste die linke Hand gegen den Mund. Das war knapp gewesen. Weit vor dem Special Agent jagte der Van nach links in eine Seitenstraße. In diesem Gitternetz aus Straßen hatte Burke keine Chance mehr, ihn zu erwischen.

    Er nahm den Gang heraus, zog die Handbremse an und stieg aus. Die Sirene ließ er an. Die Frau war bleich wie ein Leichentuch, ihre Lippen bebten, ihre Nasenflügel zitterten. „Tut mir leid, sagte Burke und hatte Mühe, seinen Zorn zu unterdrücken. „Ich hoffe, es geht Ihnen gut. - Haben Sie denn die Sirene nicht gehört?

    „Ich – mein Gott – nachdem der Wagen an mir vorbeigebraust war, dachte ich ... Ihre Stimme brach und sie holte tief Luft. Wahrscheinlich löste sich in ihr jetzt der Schock. „Um ein Haar hätten Sie mich überfahren, entrang es sich ihr und sie schaute den Special Agent an wie eine Erwachende.

    „Es war ein Einsatz, murmelte Burke. „Kann ich Sie vielleicht nach Hause bringen?

    „Ich – ich wohne gleich um die Ecke", ächzte sie, fuhr sich mit der Hand über die Augen, setzte sich in Bewegung und überquerte die Straße.

    Burke fuhr weiter bis zu der Querstraße, in der der Van verschwunden war. Die Sirene stellte er ab. Der Wagen mit dem Mörder war über alle Berge. Der Agent biss die Zähne zusammen, dann kehrte er um und fuhr mit der vorgeschriebenen Geschwindigkeit zurück nach Staten Island.

    Ron Harris hatte zwischenzeitlich die Mordkommission verständigt. Es dauerte noch seine Zeit, bis die Kollegen anrückten. Die G-men versprachen, einen Bericht zu erstellen und ihn den ermittelnden Beamten zu überlassen, dann verließen sie den Schauplatz des Verbrechens, um nach Manhattan zurückzukehren.

    „Wer mag der Mörder sein?", fragte Ron Harris.

    „Derselbe, der Simpson die Drohung in dessen Apartment hinterlegte. Ich denke, wir sollten die Kollegen von der SRD in die Wohnung schicken, denn es ist nicht auszuschließen, dass der Mörder eine Spur hinterlassen hat, mit der wir etwas anfangen können."

    „Konntest du die Nummer des Van erkennen?"

    „Nein. So nahe kam ich nicht ran."

    4

    „Öffnen Sie, Perkins !, erklang es ein wenig ungeduldig. „FBI New York. Mein Name ist Burke.

    Der Special Agent zog seine ID-Card aus der Jackentasche und hielt sie vor den Spion. Gleich darauf ging die Tür einen Spalt breit auf, gerade so weit, wie es die Sicherungskette zuließ, und die rechte Gesichtshälfte eines Mannes wurde sichtbar, die andere Hälfte wurde vom Türblatt verdeckt.

    „Was kann ich für Sie tun?" Die Stimme klang belegt, geradezu brüchig.

    „Öffnen Sie, forderte Owen Burke. „Wir werden Ihnen alles erklären. Er hatte das Etui mit seinem Ausweis wieder in die Tasche gesteckt.

    Perkins drückte die Tür noch einmal zu, hängte die Kette aus, dann ließ er die Agents in die Wohnung. Aus jedem Zug seines Gesichts sprach tiefe Unruhe. Er wirkte fahrig, auf seinen Wangen zeigten sich hektische Flecken, mit einer marionettenhaften Geste wies auf die Couchgarnitur, die um einen niedrigen Tisch herum gruppiert war. „Bitte, nehmen Sie Platz."

    „Danke, versetzte Burke und winkte ab. „Sie werden beschuldigt, pornografische Filme und Bilder zu vertreiben. Kinderpornos! Ich weise Sie darauf hin, dass Sie vorläufig festgenommen sind. Was Sie von jetzt an sagen, kann vor Gericht gegen Sie verwendet werden. Burke wies ihn noch darauf hin, dass es ihm freistehe, einen Anwalt seiner Wahl zu konsultieren.

    Der Form war Genüge getan.

    Perkins schnappte nach Luft, dann japste er: „Ich habe mit Kinderpornografie nicht das Geringste zu tun. Sehen Sie sich um in meiner Wohnung, checken Sie meinen Computer. Sie werden nichts finden."

    „Wir wissen, dass Sie Derek Simpson mit pornografischen Bildern versorgt haben. Das genügt, um Sie festzunehmen."

    „Hat Ihnen das Simpson erzählt?"

    „Nein. Wir haben die Festplatte seines Computers gescannt", erwiderte Ron Harris. Es gab keinen Grund, es Perkins zu verheimlichen.

    Perkins duckte sich. „Haben Sie auch meinen Computer ..."

    Darauf erhielt er keine Antwort. Burke schaute sich in dem Wohnzimmer, in dem sie sich befanden, um. Vor allen Dingen die DVD’s und CD’s waren für sie von Interesse.

    „Sie werden nichts finden", betonte Perkins noch einmal mit Nachdruck in der Stimme.

    „Was sollte am Dienstag um 20 Uhr für ein Treffen in Ihrer Wohnung stattfinden?", fragte Burke.

    „Wir – ich – nun, wir haben so etwas wie einen Stammtisch gegründet und treffen uns jeden Dienstag ..."

    „Wer?"

    „Simpson, Brian Holmes, Christopher Hall, Rooney."

    „Was treiben Sie denn bei diesen Treffen?", fragte Ron Harris.

    „Wir spielen Poker. Um kleine Einsätze, nur zum Zeitvertreib. Es wird getrunken und ..."

    „... dazu werden Kinderpornos angeschaut. Owen Burke war Perkins schroff ins Wort gefallen. „Von wem haben Sie die Filme und Bilder?

    Burke ging zum Telefon und nahm den Hörer in die Hand. Er war noch warm, was dem Special Agent sagte, dass Perkins telefoniert hatte, ehe sie läuteten. Einem jähen Impuls folgend drückte er die Wahlwiederholungstaste, dann hielt er sich den Hörer vor das Gesicht. Gleich darauf ertönte es: „Bourne."

    Burke legte auf und heftete den Blick auf Perkins. „Wer ist Bourne? Gehört er auch zu dem Kinderpornoring?"

    „Doug Bourne. Ein Bekannter. Himmel, G-man, es gibt keinen Kinderpornoring. Warum wollen Sie mir nicht glauben?"

    „Weil wir das Gegenteil beweisen können, Perkins, presste Burke hervor. Dieser Kerl widerte ihn an. „Wir werden diesen Bourne überprüfen, fügte er hinzu. „Wir werden Ihr gesamtes Umfeld einer Überprüfung unterziehen, Perkins. – Ron, ruf die Kollegen an, damit sie herkommen und die Wohnung auf den Kopf stellen. Sämtliche DVD’s, CD's und andere Datenträger sowie der Computer werden beschlagnahmt. - Drehen Sie sich um, Perkins."

    Harris holte sein Handy aus der Tasche. Während Owen Burke Perkins die Hände fesselte, fragte er: „Wo wohnt Bourne?"

    „Oben, in Westchester County. Die genaue Adresse kenne ich nicht."

    „Geben Sie sich keine Mühe, knurrte Burke. „Wir werden seine Adresse über die Telefonnummer herausfinden.

    Perkins stieß einen Schwall verbrauchter Atemluft aus.

    Ron Harris sagte: „In einer Viertelstunde trifft eine Gruppe Kollegen von der Spurensicherung ein. Wir warten auf sie."

    „Setzen Sie sich, Perkins", gebot Burke.

    Er ließ sich in einen der Sessel sinken.

    „Wer gehört noch dazu?, fragte Owen Burke. „Einige Namen kennen wir. Holmes, Hall, Rooney und möglicherweise dieser Bourne. Nennen Sie uns weitere Namen, Perkins. Sie können vielleicht für sich was rausholen.

    „Ich habe Ihnen nichts zu sagen. Mit dem, was Sie mir vorwerfen, habe ich nichts zu tun. Sie werden in meiner Sammlung sicher einige pornografische Filme finden. Aber das sind Streifen, die man sich in jedem Supermarkt kaufen kann. Sie anzusehen ist nicht strafbar."

    „Simpson hatte Aufnahmen in seinem Computer, die ein siebenjähriges Mädchen zeigten, das vor vier Wochen entführt wurde, sagte Ron Harris grollend. „Das Mädchen ist seither verschwunden und wir befürchten, dass es gar nicht mehr lebt. Erzählen Sie uns, von wem Sie Ihre Filme und Bilder beziehen.

    „Ich habe weder Filme noch Bilder."

    „Erhielten Sie eine Drohung?", fragte Burke.

    „Eine Drohung?"

    „Eine Drohung mit folgendem Text: Dreckiger Kinderschänder. Du wirst deine gerechte Strafe erhalten."

    In Perkins’ Miene arbeitete es. „Nein!", stieß er schließlich hervor.

    „Sagen Sie uns die Wahrheit, drängte Burke. „Ihr Freund Simpson erhielt eine derartige Drohung - und jetzt ist er tot.

    Perkins zuckte zusammen, als hätte ihn der Special Agent mit einem glühenden Draht berührt. „Er – ist – tot?, echote er abgehackt und seine Züge entgleisten, in seine Augen schlich sich namenloses Entsetzen. „Gütiger Gott ...

    „Sie wissen mehr, nicht wahr? Hat Simpson mit Ihnen telefoniert und Ihnen von dem Drohbrief erzählt?"

    „Nein. Perkins schüttelte den Kopf. „Aber bei mir war heute ein Mann, der mich sprechen wollte. Meine Nachbarin hat ihn gesehen. Er will wiederkommen.

    Die Befragung Perkins’ führte zu keinem Ergebnis. Er stritt alles ab. Die Beamten von der SRD kamen nach einiger Zeit.

    Burke und Harris führten den gefesselten Perkins ab. Auf der Straße angekommen dirigierte Burke ihn zum Dodge. Perkins musste sich auf den Rücksitz setzen. Owen Burke nahm neben ihm Platz, Ron Harris klemmte sich hinter das Steuer.

    5

    Special Agent Wes Hammond betrat das Büro, das sich die Special Agents Burke und Harris teilten. Burke erzählte ihm, was vorgefallen war. „Leider ist euch der Mörder entkommen, war Hammonds Kommentar. „Gibt es irgendeinen Hinweis? Eine Zulassungsnummer vielleicht.

    „Nein, antwortete Burke. „Wir wissen nur, dass es sich um einen schwarzen Van handelt, der jetzt ziemlich verbeult sein dürfte. Die Fahndung läuft. Die Wahrscheinlichkeit, den Van aus tausenden anderen herauszupicken ist allerdings sehr gering.

    „Es muss jemand sein, der einen persönlichen Rachefeldzug gegen den Kinderpornoring gestartet hat, mutmaßte Ron Harris. „Zumindest die Nachricht, die er Simpson hinterlassen hat, deutet darauf hin.

    Hammond zuckte mit den Achseln und erwiderte: „Wahrscheinlich jemand, der wie ich der Meinung ist, dass die Gerichte mit dieser Sorte viel zu lasch umgehen. Die Stimme Hammonds nahm einen härteren, geradezu klirrenden Klang an. „Das sind Triebtäter. Und die meisten von ihnen werden rückfällig, wenn sie nach ein paar lächerlichen Jahren das Gefängnis als freier Mann verlassen.

    Burke kannte den Grund, der Hammond veranlasste, für eine strengere Bestrafung pädophiler Triebtäter zu plädieren. Sein achtjähriger Sohn war vor zwei Jahren entführt und missbraucht und schließlich ermordet worden. Der Mord war bis heute ungeklärt. „Wahrscheinlich hast du recht, Wes", murmelte er, vermied es aber, Hammonds Aussage zu thematisieren.

    Er hatte auf seinem Computer das elektronische Adressbuch für den Großraum New York geöffnet. „Ein weiterer Name ist gefallen, sagte er. „Doug Bourne. Er soll in Westchester County wohnen.

    Er gab den Namen in den Suchlauf auf, und sogleich spuckte der Computer die Adresse aus. 471 McLeon Avenue, Yonkers.

    „Wir sollten diesen Burschen heute noch aufsuchen", schlug Ron Harris vor.

    „Zunächst einmal sollten wir uns noch einmal Perkins vorknöpfen, gab Burke zu verstehen. „Ich will wissen, von wem er die perversen Produktionen bezieht. Vielleicht kommen wir über ihn an die Hintermänner, an die Macher heran.

    Der Special Agent nahm das Telefon zur Hand, rief im Zellentrakt an und bat, Perkins ins Vernehmungszimmer zu bringen.

    „Was dagegen, wenn ich mich an der Vernehmung beteilige?, fragte Hammond. „Ihr wisst ja – ich bin dahingehend besonders ausgebildet.

    Owen Burke stimmte zu.

    Der Vernehmungsraum war nüchtern eingerichtet. Ein Tisch, einige Stühle sowie eine Computeranlage für die Niederschrift der Vernehmungsprotokolle.

    Perkins wurde in den Raum dirigiert. Er war nicht mehr gefesselt und musste sich auf einen der Stühle setzen. Owen Burke nahm ihm gegenüber Platz. Zwischen ihnen war der Tisch. Ron Harris lehnte sich an die Wand und verschränkte die Arme vor der Brust. Wes Hammond baute sich hinter Perkins auf.

    „Reden Sie, forderte Owen Burke Perkins auf. „Welche Rolle spielen Sie in dem pornografischen Ring? Welche Rolle spielen Leute wie Simpson, Holmes, Hall und Rooney. Gehört Doug Bourne zu der Organisation? Woher beziehen Sie Ihr Material, ich meine die Filme, Bilder und Zeitschriften. Wer ist der Drahtzieher? Burke senkte seine Stimme. „Ein Junge wurde entführt, Perkins. Er ist ganze acht Jahre alt, und es ist nicht auszuschließen, dass das Verbrechen auf das Konto der Hintermänner des Pornoringes geht. Es sind bereits mehrere Kinder spurlos verschwunden. Helfen Sie uns, den Ring zu zerschlagen. Sie können doch nicht wollen, dass weitere Kinder der Perversität einiger Leute zum Opfer fallen."

    Perkins lehnte sich zurück. „Wie oft noch, Agent? Ich habe damit nichts zu tun. Wenn Simpson dem Ring, von dem sie sprechen, angehört hat, so weiß ich davon nichts. Ich will meinen Anwalt sprechen. Die Antworten auf Ihre Fragen muss ich Ihnen schuldig bleiben. Dass ich mit Simpson per E-Mail verkehrt bin, können Sie mir nicht anlasten."

    „Und was ist mit den Bildern, die Ihren Mails als Anlagen beigefügt waren?"

    Perkins presste die Lippen zusammen und schwieg verbissen.

    Plötzlich trat Hammond in Aktion. Mit der Rechten packte er Perkins am Genick und drückte seinen Kopf nach vorn. „Spucken Sie's schon aus, Perkins, knirschte er. Sein Gesicht hatte sich verzerrt und seine Augen glitzerten wie glasiertes Porzellan. „Es gibt Mittel und Wege, Sie zum Reden zu bringen. Zwingen Sie uns nicht dazu. Wir ...

    „Genug!, stieß Burke schroff hervor. „Finger weg von dem Gefangenen, Wes! Solche Methoden schätze und dulde ich nicht.

    Hammond ließ Perkins los, als hätte er sich die Finger an ihm verbrannt, und seine Züge glätteten sich wieder. „Tut mir leid, murmelte er. „Aber wenn ich daran denke, dass er vielleicht den oder die Kidnapper des kleinen Jungen kennt, kommt mir die Galle hoch.

    Burke erhob sich.

    „Das gibt eine Beschwerde, fauchte Perkins. „Ich möchte sofort in meine Zelle zurückgebracht werden. Und ich will meinen Anwalt verständigen.

    Während Burke zur Tür schritt, forderte er Hammond auf, ihm zu folgen. Dann waren sie auf dem Flur. Die Tür zum Vernehmungsraum hatte Burke geschlossen. „Bist du übergeschnappt?, fuhr Burke seinen Kollegen an. „Wie kannst du Hand an einen Gefangenen legen? Verdammt, welcher Teufel hat dich geritten? Dir ist doch klar, dass ich diesen Vorfall melden muss.

    Hammonds Kiefer mahlten. „Es tut mir wirklich leid, presste er dann hervor. „Mir sind die Nerven durchgegangen. Ich dachte nur an den kleinen Jungen, der sich vielleicht in den Händen dieser Perverslinge befindet und in höchster Gefahr schwebt.

    „Das ist kein Grund, handgreiflich zu werden. Ich will nicht, dass du weiterhin der Vernehmung beiwohnst."

    „In Ordnung. Es tut mir wirklich leid. Mir ist ganz einfach eine Sicherung durchgebrannt." Zerknirscht wandte sich Hammond ab, mit gesenktem Kopf schritt er den Korridor entlang. Burke blickte ihm hinterher. Hammond ging zum Aufzug und drückte den Knopf. Er vermied es, noch einmal mit Burke in Blickkontakt zu treten.

    6

    Die Vernehmung Perkins’ ergab nichts. Der Bursche schwieg beharrlich. Burke rief bei den Kollegen von der Spurensicherung an und erfuhr, dass sie sämtliche DVD’s und CD's aus Perkins’ Wohnung abtransportiert, aber noch nicht mit der Auswertung begonnen hatten.

    Burke und Harris besprachen, wem sie als nächstes einen Besuch abstatten wollten, und kamen überein, zu Rooney in die Lower East Side zu fahren. Seine Wohnung lag dem Federal Building am nächsten.

    Es war ein Haus, das sicherlich schon hundert Jahre auf dem Buckel hatte, und es gab keinen Aufzug. Im Treppenhaus war es düster und es roch nach Bohnerwachs. Von den Wänden blätterte stellenweise die Farbe ab. Auf jedem Treppenabsatz gab es ein Fenster. Die Scheiben waren schmutzig, auf den Fensterbrettern lagen tote Fliegen.

    Rooney war nicht zu Hause. Die Agents verschafften sich Einlass in das Apartment. Seit dem Erlass des 'Patriot Act' konnten sie auch ohne richterlichen Befehl in eine Wohnung eindringen, wenn ein begründeter Tatverdacht vorlag.

    Und sie wurden fündig. Ron Harris schaltete den Fernseher und den DVD-Player ein. Zunächst wurden die Daten eingelesen, doch dann begann ein Film anzulaufen, der an Obszönität kaum zu überbieten war. Auch hier verständigten sie die Kollegen von der Spurensicherung. „Ihr deckt uns ganz schön mit Arbeit ein, sagte der Beamte am anderen Ende der Strippe. „Eigentlich wollte ich wieder mal pünktlich Feierabend machen.

    „Tut mir leid, wenn wir euch über Gebühr beanspruchen, erwiderte Burke und ging auf den Ton des Kollegen ein. „Aber das Verbrechen kennt keinen Feierabend, und ein guter Polizeibeamter ist vierundzwanzig Stunden täglich im Dienst.

    „Ich schicke jemand", versprach der Kollege lachend.

    „Wir warten in der Wohnung", gab Burke zu verstehen und vernahm im selben Moment bei der Eingangstür Geräusche. Er gab Ron Harris ein Zeichen, doch der wandte sich schon der Tür zu. Sie schwang auf und ein Mann erschien im Türrechteck. Er sah die Agents, seine Augen weiteten sich einen Moment, dann griff er unter die Jacke, und als seine Hand wieder zum Vorschein kam, hielt sie eine Pistole.

    „FBI!", rief Ron Harris, aber der letzte Buchstabe ging schon im Dröhnen unter, als sich die Waffe entlud. Ron Harris hatte sich instinktiv zur Seite geworfen. Burkes Hand zuckte zur SIG Sauer, ihm entging aber nicht, dass der Bursche bei der Tür die Faust mit der Waffe herumschwenkte und auf ihn zielte.

    Der Special Agent stieß sich ab, und als der Schuss krachte, flog er schon durch die Luft. Als er mit beiden Beinen gleichzeitig aufkam, hatte er die SIG in der Faust. Die Kugel, die ihm gegolten hatte, hämmerte in die Wand und meißelte ein faustgroßes Loch aus dem Mauerwerk.

    Der Kerl bei der Tür wirbelte herum und gab Fersengeld.

    Ron Harris kam in die Höhe.

    „Alles klar?", fragte Burke.

    Harris nickte. „Hinterher!", blaffte er und zog seine Dienstwaffe.

    Burke rannte zur Tür. Die Wohnung befand sich in der 3. Etage des Gebäudes. Auf der Treppe trampelten Schritte nach unten. Der Special Agent nahm die Verfolgung auf und sprang, immer drei Stufen auf einmal nehmend, die Treppe hinunter. In Rekordzeit kam er unten an. Aber der Kerl hatte schon das Haus verlassen. Die Haustür war zu. Ebenso die Hintertür. Burke musste sich entscheiden und nahm die Haustür. Als er sie vorsichtig aufzog, peitschte ein Schuss. Die Kugel konnte ihm nichts anhaben, denn er stand im Schutz der Wand neben der Tür. Sie durchschlug das Türblatt und pfiff durch den Korridor.

    Zur Vordertür konnte Burke nicht hinaus, wenn er nicht Gefahr laufen wollte, getroffen zu werden. Darauf zu bauen, dass der Gangster seine Flucht fortsetzte, war ihm zu gewagt.

    Er lief zur Hintertür und stand wenig später im Hof, der nach drei Seiten von einer etwa zwei Meter hohen Mauer begrenzt war. Linker Hand führte eine Einfahrt tunnelartig unter dem Haus hindurch. Der Special Agent lief zu der Einfahrt und schob sich dicht an der Wand nach vorne, bis er Einblick in die Straße hatte. Vorsichtig lugte er um die Ecke, schwenkte seinen Blick die Fahrbahn hinauf und hinunter, dann trat er auf den Gehsteig, bereit, sofort in Deckung zu gehen, wenn es auf der anderen Seite krachen sollte.

    Nichts geschah und so rannte Burke geduckt über die Straße. Aus einer Ladentür trat ein Mann. „Er ist in diese Richtung gelaufen!", rief er und deutete in Richtung Manhattan Bridge, die Brooklyn mit Manhattan verband.

    Hier und dort sah Burke Passanten hinter geparkten Autos hochkommen, hinter denen sie in Deckung gegangen waren, als es krachte und sie begriffen hatten, dass geschossen worden war.

    Er setzte sich in Bewegung und lief ein Stück die Straße hinunter. Es war die Madison Street, auf der er sich befand. Alte Häuser - längst renovierungsbedürftig, überquellende Mülltonnen, Gruppen rauchender Jugendlicher, ein herumstreunender Hund – das war das Bild, das sich ihm bot. Die Straße war nur wenig frequentiert. Irgendwo in einem der Häuser hörte er eine Frauenstimme, die irgendetwas brüllte, dann war nur noch das laute Weinen eines Kindes zu vernehmen. Eine Tür wurde zugeschlagen ...

    Der Gangster war verschwunden. Er hatte sich in irgendeine der Seitenstraßen abgesetzt.

    Burke rammte die SIG ins Holster und kehrte um.

    Ron Harris hatte sich nicht an der Verfolgungsjagd beteiligt.

    „Er ist dir entkommen, wie?, empfing er seinen Kollegen. „Ich hörte einen Schuss.

    „Er hat auf mich gefeuert, als ich zur Haustür hinaus wollte."

    „Wer kann das gewesen sein?"

    „Rooney. Davon bin ich fest überzeugt."

    „Setzen wir die Fahndung nach ihm in Gang, knurrte Ron Harris. „In New York wird der Bursche keinen Fuß mehr auf die Erde kriegen.

    7

    Als die Agents in Yonkers ankamen, wimmelte es vor dem Haus Nummer 471 in der McLeon Avenue von Polizei. Ein halbes Dutzend Einsatzfahrzeuge standen auf der Straße. Burke sah auch den Kombi des Coroners. Eine Menschenmenge hatte sich zusammengerottet, aber drei Polizisten sorgten dafür, dass sie auf Distanz zu dem Gebäude blieb.

    Burke und Harris erfuhren, dass Doug Bourne ermordet worden war.

    Es war ein Einfamilienhaus inmitten eines Gartengrundstücks, das zur Straße hin mit einem Zaun abgegrenzt war. Ein schmaler Fußweg führte direkt zur Haustür, die Zufahrt zur Garage war geteert. Hinter dem Haus erhoben sich einige Bäume.

    Die Agents wiesen sich als FBI-Beamte aus und durften das Haus betreten. Die Spurensicherung war bei der Arbeit. Im Wohnzimmer lag ein Toter auf dem Fußboden, seine Konturen waren mit Kreidestrichen nachgezeichnet worden.

    Owen Burke fragte nach dem Einsatzleiter und ein Polizist führte die beiden G-men zu ihm. Der Mann sagte, nachdem sie sich vorgestellt hatten: „Mein Name ist Brown. Ein anonymer Anrufer hat darauf hingewiesen, dass Bourne tot sei und im Keller seines Hauses der entführte David Jensen festgehalten werde. Der Junge war tatsächlich da. Bei dem Anrufer handelt es sich um den Mörder Bournes. Er hat den Mord am Telefon zugegeben und meinte, das Schwein habe seine gerechte Strafe erhalten."

    „Wo ist der Junge jetzt?"

    „Mit einer Ambulanz unterwegs zum Krankenhaus. – Wir sind in dem Gebäude auf einen Raum gestoßen, in dem wahrscheinlich Pornofilme gedreht wurden."

    „Zeigen Sie uns den Raum", forderte Burke.

    Wenig später sahen sie das breite Bett, die Scheinwerfer und die Kamera. Owen Burke verspürte ein seltsames Drücken in der Magengegend, wenn er daran dachte, was sich in diesem Zimmer schon abgespielt haben mochte.

    „Der Mörder muss durch dieses Fenster ins Haus eingedrungen sein", erklärte Brown.

    Es war noch immer geöffnet. Burke ging hin und lehnte sich hinaus. Vor seinem Blick lag ein Garten mit Büschen und Bäumen, ideal, um sich ungesehen davonzuschleichen.

    Der Beamte führte die Agents in den Keller. „Schallgedämmt", sagte er, als sie sich in dem kleinen Verlies befanden. Auch hier waren Spezialisten mit der Spurensicherung beschäftigt. Ein Teller mit Bohnen und Fleisch stand noch auf dem Fußboden, ein Löffel steckte in der erkalteten grünen Pampe.

    „Haben Sie schon die Nachbarn befragt?, wollte Burke wissen. „Haben sie was gesehen oder gehört?

    „Zwei Kollegen sind dabei, sie zu vernehmen, antwortete Brown. „Bourne fährt übrigens einen anthrazitfarbenen Lincoln. Ein solcher Wagen wurde doch beobachtet, als Shirley Wiley und David Jensen entführt wurden. In seiner Garage haben wir einige gestohlene Nummernschilder gefunden, die er wohl von Fall zu Fall benutzte.

    Sie verließen den Keller wieder, Burke sagte: „Bourne wird verdächtigt, einem Kinderpornoring anzugehören. Wir ermitteln in der Angelegenheit. Ich darf Sie bitten, uns die Ergebnisse der Spurensicherung zur Kenntnis zu geben."

    „Natürlich", versetzte Brown.

    Die FBI-Beamten verließen das Haus. Ein schwarzer Range Rover fuhr im Schritttempo vorbei. Der Fahrer hatte das Gesicht in ihre Richtung gewandt. Es war ein hageres Gesicht, das von dunklen Haaren eingerahmt war; der Mann trug einen Vollbart. Als er vorbei war, gab er etwas Gas.

    Die Agents gingen zum Dodge. Als sie in dem Fahrzeug saßen, knurrte Ron Harris: „Der Mörder ist uns zum zweiten Mal zuvorgekommen. Erst Simpson, jetzt Bourne. Findest du das nicht auch seltsam. Es ist, als wäre er über unsere nächsten Schritte jeweils informiert."

    „Das ist Zufall, erwiderte Owen Burke. „Aber wie es aussieht, weiß er mindestens genauso viel wie wir. Vielleicht sogar mehr.

    „Es geht nicht mehr nur darum, der Pädophilenszene einen empfindlichen Schlag zu versetzen, ergänzte Ron Harris, „wir haben nun auch noch einen eiskalten Killer, dem wir das Handwerk legen müssen.

    „Die Frage ist, wo wir ansetzen?"

    Ron Harris überlegte nicht lange. „Wir sollten die Kerle, die wir noch in Verdacht haben, zur Szene zu gehören, nicht verhaften, sondern beschatten."

    „Du willst sie als Lockvögel benutzen?"

    „Sozusagen. Vielleicht kommen wir über sie an den Mörder heran."

    „Warten wir ab, was die Spurensicherung ergibt. Vielleicht hat der Mörder Spuren hinterlassen, anhand welcher seine DNA festgestellt werden kann. Wenn wir Glück haben, ist sein genetischer Fingerabdruck registriert. Vielleicht ist es auch nur ein Fingerprint ..."

    „Eine Möglichkeit", knurrte Ron Harris.

    „Okay, sagte Burke. „Dann observieren wir die Kerle heute und morgen nur. Anthony Rooney ist flüchtig. Die Fahndung nach ihm läuft. Uns bleiben im Moment nur noch Brian Holmes und Christopher Hall. Ich bringe dich nach Queens zu Holmes’ Wohnung und fahre dann in die Meadow Street in Brooklyn, um Hall zu beschatten.

    „Hammond könnte doch Rooneys Wohnung in der Lower East Side beobachten, schlug Ron Harris vor. „Möglich, dass Rooney zurückkommt, um sich das eine oder andere, das er für seine Flucht benötigt, aus der Wohnung zu holen.

    „Ruf ihn einfach an", knurrte Owen Burke.

    Hammond nahm nicht ab. „Er ist eingeschnappt, erklärte Ron Harris grinsend. „Nachdem du ihn seiner Verhörmethoden wegen ziemlich harsch zurechtgewiesen hast, spielt er den Beleidigten. Der Special Agent schob sein Handy ein.

    „Solche Methoden kann ich nicht zulassen«, antwortete Burke. „Ich werde dem Chef Meldung machen müssen."

    Während er sprach, steckte Harris den Schlüssel ins Zündschloss und drehte ihn herum. Der Motor sprang an.

    „Die Morde werden in der Pädophilenszene ziemlich für Furore sorgen, ergriff Burke erneut das Wort, indes Harris am Lenkrad kurbelte, um den Dodge aus der Parklücke zu steuern. „Sie werden bei diesem Personenkreis Angst und Schrecken auslösen.

    Sie fuhren nach Süden, und schon bald befanden sie sich wieder im Stadtgebiet New Yorks, und zwar in der Bronx. Harris wandte sich in Richtung Bronx Whitestone Bridge, über die sie Queens erreichen wollten.

    Queens weist keine Hochhäuser und Wolkenkratzer auf wie Manhattan. Hier befinden sich Industriegebiete, Wohnsiedlungen, viele Parks und eine Reihe von Friedhöfen.

    Ron Harris stieg in der Maspeth Avenue aus und Owen Burke setzte sich ans Steuer. Bei dem Gebäude, in dem Holmes wohnte, handelte es sich um eine jener Mietskasernen, die für Queens und Brooklyn charakteristisch sind. Ganze Ortsteile bestehen nur aus diesen drei- und vierstöckigen Gebäuden. Sie bildeten ganze Fluchten. Es waren nicht gerade noble Wohngegenden. Ron Harris verschwand in dem Haus, um herauszufinden, welches Apartment Holmes bewohnte.

    Burke fuhr weiter nach Brooklyn.

    8

    Owen Burke beobachtete das Haus, in dem Hall wohnte. Es war 21 Uhr vorbei und schon finster. Die Straßenlaternen brannten. Bei dem Gebäude handelte es sich um ein Einfamilienhaus. Ein idyllisches Häuschen mit Türmen und Erkern, in den Farben weiß und grau gehalten.

    Hall war zu Hause. Als es finster wurde, hatte er die Jalousien heruntergelassen. Durch die dünnen Ritzen zwischen den Lamellen der Jalousie vor einem der Fenster im Erdgeschoss schimmerte Licht.

    Burke und Harris standen per Handy miteinander in Verbindung. Alle halbe Stunde meldete sich Ron Harris bei seinem Kollegen. Um 21 Uhr 30 erwartete Burke wieder seinen Anruf.

    Ein Jeep erregte die Aufmerksamkeit des Special Agents. Es war ein schwarzer Range Rover, der langsam die Meadow Street herunterfuhr und etwa fünfzig Yards vor Halls Haus am Straßenrand angehalten wurde.

    Ein Mann stieg aus.

    Der Special Agent beobachtete ihn. Er war etwa siebzig Yards von ihm entfernt. Das Licht einer Straßenlaterne fiel auf ihn. Burke sah ein Gesicht, das von einem Vollbart eingerahmt wurde – und es durchfuhr ihn wie ein Stromstoß: Diesen Mann hatte er schon einmal gesehen. Es war am Nachmittag vor dem Haus Bournes in Yonkers gewesen. Das Auto war langsam auf der McLeon Avenue vorbeigefahren, als die Agents das Haus verließen.

    Er schritt auf dem Gehsteig entlang und bog auf das Grundstück Halls ein.

    Burkes Gedanken rasten. Er, Owen Burke, musste verhindern, dass der Bärtige das Haus betrat, und er hatte den Gedanken noch nicht zu Ende gedacht, als er schon die Autotüre öffnete und ausstieg. „He!, rief er. „Bleiben Sie stehen. FBI ...

    Der Kerl wirbelte herum, da war Burkes letztes Wort noch nicht richtig verhallt, und griff unter seine Jacke. Der G-man handelte mehr instinktiv als von einem bewussten Willen geleitet, als er nach der SIG griff.

    Bei dem anderen krachte es und das Mündungsfeuer lohte Burke entgegen. Der Special Agent duckte sich und die Kugel pfiff über ihn hinweg. Sein Zeigefinger krümmte sich, aber der Bärtige rannte schon die Zufahrt zur Garage hinunter und Burke konnte sich nicht mehr schnell genug auf das veränderte Ziel einstellen.

    Ohne lange zu überlegen nahm er die Verfolgung auf.

    Der Bursche erreichte die Garage, verließ die Zufahrt und rannte in den Garten. Der Special Agent sah ihn nur noch schemenhaft. „Stehen bleiben!, brüllte er. „FBI!

    Diese Aufforderung schien den Gangster nur noch zu beflügeln. Er schoss noch einmal zurück und verschwand dann wie ein Spuk zwischen den Büschen.

    Es hatte keinen Sinn, den Kerl in der Dunkelheit durch die Gärten zu verfolgen. Außerdem war er zum Letzten entschlossen, und es war nicht auszuschließen, dass er irgendwo in der Finsternis lauerte, um Burke den Fangschuss zu geben.

    Der Special Agent kehrte zur Straße zurück. Bei den Häusern ringsum waren die Außenbeleuchtungen angegangen und einige Menschen kamen auf die Straße. Auch aus dem

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